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Bundesverwaltungsgericht 25.11.2011 E-4512/2011

November 25, 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·879 words·~4 min·1

Summary

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 15. Juli 2011

Full text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung V E­4512/2011 Urteil   v om   2 5 .   No v embe r   2011 Besetzung Einzelrichterin Gabriela Freihofer, mit Zustimmung von Richterin Regula Schenker Senn,   Gerichtsschreiber Simon Thurnheer. Parteien A._______, geboren am (…), Sri Lanka,   vertreten durch (…), Caritas Schweiz, (…), Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Vollzug der Wegweisung;  Verfügung des BFM vom 15. Juli 2011 / N (…).

E­4512/2011 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest und erwägt, dass der Beschwerdeführer eigenen Angaben zufolge seinen Heimatstaat  am  11.  Dezember  2010  verliess  und  am  13. Dezember  2010  in  die  Schweiz einreiste, wo er gleichentags um Asyl nachsuchte, dass  er  anlässlich  der  Kurzbefragung  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  B._______  vom  20.  Dezember  2011  sowie  der  Anhörung  vom  13. Juli  2011  zur  Begründung  seines  Asylgesuchs  im  Wesentlichen geltend machte, er sei Tamile aus dem Jaffna­Distrikt ([…]),  dass  der Beschwerdeführer während  des Bürgerkrieges  von  der Armee  wiederholt belästigt, festgenommen und geschlagen worden sei, weil man  ihm  Nähe  zu  den  Liberation  Tigers  of  Tamil  Eelam  (LTTE)  unterstellt  habe,  dass  er  von  der  Eelam's  People Democratic  Party  (EPDP)  unter  Druck  gesetzt worden sei, sich ihr anzuschliessen, wegen des Krieges habe er  zudem sein ganzes Hab und Gut verloren, dass  das  BFM  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  mit  Verfügung  vom  15. Juli  2011  –  eröffnet  am  18. Juli  2011  –  ablehnte  und  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz  sowie  den  Vollzug  der  Wegweisung  anordnete, dass  das  BFM  zur  Begründung  im  Wesentlichen  anführte,  dass  die  Vorbringen den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit nicht standhielten,  da  die  Schilderungen  unsubstanziiert,  stereotyp  und  in  wesentlichen  Punkten krass widersprüchlich seien und typischer Realitätskennzeichen  entbehrten, dass überdies die Erklärung für die durch die Armee erlittene Verfolgung  nicht zu überzeugen vermöge, dass sich die allgemeine Lage in Sri Lanka, insbesondere auch im Jaffna­ Distrikt,  zwischenzeitlich  soweit  entspannt  habe,  dass  die  Rückkehr  dorthin wieder zumutbar geworden sei, dass  der  Beschwerdeführer  mit  Eingabe  seiner  Rechtsvertreterin  vom  16. August 2011 gegen diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht   Beschwerde  erhob  und  dabei  beantragte,  die  angefochtene  Verfügung  sei  aufzuheben,  es  sei  die Unzulässigkeit  oder  die Unzumutbarkeit  des 

E­4512/2011 Vollzugs  festzustellen  und  als  Folge  davon  die  vorläufige  Aufnahme  anzuordnen, dass  er  in  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  die  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  und  den  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses beantragen liess, dass auf die Begründung der Beschwerde und  ihre Beilagen, soweit  für  den Entscheid wesentlich, in den Erwägungen eingegangen wird, dass  das  Bundesverwaltungsgericht  mit  Zwischenverfügung  vom  22. August  2011  feststellte,  dass  sich  die  Beschwerde  auf  den  Vollzugspunkt beschränkt, die Behandlung des Gesuchs um Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  auf  einen  späteren  Zeitpunkt  verwies  und  antragsgemäss  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  verzichtete, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig  über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 des Bundesgesetzes vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR 172.021])  des  BFM  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  [AsylG,  SR 142.31]  i. V. m.  Art. 31 – 33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG, SR 173.110]), dass eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG nicht  vorliegt, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet, dass  sich  das  Verfahren  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG  richtet,  soweit  das  AsylG  nichts  anderes  bestimmt  (Art. 37  VGG  und  Art. 6 AsylG), dass  der  Beschwerdeführer  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an deren Aufhebung beziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist  (Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG),

E­4512/2011 dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  einzutreten ist (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 VwVG), dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise  einer zweiten Richterin entschieden wird  (Art. 111 Bst. e AsylG) und es  sich  vorliegend,  wie  nachfolgend  aufgezeigt,  um  eine  solche  handelt,  weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art.  111a Abs. 2 AsylG), dass  gestützt  auf  Art.  111a  Abs.  1  AsylG  vorliegend  auf  einen  Schriftenwechsel verzichtet wurde, dass  die Verneinung  der  Flüchtlingseigenschaft  und  die Ablehnung  des  Asylgesuchs  (Ziffern  1  und  2  des  Dispositivs  der  angefochtenen  Verfügung) unangefochten geblieben und mit Ablauf der Beschwerdefrist  in Rechtskraft erwachsen sind, dass die Wegweisung als solche (Ziffer 3 des Dispositivs) praxisgemäss  nur  dann  aufgehoben  werden  kann,  wenn  eine  Aufenthaltsbewilligung  vorliegt  oder  ein  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen  besteht  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  2001  Nr. 21),  was  vorliegend  nicht  der  Fall ist, dass  somit  Gegenstand  des  vorliegenden  Verfahrens  einzig  die  Frage  des Vollzugs der Wegweisung bildet (Art. 44 AsylG), dass das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  regelt,  wenn  der  Vollzug  der Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar  oder  nicht  möglich  ist  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember  2005  über  die Ausländerinnen  und  Ausländer [AuG, SR 142.20]), dass  bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  seiner  Vorgängerorganisation  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der 

E­4512/2011 Flüchtlingseigenschaft  gilt,  das  heisst,  sie  sind  zu  beweisen,  wenn  der  strikte  Beweis  möglich  ist,  und  andernfalls  wenigstens  glaubhaft  zu  machen (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl,  in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser  [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148), dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zulässig  ist,  wenn  völkerrechtliche  Verpflichtungen  der  Schweiz  einer  Weiterreise  der  Ausländerin oder des Ausländers  in den Heimat­, Herkunfts­ oder einen  Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG), dass  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen werden darf, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus  einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom  28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]), dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  vorliegend  in  Beachtung  dieser  massgeblichen völker­ und landesrechtlichen Bestimmungen zulässig ist,  da  es  dem  Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung  nachzuweisen  oder  glaubhaft  zu  machen,  weshalb das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen  Non­Refoulement  im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  findet  und keine Anhaltspunkte für eine menschenrechtswidrige Behandlung im  Sinne  von  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101),  von  Art. 3  des  Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art. 3  der  Konvention  vom  4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten  (EMRK,  SR 0.101)  ersichtlich  sind,  die  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  droht, dass  es  dem  Beschwerdeführer  insbesondere  nicht  gelungen  ist  zu  substanziieren,  inwiefern  ihm  bei  einer  Rückkehr  nach  Sri  Lanka  eine  konkrete  Gefahr  von  Folter  oder  unmenschlicher  oder  erniedrigender  Strafe drohen würde, dass sich der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer als unzumutbar  erweist,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von 

E­4512/2011 Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer  Notlage konkret gefährdet sind (Art. 83 Abs. 4 AuG), dass  weder  die  allgemeine  Lage  im  Heimat­  bzw.  Herkunftsstaat  des  Beschwerdeführers  noch  individuelle  Gründe  auf  eine  konkrete  Gefährdung  im  Falle  einer  Rückkehr  schliessen  lassen,  weshalb  der  Vollzug der Wegweisung vorliegend zumutbar ist, dass  der  Beschwerdeführer  insbesondere  keine  individuellen  Vollzugshindernisse  gesundheitlicher,  wirtschaftlicher  oder  sozialer  Art  geltend  macht,  sondern  lediglich  auf  die  allgemeine  Lage  in  Sri  Lanka  und die zwischenzeitlich überholte Praxis des Bundesverwaltungsgerichts  hinweist, dass  gemäss  dem  zur  Publikation  vorgesehenen  Entscheid  BVGE          E­6220/2006  vom  27.  Oktober  2011  E.  13.2.1.  die  Wegweisung  in  denjenigen Teil des Jaffna­Distrikts, in dem der Beschwerdeführer bis zu  seiner Ausreise den grössten Teil seines Lebens wohnhaft war, nunmehr  grundsätzlich  als  zumutbar  gilt,  sofern  keine  individuellen  Vollzugshindernisse bestehen bzw. begünstigende Faktoren vorliegen, dass es sich beim Beschwerdeführer um einen  jungen, gesunden Mann  mit  mehrjähriger  Berufserfahrung  handelt,  der  erst  nach  Ende  des  Bürgerkrieges  aus  Sri  Lanka  ausgereist  ist,  sich  weniger  als  ein  Jahr  ausserhalb seines Heimatstaates befindet, an seinem letzten Wohnort im  Jaffna­Distrikt  mit  seinen  Eltern  und  Geschwistern  über  ein  tragfähiges  familiäres  Netz  verfügt  und  keiner  besonders  gefährdeten  Personengruppe angehört, dass  somit  begünstigende  Faktoren  im  Sinne  des  zitierten  Grundsatzentscheides vorliegen, dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  des  Beschwerdeführers  in  den  Heimatstaat  schliesslich  möglich  ist,  da  keine  Vollzugshindernisse  bestehen (Art. 83 Abs. 2 AuG), und es dem Beschwerdeführer obliegt, bei  der  Beschaffung  gültiger  Reisepapiere  mitzuwirken  (vgl.  Art. 8  Abs. 4  AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), dass  nach  dem  Gesagten  der  vom  Bundesamt  verfügte  Vollzug  der  Wegweisung zu bestätigen ist,

E­4512/2011 dass  es  dem  Beschwerdeführer  demnach  nicht  gelungen  ist  darzutun,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den  rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig  feststellt oder  unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen  ist, dass sich die gestellten Rechtsbegehren gemäss obigen Erwägungen als  aussichtslos  erweisen,  weshalb  ­  ungeachtet  der  dokumentierten  Bedürftigkeit  des  Beschwerdeführers  ­  das Gesuch  um Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  abzuweisen  ist  und  bei  diesem  Ausgang  des Verfahrens die Kosten von Fr. 600.­ (Art. 1 – 3 des Reglements vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 173.320.2])  dem  Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG). (Dispositiv nächste Seite)

E­4512/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Das Gesuch um Gewährung der  unentgeltlichen Rechtspflege  im Sinne  von Art. 65 Abs. 1 VwVG wird abgewiesen. 3.   Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.­  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Die Einzelrichterin: Der Gerichtsschreiber: Gabriela Freihofer Simon Thurnheer

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