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Bundesverwaltungsgericht 12.01.2012 E-4459/2011

January 12, 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·678 words·~3 min·1

Summary

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 11. Juli 2011 / N

Full text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung V E­4459/2011 Urteil   v om   1 2 .   J a nua r   2012 Besetzung Einzelrichter Kurt Gysi, mit Zustimmung von Richter Martin Zoller;   Gerichtsschreiber Christoph Berger. Parteien A._______, geboren (…), Irak,   vertreten durch Kathrin Stutz,  Zürcher Beratungsstelle für Asylsuchende (ZBA),  (…), Beschwerdeführerin,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung;  Verfügung des BFM vom 11. Juli 2011 / N (…).

E­4459/2011 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass  die  Beschwerdeführerin,  kurdischer  Ethnie  und  aus  Suleimaniya  stammend,  gemäss  eigenen  Angaben  ihr  Heimatland  am  16.  August  2008 auf dem Landweg über die Türkei verliess, am 1. September 2008  in die Schweiz gelangte und hier gleichentags um Asyl nachsuchte, dass sie am 18. September 2008  im Empfangs­ und Verfahrenszentrum  (EVZ) Kreuzlingen und am 6. November 2009 durch das BFM ergänzend  zu den Asylgründen angehört wurde, dass sie im Wesentlichen vorbrachte, sie sei nach dem Tod ihres Vaters  im  Jahre  1999  durch  ihre  beiden  Brüder  aufgrund  deren  islamistischen  und  intoleranten  Grundhaltung  zu  einer  konservativen  Lebensführung  gezwungen worden, dass sie im Januar 2007 für die Schule Fotos von ihr ohne Kopftuch habe  anfertigen  lassen  und  die  Brüder  im  März  2008  diese  Fotos  entdeckt  hätten,  sehr wütend geworden wären und  ihr  verboten hätten, weiterhin  als (…) tätig zu sein, dass  sie  seit  dem  Jahre  2006  eine  Beziehung  zu  einem Mann  gehabt  habe, der Mitglied der Komala Partei sei, dass  diese Beziehung  auch  ausserehelich  intim  geworden  sei, weshalb  sie  eine  von  ihren  Brüdern  beabsichtigte  Heirat  mit  einem  Cousin  abgelehnt habe, dass am 10. August 2008 ihre Brüder Fotos gefunden hätten, auf denen  die Beschwerdeführerin mit ihrem Freund an Veranstaltungen der Komala  Partei zu sehen gewesen seien, dass ihre Brüder sie danach in ihrem Zimmer eingesperrt und vereinbart  hätten, sie umzubringen, dass die Mutter der Beschwerdeführerin ihr zu Flucht verholfen habe und  sie ins Parteiquartier der Komala gefahren sei, dass ihr Freund dort nicht anwesend gewesen sei und Bekannte aus der  Partei ihre Ausreise aus dem Irak organisiert hätten, dass  für den  Inhalt der Aussagen  im Einzelnen auf die Akten verwiesen  werden kann,

E­4459/2011 dass  das  BFM mit  am  13.  Juli  2011  eröffneter  Verfügung  vom  11.  Juli  2011 feststellte, die Beschwerdeführerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft  nicht,  ihr  Asylgesuch  ablehnte,  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz  anordnete,  die  Wegweisung  jedoch  aufgrund  der  Unzumutbarkeit  als  nicht  vollziehbar erachtete und den Vollzug der Wegweisung zugunsten  einer vorläufigen Aufnahme aufschob, dass es zur Begründung  im Wesentlichen ausführte, die Vorbringen der  Beschwerdeführerin  würden  den  Anforderungen  an  die  Glaubhaftigkeit  gemäss Art. 7 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31)  nicht standhalten, weshalb sie die Flüchtlingseigenschaft nicht erfülle und  das Asylgesuch abzulehnen sei, dass  die  Beschwerdeführerin  mit  Eingabe  vom  12.  Augst  2011  (Postaufgabe)  gegen  diesen  Entscheid  Beschwerde  erhob  und  in  materieller  Hinsicht  beantragt,  der  Entscheid  der  Vorinstanz  sei  aufzuheben und es sei Asyl zu gewähren, dass  sie  in  prozessualer  Hinsicht  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung  und  um  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses ersuchte, dass  auf  die  Begründung  der  Beschwerdebegehren,  soweit  entscheidwesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen einzugehen ist, dass das Bundesverwaltungsgericht mit Verfügung vom 16. August 2011  den Eingang der Beschwerde bestätigte, und zieht in Erwägung, dass das Bundesverwaltungsgericht  im Bereich des Asyls  in der Regel ­  so  auch  vorliegend  ­  endgültig  über  Beschwerden  gegen  Verfügungen  (Art. 5  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember 1968  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR 172.021])  des  BFM  entscheidet  (Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art. 31­33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005  [VGG,  SR 173.32]  sowie  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass  die  Beschwerdeführerin  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an deren Aufhebung beziehungsweise 

E­4459/2011 Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist    (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass auf die  frist­ und  formgerecht eingereichte Beschwerde einzutreten  ist  (Art.  108  Abs.  1  AsylG  und  Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art.  37  VGG  und  Art. 52 VwVG), dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  entschieden  wird  (Art. 111  Bst. e  AsylG)  und  es  sich  vorliegend,  wie  nachfolgend  aufgezeigt,  um  eine  solche  handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG), dass die Schweiz Flüchtlingen grundsätzlich Asyl  gewährt  (Art. 2 Abs. 1  AsylG), wobei als Flüchtlinge Personen gelten, die  in  ihrem Heimatstaat  oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG), dass die Flüchtlingseigenschaft nachgewiesen oder zumindest glaubhaft  gemacht werden muss (Art. 7 AsylG), dass die Flüchtlingseigenschaft glaubhaft gemacht ist, wenn die Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält, dass die Erwägungen des BFM in der angefochtenen Verfügung den von  der  Beschwerdeführerin  vorgebrachten  Sachverhalt  in  seinen  entscheidwesentlichen  Punkten  in  ausgewogener  und  überzeugender  Form beurteilen und somit zu bestätigen sind, dass  in  Berücksichtigung  der  gesamten  Aktenlage  das  BFM  richtigerweise  feststellt,  die  Vorbringen  der  Beschwerdeführerin  würden  den  Anforderungen  an  die  Glaubhaftigkeit  gemäss  Art.  7  AsylG  nicht  standhalten,

E­4459/2011 dass  der  Einschätzung  des  BFM  zu  folgen  ist,  wonach  nicht  nachvollziehbar und konstruiert erscheine, wenn die Beschwerdeführerin  einerseits  während  zweier  Jahre  eine  geheime  aussereheliche  intime  Beziehung  führe und  in  ihrem Schrank und  ihrer Handtasche Fotos von  ihr und ihrem Freund von Anlässen der Komala aufbewahre, andererseits  es  jedoch  zu  riskant  einstufe,  einige  Tage  im  Parteiquartier  auf  ihren  Freund  zu  warten  oder  sich  mit  diesem  in  den  irakischen  Bergen  zu  verstecken,  dass  darüber  hinaus  kaum  vorstellbar  ist,  dass  die  Beziehung  der  Beschwerdeführerin  über  längere  Zeit  hätte  geheim  gehalten  werden  können, wenn  sie  ihren  Freund  öfters  in  den  freien  Lektionsstunden  im  Parteisitz  in der Stadt, der sich  in der Nähe der Schule befunden habe,  getroffen habe (A25/21 F96­F98), dass sie auch im Zusammenhang mit ihren Treffen in der Wohnung ihres  Freundes  ausserhalb  der  Stadt  keine  diesbezüglichen  Vorsichtsmassnahmen erwähnt (A25/21 F96), was von einer intelligenten  Frau wie der Beschwerdeführerin erwartet werden könnte, wenn es sich  wie von ihr vorgebracht, zwingend heimlich abgespielt haben müsste, dass  das  BFM  in  der  angefochtenen  Verfügung  im Weiteren  zu  Recht  feststellte, dass die Angaben der Beschwerdeführerin im Zusammenhang  mit  einer  allfälligen  gemeinsamen  Ausreise  aus  dem  Irak  mit  ihrem  Freund widersprüchlich ausgefallen sind, dass das BFM ebenso zutreffend erkannte, dass die Beschwerdeführerin  anlässlich  der  Anhörung  im  EVZ  ausführte,  die  Parteikollegen  ihres  Freundes hätten  ihr bei der Ankunft  im Parteiquartier gesagt,  ihr Freund  halte  sich  für  eine  Woche  in  den  Bergen  auf,  wobei  sie  in  der  Bundesbefragung vorgebracht habe, es sei ihr nicht mitgeteilt worden, wo  sich  ihr  Freund  befinde  und  sie  habe  auch  nicht  gewusst,  wann  er  zurückkomme, dass das widersprüchliche Aussageverhalten zu zentralen Aspekten des  geltend  gemachten  Sachverhaltes  durch  die  Einwände  in  der  Rechtsmitteleingabe nicht auch nur ansatzweise entkräftet wird, dass  durch  diese  Erkenntnisse  und  die  widersprüchlichen  Angaben  zu  zentralen  Punkten  der  Vorbringen  in  Würdigung  der  Aktenlage  einem  flüchtlingsrechtlich  relevantem  Sachverhalt  die  Grundlage  entzogen  bleiben muss,

E­4459/2011 dass  es  sich  nach  den  vorstehenden  Erwägungen  erübrigt,  auf  weitere  Aspekte  einzugehen  und  das  BFM  zu  Recht  feststellte,  die  Beschwerdeführerin habe die Flüchtlingseigenschaft nicht nachzuweisen  oder zumindest glaubhaft zu machen vermocht, dass  aufgrund  der  Aktenlage  keine  hinreichenden  Anhaltspunkte  erkennbar sind, wonach die Beschwerdeführerin in ihrem Heimatland aus  flüchtlingsrechtlich relevanten Motiven ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  war  oder  in  absehbarer  Zukunft  mit  erheblicher  Wahrscheinlichkeit  ausgesetzt sein könnte, dass das Bundesamt das Asylgesuch demnach zu Recht abgelehnt hat, dass die Ablehnung eines Asylgesuches oder das Nichteintreten auf ein  Asylgesuch in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge hat  (Art. 44  Abs. 1  AsylG),  vorliegend  der  Kanton  keine  Aufenthaltsbewilligung erteilt hat und zudem kein Anspruch auf Erteilung  einer solchen besteht (BVGE 2009/50 E. 9 S. 733), weshalb die verfügte  Wegweisung  im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen steht und  demnach vom Bundesamt zu Recht angeordnet wurde, dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr.  600.­­       (Art.  16  Abs.  1  Bst.  a  VGG  i.V.m.  Art.  1­3  des  Reglements  vom  21.  Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2])  der  Beschwerdeführerin  aufzuerlegen  sind  (Art. 63  Abs. 1  VwVG)  und  das  Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege angesichts des  aussichtslosen Rechtsbegehrens abzuweisen ist (Art. 65 Abs. 1VwVG), dass  das  Gesuch,  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  zu  verzichten, mit vorliegendem Urteil gegenstandslos ist. (Dispositiv nächste Seite)

E­4459/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung  wird  abgewiesen. 3.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  600.­­  werden  der  Beschwerdeführerin  auferlegt.  Der  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  vorliegenden  Urteils zu Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführerin,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Kurt Gysi Christoph Berger Versand:

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