Skip to content

Bundesverwaltungsgericht 09.02.2012 E-4417/2011

February 9, 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·3,014 words·~15 min·4

Summary

Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung | Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; Gesuch um Familienzusammenführung; Verfügung des BFM vom 19. Juli 2011

Full text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung V E­4417/2011 Urteil   v om   9 .   Februar   2012 Besetzung Richterinnen Muriel Beck Kadima (Vorsitz), Contessina Theis, Christa Luterbacher; Gerichtsschreiberin Stella Boleki. Parteien A._______, geboren am (…), Eritrea,   vertreten durch Christian Hoffs, B._______, (…), Beschwerdeführerin,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung;  Gesuch um Familienzusammenführung; Verfügung des BFM  vom 19. Juli 2011 / N (…).

E­4417/2011 Sachverhalt: A.  Der  Ehemann  der  Beschwerdeführerin,  dem  am  11.  Juli  2006  in  der  Schweiz  Asyl  gewährt  wurde,  reichte  beim  BFM  eine  mit  "Gesuch  um  Familiennachzug" betitelte Eingabe vom 9. Mai 2011 ein. Dabei führte er  aus,  er  sei  bereits  vor  seiner  Ausreise  aus  Eritrea  mit  seiner  heutigen  Ehefrau  befreundet  gewesen,  und  im  November  2010  hätten  sie  im  Sudan geheiratet. Seine Ehefrau sei aufgrund von politischen Problemen  aus Eritrea geflohen und  lebe seither  im Sudan. Der Eingabe  lagen zur  Unterstützung seiner Vorbringen eine in die deutsche Sprache übersetzte  Heiratsurkunde  und  ein  ihn  betreffender  schweizerischer  Ausländerausweis (Niederlassungsbewilligung) bei.  B.  Das  BFM  teilte  dem  Ehemann  der  Beschwerdeführerin  mit  Zwischenverfügung  vom  6.  Juni  2011  mit,  dass  das  Gesuch  um  Familienasyl  voraussichtlich  abzulehnen  sei,  weil  er  und  seine  Ehefrau  vor  der  Ausreise  aus  Eritrea  nicht  in  einer  familienähnlichen  Gemeinschaft gelebt hätten. Hinsichtlich des sinngemässen Asylgesuchs  für  seine  Ehefrau  (Beschwerdeführerin)  hielt  das  BFM  fest,  im  Auslandverfahren  werde  in  der  Regel  eine  persönliche  Befragung  der  asylsuchenden Person vor Ort vorgenommen. Es könne jedoch in einigen  expliziten Fällen davon abgesehen werden  (BVGE 2007/30 E.  5.4). Die  Schweizer Botschaft  in Khartum habe dem BFM mit Schreiben vom 23.  März  2010  mitgeteilt,  dass  das  Arbeitsvolumen  und  die  Abklärungsersuchen des BFM stark zugenommen hätten, und sie infolge  des begrenzten Personalbestandes sowie fehlender Voraussetzungen im  sicherheitstechnischen  und  räumlichen  Bereich  nicht  mehr  in  der  Lage  sei, Befragungen von Asylsuchenden durchzuführen. Für das BFM seien  diese  Argumente  sachlich  begründet  und  überzeugend,  weshalb  das  Verfahren schriftlich durchzuführen sei. Das BFM ersuchte den Ehemann  der  Beschwerdeführerin  unter  Hinweis  auf  den  Fragenkatalog  um  Vervollständigung  des  Sachverhalts  bis  zum  5.  Juli  2011.  Bei  unbenutztem  Ablauf  der  Frist  werde  es  aufgrund  der  Aktenlage  entscheiden.  Für  den  Fall,  dass  den  Rechtsbegehren  im  Endentscheid  nicht  stattgegeben  werden  könnte,  erhalte  er  die  Gelegenheit  zu  abschliessenden Bemerkungen beziehungsweise Einwänden.  C.  Mit  Schreiben  vom  10.  Juni  2011  informierte  der  Ehemann  der 

E­4417/2011 Beschwerdeführerin  das  BFM,  dass  seine  Ehefrau  bis  April  2009  in  Eritrea  gelebt  habe.  Im  Mai  2007  sei  sie  von  der  Militärpolizei  festgenommen  und  für  ein  Jahr  im Gefängnis  C._______  inhaftiert  und  auch  gefoltert worden. Sodann  sei  sie  ins militärische Trainingszentrum  D._______ gebracht worden. Nach sechs Monaten Training sei sie dem  Wehrdienst  zugeteilt  worden.  Doch  dieser  sei  anders  als  erwartet  gewesen,  denn  die  Kommandanten  hätten  von  ihr  private  Dienstleistungen  erwartet.  Ab  Dezember  2008  sei  sie  vermehrt  zu  solchen  Dienstleistungen  gezwungen  worden  ­  auch  unter  Androhung  des Gefängnisses,  falls  sie  sich widersetzen würde. Daraufhin habe sie  sich an ihren Onkel gewendet, der ebenfalls im Militärdienst gewesen sei.  Er habe  ihr angeboten, mit  ihm zusammen aus Eritrea zu  fliehen. Nach  anfänglichem  Zögern  (aus  Angst),  habe  sie  dann  zugesagt,  und  habe  sich am (…) mit dem Onkel in der Nacht auf die Reise gemacht. Weil sie  krank und müde gewesen sei, habe der Onkel beschlossen, direkt nach  Khartum  zu  gehen,  damit  sie  sich  dort  medizinisch  behandeln  lassen  könne. Noch heute sei sie nicht gesund und der Weg nach Shegerab zum  Büro  des  UNHCR  sei  zu  weit.  Seine  Frau  habe  nur  einen  vorübergehenden  Aufenthaltstitel  im  Sudan  und  befinde  sich  als  alleinstehende Frau in einer schwierigen Situation. Häufig werde sie von  Soldaten  aufgefordert,  eine  Geldzahlung  zu  leisten,  ansonsten  ihr  die  Deportation nach Eritrea drohe.  D.  Mit Schreiben  vom 29.  Juni  2011 ersuchte das BFM um Zustellung der  Vollmacht  der  Beschwerdeführerin,  worauf  der  Ehemann mit  Schreiben  vom 12. Juli 2011 die entsprechende Vollmacht zu den Akten reichte. E.  Mit Verfügung vom 19. Juli 2011 verweigerte das BFM die Einreise in die  Schweiz und lehnte das Asylgesuch der Beschwerdeführerin ab. F.  Mit  Telefax  vom  22.  Juli  2011  beantragte  der  Ehemann  im Namen  der  Beschwerdeführerin,  sämtliche  Akten  seien  der  B._______,  zur  Akteneinsicht  zuzuzstellen,  worauf  das  BFM  die  zur  Edition  frei  gegebenen  Akten  am  27. Juli  2011  an  die  gewünschte  Adresse  verschickte.  G.  Der  im Auftrag der Beschwerdeführerin neu mandatierte Rechtsvertreter 

E­4417/2011 beantragte beim Bundesverwaltungsgericht mit Rechtsmitteleingabe vom  10.  August  2011,  die  angefochtene  Verfügung  vom  19.  Juli  2011  sei  aufzuheben  und  es  sei  ihr  die  Einreise  in  die  Schweiz  zwecks  Durchführung  eines  ordentlichen  Asylverfahrens  zu  bewilligen,  eventualiter  sei  die  Sache  zur  vollständigen  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  und  zur  erneuten  Entscheidung  an  die  Vorinstanz  zurückzuweisen.  In  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  sei  ihr  die  unentgeltliche  Prozessführung,  insbesondere  der  Verzicht  auf  die  Erhebung eines Kostenvorschusses, zu gewähren. H.  Am  18.  August  2011  bestätigte  die  zuständige  Instruktionsrichterin  den  Eingang der Beschwerde vom 10. August 2011. I.  Mit Verfügung vom 23. August 2011 gingen die gesamten Akten an die  Vorinstanz  zur  Vernehmlassung.  Auf  die  Erhebung  eines  Verfahrenskostenvorschusses wurde verzichtet und die Beurteilung über  das  Gesuch  um  unentgeltliche  Rechtspflege  wurde  auf  einen  späteren  Zeitpunkt verschoben.  J.  Das BFM äusserte sich im Rahmen der Vernehmlassung vom 29. August  2011 nachträglich zu den Asylausschlussgründen gemäss Art. 52 Abs. 2  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  indem  es  die  diesbezüglich erforderliche Abwägung der Kriterien nachholte. Dabei kam  das  Bundesamt  im  Wesentlichen  zum  Schluss,  dass  der  Anknüpfungspunkt  zur  Schweiz  die  Kriterien  für  den  Weiterverbleib  im  Sudan  nicht  aufzuwiegen  vermöge.  Im  Übrigen  hielt  es  an  seinen  bisherigen Erwägungen fest.  K.  Mit  Instruktionsverfügung  vom  1.  September  2011  erhielt  die  Beschwerdeführerin Gelegenheit zur Replik.  L.  Die  Beschwerdeführerin  liess  durch  ihren  Rechtsvertreter  mit  Eingabe  vom  16.  September  2011  ausführen,  es  sei  ihr  weder  subjektiv  noch  objektiv  zumutbar  im  Sudan  zu  verbleiben,  und  eine  Abwägung  der  Gesamtumstände ergebe vielmehr, dass es gerade die Schweiz sei, die  ihr den erforderlichen Schutz gewähren solle. 

E­4417/2011 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM  gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  AsylG;  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]).  In  casu  liegt  kein  Auslieferungsverfahren des Heimatstaates vor.  1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG). 1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Die  Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen,  ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung;  sie  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG).  Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

E­4417/2011 3.  Nachdem  Art.  18  AsylG  definiert,  dass  jede  Äusserung,  mit  der  eine  Person zu erkennen gibt, dass sie die Schweiz um Schutz vor Verfolgung  nachsucht, als Asylgesuch zu gelten hat, ist festzustellen, dass das BFM  die Eingabe des Ehemannes mit dem Titel "Gesuch um Familiennachzug"  zu  Recht  auch  als  Asylgesuch  im  Sinne  von  Art. 20  Abs.  2  AsylG  qualifizierte  und  deshalb  vorab  die  Asylgründe  bzw.  die  Ausschlussgründe  im  Sinne  von  Art.  52  Abs.  2  AsylG  der  Beschwerdeführerin überprüfte (vgl. BVGE 2007/19 E. 3.3.).   Der  Umstand,  dass  das  betreffende  Gesuch  nicht  bei  einer  Schweizer  Vertretung,  sondern  direkt  beim  BFM  eingereicht  wurde,  ist  nicht  massgebend (vgl. für die in dieser Hinsicht weiterhin geltende Praxis der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [ARK]  die  Feststellungen  in  Entscheidungen und Mitteilungen der ARK  [EMARK]  1997 Nr. 15 E. 2b,  die  sich  zwar  auf  den  damaligen Art. 13a AsylG beziehen,  jedoch  auch  nach  geltendem  Asylgesetz  massgeblich  bleiben).  Dementsprechend  wurde  die  Eingabe  des  Ehemannes  der  Beschwerdeführerin  trotz  des  Titels " Gesuch um Familiennachzug" zu Recht als Asylgesuch aus dem  Ausland entgegengenommen.  Die  Einreichung  des  Asylgesuchs  erfolgte  durch  den  Ehemann  der  Beschwerdeführerin,  der anlässlich des erstinstanzlichen Verfahrens die  Vollmacht  seiner  Ehefrau  nachreichte.  Mit  der  nachgereichten  Bevollmächtigung hat er das Vertretungsverhältnis nachgewiesen, womit  das  von  ihm  verfasste  Asylgesuch  im  Namen  seiner  Ehefrau  als  rechtsgültig  eingereicht  gilt  und  infolgedessen  kein  Verfahrensmangel  vorliegt  (vgl. das  zur  Publikation  vorgesehene  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts E­3162/2011  vom 6. Dezember 2012 E.  4.1  ff.).  4.  4.1.  Der  Grundsatz  des  rechtlichen  Gehörs  (Art.  29  Abs.  2  der  Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April  1999 [BV, SR 101], Art. 29 VwVG, Art. 32 Abs. 1 VwVG) verlangt, dass  die verfügende Behörde die Vorbringen des Betroffenen tatsächlich hört,  sorgfältig und ernsthaft prüft und  in der Entscheidfindung berücksichtigt,  was  sich  entsprechend  in  der  Begründung  des  Entscheids  niederschlagen  muss  (vgl.  Art.  35  Abs.  1  VwVG).  Die  Abfassung  der  Begründung  soll  es  dem  Betroffenen  möglich  machen,  den  Entscheid  http://links.weblaw.ch/EMARK-1997/15 http://links.weblaw.ch/EMARK-1997/15 http://links.weblaw.ch/EMARK-1997/15 http://links.weblaw.ch/EMARK-1997/15 http://links.weblaw.ch/EMARK-1997/15 http://links.weblaw.ch/EMARK-1997/15 http://links.weblaw.ch/EMARK-1997/15

E­4417/2011 gegebenenfalls sachgerecht anzufechten, was nur möglich ist, wenn sich  sowohl  der  Betroffene  als  auch  die  Rechtsmittelinstanz  über  die  Tragweite des Entscheides ein Bild machen können  (BGE 129  I 232 E.  3.2  S.  236  f.).  Dabei  muss  sich  die  verfügende  Behörde  nicht  ausdrücklich  mit  jeder  tatbeständlichen  Behauptung  und  jedem  rechtlichen  Einwand  auseinander  setzen,  sondern  darf  sich  auf  die  wesentlichen  Gesichtspunkte  beschränken  (BGE  126  I  97  E.  2b).  Die  Begründungsdichte  richtet  sich  nach  dem  Verfügungsgegenstand,  den  Verfahrensumständen  und  den  Interessen  des  Betroffenen,  wobei  die  bundesgerichtliche  Rechtsprechung  bei  schwerwiegenden  Eingriffen  in  die  rechtlich  geschützten  Interessen  des  Betroffenen  eine  sorgfältige  Begründung verlangt (BGE 112 Ia 110) (vgl. BVGE 2008/47 E. 3.2 S. 674  f.,  mit  weiteren  Hinweisen).  Demgegenüber  ist  die  Beschwerdeführerin  gesetzlich verpflichtet, an der Feststellung des Sachverhalts mitzuwirken  und anzugeben, weshalb sie um Asyl nachsucht (vgl. Art. 8 Abs. 1 Bst. c  AsylG) 4.2.  4.2.1. Die Beschwerdeführerin hat zwar nicht gerügt, die Vorinstanz habe  das  Verfahren  nicht  korrekt  durchgeführt,  bzw.  die  Gewährung  des  rechtlichen Gehörs  sei  verletzt  worden,  aber  es  gilt  ungeachtet  dessen  insbesondere im Verwaltungsverfahren von Amtes wegen zu überprüfen,  ob geltendes Recht richtig angewendet wurde. Im Asylverfahren gemäss  Art. 20 AsylG gilt Folgendes:  4.2.2. Gemäss Art. 10 Abs. 1 AsylV 1 führt die schweizerische Vertretung  im Ausland mit  der asylsuchenden Person  in der Regel  eine Befragung  durch.  Davon  kann  abgewichen  werden,  wenn  eine  Anhörung  faktisch,  aus  organisatorischen  oder  kapazitätsmässigen Gründen  unmöglich  ist.  In  diesem  Fall  muss  die  asylsuchende  Person  mittels  eines  individualisierten  und  konkretisierten  Schreibens  aufgefordert  werden,  ihre  Gründe  für  das  Asylgesuch  schriftlich  einzureichen.  Ist  der  Sachverhalt schon aufgrund des eingereichten Asylgesuchs entscheidreif  erstellt,  kann sich eine persönliche Befragung ebenfalls erübrigen. Beim  Abweichen  von  der  Regel,  eine  Befragung  durchzuführen,  ist  das  BFM  gehalten,  dies  in  der  Verfügung  zu  begründen.  Zeichnet  sich  ein  negativer Entscheid ab, ist der asylsuchenden Person diesbezüglich das  rechtliche Gehör zu gewähren (BVGE 2007/30 E. 5.2 ff.). http://links.weblaw.ch/BGE-129-I-232 http://links.weblaw.ch/BGE-129-I-232 http://links.weblaw.ch/BGE-129-I-232 http://links.weblaw.ch/BGE-129-I-232 http://links.weblaw.ch/BGE-129-I-232 http://links.weblaw.ch/BGE-126-I-97 http://links.weblaw.ch/BGE-126-I-97 http://links.weblaw.ch/BGE-126-I-97 http://links.weblaw.ch/BGE-126-I-97 http://links.weblaw.ch/BGE-126-I-97 http://links.weblaw.ch/BGE-112-IA-107 http://links.weblaw.ch/BGE-112-IA-107 http://links.weblaw.ch/BGE-112-IA-107 http://links.weblaw.ch/BGE-112-IA-107 http://links.weblaw.ch/BGE-112-IA-107 http://links.weblaw.ch/BVGE-2008/47 http://links.weblaw.ch/BVGE-2008/47 http://links.weblaw.ch/BVGE-2008/47 http://links.weblaw.ch/BVGE-2007/30 http://links.weblaw.ch/BVGE-2007/30 http://links.weblaw.ch/BVGE-2007/30

E­4417/2011 4.2.3.  Die  Beschwerdeführerin  wurde  vorliegend  von  der  Schweizer  Botschaft in Khartum nicht persönlich zu ihren Asylgründen angehört, da  die Botschaft dazu gemäss  ihrem Schreiben vom 23. März 2010 an das  Bundesamt  aus  sicherheitstechnischen,  strukturellen  (baulichen)  und  kapazitätsmässigen  Gründen  (starke  Zunahme  des  Arbeitsvolumens  im  konsularischen Bereich  und Ablehnung  der Gesuche  um Erhöhung  des  Personalbestandes)  nicht  in  der  Lage  war.  Das  Bundesverwaltungsgericht  teilt  die  von  der  Vorinstanz  geäusserte  Einschätzung, wonach damit der Verzicht auf eine persönliche Anhörung  der Beschwerdeführerin sachlich begründet erscheint. Das BFM hat den  Verzicht  auf  eine Anhörung  auch  korrekt  begründet.  Sodann  hat  es mit  Verfügung  vom  6.  Juni  2011  der  Beschwerdeführerin  (durch  ihren  bevollmächtigten  Vertreter,  den  Ehemann)  einen  ausführlichen  individualisierten Fragebogen unterbreitet. Dieser wurde mit Eingabe vom  10. Juni 2011 beantwortet. Mit derselben Instruktionsverfügung wurde die  Beschwerdeführerin  zudem unter  Ziff.  5  aufgefordert,  für  den Fall,  dass  ihre Begehren abgewiesen würden, endgültig Stellung zu nehmen. Damit  wurde der Sachverhalt gemäss den diesbezüglichen Regeln  (vgl. BVGE  2007/30)  korrekt  ermittelt  und  es  liegt  keine  Verletzung  des  rechtlichen  Gehörs vor.   4.3.  Bei  einem  Auslandverfahren  ist  gemäss  bundesverwaltungsgerichtlicher  Rechtsprechung  eine  –  im  Hinblick  auf  die Prüfung der Anwendbarkeit von Art. 52 Abs. 2 AsylG – Abwägung der  massgeblichen  Kriterien  erforderlich  (vgl.  BVGE  2011/10  E.5.1,  mit  weiteren  Hinweisen).  So  hat  das  Bundesamt  in  der  angefochtenen  Verfügung  richtigerweise  ausgeführt,  dass  die  Kriterien,  welche  eine  Zufluchtnahme  in  einem  Drittstaat  als  zumutbar  erscheinen  lassen,  mit  einer  allfälligen  Beziehungsnähe  zur  Schweiz  abgewogen  werden  müssten. Doch hat es unterlassen eine solche Abwägung vorzunehmen.  Mit diesem Vorgehen hat die Vorinstanz die Begründungspflicht verletzt,  welche ein Teilgehalt des rechtlichen Gehörs ist.  4.3.1. Der  Anspruch  auf  rechtliches  Gehör  ist  formeller  Natur,  weshalb  seine Verletzung grundsätzlich ohne weiteres – das heisst ungeachtet der  materiellen  Auswirkungen  –  zur  Aufhebung  des  daraufhin  ergangenen  Entscheides  führt  (vgl. BVGE 2008/14 E. 4.1 S. 185; BVGE 2007/30 E.  8.2  S.  371;  BVGE  2007/27  E.  10.1  S.  332).  Ausgehend  von  einer  entsprechenden  Praxis  des  Bundesgerichts  hat  allerdings  die  Rechtsprechung  aus  prozessökonomischen  Gründen  Leitlinien  für  eine  Heilung von Gehörsverletzungen auf Beschwerdeebene entwickelt, nach 

E­4417/2011 welchen  sich  eine  Aufhebung  der  angefochtenen  Verfügung  und  Rückweisung der Sache an die Vorinstanz erübrigt, wenn das Versäumte  nachgeholt wird, der Beschwerdeführer dazu Stellung nehmen kann und  der Beschwerdeinstanz  im streitigen Fall die  freie Überprüfungsbefugnis  in  Bezug  auf  Tatbestand  und  Rechtsanwendung  zukommt,  sowie  die  festgestellte Verletzung nicht  schwerwiegender Natur  ist;  ebenso  ist  auf  eine  Rückweisung  zu  verzichten,  wenn  diese  zu  einem  formalistischen  Leerlauf  und  damit  zu  unnötigen  Verzögerungen  führen  würde,  die  mit  dem (der Anhörung gleichgestellten)  Interesse der betroffenen Partei an  einer  beförderlichen  Beurteilung  der  Sache  nicht  zu  vereinbaren  wäre  (vgl.  BGE  2C_694/2009  vom  20.  Mai  2010  E.  2.2.1)  und  die  fehlende  Entscheidreife  durch  die  Beschwerdeinstanz  mit  vertretbarem  Aufwand  hergestellt werden kann; die Heilung soll dabei allerdings die Ausnahme  bleiben  (vgl.  zum  Ganzen  BVGE  2010/35  E.  4.3.1  mit  weiteren  Hinweisen). 4.3.2.  Zum  Versäumnis  der  Vorinstanz  ist  festzuhalten,  dass  das  Bundesamt  im Rahmen eines Schriftenwechsels die Gelegenheit erhielt,  die  erforderliche  Abwägung  vorzunehmen,  was  es mit  Vernehmlassung  vom 29. August 2011 auch gemacht hat. Der Beschwerdeführerin wurde  daraufhin das Replikrecht gewährt, welches sie am 16. September 2011  wahrnahm.  Aufgrund  der  nachgeholten  Handlungen  auf  Beschwerdeebene  und  der  umfassenden  Kognition  der  Beschwerdeinstanz  gilt  die  festgestellte  Gehörsverletzung  (Begründungspflicht  als  Teilgehalt  des  rechtlichen  Gehörs)  als  geheilt,  zumal  die  Verfahrensverletzung  nicht  als  derartig  schwerwiegend  erachtet  werden  muss,  dass  eine  Heilung  schon  aus  diesem  Grund  ausgeschlossen wäre.  5.  Die  Beschwerdeführerin  ersucht  einerseits  um  Einbezug  in  die  Flüchtlingseigenschaft  ihres  Ehemannes  beziehungsweise  um  Familienasyl  im Sinne von Art. 51 AsylG, macht andererseits aber auch  eigene  Asylgründe  geltend.  Gemäss  Art.  37  der  Asylverordnung 1  vom  11. August  1999  über  Verfahrensfragen  (AsylV 1,  SR  142.311)  und  geltender  Rechtsprechung  des  Bundesverwaltungsgerichts  geht  der  Prüfung  eines  allfällig  derivativen  Anspruchs  auf  Anerkennung  als  Flüchtling  die  Prüfung  einer  originären  Flüchtlingseigenschaft  aufgrund  einer persönlichen Gefährdung vor (vgl. BVGE 2007/19 E. 3.3). In diesem  Sinne  wird  zunächst  zu  prüfen  sein,  ob  die  Beschwerdeführerin  die  Flüchtlingseigenschaft  selbständig  erfüllt,  beziehungsweise  ob  ihr  http://links.weblaw.ch/BVGE-2007/19 http://links.weblaw.ch/BVGE-2007/19 http://links.weblaw.ch/BVGE-2007/19

E­4417/2011 gemäss den Kriterien von Art. 20 Abs. 2 und 3 AsylG die Einreise in die  Schweiz zu bewilligen ist. 6.  6.1. Das Bundesamt bewilligt Asylsuchenden die Einreise in die Schweiz  zur  Abklärung  des  Sachverhalts,  wenn  ihnen  nicht  zugemutet  werden  kann,  im  Wohnsitz­  oder  Aufenthaltsstaat  zu  bleiben  oder  in  einen  anderen  Staat  auszureisen  (Art. 20  Abs. 2  AsylG).  Unzumutbar  ist  ein  Verbleib  namentlich  dann,  wenn  die  asylsuchende  Person  schutzbedürftig  ist.  Schutzbedürftig  im  Sinne  des  Asylgesetzes  sind  Personen,  die  in  ihrem  Heimatstaat  oder  im  Land,  in  dem  sie  zuletzt  wohnten,  wegen  ihrer  Rasse,  Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen  ihrer  politischen  Anschauungen  ernsthaften Nachteilen  ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen Nachteilen  ausgesetzt  zu werden. Als  ernsthafte  Nachteile  gelten  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder  Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck  bewirken (Art. 3 AsylG).  6.2. Das  BFM  kann  einer  Person,  die  sich  im  Ausland  befindet,  Asyl –  und  damit  auch  die  Einreise  in  die  Schweiz  –  verweigern,  wenn  keine  Hinweise  auf  eine  aktuelle  Gefährdung  im  Sinne  von  Art.  3  AsylG  vorliegen oder ihr zuzumuten ist, sich in einem Drittstaat um Aufnahme zu  bemühen (Art.  52 Abs. 2 AsylG).  6.3. Die Beschwerdeführerin macht eine eigene Gefährdung im Sinne von  Art. 3 AsylG i.V.m. Art. 20 AsylG geltend, indem sie vorbringt, sie sei aus  dem  Militärdienst  desertiert.  Das  BFM  hält  in  der  angefochtenen  Verfügung,  ohne  auf  diese  Vorbringen  näher  einzugehen,  fest,  die  Ausführungen  im  Asylgesuch  und  in  der  Stellungnahme  vom  10.  Juni  2011 würden  darauf  schliessen  lassen,  dass  die Beschwerdeführerin  in  Eritrea ernstzunehmende Schwierigkeiten mit den heimatlichen Behörden  gehabt  habe.  Die  Vorinstanz  geht  mithin  implizit  vom  Vorliegen  einer  Gefährdung  der  Beschwerdeführerin  im  Zeitpunkt  der  Ausreise  aus  Eritrea  im Sinne von Art. 3 AsylG aus. Bei der anschliessenden Prüfung  des Asylausschlussgrundes von Art 52 Abs. 2 AsylG bejaht sie jedoch die  Zumutbarkeit eines Verbleibs im Sudan.

E­4417/2011 6.4.  In einem nächsten Schritt  ist  zu prüfen,  ob die Beschwerdeführerin  im Sudan den Schutz eines Drittstaates geniesst und  ihr zuzumuten  ist,  dort zu verbleiben.  6.4.1.  Die  Voraussetzungen  für  die  Erteilung  einer  Einreisebewilligung  sind  grundsätzlich  restriktiv  umschrieben.  Den  Asylbehörden  kommt  dabei  ein  weiter  Ermessensspielraum  zu.  Neben  der  erforderlichen  Gefährdung  im  Sinne  von  Art. 3  AsylG  sind  mit  Blick  auf  den  Ausschlussgrund  von  Art.  52  Abs.  2  AsylG  namentlich  die  Beziehungsnähe  zur  Schweiz  und  zu  anderen  Staaten,  die  Möglichkeit  der  Schutzgewährung  durch  einen  anderen  Staat,  die  praktische  und  objektive  Zumutbarkeit  einer  anderweitigen  Schutzsuche  sowie  die  voraussichtlichen  Eingliederungs­  und  Assimilationsmöglichkeiten  in  Betracht zu ziehen (vgl. BVGE 2011/10 E. 3.3, mit weiteren Hinweisen).  6.4.2. Hält sich die asylsuchende Person wie  im vorliegenden Verfahren  in  einem  Drittstaat  auf,  ist  zwar  im  Sinne  der  Vermutung  davon  auszugehen,  die  betreffende  Person  habe  in  diesem  Drittstaat  bereits  Schutz  vor Verfolgung gefunden oder  könne  ihn dort erlangen, weshalb  auch  anzunehmen  ist,  es  sei  ihr  zuzumuten,  dort  zu  verbleiben  beziehungsweise sich dort um Aufnahme zu bemühen. Diese Vermutung  kann  sich  jedoch  sowohl  in Bezug auf  die Schutzgewährung  durch  den  Drittstaat  (vgl. EMARK  2005  Nr.  19  E.  5.1  S.  176  f.)  wie  auch  auf  die  Zumutbarkeit  der  Inanspruchnahme  des  Schutzes  im  Drittstaat  als  unzutreffend  erweisen.  Es  ist  deshalb  zu  prüfen,  ob  die  asylsuchende  Person  im Drittstaat Schutz  vor Verfolgung gefunden hat  oder  erlangen  kann,  was  in  der  Regel  zur  Ablehnung  des  Asylgesuchs  und  der  Verweigerung  der  Einreisebewilligung  führt.  In  jedem  Fall  sind  die  Kriterien  zu  prüfen,  welche  die  Zufluchtnahme  in  diesem  Drittstaat  als  zumutbar  erscheinen  lassen,  und  diese  sind  mit  einer  allfälligen  Beziehungsnähe  zur  Schweiz  abzuwägen.  Bei  dieser  Abwägung  bildet  die besondere Beziehungsnähe der asylsuchenden Person zur Schweiz  ein zentrales, wenn auch nicht das einzige Kriterium (vgl. BVGE 2011/10  E.5.1, mit weiteren Hinweisen).  6.4.3. Das Kriterium der besonderen Beziehungsnähe ist hinsichtlich des  Verwandtschaftsgrades  nicht  auf  den  eng  gefassten  Personenkreis  des  Familienasyls  gemäss  Art.  51  AsylG  beschränkt.  Auch  verwandtschaftliche  Beziehungen  zu  Personen  ausserhalb  der  Kernfamilie  sind  in  die  Abwägung  mit  einzubeziehen.  Ferner  ist  nicht  ausgeschlossen,  dass  gegebenenfalls  auch  aus  anderen  Gründen  als 

E­4417/2011 aufgrund  einer  Verwandtschaft  zu  in  der  Schweiz  lebenden  Personen  eine enge Beziehung zur Schweiz anzunehmen sein könnte (vgl. EMARK  2004  Nr. 21.  E. 4.b.aa  S. 140,  EMARK  1997  Nr. 15  E. 2g  S. 132).  Zu  berücksichtigen sind zudem die Beziehungsnähe zum Drittstaat (oder zu  anderen  Staaten)  sowie  die  voraussichtlichen  Eingliederungs­  und  Assimilationsmöglichkeiten in der Schweiz beziehungsweise im Drittstaat  (oder  in  anderen  Staaten).  Allein  die  Tatsache,  dass  die  asylsuchende  Person keine besondere Beziehungsnähe zur Schweiz hat, ist deshalb für  die  Ablehnung  des  Asylgesuches  nicht  ausschlaggebend  (vgl.  EMARK  1997 Nr. 15 E. 2f. S. 131 f.). Hält sich die asylsuchende Person in einem  Drittstaat auf, ist die Einreise in die Schweiz beispielsweise zu bewilligen,  wenn  der  Drittstaat  keine  hinreichende  Gewähr  für  ein  ordentliches  Asylverfahren  bietet  und  eine  Abschiebung  in  den  Heimatstaat  nicht  ausgeschlossen  erscheint,  auch  wenn  eine  Beziehungsnähe  der  asylsuchenden Person zur Schweiz fehlt (vgl. EMARK 2005 Nr. 19 E. 4.3  S. 174 f.). Umgekehrt  führt der Umstand, dass eine Beziehungsnähe zur  Schweiz  namentlich  aufgrund  von  hier  ansässigen  nahen  Familienangehörigen  gegeben  ist,  nicht  zur  Erteilung  einer  Einreisebewilligung,  wenn  aufgrund  einer  Abwägung  mit  anderen  Kriterien der Verbleib im Drittstaat objektiv als zumutbar zu erachten ist. 6.4.4.  Das  BFM  führt  in  seiner  Verfügung  zur  Situation  der  Beschwerdeführerin im Sudan aus, das UNHCR bzw. die sudanesischen  Flüchtlingsbehörden  würden  sämtliche  Personen,  die  sich  bei  ihnen  melden,  registrieren.  Deshalb  sei  auch  davon  auszugehen,  dass  Flüchtlingen  der  erforderliche  Schutz,  Aufenthalt  sowie  eine  allfällige  medizinische Behandlung gewährt werde. Laut Bericht des "United States  Committee for Refugees and Immigrants, World Refugee Survey 2009 –  Sudan"  vom  17.  Juni  2009  befänden  sich  rund  165'800  eritreische  Flüchtlinge  und  Asylbewerber  im  Sudan  (www.unhcr.org/refworld/docid/4a40d2b285.html).  Vor  diesem  Hintergrund  sei  nicht  zu  verkennen,  dass  die  Lage  vor  Ort  für  diese  Menschen  wie  auch  für  die  Beschwerdeführerin  nicht  einfach  sei.  Dennoch würden  keine Anhaltspunkte  für  die Annahme  bestehen,  dass  dieser  ein  weiterer  Verbleib  im  Sudan  schlechterdings  nicht  zumutbar  oder nicht möglich sei. Sie könne sich beim UNHCR registrieren  lassen  und zwar nicht nur  in Shegerab. Die zahlreichen eritreischen Flüchtlinge  im Sudan würden zwar nicht über ein  freies Aufenthaltsrecht, aber über  eine  Aufenthaltsberechtigung  für  das  ihnen  zugeteilte  Flüchtlingscamp  verfügen,  in  welchem  sie  auch  die  nötige  Versorgung  erhielten.  Das  Bundesverwaltungsgericht habe kürzlich  festgehalten, dass somalischen  http://www.unhcr.org/refworld/docid/4a40d2b285.html

E­4417/2011 Flüchtlingen  der  Aufenthalt  in  äthiopischen  Flüchtlingslagern  grundsätzlich  zumutbar  sei  (vgl.  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom 11. Februar 2010, E­145/2010). Diese Schlussfolgerung müsse auch  für  eritreische  Flüchtlinge  im  Sudan  gelten,  unterstünden  diese  doch  denselben  Aufenthaltspflichten.  Das  Bundesverwaltungsgericht  habe  denn auch in einem jüngsten Urteil den weiteren Verbleib von eritreischen  Flüchtlingen im Sudan als zumutbar erachtet (vgl. Urteil vom 14. Februar  2011,  D­7225/2010).  Die  Beschwerdeführerin  benötige  deshalb  den  zusätzlichen  subsidiären  Schutz  der  Schweiz  nicht.  Vielmehr  sei  ihr  zuzumuten, vorderhand im Sudan zu verbleiben. In einem zweiten Schritt  würden die Voraussetzungen  für einen Familiennachzug gemäss Art. 51  AsylG geprüft. Dabei sei  festzustellen, dass die Beschwerdeführerin und  ihr  Ehemann  vor  dessen  Ausreise  aus  Eritrea  nicht  in  einem  gemeinsamen  Haushalt  gelebt  hätten,  weshalb  durch  dessen  Flucht  keine Trennung entstanden sei  (vgl. Art.  51 Abs. 4 AsylG). Aus diesem  Grund  seien  die  Voraussetzungen  für  eine  Familienzusammenführung  gemäss Art. 51 Abs. 1 AsylG nicht erfüllt. 6.4.5.  Die  Beschwerdeführerin  liess  demgegenüber  in  der  Rechtsmitteleingabe  ausführen,  die  sudanesische  Regierung  könne  Flüchtlingen  keinen  Schutz  vor  Zwangsrückführungen  in  die  Herkunftsländer  bieten.  Das  werde  auch  durch  einen  Bericht  der  Schweizerischen  Flüchtlingshilfe  (SFH)  bestätigt.  Gemäss  Auskunft  des  Hohen  Flüchtlingskommissars  der  Vereinten Nationen  (UNHCR)  sei  die  Anzahl von Deportationen aus dem Sudan nach Eritrea gestiegen; dabei  treffe  es  sowohl Asylsuchende als auch Flüchtlinge  (Press  release  vom  26. Juli 2011, UNHCR deeply concerned by deportation of Eritreans from  Sudan). Das Aufsuchen eines Flüchtlingslagers sei  ihr nicht zuzumuten,  denn die Sicherheit von alleinstehenden Frauen sei nicht garantiert. Vor  allem  seien  sie  der Gefahr  ausgesetzt,  sexuell missbraucht  zu werden.  Verschiedenen Quellen  zufolge  komme  es  durch  organisierte  kriminelle  Netzwerke  auch  immer  wieder  zu  Entführungen  aus  Flüchtlingslagern,  wobei die Entführten riskierten, bei Nichtbezahlen der Lösungssumme für  immer  zu  "verschwinden"  (vgl.  SFH,  Eritrea:  Entführungen  im  Sudan,  Auskunft  der  SFH  Länderanalyse,  3.  Mai  2011).  Auch  seien  in  Flüchtlingslagern,  insbesondere  im  Flüchtlingscamp  Shegerab,  die  Ernährungssituation  und  die  Gesundheitsversorgung  sehr  schlecht.  Gestützt auf die vorgenannten Ausführungen und aufgrund der konkreten  Androhung  einer  Deportation  durch  die  sudanesischen  Sicherheitsbehörden  habe  sie  es  vermieden,  sich  in  deren  Nähe  aufzuhalten  oder  sich  in  einem  Flüchtlingslager  registrieren  zu  lassen. 

E­4417/2011 Überdies  habe  die  Vorinstanz  ihrem  gesundheitlichen  Zustand  nicht  Rechnung getragen. Sie  leide an  (...) und einer nicht  identifizierten  (…).  Gemäss  Weltgesundheitsorganisation  sei  (...)  im  Sudan  eine  schwerwiegende  und  schwer  kontrollierbare  Krankheit,  die  häufig  zum  Tod  führe  (vgl.  World  Health  Organziation  [WHO],  Epidemiologische  Situation  des  Sudans,   (http://www.emro.who.int/rbm/Cou­ntryProfiles­ sud.htm).  Die  medikamentöse  Behandlung  bestehe  hauptsächlich  aus  traditionellen  Heilmitteln.  Nur  durch  die  finanzielle  Unterstützung  ihres  Ehemannes habe sie Zugang zu den spärlich  vorhandenen  "modernen"  Medikamenten. Würde  ihr Ehemann sie nicht mehr unterstützen, könnte  sie auf keine Familienangehörigen zurückgreifen, weil ihr Onkel, mit dem  sie aus Eritrea geflüchtet sei, inzwischen nach E._______ weitergezogen  sei; von  ihm oder anderen Familienangehörigen gebe es keine Spur. Es  sei  ihr ­ entgegen der Auffassung des BFM ­ nicht zuzumuten, weiterhin  im  Sudan  zu  verbleiben.  Die  mögliche  Deportation  mit  der  Gefahr  der  Misshandlung  im  Heimatland,  der  Mangel  an  Nahrung  und  adäquater  medizinischer  Versorgung  sowie  die  möglichen  Entführungen  durch  Menschenhändler  würden  einen  weiteren  Verbleib  untragbar  machen.  Das  Bundesverwaltungsgericht  habe  im  Urteil  E­4757/2009  vom  8.  Juli  2009  festgehalten,  dass  aufgrund  des  unzuverlässigen  Schutzes  vor  Rückschiebung  in  die  Verfolgerstaaten  und  der  in  vielfacher  Weise  stattfindenden  Diskriminierung  der  Flüchtlinge  ein  Verbleib  im  Sudan  unzumutbar sei. Überdies verfüge die Beschwerdeführerin weder über ein  soziales Netz noch eine  kulturelle Nähe zum Sudan. Hingegen bestehe  eine  enge  Beziehung  zur  Schweiz,  wo  der  Ehemann  als  anerkannter  Flüchtling lebe.  6.4.6.  Im Rahmen der Vernehmlassung  führte  das BFM hinsichtlich  der  abzuwägenden Faktoren im Hinblick auf die Anwendung von Art. 52 Abs.  2  AsylG  aus,  es  könne  nicht  von  einer  besonders  engen  Beziehung  zwischen  der  Beschwerdeführerin  und  ihrem  Ehemann  gesprochen  werden,  weil  sie  sich  erst  im  November  2010  in  Khartum  verheiratet  hätten, ohne dass vorher eine Lebensgemeinschaft bestanden habe. Für  den weiteren Verbleib im Sudan spreche zweifelsohne, dass sie sich seit  über  zwei  Jahren  ohne  ernsthafte  Probleme  dort  aufgehalten  habe.  Zudem  sei  davon  auszugehen,  dass  sie  zur  eritreischen  Diaspora  Beziehungen  unterhalte  und  über  einen  gewissen  Bekanntenkreis  verfüge.  Diese  Annahme  werde  auch  dadurch  bestätigt,  dass  sie  sich  nicht um die Aufnahme in einem Flüchtlingslager habe bemühen müssen.  Unter  Hinweis  auf  das  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  D­ 4758/2010  vom  30.  August  2010  stellte  das  BFM  weiter  fest,  dass  die  http://www.emro.who.int/rbm/Cou-ntryProfiles-sud.htm http://www.emro.who.int/rbm/Cou-ntryProfiles-sud.htm

E­4417/2011 bisher nicht sehr enge Beziehung als einziger Bezugspunkt zur Schweiz  die  Abwägung  der  Kriterien  im  Sinne  von  Art.  52  Abs.  2  AsylG  nicht  aufzuwiegen vermöge.  6.4.7. Demgegenüber wurde seitens der Beschwerdeführerin ausgeführt,  es könne aus der Tatsache, dass sie und ihr Ehemann vor der Ehe noch  nicht  zusammengelebt  hätten,  nicht  hergeleitet  werden,  es  habe  deswegen  keine  enge  voreheliche  Beziehung  bestanden.  Ein  Zusammenleben  sei  vor  der  Ausreise  des  Ehegatten  der  Beschwerdeführerin  aus  praktischen  Gründen  nicht  möglich  gewesen;  der  Ehegatte  habe  Militärdienst  geleistet.  Es  gebe  daher  keine  Anhaltspunkte  für  ernsthafte  Zweifel  an  der  engen  Beziehung  der  Ehegatten.  Eine  Beziehungsnähe  zur  Schweiz  sei  deshalb  zu  bejahen.  Hinsichtlich der persönlichen Situation der Beschwerdeführerin im Sudan  sei  zu  erwähnen,  dass  die  (...)  fortschreite  und  eine  effektive  und  moderne  medizinische  Behandlung  im  Sudan  nicht  erhältlich  sei.  Aufgrund der zunehmenden Flüchtlingsströme infolge der Hungersnot am  Horn  von Afrika  verschlimmere  sich  die Situation  in  den  sudanesischen  Flüchtlingscamps  und  stelle  für  die  Beschwerdeführerin  eine  akute  Lebensgefahr  dar.  Ein  weiterer  Verbleib  sei  der  Beschwerdeführerin  weder objektiv noch subjektiv zumutbar. 6.5.  6.5.1.  Vorab  ist  hinsichtlich  des  vom  BFM  zitierten  Entscheides  des  Bundesverwaltungsgerichts  E­145/2010  vom  11.  Februar  2011  festzustellen,  dass  das  Gericht  in  diesem  Urteil  nicht  –  wie  von  der  Vorinstanz  behauptet  –  den Aufenthalt  von  somalischen  Flüchtlingen  in  äthiopischen  Flüchtlingslagern  in  allgemeiner  Weise  als  generell  zumutbar erachtete. Vielmehr hat es im konkreten Verfahren die gemäss  Rechtsprechung massgeblichen Kriterien gegeneinander abgewogen und  ist  dabei  zur  Auffassung  gelangt,  dass  den  somalischen  Beschwerdeführern  in  diesem  Verfahren  der  Verbleib  in  Äthiopien  zuzumuten  sei.  Einer  Einzelfallprüfung  bedarf  es  auch  bei  eritreischen  Asylsuchenden,  die  sich  im  Sudan  aufhalten  (vgl. dazu  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  D­2018/2011  E.  7.2.2  vom  14. September  2011,  in welchem eine Auseinandersetzung mit den vorgenannt zitierten  Urteilen erfolgte).  Insoweit hat das BFM gestützt auf die zitierten Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  zu  Unrecht  den  Schluss  gezogen,  der  Aufenthalt  von  eritreischen  Flüchtlingen  in  sudanesischen  Flüchtlingslagern gelte als generell zumutbar. 

E­4417/2011 6.5.2. Was die Situation von Asylsuchenden und Flüchtlingen  im Sudan  betrifft,  lässt  sich  Folgendes  festhalten:  Jüngsten  Mitteilungen  des  UNHCR  zufolge  ist  die  Anzahl  von  Deportationen  eritreischer  Staatsangehöriger nach Eritrea in besorgniserregender Weise gestiegen.  Während  in  der Zeit  vom Mai  2011 bis  26.  Juli  2011 noch ungefähr  30  Deportationen  durchgeführt  worden  seien,  sei  es  allein  am  17. Oktober  2011 zu über 300 Rückführungen von eritreischen Staatsangehörigen  in  ihre Heimat gekommen. Die Deportationen hätten stattgefunden, obwohl  es  zwischen  der  sudanesischen  Regierung  und  dem  UNHCR  eine  Vereinbarung  gebe,  gemäss welcher  vorgesehen  sei,  dass Eritreer  und  Eritreerinnen  nach  Khartum  transferiert  würden,  wo  sie  entweder  ein  Asylgesuch  stellen  könnten  oder  anderweitig  versorgt  würden.  Mit  den  vorgenommen  Deportationen  von  eritreischen  Flüchtlingen  und  Asylsuchenden in ihren Heimatstaat verletzte der Sudan sowohl das von  ihm unterzeichnete Abkommen vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung  der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) als auch den im Jahr 1974 erlassenen  "Sudanese  Asylum Act".  Trotz  der  behördlichen  Zusicherungen Sudans  würden  die  Rechte  der  Flüchtlinge  im  Sudan  nicht  respektiert  (vgl.  UNHCR deeply concerned by deportation of Eritreans from Sudan, Press  Releases,  26  July  2011,  www.unhcr.org/print/4e2ec8a36.html,  besucht  am 19. August 2011, UNHCR dismay at new deportation of Eritreans by  Sudan,  Briefing  Notes,  18  October  2011,  www.unhcr.org/print/4e9d47269.html,  besucht  am  28. Oktober  2011).  Bereits ein Jahr zuvor hat das UNHCR in dieser Sache festgehalten, dass  Asylsuchende  und  Flüchtlinge  in  Khartum  keinen  Zugang  zum  Asylverfahren  oder  zu  Informationen  hätten  und  riskieren  würden,  inhaftiert  oder  in  ihren  Heimatstaat  deportiert  zu  werden,  wo  ihr  Leben  gefährdet  sei  (Verletzung  des  Non­Refoulement­Prinzips)  (vgl.  Bericht  des UNHCR vom Januar 2010 "country operations profile – Sudan 2010",  www.unhcr.org/pages/49e483b76.html,  besucht  am  3. November  2011).  Sowohl  die  Ernährungssituation  als  auch  die Gesundheitsversorgung  in  Flüchtlingslagern  sei  nicht  gesichert,  und  die  knappen  Ressourcen  müssten mit  der  lokalen Bevölkerung geteilt werden  (vgl. UNHCR 2011  country  operations  profile  –  Sudan  Working  environment,  www.unhcr.org/cgi­bin/texis/vtx/page?pabe=49e48b76,  besucht  am  3. November 2011). Medienberichten zufolge würden sich die eritreische  und  sudanesische  Regierung  weiter  annähern.  Anlässlich  eines  Staatsbesuchs  des  eritreischen  Präsidenten,  Isaias  Afewerki,  beim  sudanesischen  Präsidenten,  Omar  Al­Bashir,  sei  die  Stärkung  ihrer  bilateralen Beziehung Thema gewesen  (vgl. Sudanese, Eritrean  leaders  review  bilateral  relations,  Sudan  Tribune,  Saturday,  22  October  2011  http://www.unhcr.org/print/4e2ec8a36.html http://www.unhcr.org/print/4e9d47269.html http://www.unhcr.org/pages/49e483b76.html http://www.unhcr.org/cgi-bin/texis/vtx/page?pabe=49e48b76

E­4417/2011 www.sudantribune.com/spip.php?iframe&page=imprimable&id_article_40 495,  besucht  am  28.  Oktober  2011).  Überdies  komme  es  diversen  Berichten  zufolge  immer  wieder  zu  Entführungen  von  eritreischen  Flüchtlingen  (vgl.  ALEXANDRA  GEISER,  Eritrea:  Entführungen  im  Sudan,  SFH Hrsg., Bern, Mai 2011, S. 3 mit weiteren Hinweisen; HRW, Sudan:  End Mass Summary Deportations of Eritreans, 25. October 2011). 6.5.3.  Vor  dem  Hintergrund  der  jüngsten  Entwicklungen  im  Sudan,  ist  festzuhalten,  dass  zwar  nicht  von  einer  generellen  Gefahr  einer  Rückschiebung  nach  Eritrea  auszugehen  ist,  aber  der  Sudan  trotz  unterzeichneter Flüchtlingskonvention und vertraglicher Zusicherungen in  der  Praxis  keinen  zuverlässigen  Schutz  vor  Rückschiebung  in  Verfolgerstaaten – insbesondere nach Eritrea – gewährt. Es ist dem BFM  grundsätzlich  beizupflichten,  dass  sich  in  einem  Drittstaat  aufhaltende  Asylsuchende  nach  Möglichkeit  bei  einem  lokalen  Amt  des  UNHCR  registrieren  lassen  sollen,  um  eine  minimale  Versorgung  zu  erhalten.  Doch  im Anschluss an die vorgenannten Ausführungen  ist – wie seitens  der Rechtsvertretung  zutreffend  ausgeführt wird  –  festzustellen,  dass  in  den Flüchtlingscamps, insbesondere in denjenigen im Osten des Sudans,  angesichts  der  hohen  Anzahl  von  Flüchtlingen  Versorgungsmangel  herrscht.  Auch  ist  zu  bemerken,  dass Asylsuchende  und  Flüchtlinge  im  Sudan  einer  gewissen  Entführungsgefahr  ausgesetzt  sind.  Aus  ökonomischer  Sicht  scheinen  sie  einer  grossen  Herausforderung  gegenübergestellt  zu  sein.  Angesichts  dieser  Umstände  ist  der  spezifischen Situation  der  Beschwerdeführerin  –  namentlich  im Hinblick  auf  ihre ökonomische und persönliche Sicherheit – Rechnung zu tragen.  Aufgrund  der  Aktenlage  befindet  sich  die  Beschwerdeführerin  ohne  Familienangehörige  im Sudan;  der mit  ihr  in  den Sudan  gereiste Onkel  sei  mittlerweile  ohne  weitere  Angaben  über  seinen  Aufenthalt  nach  E._______  gereist.  Gesundheitlich  scheint  die  Beschwerdeführerin  angeschlagen  zu  sein.  Aussagen  der  Beschwerdeführerin  bzw.  ihres  Ehemannes  zufolge  leidet  sie  an  (…)  und  (...).  Hinzu  kommt,  dass  sie  über  kein  geregeltes  Aufenthaltsrecht  im  Sudan  verfügt.  Hingegen  besteht zweifelsohne aufgrund des in der Schweiz lebenden Ehemannes,  welcher  über  ein  gefestigtes  Aufenthaltsrecht  (Niederlassungsbewilligung)  verfügt,  eine Beziehungsnähe  zur  Schweiz.  Daran  ändert  der  Umstand,  dass  die  Beschwerdeführerin  und  ihr  Ehemann erst im November 2010 geheiratet haben, nichts. Übrigens hat  sich  die Vorinstanz  bei  der  Abwägung  der  verschiedenen Faktoren,  die  gemäss  Art.  52  AsylG  zum  Asylausschluss  führen  könnten,  in  ihrer  Vernehmlassung  zu  Unrecht  auf  das  Familienverhältnis  der  http://www.sudantribune.com/spip.php?iframe&page=imprimable&id_article_40495 http://www.sudantribune.com/spip.php?iframe&page=imprimable&id_article_40495

E­4417/2011 Beschwerdeführerin und ihres Ehemannes vor deren Ausreise aus Eritrea  bezogen; dieses ist im Rahmen des allenfalls subsidiären Anspruchs auf  Familienasyl  gemäss  Art.  51  Abs.  1  i.V.m  Art. 51  Abs.  4  AsylG  entscheidrelevant,  spielt  indessen  bei  der  vorliegenden  Prüfung  keine  Rolle. Unter Berücksichtigung der besonderen Umstände im vorliegenden  Fall  kommt  das  Bundesverwaltungsgericht  zum  Schluss,  dass  der  Beschwerdeführerin  der weitere Verbleib  im Sudan –  fernab  von nahen  Bezugspersonen  –  nicht  zuzumuten  ist,  und  zu  keinem  Staat  stärkere  Bezugspunkte bestehen als zur Schweiz. 6.6.  Angesichts  der  Beziehungsnähe  der  Beschwerdeführerin  zur  Schweiz  ist  es  demnach  angezeigt,  ihr  die  Einreise  zu  ihrem  in  der  Schweiz  lebenden  Ehemann  mit  gefestigtem  Aufenthaltstatus  zu  bewilligen.  Demzufolge  ist  die  Beschwerde  gutzuheissen  und  die  Verfügung vom 19. Juli 2011 aufzuheben. Der Beschwerdeführerin ist die  Einreise  in  die  Schweiz  zur  Durchführung  des  Asylverfahrens  und  zu  allfälligen damit einhergehenden Sachverhaltsabklärungen zu bewilligen;  das BFM stellt dabei die erforderlichen Einreisepapiere aus. 7.  7.1. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Verfahrenskosten zu  erheben (vgl. Art. 63 Abs. 1 und Abs. 2 VwVG). 7.2.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  ist  angesichts  des  vorliegenden  Ausgangs  des  Verfahrens  gegenstandslos  geworden. 7.3. Obsiegende Parteien haben Anspruch auf eine Parteientschädigung  für  die  ihnen  erwachsenen  notwendigen  Kosten  (Art.  7  Abs.  1  des  Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2]).  Im  vorliegenden  Fall  ist  die  Beschwerdeführerin  mit  ihrem  Hauptbegehren  durchgedrungen.  Seitens  der Rechtsvertretung wurde  keine Kostennote  eingereicht. Auf die Nachforderung einer solchen wird indessen verzichtet  (vgl.  Art.  14  Abs.  2  VGKE),  weil  der  Aufwand  zuverlässig  abgeschätzt  werden  kann.  Gestützt  auf  die  in  Betracht  zu  ziehenden  Bemessungsfaktoren  (Art.  9­13  VGKE)  wird  die  Parteientschädigung  aufgrund  der  Akten  auf  pauschal  Fr. 800.­  (inkl.  Auslagen)  festgesetzt.  Die  Vorinstanz  wird  angewiesen,  der  Beschwerdeführerin  eine 

E­4417/2011 Entschädigung in der Höhe von Fr. 800.­ für die ihr erwachsenen Kosten  auszurichten. (Dispositiv nächste Seite)

E­4417/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird gutgeheissen. 2.  Die Verfügung des BFM vom 19. Juli 2011 wird aufgehoben. 3.  Das  BFM wird  angewiesen,  der  Beschwerdeführerin  die  Einreise  in  die  Schweiz  zu  bewilligen,  ihr  die  erforderlichen  Reisepapiere  auszustellen  und nach ihrer Einreise das Asylverfahren fortzusetzen. 4.  Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 5.  Das  BFM  wird  angewiesen,  der  Beschwerdeführerin  für  das  Verfahren  vor dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung in der Höhe  von Fr. 800.­ (inkl. Auslagen) zu entrichten. 6.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführerin,  das  BFM  und  die  zuständige Schweizerische Vertretung im Sudan. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Muriel Beck Kadima Stella Boleki

E-4417/2011 — Bundesverwaltungsgericht 09.02.2012 E-4417/2011 — Swissrulings