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Bundesverwaltungsgericht 12.08.2011 E-4398/2011

August 12, 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,299 words·~6 min·3

Summary

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren) | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren); Verfügung des BFM vom 29. Juli 2011

Full text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung V E­4398/2011 Urteil   v om   1 2 .   Augus t   2011 Besetzung Einzelrichter Bruno Huber, mit Zustimmung von Richter Robert Galliker; Gerichtsschreiber Peter Jaggi. Parteien A._______, geboren (…), Tunesien, (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin­Verfahren); Verfügung des BFM vom 29. Juli 2011 / N (…).

E­4398/2011 Das Bundesverwaltungsgericht, in Anwendung des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31), der  Asylverordnung  1  über  Verfahrensfragen  vom  11. August  1999  [AsylV1, SR 142.311]), des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsver­ fahren (VwVG, SR 172.021), des  Bundesgesetzes  vom  17.  Juni  2005  über  das  Bundesverwaltungsgericht (VGG, SR 173.32), des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht  (BGG,  SR 173.110), des Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2005 über  die Ausländerinnen  und Ausländer (AuG, SR 142.20), der  Konvention  vom  4.  November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (Europäische  Menschenrechtskonvention [EMRK, SR 0.101]), des  Abkommens  vom  28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge (Flüchtlingskonvention [FK, SR 0.142.30]), des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter oder andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK, SR 0.105), des  Abkommens  vom  26. Oktober  2004  zwischen  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  und  der  Europäischen Gemeinschaft  über  die  Krite­ rien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des  zuständigen  Staates  für  die  Prüfung  eines  in  einem  Mitgliedstaat  oder  in  der  Schweiz  gestellten  Asylantrags (Dublin­Assoziierungsabkommen [DAA, SR 0.142.392.68]), der Verordnung (EG) Nr. 343/2003 des Rates vom 18. Februar 2003 zur  Festlegung  der  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des  Mitglied­

E­4398/2011 staats,  der  für  die  Prüfung  eines  von  einem  Drittstaatsangehörigen  in  einem Mitgliedstaat gestellten Asylantrags zuständig ist (Dublin­II­VO), der Verordnung (EG) Nr. 1560/2003 der Kommission vom 2. September  2003 mit Durchführungsbestimmungen zur Dublin­II­VO (DVO Dublin), des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädi­ gungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2), stellt fest, dass der Beschwerdeführer am (…) in der Schweiz um Asyl nachsuchte, dass ihm das BFM anlässlich der summarischen Befragung vom 31. Mai  2011 im B._______ mitteilte, mutmasslich sei Italien für die Durchführung  des Asylverfahrens zuständig, dass der Beschwerdeführer diesbezüglich anführte, man werde dort nicht  als  Mensch  behandelt,  Moslems  und  Christen  würden  in  Italien  unterschiedlich behandelt, dass  die  italienischen  Behörden  das  gestützt  auf  Art.  16  Abs.  1  Bst.  c  Dublin­II­VO  übermittelte  Ersuchen  des  BFM  vom  23.  Juni  2011  um  Wiederaufnahme des Beschwerdeführers unbeantwortet liessen, dass das BFM mit Verfügung vom 29. Juli 2011 – eröffnet am 4. August  2011 – in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG auf das Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  nicht  eintrat  und  die  Wegweisung  nach  Italien  anordnete, dass ihn das Bundesamt gleichzeitig aufforderte, die Schweiz spätestens  am  Tag  nach  Ablauf  der  Beschwerdefrist  zu  verlassen,  den  Kanton  C._______ mit dem Vollzug der Wegweisungsverfügung beauftragte, die  Aushändigung  der  editionspflichtigen  Akten  gemäss  Aktenverzeichnis  verfügte und festhielt, eine allfällige Beschwerde gegen diese Verfügung  habe keine aufschiebende Wirkung, dass  für  die  Begründung  der  angefochtenen  Verfügung  auf  die  Akten  und,  soweit  für  den  Entscheid  relevant,  auf  die  nachfolgenden  Erwägungen verwiesen wird,

E­4398/2011 dass der Beschwerdeführer mit Rechtsmitteleingabe vom 9. August 2011  in materieller Hinsicht die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und  unter  Feststellung  der  Unzulässigkeit  und  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  nach  Italien  die  Rückweisung  der  Sache  an  die  Vorinstanz zur neuen Entscheidung beantragt, dass  er  in  prozessualer  Hinsicht  die  Erteilung  der  aufschiebenden  Wirkung  (der  Beschwerde)  und  unter  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  die  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  beantragt, dass  er  am  10.  August  2011  die  in  Aussicht  gestellte  Fürsorgeabhängigkeitsbestätigung  und  eine  Kopie  seiner  Rechtsmitteleingabe vom 9. August 2011 zu den Akten reichte, dass auf die Begründung der Rechtsbegehren, soweit  für den Entscheid  wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen wird, dass die vollständigen vorinstanzlichen Akten am 11. August 2011 beim  Bundesverwaltungsgericht eingingen (Art. 109 Abs. 2 AsylG), und erwägt, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig  über  Beschwerden  gegen  Verfügungen  (Art. 5  VwVG)  des  BFM  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105 AsylG i. V. m. Art. 31 – 33 VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG), dass  der  Beschwerdeführer  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an deren Aufhebung beziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist  (Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  einzutreten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52 VwVG), dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG),

E­4398/2011 dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  entschieden  wird  (Art. 111  Bst. e  AsylG),  und  es  sich  vorliegend,  wie  nachfolgend  aufgezeigt,  um  eine  solche  handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG), dass  gestützt  auf  Art. 111a  Abs. 1  AsylG  vorliegend  auf  einen  Schriftenwechsel verzichtet wurde, dass  bei  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide,  mit  denen  es  das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu  überprüfen  (Art. 32 – 35  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der  Beschwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die  Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist, dass  auf  Asylgesuche  in  der  Regel  nicht  eingetreten  wird,  wenn  Asylsuchende  in  einen  Drittstaat  ausreisen  können,  welcher  für  die  Durchfüh­  rung  des Asyl­  und Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zuständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG), dass das BFM in Anwendung von Art. 1 Ziff. 1 DAA die Zuständigkeit zur  Behandlung eines Asylgesuchs nach den Kriterien der Dublin­II­VO prüft  (Art. 29a Abs. 1 AsylV 1), dass  das  Bundesamt  einen  Nichteintretensentscheid  fällt,  wenn  die  Prüfung  ergibt,  dass  ein  anderer  Staat  für  die  Behandlung  des  Asylgesuchs  zuständig  ist  und  dieser  der  Aufnahme  oder  Wiederaufnahme  der  asylsuchenden  Person  zugestimmt  hat  (Art.  29a  Abs. 2 AsylV 1), dass es aus humanitären Gründen das Asylgesuch auch dann behandeln  kann,  wenn  die  Prüfung  ergeben  hat,  dass  ein  anderer  Staat  dafür  zuständig ist (Art. 29a Abs. 3 AsylV 1), dass  der  Asylantrag  von  einem  einzigen Mitgliedstaat  geprüft  wird,  der  nach  den  Kriterien  des  Kapitels  III  als  zuständiger  Staat  bestimmt  wird  (Art. 3 Abs. 1 zweiter Satz Dublin­II­VO), dass  indessen  gemäss  Art.  3  Abs.  2  erster  Satz  Dublin­II­VO  jeder  Mitgliedstaat  einen  von  einem  Drittstaatsangehörigen  eingereichten  Asylantrag  prüfen  kann,  auch  wenn  er  nach  den  in  dieser  Verordnung  festgelegten Kriterien für die Prüfung nicht zuständig ist,

E­4398/2011 dass  gemäss  Rechtsprechung  des  Bundesverwaltungsgerichts  (BVGE  2010/45  S.  630  ff.)  auf  eine Überstellung  an  den  zuständigen  Staat  zu  verzichten  ist,  wenn  sich  diese  nicht  mit  den  internationalen  Verpflichtungen  der  Schweiz  vereinbaren  lässt  oder  aus  humanitären  Gründen (Art. 29a Abs. 3 AsylV 1) nicht angezeigt erscheint, dass  vorliegend  gestützt  auf  einen  sich  aus  den  Akten  ergebenden  EURODAC­Treffer  und  auf  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers,  wonach er in Italien um Asyl nachgesucht hat, dieser Signatarstaat für die  Behandlung des Asylgesuchs zuständig ist, dass  das  Bundesamt  die  italienischen  Behörden  am  23.  Juni  2011  um  Wiederaufnahme  des  Beschwerdeführers  gemäss  Art. 16  Abs. 1  Bst. c  Dublin­II­VO  ersuchte  und  Italien  innert  der  festgelegten  Frist  keine  Stellung nahm (Art. 20 Abs. 1 Dublin­II­VO), dass der Beschwerdeführer somit – wie vom BFM in der angefochtenen  Verfügung zu Recht und mit zutreffender Begründung festgestellt – nach  Italien  ausreisen  kann,  welches  für  die  Prüfung  seines  Asylantrages  staatsvertraglich zuständig ist, dass er  im Rahmen des  rechtlichen Gehörs zur allfälligen Zuständigkeit  Italiens  für  das  vorliegende  Verfahren  und  zu  einer  allfälligen  Wegweisung  dorthin  anführte,  dort  würden  Moslems  nicht  als  Mensch  behandelt, dass der Beschwerdeführer in seiner Rechtsmitteleingabe geltend macht,  in  Italien  sei  die  Qualität  der  Asylverfahren  bedenklich  und  es  gebe  Hinweise auf eine menschenrechtswidrige Rückschiebungspraxis, dass die aktuellen Aufnahme­ und Lebensbedingungen  in  Italien  für  die  überwiegende Anzahl der Flüchtlinge einen Verstoss gegen Art. 3 EMRK  und gegen die EU­Aufnahmerichtlinien darstellten, dass  er  zur  Begründung  auf  mehrere  Berichte  ("Asylverfahren  und  Aufnahmebedingungen  in  Italien,  Bericht  über  die  Situation  von  Asylsuchenden,  Flüchtlingen  und  subsidiär  oder  humanitär  aufgenommenen  Personen,  mit  speziellem  Fokus  auf  Dublin­ Rückkehrende,  Schweizerische  Flüchtlingshilfe  (SFH),  Juss­Buss,  Bern  und Oslo, Mai 2011", "Pro Asyl, Zur Situation von Flüchtlingen  in Italien,  28. Februar 2011, mit Hinweisen auf die Rechtsprechung in Deutschland  und  die  bisher  ergangenen  vorläufigen Massnahmen  des Europäischen 

E­4398/2011 Gerichtshofes  für  Menschenrechte  [EGMR]",  "The  Norwegian  Organization  for  Asylum  Seekers  [NOAS],  The  Italian  approach  to  asylum:  System  and  core  problems,  April  2011",  "Juss­Buss,  Schweizerische  Flüchtlingshilfe  [SFH],  Asylum  procedure  and  reception  conditions  in  Italy,  Mai  2011")  und  auf  Beschlüsse  der  Verwaltungsgerichte  Giessen  vom  16.  März  2011  und  Köln  vom  10. Januar 2011 verweist, dass  Italien  unter  anderem Signatarstaat  der  Flüchtlingskonvention,  der  Europäischen Menschenrechtskonvention und der Folterkonvention ist, dass  anders  als  bei  Griechenland  (vgl.  Urteil  des  EGMR  M.S.S.  vs.  Belgium  and  Greece,  Nr.  30696/09,  21.  Januar  2011,  Urteil  R.U.  vs.  Greece,  Nr.  2237/08,  7.  Juni  2011)  hinsichtlich  Italien  aufgrund  der  wiederholten  und  übereinstimmenden  Stellungnahmen  des  Amtes  des  Hohen  Flüchtlingskommissars  der  Vereinten  Nationen  (UNHCR),  des  Kommissars  für  Menschenrechte  des  Europarates  und  von  internationalen  Nichtregierungsorganisationen  (NGOs)  weder  davon  ausgegangen werden kann, die italienische Gesetzgebung zum Asylrecht  werde  nicht  angewendet,  noch  sei  das  Asylverfahrensrecht  in  diesem  Land in einer Art und Weise von strukturellen Unzulänglichkeiten geprägt,  dass  asylsuchende  Personen  kaum  Chancen  auf  eine  seriöse  Prüfung  ihrer  Asylgesuche  und  ihrer  Beschwerden  beim  EGMR  durch  die  italienischen  Behörden  haben,  oder  dass  sie  dort  mangels  wirksamer  Beschwerdemöglichkeit keinen Schutz vor willkürlicher Rückschiebung in  ihr Heimatland geniessen, dass  somit  keine  ernsthaften  Zweifel  daran  bestehen,  dass  Italien  die  Richtlinie  Nr.  2005/85/EG  des  Rates  vom  1.  Dezember  2005  über  Mindestnormen  für  Verfahren  in  den  Mitgliedstaaten  zur  Zuerkennung  und  Aberkennung  der  Flüchtlingseigenschaft  (Amtsblatt  Nr.  L  326  vom  13/12/2005  S.  0013  –  0034)  grundsätzlich  respektiert,  und  an  dieser  Einschätzung  auch  die  vorstehend  erwähnten  Beschlüsse  deutscher  Gerichte nichts zu ändern vermögen, zumal diese für die Rechtsprechung  des Bundesverwaltungsgerichts ohne Belang sind, dass  hinsichtlich  der  genannten  Berichte  zu  den  Aufnahme­  und  Lebensbedingungen  für  asylsuchende  respektive  bereits  als  Flüchtlinge  anerkannte  Personen  in  Italien  festzustellen  ist,  dass  die  italienischen  Behörden seit geraumer Zeit mit einer grossen Anzahl von Einwanderern 

E­4398/2011 aus  nordafrikanischen  Staaten  konfrontiert  sind,  was  immer  wieder  zu  Kapazitätsengpässen bei den Aufnahmezentren führt, dass  indessen  das  Gericht  auch  in  Berücksichtigung  der  mit  den  Kapazitätsengpässen  im  Zusammenhang  stehenden  schwierigen  Aufenthalts­  und Lebensbedingungen nicht  zum Schluss  gelangt,  Italien  verletze nach­gewiesenermassen  in  systematischer Weise die Richtlinie  Nr. 2003/9/EG  des  Rates  vom  27.  Januar  2003  zur  Festlegung  von  Mindestnormen  für  die  Aufnahme  von  Asylbewerbern  in  den  Mitgliedstaaten (Amtsblatt Nr. L 031 vom 06/02/2003 S. 0018 – 0025), dass angesichts dieser Sachlage keine Veranlassung besteht, vorliegend  die  Regelvermutung  in  Frage  zu  stellen,  wonach  sich  Italien  an  die  massgebenden  völkerrechtlichen  Bestimmungen,  insbesondere  an  das  Rückschiebungsverbot  oder  die  einschlägigen  Normen  der  EMRK  und  der FoK, hält (BVGE 2010/45 E. 7.5. und 7.7.), dass  es  dem  Beschwerdeführer  demnach  nicht  gelungen  ist,  eine  einzelfallspezifische  besondere  Verletzlichkeit  nachzuweisen,  aufgrund  derer  geschlossen  werden  könnte,  ihm  drohe  in  Italien  eine  unmenschliche Behandlung im Sinne von Art. 3 EMRK, dass  für  den  Fall,  dass  der  Beschwerdeführer  aufgrund  der  Aufenthaltsbedingungen  tatsächlich  nicht  in  der  Lage  gewesen  sein  sollte,  ein  menschenwürdiges  Leben  zu  führen,  es  an  ihm  liegen  wird,  seine  Rechte  bei  den  italienischen  Behörden  respektive  beim  Europäischen  Gerichtshof  oder  beim  Europäischen  Gerichtshof  für  Menschenrechte geltend zu machen (BVGE 2010/45 E. 7.6.4), dass nach Kenntnis des Bundesverwaltungsgerichts Dublin­Rückkehren­ de  bevorzugt  behandelt  werden  und  sich  –  neben  den  staatlichen  Strukturen  –  auch  zahlreiche  private  Hilfsorganisationen  der  Betreuung  von Asylsuchenden und Flüchtlingen annehmen, dass  sich  angesichts  dieser  Sachlage  der  Vollzug  der Wegweisung  als  zulässig erweist (Art. 83 Abs. 3 AuG), dass des Weiteren der Beschwerdeführer darüber hinaus nichts vorbringt,  was  das  BFM  hätte  veranlassen  können,  aus  humanitären  Gründen  (Art. 29a Abs. 3 AsylV 1) auf sein Asylgesuch einzutreten,

E­4398/2011 dass der Beschwerdeführer – soweit aktenkundig – abgesehen von  (…)  und  (…)  gesund  ist  und  sich  keine  Hinweise  auf  ernsthafte  gesundheitliche Probleme psychischer oder physischer Natur ergeben, dass  sein  Vorbringen  in  der  Beschwerde,  er  habe  sich  vor  etwa  drei  Wochen wegen  eines  (…)  ein  erstes  und  kurze  Zeit  später  ein  zweites  Mal in Spitalpflege begeben müssen, in den Akten keine Stütze findet und  unbesehen  davon  festzustellen  ist,  dass  solche  gesundheitlichen  Probleme auch in Italien behandelt werden können, dass  es  sich  deshalb  erübrigt,  vor  der  Urteilsfällung  den  allfälligen  Eingang  der  in  der  Beschwerde  in  Aussicht  gestellten  diesbezüglichen  Arztbericht  abzuwarten  oder  eine  Frist  für  dessen  Beibringung  anzusetzen, dass  im Rahmen einer Gesamtabwägung aller  relevanten Umstände  im  konkreten  Einzelfall  auch  sonst  keine  Gründe  ersichtlich  sind,  die  eine  Wegweisung  aus  humanitärer  Sicht  als  unangemessen  erscheinen  lassen  (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E­7221/2009 vom 10.  Mai 2011), dass sich angesichts dieser Sachlage eine Auseinandersetzung mit den  weiteren  Ausführungen  in  der  Beschwerde  erübrigt,  weil  diese  nicht  geeignet sind, zu einer anderen Beurteilung zu gelangen, dass  das  vorliegende  Urteil  in  Übereinstimmung  mit  der  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts zum Wegweisungsvollzug nach Italien ergeht  (vgl. BVGE 2010/45, Urteile des Bundesverwaltungsgerichts E­3223/2011  vom 14. Juni 2011 und E­2908/2011 vom 25. Mai 2011), dass  zusammenfassend  festzustellen  ist,  dass  einer  Rücküberstellung  des  Beschwerdeführers  weder  völkerrechtliche  Verpflichtungen  der  Schweiz  noch  humanitäre  Gründe  entgegenstehen,  weshalb  die  Souveränitätsklausel  (Art.  3  Abs.  2  Dublin­II­VO)  nicht  zur  Anwendung  gelangt und folglich das BFM zu Recht in Anwendung von Art. 34 Abs. 2  Bst. d AsylG auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist, dass das Nichteintreten auf ein Asylgesuch in der Regel die Wegweisung  aus  der  Schweiz  zur  Folge  hat  (Art. 44  Abs. 1  AsylG),  vorliegend  der  Kanton keine Aufenthaltsbewilligung erteilt hat und zudem kein Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen  besteht  (BVGE  2009/50  E.  9.  S.  733),  weshalb  die  verfügte  Wegweisung  nach  Italien  im  Einklang  mit  den 

E­4398/2011 gesetzlichen  Bestimmungen  steht  und  demnach  vom  Bundesamt  zu  Recht angeordnet wurde, dass  in  Verfahren  nach  Art.  34  Abs.  2  Bst.  d  AsylG  die  Frage  der  Durchführbarkeit  des Wegweisungsvollzugs  bereits  Voraussetzung  (und  nicht erst Regelfolge) des Nichteintretensentscheides ist (BVGE 2010/45  E. 10.2), dass  deshalb  allfällige  völkerrechtliche  und  humanitäre  Vollzugshindernisse vor der Prüfung des Nichteintretens im Rahmen der  Anwendung der sogenannten Souveränitätsklausel (Art. 3 Abs. 2 Dublin­ II­VO)  oder  gegebenenfalls  –  wenn  sich  Familienmitglieder  in  verschiedenen  Dublin­Mitgliedstaaten  befinden  und  zusammengeführt  werden  sollen  –  bei  der  Ausübung  der  Humanitären  Klausel  (Art. 15  Dublin­II­VO) zu prüfen sind, weshalb kein Raum für Ersatzmassnahmen  im Sinne von Art. 44 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 83 Abs. 1 ­ 4 AuG besteht, dass nach dem Gesagten der vom Bundesamt verfügte Vollzug der Weg­ weisung zu bestätigen ist, dass  es  dem  Beschwerdeführer  demnach  nicht  gelungen  ist  darzutun,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den  rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig  feststellt oder  unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen  ist, dass mit dem Entscheid  in der Hauptsache ohne vorgängige  Instruktion  die Anträge auf Erteilung der aufschiebenden Wirkung (der Beschwerde)  und auf Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses hinfällig wer­ den, dass  sich  die  Beschwerde  aufgrund  der  vorstehenden  Erwägungen  als  aussichtslos  erweist,  weshalb  der  Antrag  auf  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  (Art.  65  Abs.  1  VwVG)  unbesehen  der  nachgewiesenen  prozessualen  Bedürftigkeit  abzuweisen  ist  und  bei  diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten von Fr. 600.­ (Art. 1 – 3 des  Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 173.320.2])  dem  Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG). (Dispositiv nächste Seite)

E­4398/2011 E­4398/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Der  Antrag  auf  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  wird  abgewiesen. 3.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.­  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4.  Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und den (…). Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Bruno Huber Peter Jaggi Versand:

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