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Bundesverwaltungsgericht 12.08.2011 E-3847/2010

August 12, 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,277 words·~11 min·2

Summary

Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung | Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; Verfügung des BFM vom 27. April 2010

Full text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung V E­3847/2010 Urteil   v om   1 2 .   Augus t   2011 Besetzung Richterin Christa Luterbacher (Vorsitz), Richterin Nina Spälti Giannakitsas,  Richterin Muriel Beck Kadima,    Gerichtsschreiberin Gabriela Oeler. Parteien A.______, geboren am (…), Tochter B.______, geboren am (…), beide Sri Lanka,   vertreten durch lic. iur. Claudia Zumtaugwald,  Rechtsanwältin, (…),  Beschwerdeführerinnen,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung;  Verfügung des BFM vom 27. April 2010 / N (…).

E­3847/2010 Sachverhalt: A.  Die  Beschwerdeführerin  ersuchte  mit  in  Tamilisch  verfasster,  an  die  schweizerische Vertretung  in Colombo gerichteter Eingabe  vom 21.  Juli  2009  um  Bewilligung  der  Einreise  in  die  Schweiz  und  Gewährung  von  Asyl.  Nachdem  ihr  das  Gesuch  zwecks  Übersetzung  ins  Englische  zurückgesandt worden war, sandte sie der Botschaft am 8. August 2009  eine englische Übersetzung  zu.  Ihr Gesuch um Einreise  in  die Schweiz  und  Asylgewährung  begründete  sie  wie  folgt:  Sie  sei  eine  verheiratete  Frau von (…) Jahren und lebe zusammen mit ihrer (…)jährigen Tochter in  C.______  (Ostprovinz).  Ihr  Ehemann  sei  im  Mai  2004,  sechs  Monate  nach der Heirat  im Jahre 2003,  ins Vanni­Gebiet aufgebrochen. Er habe  ihr  gesagt,  er  hätte  dort  eine  dringende  Arbeit  zu  verrichten,  er  werde  jedoch  innert  einer  Woche  wieder  zurückkehren.  Zu  ihrer  grossen  Enttäuschung  sei  er  jedoch  nicht  mehr  zurückgekehrt.  Sie  sei  zwischenzeitlich durch die Hölle gegangen. Sie habe nun erfahren, dass  ihr Mann Beziehungen zu Terroristen gehabt habe. Am 8. März 2009 sei  sie  zu Hause  von  drei  bewaffneten Männern  aufgesucht worden. Diese  hätten das Haus durchsucht, den Hausrat zerstört und sie beschimpft. Sie  hätten  nach  ihrem Mann  gefragt  und  gesagt,  dass  sie  wieder  kommen  würden. Die Beschwerdeführerin habe an verschiedenen Orten Zuflucht  gesucht  und  sich  schliesslich  für  einen  Monat  nach  Indien  begeben.  Während des Monats Mai  2009 habe sie  keine Schwierigkeiten gehabt.  Ab  dem  1.  Juni  2009  sei  sie  wieder  bedroht  worden.  Am  6.  Juli  2009  seien abends fünf Personen gewaltsam in ihr Haus eingedrungen. Diese  hätten  nach  ihrem  Mann  gefragt  und  behauptet,  dieser  würde  sich  gegenwärtig zu Hause aufhalten. Sie und ihre Tochter hätten geweint und  gesagt, dass sie melden würden, falls der Ehemann/Vater auftauche. Die  Eindringlinge  hätten  ihr  gedroht,  sie  umzubringen,  falls  sie  sie  nicht  informiere.  In  der  Folge  habe  die  Beschwerdeführerin  versteckt  gelebt.  Sie  wisse  nun  nicht,  was  sie  tun  solle.  Sie  habe  ausser  der  Schweizerischen Botschaft  niemanden,  an  den  sie  sich wenden  könne.  Ihr Bruder D.______, geboren am (…), habe in der Schweiz ebenfalls um  Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft ersucht und sei zwischenzeitlich  Schweizer Bürger geworden. Es sei ihr und ihrer Tochter zu ermöglichen,  beim Bruder in der Schweiz leben zu können. B.  Mit  –  ebenfalls  in  englischer Sprache gehaltenem – Schreiben  vom 24.  August  2009  bestätigte  die  schweizerische  Vertretung  in  Colombo  der 

E­3847/2010 Beschwerdeführerin  den Eingang  ihres Asyl­  und Einreisegesuches und  forderte  sie  gleichzeitig  auf,  ihre  Vorbringen  bis  zum  9.  Oktober  2009  anhand  eines  Fragenkatalogs  (bspw.  betreffend  unternommene  Anstrengungen, von den heimatlichen Behörden Schutz zu erhalten, oder  betreffend  die  Möglichkeit,  den  Problemen  durch  Wegzug  in  einen  anderen  Landesteil  zu  entgehen)  zu  konkretisieren  und  zur  Untermauerung  derselben  entsprechende,  durch  einen  anerkannten  Übersetzer  in  die  englische  Sprache  übersetzte  Beweismittel  sowie  Kopien von Identitätspapieren einzureichen.  C.  Die Beschwerdeführerin nahm mit Eingabe vom 28. September 2009 zum  Schreiben der Botschaft Stellung. Sie führte aus, es sei zu Angriffen auf  ihr Leben und dasjenige ihrer Tochter gekommen. Sie lebten in ständiger  Angst, von unbekannten bewaffneten Banden getötet zu werden. Um ihr  Leben  zu  schützen,  müssten  sie  ausreisen.  Grund  der  Angriffe  sei  der  Umstand,  dass  ihr  Ehemann  eine  höhere  Position  innerhalb  der  LTTE  (Liberation  Tigers  of  Tamil  Eelam)  habe  und  in  die  Kämpfe  im  Vanni­ Gebiet  involviert  sei.  Die  unbekannten,  bewaffneten  Leute  seien  der  Meinung,  ihr  Ehemann  sei  in  die  Ostprovinz  geflohen  und  besuche  sie  von dort aus oft heimlich. Dies sei der Hauptgrund, weshalb sie gesucht  werde und die bewaffnete Gruppe sie  töten wolle. Sie habe  ihren Mann  im  Alter  von  (…)  Jahren  geheiratet,  ohne  viel  über  seine  Familie  zu  wissen.  Er  habe  ihr  versprochen,  sie  innerhalb  eines  Jahres  mit  nach  Jaffna zu nehmen. Bis dann solle sie ihm keine Fragen stellen. Sie habe  während sechs Monaten ein glückliches Eheleben geführt. Dann, am 5.  Mai  2004,  sei  ihr  Mann  ins  Vanni­Gebiet  gegangen  und  nicht  wieder  zurückgekehrt,  obwohl  er  dies  versprochen  habe.  Auch  habe  er  weder  telefoniert noch geschrieben. Den Leuten habe sie erzählt, dass er in ein  fremdes Land gegangen sei. Seit seinem Fortgang bis ins Jahr 2008 sei  sie immer wieder Belästigungen durch Jugendliche ausgesetzt gewesen,  welche nach ihrem Ehemann gefragt hätten. Am 8. März 2009 sei sie von  unbekannten  bewaffneten  Männern  um  22.30  Uhr  abends  aufgesucht  worden.  Die  Männer  hätten  das  Haus  durchsucht,  sie  gewürgt  und  beschimpft.  Sie  hätten  gedroht,  sie  und  das  Kind  umzubringen.  Am  9.  März 2009 seien sie deshalb heimlich nach Colombo gegangen und am  13.  März  2009  seien  sie  weiter  nach  Indien  gereist.  Auch  dort  sei  sie  jedoch von Jugendlichen, welche sich als Angehörige der Geheimpolizei  ausgegeben hätten, eingeschüchtert und bedroht worden. Aus Angst sei  sie am 30. März 2009 wieder nach Sri Lanka zurückgekehrt, wo sie und  ihr Kind in den beiden Folgemonaten versteckt gelebt hätten. Am 1. Juni 

E­3847/2010 2009 sei sie dann von Unbekannten am Telefon bedroht worden. Diese  hätten  nach  ihrem  Ehemann  gefragt.  Bis  am  6.  Juli  2009  habe  sie  in  Batticaloa  im Haus von Bekannten gewohnt. Als sie an  jenem Tag nach  Hause  zurückgekehrt  sei,  seien  Unbekannte  in  ihr  Haus  eingedrungen,  hätten  sie  an  den  Haaren  gepackt  und  ihr  eine  Waffe  an  den  Kopf  gehalten.  Sie  hätten  behauptet,  ihr  Mann  habe  sie  zuvor  besucht.  Sie  habe  ihnen versichert, dass dies nicht der Fall gewesen sei und sie sie  informieren  werde,  sobald  sie  über  den  Aufenthalt  ihres  Mannes  Bescheid wisse. Von da an hätten sie und ihre Tochter versteckt gelebt.  Da  sie  in  dieser  Situation  weder  von  ihren  Verwandten  noch  von  der  Polizei  Hilfe  erwarten  könne  und  sich  ständig  fürchten müsse,  dass  ihr  Aufenthalt bekannt werde, und da sie an keinem anderen Ort in Sri Lanka  leben  könne,  sei  sie  auf  die  Schutzgewährung  durch  die  Schweiz  angewiesen.  D.  Am  23.  November  2009  wurde  die  Beschwerdeführerin  von  der  Schweizerischen Botschaft  in Colombo  einlässlich  zu  ihrem Asylgesuch  angehört. Dabei gab sie ergänzend zu Protokoll, sie habe im August 2009  von  bewaffneten  LTTE­Kaderleuten  erfahren,  dass  ihr  Mann  in  einer  Schlacht  ums  Leben  gekommen  sei.  Nach  der  Funktion  ihres  Mannes  innerhalb  der  LTTE  gefragt,  gab  die  Beschwerdeführerin  an,  sie  habe  erstmals  von  den  bewaffneten  Männern  erfahren,  dass  dieser  eine  ranghohe  Position  inne  gehabt  habe. Welche,  wisse  sie  nicht,  eben  so  wenig kenne sie den Namen, welchen dieser innerhalb der LTTE gehabt  habe. Weiter  gab  die  Beschwerdeführerin  zu  Protokoll,  sie  werde  auch  von Regierungskräften bedroht, weil ihr Mann bei den LTTE gewesen sei.  Auf Nachfrage hin gab sie an, sie befürchte bloss, sie könnte künftig auch  noch von Regierungskräften bedroht werden. Die letzte Bedrohung durch  die LTTE habe übrigens im Juli 2009 stattgefunden. Zuvor habe sie sich  von Juni bis Juli 2009 bei einer Bekannten in Batticaloa aufgehalten. Auf  Frage  hin  gab  sie  an,  sie  habe  bisher  weder  die  Polizei  noch  internationale Organisationen  um Hilfe  ersucht.  Sie  lebe  gegenwärtig  in  C.______  zusammen  mit  ihrer  Mutter.  Im  Ort  lebten  sodann  (…)  Schwestern  mit  ihren  Familien.  Nach  Colombo  sei  sie  mit  Hilfe  des  Parlamentariers  E.______  gelangt,  bei  welchem  sie  nun  während  des  dortigen Aufenthaltes auch wohnen könne. Sie habe auf der Reise nach  Colombo vier Checkpoints passiert. Auf die Frage nach dem Verbleib der  Heiratsurkunde  antwortete  die  Beschwerdeführerin  schliesslich,  diese  habe ihr Mann mitgenommen.

E­3847/2010 E.  Am  24.  November  2009  überwies  die  schweizerische  Vertretung  in  Colombo die Akten der Beschwerdeführerin zuständigkeitshalber an das  BFM.  F.  Mit  Verfügung  vom  27.  April  2010  verweigerte  das  BFM  der  Beschwerdeführerin  die  Einreise  in  die  Schweiz  und  lehnte  deren  Asylgesuch  ab.  Auf  die  Begründung  wird  in  den  nachfolgenden  Erwägungen eingegangen.  G.  Die  Beschwerdeführerin  erklärte  mit  ans  BFM  gerichteter,  zuständigkeitshalber  ans  Bundesverwaltungsgericht  überwiesener  Eingabe  vom  15.  Mai  2009  (Eingang  beim  BFM  am  27.  Mai  2010,  Eingang beim Gericht am 28. Mai 2009), gegen die Verfügung des BFM  Beschwerde erheben zu wollen. Da sie im Heimatland niemanden kenne,  der  eine  Beschwerde  in  deutscher  Sprache  verfassen  könne,  demgegenüber  über  einen  Bruder  in  der  Schweiz  verfüge,  welcher  ihr  behilflich  sein  könne,  seien  diesem  die  Akten  zu  edieren  und  es  sei  diesem eine zweimonatige Frist zur Beschwerdeerhebung einzuräumen.  H.  Mit  Instruktionsverfügung  vom  8.  Juni  2010  teilte  die  zuständige  Instruktionsrichterin  des  Bundesverwaltungsgerichts  dem  Bruder  der  Beschwerdeführerin  mit,  vom  Vertretungsverhältnis  werde  Kenntnis  genommen und die Eingabe der Schwester vom 15. Mai 2010 werde als  fristwahrende,  jedoch  verbesserungsbedürftige  Beschwerde  entgegengenommen.  Dem  Bruder  wurden  die  editionspflichtigen  Akten  samt  Aktenverzeichnis  sowie  die  Eingabe  der  Schwester  vom  15.  Mai  2010 zugestellt. Der von der Beschwerdeführerin als Vertreter bestimmte  Bruder wurde aufgefordert,  innert sieben Tagen ab Erhalt der Verfügung  eine  in  einer  Amtssprache  verfasste  Beschwerdebegründung  einzureichen. I.  Mit Instruktionsverfügung vom 6. Juli 2010 stellte die Instruktionsrichterin  fest, dass sich der von der Beschwerdeführerin als Vertreter bezeichnete  Bruder  innert  der  ihm  angesetzten  Frist  nicht  vernehmen  liess.  Es  sei  davon  auszugehen,  dass  dieser  die Mandatierung  durch  die  Schwester  nicht  akzeptiere,  weshalb  die  Folgekorrespondenz  wieder  direkt  der 

E­3847/2010 Beschwerdeführerin  zugestellt  werde.  Der  Beschwerdeführerin  wurde  erneut eine Frist von sieben Tagen ab Erhalt der Verfügung gesetzt, um  eine Begründung ihrer Beschwerde vom 15. Mai 2010 nachzureichen.  J.  Mit  Eingabe  vom  21.  Juli  2010  teilte  die  heutige  Rechtsvertreterin  der  Beschwerdeführerin  mit,  der  Bruder  der  Beschwerdeführerin  habe  sie  zwischenzeitlich  mit  der  Rechtsvertretung  mandatiert.  Eine  entsprechende  Vollmacht  liege  bei.  Sie  sei  bestrebt,  auch  noch  die  Vollmacht der Beschwerdeführerin selbst einzuholen und nachzureichen.  Die  Rechtsvertreterin  teilte  mit,  die  fristauslösende,  letzte  Instruktionsverfügung  an  die  Beschwerdeführerin  vom  6.  Juli  2010  sei  dieser am 20. Juli 2010 zugegangen. Es sei ihr nicht möglich, sich innert  der  siebentägigen  Verbesserungsfrist  in  die  Akten  einzulesen  und  eine  Verbesserung einzureichen. Sie ersuche daher um eine Fristerstreckung  bis am 11. August 2010.  K.  Mit  Instruktionsverfügung  vom  23.  Juli  2010  gab  die  zuständige  Instruktionsrichterin  dem  Fristerstreckungsgesuch  aufgrund  der  besonderen  Umstände  des  Falles  statt  und  erstreckte  die  Frist  antragsgemäss  bis  zum  11.  August  2010.  Gleichzeitig  forderte  sie  die  Rechtsvertreterin  auf,  eine  Vollmacht  über  das  neue  Vertretungsverhältnis einzureichen. L.  Mit Eingabe vom 28. Juli 2009 reichte die Rechtsvertreterin die Vollmacht  der Beschwerdeführerin (in Kopie) zu den Akten.  M.  Am  11.  August  2010  reichte  die  Rechtsvertreterin  eine  komplette  Beschwerdeeingabe  ein.  Darin  beantragte  sie  für  ihre  Mandantin  und  deren  Tochter  die  Zuerkennung  der  Flüchtlingseigenschaft  und  die  Gewährung  von  Asyl.  Allenfalls  seien  die  Beschwerdeführerin  und  ihre  Tochter  in  die  Flüchtlingseigenschaft  ihres  Bruders  bzw.  Onkels  miteinzubeziehen.  Der  Eingabe  lagen  die  Vollmacht  im  Original  sowie  diverse Internetauszüge beziehungsweise Zeitungsartikel die Situation in  Sri Lanka betreffend bei. N.  Mit  Instruktionsverfügung  vom  20.  August  2010  teilte  die 

E­3847/2010 Instruktionsrichterin  der  Rechtsvertreterin  mit,  die  Beschwerde  genüge  nun  den  Formerfordernissen. Gleichzeitig  wies  sie  darauf  hin,  dass  auf  die Erhebung eines Kostenvorschusses zwar verzichtet werde, dass der  Beschwerdeführerin bei Unterliegen  jedoch die Kosten auferlegt werden  können. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1.    Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  (VGG,  SR 173.32)  beurteilt  das  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021). Das BFM gehört  zu  den Behörden  nach Art. 33 VGG und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG  liegt nicht  vor.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  im  Bereich  des  Asylrechts  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  [AsylG,  SR  142.31]  ;  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG). 2.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Die  Beschwerdeführerin  und  ihre  Tochter  haben  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen,  sind  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  haben  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung.  Sie  sind  daher  zur  Einreichung  einer Beschwerde legitimiert (Art. 108 sowie Art. 105 AsylG i.V.m 37 VGG  Art. 48  Abs. 1  und  Art.  52  VwVG).  Auf  die  Beschwerde  ist  ­  unter  nachfolgendem  Vorbehalt  ­  einzutreten.

E­3847/2010 Die Rechtsvertreterin  ersucht  in  ihrer Beschwerde um Zuerkennung der  Flüchtlingseigenschaft  gegenüber  der  Beschwerdeführerin  und  deren  Tochter. Die frühere ARK hat in EMARK 1997/15 E. 2c festgestellt, dass  bei  Asylgesuchen  aus  dem  Ausland  nicht  über  die  Zuerkennung  der  Flüchtlingseigenschaft befunden werden kann, wenn sich die betreffende  Person noch  im Heimatland befindet. Flüchtling könne nämlich nur sein,  wer  den  Staat,  in  welchem  er  Verfolgung  befürchtet,  bereits  verlassen  habe. Demnach kann auf das Begehren, es sei die Flüchtlingseigenschaft  der sich  in Sri Lanka aufhaltenden Beschwerdeführerinnen festzustellen,  nicht eingetreten werden. 3.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 4.  Gestützt  auf  Art.  111a Abs.  1 AsylG wurde  auf  die Durchführung  eines  Schriftenwechsels verzichtet. 5.  Ein  Asylgesuch  kann  gemäss  Art.  19  AsylG  im  Ausland  bei  einer  schweizerischen Vertretung gestellt werden, die es mit einem Bericht an  das  Bundesamt  überweist  (Art.  20  Abs.  1  AsylG).  Hinsichtlich  des  Verfahrens bei der schweizerischen Vertretung  im Ausland sieht Art. 10  der  Asylverordnung 1  vom  11. August  1999  über  Verfahrensfragen  (AsylV 1, SR 142.311) vor, dass diese mit der asylsuchenden Person  in  der  Regel  eine  Befragung  durchführt  (Art.  10  Abs.  1  AsylV  1).  Ist  dies  nicht  möglich,  so  wird  die  asylsuchende  Person  aufgefordert,  ihre  Asylgründe  schriftlich  festzuhalten  (Art.  10  Abs.  2  AsylV  1).  Vorliegend  erhielt  die  Beschwerdeführerin  sowohl  Gelegenheit  zur  schriftlichen  als  auch  zur  mündlichen  Stellungnahme  im  Rahmen  einer  Anhörung.  Das  BFM  hat  den  verfahrensrechtlichen  Anforderungen  damit  ausreichend  Genüge getan.   6.  Das  Bundesamt  kann  ein  im  Ausland  gestelltes  Asylgesuch  ablehnen,  wenn die asylsuchende Person keine Verfolgung glaubhaft machen oder  ihr die Aufnahme in einem Drittstaat zugemutet werden kann (Art. 3, Art.  7 und Art. 52 Abs. 2 AsylG). Gemäss Art. 20 Abs. 2 AsylG bewilligt das  BFM einem Asylsuchenden die Einreise zur Abklärung des Sachverhalt, 

E­3847/2010 wenn  ihm  nicht  zugemutet  werden  kann,  im  Wohnsitz­  oder  Aufenthaltsstaat zu bleiben oder in ein anderes Land auszureisen). 7.  Für  die  Erteilung  einer  Einreisebewilligung  gelten  restriktive  Voraussetzungen,  wobei  den  Behörden  ein  weiter  Ermessensspielraum  zukommt.  Neben  der  erforderlichen  Gefährdung  im  Sinne  von  Art.  3  AsylG sind namentlich die Beziehungsnähe zur Schweiz, die Möglichkeit  der  Schutzgewährung  durch  einen  anderen  Staat,  die  Beziehungsnähe  zu  anderen  Staaten,  die  praktische  und  objektive  Zumutbarkeit  zur  anderweitigen  Schutzsuche  sowie  die  voraussichtlichen  Eingliederungs­  und  Assimilationsmöglichkeiten  in  Betracht  zu  ziehen  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  1997  Nr.  15,  E.  2.2.­g.  S.  131  ff.;  angesichts bloss  redaktioneller Änderungen bei der  letzten Totalrevision  des  Asylgesetzes  hat  diese  Praxis  nach  wie  vor  Gültigkeit).  Ausschlaggebend  für  die  Erteilung  der  Einreisebewilligung  ist  dabei  die  Schutzbedürftigkeit der betreffenden Person (vgl. EMARK 1997 Nr. 15 E.  2c S. 130), mithin die Prüfung der Fragen, ob eine Gefährdung im Sinne  von  Art.  3  AsylG  glaubhaft  gemacht  wird  und  ob  der  Verbleib  am  Aufenthaltsort  für  die  Dauer  der  Sachverhaltsabklärung  zugemutet  werden  kann. Eine Verfolgungssituation muss überdies aktuell  sein,  um  gemäss Art. 3 AsylG als asylrelevant zu gelten.  8.  8.1.    Die  Vorinstanz  hielt  in  der  angefochtenen  Verfügung  fest,  Befürchtungen,  künftig  staatlichen  Verfolgungsmassnahmen  ausgesetzt  zu sein, seien nur dann einreisebeachtlich, wenn begründeter Anlass zur  Annahme  bestehe,  dass  sich  die  Verfolgung  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  und  in  absehbarer  Zukunft  verwirklichen  werde.  Einleitend  stellte  die  Vorinstanz  die  von  der  Beschwerdeführerin  geschilderten  Probleme  in  Frage.  Konkret  führte  sie  zur Glaubhaftigkeit  aus,  es  bestünden  erhebliche  Zweifel  am  Wahrheitsgehalt  der  Vorbringen. So sei realitätsfremd, dass die Beschwerdeführerin während  rund fünf Jahren ohne weitere Konsequenzen von den LTTE mit dem Tod  bedroht  worden  sei  und  sie  ­  bis  auf  wenige  kurze  Abwesenheiten  ­  immer  am  selben  Ort  wohnhaft  geblieben  sei.  Die  Schilderungen  anlässlich  der  Anhörung  seien  insgesamt  äusserst  unsubstanziiert  ausgefallen.  Mangels  Asylrelevanz  könne  jedoch  verzichtet  werden,  vertieft auf die einzelnen Unglaubhaftigkeitselemente einzugehen. Weiter 

E­3847/2010 begründete  das  BFM  seinen  Entscheid  damit,  dass  gemäss  ständiger  Praxis  der  schweizerischen  Asylbehörden  eine  Einreisebewilligung  nur  dann erteilt werde, wenn mit überwiegender Wahrscheinlichkeit von einer  akuten Gefährdung der gesuchstellenden Person bei einem Verbleib  im  Heimatland  ausgegangen  werden  müsse.  Dies  sei  vorliegend  nicht  gegeben. Der Krieg zwischen der srilankischen Armee und den LTTE sei  im  Mai  2009  mit  der  Niederlage  der  LTTE  zu  Ende  gegangen.  Damit  befinde  sich  das  gesamte  Land  erstmals  seit  1983  wieder  unter  Regierungskontrolle. Die Sicherheits­  und Menschenrechtslage  sei  zwar  noch nicht befriedigend und präsentiere sich regional unterschiedlich. Die  Lage  in  der  Wohnregion  der  Beschwerdeführerin  und  ihrer  Tochter  im  Osten  des  Landes  habe  sich  jedoch  stark  beruhigt.  Die  Anzahl  von  Gewaltereignissen,  darunter  auch  Entführungen,  sei  erheblich  zurückgegangen,  und  die  LTTE  seien  weitgehend  zerschlagen  worden.  Angesichts  dessen  erscheine  es  wenig  wahrscheinlich,  dass  die  Beschwerdeführerin zukünftig von Problemen seitens der LTTE betroffen  sein  werde.  Es  gebe  sodann  keine  Anhaltspunkte  dafür,  dass  der  Beschwerdeführerin  –  selbst  wenn  ihr  Ehemann  tatsächlich  ein  ranghohes Mitglied der LTTE gewesen wäre –  seitens der heimatlichen  Behörden  irgendwelche  Nachteile  drohten.  So  habe  sie  bisher  keine  Nachteile seitens der heimatlichen Sicherheitskräfte geltend gemacht. Die  Tatsache, dass die Beschwerdeführerin unbehelligt habe nach Indien und  zurück  reisen  können,  sei  ein  klares  Indiz  dafür,  dass  seitens  der  heimatlichen  Behörden  kein  Verfolgungsinteresse  an  ihrer  Person  vorhanden sei. Angesichts dessen sei nicht zu erwarten, dass seitens der  heimatlichen  Behörden  ein  Verfolgungsinteresse  vorhanden  sei,  beziehungsweise, dass die Beschwerdeführerin bei einem Verbleib in Sri  Lanka mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft von  einreisebeachtlicher  Verfolgung  betroffen  wäre.  Folglich  sei  das  Asylgesuch abzulehnen und die Einreise in die Schweiz zu verweigern. 8.2.    Die  Rechtsvertreterin  macht  auf  Beschwerdeebene  Folgendes  geltend:  An  der  Tatsache,  dass  die  Beschwerdeführerin  verheiratet  sei  und im Jahre (…) ein Kind geboren habe, habe das BFM nicht gezweifelt.  Die Beschwerdeführerin wohne  im Haus  ihres  im Jahre  (…) geflohenen  Bruders, welcher als Sekretär für F.______ gearbeitet habe, und welcher  in der Schweiz als Flüchtling anerkannt worden sei. Der Bruder habe der  Beschwerdeführerin  nun  geraten,  zu  ihm  in  die  Schweiz  zu  kommen.  Ansonsten käme eine Unterkunft nur zusammen mit der Mutter in Frage,  da  sie  von  den  Geschwistern  wegen  der  LTTE­Zugehörigkeit  ihres  Mannes  nicht  aufgenommen  würde.  Der  Bruder  wolle  seine  Schwester 

E­3847/2010 bei sich haben, da er befürchte, ihr könnte etwas zustossen. Er vermute,  dass sein Schwager tot sei, da dieser nie von der Tätigkeit bei den LTTE  zurückgekommen  sei.  Die  staatliche  Gruppe  –  damit  sei  die  Armee  gemeint  ­  glaube  hingegen  immer  noch,  dass  der  Mann  der  Beschwerdeführerin  am  Leben  sei  und  behellige  diese  deswegen;  gemäss  Aussagen  des  Bruders  werde  die  Beschwerdeführerin  gar  mit  Waffen  bedroht.  Diese  Darstellung  des  Bruders  dürfe  nicht  als  nachgeschoben  bezeichnet  werden,  habe  die  Beschwerdeführerin  doch  offensichtlich  bei  der  Anhörung  auf  der  Botschaft  Mühe  bekundet,  auszusagen,  und/oder  nicht  verstanden,  worauf  die  Fragen  abzielten.  Auch  wenn  die  Beschwerdeführererin  weiter  nicht  zu  hundert  Prozent  über  die  Tätigkeit  ihres  Mannes  und  dessen  Rang  innerhalb  der  LTTE  habe Auskunft geben können, so sei dennoch davon auszugehen, dass  ihre Aussagen zuträfen. Ein Indiz dafür sei, dass die Beschwerdeführerin  bei ihrer Mutter lebe. Sodann sei es eine Tatsache, dass Tamilen gegen  Ende  des  Krieges  von  singhalesischen  Armeeangehörigen  behelligt  worden  seien.  LTTE­Deserteure  hätten  mit  Verfolgung  bis  hin  zu  extralegaler  Tötung  rechnen  müssen.  Im  Positionspapier  der  Schweizerischen  Flüchtlingshilfe  (SFH)  vom  8.  Dezember  2009  werde  empfohlen, allen Personen die Flüchtlingseigenschaft zuzuerkennen, die  im  Verdacht  stünden,  mit  den  LTTE  sympathisiert  zu  haben,  beziehungsweise  allen  Asyl  zu  gewähren,  die  einer  besonders  empfindlichen Gruppe zugeordnet werden könnten. Durch den Umstand,  dass der Mann der Beschwerdeführerin verschwunden sei, sei sie einem  besonderen  Gefahrenpotenzial  auch  heute  noch  ausgesetzt.  So  könne  sie  beispielsweise  heute  noch  von  Anhängern  Karunas,  welcher  nach  seiner  Rückkehr  nach  Sri  Lanka  wieder  einen  Ministerposten  besetze,  behelligt  werden.  In  Sri  Lanka  herrsche,  wie  den  eingereichten  Internetberichten zu entnehmen sei  (Beilagen 6­8), ein Staat der Recht­  und Straflosigkeit. Dies habe zur Folge, dass die Beschwerdeführerin auf  ausserstaatlichen Schutz angewiesen und ihr die Einreise in die Schweiz  zu  bewilligen  sei.  Für  den  nicht  auszuschliessenden  Fall,  dass  die  Behelligungen  doch  noch  konkreter  würden,  würde  es  der  Beschwerdeführerin  sehr  schlecht  gehen.  Sie  würde  Gefahr  laufen,  in  einem Gefängnis  inhaftiert zu werden, wo die Situation gemäss den der  Beschwerde  beiliegenden  Internetberichten  (Beilagen  3  bis  5)  sehr  schlecht  sei. Die Rechtsvertreterin  verweist weiter  darauf,  dass  von der  Diaspora im Ausland ein Beitrag zum Aufbau des Rechtsstaates erwartet  werde.  Ein  Teil  dieser  Aktion  sei  sicherlich  auch,  wenn  potenziell  gefährdete  Personen  Schutz  bei  anderen  Familienangehörigen  finden  können.  Abschliessend  beantragt  die  Rechtsvertreterin,  die 

E­3847/2010 Beschwerdeführerin  und  ihre  Tochter  seien  allenfalls  –  unter  Rückweisung der Sache an die Vorinstanz – gestützt auf Art. 51 Abs. 2  AsylG in die Flüchtlingseigenschaft ihres Bruders/Onkels einzubeziehen.  8.3. Das Bundesverwaltungsgericht  teilt  sowohl die Zweifel des BFM an  den  Vorbringen  der  Beschwerdeführerin  als  auch  die  Argumentation,  dass  heute  nicht  mehr  von  einer  von  den  LTTE  ausgehenden  Verfolgungsgefahr  gesprochen  werden  kann.  Zur  Letzteren  ist  zu  bemerken,  dass  das  BFM  im  angefochtenen  Entscheid  zutreffend  festgestellt  hat,  dass  die  LTTE  im Mai  2009  völlig  zerschlagen  worden  seien.  Ihr Gründer  und Führer,  Vellupillai  Prabhakaran, wurde  öffentlich  zugänglichen  Informationen  zufolge  am  18.  Mai  2009  von  Regierungstruppen erschossen. Sein Tod wurde wenige Tage später von  den  LTTE  bestätigt.  Die  LTTE  sind  seit  der  Zerschlagung  nicht  mehr  handlungsfähig.  Für  die  Gerüchte,  im  Dschungel  im  Osten  Sri  Lankas  könnten  sich noch einzelne aktive Kader  versteckt  halten,  gibt  es  keine  Belege  (vgl.  Schweizerische  Flüchtlingshilfe  [SFH]:  Sri  Lanka:  Aktuelle  Situation, Update vom 1. Dezember 2010, S. 6 ff.). Insoweit die Beschwerdeführerin geltend macht, auch noch  im Juli 2009  von  einer  Gruppe  von  LTTE­Leuten  bedroht  worden  zu  sein,  kommen  erste Zweifel an dieser Darstellung bereits aufgrund der oben erwähnten  vorgängigen Zerschlagung dieser Organisation auf. Ohnehin vermag die  Beschwerdeführerin  nicht  plausibel  zu  machen,  dass  sie  nach  dem  Weggang  ihres  Mannes  im  Jahre  2004  über  Jahre  von  den  LTTE  behelligt worden sei, dabei ihren Wohnort aber insgesamt nicht länger als  während  zwei  Monaten  verlassen  haben  will.  Trotz  der  angeblichen  Morddrohungen ­ auch ihrem Kind gegenüber ­ im Juli 2009 war sie laut  Anhörung  im  November  2009  weiterhin  an  gleicher  Adresse  wohnhaft  und  ihre  Tochter  ging  weiterhin  in  den  Kindergarten  (vgl.  A5/13,  S.  9).  Nicht  nachvollziehbar  ist  weiter,  dass  sich  die  Beschwerdeführerin  trotz  ihrer andauernden Schwierigkeiten weder  jemals an die Polizei noch an  eine  Hilfsorganisation  gewandt  hat.  Weiter  fällt  auf,  dass  die  Beschwerdeführerin anlässlich der Anhörung auf einmal geltend machte,  wegen  der  LTTE­Zugehörigkeit  ihres  Mannes  auch  von  Regierungskräften  bedroht  worden  zu  sein,  um  diese  Aussage  gleich  wieder  zu  widerrufen  (vgl.  A5/13,  S.  7).  Dass  die  Beschwerdeführerin  nicht  in der Lage war anzugeben, welchen militärischen Rang  ihr Mann  innerhalb  der  LTTE  gehabt  habe  und  welches  sein  Kämpfername  gewesen  sei  (vgl.  A5/13,  S.  6),  lässt  weitere  Zweifel  an  der  Sachverhaltsdarstellung aufkommen, ebenso, dass sie zuerst angab,  ihr 

E­3847/2010 Mann sei bereits im Zeitpunkt der Heirat ein LTTE­Mitglied gewesen, und  später ausführte, sie wisse nicht, ob er zu diesem Zeitpunkt schon dabei  gewesen  sei  (A5/13,  S.  6  und  7).  Als  ungewöhnlich  ist  weiter  zu  bezeichnen,  dass  ihr  Ehemann  die  Heiratsurkunde  mit  in  den  Kampf  genommen  haben  soll  (vgl.  A5/13,  S.  10).  Schliesslich  gilt  es  zu  bemerken,  dass  ein  allfällig  früher  bestandenes  Interesse  der  LTTE  an  der Auslieferung des Beschwerdeführers durch seine Ehefrau spätestens  durch  den  Umstand  dahingefallen  wäre,  dass  ihr Mann  seit  der  letzten  Schlacht nicht mehr am Leben sei und das Kader der LTTE, welches die  Beschwerdeführerin darüber im August 2009 informiert habe, von dessen  Tod somit Kenntnis habe (vgl. A5/13, S. 7). Eine  begründete  Furcht  vor  künftiger  Verfolgung  wird  demnach  nicht  aufgezeigt.  Insbesondere hat das BFM auch eine Gefahr der Verfolgung  von staatlicher Seite zu Recht und mit zutreffender Begründung verneint.  Zusammenfassend  stellt  das  Bundesverwaltungsgericht  fest,  dass  die  Vorbringen  der  Beschwerdeführerin  weder  den  Anforderungen  an  die  Glaubhaftigkeit  noch  denjenigen  an  die  Asylrelevanz  genügen.  Die  Einwände  in  der  Beschwerdeschrift  vermögen  an  dieser  Betrachtungsweise nichts zu ändern. Die angeblichen Befürchtungen des  Bruders  der  Beschwerdeführerin,  dass  dieser  etwas  zustossen  könnte,  basieren offenbar auf keinem asylrelevanten Hintergrund. Der Umstand,  dass  die  Beschwerdeführerin  als  alleinerziehende Mutter  die Hilfe  ihres  im  Ausland  lebenden  Bruders  gut  gebrauchen  könnte,  ist  für  das  vorliegende  Verfahren  nicht  von  Relevanz.  Insoweit  auf  Beschwerdeebene  Nachteile  seitens  der  Regierungskräfte  geltend  gemacht  werden,  ist  festzustellen,  dass  dieses  Vorbringen  –  wie  vorne  erwähnt ­ der Aussage der Beschwerdeführerin anlässlich der Anhörung  vom 23. November  2009 widerspricht. Das Gericht  vermag  auch  in  der  übrigen  Beschwerdebegründung  sowie  in  den  eingereichten  Internetberichten, welche schwergewichtig die Menschenrechtslage in Sri  Lanka und die Vergangenheitsbewältigung des Landes zum Inhalt haben,  keine Argumente zu entdecken, welche die vorinstanzliche Verfügung  in  Frage  stellen  würden.  Weiter  ist  zu  bemerken,  dass  die  in  der  Beschwerdeschrift  vorgebrachten  Befürchtungen  ­  beispielsweise  der  Inhaftnahme der Beschwerdeführerin ­ rein spekulativ sind. Hinsichtlich des Begehrens der Beschwerdeführerin um Einbezug  in die  Flüchtlingseigenschaft  ihres  Bruders  gemäss  Art  51  Abs.  2  AsylG  ist  sodann  festzuhalten,  dass  der  Bruder  die  Flüchtlingseigenschaft  zu  keiner Zeit besessen hat, sondern diese mit letztinstanzlichem Entscheid 

E­3847/2010 der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  (ARK)  vom  18.  April  1996  negiert  und  das  Asyl  verweigert  worden  war.  Die  Gewährung  von  Familienasyl  scheitert  somit  bereits  an  dieser  Voraussetzung,  weshalb  auf eine Überweisung an die Vorinstanz zur erstmaligen Prüfung dieses  Vorbringens verzichtet werden kann.   Nach  dem  Gesagten  ist  festzustellen,  dass  es  der  Beschwerdeführerin  nicht gelungen ist, eine aktuelle Gefährdung aus asylrechtlich relevanten  Motiven  aufzuzeigen,  die  die  Bewilligung  der  Einreise  in  die  Schweiz  rechtfertigen  würde.  Die  Schutzbedürftigkeit  der  Beschwerdeführerin  im  Sinne  von  Art.  20  i.V.m.  Art.  3  AsylG  ist  als  nicht  gegeben  zu  qualifizieren.  Es  erübrigt  sich,  auf  die  weiteren  Vorbringen  in  der  Beschwerde und die eingereichten Internetberichte einzugehen, da diese  am  Ergebnis  nichts  zu  ändern  vermögen.  Das  BFM  hat  der  Beschwerdeführerin zu Recht die Einreise in die Schweiz verweigert und  das Asylgesuch abgelehnt. 9.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  nicht  verletzt,  den  rechtserheblichen  Sachverhalt  im  Ergebnis  richtig  und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art.  106  Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist daher abzuweisen.  10.  Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dessen Kosten grundsätzlich  der  Beschwerdeführerin  aufzuerlegen  (Art.  63  Abs.  1  VwVG).  Aus  verwaltungsökonomischen Gründen ist indessen in Anwendung von Art. 6  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  (VGKE,  SR  173.320.2) auf die Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten.  (Dispositiv nächste Seite)

E­3847/2010 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird.. 2.  Auf die Erhebung von Verfahrenskosten wird verzichtet. 3.  Dieses Urteil  geht  an  die Rechtsvertreterin  der  Beschwerdeführerinnen,  das BFM und die Schweizerische Botschaft in Colombo.  Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Christa Luterbacher Gabriela Oeler Versand:

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