Skip to content

Bundesverwaltungsgericht 01.02.2012 E-374/2012

February 1, 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,398 words·~7 min·1

Summary

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren) | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren); Verfügung des BFM vom 12. Januar 2012

Full text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung V E­374/2012 Urteil   v om   1 .   Februar   2012 Besetzung Einzelrichterin Muriel Beck Kadima mit Zustimmung von  Richter Daniele Cattaneo,   Gerichtsschreiberin Stella Boleki. Parteien A._______, geboren am (…), B._______, geboren am (…), Albanien,  (…) Beschwerdeführende,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin­ Verfahren); Verfügung des BFM vom 12. Januar 2012 / (…).

E­374/2012 Das Bundesverwaltungsgericht stellt  in Anwendung  des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31), des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsver­ fahren (VwVG, SR 172.021), des  Bundesgesetzes  vom  17.  Juni  2005  über  das  Bundesverwaltungsgericht (VGG, SR 173.32), des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht  (BGG,  SR173.110), des Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2005 über  die Ausländerinnen  und Ausländer (AuG, SR 142.20), der  Konvention  vom  4.  November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (Europäische  Menschenrechtskonvention [EMRK, SR 0.101]), des  Abkommens  vom  28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge (Flüchtlingskonvention [FK, SR 0.142.30]), des  Abkommens  vom  26. Oktober  2004  zwischen  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  und  der  Europäischen  Gemeinschaft  über  die  Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Staates für die  Prüfung  eines  in  einem  Mitgliedstaat  oder  in  der  Schweiz  gestellten  Asylantrags (Dublin­Assoziierungsabkommen [DAA, SR 0.142.392.68]), der Verordnung (EG) Nr. 343/2003 des Rates vom 18. Februar 2003 zur  Festlegung  der  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des  Mitglied­ staats,  der  für  die  Prüfung  eines  von  einem  Drittstaatsangehörigen  in  einem Mitgliedstaat gestellten Asylantrags zuständig ist (Dublin­II­VO), der Verordnung (EG) Nr. 1560/2003 der Kommission vom 2. September  2003 mit Durchführungsbestimmungen zur Dublin­II­VO (DVO Dublin), des  Reglements  vom  21.  Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschä­ digungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2), fest,  

E­374/2012 dass  der  Ehemann  der  Beschwerdeführerin  eigenen  Angaben  zufolge  Albanien  im  Februar  2011  verliess  und  –  auch  gemäss  Meldung  der  europäischen Datenbank EURODAC –  am 18. Mai  2011  in Belgien  ein  Asylgesuch einreichte,  dass  die  Beschwerdeführerin  eigenen  Angaben  zufolge  Albanien  am  15. Juni  2011 verliess,  ihren Ehemann  in Florenz  traf  und daraufhin mit  ihm  in  die  Schweiz  gelangte,  wo  sie  gemeinsam  am  21.  Juni  2011  im  Empfangs­ und Verfahrenszentrum (EVZ) Chiasso erstmals die Schweiz  um Asyl ersuchten,  dass beide am 6. Juli 2011 einzeln summarisch befragt wurden und ihnen  gleichzeitig  das  rechtliche  Gehör  zu  einer  allfälligen Wegweisung  nach  Belgien gewährt wurde,  dass der Ehemann der Beschwerdeführerin ausführte, er habe  im Jahre  2003  in  Grossbritannien  ein  Asylgesuch  gestellt,  doch  dieses  sei  abgelehnt worden, worauf er nach Albanien zurückgeführt worden sei,  dass  er  nicht  zurück  nach  Belgien  gehen  wolle,  weil  er  sich  dort  vor  kriminellen Landsleuten fürchte,  dass die Beschwerdeführerin  ihrerseits ausführte, sie habe  immer  in die  Schweiz  kommen  wollen  und,  selbst  wenn  ihr  Ehemann  nach  Belgien  zurückkehren müsste, würde sie in der Schweiz bleiben wollen,  dass  der  Beschwerdeführer  (gemeinsamer  Sohn)  eigenen  Angaben  zufolge Albanien am 2. August 2011 verliess, um sich seinen Eltern in der  Schweiz  anzuschliessen,  und  deshalb  im  EVZ  Chiasso  am  7.  August  2011 um Asyl nachsuchte, wo er am 29. August befragt wurde, dass  die  zuständigen  belgischen  Behörden  der  Übernahme  der  Beschwerdeführerin  und  deren  Ehemannes  mit  Schreiben  vom  23. August  2011  und  jener  des  Beschwerdeführers  am  16.  September  2011 gestützt auf Art. 14 beziehungsweise Art. 16 Abs. 1 Bst. c Dublin­II­ VO zustimmten,  dass  das  BFM  mit  Schreiben  vom  20.  September  2011  der  Beschwerdeführerin und  ihrem Ehemann, als gesetzliche Vertreter  ihres  minderjährigen Sohnes, das rechtliche Gehör zur Zuständigkeit Belgiens  für  die  Durchführung  des  vorliegenden  Asylverfahrens  und  zur  Wegweisung dorthin gewährte, 

E­374/2012 dass  die  Beschwerdeführerin  und  ihr  Ehemann  mit  Schreiben  vom  30. September  ausführten,  es  treffe  zwar  zu,  dass  er  (Ehemann)  in  Belgien  ein  Asylgesuch  gestellt  habe,  nicht  aber  die  Beschwerdeführenden,  dass  sie  (Beschwerdeführerin)  sich  hier  in  der  Schweiz  in  Therapie  befinde,  und  die  Familie  zusammenbleiben wolle,  weshalb  die  Schweiz  aus humanitären Gründen vom Recht auf Selbsteintritt Gebrauch machen  solle,  dass  sie  zur  Stützung  ihrer  Rechtsbegehren  einen  die  Ehefrau  betreffenden  Arztbericht  des  C._______  vom  (…)  einreichten,  aus  welchem hervorgeht, dass bei ihr ein (…) "(…)" diagnostiziert wurde und  deswegen in Tirana eine (…) bis (…) durchgeführt worden sei,  dass aktuell aber kein Anhaltspunkt für ein Rezidiv bestehe,  dass  eine  Verlaufsbildung  eingeleitet  sowie  eine  Kontrolle  in  zwei  Monaten vereinbart worden seien,  dass  das BFM mit  Verfügung  vom  7. Oktober  2011  in  Anwendung  von  Art. 34  Abs.  2  Bst.  d  AsylG  auf  die  Asylgesuche  der  Beschwerdeführenden  (einschliesslich  des  Ehemannes/Vaters)  nicht  eintrat und sie nach Belgien wegwies, dass  das  BFM  hinsichtlich  der  Wegweisung  nach  Belgien  den  vorgenannten  Arztbericht  erwähnte  und  erwägte,  daraus  könnten  keine  Wegweisungshindernisse abgeleitet werden,  dass das BFM mit Schreiben vom 27. Oktober 2011 der für den Vollzug  zuständigen  kantonalen Migrationsbehörde mitteilte,  die  Verfügung  vom  7. Oktober 2011 sei am 19. Oktober 2011 (unangefochten) in Rechtskraft  erwachsen,  dass  am  22.  November  2011  die  Rücküberstellung  der  Beschwerdeführenden  (einschliesslich  des  Ehemannes/Vaters)  nach  Brüssel auf dem Luftweg erfolgte,  dass gemäss Angaben der Beschwerdeführenden (Mutter und Sohn) sie  gleichentags  in  die  Schweiz  zurückgereist  seien,  worauf  sie  am  23.  November  2011  im  EVZ  Kreuzlingen  ein  zweites  Mal  um  Asyl  nachsuchten,

E­374/2012 dass  der  Ehemann  der  Beschwerdeführerin  am  29.  November  2011  ebenfalls ein zweites Mal in der Schweiz ein Asylgesuch stellte,  dass  allen  am  13. Dezember  2011  im  EVZ  Kreuzlingen  das  rechtliche  Gehör  zur  Zuständigkeit  Belgiens  für  die  Behandlung  der  vorliegenden  Asylgesuche und zur Wegweisung dorthin gewährt wurde,  dass die Beschwerdeführenden dabei geltend machten,  in Brüssel seien  ihnen  (Mutter  und  Sohn)  die  Fingerabdrücke  von  der  dortigen  Polizei  nicht  abgenommen  worden,  und  nach  ihrer  Freilassung  seien  sie  umgehend per Zug wieder in die Schweiz eingereist,  dass  die  Beschwerdeführerin  anfügte,  sie  und  ihr  Ehemann  hätten  Eheprobleme,  weshalb  dieser  nach  Belgien  zurückgeschickt  werden  könne, dass  sie  und  ihr  Sohn  in  der  Schweiz  bleiben  möchten,  da  sie  in  der  Schweiz  medizinisch  behandelt  worden  sei,  sich  hier  sicher  fühle  und  weiterhin hier behandelt werden möchte,  dass der Beschwerdeführer bestätigte, seine Eltern hätten sich gestritten  und wollten sich trennen,  dass er selbst (nur) in der Schweiz ein Asylgesuch gestellt habe, weshalb  er nicht nach Belgien zurück wolle,  dass der Ehemann/Vater der Beschwerdeführenden im Anschluss an die  Gewährung des rechtlichen Gehörs den Antrag stellte, sein Asylverfahren  sei von demjenigen seiner Ehefrau zu trennen, dass  alle  am  20.  Dezember  2011  vom  BFM  dem  Kanton  Zürich  zugewiesen wurden, dass  das  BFM  die  zuständigen  Behörden  Belgiens  am  8.  beziehungsweise  9.  Dezember  2011  um  Wiederaufnahme  gestützt  auf  Art. 16 Abs. 1 Bst. d Dublin­II­VO von allen drei Personen ersuchte, dass  die  zuständigen  Behörden  mit  Schreiben  vom  9.  Dezember  2011  der  Übernahme  der  Beschwerdeführenden  gestützt  auf  Art.  16  Abs.  1  Bst. c Dublin­II­VO zustimmten, 

E­374/2012 dass  das BFM mit  Verfügung  vom 12.  Januar  2011  in Anwendung  von  Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG auf die Asylgesuche der Beschwerdeführerin,  deren Ehemannes  sowie  deren  gemeinsamen Sohnes  nicht  eintrat  und  sie nach Belgien wegwies, dass es weiter anordnete, die Beschwerdeführenden hätten die Schweiz  – unter Androhung von Zwangsmitteln  im Unterlassungsfall – spätestens  am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen, den Kanton Zürich  mit  dem  Wegweisungsvollzug  beauftragte  und  die  editionspflichtigen  Akten aushändigte,  dass  es  schliesslich  feststellte,  einer  allfälligen  Beschwerde  gegen  die  vorliegende Verfügung komme keine aufschiebende Wirkung zu, dass  es  zur  Begründung  seiner  Verfügung  ausführte,  gestützt  auf  die  eingangs  aufgeführten  einschlägigen  staatsvertraglichen  Bestimmungen  sei  Belgien  für  die  Durchführung  der  vorliegenden  Asyl­  und  Wegweisungsverfahren zuständig, dass  die  von  den  Beschwerdeführenden  anlässlich  des  rechtlichen  Gehörs zu Protokoll gegebenen Aussagen,  in Belgien hätten sie nie ein  Asylgesuch gestellt, die Zuständigkeit Belgiens für die Durchführung des  Asyl­und Wegweisungsverfahren der ganzen Familie nicht zu widerlegen  vermöchten,  dass sich von den geltend gemachten Problemen im Zusammenhang mit  der  Wegweisung  nach  Belgien  (Furcht  vor  kriminellen  Landsleuten,  gesundheitliche  Lage  der  Beschwerdeführerin)  keine  Wegweisungshindernisse  ableiten  liessen,  weil  Belgien  als  schutzfähig  und –willig gelte und die Richtlinie 2003/9/EG des Rates vom 27. Januar  2003, welche zahlreiche Mindestnormen für die Aufnahme und Betreuung  beinhalten würden, einhalte,  dass  der  Beschwerdeführerin  der  Zugang  zu medizinischer  Versorgung  garantiert  sei,  und  sie  demnach  jederzeit  die  aufgenommene  Krebstherapie auch in Belgien fortsetzen könne,   dass  die  Rückführung  nach  Belgien  vorbehältlich  einer  allfälligen  Unterbrechung  oder  Verlängerung  bis  spätestens  am  9.  Juni  2012  zu  erfolgen habe,

E­374/2012 dass  die  Beschwerdeführenden  mit  Eingabe  vom  20.  Januar  2012  (Poststempel) gegen diese Verfügung Beschwerde erhob und beantragte,  die  Vorinstanz  sei  anzuweisen  sich  für  die  Durchführung  des  vorliegenden Asylverfahrens für zuständig zu erklären,  dass in prozessualer Hinsicht beantragt wurde, das Asylverfahren sei von  demjenigen  ihres  Ehemannes/Vaters  zu  trennen,  vom  Vollzug  der  Wegweisung  sei  vorsorglich  bis  zum  Entscheid  der  Beschwerde  abzusehen  und  der  Beschwerde  sei  die  aufschiebende  Wirkung  zu  erteilen,  dass weiter beantragt wurde, es sei ihnen die unentgeltliche Rechtspflege  zu gewähren und es  sei  auf die Erhebung eines Kostenvorschusses  zu  verzichten,  dass  auf  die  Ausführungen  der  Beschwerdeführenden  –  sofern  für  den  vorliegenden Entscheid relevant – in den Erwägungen einzugehen ist,  dass  die  zuständige  Instruktionsrichterin mit  Verfügung  vom  24.  Januar  2012  den  Vollzug  gemäss  Art.  56  VwVG  vorsorglich  per  Telefax  aussetzte,  dass  die  vorinstanzlichen  Akten  am  24.  Januar  2012  beim  Bundesverwaltungsgericht eintrafen (Art. 109 Abs. 2 AsylG), und erwägt, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig  über  Beschwerden  gegen  Verfügungen  (Art. 5  VwVG)  des  BFM  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105 AsylG i. V. m. Art. 31 – 33 VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG), dass eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG nicht  vorliegt, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet, dass  die  Beschwerdeführenden  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen  haben,  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  sind,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung 

E­374/2012 beziehungsweise  Änderung  haben  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde legitimiert sind (Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  einzutreten  ist  (Art. 108 Abs. 2 AsylG  und Art.  105 AsylG  i.V.m. Art.  33  VGG und Art. 52 VwVG), dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise  einer  zweiten Richterin  entschieden wird  (Art. 111 Bst. e AsylG)  und  es  sich  vorliegend,  wie  nachfolgend  aufgezeigt,  um  eine  solche  handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu  begründen  ist  (Art. 111a Abs. 2 AsylG), dass  gestützt  auf  Art. 111a  Abs. 1  AsylG  vorliegend  auf  einen  Schriftenwechsel verzichtet wurde, dass  bei  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide,  mit  denen  es  das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu  überprüfen  (Art. 32 – 35  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der  Beschwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die  Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist, dass  auf  Asylgesuche  in  der  Regel  nicht  eingetreten  wird,  wenn  Asylsuchende  in  einen  Drittstaat  ausreisen  können,  welcher  für  die  Durchführung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zuständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG), dass über den Antrag, der Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung zu  erteilen, mit vorliegendem Entscheid gegenstandslos wird, dass  sich  die  Schweiz  mit  der  Umsetzung  des  Dublin­ Assoziierungsabkommens verpflichtet hat, die Dublin­II­VO anzuwenden,  dass  die  Beschwerdeführenden  in  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  beantragen, ihr Verfahren sei von demjenigen des Ehemannes/Vaters zu  trennen,  weil  sie  (Beschwerdeführerin)  sich  von  ihm  getrennt  habe,  da  dieser gegen sie handgreiflich geworden sei,  

E­374/2012 dass  sie  überdies  nach  der  Rücküberstellung  nach  Belgien  ohne  Ehemann/Vater  in  die  Schweiz  zurückgekehrt  seien  und  Asylgesuche  eingereicht  hätten,  weshalb  diese  auch  hinsichtlich  der  Sachverhalte  getrennt– zu behandeln seien,  dass  dieser  Antrag  abzuweisen  ist,  obschon  sich  angesichts  des  ausdrücklichen Wunsches des Ehemannes der Beschwerdeführerin,  die  Verfahren  zu  trennen  (vgl.  B24),  und  der  Tatsache,  dass  die  Beschwerdeführerin und deren Sohn unabhängig von diesem ihr zweites  Asylgesuch in der Schweiz einreichten, die Frage stellt, ob das BFM die  Verfahren getrennt hätte führen müssen,  dass eine Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zur Neubeurteilung  indessen nicht zu einem anderen Ausgang des vorliegenden Verfahrens  führen  würde  –  wie  nachfolgend  auszuführen  sein  wird  –  und  einem  prozessökonomischen Leerlauf gleichkäme,  dass  hinsichtlich  des  Beschwerdeverfahrens  keine  Trennung  der  Verfahren  vorzunehmen  ist,  da  die  Beschwerdeführenden  ohne  ihren  Ehemann/Vater  eine  Beschwerde  eingereicht  haben,  weshalb  diesem  keine Parteistellung zukommt, dass  die  Beschwerdeführenden  die  Zuständigkeit  Belgiens  für  die  Durchführung  des  vorliegenden  Asylverfahrens  bestreiten,  da  Belgien  sich  nur  für  zuständig  erklärt  habe, weil  der  Ehemann/Vater  früher  dort  ein Asylgesuch gestellt habe,  dass sie selbst indessen in Belgien weder ein Asylgesuch gestellt hätten  noch daktyloskopisch erfasst seien,  dass  die  Vorinstanz  gestützt  auf  den  Daktyloskopie­Eintrag  in  der  EURODAC­Datenbank  und  die  Aussagen  des  Ehemannes  der  Beschwerdeführerin Belgien  im Rahmen des ersten Asylverfahrens –  in  welchem  die  Beschwerdeführenden  noch  geltend  machten,  die  Familieneinheit  sei  zu  berücksichtigen  –  am  8.  August  2011  und  im  Rahmen  des  vorliegenden  Verfahrens  am  9.  September  2011  um  Übernahme sämtlicher Familienmitglieder ersuchte,  dass  Zustimmungserklärungen  der  zuständigen  Behörden  Belgiens  sowohl  betreffend  den  Ehemann  (gestützt  auf  Art.  16  Abs.  1  Bst.  c  Dublin­II­VO)  vom  16.  August  2011  und  9.  Dezember  2011  als  auch  betreffend  die  Beschwerdeführenden  (im  ersten  Verfahren  unter 

E­374/2012 Beachtung der Familieneinheit gestützt auf Art. 14, im zweiten Verfahren  gestützt auf Art. 16 Abs. 1 Bst. c Dublin­II­VO) vom 16. August 2011 und  9.  Dezember  2011  vorliegen,  womit  sie  sich  explizit  zur  Durchführung  deren Asylverfahren für zuständig erklärten,   dass  die  Beschwerdeführenden  verkennen,  dass  selbst  eine  zwischenzeitlich  erfolgte  Trennung  der  Beschwerdeführerin  von  ihrem  Ehemann nichts an der Zuständigkeit Belgiens ändert, da bei der Prüfung  der  Zuständigkeitskriterien  der  Sachverhalt  zum  Zeitpunkt  der  Einreichung  des  ersten  Asylantrages  gilt  (sogenanntes  Sachverhalts­ Versteinerungsprinzip;  vgl.  Art.  5  Abs.  2  Dublin­II­VO;  CHRISTIAN  FILZWIESER/ANDREA  SPRUNG,  Dublin  II­Verordnung:  Das  Europäische  Asylzuständigkeitssystem, 3. überarbeitete Auflage, Wien und Graz 2010,  S. 86),  dass zu jenem Zeitpunkt (21. Juni 2011) die Beschwerdeführerin und ihr  Ehemann gemeinsam ein Asylgesuch  in der Schweiz einreichten, wobei  damals bekannt war, dass der Ehemann in Belgien bereits ein erstes Mal  um Asyl nachgesucht hatte, dass  der minderjährige Beschwerdeführer  zwar  erst  später  die Schweiz  um  Asyl  ersuchte,  aber  zum  Zeitpunkt  der  Prüfung  der  Zuständigkeit  Belgiens  ihn  betreffend  der  Grundsatz  der  Familieneinheit  zu  berücksichtigen  war,  weshalb  sich  Belgien  auch  für  ihn  als  zuständig  erklärte,   dass  angesichts  der  vorgenannten  Ausführungen  das  Bundesamt  vorliegend zu Recht von der Zuständigkeit Belgiens ausging, weshalb die  gesetzliche  Grundlage  für  einen  Nichteintretensentscheid  nach  Art.  34  Abs. 2 Bst. d AsylG grundsätzlich erfüllt ist,  dass  weiter  zu  prüfen  ist,  ob  die  Beschwerdeführenden  auch  dorthin  ausreisen können oder ob Hindernisse bestehen,  dass  die  Ablehnung  eines  Asylgesuchs  oder  das Nichteintreten  auf  ein  Asylgesuch in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge hat  (Art. 44 Abs. 1 AsylG),  dass  vorliegend  der  Kanton  keine  Aufenthaltsbewilligung  erteilt  hat  und  auch  kein  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen  besteht  (vgl.  EMARK  2001 Nr. 21), http://links.weblaw.ch/EMARK-2001/21 http://links.weblaw.ch/EMARK-2001/21 http://links.weblaw.ch/EMARK-2001/21 http://links.weblaw.ch/EMARK-2001/21 http://links.weblaw.ch/EMARK-2001/21 http://links.weblaw.ch/EMARK-2001/21 http://links.weblaw.ch/EMARK-2001/21

E­374/2012 dass  in  Verfahren  nach  Art.  34  Abs.  2  Bst.  d  AsylG  die  Frage  nach  Hindernissen  des  Wegweisungsvollzugs  regelmässig  bereits  Voraussetzung  (und  nicht  erst  Regelfolge)  des  Nichteintretensentscheides  ist  (vgl.  BVGE  E­2010/45  E.  10.2)  und  allfällige völkerrechtliche und humanitäre Vollzugshindernisse im Rahmen  der eventuellen Anwendung der sogenannten Souveränitätsklausel (Art. 3  Abs.  2  Dublin­II­VO  i.V.m.  Art.  29a  Abs.  3  der  Asylverordnung 1  vom  11. August 1999 über Verfahrensfragen (AsylV 1, SR 142.311) zu prüfen  sind,  weshalb  kein  Raum  für  Ersatzmassnahmen  im  Sinne  von  Art.  44  Abs.  2  i.V.m. Art.  83 Abs.  1­4  des Bundesgesetzes  vom 16. Dezember  2005 AuG besteht, dass  vorab  festzustellen  ist,  dass  Belgien  Signatarstaat  der  Flüchtlingskonvention,  der  EMRK  und  des  FoK  ist,  und  keine Hinweise  dafür  bestehen,  dieses  Land  würde  sich  nicht  an  die  massgebenden  völkerrechtlichen  Bestimmungen,  insbesondere  an  das  Rückschiebungsverbot oder die einschlägigen Normen der EMRK, halten, dass  die  Beschwerdeführenden  keine  ausdrücklichen  Überstellungshindernisse  im  Sinne  von  Art.  29a  Abs.  3  AsylV1  geltend  machen,  dass die Beschwerdeführerin zwar vorbringt, sich vor ihrem Ehemann zu  fürchten, weil dieser sie tätlich angegriffen habe,  dass  –  sollte  dies  als  (implizites)  Überstellungshindernis  verstanden  werden – darauf hinzuweisen ist, dass Belgien über eine funktionierende  Schutzinfrastruktur verfügt und es der Beschwerdeführerin zuzumuten ist,  sich – sofern erforderlich – an die dortigen Behörden zu wenden,   dass im Übrigen die Dublin systembedingte Vermutung, Belgien halte die  "Richtlinie 2003/9/EG des Rates vom 27 Januar 2003 zur Festlegung der  Mindestnormen  für  die  Aufnahme  von  Asylbewerbern  in  den  Mitgliedstaaten", welche zahlreiche Mindestnormen für die Aufnahme und  Betreuung  beinhaltet,  ein,  greift  und  dem  Gericht  keine  gegenteilige  Anhaltspunkte vorliegen,   dass somit  insgesamt keine Gründe für einen Selbsteintritt (Art. 3 Abs. 2  Dublin­II­VO) durch die Schweiz erkennbar sind, dass nach dem Gesagten die vom Bundesamt verfügte Wegweisung und  deren Vollzug zu bestätigen sind,

E­374/2012 dass es den Beschwerdeführenden demnach nicht gelungen ist darzutun,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den  rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig  feststellt oder  unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen  ist, dass das Gesuch über die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege  abzuweisen  ist,  weil  die  eingangs  gestellten  Rechtsbegehren  –  wie  vorgehend dargelegt – offenkundig keine Erfolgsaussichten aufwiesen,  dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr.  600.­  (Art. 1 – 3  des Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 173.320.2]) den Beschwerdeführen aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1  VwVG). (Dispositiv nächste Seite)

E­374/2012 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.   Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  wird  abgewiesen. 3.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.­  werden  den  Beschwerdeführenden  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Muriel Beck Kadima Stella Boleki Versand:

E-374/2012 — Bundesverwaltungsgericht 01.02.2012 E-374/2012 — Swissrulings