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Bundesverwaltungsgericht 16.08.2011 E-3673/2011

August 16, 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,098 words·~10 min·2

Summary

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren) | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung nach Italien (Dublin-Verfahren); Verfügung des BFM vom 30. Mai 2011

Full text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung V E­3673/2011 Urteil   v om   1 6 .   Augus t   2011   Besetzung Richterin Christa Luterbacher (Vorsitz), Richter Robert Galliker, Richterin Emilia Antonioni;    Gerichtsschreiberin Natasa Stankovic. Parteien A._______, geboren am (…), Tunesien,   vertreten durch Susanne Gnekow, Rechtsanwältin, (…), Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung nach Italien  (Dublin­Verfahren); Verfügung des BFM vom 30. Mai 2011 /  N (…).

E­3673/2011 Sachverhalt: A.  Der  Beschwerdeführer  verliess  eigenen  Angaben  zufolge  seinen  Heimatstaat  am  17.  März  2003  und  gelangte  mit  einem  (…)  Schengenvisum über Deutschland nach  Italien, wo er sich bis zu seiner  Ausreise  in  die Schweiz  ununterbrochen  aufhielt.  Am  11.  Februar  2011  reiste er  in die Schweiz ein, wo er am 14. Februar 2011 ein Asylgesuch  stellte.  Für  die Dauer  des Asylverfahrens wurde  er  dem Kanton  Luzern  zugewiesen.  B.  Am  3.  März  2011  wurde  er  im  ehemaligen  Transitzentrum  (heute:  Empfangs­ und Verfahrenszentrum  [EVZ]) Altstätten zum Reiseweg und  summarisch zu seinen Asylgründen befragt. Gleichzeitig wurde  ihm das  rechtliche Gehör im Hinblick auf einen Nichteintretensentscheid und eine  allfällige  Wegweisung  nach  Italien  gewährt.  Dabei  machte  er  im  Wesentlich  geltend,  er  sei  in  Italien  mehrmals  in  Routinekontrollen  geraten,  bei  welchen  ihm  jedes  Mal  Fingerabdrücke  abgenommen  worden seien. Zudem habe  ihn die  italienische Polizei  im Rahmen einer  solchen Kontrolle umgestossen und verletzt. Des Weiteren habe er einen  Legalisierungsantrag  gestellt,  welcher  jedoch  (…)  2010  –  aufgrund  der  gegen ihn ausgesprochenen Landesverweise wegen illegalen Aufenthalts  – von  den  italienischen  Behörden  abgelehnt  worden  sei;  deshalb  befürchte er nun, nach Tunesien ausgeschafft zu werden. Zudem habe er  in  Italien  Probleme  mit  Privatpersonen,  von  denen  er  bedroht  sowie  zusammengeschlagen worden sei, gehabt. Schliesslich habe er in Italien  weder eine Unterkunft noch eine Arbeitsstelle gehabt.  C.  Mit Schreiben vom 25. März 2011 richtete das BFM, gestützt auf Art. 10  Abs.  2  der  Verordnung  EG  Nr.  343/2003  des  Rates  vom  18.  Februar  2003  zur  Festlegung  von  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des  Mitgliedstaats,  der  für  die  Prüfung  eines  von  einem  Drittstaatsangehörigen  in  einem  Mitgliedstaat  gestellten  Asylantrages  zuständig  ist  (Dublin­II­VO),  das  Ersuchen  um  Rückübernahme  des  Beschwerdeführers an die italienischen Behörden. Zu  diesem  Gesuch  nahm  Italien  innerhalb  der  festgelegten  Frist  keine  Stellung.

E­3673/2011 D.  Mit  Eingabe  vom  30.  Mai  2011  (Eingang  BFM:  3.  Juni  2011)  teilte  der  Beschwerdeführer  der  Vorinstanz  mit,  er  sei  schwerkrank  und  habe  bereits  mehrmals  versucht,  sich  umzubringen;  dabei  habe  er  sich  aber  lediglich schwer verletzt. Seit März 2011 sei er bei Dr. med. B._______,  allgemeine Medizin, und seit dem 3. Juni 2011 in einem psychiatrischen  Ambulatorium in Behandlung.  Zur Untermauerung seiner Anliegen reichte er eine Entbindungserklärung  von der ärztlichen Schweigepflicht sowie einen Überweisungsbericht von  Dr. med. B._______ an das Ambulatorium C._______ vom 4. Mai 2011  zu den Akten. Das BFM nahm diese Eingabe als Aktenstück A 25/3 ohne  weitere Massnahmen zu den Akten.  E.  Mit Verfügung vom 30. Mai 2011 – eröffnet durch die kantonale Behörde  am 22. Juni 2011 –  trat das BFM gestützt auf Art. 34 Abs. 2 Bst. d des  Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) auf das Asylgesuch  des Beschwerdeführers nicht ein, ordnete seine Wegweisung nach Italien  an und forderte ihn auf, die Schweiz spätestens am Tag nach Ablauf der  Beschwerdefrist  zu  verlassen.  Zudem  hielt  das  Bundesamt  fest,  dass  einer Beschwerde gegen diesen Entscheid gemäss Art. 107a AsylG keine  aufschiebende  Wirkung  zukomme  und  die  editionspflichtigen  Verfahrensakten dem Beschwerdeführer ausgehändigt würden.    Zur  Begründung  seines  Entscheides  führte  das  BFM  aus,  Italien  sei  gestützt  auf  das  Abkommen  vom  26.  Oktober  2004  zwischen  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  und  der  Europäischen  Gemeinschaft  über  die  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des  zuständigen Staates für die Prüfung eines in einem Mitgliedstaat oder  in  der  Schweiz  gestellten  Asylantrags  (SR  0.142.392.68)  und  das  Übereinkommen vom 17. Dezember 2004 zwischen der Schweizerischen  Eidgenossenschaft,  der  Republik  Island  und  dem Königreich Norwegen  über  die  Umsetzung,  Anwendung  und  Entwicklung  des  Schengen­ Besitzstands und über die Kriterien und Verfahren  zur Bestimmung des  zuständigen Staates für die Prüfung eines in der Schweiz, in Island oder  in  Norwegen  gestellten  Asylantrags  (SR 0.362.32)  für  die  Durchführung  des  vorliegenden  Asylverfahrens  zuständig.  Da  die  italienischen  Behörden  zum  Übernahmegesuch  des  BFM  keine  Stellung  genommen  hätten, sei – insbesondere unter Anwendung von Art. 18 Abs. 7 Dublin­II­ VO  –  die  Zuständigkeit  zur  Durchführung  des  Asyl­  und 

E­3673/2011 Wegweisungsverfahrens am 25. Mai 2011 auf Italien übergegangen. Die  Rückführung  habe  –  vorbehältlich  einer  allfälligen  Unterbrechung  oder  Verlängerung – bis spätestens am 25. November 2011 zu erfolgen. Dem  Beschwerdeführer sei im Hinblick auf ein Dublin­Verfahren das rechtliche  Gehör gewährt worden, wobei er zu Protokoll gegeben habe, er befürchte  nach  Tunesien  ausgeschafft  zu  werden,  da  ihm  die  italienischen  Behörden  einen  Landesverweis  erteilt  hätten.  Zudem  habe  er  Schwierigkeiten  mit  Drittpersonen  gehabt  und  verfüge  in  Italien  weder  über  ein  Obdach  noch  über  eine  Arbeitsstelle.  Nach  Ansicht  der  Vorinstanz  vermöge  diese  Begründung  jedoch  weder  die  Zuständigkeit  Italiens  im  vorliegenden  Verfahren  zu  widerlegen  noch  stelle  sie  ein  Hindernis  für  den  Vollzug  der  Wegweisung  des  Beschwerdeführers  dorthin dar, denn es würden keine Hinweise vorliegen, dass Italien seinen  völkerrechtlichen  Verpflichtungen  nicht  nachkomme  und  das  Asyl­  und  Wegweisungsverfahren  nicht  korrekt  durchführe.  Italien  habe  die  Richtlinie  2003/9/EG  zur  Festlegung  von  Mindestnormen  für  die  Aufnahme  von  Asylbewerbern  in  den  Mitgliedstaaten  die  EU­Staaten  (sogenannte  Aufnahmerichtlinie),  welche  zahlreiche  Mindestnormen  für  die Aufnahme und Betreuung  von Asylsuchenden beinhalte,  umgesetzt.  Der Beschwerdeführer könne sich demnach im Falle von Schwierigkeiten  jederzeit  an  die  zuständigen  italienischen  Behörden  wenden.  Da  er  in  einen  Drittstaat  reisen  könne,  in  dem  er  Schutz  vor  Rückschiebung  im  Sinne  von  Art.  5  Abs.  1  AsylG  finde,  sei  das  Non­Refoulement­Gebot  bezüglich des Heimat­ oder Herkunftsstaates nicht zu prüfen. Im Übrigen  bestünden  auch  keine  Hinweise  auf  eine  Verletzung  von  Art.  3  der  Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR  0.101)  bei  einer  Rückkehr  des  Beschwerdeführers nach Italien.   F.  Mit  Eingabe  vom  27.  Juni  2011  (Datum  Poststempel:  28.  Juni  2011)  erhob  die  Rechtsvertreterin  namens  und  im  Auftrag  des  Beschwerdeführers  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  gegen  die  vorinstanzliche  Verfügung  und  beantragte  dabei,  der  Nichteintretensentscheid des BFM sei aufzuheben sowie das Bundesamt  anzuweisen,  aufgrund  bestehender  Wegweisungshindernisse  das  Selbsteintrittsrecht  nach  Art.  3  Abs.  2  Dublin­II­VO  wahrzunehmen  und  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  zu  prüfen;  eventualiter  sei  die  Sache  zur  vollständigen  Sachverhaltsabklärung  unter  Wahrung  des  rechtlichen Gehörs an die Vorinstanz zurückzuweisen; subeventualiter sei  die  angemessene  psychologische  Betreuung  und  Unterbringung  des 

E­3673/2011 Beschwerdeführers  in  Italien  sicherzustellen  und  zu  dokumentieren.  In  verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde um Gewährung der unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  sowie  Abs.  2  des  Bundesgesetzes  vom  20.  Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021)  sowie  um  Verzicht  auf  Erhebung eines Kostenvorschusses ersucht. Zudem wurde beantragt, es  sei  die  aufschiebende  Wirkung  der  Beschwerde  zu  erteilen  und  die  Vollzugsbehörden  seien  anzuweisen,  bis  zum  Entscheid  des  Bundesverwaltungsgerichts von Vollzugshandlungen abzusehen.  Zur  Begründung  wurde  im  Wesentlichen  festgehalten,  der  Beschwerdeführer  leide  an  schweren  psychischen  Problemen  und  füge  sich  regelmässig  schwere  Verletzungen  zu,  aufgrund  welcher  er  notfallmässig  einer  psychiatrischen  Behandlung  habe  zugewiesen  werden müssen. Er habe unter Mithilfe der betreuenden Sozialarbeiterin  in  der  Asylunterkunft  die  Vorinstanz  über  seinen  prekären  Gesundheitszustand  informiert.  Im Schreiben vom 30. Mai 2011 habe er  die Vorinstanz darum ersucht, seinen schlechten Gesundheitszustand bei  der  Beurteilung  seines  Asylgesuchs  zu  berücksichtigen.  Der  Entscheid  des BFM vom 30. Mai 2011, welcher dem Beschwerdeführer am 22. Juni  2011  eröffnet  worden  sei,  enthalte  jedoch  keinerlei  Ausführungen  betreffend  den  schlechten Gesundheitszustand  des Beschwerdeführers.  Dass  er  unter  schweren  psychischen  Problemen  leide,  bestätige  die  Tatsache,  dass  sich  bereits  nach  wenigen  Sitzungen  der  Verdacht  auf  eine  emotionale  instabile  Persönlichkeit  vom  Borderline  Typ  ergeben  habe.  Sobald  psychiatrisch  weitergehende  Erkenntnisse  vorliegen  würden,  würden  diese  ins  Recht  gelegt.  Zudem  müsse,  wenn  eine  psychische  Krankheit  dermassen  schwer  sei,  dass  sie  sich  möglicherweise  suizidal  auf  die  betroffene  Person  auswirke,  vor  einer  Anordnung  der  Wegweisung  geprüft  werden,  ob  und  falls  ja,  unter  welchen Umständen eine Wegweisung dennoch zulässig sei. Angesichts  der notorischen Probleme im italienischen Gesundheitssystem sei es für  den derzeit instabilen Beschwerdeführer jedoch nicht tragbar, nach Italien  überstellt  zu  werden,  zumal  eine  Stabilisierung  in  diesem  Fall  nicht  stattfinden könne; vielmehr müsse mit einer Verschlimmerung des bereits  bestehenden  psychischen  Leidens  gerechnet  werden,  die  selbstgefährdende Handlungen zur Folge habe, da er angesichts seiner  psychischen Erkrankung aus dem mittlerweile gewohnten Umfeld und der  adäquaten psychiatrischen Betreuung herausgerissen werden würde.  Zur  Stützung  der  geltend  gemachten  Vorbringen  wurden  folgende 

E­3673/2011 Dokumente zu den Akten gereicht: Schreiben des Beschwerdeführers  an  das  BFM  vom  30.  Mai  2011,  Überweisungsbericht  von  Dr.  med.  B._______  an  das  Ambulatorium  C._______  vom  4.  Mai  2011,  Arztbericht  von  Dr.  med.  D._______,  Ambulatorium  C._______,  vom  27. Juni 2011 sowie eine Fürsorgebestätigung. G.  Mit  Telefax  vom  30. Juni  2011  setzte  das  Bundesverwaltungsgericht  gestützt auf Art. 56 VwVG im Sinne einer vorsorglichen Massnahme den  Vollzug der Wegweisung sofort einstweilen aus. H.  Mit Verfügung vom 5. Juli 2011 hielt das Bundesverwaltungsgericht fest,  das Gesuch um aufschiebende Wirkung der Beschwerde werde gestützt  auf Art. 107a AsylG gutgeheissen und der Beschwerdeführer könne den  Ausgang  des  Verfahrens  in  der  Schweiz  abwarten.  Sodann  wurde  das  Gesuch  um Gewährung  der  unentgeltlichen Rechtspflege  im Sinne  von  Art. 65 Abs. 2 VwVG abgewiesen, dasjenige im Sinne von Art. 65 Abs. 1  VwVG  hingegen  gutgeheissen  und  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses verzichtet.  Im Übrigen wurde das BFM ersucht, sich insbesondere zum Umstand zu  äussern, dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 30. Mai 2011 das  Bundesamt  über  seinen  Gesundheitszustand  informiert  und  einen  ärztlichen  Überweisungsbericht  von  Dr. med.  B._______  an  das  Ambulatorium C._______ vom 4. Mai 2011 zu den Akten gereicht habe,  welchem  zu  entnehmen  sei,  dass  der  behandelnde  Arzt  den  Beschwerdeführer  zur  psychiatrischen  Betreuung  respektive  zur  Krisenintervention  ins  Ambulatorium  eingewiesen  habe.  Der  angefochtenen  Verfügung  würden  sich  allerdings  keine  Ausführungen  betreffend  den Gesundheitszustand  des  Beschwerdeführers  entnehmen  lassen,  obwohl  die  Eingabe  vom  30.  Mai  2011  vor  der  Eröffnung  der  vorinstanzlichen  Verfügung  am  22.  Juni  2011  beim  BFM  eingegangen  sei.  Es  sei  fraglich,  wie  sich  dieses  Vorgehen  der  Vorinstanz  mit  dem  Aspekt des  rechtlichen Gehörs, wie er  sich aus Art. 29 – 33 VwVG und  Art.  29  Abs.  2  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101) ergebe, vereinbaren  lasse,  da  die  verfügende  Behörde  verpflichtet  sei,  wesentliche  Äusserungen der betroffenen Person tatsächlich zur Kenntnis zu nehmen  und sich damit  in der Entscheidfindung sowie  ­begründung sachgerecht  auseinanderzusetzen. Ferner sei der Frage nachzugehen, ob eine (noch) 

E­3673/2011 nichteröffnete  Verfügung Wirkung  zeitige,  zumal  das  BFM  die  Eingabe  des  Beschwerdeführers  vom  30.  Mai  2011  ohne  weitere  Vorkehren  lediglich  in  den  vorinstanzlichen  Akten  ablegt  habe.  Sodann  gelte  es  abzuklären,  ob  weitere  Nachforschungen  in  Bezug  auf  den  prekären  gesundheitlichen  Zustand  sowie  die  Reisefähigkeit  des  Beschwerdeführers  angezeigt  seien  (insbesondere  die  Einholung  eines  ausführlichen  ärztlichen  Zeugnis  des  Ambulatoriums  C._______).  Schliesslich  hätten  gemäss  den  Angaben  des  Beschwerdeführers  die  italienischen  Behörden  ihm  einen  Landesverweis  erteilt,  weshalb  es  mithin  von  Relevanz  sei,  ob  er  in  Tunesien  die  benötigte  medizinische  Behandlung erhalten würde.  I.  Mit  Vernehmlassung  vom 19.  Juli  2011, welche  dem Beschwerdeführer  mit  vorliegenden  Urteil  zur  Kenntnis  gebracht  wird  (vgl.  auch  E.  3  f.),  beantragte  das  BFM  die  Abweisung  der  Beschwerde,  da  diese  keine  neuen  erheblichen  Tatsachen  oder  Beweismittel  enthalte,  welche  eine  Änderung  des  vorinstanzlichen  Standpunktes  zu  rechtfertigen  vermöchten. Im Übrigen gehe die Dublin­II­VO aufgrund ihres Wortlautes  davon  aus,  dass  alle  Mitgliedstaaten  über  eine  adäquate  medizinische  Versorgung  aller  Krankheitsbilder  verfügen  würden.  Sodann  sei  der  Zugang zu einer angemessenen medizinischen Versorgung insbesondere  durch  die  sogenannte  Aufnahmerichtlinie  sichergestellt,  wonach  den  Asylsuchenden  nicht  nur  die  unbedingt  erforderliche  Behandlung  von  Krankheiten,  sondern  bei  besonderen Bedürfnissen  eine  entsprechende  medizinische  Versorgung  angeboten  werde.  Ausserdem  könne  eine  Wegweisung  von  asylsuchenden  Personen  mit  gesundheitlichen  Problemen  nur  unter  ganz  aussergewöhnlichen  Umständen  einen  Verstoss gegen Art. 3 EMRK darstellen. Deshalb sei für die Überstellung  nach  Italien  einzig  die  Transportfähigkeit  des  Beschwerdeführers  ausschlaggebend.  Die  medizinische  Behandlung  der  psychischen  Probleme  des  Beschwerdeführers  sei  bisher  jeweils  ambulant  erfolgt;  daher  würden  die  Akten  keine  Hinweise  erhalten,  dass  die  Transportfähigkeit  nicht  gegeben  sei.  Folglich  könne  der  Beschwerdeführer die weitere medizinische Behandlung auch in Italien in  Anspruch  nehmen.  Überdies  werde  praxisgemäss  der  zuständige  Mitgliedstaat  bei  Medizinfällen  vor  dem  Transfer  über  den  Gesundheitszustand  der  zu  transferierenden  Person  informiert  und  der  Flugankündigung  werde  in  der  Regel  ein  Arztzeugnis  beigelegt. Weiter  sei im Zusammenhang mit der Frage nach der adäquaten medizinischen  Behandlung  in Tunesien festzuhalten, dass es den gemäss Dublin­II­VO 

E­3673/2011 zuständigen  italienischen  Behörden  obliege,  den  Wegweisungsvollzug  nach  Italien  zu  prüfen.  Italien  sei  Signatarstaat  des  Abkommens  vom  28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge  (FK, SR 0.142.30),  des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK, SR 0.105)  sowie der EMRK. Es bestünden keine Hinweise dafür,  Italien  halte  sich  nicht  an  die  massgebenden  völkerrechtlichen  Bestimmungen.  Schliesslich  würden  Dublin­Rückkehrende  sowie  verletzliche  Personen  bezüglich  Unterbringung  von  den  italienischen  Behörden bevorzugt behandelt und es würden sich neben den staatlichen  Strukturen  auch  zahlreiche  Hilfsorganisationen  der  Betreuung  von  asylsuchenden Personen annehmen.  Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]). 1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG). 1.3. Die Beschwerde ist frist­ und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 2  AsylG,  Art.  37  VGG  i.V.m.  Art.  52  VwVG).  Der  Beschwerdeführer  ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung;  er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 

E­3673/2011 105  AsylG  i.V.m.  Art. 37  VGG  und  Art.  48  Abs.  1  VwVG).  Auf  die  Beschwerde ist einzutreten. 1.4.  Bei  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide,  mit  denen  es  das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu  überprüfen  (Art.  32  –  35  AsylG),  ist  die  Beurteilungskompetenz  der  Beschwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt,  ob  die  Vorinstanz  zu  Recht  auf  das  Asylgesuch  nicht  eingetreten  ist  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  2004 Nr.  34 E.  2.1.  S.  240  f.).  Auf  ein  allfälliges  Rechtsbegehren,  das  Asylgesuch  sei  gutzuheissen,  kann  demgegenüber nicht eingetreten werden. Die Vorinstanz hat die Frage der Wegweisung und des Vollzugs materiell  geprüft,  weshalb  dem  Bundesverwaltungsgericht  diesbezüglich  grundsätzlich  volle  Kognition  zukommt,  wobei  sich  diese  Fragen –  namentlich  diejenigen  hinsichtlich  des  Bestehens  von  Vollzugshindernissen  –  in  den  Dublin­Verfahren  bereits  vor  Erlass  des  Nichteintretensentscheides  stellen  (vgl.  BVGE  2010/45  E.  8.2.3  und  10.2). 2.  Vorab  ist  der  verfahrensrechtlichen  Frage  nachzugehen,  ob  das  BFM           – wie vom Beschwerdeführer unter anderem gerügt – im Rahmen seiner  Entscheidfindung den rechtserheblichen Sachverhalt ungenügend erstellt  hat  und  seiner  Begründungspflicht  nicht  nachgekommen  ist,  indem  es  den aus den Akten ersichtlichen prekären Gesundheitszustand  in seiner  Verfügung nicht abhandelte. 2.1. Gemäss Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 12 VwVG gilt im Asylverfahren – wie  auch  im  Übrigen  Verwaltungsverfahren  –  der  Untersuchungsgrundsatz,  welcher besagt, dass die Asylbehörde den rechtserheblichen Sachverhalt  vor ihrem Entscheid von Amtes wegen vollständig und richtig abzuklären  hat.  Dabei  muss  sie  die  für  das  Verfahren  erforderlichen  Sachverhaltsunterlagen  beschaffen  und  die  relevanten  Umstände  abklären  und  darüber  ordnungsgemäss  Beweis  führen.  Die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststelllung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  kann nach Art. 49 Bst. b VwVG beziehungsweise Art. 106 Abs. 1 Bst. b  AsylG  gerügt  werden.  "Unrichtig"  ist  die  Sachverhaltsfeststellung  namentlich dann, wenn der Verfügung ein aktenwidriger oder nicht weiter  belegbarer  Sachverhalt  zugrunde  gelegt  wurde.  "Unvollständig"  ist  die 

E­3673/2011 Sachverhaltsfeststellung,  wenn  die  Behörde  trotz  der  geltenden  Untersuchungsmaxime  den  Sachverhalt  nicht  von  Amtes  wegen  abgeklärt  hat,  oder  nicht  alle  für  den  Entscheid  wesentlichen  Sachumstände  berücksichtigt  wurden  (vgl.  dazu  BENJAMIN  SCHINDLER,  in:  Christoph  Auer/Markus  Müller,  Benjamin  Schindler,  VwVG,  Kommentar  zum Bundesgesetz  über  das Verwaltungsverfahren,  Zürich/St. Gallen 2008, Rz. 28 zu Art. 49, S. 676 f.). Demgegenüber hat  gemäss Art. 8 AsylG die asylsuchende Person die Pflicht und, unter dem  Blickwinkel  des  rechtlichen  Gehörs  im  Sinne  von  Art.  29  VwVG  und  Art. 29  Abs.  2  BV  das  Recht,  an  der  Feststellung  des  Sachverhalts  mitzuwirken  (vgl.  BVGE  2008/24  E.  7.2,  BVGE  2007/21  E.  11.1.3  mit  Hinweis auf EMARK 2003 Nr. 13). Der Grundsatz des rechtlichen Gehörs  verlangt  dabei,  dass  die  verfügende  Behörde  die  Vorbringen  des  Betroffenen  tatsächlich  hört,  sorgfältig  und  ernsthaft  prüft  und  in  der  Entscheidfindung  berücksichtigt,  was  sich  entsprechend  in  der  Entscheidbegründung niederschlagen muss  (vgl. Art.  35 Abs. 1 VwVG).  Die Begründung der Verfügung soll es dem Betroffenen ermöglichen, den  Entscheid gegebenenfalls sachgerecht anzufechten, was nur der Fall  ist,  wenn  sich  sowohl  der  Betroffene  als  auch  die Rechtsmittelinstanz  über  die Tragweite des Entscheides ein Bild machen können, wobei  sich die  verfügende  Behörde  allerdings  nicht  ausdrücklich  mit  jeder  tatbestandlichen  Behauptung  und  jedem  rechtlichen  Einwand  auseinandersetzen  muss,  sondern  sich  auf  die  wesentlichen  Gesichtspunkte  beschränken  kann.  Die  Begründungsdichte  richtet  sich  dabei nach dem Verfügungsgegenstand, den Verfahrensumständen und  den Interessen des Betroffenen, wobei bei schwerwiegenden Eingriffen in  die  rechtlich  geschützten  Interessen  des  Betroffenen  –  und  um  solche  geht  es  in  Asyl­  und  Wegweisungsverfahren  regelmässig  –  eine  sorgfältige  Begründung  verlangt  wird  (BVGE  2008/47  E.  3.2,  EMARK  2006 Nr. 24 E. 5.1. S. 256). 2.2. Im vorliegenden Fall ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer das  BFM  mit  Eingabe  vom  30.  Mai  2011  –  unter  Beilage  einer  Entbindungserklärung  von  der  ärztlichen  Schweigepflicht  sowie  des  Überweisungsantrags  von  Dr.  med.  B._______  an  das  Ambulatorium  C._______ vom 4. Mai 2011 – über seinen prekären Gesundheitszustand  informierte  und  dadurch  der  ihm  obliegenden  Mitwirkungspflicht  zur  Erstellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  nachkam.  Dem  Überweisungsbericht  ist  dabei  zu  entnehmen,  dass  sich  der  Beschwerdeführer  repetitiv  Selbstverletzungen  zufüge  und  deshalb  notfallmässig  habe  eingeliefert  werden  müssen.  Diese  aktenkundige 

E­3673/2011 Tatsache  –  und  die  damit  einhergehende  besondere Verletzlichkeit  des  Beschwerdeführers –  wurde allerdings in der zwar ebenfalls am 30. Mai  2011  ergangen,  jedoch  erst  am  22.  Juni  2011  durch  den  zuständigen  Kanton eröffneten Verfügung des BFM nicht berücksichtigt, obwohl dieser  Sachverhaltsumstand  gerade  hinsichtlich  des  geplanten  Wegweisungsvollzugs  nach  Italien  offensichtlich  rechtserheblich  ist  (vgl. hierzu auch nachfolgende Erwägungen).  Das BFM äusserte sich daraufhin in seiner Vernehmlassung vom 19. Juli  2011 zum  in der Verfügung vom 30. Mai 2011 nicht gehörten Anliegen,  der  Beschwerdeführer  leide  an  einem  prekären  Gesundheitszustand,  welcher  einer  Wegweisung  nach  Italien  entgegenstehe,  dahingehend,  dass  alle  Mitgliedstaaten  über  eine  adäquate  medizinische  Versorgung  aller Krankheitsbilder verfügen würden;  insbesondere sei der Zugang zu  einer  angemessenen  medizinischen  Versorgung  durch  die  sogenannte  Aufnahmerichtlinie  sichergestellt,  wonach  den  asylsuchenden  Personen  nicht  nur  die  unbedingt  erforderliche  Behandlung  von  Krankheiten,  sondern bei besonderen Bedürfnissen eine entsprechende medizinische  Versorgung angeboten werde. Daher sei für die Überstellung nach Italien  einzig  die  Transportfähigkeit  des  Beschwerdeführers  ausschlaggebend.  Die  medizinische  Behandlung  der  psychischen  Probleme  des  Beschwerdeführers sei bisher jeweils ambulant erfolgt. Somit würden die  Akten keine Hinweise erhalten, dass die Transportfähigkeit nicht gegeben  sei. Aus dem Arztbericht von Dr. med. D._______, Ambulatorium C._______,  vom  27.  Juni  2011  geht  hervor,  dass  der  Beschwerdeführer  seit  dem  17. Mai  2011  zwei  Termine  in  der  psychiatrischen  Ambulanz  wahrgenommen  habe  und  der  Verdacht  auf  eine  emotional  instabile  Persönlichkeitsstörung  vom  Borderline  Typ  bestehe.  Durch  eine  Ausschaffung sei eine Verschlechterung des gesundheitlichen Zustandes  bis  hin  zu  einem  Suizidversuch  nicht  auszuschliessen.  Eine  detaillierte  Krankheitsbestimmung  sowie  eine  eingehende  Beurteilung  zur  Transportfähigkeit  des  Beschwerdeführers  fehlen  allerdings  gänzlich  in  den  Akten.  Weitere  Nachforschungen  in  Bezug  auf  den  prekären  gesundheitlichen  Zustand  sowie  die  Reisefähigkeit  des  Beschwerdeführers  sind  somit  zwingend  angezeigt  (namentlich  die  Einholung  eines  ausführlichen  ärztlichen  Zeugnis  des  Ambulatoriums  C._______).  Ebenso  ist  die  Suizidgefahr  abzuklären.  Die  lediglich  rudimentären Feststellungen  in der vorinstanzlichen Stellungnahme vom  19. Juli 2011 werden dem vorliegenden, konkreten Einzelfall nicht gerecht 

E­3673/2011 und  beruhen  insbesondere  auf  einem  mangelhaft  festgestellten  Sachverhalt.  Was  die  mögliche  Suizidgefahr  im  Falle  eines  Wegweisungsvollzugs  betrifft,  sind  sodann  blosse  Hinweise  auf  medizinische  Behandlungsmöglichkeiten  in  Italien  unbehelflich,  würde  sich doch eine entsprechende Gefahr –  falls  sie sich  realisieren sollte –  noch  vor  einer  Überstellung,  und  mithin  vor  dem  Zeitpunkt,  wo  die  entsprechende  Verantwortung  von  den  schweizerischen  auf  die  italienischen  Behörden  beziehungsweise  Ärzte  übergehen  könnte,  verwirklichen.  2.3. Nach dem Gesagten ergibt sich, dass der vorinstanzliche Entscheid  mithin in Verletzung der Untersuchungspflicht ergangen ist. Eine Heilung  des  festgestellten  Verfahrensmangels  auf  Beschwerdeebene  ist  zu  verneinen, da es sich um weitgehende Sachverhaltsabklärungen handelt,  welche  der  Vorinstanz  obliegen.  Zwar  hat  die  Vorinstanz  in  ihrer  Vernehmlassung  vom  19.  Juli  2011  im   Wesentlichen  die  in  der  Verfügung vom 30. Mai 2011 unterlassenen Würdigung und Begründung  nachgeholt,  indem  sie  die  Anliegen  des  Beschwerdeführers  hörte  und  darlegte,  dass  eine  medizinische  Versorgung  und  Behandlung  in  den  Mitgliedstaaten  gewährleistet  sei,  einer  Transportfähigkeit  des  Beschwerdeführers  nichts  entgegenstehe  und  Dublin­Rückkehrende  bevorzugt behandelt würden. Wie bereits in der vorstehenden Erwägung  ausgeführt  wurde,  fehlen  jedoch  entscheidrelevante  medizinische  Unterlagen  (ausführliche  Diagnose  betreffend  den  Gesundheitszustand  sowie  die  Transportfähigkeit  des  Beschwerdeführers),  welche  für  die  Beurteilung  des  vorliegenden  Falles  dringend  angezeigt  sind.  Eine  Heilung  der  festgestellten  Verfahrensmängel  durch  die  Beschwerdeinstanz kommt vorliegend folglich nicht in Frage. 3.  Das  Bundesverwaltungsgericht  kommt  aufgrund  vorstehenden  Erwägungen  zum  Schluss,  dass  die  Vorinstanz  den  erheblichen  Sachverhalt auch im Rahmen der Vernehmlassung nicht rechtsgenüglich  feststellte,  weshalb  der  angefochtene  Entscheid  aufzuheben  und  zur  Neubeurteilung  an  die  Vorinstanz  zurückzuweisen  ist.  Dabei  wird  das  BFM  angewiesen,  den  derzeitigen  Gesundheitszustand  und  insbesondere  die  Suizidgefährdung  sowie  auch  die  Transportfähigkeit  des  Beschwerdeführers  abzuklären  (namentlich  durch  die  Einholung  eines  ausführlichen  Arztberichtes  des  Ambulatoriums  C._______),  und  aufgrund  dieser  Abklärungen  einen  Selbsteintritt  wegen  allfälliger  Unzulässigkeit beziehungsweise Unzumutbarkeit zu prüfen.  

E­3673/2011 Auf  die  weiteren  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  in  der  Rechtsmitteleingabe  ist  aufgrund  der  vorliegenden  Kassation  zum  heutigen  Zeitpunkt  nicht  näher  einzugehen.  Die  Beschwerde  ist  gutzuheissen  und  die  angefochtene  vorinstanzliche  Verfügung  aufzuheben.  Das  BFM  wird  angewiesen,  den  rechtserheblichen  Sachverhalt  im Sinne der Erwägungen   festzustellen. Die Akten sind der  Vorinstanz  zur  weiteren  Abklärung  und  neuem  Entscheid  zurückzuweisen. 4.  Die  Vernehmlassung  des  BFM  vom  19.  Juli  2011  wurde  dem  Beschwerdeführer  bis  anhin  nicht  zur  Kenntnis  gebracht.  Nachdem  im  vorliegenden  Urteil  den  Begehren  des  Beschwerdeführers  entsprochen  wurde,  sieht  das  Bundesverwaltungsgericht  aus  prozessökonomischen  Gründen von der Gewährung des rechtlichen Gehörs ab (vgl. Art. 30 Abs.  2  Bst.  c  VwVG).  Die  Vernehmlassung  wird  dem  Beschwerdeführer  gleichzeitig mit dem Urteil zugestellt.

E­3673/2011 5.  5.1. Beim vorliegenden Verfahrensausgang sind keine Verfahrenskosten  aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). 5.2.  Der  obsiegenden  Partei  ist  zulasten  der  Vorinstanz  eine  Parteientschädigung  für  die  ihr  erwachsenen  notwendigen  und  verhältnismässig hohen Kosten zuzusprechen (vgl. Art. 64 Abs. 1 VwVG  i.V.m. Art. 7 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2]).  Mit  Rechtsmitteleingabe  vom  27.  Juni  2011  (vgl.  S.  8)  reichte  die  Rechtsvertreterin  eine  Kostennote  ein,  gemäss  welcher  sie  einen  Zeitaufwand von insgesamt 7 Stunden zum Stundenansatz von Fr. 150.–  sowie Auslagen  in Höhe von Fr. 53.80 geltend macht. Der  in Rechnung  gestellte  Aufwand  erscheint  unter  Berücksichtigung  der  massgeblichen  Bemessungsfaktoren  (Art.  8  ff. VGKE) angemessen. Das BFM hat  dem  Beschwerdeführer  eine  Parteientschädigung  in  Höhe  von  Fr.  1'192.10  (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) zu entrichten.  (Dispositiv nächste Seite)

E­3673/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird gutgeheissen. 2.  Die  vorinstanzliche  Verfügung  vom  30. Mai  2011 wird  aufgehoben.  Die  Akten  werden  an  das  BFM  zurückgewiesen.  Das  Bundesamt  wird  angewiesen,  den  rechtserheblichen  Sachverhalt  im  Sinne  der  Erwägungen  festzustellen und das Verfahren neu zu beurteilen. 3.  Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4.  Das BFM hat dem Beschwerdeführer eine Parteientschädigung  in Höhe  von  Fr. 1'192.10 (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) zu entrichten.  5.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Christa Luterbacher Natasa Stankovic Versand:

E-3673/2011 — Bundesverwaltungsgericht 16.08.2011 E-3673/2011 — Swissrulings