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Bundesverwaltungsgericht 26.07.2011 E-3459/2011

July 26, 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,673 words·~13 min·1

Summary

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 20. Mai 2011

Full text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung V E­3459/2011 Urteil   v om     2 6 .   Juli   2011 Besetzung Richterin Muriel Beck Kadima (Vorsitz), Richter Robert Galliker, Richterin Emilia Antonioni,    Gerichtsschreiberin Stella Boleki. Parteien A._______, geboren am (…), Kongo (Kinshasa),  (…),   Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 20. Mai  2011 / N (…).

E­3459/2011 Sachverhalt: A.  Der Beschwerdeführer, ein kongolesischer Staatsangehöriger, stellte am  11. November 2008 ein erstes Asylgesuch, das mit Verfügung des BFM  vom  3.  Juli  2009  aufgrund  fehlender  Glaubhaftigkeit  der  Vorbringen  abgelehnt  wurde.  Das  Bundesverwaltungsgericht  wies  eine  dagegen  erhobene Beschwerde mit  Entscheid  vom  18.  August  2009  ab.  Am  19.  November  2009  wies  das  Bundesverwaltungsgericht  die  Rechtsmitteleingabe  des  Beschwerdeführers  vom  2.  November  2009  gegen  den Wiedererwägungsentscheid  des  BFM  vom  1.  Oktober  2009  ab. B.  B.a. Am  20.  Juli  2010  stellte  der  Beschwerdeführer  in  der  Schweiz  ein  zweites  Asylgesuch,  weshalb  er  am  10.  August  2010  zu  seinen  Personalien,  zu  seiner  Ausreise  aus  der  Schweiz  beziehungsweise  der  Wiedereinreise  in  die  Schweiz  sowie  summarisch  zu  den  Asylgründen  befragt  wurde.  Die  einlässliche  Anhörung  zu  den  Asylgründen  fand  am  18. August 2010 statt.  B.b.  Zur  Ausreise  aus  der  Schweiz  beziehungsweise  seiner  Wiedereinreise in die Schweiz führte er aus, er habe die Schweiz am (…)  2010  verlassen,  weil  er  nicht  habe  zwangsausgeschafft  werden wollen.  Per  Auto  sei  er  zu  einem  Bekannten  nach  B._______  gereist,  wo  er  gewartet  habe,  um  von  einem  Landsmann  einen Pass  zu  erhalten.  Für  (…)  Euro  habe  er  sodann  einen  kongolesischen  Reisepass  und  ein  Rückflugticket kaufen können. Am (…) 2010 sei er um 22 Uhr von Paris  nach  Brazzaville  geflogen.  Dort  angekommen  habe  er  den  Reisepass  weggeworfen  und  sei  zu  einem  Freund  in  die  Commune  I._______  (Quartier in Kinshasa) gezogen, wo er bis zum 1. Juli 2010 geblieben sei;  anschliessend  habe  er  die  letzten  zehn  Tage  seines  Aufenthalts  im  Heimatstaat  in  einer  anderen  Commune  (C._______)  gewohnt,  bis  er  nach Brazzaville und von dort per Flug via Addis Abeba nach Rom und  sodann in die Schweiz gereist sei.  Der Beschwerdeführer  gab  keine Reise belegenden Dokumente  zu den  Akten. B.c.  Zur  Begründung  seines  Asylgesuchs  machte  er  im  Wesentlichen  geltend, die Polizei  in Kinshasa habe nach ihm gesucht, weil er  in einen 

E­3459/2011 Verkauf  von  illegalen  (…)  von  einer  gegen  Joseph  Kabila  gerichteten  Bewegung  (…)"  beziehungsweise  in  eine  Bestellung  von  solchen  (…)  verwickelt worden sei. Als am 1. Juli 2010 der Abholschein der Post  für  ein Paket mit (…) aus dem Ausland (an ihn adressiert) bei seinem Freund  D._______ eingetroffen sei, habe D._______ gewollt, dass sie beide das  Paket  abholen  würden.  Er  habe  sich  aber  geweigert.  Da  er  aber  ein  schlechtes Gewissen gehabt  habe, weil  er  seinem Freund  finanziell  zur  Last gefallen sei, beziehungsweise weil dieser ihm gesagt habe, er solle  wieder  (...)  verkaufen,  um  ihn  finanziell  zu  unterstützen,  habe  er  ihm  seine Identitätskarte ("Perte de Pièces", die er nach Ankunft  in Kinshasa  gegen  (…)  francs  erhalten  habe)  gegeben,  damit  dieser  die  (...)  habe  abholen  können.  D._______  sei  aber  bei  der  Post  von  der  Polizei  verhaftet  beziehungsweise  gefoltert  worden,  weil  die  Flughafenbehörde  die  Post  bereits  avisiert  habe,  dass  der  Empfänger  bei  der  Polizei  gemeldet  werden  solle,  sobald  er  auftauche.  D._______  habe  ihn  daraufhin denunziert und sei mit der Polizei  ins Quartier gekommen, wo  er  sich  bei  Nachbarn  aufgehalten  habe.  Diese  hätten  bemerkt,  dass  D._______, von der Polizei begleitet, nach ihm gesucht habe, und hätten  ihn deshalb versteckt. Nach diesem Ereignis sei er vom Nachbarn zu (…)  in die Commune C._______ geschickt worden, um von der Polizei nicht  gefunden zu werden. Die Ausreise (Flug und Reisedokumente) habe ihm  Tonton E._______ gegen Bezahlung von 1'800 Euro organisiert. C.  C.a. Mit Verfügung vom 27. August 2010  trat das BFM gestützt auf Art.  32 Abs. 2 Bst. e des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31)  nicht  auf  das  Asylgesuch  ein  und  eine  dagegen  erhobene  Beschwerde  wurde vom Bundesverwaltungsgericht mit Urteil vom 22. September 2010  (E­6299/2010)  gutgeheissen  mit  der  Begründung,  die  Vorinstanz  habe  den  in  diesem  Verfahren  im  Vergleich  zur  normalen  Glaubhaftigkeitsprüfung  nach  Art.  7  AsylG  nochmals  reduzierten  Beweismassstab  überschritten,  indem  es  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  einer  normalen  Glaubhaftigkeitsprüfung  unterzogen  habe. C.b. Das BFM nahm das Verfahren wieder  auf. Mit Verfügung  vom 20.  Mai  2011 wies  es  das Asylgesuch  des Beschwerdeführers  vom 20. Juli  2010  ab,  verneinte  dessen  Flüchtlingseigenschaft  und  ordnete  die  Wegweisung aus der Schweiz sowie deren Vollzug an.  Im Wesentlichen  führte  das  BFM  zur  Begründung  des  negativen  Entscheids  aus,  die 

E­3459/2011 Vorbringen  des  Beschwerdeführers  würden  den  Anforderungen  an  die  Glaubhaftigkeit  gemäss  Art.  7  AsylG  nicht  standhalten,  so  dass  ihre  Asylrelevanz  gemäss Art.  3 AsylG nicht  geprüft werden müsse. Auf  die  weiteren  Ausführungen  wird  in  den  Erwägungen  eingegangen,  soweit  wesentlich für den Entscheid. D.  Mit Rechtsmitteleingabe vom 20.  Juni 2011  focht der Beschwerdeführer  die  vorinstanzliche  Verfügung  beim  Bundesverwaltungsgericht  an  und  beantragte  die  Aufhebung  der  vorinstanzlichen  Verfügung  vom  20.  Mai  2011  und  die  Zuerkennung  der  Flüchtlingseigenschaft  sowie  die  Asylgewährung  in  der Schweiz;  ferner  beantragte  er  die Zurückweisung  der  Sache  zwecks  Prüfung  der  Voraussetzungen  der  Familienzusammenführung mit seinem Sohn.  Zur  Stützung  seiner  Vorbringen  reichte  er  folgende  Kopien  ein:  den  Geburtsschein  seines  Sohnes  sowie  dessen  Aufenthaltsbewilligung,  die  Vaterschaftsanerkennung  vom  18.  November  2010  sowie  einen  Bericht  betreffend die Abstammung des Kindes. In  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  beantragte  er,  der  Beschwerde  sei  die  aufschiebende Wirkung zu erteilen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM  gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  AsylG;  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

E­3459/2011 1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG). 1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der  Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung.  Er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG).  Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  Gestützt  auf  Art. 111a  Abs. 1  AsylG  wurde  vorliegend  auf  die  Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4.  Der  in  der  Rechtsmitteleingabe  gestellte  Verfahrensantrag,  es  sei  der  Beschwerde  vorsorglich  die  aufschiebende  Wirkung  zu  erteilen,  ist  gegenstandslos,  weil  dieser  von  Gesetzes  wegen  die  aufschiebende  Wirkung zukommt  (Art.  55 Abs. 1 VwVG) und die Vorinstanz dieser die  aufschiebende Wirkung auch nicht entzogen hat (Art. 55 Abs. 2 VwVG). 5.  Der Beschwerdeführer rügt in formeller Hinsicht, die Vorinstanz hätte sich  mit  seiner  persönlichen  Situation  auseinandersetzen  müssen.  Sie  erwähne mit keinem Wort, dass der Beschwerdeführer nun Vater sei, und  sein Sohn eine Aufenthaltsbewilligung aufweise.  Zwar  hat  der  Beschwerdeführer  anlässlich  der  Befragung  und  der  Anhörung  hinsichtlich  allfälliger  Wegweisungshindernisse  geltend  gemacht,  seine  in  Fribourg  wohnende  Freundin  sei  im  siebten  Monat  schwanger und er wolle sein eigenes Kind aufziehen (vgl. BFM­Akten C1  S.  3,  C9  S.  12  F.  79).  Den  Vaterschaftsnachweis  hat  er  indessen  vor  Erlass  der  erstinstanzlichen  Verfügung  nicht  erbracht.  In  diesem  Sinne  kann der  vorinstanzlichen Behörde kein Vorwurf  gemacht werden, denn  der  im Asylverfahren geltende Untersuchungsgrundsatz Art. 6  i.V.m. Art. 

E­3459/2011 12  VwVG  findet  seine  Grenzen  in  der  Mitwirkungspflicht  des  Beschwerdeführers  (Art.  8 AsylG),  gemäss welcher  er  gehalten  ist,  den  Nachweis  für  eine  Tatsache  zu  erbringen,  aus  welcher  er  ein  Recht  ableiten möchte.   6.  6.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat  oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich  die  Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen  Druck  bewirken  (Art. 3 AsylG). 6.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7  AsylG). 7.  7.1.  Das  BFM  würdigte  in  seiner  Verfügung  vom  20.  Mai  2011  die  Asylvorbringen des Beschwerdeführers als unglaubhaft. Zur Begründung  führte es aus, folgende Schilderungen würden der allgemeinen Erfahrung  sowie  der  Logik  des  Handels  widersprechen  und  seien  deshalb  nicht  nachvollziehbar  und  realitätsfremd:  Von  der  Post  habe  er  eine  Abholaufforderung  erhalten,  um  die  Pakete  mit  (…)  abzuholen;  diese  seien  am  Flughafen  kontrolliert  worden  und  der  Post  sei  mitgeteilt  worden,  sobald  die  Person  die  Pakete  abholen  komme,  sei  die  Polizei  anzurufen; sein Freund D._______ sei daraufhin, als er die Pakete habe  abholen wollen,  auf  der Post  festgenommen worden  (vgl. BFM­Akte C1  S.5).  Erstens  sei  auszuschliessen,  dass  Pakete,  die  bei  der  Flughafenkontrolle geprüft und als verdächtig eingestuft würden, trotzdem 

E­3459/2011 an  die  Post  weitergeleitet  würden.  Erfahrungsgemäss  sei  davon  auszugehen,  dass  diese  Pakete  direkt  am  Flughafen  sequestriert  und  nicht  noch  in  Umlauf  gesetzt  würden.  Zweitens  könne  ausgeschlossen  werden,  dass  die  Polizei,  welche  von  der  Flughafenkontrolle  auf  die  Pakete aufmerksam gemacht worden sein soll, zugewartet hätte, bis sich  der  Empfänger  von  selber  auf  die  Post  begeben  hätte.  Vielmehr  sei  anzunehmen,  dass  die  Polizei  in  solchen  Fällen  den  Empfänger  von  illegaler oder  verdächtiger Ware aus dem Ausland direkt belange. Auch  die  weiteren  Ausführungen  des  Beschwerdeführers,  wonach  die  Polizei  im Zimmer eines Freundes Munition und Gewehre gefunden hätte, seien  erfahrungswidrig. Das Risiko, entdeckt und belangt zu werden, dürfte zu  gross  sein  für  jemanden,  der  illegal Munition  und Gewehre  besitze  und  diese  im  Hause  aufbewahre.  Vielmehr  sei  anzunehmen,  dass  der  Besitzer  von  Waffen  dafür  sorge,  dass  diese  nicht  zu  leicht  entdeckt  würden. Dies umso mehr, als der Beschwerdeführer bei der Anhörung zu  Protokoll gegeben habe, dass es in Kinshasa nicht wie in Europa sei. Es  gäbe wohl Zäune um die Häuser herum, aber es  sei  nicht  so, dass die  Türen  ständig  verschlossen  seien  (vgl.  BFM­Akte  C9  S.  10).  Auch  die  Nichtbeteiligung an den Unterhaltskosten bei seinem Freund seien nicht  glaubhaft. So habe er auf die Frage, warum er monatelang kostenlos bei  einem  Freund  gewohnt  habe,  obwohl  er  diesem  scheinbar  zur  Last  gefallen sei, gesagt, er sei sich damals nicht  im Klaren über seine Lage  gewesen,  und  er  habe  sich  gedacht,  dass  er  sein  Geld  vielleicht  für  andere Dinge brauchen würde  (vgl. BFM­Akte C9 S.  8). Weiter  habe er  ausgeführt,  er  habe  mit  diesem  Geld  ein  anderes  Projekt  gehabt  und  damit  Handel  betreiben wollen  (vgl. BFM­Akte C9 S.  9).  Auf  die  Frage,  weshalb er mit diesem Handel nicht begonnen habe, habe er zur Antwort  gegeben, zuerst habe er sich noch ausruhen wollen, weil er im Kopf noch  nicht  so  gut  drauf  gewesen  sei  (vgl.  BFM­Akte  C9  S.  9).  Diese  Äusserungen würden deutlich zeigen, dass der Beschwerdeführer  seine  Vorbringen auf eine fiktive und an vielen Stellen unlogische Konstruktion  stütze.  Ein  weiterer  Hinweis  dafür  seien  auch  die  Äusserungen  über  angebliche  Begebenheiten,  die  er,  ohne  selber  zugegen  gewesen  zu  sein,  höchstens  habe  vermuten  oder  sich  allenfalls  zusammenreimen  können,  nicht  aber mit  Sicherheit  habe  behaupten  können.  So  habe  er  wissen  wollen,  dass  die  besagten  Pakete  am  Flughafen  kontrolliert  worden seien, und was sich daraufhin zwischen dem Flughafen, der Post  und der Polizei abgespielt habe, bzw. was sie sich gedacht und wie sie  gehandelt hätten (vgl. BFM­Akte C1 S. 5 und S. 6). Darauf angesprochen  habe  der  Beschwerdeführer  indessen  keine  logisch  nachvollziehbare  Antwort geben können (vgl. BFM­Akte C9 S. 10).

E­3459/2011 Weiter  bezweifelte  das  BFM,  dass  der  Beschwerdeführer  überhaupt  jemals  in  sein  Heimatland  zurückgekehrt  sei.  Seine  Aussagen  zur  Papierbeschaffung  und  seiner  Reise  seien  in  jeglicher  Hinsicht  nicht  logisch und dürften mit der Realität kaum vereinbar sein. So sei er nach  Erhalt der Ausreisefrist zunächst angeblich eine Weile bei einer Person in  Zürich  verblieben,  ohne  jedoch  angeben  zu  können,  wie  lange  er  sich  dort  aufgehalten  habe.  Zunächst  sei  die  Rede  von  drei  Monaten  gewesen, danach – im gleichen Satz – von zwei Monaten. Auch habe er  nicht  angeben  können,  wo  in  F._______  er  gelebt  habe,  und  seinen  "Unterbringer" habe er bloss mit P. benannt, was ein weiterer Hinweis für  seine  unglaubhaften  Vorbringen  sei.  Genauso  wenig  habe  er  angeben  wollen, wo  er  in  B._______  gewohnt  habe  und wie  sein  dortiger Helfer  geheissen  habe  (vgl.  BFM­Akte  C9  S.  3  und  4).  Weiter  könne  nicht  geglaubt werden, dass er  für einen angeblich echten Pass  lediglich  (…)  Euro gezahlt haben könnte. Dies entspricht in keiner Weise der heutigen  Realität  auf  dem  "Papierschwarzmarkt".  Darauf  angesprochen,  habe  er  mit  seiner  Antwort,  der  Inhaber  habe  es  vorgezogen,  in  Europa  zu  bleiben,  und  habe  ihm  daher  seinen  Pass  verkauft,  nicht  überzeugen  können (vgl. BFM­Akte C9 S. 5). Ob der Beschwerdeführer tatsächlich in  sein  Heimatland  zurückgekehrt  sei,  könne  indessen  offengelassen  werden, zumal die Vorbringen in Bezug auf die Begebenheiten in seinem  Heimatland  als  realitätsfremd  und  unlogisch  bewertet  werden  müssten,  und infolgedessen auch auszuschliessen sei, dass der Beschwerdeführer  das Geschilderte selber und  im geltend gemachten Kontext erlebt habe.  Es  erübrige  sich  auch,  auf  weitere  Ungereimtheiten  überhaupt  näher  einzugehen und im Übrigen könne darauf verzichtet werden, auf die vom  G._______  ausgesprochenen  Drohungen  weiter  einzugehen,  zumal  sie  sich auf sein erstes Asylgesuch beziehen würden, welches vom BFM als  unglaubwürdig  angesehen  worden  sei.  Auch  der  abgegebene  internationale  Führerausweis  vermöge  an  den  obigen  Ausführungen  nichts zu ändern.  7.2.  Demgegenüber  führte  der  Beschwerdeführer  in  seiner  Rechtsmitteleingabe  aus,  in  der  Schweiz  verfüge  die  Polizei  über  ausreichende  (finanzielle  und  personelle)  Ressourcen,  um  nach  einer  Person wirkungsvoll zu suchen. In Kinshasa sei das anders; die Stadt sei  überbevölkert  und  Familien  würden  auf  engem  Raum  wohnen  oder  in  stets wachsenden Elendsvierteln leben; wende man die schweizerischen  Massstäbe  auf  kongolesische Verhältnisse  an,  könne  das  nie  zu  einem  nachvollziehbaren  verständlichen  Ergebnis  führen.  Unter  Berücksichtigung  der  kongolesischen Gegebenheiten  erstaune  es  nicht, 

E­3459/2011 dass die Polizei eine unter Verdacht geratene Person erst dann verhafte,  wenn sie bei der Post das Paket abholen wolle. Ebenso einsichtig sei es,  dass  die  Waffen  zu  Hause  und  nicht  in  einem  Versteck  aufbewahrt  würden,  denn  jeder  leer  stehende  Unterschlupf  werde  sofort  von  Menschen  in  Beschlag  genommen,  und  jeder  dort  vorgefundene  Gegenstand  werde  von  diesen  umgehend  verkauft.  Weil  er  sich  bei  einem  Nachbarn  des  "Unterbringers"  versteckt  habe,  sei  es  nicht  schwierig gewesen, zu Informationen zu kommen, da sich jeder "Tratsch"  herumspreche.  Es  könne  ihm  schliesslich  auch  nicht  vorgeworfen  werden, er habe keine Unterlagen als Beweis für seine Ausreise aus der  Schweiz  eingereicht,  denn  er  habe  nie  daran  gedacht,  wieder  in  die  Schweiz zurückzukehren. Da sich seine Situation in der Demokratischen  Republik Kongo  (RDC)  jedoch  nicht  stabilisiert  habe,  sei  er  gezwungen  gewesen, umgehend wieder auszureisen, so dass er nicht die Möglichkeit  gehabt habe, etwas mitzunehmen.  Zudem  sei  es  nicht  verwunderlich,  dass  er  nicht  genau  habe  angeben  können, wie lange er in F._______ gewohnt habe, denn dieser Ort sei ein  Provisorium  gewesen,  und  er  habe  nicht  gewusst,  wohin  er  gehen  und  was er machen würde;  er  habe nicht  arbeiten  können, weshalb  er  sehr  beunruhigt gewesen sei, in seinen Heimatstaat zurückkehren zu müssen;  auch sei  zu bedenken, dass er weder die  (schweizerdeutsche) Sprache  beherrsche  noch  Geld  für  die  Bezahlung  von  Transportmitteln  gehabt  habe; auch sei die Jahreszeit  für Spaziergänge nicht geeignet gewesen,  so  dass  er  zu  Hause  geblieben  sei.  Was  die  ungenügenden  Angaben  bezüglich  seines  Unterbringers  betreffe,  sei  festzuhalten,  dass  die  Gastfreundschaft unter Kongolesen einen grösseren Stellenwert als unter  Schweizern  habe,  und  deshalb  für  seine  Landsleute  andere  Verhaltensregeln gälten. So habe eine Person mehrere Vornamen, sogar  die  nahen  Verwandten  wüssten  häufig  nicht,  wie  der  richtige  (zivilrechtliche) Vorname sei. Überdies gehöre es sich nicht, eine Person  über  das  persönliche  Leben  auszufragen,  insbesondere  wenn  diese  Person  einen  beherberge. Handle  es  sich  bei  dem Gastgeber  oder  der  Gastgeberin um eine ältere Person, so sei das Erfragen von persönlichen  Dingen  aus  Respekt  vor  dem  Alter  schlicht  zu  vermeiden,  ja  sogar  untersagt.  Aus  den  Ausführungen  ergebe  sich,  dass  das  BFM  zu  Unrecht  seine  Flüchtlingseigenschaft  verneint  habe,  zumal  es  seine  persönliche  Situation  aufgrund  der  kulturellen  Unterschiede  mehrfach  falsch  eingeschätzt  habe,  und  die  darauf  basierenden  Unterschiede  als 

E­3459/2011 Widersprüche  beurteilt  habe.  So  seien  die  Erwägungen  betreffend  die  Vorgehensweise  der  Polizei  in  Kinshasa  nicht  zutreffend;  es  sei  offensichtlich, dass sich die Organisation und die finanziellen Mitteln von  denjenigen  der  schweizerischen  Polizei  unterscheiden  würden.  Die  angefochtene  Verfügung  stelle  auf  ungenaue  und  unvollständige  Feststellungen  ab,  weshalb  sie  aufzuheben  und  an  die  Vorinstanz  zurückzuweisen sei.  8.  Nach  Prüfung  der  Akten  und  der  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  gelangt das Gericht in Übereinstimmung mit der Vorinstanz zum Schluss,  dass  sich  die  Darstellungen  des  Beschwerdeführers  in  nicht  plausiblen  Schilderungen  erschöpfen  und  in  wesentlichen  Punkten  realitätsfremd  und  konstruiert  wirken.  Überdies  erstaunen  –  vor  allem  angesichts  von  angeblichen Misshandlungen seines Freundes – die völlig  emotionslosen  Schilderungen  des  Beschwerdeführers  insbesondere  in  der  freien  Erzählung. Dies deutet eher auf Nacherzähltes und nicht selbst Erlebtes  hin. 8.1. Weiter  lassen  die Ausführungen  betreffend  die Ereignisse  rund  um  die  Bestellung  des  Paketes  und  dessen  Abholung  eine  innere  Logik  vermissen  und  erscheinen  deshalb  –  wie  die  Vorinstanz  zutreffend  ausführte – konstruiert. Vorab ist mit der Vorinstanz einherzugehen, dass  mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen  ist, dass auch  in Kongo Kinshasa  illegale Ware bereits beim Flughafen beschlagnahmt  und  nicht  mehr  in  Umlauf  gesetzt  wird.  Zudem  entbehren  die  Ausführungen des Beschwerdeführers anlässlich der Anhörung, wonach  die Flughafenkontrolle die Pakete an die Post weiterschicke, wobei diese  die  Polizei  benachrichtige,  sobald  der  Empfänger  die  Postsendung  abholen  wolle,  jeglicher  inneren  Logik,  insbesondere  unter  Berücksichtigung  des  auf  Beschwerdeebene  geltend  gemachten  Einwands,  dass  die  Polizei  mangels  vorhandener  Mittel  mit  der  Festnahme  der  verdächtigen  Person  zuwarte.  Das  vom  Beschwerdeführer  beschriebene Vorgehen  scheint  eher  aufwendiger  zu  sein  und  mehr  Personal  und  eine  gute  Koordination  zwischen  verschiedenen  Stellen  zu  benötigen  als  eine  Konfiszierung  der  Ware  beim  Flughafen  selbst,  zumal  die  Polizei  sich  auf  Abruf  zur  Verfügung  halten müsste. Überdies erstaunt  angesichts der angeblich mangelnden  Mittel, dass die Polizeibeamten am selben Tag, an welchem D._______  den Abholschein von der Post erhalten haben soll, bereits zur Stelle sein  konnten,  als  dieser  auf  der  Post  das  Paket  abholte,  und  mit  diesem 

E­3459/2011 sogleich  ins  Quartier  ging,  um  den  Beschwerdeführer  zu  suchen  (vgl.  BFM­Akte  C9 S.  7).  Auch wäre  zu  erwarten  gewesen,  dass  die  Polizei  ihre Suche nach dem Verdächtigen auf die Nachbarn ausgedehnt hätte,  zumal diese anwesend waren.  8.2. Weiter  ist  nicht  nachvollziehbar,  dass  D._______  in  Kenntnis  des  Inhalts  des  Pakets  und  dessen  Gefährlichkeit  (vgl.  BFM­Akte  C9  S.  9  F63)  zwar  zum  Selbstschutz  den  Beschwerdeführer  als  Adressaten –  indessen seine eigene Adresse – angab  (vgl. BFM­Akte C9 S. 7:  "sous  couvert") und dann doch selber das Paket abholte. Weiter erstaunt, dass  er  vor  dem  Gang  zur  Post  die  sich  unrechtmässig  in  seinem  Besitz  befindenden Waffen nicht vorsorglich versteckte, wofür sich nicht nur ein  leer stehender Unterschlupf eignen würde (vgl. Beschwerdeeingabe).  8.3. Ferner fällt auf, dass der Beschwerdeführer anlässlich der Befragung  und Anhörung Behauptungen aufstellte, die er auf Nachfrage relativierte,  beispielsweise was in der Post vorgefallen sein soll, und was die Polizei  seinem  Freund  gesagt  haben  will,  als  dieser  dort  das  Paket  abgeholt  habe, obschon er nicht zugegen war (vgl. BFM­Akte C1 S. 4 ff.; C9 S. 7  A50 und S.  10 F69  ff.). Auch die  auf Beschwerdeebene diesbezügliche  Erwiderung, er habe sich beim Nachbarn aufgehalten und Tratsch würde  sich in Kinshasa sehr schnell verbreiten, vermag nicht zu erklären, warum  er in den freien Schilderungen so genaue Zitate von Gesprächen angab,  die  er  lediglich  von  Nachbarn  erzählt  erhalten  bzw.  sich  selbst  ausgedacht haben will (vgl. BFM­Akte C1 S. 5; C9 S. 7 F50 und S. 9 F65  ff.).  8.4. Im Übrigen enthalten die Darstellungen des Beschwerdeführers auch  gewisse Widersprüche, beispielsweise schilderte er die Folterung seines  Freundes  in seinem freien Bericht zunächst so, dass dies anlässlich der  Festnahme in der Post geschah (vgl. BFM­Akte C1 S. 5: "…als er auf die  Post  kam, nahm man  ihn  fest. Er wurde gefoltert. Er  sagte  ihnen dann,  dass das Paket  nicht  für  ihn bestimmt war, …"), währenddessen er  auf  Rückfrage die Misshandlung  im Haus des Freundes situierte  (vgl. BFM­ Akte  C1  S.  7).  Ebenso  will  er  zuerst  genau  gewusst  haben,  dass  D._______ (…) per Post bestellt hatte (vgl. BFM­Akte C1 S. 5), und auch  sofort, als D._______ mit den Polizeibeamten  in dessen Haus eskortiert  wurde,  dass  dieser  wegen  des  Inhalts  des  Paketes  Schwierigkeiten  erhalten  habe  (vgl.  BFM­Akte  C1  S.  5:  "…Ich  […]  hatte  ja  bereits  von  Anfang  an  gesagt,  dass  es  ein  Risiko  sei…"),  währenddessen  er  an  anderer Stelle angab, nicht zu wissen, was sich im Paket befunden habe 

E­3459/2011 (vgl.  BFM­Akte  C1  S.  6:  "Er  sagte  mir  aber  nicht,  was  sich  in  den  Päckchen  befinden  würde").  Weiter  soll  der  erwähnte  H._______  der  Nachbar  des Freundes D._______  gewesen  sein  (vgl.  BFM­Akte C1 S.  5),  der  in  der  Gemeinde  I._______,  an  der  Avenue  (…)  in  einem  dem  Beschwerdeführer unbekannten Quartier gewohnt haben soll  (vgl. BFM­ Akte  C1  S.  1).  Es  überrascht  also,  dass  der  Beschwerdeführer  kurz  darauf  das  Quartier,  in  welchem  H._______  gewohnt  habe,  als  (…)  bezeichnete (vgl. BFM­Akte C1 S. 5). 8.5. Sodann  sind  die  Ausführungen  des  Beschwerdeführers  hinsichtlich  seines  Aufenthalts  in  der  Schweiz  kurz  vor  seiner  Ausreise  beziehungsweise  seiner  Rückkehr  in  seinen  Heimatstaat  als  unsubstanziiert  zu  beurteilen,  so  dass  gewisse  Zweifel  an  dessen  tatsächlichen  Rückkehr  bestehen  (BFM­Akte  C9  S.  3).  Die  auf  Beschwerdeebene  vorgebrachte  Erklärung,  Kongolesen  hätten  eine  andere  Auffassung  der  Gastfreundschaft,  persönliche  Fragen  würden  nicht gestellt, insbesondere nicht, wenn die gastgebende Person älter sei  – was  durchaus  zutreffend  sein  kann  –  vermag  die  rudimentären  Angaben betreffend  die Person, welche  ihm  in  J._______ während drei  beziehungsweise zwei Monaten Unterkunft gewährt haben soll, und das  mangelnde Wissen  über  die  Aufenthaltsadresse  nicht  umzustossen.  Es  ist  nicht  glaubhaft,  dass  er  während  mehrerer  Monate  das  Haus  nie  verlassen  haben  soll  und  die  dortige  Adresse  nicht  kennt.  Überdies  ist  nicht  nachvollziehbar,  dass  der  Beschwerdeführer,  der  in  der  Schweiz  bereits  ein  Asylverfahren  durchlaufen  hatte  und  wusste,  wie  wichtig  Beweismittel  einer  angeblich  erneuten  Verfolgung  beziehungsweise  seines  Reiseweges  sein  würden,  sich  vor  der  erneuten  Ausreise  aus  seinem Heimatland nicht um solche bemühte, zumal er – entgegen seiner  Behauptung  –  das  Land  nicht  überstürzt  verliess,  sondern  noch  zehn  Tage in Kinshasa verweilte (vgl.  BFM­Akte C1 S. 1). Schliesslich ist den  Akten  nicht  zu  entnehmen,  ob  das  am  (…)  geborene  Kind  des  Beschwerdeführers  während  dessen  angeblichen  Aufenthalts  in  der  Heimat (vom 21. Januar 2010 bis Anfang Juli 2010) gezeugt wurde.    8.6.  Selbst  ohne  die  Berücksichtigung  der  letztgenannten  Zweifel  vermögen  vor  dem  Hintergrund  der  vorhergehenden  Erwägungen  die  übrigen  Ausführungen  in  der  Rechtsmitteleingabe  mithin  nicht  zu  überzeugen.  Die  Gründe,  welche  für  die  Richtigkeit  der  Sachverhaltsdarstellung  des  Beschwerdeführers  sprechen,  überwiegen  folglich nicht. 

E­3459/2011 9.  Aufgrund  der  vorstehenden  Erwägungen  steht  fest,  dass  der  Beschwerdeführer  keine  Gründe  nach  Art.  3  AsylG  nachweisen  oder  glaubhaft machen konnte. Die Vorinstanz hat somit zu Recht und mit  im  Wesentlichen  zutreffender  Begründung  die  Flüchtlingseigenschaft  des  Beschwerdeführers verneint und sein Asylgesuch abgelehnt. 10.  10.1. Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder  tritt es darauf nicht  ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit  der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 10.2. Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen.  Der  Sohn  des  Beschwerdeführers,  welcher  im  Besitz  einer  Aufenthaltsbewilligung  der  Kategorie  B  ist  (vgl.  Beilage  2  der  Rechtsmittelschrift),  verfügt  nicht  über  ein  gefestigtes  Aufenthaltsrecht  (Bürgerrecht  oder  Niederlassungsbewilligung),  weshalb  sich  der  Beschwerdeführer  gemäss  ständiger  Rechtsprechung  des  Bundesgerichts  (vgl.  statt  vieler  BGE  130  II  281,  135  I  143,  je  mit  Hinweisen) nicht auf den Schutz des Familienlebens nach Art.  8 EMRK  berufen  kann.  Ob  ihm  allenfalls  aus  humanitären  Gründen  das  Bleiberecht  in  der  Schweiz  zuzusprechen  ist,  muss  durch  den  Kanton  entschieden  werden.  Die  Wegweisung  wurde  demnach  zu  Recht  angeordnet  (Art. 44 Abs. 1 AsylG; Entscheidungen und Mitteilungen der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  2001  Nr. 21).  Der  Vollständigkeit  halber  ist  darauf  zu  verweisen,  dass  für  die  Beurteilung  eines  allfälligen  umgekehrten  Familiennachzuges  die  kantonalen  Behörden des Wohnortes des Beschwerdeführers zuständig sind. 11.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht  möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG,  SR 142.20]).  Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt  gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  seiner  Vorgängerorganisation  ARK  der 

E­3459/2011 gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft,  das  heisst,  sie  sind  zu  beweisen,  wenn  der  strikte  Beweis  möglich  ist,  und  andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser  [Hrsg.],  Ausländerrecht,  2. Aufl.,  Basel 2009, Rz. 11.148). 11.1. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen  der  Schweiz  einer Weiterreise  der  Ausländerin  oder  des  Ausländers  in  den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat  entgegenstehen  (Art. 83  Abs. 3 AuG). So  darf  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus  einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom  28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).  Gemäss  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101),  Art. 3  des  Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art. 3  der  Konvention  vom  4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten  (EMRK,  SR 0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  unmenschlicher  oder  erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden.  Die Vorinstanz wies  in  ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf  hin,  dass  das  Prinzip  des  flüchtlingsrechtlichen  Non­Refoulement  nur  Personen  schützt,  die  die  Flüchtlingseigenschaft  erfüllen.  Da  es  dem  Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der  in Art. 5  AsylG  verankerte  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  finden.  Eine  Rückkehr  des  Beschwerdeführers  in  sein  Heimatstaat  ist  demnach  unter  dem  Aspekt  von  Art. 5  AsylG  rechtmässig.  Sodann  ergeben  sich  weder  aus  den  Aussagen  des  Beschwerdeführers  noch  aus  den  Akten  Anhaltspunkte  dafür, dass er für den Fall einer Ausschaffung in sein Heimatstaatdort mit  beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK  verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des  Europäischen  Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN­Anti­Folterausschusses  müsste  der  Beschwerdeführer  eine 

E­3459/2011 konkrete  Gefahr  ("real  risk")  nachweisen  oder  glaubhaft  machen,  dass  ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung  drohen würde  (vgl. EGMR  [Grosse Kammer], Saadi gegen  Italien, Urteil  vom  28. Februar  2008,  Beschwerde  Nr. 37201/06,  §§ 124 – 127,  mit  weiteren  Hinweisen).  Auch  die  allgemeine  Menschenrechtssituation  im  Heimatstaat lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht  als  unzulässig  erscheinen.  Nach  dem  Gesagten  ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  sowohl  im  Sinne  der  asyl­  als  auch  der  völkerrechtlichen  Bestimmungen zulässig. 11.2.   Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug  für Ausländerinnen  und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von  Art. 83  Abs. 7  AuG  –  die  vorläufige  Aufnahme  zu  gewähren.  In  der  Demokratischen  Republik  Kongo  herrscht  –  abgesehen  vom  spannungsgeladenen  Osten  keine  Situation  der  allgemeinen  Gewalt,  welche  eine  Rückkehr  in  das  Land  als  unzumutbar  erscheinen  lassen  würde,  weil  sämtliche  zurückkehrende  Personen  im  Sinne  von  Art.  84  Abs.  4  AuG  konkret  gefährdet  wären  (vgl.  dazu  auch  die  immer  noch  gültige Rechtsprechung EMARK 2004 Nr. 33 S. 232 ff.). Gemäss  herrschender  Rechtsprechung  ist  eine  Rückkehr  in  die  Demokratische Republik Kongo zumutbar, wenn der  letzte Wohnsitz der  betroffenen  Person  die  Hauptstadt  Kinshasa  gewesen  ist  oder  eine  andere, über einen Flughafen verfügende Stadt  im Westen des Landes,  oder  wenn  die  Person  in  einer  dieser  Städte  über  ein  gefestigtes  Beziehungsnetz  verfügt  (vgl.  EMARK  2004  Nr.  33  E.  8.3).  Der  Beschwerdeführer hatte seinen  letzten Wohnsitz  in Kinshasa. Er verfügt  über  eine  Ausbildung  als  (…)  und  arbeitete  vor  seiner  Ausreise  unter  anderem als  (…). Obgleich  seine Mutter  in  der Schweiz,  sein Bruder  in  den  Vereinigten  Staaten  und  seine  Schwester  in  Belgien  leben,  ist  es  dem gesunden Beschwerdeführer grundsätzlich zuzumuten,  in Kinshasa  eine neue Existenzgrundlage aufzubauen.  Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als  zumutbar. 11.3.  Schliesslich  obliegt  es  dem  Beschwerdeführer,  sich  bei  der  zuständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr 

E­3459/2011 notwendigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  (vgl.  Art. 8  Abs. 4  AsylG  und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), weshalb der Vollzug  der  Wegweisung  auch  als  möglich  zu  bezeichnen  ist  (Art. 83  Abs. 2  AuG). 11.4. Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu  Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten  fällt  eine  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  ausser  Betracht  (Art. 83  Abs. 1 – 4 AuG). 12.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die  Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 13.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  die  Kosten  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  VwVG)  und  auf  insgesamt  Fr. 600.­  festzusetzen  (Art. 1  –  3  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite)

E­3459/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.­  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Muriel Beck Kadima Stella Boleki Versand:

E-3459/2011 — Bundesverwaltungsgericht 26.07.2011 E-3459/2011 — Swissrulings