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Bundesverwaltungsgericht 30.11.2011 E-3317/2009

November 30, 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,719 words·~14 min·1

Summary

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 26. März 2009 / N

Full text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung V E­3317/2009 und E­3741/2009 Urteil   v om   3 0 .   No v embe r   2011 Besetzung Richterin Regula Schenker Senn (Vorsitz), Richterin Muriel Beck Kadima, Richter Kurt Gysi,    Gerichtsschreiberin Anna Poschung. Parteien A._______, (Beschwerdeführer 1; E­3317/2009) B._______, (Beschwerdeführerin 2; E­3741/2009) C._______, (Beschwerdeführer 3; E­3741/2009) D._______, (Beschwerdeführerin 4; E­3741/2009) Serbien,  Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom  26. März 2009 / N (…).

E­3317/2009 und E­3741/2009 Sachverhalt: A.  Gemäss  eigenen  Angaben  verliessen  die  Beschwerdeführenden,  ethnische  Roma,  ihren  Heimatstaat  Serbien  am  15.  November  2008  in  einem  Lastwagen  und  gelangten  via  ihnen  unbekannte  Länder  am  16.  November 2008  in die Schweiz, wo sie gleichentags  im Empfangs­ und  Verfahrenszentrum (EVZ) Vallorbe um Asyl ersuchten. Am 5. Dezember  2008 wurden die Beschwerdeführenden  im EVZ E._______ summarisch  befragt  und  am  11.  März  2009  (Beschwerdeführer  1)  beziehungsweise  am  14. April  2009  (Beschwerdeführende  2  und  3)  zu  den  Asylgründen  durch das BFM angehört.  Der  Beschwerdeführer  1  machte  im  Wesentlichen  geltend,  infolge  des  Krieges  hätten  er  und  seine  Familie  sich  von  1992  bis  1996  in  Deutschland  aufgehalten.  Von  1999  beziehungsweise  2000  bis  zur  Ausreise  seien  sie  in  F._______  (Gemeinde  G._______,  Provinz  Vojvodina)  wohnhaft  gewesen,  wo  er  als  (…)  gearbeitet  habe.  Im  Jahr  2005 sei seinem Sohn H._______ vorgeworfen worden, eine Frau getötet  zu  haben,  worauf  er  für  die  Dauer  von  sieben  bis  acht  Monaten  in  Untersuchungshaft  genommen worden  sei. Während  der  Haft  habe  die  Polizei  H._______  misshandelt  und  zwecks  Erlangung  eines  Geständnisses  unter Druck  gesetzt. Nach  der Untersuchungshaft  sei  er  freigesprochen worden.  In  der Folge  sei H._______ wiederholt  behelligt  und bedroht worden, weshalb er im Jahre 2005 oder 2006 in der Schweiz  um  Asyl  ersucht  habe.  Nach  der  Ausreise  von  D.  sei  er,  der  Beschwerdeführer,  mehrmals  für  einige  Stunden  inhaftiert  und  dabei  misshandelt worden, um eine Rückkehr von H._______ nach Serbien zu  erzwingen.  Infolge der Misshandlungen habe er,  der Beschwerdeführer,  in  einem  Spital  behandelt  werden  müssen,  worauf  sein  Sohn  im  Jahr  2008  nach  Serbien  zurückgekehrt  und  erneut  angeklagt,  hingegen  wiederum  freigesprochen worden sei. Aufgrund der erlittenen Haft  habe  H._______  beim  Obersten  Gerichtshof  eine  Schadenersatzklage  eingereicht.  Aus  diesem  Grund  sei  ihre  Familie  weiterhin  behelligt  worden. Einige Tage vor  ihrer Ausreise beziehungsweise  im September  oder  Oktober  (2008)  habe  die  Polizei  sie  zu  Hause  aufgesucht  beziehungsweise ihn, den Beschwerdeführer, für einige Stunden inhaftiert  und misshandelt  sowie  ihre  Identitätspapiere beschlagnahmt,  um sie an  der  Ausreise  zu  hindern.  Aus  diesen  Gründen  und  nicht  aufgrund  finanzieller Schwierigkeiten ersuche er um Asyl in der Schweiz.

E­3317/2009 und E­3741/2009 Die Beschwerdeführerin 2 führte im Wesentlichen aus, sie habe während  ungefähr  achtundzwanzig  Jahren  bis  zur  Ausreise  in  F._______  gelebt.  Sie  habe  keine  Schule  besucht,  sei  Analphabetin  und  nie  einer  Erwerbstätigkeit  nachgegangen.  Ab  1991  oder  1992  habe  sie  sich  für  zwei  oder  drei  Jahre  in  Deutschland  aufgehalten.  Ihr  ältester  Sohn  H._______ sei beschuldigt worden, eine Frau getötet zu haben, deshalb  während  sieben  oder  acht  Monaten  in  Haft  genommen  und  von  der  Polizei  geschlagen  worden.  Auch  ihr  Ehemann  sei  mehrmals  beziehungsweise ständig von der Polizei geschlagen worden. Ebenso sei  ihr  Sohn  C._______  (Beschwerdeführer  3)  von  der  Polizei  sowie  vom  Sohn,  I._______, der getöteten Frau welcher mit  der Polizei  zusammen  arbeite beziehungsweise diese besteche, malträtiert und bedroht worden.  Sie selber sei – wie ihr Ehemann und ihre Söhne ­ ebenfalls geschlagen  und  beschimpft  worden;  dies  sei  letztmals  geschehen,  als  die  Polizei  eineinhalb  oder  zwei  beziehungsweise  drei  oder  vier  Monate  vor  ihrer  Ausreise  in  die  Schweiz  ihren  Mann  zu  Hause  abgeholt  und  während  einiger  Stunden  beziehungsweise  einen  Monat  festgehalten  sowie  ihre  Identitätspapiere  beschlagnahmt  habe  und  ein  vorheriges  Mal,  als  ihr  Sohn  H._______  vor  seiner  Ausreise  in  die  Schweiz  im  Jahr  2006  zu  Hause  verhaftet  worden  sei.  I._______  habe  ihren  jüngeren  Sohn  mit  einem Messer verfolgt,  ihre Kinder ständig bedroht und habe die Familie  nicht  in  Ruhe  gelassen,  weshalb  sie  sich  zur  Flucht  in  die  Schweiz  entschieden hätten.  Der Beschwerdeführer 3 brachte im Wesentlichen vor, er habe seit sechs  oder sieben Jahren bis zur Ausreise in F._______ gewohnt. Er habe vier  Jahre  lang  die  Schule  besucht  und  anschliessend  seinen Vater  bei  der  Arbeit unterstützt. Sein Bruder H._______ sei von I._______ beschuldigt  worden,  dessen  Ehefrau  getötet  zu  haben,  weshalb  er  (der  Beschwerdeführer 3) vom Sohn, J._______, der Getöteten Ende 2004 mit  einem  Messer  bedroht  worden  sei.  Als  sein  Bruder  H._______  in  der  Schweiz  gewesen  sei,  um ein Asylgesuch  zu  stellen,  seien er  und  sein  Vater  von  I._______  geschlagen  worden,  um  den  Aufenthaltsort  von  H._______  zu  erfahren.  Sein  Vater  habe  deshalb  hospitalisiert  werden  müssen, worauf H._______ nach Hause zurückgekommen sei. Das letzte  Mal  sei  er  (der  Beschwerdeführer  3)  zwei  oder  drei  Monate  vor  der  Ausreise von  I._______ der Polizei und J_______ beziehungsweise von  I._______ und J._______ behelligt worden. I._______ habe ihn seit Ende  2007 neun bis zehn Mal mit einem Messer bedroht. Zudem habe er  ihn  mit  einem  Auto  verfolgt,  so  dass  er  es  nicht  mehr  gewagt  habe,  hinauszugehen  oder  die  Schule  zu  besuchen.  Sein  Vater  habe  die 

E­3317/2009 und E­3741/2009 Vorfälle  der  Polizei  gemeldet,  welche  zwar  davon Kenntnis  genommen,  jedoch nichts weiter unternommen habe. Ungefähr einen Monat  vor der  Ausreise habe I._______ auch seinen Vater mit dem Messer bedroht. Um  den Problemen mit  I._______  zu  entgehen,  habe  er  sich  entschlossen,  alleine in die Schweiz zu kommen, sei aber in Österreich von der Polizei  festgenommen  worden,  worauf  er  einige  Tage  an  einem  ihm  unbekannten Ort verbracht, jedoch nicht um Asyl ersucht habe. Im  Verlaufe  des  vorinstanzlichen  Verfahrens  wurden  der  am  (…)  2008  ausgestellte  serbische  Führerausweis  des  Beschwerdeführers  1  (in  Kopie) sowie ein  fremdsprachiges Dokument  (im Original) zu den Akten  gereicht. B.  Am  (…)  2009  versetzte  das  Bundesamt  für  Justiz  (BJ)  den  Beschwerdeführer  1  aufgrund  eines  Haftersuchens  von  Deutschland  in  Auslieferungshaft.  Am  (…)  2009  gab  der  Beschwerdeführer  1  sein  Einverständnis  zu  einer  vereinfachten  Auslieferung  nach  Deutschland,  welche am (…) 2009 vollzogen wurde. C.  Am  4.  März  2009  ersuchte  das  BFM  Deutschland  und  Österreich  um  Durchführung eines Fingerabdruckvergleichs.  Mit  Antwortschreiben  vom  6.  April  2009  teilten  die  österreichischen  Behörden mit, die Beschwerdeführenden 1 und 2 seien am 30. Oktober  2008  illegal nach Österreich eingereist  und hätten dort gleichentags um  Asyl  ersucht, was mit Entscheid  vom 12. März 2009  verweigert worden  sei.  Der  Beschwerdeführer  3  habe  am  5.  März  2008  in  Österreich  um  Asyl ersucht. Das Verfahren sei am 9. April 2008 eingestellt worden, da  er  sich  in  Deutschland  aufgehalten  und  die  freiwillige  Rückkehr  in  das  Herkunftsland  beabsichtigt  habe. Am 21. Mai  2008  habe  er  sich  erneut  bei  den österreichischen Asylbehörden gemeldet, worauf  das Verfahren  wieder  aufgenommen  worden  sei.  Infolge  Abwesenheit  des  Beschwerdeführers  3  sei  das  Verfahren  am  9.  Januar  2009  eingestellt  worden. Die  deutschen  Behörden  teilten  dem BFM mit  Schreiben  vom  29.  April  2009  mit,  der  Beschwerdeführer  1  sei  am  29.  März  1991  erstmals  in  Deutschland eingereist und sein Asylgesuch sei am 11. Dezember 1992  abgelehnt worden. Am 16. Juni 2000 sei er fortgezogen beziehungsweise 

E­3317/2009 und E­3741/2009 untergetaucht  und  seit  dem  17.  März  2009  befinde  er  sich  in  Berlin  in  Haft. Am  4.  Mai  2009  gewährte  die  Vorinstanz  den  Beschwerdeführenden  2  und  3  zu  diesen  Erkenntnissen  das  rechtliche  Gehör.  Auf  ihre  Stellungnahmen  wird,  soweit  entscheidwesentlich,  nachfolgend  eingegangen. D.  Mit  Verfügung  vom  26.  März  2009  stellte  das  BFM  fest,  der  Beschwerdeführer  1  erfülle  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht,  lehnte  sein  Asylgesuch  ab  und  ordnete  dessen  Wegweisung  aus  der  Schweiz  an.  Gleichzeitig stellte es  fest, eine Wegweisung nach Serbien sei  zulässig,  zumutbar  und  möglich  und  vermerkte,  er  sei  am  16.  März  2009  nach  Deutschland ausgeliefert worden. Die  Asylgesuche  der  Beschwerdeführenden  2­4  lehnte  die  Vorinstanz  aufgrund  fehlender  Flüchtlingseigenschaft  mit  Verfügung  vom  8.  Mai  2009  –  eröffnet  am  12.  Mai  2009  –  ab.  Gleichzeitig  wurden  die  Wegweisung und deren Vollzug angeordnet. Auf die detaillierten Begründungen der beiden Verfügungen wird, soweit  wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.  E.  Mit  Eingabe  vom  22.  Mai  2009  (Telefaxdatum  und  Poststempel)  erhob  der  Beschwerdeführer  1  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  gegen die Verfügung  vom 26. März  2009 und beantragt  die Aufhebung  der  angefochtenen  Verfügung  sowie  die  Anerkennung  der  Flüchtlingseigenschaft. Weiter  sei  von einer Wegweisung abzusehen.  In  prozessualer  Hinsicht  sei  die  unentgeltliche Rechtspflege  zu  gewähren.  Auf den Inhalt wird, soweit wesentlich, in den Erwägungen eingegangen. F.  Mit Zwischenverfügung vom 28. Mai 2009 lud die Instruktionsrichterin das  BFM ein, das genaue Datum der Zustellung der Verfügung vom 26. März  2009 an den Beschwerdeführer 1 abzuklären und innert Frist mitzuteilen.  Mit  Schreiben  vom 15.  Juli  2009  teilte  das BFM mit,  gemäss Mitteilung  der  Schweizer  Botschaft  in  Berlin  sei  die  angefochtene  Verfügung  dem  Beschwerdeführer 1 am 22. April 2009 ausgehändigt worden.

E­3317/2009 und E­3741/2009 G.  Mit Eingabe vom 10. Juni 2009 (Telefaxdatum und Poststempel) erhoben  die  Beschwerdeführenden  2­4  Beschwerde  gegen  den  Entscheid  des  BFM vom 8. Mai 2009 und beantragen die Aufhebung der angefochtenen  Verfügung und die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft. Weiter sei von  einer  Wegweisung  abzusehen.  In  prozessualer  Hinsicht  sei  ihnen  die  unentgeltliche  Rechtspflege  zu  gewähren.  Auf  den  Inhalt  und  die  eingereichten  Beweismittel  wird,  soweit  entscheidwesentlich,  in  den  Erwägungen eingegangen. H.  Mit  Zwischenverfügung  vom  22.  Juni  2009  hiess  die  zuständige  Instruktionsrichterin  das  Gesuch  der  Beschwerdeführenden  2­4  um  unentgeltliche Rechtspflege  gut  und  verzichtete  auf  die Erhebung eines  Kostenvorschusses. I.  Mit  Zwischenverfügung  vom  20.  August  2009  wurde  festgestellt,  der  Beschwerdeführer  1  könne  das  Verfahren  grundsätzlich  in  der  Schweiz  abwarten. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege  wurde  gutgeheissen  und  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  verzichtet. J.  Mit Schreiben  vom 12. August  2009  stellte  der Beschwerdeführer  1  ein  Gesuch um Einreisebewilligung. Zur Begründung führte er unter anderem  an, er habe gute Aussichten, frühzeitig aus der Haft entlassen zu werden,  habe  aber  für  die  Rückschiebung  in  die  Schweiz  keine  −  von  den  deutschen Behörden geforderte − Bewilligung. Das  Bundesverwaltungsgericht  überwies  die  Eingabe  vom  12.  August  2009  zwecks  Regelung  der  Modalitäten  einer  allfälligen  Rückkehr  des  Beschwerdeführers  1  in  die  Schweiz  zuständigkeitshalber  an  die  Vorinstanz. Mit  Schreiben  vom  9.  September  2009  teilte  die  Vorinstanz mit,  für  sie  bestehe mangels Zuständigkeit kein weiterer Handlungsbedarf. Am  1. März  2010  wurde  der  Beschwerdeführer  1  in  die  Schweiz  überstellt. 

E­3317/2009 und E­3741/2009 K.  Am 7. April 2010 wurde dem Beschwerdeführer 1 das rechtliche Gehör zu  seinem durch die schweizerische Zollbehörde sichergestellten Reisepass  gewährt.  Auf  den  Inhalt  seiner  Stellungnahme  wird,  soweit  entscheidwesentlich, nachfolgend eingegangen. L.  Am 23. Juli 2010 wurden die Beschwerdeakten des Beschwerdeführers 1  (E­3317/2009)  sowie  der  Beschwerdeführenden  2­4  (E­3741/2009)  der  Vorinstanz zur Vernehmlassung überwiesen.  Mit  Vernehmlassung  vom  26.  Juli  2010,  welche  den  Beschwerdeführenden  am  30.  Juli  2010  zur  Kenntnis  gebracht  wurde,  beantragte das BFM die Abweisung der beiden Beschwerden. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM  gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerden  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]). 1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG). 1.3.  Die  Beschwerden  sind  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Die  Beschwerdeführenden  haben  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz 

E­3317/2009 und E­3741/2009 teilgenommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  und  haben  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung.  Sie  sind  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 2 AsylG, Art. 48 Abs. 1  sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerden ist einzutreten. 1.4.  Die  beiden  Beschwerdeverfahren  E­3317/2009  und  E­3741/2009  werden  angesichts  des  engen  persönlichen  und  sachlichen  Zusammenhangs vereinigt. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  3.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat  oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen  Druck  bewirken.  Den  frauenspezifischen  Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7  AsylG). 4.  4.1.  Die  Vorinstanz  führte  zur  Begründung  ihrer  Entscheide  im  Wesentlichen aus, die Vorbringen der Beschwerdeführenden würden den  Anforderungen  an  die  Anerkennung  der  Flüchtlingseigenschaft  nicht  zu 

E­3317/2009 und E­3741/2009 genügen  vermögen. Aufgrund  der  fehlenden Asylrelevanz  könne  darauf  verzichtet  werden,  auf  allfällige  Unglaubhaftigkeitselemente  in  den  Vorbringen näher einzugehen. Die Beschwerdeführenden würden geltend  machen, sie hätten im Zusammenhang mit den Problemen ihres Sohnes  beziehungsweise  Bruders  H._______  und  damit  verbunden  auch  aufgrund ihrer ethnischen Zugehörigkeit zur Minderheit der Roma sowohl  von Seiten Dritter als auch von Seiten lokaler Polizeibehörden wiederholt  Nachteile erlitten. Was die Lage der ethnischen Minderheiten  in Serbien  betreffe, namentlich auch der Roma, sei festzuhalten, dass sich diese im  Zuge  des  demokratischen  Wandels  entspannt  habe  und  das  am  25.  Februar  2002  in  Kraft  getretene  Bundesgesetz  zum  Schutz  und  zur  Freiheit der nationalen Minderheiten Angehörige ethnischer Minderheiten  und deren Rechte schütze. Auch die Roma seien als nationale Minderheit  anerkannt  worden.  Gemäss  diesem  Minderheitengesetz  erhielten  die  Minoritäten das Recht auf Schulbildung  in der Muttersprache, das Recht  auf Gebrauch  der Muttersprache  als Amtssprache  sowie  das Recht  auf  Information  in  eigener Sprache.  Zudem sei  die  proportionale Vertretung  von nationalen Minderheiten in öffentlichen Ämtern vorgesehen. Gewisse  behördliche  Schikanen  und  Diskriminierungen  von  Roma  sowie  vereinzelte Übergriffe durch Drittpersonen auf Roma könnten zwar nach  wie  vor  nicht  ausgeschlossen  werden.  Allerdings  komme  solchen  Benachteiligungen in der Regel keine asylrelevante Intensität zu. Zudem  billige  oder  unterstütze  der  Staat  Übergriffe  nicht.  Die  von  den  Beschwerdeführenden  dargelegten  Vorfälle  stellten  auch  in  Serbien  Straftatbestände  dar,  die  strafrechtlich  verfolgt  würden.  Falls  Behördenvertreter  niedriger  Chargen  die  notwendigen  Untersuchungen  trotz  wiederholtem  Intervenieren  nicht  einleiteten,  bestehe  die  Möglichkeit,  gegen  diese  auf  dem  Rechtsweg  vorzugehen  und  die  zustehenden  Rechte  bei  höheren  Instanzen  einzufordern.  Den  Beschwerdeführenden  sei  es  folglich  möglich  und  auch  zumutbar,  sich  gegen die geltend gemachten privaten Nachstellungen und polizeilichen  Übergriffe sowie eine allfällige Untätigkeit der lokalen Polizeibehörden zur  Wehr  zu  setzen.  So  sei  den  Vorbringen  des  Sohnes  beziehungsweise  Bruders  H._______  zu  entnehmen,  dass  zwei  Polizeibeamte,  welche  H._______ misshandelt hätten, aus dem Dienst entlassen worden seien.  Zumindest  auf  der  Stufe  der  vorgesetzten  Polizeistellen  sei  somit  vom  Vorhandensein  eines  adäquaten  Schutzes  durch  den  Heimatstaat  auszugehen. Zudem könnten die geltend gemachten Übergriffe nicht als  ernsthafte Nachteile bezeichnet werden. Weiter seien die Übergriffe  rein  lokaler  Natur  gewesen  beziehungsweise  vom  lokalen  Polizeiposten  ausgegangen,  weshalb  sich  die  Beschwerdeführenden  diesen  durch 

E­3317/2009 und E­3741/2009 einen  Wegzug  in  einen  anderen  Teil  Serbiens  entziehen  könnten.  Schliesslich  stellte  die  Vorinstanz  Unglaubhaftigkeitselemente  fest.  So  habe  sich  der  Beschwerdeführer  1  widersprüchlich  zu  den  Umständen  des Verlusts seiner Ausweispapiere und zum Zeitpunkt der polizeilichen  Beschlagnahmung  seines Reisepasses  und  seiner  Identitätskarte  sowie  zum Zeitpunkt  seiner  letzten Festnahme geäussert. Weiter  sei  aufgrund  der Erkenntnisse aus dem Fingerabdruckvergleich mit Österreich davon  auszugehen, dass sich die Beschwerdeführenden während einiger Zeit in  Österreich  aufgehalten  hätten  und  von  dort  aus  gemeinsam  in  die  Schweiz  gelangt  seien.  Den  Vollzug  der  Wegweisung  erachtete  die  Vorinstanz  als  zulässig,  zumutbar  und möglich.  Insbesondere  sprächen  keine individuellen Gründe gegen die Zumutbarkeit der Rückführung nach  Serbien,  zumal  die  Beschwerdeführenden  betont  hätten,  dort  vergleichsweise  gut  gelebt  zu  haben,  und  der  Beschwerdeführer  1  (…)  besessen habe und über Berufserfahrung als (…) verfüge. Ferner hätten  die Beschwerdeführenden in Österreich einen auf den Beschwerdeführer  3  zugelassenen Personenwagen gehabt, was darauf hinweise, dass sie  über  liquide  finanzielle  Mittel  verfügen  dürften.  Schliesslich  sei  davon  auszugehen,  dass  sie  sowohl  innerhalb  als  auch  ausserhalb  Serbiens  über ein tragfähiges familiäres Beziehungsnetz verfügten, weshalb sie in  der  Lage  seien,  nach  ihrer Rückkehr  eine  neue wirtschaftliche Existenz  aufzubauen. 4.2. Die Beschwerdeführenden  rügen  in  ihren Rechtsmitteleingaben, die  Vorinstanz  habe  den  rechtserheblichen  Sachverhalt  ungenügend  festgestellt  und  das  Gesetz  verletzt.  Sie  gehörten  zur  Minderheit  der  Roma, welche in Serbien seit Jahrzehnten unter schlechten Bedingungen  leben  würde.  Roma  würden  in  Serbien  stark  diskriminiert,  ihrer  Grundrechte  beraubt  sowie  in  Armut  und  unter  unmenschlichen  Bedingungen  leben,  was  durch  Vorfälle,  welche  die  Beschwerdeführenden  mit  den  eingereichten  Beweismitteln  belegten,  bestätigt  würde.  Weiter  wiederholen  die  Beschwerdeführenden  in  ihrer  Rechtsmitteleingabe  den  von  der  Vorinstanz  in  der  angefochtenen  Verfügung festgestellten Sachverhalt. Der Argumentation der Vorinstanz,  Angehörige  ethnischer  Minderheiten  würden  durch  das  Minderheitengesetz geschützt, halten sie entgegen, dieses Gesetz sei im  Alltag  nicht  umgesetzt  worden  und  Diskriminierung,  Armut  und  Menschenrechtsverletzungen  seien  in  Serbien  weiterhin  an  der  Tagesordnung.  Sie  seien  in  die  Schweiz  geflüchtet,  weil  ihr  Leben  im  Heimatland aufgrund der Behelligungen durch die serbische Bevölkerung  und Behörden nicht mehr zu ertragen gewesen sei und sie wegen  ihrer 

E­3317/2009 und E­3741/2009 ethnischen Zugehörigkeit keine Arbeit hätten  finden können. Hinsichtlich  eines  Aufenthalts  in  einem  anderen  Teil  Serbiens  machen  sie  geltend,  dies  würde  an  ihrer  Situation  nichts  ändern,  weil  sie  überall  "Zigeuner"  seien und diskriminiert und schikaniert würden. Neonazi­Gruppen würden  Hetze  gegen  Roma  betreiben,  weshalb  sie  um  ihr  Leben  fürchten  müssten.  Als  Beweismittel  reichten  sie  verschiedene  Presseartikel  und  Berichte von Menschenrechtsorganisationen über die Lage der Roma  in  Serbien  ein. 5.  5.1.  Vorab  ist  festzuhalten,  dass  die  Vorinstanz  den  Sachverhalt  entgegen  dem  Rechtsmittelvorbringen  der  Beschwerdeführenden  rechtsgenüglich  festgestellt  hat.  Die  Rüge  wird  denn  auch  nicht  weiter  begründet, weshalb  sich weitergehende Ausführungen hierzu erübrigen,  zumal  die  Beschwerdeführenden  selber  in  ihren  Eingaben  die  Sachverhaltsdarstellung  aus  den  angefochtenen  Verfügungen  übernommen haben. 5.2. Das BFM hat  in den angefochtenen Verfügungen zu Recht gewisse  Unglaubhaftigkeitselemente in den Vorbringen der Beschwerdeführenden  erkannt.  Ergänzend  ist  darauf  hinzuweisen,  dass  sich  die  Beschwerdeführenden hinsichtlich der Täterschaft der geltend gemachten  Behelligungen  widersprüchlich  geäussert  haben.  So  hat  der  Beschwerdeführer  1  geltend  gemacht,  er  sei  mehrmals  auf  einem  Polizeiposten festgehalten und dort misshandelt worden, was schliesslich  seine  Einlieferung  in  ein  Spital  erfordert  habe  (vgl.  A  35/S.  3  F  6  ff.),  während  der  Beschwerdeführer  3  zu  Protokoll  gab,  sein  Vater  (Beschwerdeführer  1)  habe  mit  der  serbischen  Polizei  bis  auf  die  Passabnahme keine Probleme gehabt (vgl. A46/9 S. 6 F 50) und habe in  einem  Spital  behandelt  werden  müssen,  nachdem  er  von  I._______  geschlagen worden sei (vgl. A1/9 S. 5). Die Vorinstanz hat aber ohnehin  zu  Recht  erkannt,  dass  die  Vorbringen  der  Beschwerdeführenden  den  Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG – wie  nachfolgend dargelegt – nicht zu genügen vermögen, weshalb sich eine  umfassendere Glaubhaftigkeitsprüfung erübrigt. Zwecks Vermeidung von  Wiederholungen ist betreffend Glaubhaftigkeit der Asylvorbringen auf die  ausführlichen  und  zutreffenden  Erwägungen  in  der  angefochtenen  Verfügung zu verweisen (vgl. E. 4.1.). 

E­3317/2009 und E­3741/2009 6.  6.1.  Nach  Lehre  und  Rechtsprechung  ist  für  die  Anerkennung  der  Flüchtlingseigenschaft  erforderlich,  dass  die  asylsuchende  Person  ernsthafte  Nachteile  von  bestimmter  Intensität  erlitten  hat,  beziehungsweise solche  im Falle einer Rückkehr  in den Heimatstaat mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  und  in  absehbarer  Zukunft  befürchten  muss.  Die  Nachteile  müssen  der  asylsuchenden  Person  gezielt  und  aufgrund  bestimmter  Verfolgungsmotive  drohen  oder  zugefügt  worden  sein  (Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission [EMARK] 2005 Nr. 21 E. 7 S. 193). Nach neuerer  Rechtsprechung  kann  eine  Verfolgungshandlung  im  Sinne  von  Art.  3  AsylG von staatlichen oder nichtstaatlichen Akteuren ausgehen. Danach  ist  nichtstaatliche Verfolgung als Verfolgung  im Sinne des Asylgesetzes  zu  erachten,  wenn  der  Staat  unfähig  oder  nicht  willens  ist,  Schutz  vor  besagter Verfolgung zu bieten. Es ist dabei nicht eine faktische Garantie  für  langfristigen  individuellen  Schutz  der  von  nichtstaatlicher  Verfolgung  bedrohten Person zu verlangen, weil es keinem Staat gelingen kann, die  absolute Sicherheit  seiner Bürgerinnen und Bürger  jederzeit und überall  zu  garantieren.  Erforderlich  ist  aber,  dass  eine  funktionierende  und  effiziente Schutzinfrastruktur zur Verfügung steht, wobei in erster Linie an  polizeiliche Aufgaben wahrnehmende Organe sowie an ein Rechts­ und  Justizsystem  zu  denken  ist,  welche  eine  effektive  Strafverfolgung  ermöglichen.  Die  Inanspruchnahme  dieses  Schutzsystems  muss  der  betroffenen  Person  zudem  objektiv  zugänglich  und  individuell  zumutbar  sein,  was  jeweils  im  Rahmen  einer  Einzelfallprüfung  unter  Berücksichtigung  des  länderspezifischen Kontexts  zu  beurteilen  ist  (vgl.  EMARK 2006 Nr. 18 E. 10.2 S. 202 f.; EMARK 2006 Nr. 32 E. 6.1 S. 340  f.). 6.2. Am 25. Februar 2002  ist  in Serbien das Bundesgesetz  zum Schutz  und  zur  Freiheit  der  nationalen  Minderheiten,  welches  auch  für  die  anerkannte Minderheit der Roma Geltung beansprucht, in Kraft getreten.  Nach einer Gewalteskalation in den Jahren 2003 und 2004 intervenierten  verschiedene internationale Organisationen.  Im Jahr 2005 wurde ein 10­ Punkte­Plan zwischen den serbischen Behörden und den Behörden der  Vojvodina  verabschiedet,  welcher  die  Verbesserung  der  ethnischen  Beziehungen zum Ziel hat.  Im gleichen Jahr  ist die serbische Regierung  der  "Decade  of  Roma  Inclusion"  beigetreten,  einer  internationalen  Initiative, welche sowohl Regierungs­ und Nichtregierungsorganisationen  als auch die Roma­Zivilbevölkerung zusammenbringt, um die Entwicklung 

E­3317/2009 und E­3741/2009 im Zusammenhang mit  der Verbesserung des Wohlergehens der Roma  zu  fördern  und  die  diesbezüglichen  Fortschritte  zu  überwachen  und  transparent zu machen. Diese Initiative konzentriert sich schwergewichtig  auf  die  Bereiche  Ausbildung,  Arbeit,  Gesundheit  und  Wohnen  und  verpflichtet die Staaten, andere Kernaspekte der Armut, Diskriminierung  und Geschlechtergleichstellung zu berücksichtigen. Serbien hat in diesem  Zusammenhang vier nationale Aktionsprogramme verabschiedet, welche  sich  auf  die  Bereiche  Wohnen,  Gesundheit,  Ausbildung  und  Arbeit  beziehen. Es bestehen Bemühungen, gegen diskriminierendes Verhalten  gegenüber  Roma  vorzugehen;  unter  anderem wurde  angestrebt,  Roma  als  Polizeiangestellte  anzustellen  und  den  Dialog  zwischen  Polizei  und  Roma­Gemeinschaften  zu  fördern  (vgl.  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts D­915/2011 vom 16. Juni 2011 E. 6.2.1 und  E­2444/2007 vom 2. Juli 2010 E. 4.2.1 mit weiteren Hinweisen). In  neuerer Zeit  konnten weitere Verbesserungen  im Minderheitenschutz  verzeichnet werden. So wurde beispielsweise am 26. März 2009 ein Anti­ Diskriminierungsgesetz  verabschiedet.  Am  31. August 2009  folgte  das  Gesetz über nationale Minderheitsräte, welches den Minderheiten grosse  Autonomie  in  den Bereichen Sprache,  Bildung  und Kultur  gewährt,  und  am 6. Juni 2010 wurden die ersten Wahlen  für diese Räte durchgeführt.  Die  inter­ethnische  Situation  in  der  Vojvodina,  wo  die  Beschwerdeführenden  herstammen,  hat  sich  weiter  verbessert  und  es  konnte  ein  Rückgang  inter­ethnischer  Vorfälle  verzeichnet  werden.  Vereinzelte  Übergriffe  durch  Drittpersonen  gegen  Roma  können  aber  weiterhin  nicht  ausgeschlossen werden. Der  serbische Staat  billigt  oder  unterstützt  solche  Übergriffe  jedoch  nicht,  sondern  erweist  sich  grundsätzlich  als  schutzwillig  und  schutzfähig  und  verfolgt  die  Vorfälle  strafrechtlich.  So  konnten  in  jüngster  Zeit  in  Bezug  auf  polizeiliche  Untersuchungen  bei  inter­ethnischen  Vorfällen  Verbesserungen  verzeichnet werden. Trotz politischer Sensibilisierung  in diesem Bereich  und  Massnahmen  zur  Stärkung  der  Effizienz  der  Polizeiarbeit  kann  es  aber  vorkommen,  dass  polizeilich  untergeordnete  Behörden  bei  einer  Anzeige die notwendigen Untersuchungsmassnahmen nicht einleiten.  In  solchen  Fällen  besteht  jedoch  die  Möglichkeit,  gegen  fehlbare  Beamte  auf  dem  Rechtsweg  vorzugehen.  Wenn  auch  eine  klare  Ahndung  von  ethnisch  motivierter  Gewalt  auf  gerichtlicher  Ebene  weiterhin  nur  zögerlich  voranzugehen  scheint,  wurden  vereinzelte  Übergriffe  gegen  Minderheiten  in  jüngster  Zeit  gerichtlich  verfolgt  (vgl.  EUROPEAN  ROMA  RIGHTS  CENTRE  [ERRC],  Parallel  submission  by  the  European  Roma  Rights  Centre  to  the  Committee  On  The  Elimination  Of  All  Forms  Of 

E­3317/2009 und E­3741/2009 Racial Discrimination on Serbia  for  its consideration at  the 78th Session  14  February  To  11  March  2011,  Januar 2011;  EUROPEAN  COMMISSION,  Serbia 2010 Progress Report, 9. November 2010; HUMAN RIGHTS WATCH,  World  Report  2011,  Januar  2011;  US  DEPARTMENT  OF  STATE,  Country  Report on Human Rights Practices 2009, 11. März 2010).  6.3. Es ist somit zusammen mit der Vorinstanz davon auszugehen, dass  der serbische Staat  fähig und willens  ist, ethnischen Minderheiten einen  adäquaten  Schutz  zu  gewähren.  Es  wäre  den  Beschwerdeführenden  zumutbar  gewesen,  sich  für  die  Anzeige  der  geltend  gemachten  Behelligungen  durch  Dritte  beziehungsweise  der  Übergriffe  durch  die  lokalen Polizeibehörden an einen anderen Polizeiposten zu wenden oder  allenfalls die gerichtlichen Instanzen anzurufen.  6.4.  Dieser  Einschätzung  vermögen  die  Beschwerdeführenden  auf  Rechtsmittelebene  nichts  Stichhaltiges  entgegen  zu  halten.  Vielmehr  beschränken sie sich auf eine erneute Darlegung ihrer Vorbringen sowie  Ausführungen  zur  allgemeinen  Lage  der  Roma  in  Serbien.  Bezüglich  Letzterem  ist  festzuhalten,  dass  das  Bundesverwaltungsgericht  nicht  verkennt, dass Roma in Serbien trotz der Bemühungen der Behörden zur  Förderung  der  Gleichbehandlung  nach  wie  vor  Opfer  verschiedener  Diskriminierungen  –  namentlich  in  den  Bereichen  Bildung,  Arbeit,  Wohnen  und  Gesundheit  –  werden.  Hingegen  wird  allein  mit  der  Zugehörigkeit  zur  serbischen  Minderheit  der  Roma  keine  individuelle  Betroffenheit  im Sinne der asylrechtlichen Bestimmungen dargelegt  (vgl.  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  D­915/2011  E.  6.3.).  Darüber  hinaus  verfügen  die  Beschwerdeführenden  gemäss  eigenen  Angaben  über  Wohneigentum;  die  Beschwerdeführer  1  und  3  haben  als  (…)  gearbeitet  und  der  Beschwerdeführer  3  besuchte  im  Alter  von  acht  bis  dreizehn Jahren eine (…) Schule in seinem Heimatdorf (vgl. hierzu unten  E.  8.3.2.).  Vor  diesem  Hintergrund  vermag  insbesondere  das  Beschwerdevorbringen,  sie  könnten  aufgrund  ihrer  ethnischen  Zugehörigkeit keine Arbeit finden, nicht zu überzeugen.  6.5.  Zusammenfassend  ist  festzustellen,  dass  das  BFM  zu  Recht  die  Flüchtlingseigenschaft verneint und die Asylgesuche abgewiesen hat. Es  erübrigt  sich, auf die weiteren Ausführungen  in der Beschwerdeeingabe  und  die  eingereichten Beweismittel  näher  einzugehen,  da  sie  an  dieser  Würdigung nichts zu ändern vermögen. 7. 

E­3317/2009 und E­3741/2009 7.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit  der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 7.2.  Die  Beschwerdeführenden  verfügen  weder  über  eine  ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf  Erteilung  einer  solchen.  Die  Wegweisung  wurde  demnach  zu  Recht  angeordnet  (Art. 44  Abs. 1  AsylG;  Entscheide  des  Schweizerischen  Bundesverwaltungsgerichts [BVGE] 2009/50 E. 9 S. 733).

E­3317/2009 und E­3741/2009 8.  8.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder  nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG,  SR 142.20]). Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt  gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  seiner  Vorgängerorganisation  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte  Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl.  WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser  [Hrsg.],  Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148). 8.2. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen  der  Schweiz  einer Weiterreise  der  Ausländerin  oder  des  Ausländers  in  den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat  entgegenstehen  (Art.  83  Abs. 3 AuG). So  darf  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus  einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom  28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101),  Art. 3  des  Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art. 3  der  Konvention  vom  4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten  (EMRK,  SR 0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  unmenschlicher  oder  erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 8.2.1. Die  Vorinstanz  wies  in  ihrer  angefochtenen  Verfügung  zutreffend  darauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non­Refoulements  nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es den  Beschwerdeführenden  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche 

E­3317/2009 und E­3741/2009 Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der  in Art. 5  AsylG  verankerte  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  finden.  Eine  Rückkehr  der  Beschwerdeführenden nach Serbien  ist demnach unter dem Aspekt von  Art. 5 AsylG rechtmässig. 8.2.2.  Sodann  ergeben  sich  weder  aus  den  Aussagen  der  Beschwerdeführenden noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie  für  den  Fall  eines  Wegweisungsvollzugs  nach  Serbien  dort  mit  beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK  verbotenen  Strafe  oder  Behandlung  ausgesetzt  wären.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen  Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener des UN­Anti­Folterausschusses müssten die Beschwerdeführenden  eine  konkrete  Gefahr  ("real  risk")  nachweisen  oder  glaubhaft  machen,  dass  ihnen  im  Fall  einer  Rückschiebung  Folter  oder  unmenschliche  Behandlung  drohen würde  (vgl.  EGMR  [Grosse  Kammer],  Saadi  gegen  Italien,  Urteil  vom  28. Februar  2008,  Beschwerde  Nr. 37201/06,  §§ 124 – 127,  mit  weiteren  Hinweisen).  Auch  die  allgemeine  Menschenrechtssituation  in Serbien  lässt  den Wegweisungsvollzug  zum  heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten  ist der Vollzug der Wegweisung sowohl  im Sinne der asyl­ als auch der  völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 8.3. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und  Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat­ oder Herkunftsstaat auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von  Art. 83  Abs. 7  AuG –  die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 8.3.1.  In Serbien  herrscht  keine Kriegs­  oder Bürgerkriegssituation  oder  Situation  allgemeiner  Gewalt,  die  auf  eine  konkrete  Gefährdung  der  Beschwerdeführenden  im  Falle  einer  Rückkehr  schliessen  liesse.  Zwar  werden Angehörige der Roma – wie erwähnt – beim Zugang zu Bildung,  Arbeit,  Wohnen  und  Gesundheit  diskriminiert.  Diese  Diskriminierungen  erreichen  indessen entgegen den Vorbringen der Beschwerdeführenden  nicht  ein  Ausmass,  das  den  Vollzug  der  Wegweisung  allgemein  als  unzumutbar erscheinen liesse (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts  D­915/2011 vom 16. Juni 2011 E. 8.4.1). 

E­3317/2009 und E­3741/2009 8.3.2.  Hinsichtlich  der  individuellen  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  nach  Serbien  ist  zusammen  mit  der  Vorinstanz  festzustellen,  dass  der  Beschwerdeführer  1  über  langjährige  Berufserfahrung als (…) verfügt (vgl. A3/10 S. 2 F8), eine (…) besessen  und  gemäss  eigenen  Angaben  keine  finanziellen  Probleme  gehabt  hat  (vgl.  A35/7  S.  6  F31).  Der  Beschwerdeführer  3  hat  zwar  keinen  Beruf  erlernt,  hat  aber  seinen  Vater  bei  seiner  Arbeit  als  (…)  unterstützt  und  dürfte  demzufolge  ebenfalls  über  Berufserfahrung  in  dieser  Branche  verfügen.  Auch  er  hat  hinsichtlich  der  finanziellen  Situation  der  Familie  betont, im Heimatstaat gut gelebt zu haben (vgl. A 46/9 S. 4 F25). Weiter  besitzen  die  Beschwerdeführenden  in  Serbien  Wohneigentum  (vgl.  a.a.O.).  Schliesslich  verfügen  sie  im  Heimatstaat  über  ein  familiäres  Beziehungsnetz,  darunter  ein  Sohn  beziehungsweise  Bruder  der  Beschwerdeführenden (vgl. A 3/10 S. 3), welches sie nach der Rückkehr  unterstützen kann. Bei dieser Sachlage ist es den Beschwerdeführenden  zuzumuten, sich in Serbien – trotz der dortigen wirtschaftlich schwierigen  Lage,  insbesondere  für  Angehörige  der  Ethnie  der  Roma  –  eine  neue  Existenzgrundlage zu schaffen. Nach dem Gesagten erweist  sich selbst  unter  Berücksichtigung  der  auf  Beschwerdeebene  beigebrachten  Presseartikel und Berichte der Vollzug der Wegweisung als zumutbar. 8.4.  Schliesslich  obliegt  es  den  Beschwerdeführenden,  sich  bei  der  zuständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr  notwendigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  (vgl.  Art. 8  Abs. 4  AsylG  und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), weshalb der Vollzug  der  Wegweisung  auch  als  möglich  zu  bezeichnen  ist  (Art. 83  Abs. 2  AuG). 8.5. Zusammenfassend  hat  die  Vorinstanz  den Wegweisungsvollzug  zu  Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten  fällt  eine  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  ausser  Betracht  (Art. 83  Abs. 1 – 4 AuG). 9.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die  Beschwerde ist somit abzuweisen. 10.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  wären  die  Kosten  den 

E­3317/2009 und E­3741/2009 Beschwerdeführenden  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  und  5  VwVG).  Da  ihnen mit Zwischenverfügungen vom 22. Juni 2009 und 20. August 2009  die  unentgeltliche  Rechtspflege  gemäss  Art.  65  Abs.  1  VwVG  gewährt  wurde, sind ihnen jedoch keine Verfahrenskosten aufzuerlegen. (Dispositiv nächste Seite)

E­3317/2009 und E­3741/2009 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerden werden abgewiesen. 2.  Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Regula Schenker Senn Anna Poschung Versand:

E-3317/2009 — Bundesverwaltungsgericht 30.11.2011 E-3317/2009 — Swissrulings