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Bundesverwaltungsgericht 07.02.2012 E-2943/2010

February 7, 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,730 words·~9 min·1

Summary

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM 24. März 2010 / N

Full text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung V E­2943/2010 Urteil   v om   7 .   Februar   2012 Besetzung Richter Bruno Huber (Vorsitz), Richterin Christa Luterbacher, Richter Jean­Pierre Monnet,    Gerichtsschreiber Jonas Tschan. Parteien A._______, geboren (…), syrischer Herkunft, vertreten durch lic. iur. LL.M. Tarig Hassan, (…), Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 24. März 2010 / N (…).

E­2943/2010 Sachverhalt: A.  Gemäss  eigenen  Angaben  verliess  der  Beschwerdeführer  seinen  Heimatstaat  am  7.  Juli  2008  und  gelangte  über  die  Türkei  und  weitere  ihm  unbekannte  Länder  am  15.  Juli  2008  in  die  Schweiz. Gleichentags  suchte  er  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  (EVZ)  B._______  um  Asyl nach. Anlässlich der summarischen Befragung vom 23. Juli 2008  im EVZ und  der  Bundesanhörung  vom  27.  Mai  2009  brachte  der  Beschwerdeführer  vor, er habe in Syrien ein (…) gehabt, bei welchem auch (…) eingekauft  hätten. Diese hätten aber nicht bezahlt, sondern anschreiben lassen, und  wenn  sie  einmal  bezahlt  hätten,  dann  nur  die  Hälfte  des  geschuldeten  Betrages. Als sie ihm einen grösseren Betrag geschuldet hätten, habe er  die Bezahlung der Ausstände verlangt. Daraufhin sei es im (…) zu einer  Auseinandersetzung gekommen und er habe, da er gesucht worden sei,  fliehen müssen. Als  (…) habe er mit einer Festnahme rechnen müssen.  Nachdem er sich einige Tage versteckt habe, sei er ausgereist. Der  Beschwerdeführer  gab  anlässlich  der  Befragung weder  einen Pass  noch  eine  Identitätskarte  zu  den  Akten.  Er  habe  zwar  einen Reisepass  beantragt,  aber  keinen erhalten;  eine  Identitätskarte  habe er  nie gehabt  und eine solche auch nie beantragt.  B. Am (…) ersuchte das BFM die Schweizer Botschaft in Damaskus (in der  Folge:  die  Botschaft)  um  Abklärungen  zur  Identität,  zu  den  Umständen  der Ausreise und zu einer allfälligen Gefährdung des Beschwerdeführers  in Syrien. Der Mitteilung der Botschaft vom (…)  ist zu entnehmen, dass  es sich beim Beschwerdeführer um einen (…) aus C._______ handle, der  keinen syrischen Pass besitze, und dass bei den Behörden keine Daten  über ihn vorliegen würden. C. Mit  Eingabe  vom 6.  Juli  2009  (Poststempel)  gab  der  Beschwerdeführer  Beweismittel zu den Akten: eine (…), und eine Publikation "Die Situation  (…)  in Syrien"  (für Einzelheiten wird auf das Beweismittelcouvert  in den  vorinstanzlichen Akten verwiesen). In  diesem  Zusammenhang  gelangte  das  BFM  am  (…)  erneut  an  die  Botschaft: Es sei abzuklären, ob das eingereichte Dokument authentisch 

E­2943/2010 sei,  und  bejahendenfalls  sei  in  Erfahrung  zu  bringen,  aus  welchen  Gründen  die  syrischen  Behörden  eine  Untersuchung  eingeleitet  hätten  und ob er von diesen gesucht werde. Die Botschaft teilte dem Bundesamt am (…) mit, das Dokument sei nicht  authentisch,  beim  Migrationsdienst  sei  nichts  eingetragen  und  der  Beschwerdeführer werde nicht gesucht. Zur  Stellungnahme  eingeladen  hielt  der  Beschwerdeführer  in  seiner  Eingabe  vom  11.  Februar  2010  fest,  die  Abklärungen  der  Botschaft  bestätigten,  dass er ein  (…) aus C._______ sei,  keinen syrischen Pass  besitze und deshalb nicht nach Syrien zurückkehren könne. Zum Vorwurf,  das  eingereichte  Dokument  sei  falsch,  könne  er  keinen  Kommentar  abgeben; er sei der Ansicht, dass die (…) echt sei.  D. Das BFM verfügte am 24. März 2010, der Beschwerdeführer  erfülle die  Flüchtlingseigenschaft nicht,  lehnte das Asylgesuch ab, wies ihn aus der  Schweiz  weg  und  beauftragte  den  Kanton  D._______ mit  dem  Vollzug  der Wegweisung. E. Gegen diesen Entscheid erhob der Beschwerdeführer am 26. April 2010  (per  Telefax)  beziehungsweise  am  28.  April  2010  (schriftliche  Eingabe)  durch seine vormalige Rechtsvertreterin beim Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde. Er beantragte in materieller Hinsicht die Aufhebung der vor­ instanzlichen  Verfügung  und  die  Gewährung  von  Asyl,  eventuell  die  Feststellung  der  Unzulässigkeit  und  der  Unmöglichkeit  des  Wegweisungsvollzugs  und  als  Folge  davon  die  Anordnung  der  vorläufigen Aufnahme; eventuell sei die Unzumutbarkeit des Vollzugs der  Wegweisung  festzustellen  und  die  vorläufige  Aufnahme  anzuordnen.  In  prozessualer  Hinsicht  beantragte  er  die Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege, alles unter Entschädigungs­ und Kostenfolge. F. Das Bundesverwaltungsgericht  stellte  in seiner Verfügung vom 30. April  2010  fest,  der  Beschwerdeführer  dürfe  den  Ausgang  des  Rechtsmit­ telverfahrens in der Schweiz abwarten, und stellte den Entscheid über die  Verfahrensanträge zu einem späteren Zeitpunkt in Aussicht.

E­2943/2010 Mit  Zwischenverfügung  vom 6. Mai  2010 wies  das Gericht  das Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  ab  und  forderte  den  Beschwerdeführer auf, einen Kostenvorschuss zu leisten. G. Am 21. Mai 2010  reichte der Beschwerdeführer weitere Beweismittel  zu  den  Akten  (Bestätigung  der  E._______  vom  […],  wonach  A._______  Mitglied/Sympathisant  (…)  sei,  und  der  Human  Rights  Organization  in  Syria­MAF,  gemäss  welcher  der  Beschwerdeführer  […]  teilgenommen  habe; eine Fürsorgebestätigung). Aufgrund dieser Dokumente wurde das  Gericht ersucht, auf den eingeforderten Kostenvorschuss zu verzichten. H. Mit Zwischenverfügung vom 27. Mai 2010 wies das Gericht das Gesuch  um  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  ab  und  setzte  Frist für eine entsprechende Überweisung, welche innert der angesetzten  Frist erfolgte. Das  BFM  wurde  vom  Gericht  mit  Verfügung  vom  9.  Juni  2010  zur  Vernehmlassung eingeladen.  In  seiner  Stellungnahme  vom  21.  Juni  2010  hielt  das  Bundesamt  an  seinen Erwägungen  in der angefochtenen Verfügung vollumfänglich  fest  und beantragte die Abweisung der Beschwerde. I. Am 23. September 2011 reichte der neu mandatierte Rechtsvertreter des  Beschwerdeführers  unter  Beilage  einer  entsprechenden  Vollmacht  mehrere Beweismittel zu den Akten ([…] und […] von Demonstrationen in  der  Schweiz),  welche  belegten,  dass  Letzterer  sein  politisches  Engagement in der Schweiz verstärkt habe. J. Vom Bundesverwaltungsgericht aufgrund der aktuellen Situation in Syrien  am 29. September 2011 erneut zur Vernehmlassung eingeladen, zog das  BFM seinen Entscheid vom 24. März 2010 mit Verfügung vom 7. Oktober  2011  teilweise  in  Wiedererwägung.  Es  hob  die  Ziffer  4  (Verlassen  der  Schweiz  bis  zum  19.  Mai  2010  unter  Androhung  von  Zwangsmassnahmen  im  Unterlassungsfall)  und  die  Ziffer  5  (Auftrag  an  den  Kanton  D._______,  die Wegweisung  zu  vollziehen)  auf  und  stellte  fest,  die  Wegweisung  werde  zur  Zeit  wegen  Unzumutbarkeit  nicht 

E­2943/2010 vollzogen und der Vollzug werde zu Gunsten der  vorläufigen Aufnahme  aufgeschoben. K. Der  Beschwerdeführer  hielt  auf  entsprechende  Anfrage  des  Bundesverwaltungsgerichts vom 13. Oktober 2011 mit Eingabe vom 27.  Oktober  2011  bezüglich  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  und  Gewährung von Asyl an der Beschwerde fest. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM  gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]). 1.2  Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist­ und formgerecht eingereicht. Der Beschwer­ deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die  angefochtene Verfügung besonders  berührt  und hat  ein  schutzwürdiges  Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er  ist  daher  zur Einreichung der Beschwerde  legitimiert  (Art. 105 und Art. 108 Abs. 2  AsylG,  Art. 48  Abs. 1  sowie  Art. 52  VwVG).  Auf  die  Beschwerde  ist  einzutreten.

E­2943/2010 2. Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat  oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen  Druck  bewirken.  Den  frauenspezifischen  Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen  oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen,  die  in  wesentlichen  Punkten  zu  wenig  begründet  oder  in  sich  widersprüchlich  sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte  oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1  4.1.1 Das BFM  führte  zur  Begründung  seiner  Verfügung  vom  24. März  2010 aus, die Vorbringen des Beschwerdeführers seien unsubstanziiert.  So  habe  er  bezüglich  des  angeblichen  Reiseweges  wenig  Konkretes  vorbringen  können;  gemäss  den  Erfahrungen  des  Amtes  seien  auch  illegal reisende Asylsuchende in der Lage, viel substanziiertere Angaben  zu  machen.  Weil  in  der  Regel  ein  enger  kausaler  Zusammenhang  zwischen  den  Reiseumständen  und  dem  Ausreisemotiv  von  Asylsuchenden  bestehe,  müsse  aufgrund  der  völlig  unsubstanziiert  gebliebenen Aussagen des Beschwerdeführers auch am Wahrheitsgehalt  seiner  Gründe  gezweifelt  werden,  welche  ihn  zur  Ausreise  veranlasst  haben sollen. 4.1.2  Vorbringen  seien  dann  widersprüchlich,  wenn  im  Verlaufe  des  Verfahrens zu wesentlichen Punkten unterschiedliche Angaben gemacht 

E­2943/2010 würden. Dies gelte für die Vorbringen zu den Einkäufen von (…)  im (…)  des Beschwerdeführers; insbesondere bezüglich der angegebenen Daten  seien Widersprüche  auszumachen,  die  Aussagen  seien  hinsichtlich  der  Chronologie unvereinbar.  Somit  würden  die  dargelegten  Zweifel  an  der  Glaubhaftigkeit  des  Ausreisemotivs  auch  durch  die  widersprüchlichen  Aussagen  des  Beschwerdeführers bestätigt. 4.1.3  Nicht  glaubhaft  seien  Vorbringen,  die  sich  massgeblich  auf  gefälschte oder verfälschte Beweismittel abstützen würden. Zur Stützung  seiner Aussagen habe der Beschwerdeführer ein Dokument zu den Akten  gereicht,  das  sich  als  Fälschung  herausgestellt  habe.  Im  Rahmen  des  ihm hierzu gewährten rechtlichen Gehörs habe er lediglich angegeben, er  sei  der  Ansicht,  das  Dokument  sei  echt,  welche  Erklärung  unbehelflich  sei. Zudem hätten die Abklärungen der Botschaft ergeben, dass in Syrien  kein Verfahren gegen  ihn hängig sei. Die hierzu abgegebene Erklärung,  wonach er sicher nicht ausgereist wäre, wenn er nicht Probleme mit (…)  gehabt  hätte,  sei  nicht  geeignet,  dieses  Vorbringen  in  einem  anderen  Lichte erscheinen zu lassen. Es könne dem Beschwerdeführer nicht geglaubt werden, dass er Syrien  verlassen  habe,  weil  er  habe  befürchten  müssen,  inhaftiert  zu  werden.  Folglich entbehre auch sein Vorbringen, er sei nach der Ausreise von den  syrischen Behörden gesucht worden, einer Grundlage. Somit hielten die  Vorbringen  den  Anforderungen  an  die  Glaubhaftigkeit  gemäss  Art.  7  AsylG nicht stand. 4.1.4  Nachteile, welche  auf  die  allgemeinen  politischen, wirtschaftlichen  oder sozialen Lebensbedingungen zurückzuführen seien und zudem eine  vergleichsweise  geringe  Eingriffsintensität  aufwiesen,  stellten  keine  asylbeachtliche Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG dar. Zwar treffe es  zu,  dass  Syrien  (…)  staatsbürgerliche  Rechte  vorenthalte  und  die  Möglichkeit  des  Landerwerbs  sowie  die  Ausübung  selbstständiger  Gewerbe  untersage.  Zudem  habe  diese  Bevölkerungsgruppe  unter  Schikanen zu leiden. Eine asylerhebliche Verfolgung im Sinne von Art. 3  AsylG finde aber nicht statt, und demzufolge seien diese Vorbringen des  Beschwerdeführers nicht asylrelevant. 4.1.5  Der  Beschwerdeführer mache  geltend,  Syrien  illegal  verlassen  zu  haben, weil  er als  (…) keinen Reisepass erhalten könne. Diesbezüglich 

E­2943/2010 könne  zwar  nicht  ausgeschlossen  werden,  dass  er  bei  einer  Rückkehr  bestraft  werde,  aber  nicht  aus  einem der  von Art.  3 AsylG  geschützten  Gründen. Demzufolge sei dieses Vorbringen nicht asylrelevant.  4.1.6 Was die exilpolitischen Aktivitäten des Beschwerdeführers betreffe,  gehe  zwar  das  BFM  davon  aus,  dass  die  syrischen  Behörden  die  Aktivitäten  von  regimekritischen  Exilorganisationen  beobachten  würden.  Diese dürften jedoch nur Interesse an Personen haben, deren Aktivitäten  über die massentypischen exilpolitischen Proteste hinausgingen und die  Funktionen innehätten und Aktivitäten entwickelten, die sie als gefährliche  Regimegegner  erschienen  liessen.  Die  nur  wenig  qualifizierten  exilpolitischen Aktivitäten des Beschwerdeführers  liessen nicht erwarten,  dass  er  im  Falle  einer Rückkehr  nach Syrien  gefährdet  sei.  So  komme  auch diesem Vorbringen keine asylrelevante Bedeutung zu. Demzufolge  erfülle  der  Beschwerdeführer  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht, so dass sein Asylgesuch abzulehnen sei. 4.2 4.2.1  Der  Beschwerdeführer  hält  diesen  Erwägungen  in  seiner  Rechtsmitteleingabe  vom  28.  April  2010  –  nach  einlässlicher  Rekapitulation  der  vor­instanzlichen  Erwägungen  –  entgegen,  das  BFM  selber  halte  fest,  dass  (…)  in Syrien  in  ihren Rechten  stark beschnitten  seien. Die Einschätzung der Vorinstanz, wonach die illegale Ausreise von  den Behörden lediglich als gemeinrechtliches Vergehen und in der Regel  mit einer Busse geahndet werde, treffe in den meisten Fällen nicht zu. 4.2.2 Er mache eine individuelle Verfolgung durch die (…) von F._______  geltend.  Auch  wenn  sich  der  Beschwerdeführer  bezüglich  Daten  widersprochen  habe,  mache  dies  die  geschilderte  Verfolgung  nicht  unglaubhaft.  Er  sei  nach  wie  vor  überzeugt,  dass  die  eingereichte  (…)  nicht  gefälscht  sei.  Er  habe  nie  versucht,  ein  gefälschtes  Dokument  zu  erhalten und als Beweismittel einzureichen. 4.2.3  Gerade  weil  der  Beschwerdeführer  ein  Problem  mit  (…)  von  F._______  gehabt  habe,  sei  nicht  auszuschliessen,  dass  die  syrische  Vertretung in der Schweiz davon Kenntnis habe und vielleicht im Besitze  von  Daten  sei,  die  es  ihr  ermögliche,  den  Beschwerdeführer  unter  Demon­strationsteilnehmenden  zu  erkennen.  Folglich  sei  auch  nicht  auzuschliessen,  dass diese Aktivitäten  den Behörden  in Syrien bekannt  seien.

E­2943/2010 Der Beschwerdeführer  hätte demnach bei  einer erzwungenen Rückkehr  im  jetzigen  Zeitpunkt  unter  Verfolgung  zu  leiden,  er  wäre  an  Leib  und  Leben gefährdet, weshalb ihm Asyl zu gewähren sei. 4.2.4  Sollte  dem  Beschwerdeführer  nicht  Asyl  gewährt  werden,  sei  der  Vollzug  der  Wegweisung  für  den  Beschwerdeführer  unzulässig  und  unzumutbar,  weshalb  in  "Anwendung  von Art.  44  Abs.  2  AsylG  i.V. mit  dem AuG" die vorläufige Aufnahme anzuordnen sei. 4.2.5  In der Eingabe des Beschwerdeführers vom 27. Oktober 2011 zur  Anfrage  des  Gerichts,  ob  er  an  den  Anträgen  zur  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  und  der  Asylgewährung  festhalten  oder  diese  zurückziehen wolle, wurden keine neuen Vorbringen geltend gemacht. 5. Das  Bundesverwaltungsgericht  hält  der  Klarheit  halber  nochmals  fest,  dass  das  BFM  in  teilweiser  Wiedererwägung  seines  angefochtenen  Entscheides die vorläufige Aufnahme des Beschwerdeführers angeordnet  hat.  Es  geht  mithin  ausschliesslich  um  die  Fragen  der  Flüchtlingseigenschaft und der Gewährung von Asyl. 5.1. 5.1.1 Das Gericht kommt nach Prüfung der Akten zum Schluss, dass das  Bundesamt  zur  Recht  festgestellt  hat,  der  Beschwerdeführer  erfülle  die  Flüchtlingseigenschaft nicht, und dessen Asylgesuch ablehnte. Es  ist  vorweg  festzuhalten,  dass  betreffend  die  Identität  des  Beschwerdeführers  nach  wie  vor  keine  Klarheit  herrscht.  Reisepapiere  hat  er  nicht  abgegeben,  und  die  eingereichten  Beweismittel  sind  nicht  geeignet,  vorliegend  Klarheit  zu  schaffen.  Die  (…)  wurde  im  vorinstanzlichen  Verfahren  zwar  als  Fälschung  qualifiziert,  aber  es  ist  diesbezüglich  anzumerken,  dass  sich  in  der  Botschaftsauskunft  kein  Hinweis  darauf  findet,  wie  man  zu  dieser  Einschätzung  gekommen  ist.  Die  Feststellung  "le  document  n'est  pas  authentique  (faux)"  ist  eine  blosse  Behauptung,  die  für  das  Gericht  weder  überprüfbar  noch  nachvollziehbar ist. Trotzdem vermag die Bestätigung die Asylvorbringen  nicht  zu  untermauern.  Gemäss  diesem  Dokument  wurde  der  Beschwerdeführer  nämlich  im  Jahre  (…)  von einem  (…). Die  (…)wurde  jedoch nicht beigebracht, obwohl er in der Anhörung darauf Bezug nahm  und ausführte, etwa Ende  (…) sei bei  ihm zuhause ein  (…) abgegeben  worden, wonach man ihn (…) (vgl. A19  S. 9). 

E­2943/2010 5.1.2 Weiter  ist mit  dem Bundesamt  einigzugehen,  dass  nicht  geglaubt  werden  kann,  der  Beschwerdeführer  habe  von  seiner  Reise  in  die  Schweiz  nichts mitbekommen  (vgl.  vorinstanzliche  Verfügung  Ziff.  I  1.).  Seine  diesbezüglichen  Angaben  sind  nach  Auffassung  des  Gerichts  darauf  ausgelegt,  seinen Reiseweg  und  damit  verbundene  Einzelheiten  zu  verschleiern  (vgl.  Anhörungsprotokoll  F16  ff.  S.  3  f.).  Nach  den  Erkenntnissen  des  Gerichts  hätte  er  anlässlich  der  Befragungen  wohl  angegeben, er  sei während Tagen  in einem LKW eingesperrt  gewesen;  war dies dagegen nicht der Fall, kann nicht geglaubt werden, er habe zu  keinem Zeitpunkt mitbekommen, wo er sich in etwa befinde. 5.1.3 Das Gericht stellt ebenso wenig wie die Vorinstanz in Abrede, dass  es  zu  Problemen  mit  (…)  gekommen  sein  kann.  Aber  dass  eine  Auseinandersetzung mit  (…)  ihn dermassen geängstigt haben soll, dass  er  fluchtartig das Land verliess,  ist nicht nachvollziehbar. Vielmehr  ist  in  Übereinstimmung  mit  dem  BFM  davon  auszugehen,  dass  ihn  die  schlechten  politischen,  wirtschaftlichen  und  sozialen  Verhältnisse  in  Syrien,  von  denen  (…)  in  besonderem Masse  betroffen  sind,  bewogen  haben, wegzugehen. Diese Gründe sind aber, wie vom Bundesamt richtig  festgestellt,  nicht  asylrelevant  beziehungsweise  handelt  es  sich  dabei  nicht um eine asylerhebliche Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG. 5.1.4  Es  erübrigt  sich  bei  dieser  Sachlage,  auf  weitere  Vorbringen  einzugehen.  Die  Aktenlage  lässt  unter  den  gegebenen  Umständen  nur  den  Schluss  zu,  dass  der  Beschwerdeführer  die  zur  Begründung  des  Asylgesuches  geltend  gemachten  Vorfluchtgründe  nicht  oder  jedenfalls  nicht  in  der  geschilderten  Weise  erlebt  hat.  An  dieser  Feststellung  vermögen auch die eingereichten Beweismittel nichts zu ändern.  5.2 5.2.1  Was  die  vorgebrachten  subjektiven  Nachfluchtgründe  anbelangt  (vgl. Beschwerde Ziff. 2.1.6.S. 3, Eingabe vom 21. Mai 2010 und Eingabe  vom  23.  September  2011)  bringt  der  Beschwerdeführer  vor,  er  habe  in  der Schweiz an regimefeindlichen Kundgebungen teilgenommen und sei  Mitglied der E._______. Die  syrischen Behörden würden die politischen  Aktivitäten  ihrer  Landsleute  im  Ausland  intensiv  beobachten.  Es  sei  zu  vermuten, dass er identifiziert worden sei, weshalb er bei einer Rückkehr  nach Syrien flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung zu erwarten habe. 5.2.2  Dazu  ist  vorweg  klarzustellen,  dass  der  Beschwerdeführer  anlässlich der Befragungen nicht angegeben hat,  in Syrien politisch tätig 

E­2943/2010 gewesen  zu  sein.  Bei  der  Kurzbefragung  gab  er  einzig  zu  Protokoll,  er  habe  (…)  befürchtet,  weil  er  (…)  sei  und  etwas  gegen  den  Staat  unternommen habe (vgl. Protokoll Ziff. 15 S. 6). Weder an der Anhörung  noch in der Beschwerde wurde geltend gemacht, in Syrien politisch aktiv  gewesen zu sein. 5.2.3  Der  Umstand,  dass  exilpolitische  Aktivitäten  syrischer  Staatsangehöriger  von  den  heimatlichen  Behörden  beobachtet  werden,  reicht  für  sich  allein  genommen  nicht  aus,  um  eine  begründete  Verfolgungsfurcht  glaubhaft  zu  machen.  Dafür  müssten  zusätzlich  konkrete  Anhaltspunkte  vorliegen,  und  es  geht  nicht  nur  um  die  rein  theoretische  Möglichkeit,  dass  der  Beschwerdeführer  tatsächlich  das  Interesse der syrischen Behörden auf sich gezogen haben respektive als  regimefeindliches Element  namentlich  identifiziert  und  registriert worden  sein  könnte.  Derartige  konkrete  und  glaubhafte  Hinweise  sind  den  vorliegenden  Akten  nicht  zu  entnehmen.  Insbesondere  hatte  der  Beschwerdeführer  zu  keinem  Zeitpunkt  bei  einer  Partei  eine  Führungsposition  inne,  war  nicht  exponiert  tätig  und  hatte  auch  sonst  keine wirklich wichtigen politischen Aufgaben übernommen.  5.2.4  Aufgrund  der  eingereichten  Beweismittel  und  der  Intensität  der  geltend  gemachten  exilpolitischen  Tätigkeiten  ist  nach  Auffassung  des  Gerichts nicht von einem Mass an politischem Engagement auszugehen,  aufgrund  dessen  der  Beschwerdeführer  den  Behörden  seines  Heimatlandes aufgefallen sein müsste.  5.3  Bei  dieser  Aktenlage  können  dem  Beschwerdeführer  keine  subjektiven Nachfluchtgründe zuerkannt werden. 5.4  Aufgrund  der  vorstehenden  Erwägungen  erübrigt  es  sich,  auf  die  weiteren  Ausführungen  in  der  Beschwerde  einzugehen,  da  sie  am  Ergebnis nichts zu ändern vermögen. Das Bundesamt hat  zu Recht die  Flüchtlingseigenschaft  verneint  und  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers abgelehnt. 6. 6.1  Lehnt  das  Bundesamt  das  Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit  der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).

E­2943/2010 6.2 Der  Beschwerdeführer  verfügt  weder  über  eine  ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44  Abs. 1 AsylG; vgl. BVGE 2009/50 E. 9 S. 737). 7. 7.1  Ist  der Vollzug der Wegweisung nicht  zulässig,  nicht  zumutbar oder  nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG,  SR 142.20]). 7.2  Das  BFM  hat  im  Rahmen  des  ergänzenden  Vernehmlassungsverfahrens  am  7.  Oktober  2011  seine  angefochtene  Verfügung  teilweise  in  Wiedererwägung  gezogen  und  aufgrund  der  veränderten  Lage  in  Syrien  und  der  aktuellen  Verhältnisse  den  Wegweisungsvollzug  im  gegenwärtigen  Zeitpunkt  als  nicht  zumutbar  qualifiziert  und  die  vorläufige  Aufnahme  des  Beschwerdeführers  angeordnet.  7.3  Dadurch  ist  auch  das  in  der  Beschwerde  formulierte  Eventualbegehren um Feststellung der Unzumutbarkeit des Vollzugs der  Wegweisung  und  um  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  gegenstandslos geworden. Wegen  der  alternativen  Natur  der  Vollzugshindernisse  sind  Fragen  der  Unzulässigkeit oder Unmöglichkeit nicht zu prüfen. 8. Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung     – soweit  sie  nicht  gegenstandslos  geworden  ist  –  Bundesrecht  nicht  verletzt,  den  rechtserheblichen  Sachverhalt  richtig  und  vollständig  feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG).  Die Beschwerde ist im zu überprüfenden Umfang abzuweisen. 9.  9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten in der Höhe von  Fr.  600.­  nach  dem  Grad  des  Durchdringens  praxisgemäss  zur  Hälfte  dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG; Art. 1­  3  des  Reglements  vom  21.  Februar  2008  über  die  Kosten  und 

E­2943/2010 Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2]).  Sie  werden  demnach  auf  Fr.  300.­  festgelegt  und  sind mit  dem  einbezahlten  Kostenvorschuss  zu  verrechnen;  Fr.  300.­  sind  dem  Beschwerdeführer vom Gericht zurückzuerstatten. 9.2  Ganz  oder  teilweise  obsiegende Parteien  haben Anspruch  auf  eine  Parteientschädigung  für  die  ihnen  erwachsenen  notwendigen  Kosten    (Art.  64  Abs.  1  VwVG;  Art.  7  Abs.  1  VGKE).  Beim  vorliegenden  Verfahrensausgang ist der Beschwerdeführer mit seinen Rechtsbegehren  teilweise  durchgedrungen  und  das  Bundesverwaltungsgericht  geht  in  diesem Fall praxisgemäss von einem hälftigen Obsiegen aus. Angesichts dessen ist dem Beschwerdeführer  in Anwendung von Art. 64  Abs.  1  VwVG  i.V.m.  Art.  37  VGG  für  die  notwendigen  Kosten  der  Vertretung  eine  reduzierte  Parteientschädigung  zuzusprechen  (Art.  7  VGKE). Nachdem keine Kostennote zu den Akten gereicht worden ist und  sich der notwendige Vertretungsaufwand (für das gesamte Verfahren vor  dem Bundesverwaltungsgericht) zuverlässig abschätzen lässt, ist die von  der  Vorinstanz  auszurichtende  Parteientschädigung  unter  Berücksichtigung  der  massgebenden  Berechnungsfaktoren  von  Amtes  wegen  auf  Fr.  400.­  (inklusive  sämtlicher  Auslagen  und  Nebenkosten)  festzusetzen (Art. 14 Abs. 2 VGKE). (Dispositiv nächste Seite)

E­2943/2010 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die  Beschwerde  wird  abgewiesen,  soweit  sie  nicht  gegenstandslos  geworden ist. 2.  Die  Verfahrenskosten  in  der  Höhe  von  Fr.  300.­  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Sie  sind  mit  dem  einbezahlten  Kostenvorschuss  in der Höhe von Fr. 300.­  zu verrechnen. Das Gericht  hat dem Beschwerdeführer Fr. 300.­ zurückzuerstatten. 3.  Das  BFM  wird  angewiesen,  dem  Beschwerdeführer  für  das  Rechtsmittelverfahren eine  reduzierte Parteientschädigung von Fr. 400.­  zu entrichten. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  das  Migrationsamt des Kantons D._______. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Bruno Huber Jonas Tschan Versand:

E-2943/2010 — Bundesverwaltungsgericht 07.02.2012 E-2943/2010 — Swissrulings