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Bundesverwaltungsgericht 21.07.2011 E-2274/2011

July 21, 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,270 words·~6 min·2

Summary

Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung | Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; Verfügung des BFM vom 2. März 2011

Full text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung V E­2274/2011 Urteil   v om   2 1 .   Juli   2011 Besetzung Einzelrichterin Regula Schenker Senn, mit Zustimmung von Richter Kurt Gysi; Gerichtsschreiberin Anna Poschung. Parteien A._______, Türkei, durch Vermittlung der Schweizerischen Vertretung in Ankara, Türkei,  Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung;  Verfügung des BFM vom 2. März 2011 / N (…).

E­2274/2011 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass  der  Beschwerdeführer  gemäss  Angaben  der  schweizerischen  Botschaft  in  Ankara  mit  Eingabe  vom  2.  November  2010  um  Asyl  ersuchte und dort am 24. Januar 2011 zu seinen Asylgründen angehört  wurde, dass  er  zur  Begründung  seines  Asylgesuchs  im  Wesentlichen  geltend  machte, er sei kurdischer Ethnie,  in B._______(Provin Mardin) wohnhaft  und  habe  an  der  Universität  in  Diyarbakir  (Provinz  Diyarbakir)  (…)  studiert, dass er sich zwischen 2008 und 2009 politisch  für die DTP (Demokratik  Toplum  Partisi  [Partei  der  Demokratischen  Gesellschaft])  im  Bereich  Jugend  betätigt  habe,  jedoch  nicht  Mitglied  gewesen  sei  und  keine  Funktion innegehabt habe, dass  seine  Aufgabe  gewesen  sei,  Probleme  und  Anliegen  der  Bevölkerung an die Parteiorgane weiterzuleiten, dass er zudem Mitglied der Organisation C._______ sei, welche zum Ziel  habe, Kurdischunterricht zu erteilen, dass  er  die  Befugnis  habe,  ebensolchen  zu  erteilen,  ansonsten  bei  C._______ aber keine besondere Funktion wahrgenommen habe, dass  er  in  insgesamt  in  ein  einziges  Gerichtsverfahren  verwickelt  gewesen sei, welches beim Kassationshof hängig sei, dass  ihm  in  diesem  Verfahren  Mitgliedschaft  bei  der  PKK  (Partiya  Karkerên Kurdistan [Arbeiterpartei Kurdistans]), Propaganda für die PKK  und Behinderung der Ausübung des Rechts auf Ausbildung vorgeworfen  werde, weil er am  (…) 2008 auf dem Campus der Universität an einem  Meeting teilgenommen und eine Presseerklärung vorgelesen habe,  dass das Meeting vom Studentenverein  in Diyarbakir organisiert worden  sei  und  das  Recht,  in  der  eigenen  Muttersprache  zu  studieren,  zum  Gegenstand gehabt habe,  dass er deswegen am (…) 2008 für vier Tage von der Antiterrorabteilung  der Sicherheitsdirektion  in Diyarbakir  in Gewahrsam genommen worden  und vom (…) 2008 bis (…) 2009 in Untersuchungshaft gewesen sei,

E­2274/2011 dass  die  Haftbedingungen  normal  gewesen  seien,  hingegen  grosser  Druck auf Verwandte ausgeübt worden sei, dass  er  zudem  wegen  zwei  weiteren  Ereignissen  der  Propaganda  beschuldigt werde, dass  er  nämlich  ungefähr  im  (…)  2008  an  einer  Kundgebung  der  DTP  gegen  die militärischen  Aktionen  der  Türkei  sowie  an  einer  Beerdigung  eines  Guerilla­Kämpfers  teilgenommen  habe  und  beschuldigt  werde,  anlässlich  dieser  beiden  Ereignisse  Fotos  von  Öcalan  und  Fahnen  der  PKK getragen zu haben, dass  er  mit  erstinstanzlichem  Urteil  des  vierten  Gerichts  für  schwere  Straftaten von Diyarbakir vom (…) 2009 in allen drei Anklagepunkten für  schuldig erklärt worden und zu einer Strafe von sieben Jahren und sechs  Monaten verurteilt worden sei, dass dieses Verfahren beim Kassationshof  in Ankara hängig sei, und er  nicht  wisse,  wann  ein  Urteil  gefällt  werde,  aber  mit  hundertprozentiger  Sicherheit eine Bestätigung erwarte, dass  er  um  Asyl  in  der  Schweiz  ersuche,  weil  er  in  der  Türkei  ins  Gefängnis komme, dass der Beschwerdeführer im Verlaufe des erstinstanzlichen Verfahrens  eine  Nüfus­  und  Passkopie  sowie  die  Anklageschrift  der  Staatsanwaltschaft  von Diyarbakir  vom  (…) 2008, das Urteil des vierten  Gerichts für schwere Straftaten von Diyarbakir vom (…) 2009 und ein von  ihm verfasstes Schreiben betreffend seine Presserklärung zu den Akten  reichte,  dass  die  schweizerische  Vertretung  auszugsweise  Übersetzungen  der  eingereichten  Dokumente  anfertigte  und  die  relevanten  Unterlagen  mit  Schreiben vom 2. Februar 2011 zuständigkeitshalber dem BFM überwies, dass das BFM mit Verfügung vom 2. März 2011 – eröffnet am 31. März  2011  –  die  Einreise  des  Beschwerdeführers  in  die  Schweiz  nicht  bewilligte und sein Asylgesuch ablehnte, dass  das  BFM  zur  Begründung  im  Wesentlichen  ausführte,  der  Beschwerdeführer  habe  die  Möglichkeit,  in  ein  anderes  Land  als  die 

E­2274/2011 Schweiz  auszureisen  und  dort  ein  Asylgesuch  zu  stellen,  weshalb  sich  eine umfassende Prüfung seiner Schutzbedürftigkeit erübrige, dass er ­ ausser dass ungenannt gebliebene Kameraden aus der Schule  in  der  Schweiz  lebten  ­  keinerlei  Beziehungen  zur  Schweiz  geltend  mache, dass  ihm  die  Möglichkeit  offen  stehe,  visumsfrei  nach  Kroatien  einzureisen  und  dort  ein  rechtsstaatlich  korrektes  Asylverfahren  zu  durchlaufen,  dass ihm eine Eingliederung in Kroatien zumutbar sei, auch wenn sie sich  allenfalls  etwas  schwieriger  gestalten  könnte  als  in  der  Schweiz,  wobei  bezüglich der Kulturnähe Kroatien und die Schweiz im Hinblick auf seine  türkische Herkunft in etwa vergleichbar seien, dass sich  in den Akten überdies Hinweise dafür  finden würden, dass er  die  PKK  und  somit  eine  gewaltextremistische  Organisation  unterstützt  habe, dass  ihm  insbesondere  vorgeworfen  werde,  an  zwei  von  der  PKK  initiierten Kundgebungen und Meetings teilgenommen zu haben, dass  sich  die  Ahndung  solcher  Unterstützungshandlungen  zu  Gunsten  der  gewaltextremistischen  PKK  im  Kern  als  gemeinrechtlich  legitimiert  erweise  und  keine  politische  Verfolgung  darstelle,  auch wenn  die  dafür  ausgesprochene  Haftstrafe  aus  hiesiger  Sicht  hoch  erschiene,  woraus  sich jedoch noch kein Politmalus ableiten lasse, dass vergleichsweise auch das deutsche Strafgesetz für Unterstützer von  gewaltextremistischen  Organisationen  Freiheitsstrafen  von  sechs  Monaten bis zu zehn Jahren vorsehe, dass  die  PKK  zudem  in  verschiedenen  europäischen  Ländern  als  Terrororganisation eingestuft werde, dass  davon  auszugehen  sei,  dass  er  den  Ausgang  des  Beschwerdeverfahrens  vor  dem  Kassationshof  in  der  Türkei  auf  freiem  Fuss  abwarten  könne  und  auch  nicht  feststehe,  wie  das  Verfahren  schlussendlich ausgehe,

E­2274/2011 dass er in zwei Anklagepunkten freigesprochen worden sei, da ihm keine  strafbaren Handlungen hätten nachgewiesen werden können, was dafür  spreche, dass das  türkische Gericht  die Beweise differenziert  gewürdigt  habe, dass  er  demnach  zum  gegenwärtigen  Zeitpunkt  keiner  konkreten  Gefährdung ausgesetzt sei, dass es  ferner nicht  im  Interesse der Schweiz  liege, Personen aus dem  Umfeld  der  PKK  eine  Einreisebewilligung  zu  erteilen,  zumal  der  Bundesrat Ende 2008 nach einer Reihe von Anschlägen gegen türkische  Einrichtungen  in der Schweiz Massnahmen gegen die PKK beschlossen  und festgehalten habe, dass das offensichtliche Gewaltpotential der PKK  im Rahmen von Bewilligungsverfahren mitzuberücksichtigen sei, dass  der  Beschwerdeführer  mit  Eingabe  vom  13.  April  2011  (Eingang  Bundesverwaltungsgericht:  19.  April  2011)  gegen  diesen  Entscheid  Beschwerde  erhob  und  sinngemäss  die  Aufhebung  der  angefochtenen  Verfügung  sowie  die  Gewährung  des  Asyls  und  die  Bewilligung  der  Einreise in die Schweiz beantragt,  dass  die  Instruktionsrichterin  mit  Verfügung  vom  16.  Mai  2011  den  Beschwerdeführer  aufforderte,  allfällige  Beweismittel  zum  geltend  gemachten hängigen Verfahren vor dem türkischen Kassationshof  innert  Frist  beizubringen sowie die Vorinstanz anwies, die  im Begleitschreiben  der schweizerischen Vertretung vom 2. Februar 2011 erwähnte "Eingabe"  vom 2. November 2010 nachzureichen, dass  das  BFM  mit  Schreiben  vom  20.  Mai  2011  ausführte,  der  Beschwerdeführer  habe  sich  am  2.  November  2010  telefonisch  bei  der  schweizerischen  Botschaft  in  Ankara  gemeldet,  hingegen  kein  schriftliches Asylgesuch eingereicht, dass der Beschwerdeführer der schweizerischen Vertretung in Ankara am  4. Juli 2011 zusammen mit einem Begleitschreiben die Beschwerdeschrift  seines türkischen Rechtsvertreters an den Kassationshof, datiert vom (…)  2010,  (in  Kopie  und  in  deutscher  Übersetzung)  sowie  eine  undatierte  Zusammenfassung der von ihm verlesenen Presseerklärung in türkischer  Sprache zukommen liess,

E­2274/2011 dass  auf  die  Begründung  der  Rechtsbegehren  und  die  eingereichten  Beweismittel, soweit entscheidrelevant, in den Erwägungen eingegangen  wird, und erwägt, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig  über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 des Bundesgesetzes vom  20.  Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR 172.021])  des  BFM  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art.  105  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  [AsylG,  SR  142.31])  i.  V.  m.  Art.  31  –  33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  [VGG, SR 173.32]; Art.  83 Bst.  d Ziff.  1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17.  Juni 2005  [BGG,  SR 173.110]), dass  sich  das  Verfahren  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG  richtet, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art.  6 und Art. 105 AsylG), dass  der  Beschwerdeführer  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders berührt ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung  beziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde legitimiert ist (Art. 105 AsylG i. V. m. Art. 37 VGG sowie Art.  48 Abs. 1 VwVG), dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  einzutreten ist (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 VwVG), dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass  über  offensichtlich  begründete  Beschwerden  in  einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise  einer  Richterin  entschieden  wird  (Art.  111  Bst.  e  AsylG),  und  es  sich  vorliegend, wie nachfolgend aufgezeigt, um eine solche handelt, weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu  begründen  ist  (Art.  111a  Abs. 2 AsylG),

E­2274/2011 dass auf die Einholung einer Vernehmlassung verzichtet wurde (Art. 111a  Abs. 1 AsylG), dass  eine  asylsuchende  Person,  die  sich  noch  in  ihrem  Heimatstaat  befindet,  diesen  –  um  die  Flüchtlingseigenschaft  erfüllen  zu  können –  gemäss völkerrechtlichen Grundsätzen verlassen haben muss, hingegen  verfolgt  im Sinne von Art. 3 AsylG und demzufolge schutzbedürftig sein  kann, dass  verfolgt  im  Sinne  von  Art.  3  AsylG  Personen  sind,  die  in  ihrem  Heimatstaat  oder  im  Land,  in  dem  sie  zuletzt  wohnten,  wegen  ihrer  Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen  Gruppe  oder  wegen  ihrer  politischen  Anschauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden,  wobei  als  ernsthafte  Nachteile  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen  Druck  bewirken,  gelten, dass gemäss Art. 19 Abs. 1 AsylG ein Asylgesuch  im Ausland bei einer  schweizerischen  Vertretung  gestellt  werden  kann,  welche  es mit  einem  Bericht an das Bundesamt überweist (Art. 20 Abs. 1 AsylG),  dass  das  BFM  Asylsuchenden  die  Einreise  zur  Abklärung  des  Sachverhaltes  bewilligt,  wenn  ihnen  nicht  zugemutet  werden  kann,  im  Wohnsitz­  oder  Aufenthaltsstaat  zu  bleiben  oder  in  ein  anderes  Land  auszureisen (Art. 20 Abs. 2 AsylG), dass  einer  Person,  die  sich  im  Ausland  befindet,  das  Asyl  verweigert  werden kann, wenn es ihr zugemutet werden kann, sich in einem anderen  Staat um Aufnahme zu bemühen (Art. 52 Abs. 2 AsylG), dass  die  Voraussetzungen  zur  Erteilung  einer  Einreisebewilligung  beziehungsweise  zur  Verneinung  der  Zumutbarkeit  der  Schutzsuche  in  einem Drittstaat  restriktiv zu umschreiben sind, wobei den Behörden ein  weiter  Ermessensspielraum  zukommt  und  neben  der  erforderlichen  Gefährdung  im  Sinne  von  Art.  3  AsylG  namentlich  –  mithin  weder  abschliessend  noch  kumulativ  –  die  Beziehungsnähe  zur  Schweiz,  die  Möglichkeit  der  Schutzgewährung  durch  einen  anderen  Staat,  die  Beziehungsnähe  zu  anderen  Staaten,  die  praktische  Möglichkeit  und  objektive  Zumutbarkeit  zur  anderweitigen  Schutzsuche  sowie  die  voraussichtlichen  Eingliederungs­  und  Assimilationsmöglichkeiten  in 

E­2274/2011 Betracht  zu  ziehen  sind  (vgl.  die  zutreffenden  und  weiterhin  geltenden  Erwägungen  in  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission [EMARK] 1997 Nr. 15 E. 2b­f S. 129 ff), dass  vorab  festzuhalten  ist,  dass  die  von  der  Vorinstanz  festgestellte  fehlende Beziehungsnähe des Beschwerdeführers zur Schweiz allein für  eine Anwendung der Asylausschlussklausel gemäss Art. 52 Abs. 2 AsylG  nicht  ausreicht  (vgl.  a.a.O.  E.  2f  S.  131  f.),  weshalb  die  Schutzbedürftigkeit des Beschwerdeführers entgegen der Auffassung der  Vorinstanz geprüft werden muss, dass  vorliegend  begründete  Hinweise  auf  eine  asylrechtlich  relevante  Verfolgung  beziehungsweise  die  Schutzbedürftigkeit  des  Beschwerdeführers bestehen, dass  der  Beschwerdeführer  in  einem  erstinstanzlichen  Strafverfahren  wegen  "Verübung  von  Straftaten  im  Namen  einer  Terrororganisation,  ohne  ihr  als  Mitglied  anzugehören"  und  "Propaganda  für  die  Terrororganisation PKK" zu einer Haftstrafe von insgesamt sieben Jahren  und  einem  Monat  verurteilt  wurde  und  ihm  nach  seiner  eigenen  Einschätzung  die  Bestätigung  dieses  Urteils  durch  den  Kassationshof  droht,  dass der Beschwerdeführer gemäss Urteilsbegründung des Gerichts  für  schwere  Straftaten  in  Diyarbakir  vom  (…)  2010  lediglich  an  einer  Demonstration gegen die Festnahme von Abdullah Öcalan teilgenommen  sowie  anlässlich  einer  Aktion  auf  dem Universitätscampus  in Diyarbakir  am  (…)  2008  eine  Presseerklärung  vorgelesen  hat  (vgl.  ergänzte  Übersetzung des Urteils vom […] 2011) dass  die  gegen  den  Beschwerdeführer  verhängte  mehrjährige  Gefängnisstrafe  unverhältnismässig  sein  dürfte,  zumal  selbst  das  BFM  feststellte,  die  ausgesprochene  Haftstrafe  erscheine  aus  hiesiger  Sicht  hoch (vgl. angefochtene Verfügung S. 3), dass  folglich  davon  auszugehen  ist,  dass  das  Verfahren  gegen  den  Beschwerdeführer politisch motiviert  ist und bezweifelt werden muss, ob  das Vorgehen der türkischen Behörden gegenüber ihm als rechtsstaatlich  legitim bezeichnet werden kann, dass  daher  ohne  abschliessende  Beurteilung  des  Asylgesuchs  des  Beschwerdeführers eine Gefährdung aus einem Grund nach Art. 3 AsylG 

E­2274/2011 insgesamt nicht ausgeschlossen werden kann, weshalb ihm der Verbleib  in der Türkei nicht  zugemutet werden kann  (vgl. diesbezüglich auch die  Urteile des Bundesverwaltungsgerichts E­2553/2011 vom 10. Juni 2011,  D­8253/2010  vom  13.  Dezember  2010,  E­8112/2009  vom  7.  Dezember  2010 sowie D­456/2010 vom 15. Februar 2010), dass die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung weiter feststellte, es  liege nicht  im  Interesse der Schweiz, gewaltbereiten Personen aus dem  Umfeld der PKK eine Einreisebewilligung zu erteilen, dass  diesbezüglich  festzuhalten  ist,  dass  sich  die  Vorinstanz  in  ihren  Erwägungen  einzig  auf  die  Feststellungen  der  türkischen  Staatsanwaltschaft  in  Diyarbakir  beziehungsweise  der  entsprechenden  Gerichtsinstanz stützt (vgl. angefochtene Verfügung S. 3 Ziff. 3  :  "In den  Akten  finden sich überdies Hinweise dafür, dass Sie die PKK und somit  eine gewaltextremistische Organisation unterstützt haben. So wird Ihnen  zur  Last  gelegt,  an  zwei  von  der  PKK  initiierten  Kundgebungen  und  Meetings teilgenommen zu haben".), dass hingegen die anderslautenden Erklärungen des Beschwerdeführers  (beispielhaft: "[…] alle Arbeiten, die für Kurden geleistet werden, werden  von den Behörden mit [der] PKK in Verbindung gebracht" [A2/7 S. 4].) in  keiner Weise gewürdigt wurden,  dass  ein  alleiniges  Abstellen  auf  Wertungen  der  türkischen  Strafverfolgungsbehörden nicht statthaft erscheint und den Gerichtsakten  keine  objektivierbaren  Hinweise  zu  entnehmen  sind,  dass  der  Beschwerdeführer  weitergehende,  über  die  von  ihm  beschriebenen  hinausgehende  Aktivitäten  –  namentlich  solche  terroristischer  oder  staatsgefährlicher Natur –entfaltet hätte, zumal der Beschwerdeführer zu  Protokoll  gegeben  hat,  weder  jemals  Gewalt  ausgeübt  zu  haben  noch  dessen beschuldigt worden zu sein (vgl. A2/7 S. 4), dass  somit  aufgrund  der  aktuellen  Aktenlage  auch  kein  hinreichender  Grund  zur  Annahme  einer  Asylunwürdigkeit  des  Beschwerdeführers  im  Sinne von Art. 53 AsylG besteht, dass nachfolgend zu prüfen bleibt, ob dem Beschwerdeführer zugemutet  werden  kann  –  prioritär  vor  der  Schweiz  –  in  einem  anderen  Staat  um  Schutz zu ersuchen (Art. 52 Abs. 2 AsylG),

E­2274/2011 dass der Beschwerdeführer anlässlich der Anhörung auf der Botschaft zu  Protokoll  gegeben  hat,  in  der  Schweiz  lebten  Kameraden  aus  der  Schulzeit,  womit  er  hier  zumindest  über  minimale  soziale  Anknüpfungspunkte verfügen dürfte, dass aus der Argumentation der Vorinstanz, der Beschwerdeführer könne  mit  einem  türkischen  Pass  visumsfrei  nach  Kroatien  einreisen  und  dort  ein  rechtsstaatlich  korrektes  Asylverfahren  durchlaufen,  nicht  ersichtlich  wird,  weshalb  dort  eine  Eingliederung  zumutbarer  sein  soll,  zumal  das  BFM selber angibt, eine Assimilierung in Kroatien könnte sich schwieriger  gestalten als in der Schweiz,  dass  ansonsten  aufgrund  der Akten  keine weiteren Hinweise  bestehen,  der  Beschwerdeführer  habe  vorrangig  zur  Schweiz  zu  irgendeinem  anderen  Land  eine  besondere  Beziehung  und  ihm  demnach  insgesamt  nicht  zugemutet  werden  kann,  in  einem  anderen  Staat  um  Schutz  zu  ersuchen, dass  das  BFM  demnach  die  Ausschlussklausel  gemäss  Art. 52  Abs. 2  AsylG zu Unrecht angewendet hat, dass  die  Beschwerde  nach  dem  Gesagten  gutzuheissen,  die  vorinstanzliche Verfügung vom 2. März 2011 aufzuheben und das BFM  anzuweisen  ist,  dem  Beschwerdeführer  zum  Zweck  der  Durchführung  des Asylverfahrens die Einreise in die Schweiz zu bewilligen, dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  keine  Kosten  aufzuerlegen  sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG), dass  der  Beschwerdeführer  im  Rechtsmittelverfahren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  nicht  vertreten  wurde,  weshalb  nicht  davon  auszugehen  ist,  ihm  seien  durch  die  Beschwerdeführung  verhältnismässig  hohe  Kosten  erwachsen,  und  ihm  daher  keine  Parteientschädigung zuzusprechen ist (Art. 64 Abs. 1 VwVG und Art. 7 ff.  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite)

E­2274/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die  Beschwerde  wird,  soweit  die  Einreisebewilligung  betreffend,  gutge­ heissen. 2.  Die Verfügung des BFM vom 2. März 2011 wird aufgehoben. 3.  Das  BFM  wird  angewiesen,  dem  Beschwerdeführer  die  Einreise  in  die  Schweiz zur Durchführung des Asylverfahrens zu bewilligen. 4.  Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 5.  Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. 6.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  schweizerische Botschaft in Ankara. Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: Regula Schenker Senn Anna Poschung Versand:

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