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Bundesverwaltungsgericht 30.01.2012 D-8551/2010

January 30, 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,536 words·~8 min·1

Summary

Asyl und Wegweisung | Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 15. November 2010

Full text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung IV D­8551/2010 Urteil   v om   3 0 .   J a nua r   2012 Besetzung Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz), Richter Daniele Cattaneo, Richter Hans Schürch,    Gerichtsschreiber Patrick Weber. Parteien A._______, geboren am _______, Äthiopien,  _______,  Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 15. November 2010 / _______.

D­8551/2010 Sachverhalt: A.  A.a.  Eigenen  Angaben  zufolge  verliess  der  Beschwerdeführer  seinen  Heimatstaat  _______  2010  und  gelangte  _______  nach  _______.  Von  dort  aus  reiste  er  _______  2010  in  die  Schweiz  ein,  wo  er  am  29.  September 2010 ein Asylgesuch stellte. Dazu wurde er am 15. Oktober  2010  summarisch  befragt.  Am  26.  Oktober  2010  führte  das  BFM  eine  Anhörung durch. A.b. Der Beschwerdeführer – ein Oromo aus _______ (Provinz _______)  mit letztem Wohnsitz in _______ – machte geltend, in seinem Heimatland  ein  aktives Mitglied  der  der  Oromo  Liberation  Front  (OLF)  gewesen  zu  sein. Er habe Geld gesammelt sowie gespendet und es einem bekannten  Mitglied der Organisation abgeliefert. Er habe auch Kontakte zu anderen  Oromos  beziehungsweise Mitgliedern  gepflegt.  Seine Unterstützung  der  Organisation sei den äthiopischen Behörden bekannt geworden. Er sei in  seinem  Herkunftsort  _______  2010  festgenommen  und  auf  einen  Polizeiposten gebracht worden. Man habe ihn der Zugehörigkeit zur OLF  beschuldigt,  verhört  und  geschlagen.  Er  sei  krank  geworden  und  unter  Bewachung in ein Spital verlegt worden. Am siebten Tag seines dortigen  Aufenthalts  sei  die  Bewachungsperson  eingeschlafen.  Er  habe  sich  zu  diesem  Zeitpunkt  gesundheitlich  bereits  besser  gefühlt  und  die  Gelegenheit zur Flucht aus dem Spital genutzt. Mit Hilfe von Freunden sei  er  in  der  Folge  _______  geflohen. Später  habe  er  von  seiner Partnerin  erfahren,  dass  die  Behörden  ihre  gemeinsame  Wohnung  durchsucht  hätten. Die Sicherheitskräfte  hätten  dabei  ein Schreiben, welches  seine  Beziehung zur Organisation belege, beschlagnahmt, und die Partnerin für  den  kommenden  Tag  vorgeladen.  Im  Falle  der  Rückkehr müsse  er mit  dem Schlimmsten rechnen.  A.c.  Im  Rahmen  der  ergänzenden  Anhörung  vom  8.  November  2010  schilderte  der  Beschwerdeführer  auf  entsprechende  Fragen  hin  weitere  Einzelheiten  des  Sachverhaltes.  Ferner  gab  er  an,  kein  Bestätigungsschreiben  der  OLF  eingereicht  zu  haben,  weil  seine  Beweismittel zuhause beschlagnahmt worden seien.  A.d. Als Beweismittel  gab  der  Beschwerdeführer  ein Schulzeugnis  vom   6. September 1995 zu den Akten.  B.  Mit Verfügung vom 15. November 2010 – eröffnet am selben Tag – stellte 

D­8551/2010 das  BFM  fest,  der  Beschwerdeführer  erfülle  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht,  und  lehnte  das  Asylgesuch  ab.  Gleichzeitig  verfügte  es  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  ordnete  den  Vollzug  an.  Die  Vorinstanz begründete ihren Entscheid mit der fehlenden Glaubhaftigkeit  der  angeblichen Verfolgung. So  sei  es  ihm nicht  gelungen,  die Verhöre  während  der  angeblichen  Inhaftierung  angemessen  zu  substanziieren.  Entsprechend  habe  er  nicht  den  Eindruck  von  tatsächlich  Erlebtem  zu  vermitteln  vermocht.  Es  fehle  an  differenzierten  Darlegungen  und  Realkennzeichen.  Ferner  sei  es  in Anbetracht  der Eigengefährdung  vor  Ort  realitätsfremd,  dass  er  eine  Dankesurkunde  der  verbotenen  OLF  ausgerechnet  in  der  eigenen  Wohnung  aufbewahrt  habe.  Auch  der  Umstand,  wonach  eine Hausdurchsuchung  erst  nach  seiner  Flucht  und  nicht in unmittelbarem Zusammenhang mit der Festnahme stattgefunden  habe,  könne  nicht  nachvollzogen  werden.  Bei  tatsächlich  drohender  Verfolgung  wäre  zu  erwarten  gewesen,  dass  er  die  Entfernung  des  belastenden Materials  sofort  nach der Flucht  aus dem Spital  veranlasst  und seine Partnerin bereits bei der Razzia eine Festnahme erlitten hätte.  Schliesslich habe es der Beschwerdeführer unterlassen, eine Bestätigung  der OLF für das angeblich Vorgekommene einzureichen. Den Vollzug der  Wegweisung  nach  Äthiopien  erachtete  die  Vorinstanz  für  zulässig,  zumutbar und möglich.  C.  Mit Eingabe vom 13. Dezember 2010 beantragte der Beschwerdeführer  beim  Bundesverwaltungsgericht  die  Aufhebung  des  vorinstanzlichen  Entscheids,  die  Feststellung  seiner  Flüchtlingseigenschaft  und  die  Asylgewährung,  eventualiter  die  Feststellung  der  Unzulässigkeit  respektive Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs verbunden mit der  vorläufigen Aufnahme in der Schweiz sowie  in prozessualer Hinsicht die  unentgeltliche  Prozessführung  (Art.  65  Abs.  1  des  Verwaltungsverfahrensgesetzes  vom  20.  Dezember  1968  [VwVG,  SR 172.021])  samt  Entbindung  von  der  Vorschusspflicht.  Im  Zusammenhang mit der ihm angelasteten mangelhaften Substanziierung  machte er  geltend,  er  sei  bei  der Anhörung dazu genötigt worden,  eine  genaue  Zeitdauer  des  kürzesten  Verhörs  zu  nennen.  Für  ihn  sei  es  in  Anbetracht der erlittenen Haftumstände aber sehr schwierig gewesen, die  tatsächliche Dauer des Verhörs anzugeben. Der Polizei sei es primär um  seine  Mitgliedschaft  und  sein  Engagement  bei  der  OLF  gegangen,  weshalb  sie  die  Fragen  wiederholt  habe.  Im  Weiteren  habe  er  die  Dankesurkunde  der  OLF  zuhause  nicht  offen  herumliegen  lassen,  sondern  versteckt  gehalten.  Dass  die  Polizei  seine Wohnung  erst  nach 

D­8551/2010 der Flucht durchsucht habe, sei auch ihm nicht erklärbar. Im Weiteren sei  er  überstürzt  geflohen  und  habe  deshalb  bisher  keine  Bestätigung  der  OLF einreichen können. Er _______ werde ein Schreiben der Bewegung  nachreichen.  D.  Mit  Zwischenverfügung  vom  16.  Dezember  2010  verzichtete  das  Bundesverwaltungsgericht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  und  hiess  das  Gesuch  gemäss  Art.  65  Abs.  1  VwVG  gut.  Für  die  Nachreichung  des  in  Aussicht  gestellten  Beweismittels  wurde  Frist  angesetzt. E.  Nach  gewährter  Fristerstreckung  gab  der  Beschwerdeführer  am  11.  Februar 2011 ein Bestätigungsschreiben der OLF _______ zu den Akten.  F.  Mit  Vernehmlassung  vom  1.  März  2011  beantragte  das  BFM  die  Abweisung  der  Beschwerde.  Das  nachgereichte  Beweismittel  schildere  ausführlich  die  Situation  der  OLF  in  Äthiopien.  In  Bezug  auf  die  Leistungen des Beschwerdeführers für die Bewegung und die behauptete  Verfolgung sei es indes auffallend substanzlos. Überdies seien derartige  Bestätigungsschreiben  gegen  eine  entsprechende  Spende  wohl  auch  käuflich erwerbbar.  G.  Mit  Replik  vom  11.  März  2011  hielt  der  Beschwerdeführer  an  seinen  bisherigen Darlegungen  fest.  Die  Vorinstanz  bezweifle  die  Echtheit  des  Dokuments nicht. Darin werde  richtigerweise seine aktive Unterstützung  der OLF verbunden mit einer entsprechenden Gefährdung erwähnt. Dem  Regionalbüro der OLF in Europa sei es aber nicht möglich, seine erlittene  Haft  in  Äthiopien  zu  bestätigen.  Eine  Abklärung  vor  Ort  wäre  sehr  gefährlich  gewesen,  da  die  Kommunikationswege  behördlich  überwacht  würden. Entsprechend sei eine diesbezügliche Bestätigung unterblieben.  Im Weiteren habe das BFM seinen Verdacht, ein solches Schreiben sei  käuflich zu erwerben,  in Bezug auf das eingereichte Dokument  in keiner  Weise konkretisiert. 

D­8551/2010 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  [AsylG,  SR 142.31];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG). 1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der  Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung.  Er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG).  Auf die Beschwerde ist einzutreten.  2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  3.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat  oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des 

D­8551/2010 Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7  AsylG). 4.  4.1.  Die  Vorinstanz  hat  die  Glaubhaftigkeit  der  Kernvorbringen  des  Beschwerdeführers verneint. Diese Sichtweise vermag zu überzeugen. 4.2.  Eine  Durchsicht  der  Aussagen  des  Beschwerdeführers  ergibt  das  Bild  einer  in  wesentlichen  Punkten  konstruiert  wirkenden  Schilderung.  Einzelne  etwas  gehaltvollere  Passagen  vermögen  darüber  nicht  hinwegzutäuschen.  So  weist  das  BFM  zurecht  darauf  hin,  dass  der  Beschwerdeführer  die  angeblichen  Verhöre  während  der  Haft  nicht  angemessen  zu  substanziieren  vermochte.  Seine  Begründung  in  der  Beschwerdeschrift, die Fragen der Polizei hätten sich wiederholt, vermag  nicht zu überzeugen; vielmehr wäre auch diesfalls zu erwarten gewesen,  dass  er  besagte  Wiederholungen  anschaulich  und  mit  Realitätskennzeichen versehen zu Protokoll gegeben hätte. Dazu war er  aber  nicht  in  der  Lage  (vgl.  A  8/16  Antwort  20  und  81  ff.;  A  9/11  Antworten  36  ff.).  Ferner  mutet  seine  Schilderung  der  Flucht  aus  dem  Spital  wegen  Einschlafens  der  Bewachungsperson  ausgesprochen  stereotyp an. Nicht nachvollzogen werden kann ausserdem der Umstand,  wonach  er  ein  aus  behördlicher  Sicht  ihn  belastendes  OLF­ Dankesschreiben in der eigenen Wohnung aufbewahrt haben und dessen  Entfernung nicht unmittelbar nach der angeblichen Flucht aus dem Spital  in  die  Wege  geleitet  haben  soll.  Überdies  vermittelt  die  angebliche  behördliche Vorgehensweise  – Hausdurchsuchung  erst  nach  der  Flucht  aus  dem  Spital;  Vorladungstermin  für  die  Partnerin  des  Beschwerdeführers statt sofortiger Festnahme bei der Razzia – das Bild  einer  bloss  konstruierten  Verfolgungssituation.  Diesbezüglich  kann  auf  die  wiederum  zutreffenden  vorinstanzlichen  Erwägungen  verwiesen  werden.  Die  nicht  stichhaltigen  Beschwerdeargumente  rechtfertigen  klarerweise  keine  andere  Sichtweise.  Überdies  fällt  auf,  dass  der 

D­8551/2010 Beschwerdeführer sein angebliches Engagement  für die OLF wiederholt  ohne  Tiefgang  darlegte  und  beispielsweise  auch  erwähnte,  die  ihm  ausgestellte  Dankesurkunde  nicht  genau  angesehen  zu  haben.  Zudem  wirkt seine Begründung, weshalb er die verbotene OLF unterstützt habe,  in  ihrer  stereotypen  Kürze  in  keiner  Weise  überzeugend  (A  8/16  Antworten 24 ff. und 41 ff.). Schliesslich mag zutreffen, dass er gewisse,  wenn  auch  eher  oberflächliche  Kenntnisse  zu  Belangen  und  Personen  der  OLF  hat;  den  Wissensstand  und  das  politische  Bewusstsein  eines  tatsächlich aktiven Parteimitglieds vermochte er dadurch  jedoch nicht zu  vermitteln,  zumal  er  in  diesem Zusammenhang  als Quellen  auch Radio  und Fernsehen erwähnte (vgl. A 8/16 Antwort 68).  4.3.  Das  nachgereichte  Bestätigungsschreiben  der  OLF  rechtfertigt  offensichtlich  keine andere Einschätzung der  angeblichen Fluchtgründe.  Dazu ist festzuhalten, dass die Identität des Beschwerdeführers mangels  eines rechtsgenüglichen Belegs nach wie vor nicht feststeht. Ob sich das  Schreiben  _______  überhaupt  auf  seine  Person  bezieht,  bleibt  mithin  ungeklärt,  was  seinen  Beweiswert  bereits  erheblich  beeinträchtigt.  Die  Vorinstanz erwägt   im Übrigen zu Recht, dass das Schreiben im Hinblick  auf  die  Leistungen  des  Beschwerdeführers  für  die  OLF  und  die  angebliche Verfolgung  ausgesprochen  substanzlos  ausgefallen  ist.  Sein  Einwand,  die  von  ihm  konkret  erlittene  Verfolgung  könne  wegen  der  Gefährlichkeit  von Abklärungen  vor Ort  nicht  bestätigt werden, wirkt  als  blosse  Schutzbehauptung  wenig  überzeugend.  Das  Dokument  ist  jedenfalls  nicht  geeignet,  die  angebliche  OLF­Mitgliedschaft  des  Beschwerdeführers  und  die  angebliche  Haft  vor  der  Ausreise  als  glaubhaft  erscheinen  zu  lassen.  Anzufügen  ist  sodann,  dass  auch  die  geltend gemachte Zugehörigkeit zur Ethnie der Oromo trotz (ethnischen)  Spannungen  vor Ort  für  sich  allein  besehen  nicht  zur  Anerkennung  als  Flüchtling  führen  kann  (zur  aktuellen,  für  Oppositionelle  angespannten  Lage  in Äthiopien  vgl.  u.a.  das Urteil E­7622/2006 Ziff.  6.2.2  f.  vom 16.  März 2011).  4.4.  Unter  Berücksichtigung  der  gesamten  Umstände  folgt,  dass  der  Beschwerdeführer  keine  Gründe  nach  Art.  3  AsylG  nachweisen  oder  glaubhaft  machen  konnte.  Es  erübrigt  sich,  auf  weitere  Beschwerdevorbringen und die Beweismittel detaillierter einzugehen. Die  Vorinstanz  hat  die  Flüchtlingseigenschaft  zu  Recht  verneint  und  das  Asylgesuch abgelehnt. 5. 

D­8551/2010 5.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit  der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 5.2. Der Beschwerdeführer  verfügt weder  über  eine  ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44  Abs. 1  AsylG;  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission [EMARK] 2001 Nr. 21). 6.  6.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder  nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG,  SR 142.20]). Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt  gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  seiner  Vorgängerorganisation  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte  Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl.  WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser  [Hrsg.],  Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148). 6.2. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen  der  Schweiz  einer Weiterreise  der  Ausländerin  oder  des  Ausländers  in  den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat  entgegenstehen  (Art.  83  Abs. 3 AuG). So  darf  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus  einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom  28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101),  Art. 3  des  Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere 

D­8551/2010 grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art. 3  der  Konvention  vom  4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten  (EMRK,  SR 0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  unmenschlicher  oder  erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 6.3.  Die  Vorinstanz  wies  in  ihrer  angefochtenen  Verfügung  zutreffend  darauf hin, dass das Prinzip des  flüchtlingsrechtlichen Non­Refoulement  nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem  Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der  in Art. 5  AsylG  verankerte  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  finden.  Eine  Rückkehr  des  Beschwerdeführers  in  den  Heimatstaat  ist  demnach  unter  dem  Aspekt  von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers  noch  aus  den  Akten  Anhaltspunkte  dafür,  dass  er  für  den  Fall  einer  Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit  einer  nach  Art. 3  EMRK  oder  Art. 1  FoK  verbotenen  Strafe  oder  Behandlung  ausgesetzt  wäre.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen  Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN­Anti­ Folterausschusses  müsste  der  Beschwerdeführer  eine  konkrete  Gefahr  ("real  risk")  nachweisen  oder  glaubhaft machen,  dass  ihm  im Fall  einer  Rückschiebung  Folter  oder  unmenschliche  Behandlung  drohen  würde  (vgl.  EGMR  [Grosse  Kammer],  Saadi  gegen  Italien,  Urteil  vom  28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 – 127, mit weiteren  Hinweisen).  Dies  ist  ihm  unter  Hinweis  auf  obenstehende  Erwägungen  nicht  gelungen.  Auch  die  allgemeine  Menschenrechtssituation  im  Heimatstaat lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht  als generell  unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten  ist  der Vollzug  der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl­ als auch der völkerrechtlichen  Bestimmungen zulässig. 6.4.    Gemäss  Art. 83  Abs. 4  AuG  kann  der  Vollzug  für  Ausländerinnen  und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von  Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren.

D­8551/2010 6.5. Auch wenn in Äthiopien gewisse Probleme anzutreffen sind, herrscht  zurzeit  keine  landesweite  Situation  allgemeiner  Gewalt,  weshalb  in  konstanter  Praxis  von  der  generellen  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs in dieses Land ausgegangen wird. In den Akten finden sich auch keine konkreten Anhaltspunkte dafür, dass  der Beschwerdeführer aus individuellen Gründen wirtschaftlicher, sozialer  oder gesundheitlicher Natur in eine existenzbedrohende Situation geraten  würde.  Es  ist  davon  auszugehen,  dass  für  ihn  vor  Ort  nach  wie  vor  soziale  Anknüpfungspunkte  bestehen.  Im Weiteren  hat  er  Elektriker  als  Beruf angegeben; gearbeitet habe er unter anderem als Landwirt auf dem  Land  seines  Vaters  im  Herkunftsort.  Ausserdem  verfügt  er  über  Kenntnisse mehrerer Sprachen und eine langjährige Schulbildung (A 1/12  S. 1 ff.;      A 9/11 Antwort 77).  Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als  zumutbar. 6.6.  Schliesslich  obliegt  es  dem  Beschwerdeführer,  sich  bei  der  zuständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr  notwendigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  (vgl.  Art. 8  Abs. 4  AsylG  und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), weshalb der Vollzug  der  Wegweisung  auch  als  möglich  zu  bezeichnen  ist  (Art. 83  Abs. 2  AuG). 6.7. Zusammenfassend  hat  die  Vorinstanz  den Wegweisungsvollzug  zu  Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten  fällt  eine  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  ausser  Betracht  (Art. 83  Abs. 1 – 4 AuG). 7.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die  Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 8.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  wären  die  Kosten  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  VwVG;  Art.  1  –  3  des  Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2]).  Da  er  gemäss Aktenlage nach wie  vor bedürftig  ist  und das Gesuch  im Sinne 

D­8551/2010 von  Art.  65  Abs.  1  VwVG  mit  Zwischenverfügung  vom  16.  Dezember  2010 gutgeheissen wurde, ist von einer Kostenauflage abzusehen.  (Dispositiv nächste Seite)

D­8551/2010 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Nina Spälti Giannakitsas Patrick Weber Versand:

D-8551/2010 — Bundesverwaltungsgericht 30.01.2012 D-8551/2010 — Swissrulings