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Bundesverwaltungsgericht 25.08.2011 D-8151/2010

August 25, 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,822 words·~14 min·1

Summary

Asyl und Wegweisung | Flüchtlingseigenschaft und vorläufige Aufnahme; Verfügung des BFM vom 21. Oktober 2010

Full text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­8151/2010 Urteil   v om   2 5 .   Augus t   2011 Besetzung Richter Robert Galliker (Vorsitz), Richter Bruno Huber, Richter Hans Schürch; Gerichtsschreiber Matthias Jaggi. Parteien A._______, geboren (…), alias B._______, geboren (…), alias C._______, geboren (…), Äthiopien,   vertreten durch Daniel Habte, (…), Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), vormals  Bundesamt für Flüchtlinge (BFF), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Flüchtlingseigenschaft und vorläufige Aufnahme;  Verfügung des BFM vom 21. Oktober 2010 / N (…).

D­8151/2010 Sachverhalt: A.  A.a  Der  Beschwerdeführer  stellte  am  2.  Dezember  2003  unter  der  Identität  B._______  ein  erstes  Asylgesuch  in  der  Schweiz.  Zur  Begründung dieses Gesuchs machte er  im Wesentlichen geltend, er sei  zusammen  mit  anderen  verdächtigt  worden,  Waffen  an  die  "Oromo  Liberation  Front"  (ONEG/OLF)  zu  liefern,  weshalb  er  von  Soldaten  gesucht worden sei. Deswegen habe er sein Heimatland verlassen.  A.b Mit Verfügung vom 16. April 2004 wies das BFF das Asylgesuch des  Beschwerdeführers  ab,  verfügte  gleichzeitig  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz und ordnete den Vollzug an. Mit Urteil der vormals zuständigen  Schweizerischen Asylrekurskommission  (ARK)  vom  4.  Juni  2004 wurde  auf die gegen diese Verfügung erhobene Beschwerde wegen Nichtleisten  des  eingeforderten  Kostenvorschusses  nicht  eingetreten.  Für  den  detaillierten  Inhalt  des  ersten  Asylverfahrens  wird  auf  die  Akten  verwiesen.  B.  Mit Schreiben vom 20. Dezember 2006 an das BFM (Eingang BFM: 27.  Dezember  2006)  liess  der  Beschwerdeführer  in  einer  als  "Wiedererwägungsgesuch,  eventualiter  2.  Asylgesuch"  bezeichneten  Eingabe  durch  seinen  Rechtsvertreter  beantragen,  es  sei  wiedererwägungsweise  festzustellen,  dass  er  die  Flüchtlingseigenschaft  erfülle,  und  es  sei  ihm  Asyl  zu  gewähren.  Eventualiter  sei  wiedererwägungsweise  das  Vorliegen  subjektiver  Nachfluchtgründe  im  Sinne  von  Art.  54  des  Asylgesetzes  vom  26.  Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  festzustellen  und  es  sei  ihm  die  vorläufige  Aufnahme  als  Flüchtling  zu  gewähren.  Subeventualiter  sei  wiedererwägungsweise  die  Unzulässigkeit,  Unzumutbarkeit  und  Unmöglichkeit  des  Vollzugs  der  Wegweisung  festzustellen  und  es  sei  ihm  als  Folge  davon  von  Amtes  wegen  die  vorläufige  Aufnahme  zu  gewähren.  Zudem  sei  dem  vorliegenden Gesuch die aufschiebende Wirkung zu erteilen. Im Weiteren  sei  der  Vollzug  der  Wegweisung  und  die  Durchführung  von  Vorbereitungshandlungen  im  Sinne  einer  vorsorglichen  Massnahme  zu  sistieren,  bis  über  die  aufschiebende  Wirkung  dieses  Gesuchs  entschieden sei. Zur  Begründung  des  Gesuchs  wurde  vom  Beschwerdeführer  im  Wesentlichen ausgeführt, er habe  leider sein  (erstes) Asylgesuch  in der  Schweiz unter einer  falschen  Identität gestellt. Er stamme aus Äthiopien 

D­8151/2010 und heisse mit richtigem Namen D._______. Er habe vor seiner Ankunft  in  der  Schweiz  in  Äthiopien  im  Handels­  und  Industrieministerium  eine  hochrangige Position innegehabt. Dort sei er von zwei Mitarbeitern immer  wieder  aufgefordert  worden, Mitglied  der  "Äthiopischen Demokratischen  Volksfront",  Ethiopian  People  Revolutionary  Democratic  Front  (EPRDF)  zu werden. Er habe sich jedoch immer geweigert und geltend gemacht, er  wolle neutral bleiben. Er sei aber weiter gedrängt worden und man habe  den  Druck  auf  ihn  erhöht.  Im  Juni  2003  hätten  ihm  zwei  hochrangige  Parteimitglieder  der  EPRDF  klar  und  unmissverständlich  zu  verstehen  gegeben,  dass  er  seinen  Arbeitsplatz  verlieren  würde  und mit  weiteren  Konsequenzen zu rechnen habe, wenn er nicht auf ihr Angebot einginge.  Da  er  einerseits  Angst  gehabt  habe,  seinen  Arbeitsplatz  zu  verlieren,  andererseits  um  sein  weiteres  Wohlergehen  gefürchtet  habe,  habe  er  schliesslich  eingewilligt,  Parteimitglied  zu werden.  Schon  im September  2003 sei er aufgrund seiner herausragenden Arbeitsleistungen zum (…)  der  "(…)"  befördert  worden.  Kurze  Zeit  zuvor  habe  er  beim  Vizepräsidenten des Handels­  und  Industrieministeriums ein Gesuch  für  die  Teilnahme  an  einem Weiterbildungskurs  in  E._______  gestellt,  das  ihm nach anfänglicher Verweigerung bewilligt worden sei. Daher sei er in  der Folge nach E._______ gereist, wo er vom 19. bis 28. November 2003  den Weiterbildungskurs besucht habe. Nach Abschluss des Kurses habe  er  aus  Angst  vor  weiteren  Repressalien  nicht  mehr  nach  Äthiopien  zurückkehren  wollen.  Aus  Furcht  vor  Sanktionen  im  In­  und  Ausland  wegen  seiner  Funktion  als  Kadermitarbeiter  im  genannten  Ministerium  und dem damit einhergehenden hohen Bekanntheitsgrad habe er am 2.  Dezember  2003  ein  Asylgesuch  unter  Angabe  einer  falschen  Identität  gestellt.  Zudem  hätten  sich  seit  dem  Abschluss  seines  ersten  Asylverfahrens  neue  Tatsachen  ergeben  beziehungsweise  hätten  Ereignisse  stattgefunden,  welche  geeignet  seien,  seine  Flüchtlingseigenschaft  aufgrund  subjektiver  Nachfluchtgründe  herbeizuführen.  Er  sei  seit  dem  29.  April  2006  ein  sehr  aktives  und  exponiertes  Mitglied  der  CUDP/KINIJIT  (Coalition  for  Unity  and  Democracy  Party).  Er  beteilige  sich regelmässig an Protestaktionen, Demonstrationen und Konferenzen  dieser  Partei,  was  ihm  zahlreiche  Drohungen  von  offensichtlich  regierungsfreundlichen äthiopischen Bürgern  in der Schweiz eingebracht  habe.  Massiv  bedroht  worden  sei  er  auch  von  in  der  Schweiz  operierenden mutmasslichen Geheimdienstmitarbeitern des äthiopischen  Regimes. Ausserdem habe die äthiopische Regierung am 31.  Juli  2006  eine  Weisung  erlassen,  welche  ihre  Auslandvertretungen  auffordere, 

D­8151/2010 Informationen über extreme Elemente im Ausland zu sammeln. Es könne  somit  kein  Zweifel  daran  bestehen,  dass  die  äthiopischen  Behörden  Kenntnis von seinen exilpolitischen Aktivitäten erlangt und diese bei einer  Rückkehr nach Äthiopien politische Verfolgung zur Folge hätten. Zudem  habe er sich  in zwei Petitionslisten, die die Politik Äthiopiens kritisierten,  eingetragen.  Auch  damit  habe  er  sich  exponiert,  was  im  Falle  einer  Rückkehr  nach  Äthiopien  entsprechende  Sanktionen  mit  sich  ziehe,  zumal  er  als  Landesverräter  gelte.  Aus  allen  diesen  Aktivitäten  gehe  hervor,  dass  er  über  ein  aussergewöhnliches  politisches  Profil  verfüge,  zumal er als Kommunikator, Teilnehmer und Schreibender äusserst aktiv  gewesen  sei.  Es  könne  davon  ausgegangen  werden,  dass  seine  Anwesenheit  in  der  Schweiz  und  seine  exilpolitischen Aktivitäten  in  der  Schweiz operierenden Spitzeln des äthiopischen Regimes bekannt seien  und  bei  einer  Rückkehr  nach  Äthiopien  politische  Verfolgung  zur  Folge  hätten.  Unabhängig  von  seinen  exilpolitischen  Aktivitäten  gelte  er  aufgrund  seiner  Kaderposition  in  Äthiopien  vor  seiner  Ausreise  in  die  Schweiz  ohnehin  als  Landesverräter,  was  für  ihn  bei  einer  Rückkehr  drastische Konsequenzen hätte. Zur  Untermauerung  seiner  Vorbringen  reichte  der  Beschwerdeführer  unter  anderem  eine  Arbeits­Identitätskarte  des  Handels­  und  Industrieministeriums,  ein  Schreiben  des  Handels­  und  Industrieministeriums  an  die  Schweizer  Botschaft  in  Addis  Abeba  (in  Kopie),  einen  Telefax  (in  Kopie),  ein  Abschlussdiplom  der  Universität  Addis Abeba, ein in englischer Sprache verfasstes Bestätigungsschreiben  der  CUDP/KINIJIT  vom  20.  September  2006,  ein  fremdsprachiges  Rundschreiben des äthiopischen Aussenministeriums vom 31. Juli  2006  (in  Kopie,  inklusive  englischer  Übersetzung),  mehrere  Berichte  über  Äthiopien,  Internetauszüge  von  zwei  Petitionen,  ein  Farbfoto  sowie  sieben Kopien von Farbfotos ein. C.  Die  Vorinstanz  nahm  die  Eingabe  des  Beschwerdeführers  vom  20.  Dezember 2006 als zweites Asylgesuch entgegen. Am 21. Januar 2009  erfolgte  die  Anhörung  gemäss  Art.  29  Abs.  1  AsylG  durch  das  BFM.  Dabei  wiederholte  der  Beschwerdeführer  im  Wesentlichen  die  Vorbringen,  welche  er  bereits  in  der  Eingabe  vom  20.  Dezember  2006  vorgebracht  hatte.  In  Ergänzung  dazu machte  er  geltend,  dass  er  eine  Woche  zuvor  an  einer  Kundgebung  in  E._______  teilgenommen  habe  und  sie  in  F._______  einen  Candlelight­Tag  durchgeführt  hätten.  Die 

D­8151/2010 CUDP/KINIJIT  habe  er  auch  finanziell  unterstützt,  insbesondere  durch  Bezahlung der Mitgliederbeiträge. D.  Mit Verfügung vom 21. Oktober 2010 – eröffnet am 27. Oktober 2010 –  stellte  das  BFM  fest,  der  Beschwerdeführer  erfülle  die  Flüchtlingseigenschaft nicht, und  lehnte das Asylgesuch ab. Gleichzeitig  verfügte es die Wegweisung aus der Schweiz und deren Vollzug. Zur Begründung führte das Bundesamt im Wesentlichen aus, der auf den  Beschwerdeführer  ausgeübte  Druck,  in  die  Regierungspartei  EPRDF  einzutreten,  um  beruflich  nicht  benachteiligt  zu  werden,  sei  gemäss  ständiger  Praxis  der  schweizerischen  Asylbehörden  asylrechtlich  nicht  relevant.  Die  angedrohten  Beeinträchtigungen  im  Berufsleben  stellten  keine  derart  intensiven  Massnahmen  dar,  dass  sie  dem  Beschwerdeführer  eine  menschenwürdige  Existenz  verunmöglicht  oder  unzumutbar  erschwert  hätten.  Eine  Zwangslage  habe  somit  für  den  Beschwerdeführer  nicht  vorgelegen.  Er  habe  sein  erstes  Asylgesuch  unter Verwendung falscher Personalien gestellt, was für sich allein schon  mit dem Stellen eines Asylgesuches unvereinbar sei. Unabhängig davon  gebe  es  auch  aufgrund  der  Aktenlage  keine  Anhaltspunkte  dafür,  dass  der  Beschwerdeführer  im  Zeitpunkt  seiner  Ausreise  asylrelevante  Nachteile erlitten habe respektive ihm solche gedroht hätten.  Der Beschwerdeführer mache geltend, er sei in der Schweiz Mitglied der  CUDP/KINIJIT  geworden,  habe  diese  Partei  finanziell  unterstützt  und  nehme an Aktionen  teil. Zudem habe er zwei Petitionen, die gegen den  äthiopischen Staat gerichtet seien, unterzeichnet. Dazu sei einleitend zu  bemerken,  dass  der  Beschwerdeführer  keine  politisch  motivierte  Verfolgung  durch  die  äthiopischen  Behörden  habe  glaubhaft  machen  können.  Es  bestehe  somit  kein  Grund  zur  Annahme,  er  sei  vor  dem  Verlassen  des  Heimatstaates  als  regimefeindliche  Person  ins  Blickfeld  der  äthiopischen  Behörden  geraten  oder  in  irgendeiner  Form  als  Regimegegner oder politischer Aktivist registriert worden. Demzufolge sei  auch  nicht  davon  auszugehen,  dass  er  nach  seiner  Ankunft  in  der  Schweiz unter spezieller Beobachtung seitens der äthiopischen Behörden  gestanden sei,  zumal er hier unter  falschen Personalien  in Erscheinung  getreten  sei.  Überdies  könnten  den  Akten  keine  Hinweise  darauf  entnommen  werden,  dass  die  äthiopischen  Behörden  von  der  Mitgliedschaft des Beschwerdeführers bei der   CUDP/KINIJIT überhaupt  Kenntnis genommen oder gar gestützt darauf irgendwelche Massnahmen 

D­8151/2010 zum  Nachteil  seiner  Person  eingeleitet  hätten.  Zwar  habe  sich  der  Beschwerdeführer  –  wie  viele  seiner  Landsleute  –  erwiesenermassen  exilpolitisch betätigt. Jedoch würden allein in der Schweiz innert weniger  Monate viele exilpolitische Anlässe stattfinden, von denen anschliessend  oftmals  gestellte  Gruppenaufnahmen  von  nicht  selten  Hunderten  von  Teilnehmern  in  einschlägigen  Medien  publiziert  würden.  Vor  diesem  Hintergrund  erscheine  es  aber  unwahrscheinlich,  dass  die  äthiopischen  Behörden allen diesen Gesichtern konkrete Namen zuordnen könnten. Im  vom  Beschwerdeführer  eingereichten  Rundschreiben  des  äthiopischen  Aussenministeriums  vom  31.  Juli  2006  und  den  darin  erwähnten  Richtlinien  würden  die  Auslandvertretungen  nicht  dazu  aufgerufen,  systematisch gegen die grosse Masse von exilpolitisch aktiven Personen  vorzugehen und entsprechende Informationen zu sammeln, zumal in den  Richtlinien  zwischen  Extremisten  und  gemässigten  Personen  unterschieden  werde.  Die  äthiopischen  Behörden  hätten  nur  dann  ein  Interesse an der Identifizierung einer Person, wenn deren Aktivitäten als  konkrete Bedrohung  für  das  politische System wahrgenommen würden.  Vorliegend  bestünden  keine  Anhaltspunkte  für  die  Annahme,  dass  sich  der Beschwerdeführer  in dieser besonderen Art  und Weise betätigt  und  exponiert habe. Er gehöre mit Sicherheit nicht zur Zielgruppe des "harten  Kerns" von aktiven oppositionellen Äthiopiern im Ausland, für die sich die  äthiopischen  Behörden  gemäss  den  erwähnten  Dokumenten  interessieren  würden.  An  dieser  Einschätzung  vermöge  auch  die  Tatsache  nichts  zu  ändern,  dass  der  Beschwerdeführer  unter  seinem  richtigen Namen zwei Petitionen unterzeichnet habe, die sich gegen die  äthiopische  Regierung  gerichtet  hätten.  Beim  Hinweis  im  schriftlichen  Asylgesuch,  wonach  das  äthiopische  Regime  den  Beschwerdeführer  in  der Schweiz aufgespürt habe und er von mutmasslichen, in der Schweiz  operierenden  Geheimdienstmitarbeitern  des  äthiopischen  Regimes  bedroht  worden  sei,  handle  es  sich  um  eine  nicht  belegte  pauschale  Behauptung.  Zusammenfassend  sei  festzustellen,  dass  die  im  zweiten  Asylgesuch neu geltend gemachten Asylgründe sowie die vorgebrachten  subjektiven  Nachfluchtgründe  den  Anforderungen  an  die  Flüchtlingseigenschaft  gemäss  Art.  3  AsylG  nicht  standhielten,  weshalb  der  Beschwerdeführer  nicht  als  Flüchtling  anerkannt  werden  könne.  Überdies  sei  der  Vollzug  der  Wegweisung  als  zulässig,  zumutbar  und  möglich  zu  bezeichnen.  Für  die  weitere  Begründung  wird  auf  die  vorinstanzliche Verfügung verwiesen. E.  Der  Beschwerdeführer  liess  durch  seinen  Rechtsvertreter  mit  Eingabe 

D­8151/2010 vom  19.  November  2010  (Poststempel:  21.  November  2010)  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  einreichen  und  beantragen,  es  sei  seine  Flüchtlingseigenschaft  festzustellen;  eventualiter  sei  die  Unzulässigkeit,  Unzumutbarkeit  und  Unmöglichkeit  des  Vollzugs  der  Wegweisung  festzustellen.  In  prozessualer  Hinsicht  ersuchte  er  um  Bewilligung  der  unentgeltlichen Rechtspflege  sowie  um Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses.  Auf  die  Begründung  der  Beschwerde  wird  –  soweit  wesentlich  –  in  den  nachfolgenden  Erwägungen eingegangen.  Der  Rechtsmittelschrift  lag  die  Kopie  des  bereits  früher  eingereichten  Schreiben  des  Handels­  und  Industrieministeriums  an  die  Schweizer  Botschaft in Addis Abeba sowie eine Lohnabrechnung bei.  F.  Mit  Zwischenverfügung  des  Instruktionsrichters  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom  29.  November  2010  wurde  dem  Beschwerdeführer mitgeteilt, dass er den Ausgang des Verfahrens in der  Schweiz  abwarten  könne.  Gleichzeitig  wies  der  Instruktionsrichter  die  Gesuche  um Gewährung  der  unentgeltlichen Rechtspflege  gemäss  Art.  65  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom  20.  Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021)  und  um  Erlass  des  Kostenvorschusses  ab  und  verfügte,  dass  der  Beschwerdeführer  einen  Kostenvorschuss von Fr. 600.­­ bis zum 13. Dezember 2010 zu bezahlen  habe.  Der  Kostenvorschuss  ging  am  5.  Dezember  2010  bei  der  Gerichtkasse ein.  Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen 

D­8151/2010 eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]). 1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG). 1.3. Die Beschwerde ist frist­ und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 1  AsylG,  Art.  105  AsylG  i.V.m.  Art.  37  VGG  und  Art.  52  VwVG).  Der  Beschwerdeführer  ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise Änderung; er ist daher zur Einreichung der Beschwerde  legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG).  Auf die Beschwerde ist somit einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  Die  Abteilungen  des  Bundesverwaltungsgerichts  entscheiden  in  der  Regel  in  der  Besetzung  mit  drei  Richtern  oder  Richterinnen  (Spruchkörper; vgl. Art. 21 Abs. 1 VGG). Das Bundesverwaltungsgericht  kann  auch  in  solchen  Fällen  auf  die  Durchführung  eines  Schriftenwechsels verzichten (Art. 111a Abs. 1 AsylG). 4.  4.1.  Gemäss  Art.  2  Abs.  1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Als  Flüchtling  wird  eine  ausländische  Person  anerkannt,  wenn  sie  in  ihrem  Heimatstaat  oder  im  Land,  in  dem  sie  zuletzt  wohnte,  wegen  ihrer Rasse, Religion, Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen  ihrer  politischen  Anschauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete  Furcht  hat,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden.  Als  ernsthafte  Nachteile  gelten  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder  Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck  bewirken (Art. 3 AsylG).

D­8151/2010 Nach  Lehre  und  Rechtsprechung  erfüllt  eine  asylsuchende  Person  die  Flüchtlingseigenschaft, wenn sie Nachteile von bestimmter  Intensität mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  und  in  absehbarer  Zukunft  begründeterweise  befürchten  muss,  welche  ihr  gezielt  und  aufgrund  bestimmter Verfolgungsmotive zugefügt zu werden drohen und vor denen  sie  keinen  ausreichenden  staatlichen Schutz  erwarten  kann  (vgl.  BVGE  2007/31 E. 5.2 f. S. 379; BVGE 2008/4 E. 5.2 S. 37 f.). Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen,  die  in  wesentlichen  Punkten  zu  wenig  begründet  oder  in  sich  widersprüchlich  sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte  oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4.2.  Mit  der  Vorinstanz  ist  festzuhalten,  dass  der  auf  den  Beschwerdeführer  ausgeübte  Druck,  in  die  Regierungspartei  EPRDF  einzutreten, um beruflich nicht benachteiligt zu werden, asylrechtlich nicht  von  Belang  ist  (vgl.  zum  Zusammenhang  zwischen  Intensität  der  Verfolgung  und  Flüchtlingsanerkennung  WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi/Yar/ Geiser  [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel  2009, Rz. 11.14  f.;  hiezu auch Urteil  des Bundesverwaltungsgerichts E­ 5705/2006  vom  23.  November  2009).  Die  dem  Beschwerdeführer  von  zwei  hochrangigen  Parteimitgliedern  der  EPRDF  angedrohten  Beeinträchtigungen  im Berufsleben beziehungsweise die Druckversuche  von  zwei  Mitarbeitern  des  Handels­  und  Industrieministeriums  stellen  keine  derart  intensiven  Massnahmen  dar,  die  dem  Beschwerdeführer  eine  menschenunwürdige  Existenz  in  Äthiopien  verunmöglicht  oder  unzumutbar erschwert hätten.  4.3.  Zusammenfassend  ist  deshalb  festzuhalten,  dass  es  dem  Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  nachzuweisen  oder  glaubhaft  zu  machen, dass er sich im Zeitpunkt seiner Ausreise aus Äthiopien in einer  asylrelevanten  Verfolgungsgefahr  befand  oder  eine  solche  unmittelbar  drohte.  5.  5.1.  Im  (zweiten)  Asylgesuch  vom  20.  Dezember  2006  sowie  in  der  Rechtsmittelschrift  machte  der  Beschwerdeführer  geltend,  er  habe  sich 

D­8151/2010 auch in exilpolitischer Hinsicht in der Schweiz exponiert, weshalb er sich  zusätzlich auf subjektive Nachfluchtgründe berufe.  5.2. Wer sich darauf beruft, dass durch sein Verhalten nach der Ausreise  aus  dem  Heimat­  oder  Herkunftsland  eine  Gefährdungssituation  erst  geschaffen  worden  ist, macht  subjektive  Nachfluchtgründe  geltend  (Art.  54  AsylG).  Subjektive  Nachfluchtgründe  begründen  zwar  die  Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, führen jedoch nach Art.  54  AsylG  zum  Ausschluss  des  Asyls,  unabhängig  davon,  ob  sie  missbräuchlich  oder  nicht  missbräuchlich  gesetzt  wurden.  Das  vom  Gesetzgeber  vorgesehene  Konzept,  wonach  das  Vorliegen  von  subjektiven  Nachfluchtgründen  die  Gewährung  von  Asyl  ausschliesst,  verbietet  das  Addieren  solcher  Gründe  mit  Nachfluchtgründen,  welche  vor  der Ausreise aus dem Heimat­  oder Herkunftsstaat  entstanden  sind  und die für sich allein nicht zur Bejahung der Flüchtlingseigenschaft und  zur  Asylgewährung  ausreichen  (vgl.  BVGE  2009/28  E.  7.1  S.  352  und  BVGE 2009/29 E. 5.1 S. 376 mit weiteren Hinweisen). 5.3.  Zunächst  ist  festzuhalten,  dass  von  der  Vorinstanz  nicht  bestritten  wird, dass sich der Beschwerdeführer in der Schweiz exilpolitisch betätigt  hat.  Exilpolitische  Aktivitäten  können  jedoch  nur  dann  im  Sinne  von  subjektiven  Nachfluchtgründen  zur  Flüchtlingseigenschaft  führen,  wenn  zumindest glaubhaft gemacht wird, dass  im Falle einer Rückkehr  infolge  der  Exilaktivität  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  mit  politischer  Verfolgung zu  rechnen wäre. Nachfolgend  ist daher zu prüfen, ob diese  Voraussetzung im Fall des Beschwerdeführers erfüllt ist. 5.4.  Gemäss  Erkenntnissen  des  Bundesverwaltungsgerichts  (vgl.  etwa  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  D­5036/2009  vom  11.  Oktober  2010  und  E­4290/2008  vom  3.  September  2010)  ist  zwar  davon  auszugehen,  dass  die  äthiopischen  Sicherheitsbehörden  die  Aktivitäten  der  Exilgemeinschaften  im  Rahmen  ihrer  (beschränkten)  Möglichkeiten  überwachen  und  mittels  elektronischer  Datenbanken  registrieren.  Unter  diesen  Umständen  ist  es  wahrscheinlich,  dass  im  Ausland  agierende  Personen, welche erkennbar in der CUDP/KINIJIT respektive in anderen  im Ausland tätigen oppositionellen Organisationen aktiv waren oder auch  nur mit ihr sympathisierten, individuell identifiziert werden könnten und im  Falle  einer  Zwangsrückschaffung  dem  äthiopischen  Sicherheitsdienst  bereits  am  Flughafen  bekannt  würden.  Demnach  dürfte  davon  auszugehen  sein,  dass  die  äthiopischen  Sicherheitsorgane  eine  zwangsweise  aus  dem  Ausland  zurückgeführte  Person,  die  Anhänger 

D­8151/2010 oder Mitglied einer regimekritischen Organisation war oder noch ist, nach  wie  vor  als  zu  verfolgenden  Gegner  der  Regierung  ansehen  würden,  solange  von  dieser  Person  vor  ihrer  Ausreise  aus  dem  jeweiligen  Gastland kein eindeutiges Bekenntnis zur verfassungsmässigen Ordnung  Äthiopiens  und  eine  klare  Abkehr  von  den  bisherigen  Aktivitäten  dieser  regimekritischen  Organisationen  vorliegt.  Angesichts  der  beschränkten  Ressourcen  des  äthiopischen  Nachrichtendienstes  stellt  sich  die  Frage  nach  der  Wahrscheinlichkeit  und  dem  Ausmass  einer  allfälligen  Überwachung  in  der  Schweiz,  welche  indessen  in  casu  offenbleiben  kann.  Von  Bedeutung  ist  vorliegend  dagegen  die  tatsächliche  Erkennbarkeit  der  behaupteten  exilpolitischen  Tätigkeit,  die  Individualisierbarkeit  des  Beschwerdeführers  und  dessen  konkrete  exilpolitische  Tätigkeit  (vgl.  im  Sinne  von  Beispielen  die  vorgenannten  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts).  Die  äthiopischen  Behörden  haben nur dann ein  Interesse an der  Identifizierung einer Person, wenn  deren  Aktivitäten  als  konkrete  Bedrohung  für  das  politische  System  wahrgenommen werden. 5.5. Diesbezüglich ist vorab festzustellen, dass es dem Beschwerdeführer  weder  im  ersten  noch  im  zweiten  Asylverfahren  gelungen  ist,  eine  politisch  motivierte  asylrelevante  Verfolgung  im  Heimatland  darzutun,  weshalb  auch  nicht  davon  auszugehen  ist,  dass  er  vor  seiner  Ausreise  aus  Äthiopien  im  Visier  der  heimatlichen  Behörden  stand  oder  gar  als  Regimegegner oder politischer Aktivist registriert war.  5.6. Aus den Akten geht hervor, dass der Beschwerdeführer Mitglied der  CUDP/KINIJT ist, an Konferenzen dieser Partei teilgenommen und sich in  der  Schweiz  an  diversen  Protestkundgebungen  respektive  Demonstrationen  gegen  die  äthiopische Regierung  beteiligt  hat.  Zudem  hat  er  sich  in  zwei  Petitionslisten,  die  die  Politik  Äthiopiens  kritisierten,  eingetragen.  Dennoch  ist  ein  exponierter  exilpolitischer  Einsatz  des  Beschwerdeführers, der ihn ins Zentrum des Interesses des äthiopischen  Nachrichtendienstes  rücken  könnte,  zu  verneinen.  In  diesem  Zusammenhang  ist  festzuhalten,  dass  bei  behaupteten  subjektiven  Nachfluchtgründen  in der Regel ein strikter Beweis möglich und deshalb  auch erforderlich ist (vgl. STÖCKLI a.a.O. Rz. 11.148). Das BFM führt denn  in  der  angefochtenen  Verfügung  auch  zu  Recht  aus,  dass  die  äthiopischen Behörden nur dann ein Interesse an der Identifizierung einer  Person  haben,  wenn  deren  Aktivitäten  als  konkrete  Bedrohung  für  das  politische  System  wahrgenommen  werden.  Für  die  Annahme,  der  Beschwerdeführer habe sich in dieser besonderen Art und Weise betätigt, 

D­8151/2010 bestünden  keine  Anhaltspunkte.  Er  gehöre  mit  Sicherheit  nicht  zur  Zielgruppe des  "harten Kerns"  von aktiven oppositionellen Äthiopiern  im  Ausland,  für  die  sich  die  äthiopischen  Behörden  interessierten.  Dieser  Beurteilung  schliesst  sich  das Bundesverwaltungsgericht  an. Vorliegend  ist zudem – entgegen der Behauptung im Asylgesuch vom 20. Dezember  2006  –  darauf  zu  schliessen,  dass  sich  die  bisherigen  exilpolitischen  Aktivitäten  des  Beschwerdeführers  lediglich  in  wenig  exponierten  Tätigkeiten  erschöpft  haben  (Bezahlung  des  Mitgliederbeitrages  beziehungsweise  Teilnahme  an  Versammlungen,  Demonstrationen  und  Kundgebungen  der  CUDP/KINIJT).  Da  der  Beschwerdeführer  gemäss  eigenen  Angaben  lediglich  ein  gewöhnliches Mitglied  der  CUDP/KINIJT  ist (vgl. Akten BFM 6/11, S. 6 f.), betätigt er sich nicht in einer hohen und  in  der  Öffentlichkeit  exponierten  Kaderstelle,  weshalb  die  äthiopischen  Behörden auch aus diesem Grund  in  ihm nicht einen ernsthaften und  in  seinem  Wirkungsgrad  gefährlichen  Regimegegner  sehen  dürften.  Vor  diesem  Hintergrund  lässt  die  im  vorliegenden  Verfahren  durch  die  weiteren Beweismittel dokumentierte Beteiligung des Beschwerdeführers  an exilpolitischen Aktivitäten –  sei  es als Teilnehmer an Kundgebungen  und  Versammlungen  oder  als  Unterzeichner  von  Petitionen  –  von  vornherein  nicht  das  Gefährdungspotenzial  ersehen,  welches  der  Beschwerdeführer daraus zu ziehen versucht. Entgegen der Behauptung  in der Rechtsmittelschrift ist demnach nicht davon auszugehen, dass der  Beschwerdeführer  bei  einer  Rückkehr  in  sein  Heimatland  eine  asylrechtlich  relevante  Gefährdung  zu  befürchten  hat.  An  dieser  Einschätzung  ändern  auch  die  Ausführungen  im  Asylgesuch  vom  20.  Dezember  2006  hinsichtlich  des  als  Beweismittel  eingereichten  Rundschreibens des äthiopischen Aussenministeriums vom 31. Juli 2006  nichts. Ebenso wenig vermag der Umstand, dass der Beschwerdeführer  vor  seiner Ausreise  aus Äthiopien  eine  hohe Funktion  im Handels­  und  Industrieministerium  bekleidete,  ihn  als  konkrete  Bedrohung  für  das  politische  System  in  Äthiopien  erscheinen  zu  lassen,  zumal  diese  Tätigkeit  schon  beinahe  acht  Jahre  zurück  liegt.  Es  dürfte  den  äthiopischen  Behörden  im  Übrigen  aufgefallen  sein,  dass  die  exilpolitische  Betätigung  vieler  äthiopischer  Asylsuchender  nach  der  Ablehnung  ihrer  Asylgesuche  regelmässig  stark  zunimmt  respektive  intensiver wird oder überhaupt erst ab diesem Zeitpunkt einsetzt, was das  geltend gemachte politische Engagement als zweifelhaft erscheinen lässt.  Im  vorliegenden  Fall  fehlen  jegliche  Hinweise  darauf,  dass  gegen  den  Beschwerdeführer  aufgrund  der  vorgebrachten  Aktivitäten  in  Äthiopien  ein  Strafverfahren  oder  andere  behördliche  Massnahmen  eingeleitet  worden  sind, wobei  in  diesem Zusammenhang unter Hinweis  auf  die  in 

D­8151/2010 Art. 8 AsylG verankerte Mitwirkungspflicht  festzuhalten  ist, dass es nicht  Sache  der  schweizerischen  Asylbehörden  sein  kann,  jede  auch  nur  ansatzweise und abstrakt mögliche Gefährdungssituation  im Heimatland  des  Beschwerdeführers  abklären  zu  müssen.  Schliesslich  ist  festzuhalten,  dass  die  Behauptung  des  Beschwerdeführers,  wonach  er  auch  von  hier  in  der  Schweiz  operierenden  mutmasslichen  Geheimdienstmitarbeitern  des  äthiopischen  Regimes  massiv  bedroht  worden  sei,  in  keiner Weise  belegt  ist.  Subjektive  Nachfluchtgründe  im  Sinne von Art. 54 AsylG sind vorliegend daher nicht gegeben. 5.7.  Zusammenfassend  ist  festzustellen,  dass  die  geltend  gemachten  subjektiven Nachfluchtgründe nicht geeignet sind, eine flüchtlingsrechtlich  relevante  Verfolgungsfurcht  zu  begründen,  weshalb  der  Beschwerdeführer nicht als Flüchtling anerkannt werden kann. An dieser  Einschätzung  vermögen  weder  die  weiteren  Ausführungen  in  den  Eingaben  noch  die  beigelegten  Beweismittel  etwas  zu  ändern,  weshalb  darauf  verzichtet  werden  kann,  auf  diese  weitergehend  einzugehen.  Unter  Berücksichtigung  der  gesamten  Umstände  folgt,  dass  keine  subjektiven  Nachfluchtgründe  im  Sinne  von  Art.  54  AsylG  vorliegen,  weshalb  die  Vorinstanz  zu  Recht  die  Flüchtlingseigenschaft  des  Beschwerdeführers verneint hat. 6.  6.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit  der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 6.2. Der Beschwerdeführer  verfügt weder  über  eine  ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44  Abs. 1 AsylG; BVGE 2009/50 E. 9). 7.  7.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder  nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  (Art.  44  Abs.  2  AsylG;  Art.  83  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG,  SR 142.20]).

D­8151/2010 Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt  gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  seiner  Vorgängerorganisation  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte  Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl.  STÖCKLI a.a.O. Rz. 11.148). 7.2.  7.2.1.  Der  Vollzug  ist  nicht  zulässig,  wenn  völkerrechtliche  Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des  Ausländers  in  den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  in  einen  Drittstaat  entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So  darf  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus  einem  Grund  nach  Art.  3  Abs.  1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art.  5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli  1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss  Art.  25  Abs.  3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18.  April  1999  (BV,  SR  101),  Art.  3  des  Übereinkommens  vom  10.  Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR  0.105)  und  der  Praxis  zu  Art.  3  der  Konvention  vom  4.  November  1950  zum Schutze  der Menschenrechte  und Grundfreiheiten  (EMRK,  SR  0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  unmenschlicher  oder  erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 7.2.2.  Da  es  dem  Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  flüchtlingsrechtlich  erhebliche Gefährdung  nachzuweisen  oder  glaubhaft  zu  machen,  kann  das  in  Art.  5  AsylG  verankerte  Prinzip  des  flüchtlingsrechtlichen Non­Refoulements im vorliegenden Verfahren keine  Anwendung  finden.  Eine  Rückkehr  des  Beschwerdeführers  nach  Äthiopien ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers  noch  aus  den  Akten  Anhaltspunkte  dafür,  dass  er  für  den  Fall  einer  Ausschaffung  nach  Äthiopien  dort  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  einer  nach  Art.  3  EMRK  oder  Art.  1  FoK  verbotenen  Strafe  oder  Behandlung  ausgesetzt  wäre.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen 

D­8151/2010 Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN­Anti­ Folterausschusses  müsste  der  Beschwerdeführer  eine  konkrete  Gefahr  ("real  risk")  nachweisen  oder  glaubhaft machen,  dass  ihm  im Fall  einer  Rückschiebung  Folter  oder  unmenschliche  Behandlung  drohen  würde  (vgl.  EGMR,  [Grosse  Kammer],  Saadi  gegen  Italien,  Urteil  vom  28.  Februar  2008,  Beschwerde  Nr.  37201/06,  §§  124­127,  mit  weiteren  Hinweisen).  Aufgrund  der  Akten  sowie  der  vorstehenden  Erwägungen  betreffend die Frage der Flüchtlingseigenschaft  ist  indessen nicht davon  auszugehen,  dass  ihm  im  Falle  einer  Rückkehr  nach  Äthiopien  eine  derartige Gefahr droht. Entgegen der vom Beschwerdeführer vertretenen  Auffassung  lässt  auch  die  allgemeine  Menschenrechtssituation  in  Äthiopien  den  Wegweisungsvollzug  zum  heutigen  Zeitpunkt  nicht  als  unzulässig  erscheinen.  Nach  dem  Gesagten  ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  sowohl  im  Sinne  der  asyl­  als  auch  der  völkerrechtlichen  Bestimmungen zulässig. 7.3.  7.3.1. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug  für Ausländerinnen  und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art.  83 Abs.  7  AuG  –  die  vorläufige  Aufnahme  zu  gewähren  (vgl.  Botschaft  zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März  2002, BBl 2002 3818). 7.3.2.  In  konstanter  Praxis wird  von  einer  grundsätzlichen  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  nach  Äthiopien  ausgegangen  (vgl.  bereits  EMARK  1998  Nr.  22).  Der  zweieinhalb  Jahre  dauernde  Grenzkrieg  zwischen  Äthiopien  und  Eritrea  wurde  im  Juni  2000 mit  einem  von  der  Organisation  für  die  Einheit  Afrikas  (OAU)  vermittelten  Waffenstillstand  und einem von beiden Staaten am 12. Dezember 2000 unterzeichneten  Friedensabkommen beendet. Trotz Abzugs der UN­Friedenstruppen aus  Eritrea  im März 2008 und aus Äthiopien  im August 2008  ist  im heutigen  Zeitpunkt  nicht  von  einem  offenen  Konflikt  im  Grenzgebiet  zwischen  Äthiopien  und Eritrea  auszugehen.  Insgesamt  kann  jedenfalls  nicht  von  einer  rechtlich  relevanten  Verschlechterung  der  allgemeinen  Lage  in  Äthiopien gesprochen werden. 7.3.3. Aufgrund  der  persönlichen  Situation  des  Beschwerdeführers  sind  ebenfalls  keine  Gründe  ersichtlich,  die  gegen  die  Zumutbarkeit  des 

D­8151/2010 Wegweisungsvollzugs  sprechen.  Es  ist  nicht  in  Abrede  zu  stellen,  dass  der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Äthiopien aufgrund seiner  mehrjährigen  Landesabwesenheit  mit  gewissen  Schwierigkeiten  konfrontiert werden könnte. Indes hat er bis zu seiner Ausreise im Jahre  2003, mithin (…) Jahre, in seinem Heimatland gelebt. Zudem verfügt der  – soweit den Akten zu entnehmen ist – gesunde Beschwerdeführer über  eine  sehr  gute  Ausbildung  (Universitätsabschluss  in  […])  sowie  über  jahrelange  Berufserfahrung  in  verantwortungsvoller  Position,  weshalb  anzunehmen  ist,  er  könne  sich  in  seiner  Heimat  wieder  wirtschaftlich  integrieren.  Überdies  leben  seine  Mutter  sowie  eine  Schwester  in  Äthiopien.  Bei  dieser  Sachlage  ist  davon  auszugehen,  dass  der  Beschwerdeführer  in  seinem  Heimatland  über  ein  soziales  Beziehungsnetz verfügt, welches ihm eine Reintegration erleichtern kann.  Die  Rückkehrhilfe  der  Schweiz  wird  ihm  im  Bedarfsfall  den  Wiedereinstieg  in  seine  Heimat  ebenfalls  erleichtern  (Art.  74  der  Asylverordnung 2 vom 11. August 1999  [AsylV 2, SR 142.312]). Blosse  soziale  und  wirtschaftliche  Schwierigkeiten,  von  denen  die  ansässige  Bevölkerung  im  Allgemeinen  betroffen  ist,  genügen  nicht,  um  eine  Gefährdung  im  Sinne  von  Art.  83  Abs.  4  AuG  darzustellen  (vgl.  BVGE  2008/34  E.11.2.2;  EMARK  2005  Nr.  24  E.  10.1  S.  215).  Nach  dem  Gesagten  ist  der  Vollzug  der Wegweisung  somit  auch  als  zumutbar  zu  bezeichnen. 7.4.  Schliesslich  obliegt  es  dem  Beschwerdeführer,  sich  bei  der  zuständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr  notwendigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  (Art.  8  Abs.  4  AsylG),  weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist  (Art. 83 Abs. 2 AuG, vgl. BVGE 2008/34 E. 12). 8.  Insgesamt ist der durch die Vorinstanz verfügte Vollzug der Wegweisung  zu  bestätigen.  Die  Vorinstanz  hat  den  Vollzug  zu  Recht  als  zulässig,  zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung  der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1­4 AuG). 9.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art.  106  AsylG).  Die  Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen.

D­8151/2010 10.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  die  Kosten  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art.  63  Abs.  1  und  5  VwVG),  auf  insgesamt  Fr.  600.­­  festzusetzen  (Art.  1­3  des  Reglements  vom  21.  Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2])  und  mit  dem  am  5.  Dezember  2010  in  derselben  Höhe  geleisteten  Kostenvorschuss  zu  verrechnen. (Dispositiv nächste Seite)

D­8151/2010 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  600.­­  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Dieser  Betrag  wird  mit  dem  am  5.  Dezember  2010  vom  Beschwerdeführer  zu  Gunsten  der  Gerichtskasse  in  derselben  Höhe  geleisteten Kostenvorschuss verrechnet. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Robert Galliker Matthias Jaggi Versand:

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