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Bundesverwaltungsgericht 23.02.2012 D-7004/2009

February 23, 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,737 words·~9 min·4

Summary

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 12. Oktober 2009

Full text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung IV D­7004/2009 Urteil   v om   2 3 .   Februar   2012 Besetzung Richter Robert Galliker (Vorsitz), Richter Thomas Wespi, Richter Fulvio Haefeli;    Gerichtsschreiberin Daniela Brüschweiler. Parteien A._______, geboren (…), Syrien,   vertreten durch lic. iur. Michael Steiner, (…), Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung;  Verfügung des BFM vom 12. Oktober 2009 / N (…).

D­7004/2009 Sachverhalt: A.  Eigenen  Angaben  zufolge  verliess  der  Beschwerdeführer,  ein  aus  B._______  stammender  syrischer  Staatsangehöriger  kurdischer  Volkszugehörigkeit,  seinen  Heimatstaat  am  1. Juli  2008  auf  dem  Landweg und gelangte über die Türkei und verschiedene ihm unbekannte  Länder  am  15. Juli  2008  unter  Umgehung  der  Grenzkontrolle  in  die  Schweiz. Gleichentags  suchte  er  im Empfangs­  und Verfahrenszentrum  (EVZ)  C._______  um  Asyl  nach.  Am  18. Juli  2008  wurde  im  EVZ  die  Summarbefragung  durchgeführt,  die  Anhörung  des  Beschwerdeführers  erfolgte am 30. Dezember 2008. Zur Begründung seines Asylgesuches machte der Beschwerdeführer  im  Wesentlichen  geltend,  er  sei  im  Jahr  (…)  zur  PKK  (Partiya  Karkeren  Kurdistan  –  Kurdische  Arbeiterpartei)  gegangen,  habe  sich  aber  schon  nach  20 Tagen  entschlossen,  sich  von  der PKK  zu  distanzieren.  In  der  Folge  sei  er  mehrmals  von  der  PKK  bedroht  worden.  Da  er  von  den  Behörden als Führer der PKK beschuldigt worden sei,  sei  er  deswegen  im Jahr (…) sechs Monate lang in Haft gewesen. Gegen Bezahlung sei er  wieder  freigelassen  worden.  Im  Jahr  (…)  sei  er  erneut  festgenommen  worden, man habe ihm unerlaubten Waffenbesitz vorgeworfen. Nachdem  sich sein Vater für seine Freilassung eingesetzt und Geschenke gebracht  habe, sei er (der Beschwerdeführer) freigelassen worden. Am  20. Januar  2009  ersuchte  das  BFM  die  Schweizer  Vertretung  in  Damaskus  um  Abklärungen  darüber,  ob  der  Beschwerdeführer  einen  syrischen  Pass  besitze,  ob  Informationen  über  die  Umstände  der  Ausreise  erhältlich  gemacht  werden  könnten,  ob  und  aus  welchen  Gründen  der  Beschwerdeführer  von  den  syrischen  Behörden  gesucht  werde und ob die beigefügten Dokumente authentisch seien. Dem Bericht  der Botschaft  vom 26. März  2009  ist  zu  entnehmen,  dass  es  sich  beim  Beschwerdeführer um einen syrischen Staatsangehörigen mit Anrecht auf  einen  syrischen  Pass  handle.  Er  sei  am  (…)  2007  in  einem  Auto  vom  Libanon nach Syrien eingereist und werde von den syrischen Behörden  nicht gesucht. Zudem wurde die Authentizität der beigefügten Dokumente  bestätigt. Mit Schreiben vom 9. Juli 2009 informierte das Bundesamt den  Beschwerdeführer  über  das  Abklärungsergebnis  und  räumte  ihm  das  rechtliche  Gehör  dazu  ein.  Die  Stellungnahme  des  Beschwerdeführers  ging beim Bundesamt am 23. September 2009 ein.

D­7004/2009 B.  Mit Verfügung  vom 12. Oktober  2009  –  eröffnet  am 15. Oktober  2009 –  stellte  das  BFM  fest,  der  Beschwerdeführer  erfülle  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht,  und  lehnte  das  Asylgesuch  ab.  Der  Beschwerdeführer  wurde  aus  der  Schweiz  weggewiesen  und  aufgefordert, die Schweiz bis zum 7. Dezember 2009 zu verlassen. Zur  Begründung  führte  das  Bundesamt  zusammengefasst  aus,  hinsichtlich  der  Haft  im  Jahr  (…)  liege  weder  in  zeitlicher  noch  in  sachlicher Hinsicht ein Kausalzusammenhang zur Ausreise im Jahr 2008  vor.  Die  weiteren  Aussagen  des  Beschwerdeführers  in  diesem  Zusammenhang  überzeugten  nicht.  Die  Festnahme  im  Jahr  (…)  von  wenigen  Tagen  Dauer  entfalte  sodann  keine  Asylrelevanz.  Zudem  sei  auch  kein  sachlicher  Zusammenhang  mit  der  Festnahme  im  Jahr  (…)  ersichtlich.  Die  vom  Beschwerdeführer  eingereichten  Dokumente  bestätigten  lediglich  den  äusseren  Ablauf  des  Ereignisses.  Schliesslich  sei  auch  das  Bestehen  einer  begründeten  Furcht  vor  ernsthaften  Nachteilen  zu  verneinen.  Der  Beschwerdeführer  erfülle  damit  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht,  weshalb  sein  Asylgesuch  abzulehnen  sei.  Den  Vollzug  der Wegweisung  erachtete  das  BFM  sodann  als  zulässig,  zumutbar und möglich. C.  Mit  Eingabe  seiner  Rechtsvertretung  vom  10. November  2009  (Poststempel:  9. November  2009)  beantragte  der  Beschwerdeführer  zusammengefasst,  die  angefochtene  Verfügung  sei  aufzuheben,  es  sei  ihm  Asyl  zu  gewähren,  eventualiter  sei  die  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzuges  festzustellen  und  die  vorläufige  Aufnahme  anzuordnen.  In  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  beantragte  er,  es  sei  ihm  zu gestatten, den Entscheid  in der Schweiz abzuwarten, und es sei  ihm  die  unentgeltliche  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art. 63  (recte:  Art. 65)  Abs. 1  und  2  des  Verwaltungsverfahrensgesetzes  vom  20.  Dezember  1968  (VwVG,  SR 172.021)  zu  gewähren  und  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses zu verzichten. Der  Beschwerdeschrift  lagen  diverse  Beweismittel  bei.  Auf  die  Begründung  der  Beschwerdebegehren  sowie  die  eingereichten  Beweismittel  wird  –  soweit  für  den  Entscheid  wesentlich  –  in  den  nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

D­7004/2009 D.  Mit  Zwischenverfügung  vom  13. November  2009  hielt  der  Instruktionsrichter  fest,  der  Beschwerdeführer  könne  den  Ausgang  des  Verfahrens in der Schweiz abwarten, gleichzeitig wurden die Gesuche um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  und  um  Erlass  des  Kostenvorschusses abgewiesen und der Beschwerdeführer aufgefordert,  bis  zum  27. November  2009  einen  Kostenvorschuss  in  der  Höhe  von  Fr. 600.­­ zu leisten. E.  Am 23. November 2009 erfolgte die Bezahlung des Kostenvorschusses. F.  Mit Eingabe vom 11. Januar 2011 informierte der heutige Rechtsvertreter  das Gericht über die Mandatsübernahme. G.  Mit  Eingabe  vom  11. August  2011  liess  der  Beschwerdeführer  durch  seinen  Rechtsvertreter  diverse  neue  Beweismittel  einreichen  und  ausführen,  ein erneuter Schriftenwechsel werde aus mehreren Gründen  als sinnvoll erachtet. Insbesondere sei die Bedeutung der ausgesprochen  kurzen  Botschaftsantworten  vom  Bundesverwaltungsgericht  relativiert  worden, die Situation in Syrien habe sich stark verändert und zudem sei  der Beschwerdeführer in der Schweiz politisch aktiv. H.  Der  Instruktionsrichter  lud die Vorinstanz mit Verfügung vom 18. August  2011  zur  Einreichung  einer  Stellungnahme  ein.  Mit  Verfügung  vom  8. September  2011  hob  das  Bundesamt  die  Ziffern  1,  4  und  5  des  Dispositivs seiner Verfügung vom 12. Oktober 2009 auf und hielt fest, der  Beschwerdeführer  erfülle  die  Flüchtlingseigenschaft.  Der  Wegweisungsvollzug  wurde  wegen  Unzulässigkeit  zu  Gunsten  einer  vorläufigen Aufnahme aufgeschoben. I.  Mit  Schreiben  vom  20. September  2011  teilte  das  Bundesverwaltungsgericht  dem  Beschwerdeführer  mit,  infolge  der  teilweisen  Wiedererwägung  der  angefochtenen  Verfügung  durch  die  Vorinstanz  sei  die  Beschwerde  im  Umfang  der  Frage  der  Flüchtlingseigenschaft gegenstandslos geworden. Gleichzeitig wurde der  Beschwerdeführer  um  Mitteilung  ersucht,  ob  er  an  der  Beschwerde 

D­7004/2009 festhalte  oder  diese  zurückziehen  wolle.  Mit  Schreiben  vom  4. Oktober  2011  teilte  der  Rechtsvertreter  dem  Bundesverwaltungsgericht  mit,  der  Beschwerdeführer halte an der Beschwerde betreffend Asyl  fest. Weiter  lag der Eingabe die Kostennote der Rechtsvertretung bei. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  [AsylG,  SR 142.31];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]).  Eine  solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor,  weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG). 1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der  Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung.  Er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG).  Auf die Beschwerde ist einzutreten. 1.4.  In  Berücksichtigung  der  Aktenlage  (vgl.  vorstehend  Bst. H)  ist  vorliegend zu prüfen, ob der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft  wegen  der  geltend  gemachten  Vorfluchtgründe  erfüllt  und  ihm  aus  diesem Grund Asyl zu gewähren ist. Im Anschluss daran ist zu prüfen, ob  die Wegweisung zu Recht angeordnet wurde.

D­7004/2009 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  3.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat  oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7  AsylG). 4.  4.1.  Die  Vorinstanz  hielt  zur  Begründung  des  ablehnenden  Asylentscheides  im  Wesentlichen  fest,  zwischen  der  sechsmonatigen  Haft  im Jahre (…), die im Übrigen keine weiteren formellen Folgen nach  sich  gezogen  habe,  und  der  (…)  Jahre  später  erfolgten  Ausreise  des  Beschwerdeführers aus Syrien liege weder in zeitlicher noch in sachlicher  Hinsicht  ein  genügend  enger  Kausalzusammenhang  vor.  Die  weiteren  Aussagen des Beschwerdeführers  in diesem Zusammenhang seien  rein  sachlogisch  nicht  nachvollziehbar  und  müssten  als  nachgeschoben  bezeichnet werden. Weiter  führte  das  Bundesamt  aus,  eine  asylrelevante  Verfolgung  liege  nicht  vor,  wenn  staatliche  Massnahmen  rechtsstaatlich  legitimen  Zwecken  dienten.  Staatliche  Massnahmen  gegen  Leib,  Leben  und 

D­7004/2009 Freiheit  einer Person  seien  zudem nur  dann  asylrelevant, wenn  sie  auf  Grund  ihrer  Art  und  Intensität  ein  menschenwürdiges  Leben  im  Verfolgerstaat verunmöglichten oder in unzumutbarer Weise erschwerten,  so dass sich die verfolgte Person dieser Zwangssituation nur durch Flucht  ins  Ausland  entziehen  könne.  Zum Vorbringen  des  Beschwerdeführers,  er  sei  im Mai  (…) während  drei  bis  vier  Tagen  unter  dem Vorwurf,  ein  Messer  auf  sich  getragen  zu  haben,  festgehalten  worden,  sei  anzumerken, dass ein derartiger Sachvorwurf an sich keine Asylrelevanz  entfalte. Die Ahndung von unerlaubtem Waffenbesitz erscheine  im Kern  als  rechtsstaatlich  legitim.  Ohnehin  könne  aber  eine  kurze  Festhaltung  von  wenigen  Tagen  Dauer  nicht  als  ernsthafter  Nachteil  bezeichnet  werden.  Dies  gelte  vorliegend  erst  recht,  da  die  Freilassung  des  Beschwerdeführers  offenbar  ohne  formelle  Weiterungen  erfolgt  sei.  Zudem  habe  er  den  fraglichen  Vorgang  selber  auf  eine  zufällige  Routinekontrolle  zurückgeführt.  Ferner  sei  auch  kein  sachlicher  Zusammenhang mit  der  Festnahme  im  Jahr  (…)  ersichtlich.  Bei  einem  ernsthaften  "politischen"  Sachvorwurf  wäre  der  Beschwerdeführer  wohl  nicht  bereits  nach  wenigen  Tagen  ohne  weitere  Folgen  freigekommen.  Die eingereichten Dokumente bestätigten sodann lediglich den äusseren  Ablauf an sich. Im Lichte dieser Überlegungen und der gesamten Aktenlage sei auch das  Bestehen  einer  begründeten  Furcht  vor  ernsthaften  Nachteilen  zu  verneinen.  Die  entsprechenden  Angaben  des  Beschwerdeführers  erschienen  fraglich.  Zudem  werde  diese  Einschätzung  durch  die  Abklärungen der Schweizerischen Vertretung  in Damaskus untermauert,  woraus hervorgehe, dass gegen den Beschwerdeführer nichts Aktuelles  vorliege. Ferner sei nicht  zu übersehen, dass der  früher angeblich aktiv  für die PKK arbeitende Vater des Beschwerdeführers gänzlich unbehelligt  und mit besten Behördenbeziehungen in Syrien wohnhaft sei. 4.2.  In  der  Rechtsmitteleingabe  wird  zunächst  auf  die  allgemeine  Situation  der  Kurden  in  Syrien  eingegangen.  Sodann  wird  vorgebracht,  das BFM habe hinsichtlich der Festnahme im Jahr (…) die Vorgeschichte  des  Beschwerdeführers  nicht  mit  einbezogen.  Er  habe  lediglich  nach  erfolgter Bestechung auf  freien Fuss kommen können. Nur wegen eines  Messers  werde  jemand  weder  in  Syrien  noch  in  der  Schweiz  tagelang  befragt  beziehungsweise  inhaftiert,  ausser  es  handle  sich  um  eine  Tatwaffe.  Bei  den  Einschätzungen  des  Bundesamtes  zur  Befürchtung,  künftig  staatlichen  Verfolgungsmassnahmen  ausgesetzt  zu  werden,  handle es sich um unbelegte Behauptungen. Eine Rückkehr sei  für den 

D­7004/2009 Beschwerdeführer  ebenso  wie  für  sämtliche  syrischen  Kurden  weder  theoretisch  noch  praktisch  möglich.  Dies  zeige  der  Fall  eines  im  Dezember  2000  aus  Niedersachsen  abgeschobenen  und  unmittelbar  nach seiner Ankunft verhafteten Kurden. In  der  Eingabe  vom  11. August  2011  verwies  der  Rechtsvertreter  des  Beschwerdeführers  auf  die  neuere  Rechtsprechung  des  Bundesverwaltungsgerichts  hinsichtlich  der  Würdigung  von  Botschaftsantworten. Im Falle des Beschwerdeführers könne nicht davon  ausgegangen  werden,  es  lägen  keinerlei  konkrete  Hinweise  auf  eine  asylrelevante  Verfolgung  durch  die  syrischen  Behörden  vor.  Gegenteils  habe die Botschaftsanfrage ausdrücklich ergeben, dass die eingereichten  Beweismittel  betreffend  die  Festnahme  im  Jahr  (…)  authentisch  seien.  Das  BFM  hätte  demnach  zwingend  weitere  Abklärungen  vornehmen  müssen. 5.  Das  Bundesverwaltungsgericht  gelangt  nach  Prüfung  der  Akten  zum  Schluss,  dass  das  Bundesamt  zu  Recht  feststellte,  die  vom  Beschwerdeführer  vorgetragenen  Vorfluchtgründe  erfüllten  die  Flüchtlingseigenschaft nicht, weshalb ihm kein Asyl zu gewähren sei. Um  unnötige  Wiederholungen  zu  vermeiden,  kann  deshalb  vorab  auf  die  zutreffenden  Ausführungen  in  der  angefochtenen  Verfügung  verwiesen  werden. 5.1.  Die  über  weite  Teile  allgemein  gehaltenen  Ausführungen  in  der  Beschwerdeschrift  weisen  weder  einen  konkreten  Bezug  zur  Situation  des Beschwerdeführers noch zu den Erwägungen  in der angefochtenen  Verfügung  auf.  Diese  Ausführungen  sind  deshalb  ungeeignet,  die  Argumentation des Bundesamtes zu entkräften. 5.2. Nicht zuzustimmen ist dem Beschwerdeführer sodann, soweit er dem  BFM  vorwirft,  seine  Vorgeschichte  nicht  berücksichtigt  zu  haben.  Zwar  wird in der Beschwerde nicht schlüssig dargetan, welche Komponenten in  der  Vorgeschichte  des  Beschwerdeführers  zu  Unrecht  unberücksichtigt  geblieben  sein  sollen.  Solches  ist  aber  auch  nicht  ersichtlich.  In  der  angefochtenen  Verfügung  wurden  sowohl  die  (behauptete)  kurzzeitige  Tätigkeit  für  die  PKK,  die  angeblichen  Kontaktnahmen  durch  die  PKK  sowie  die Haft  im  Jahr  (…)  erwähnt.  Zu Recht  hat  denn die Vorinstanz  auch  darauf  hingewiesen,  es  fehle  diesbezüglich  am  erforderlichen 

D­7004/2009 sachlichen  und  zeitlichen  Kausalzusammenhang  sowohl  mit  der  Festnahme im Jahr (…) als auch mit der Ausreise. Was  die  Botschaftsanfrage  anbelangt,  weist  der  Beschwerdeführer  zutreffend  darauf  hin,  dass  deren  Beweiswert  nach  neuerer  Rechtsprechung  gegebenenfalls  zu  relativieren  ist,  als  nämlich  rudimentäre Auskünfte – wie sie auch in diesem Fall vorliegen (vgl. Akten  BFM act. A 15/5) – allenfalls nur dann zu genügen vermögen, wenn den  Akten  keinerlei  konkrete  Hinweise  auf  eine  asylrelevante  Verfolgung  durch die Behörden des Heimatlandes zu entnehmen sind (vgl. Urteil des  Bundesverwaltungsgerichts D­4731/9009  vom  20. April  2011 E. 4.3).  Im  vorliegenden  Fall  hielt  das  Bundesamt  zunächst  fest,  die  Haft  von  wenigen  Tagen  im  Jahr  (…)  vermöge  keine  Asylrelevanz  zu  entfalten.  Inwiefern  diese  Feststellung  unzutreffend  ist,  wird  weder  vom  Beschwerdeführer  begründet  noch  ergibt  sich  dies  aus  den  Akten.  Ebenfalls  zutreffend  hat  die  Vorinstanz  festgehalten,  dass  die  eingereichten  Dokumente  (eine  Haftbestätigung  sowie  Haftentlassungsanträge)  nur  den  äusseren  Ablauf  der  Festnahme  belegen.  Damit  ist  jedoch  gerade  nicht  belegt,  dass  der  Beschwerdeführer  von  den  syrischen  Behörden  gesucht  wird.  Für  eine  solche Suche bestehen auch keine anderen Anhaltspunkte. Aus diesem  Grund  vermag  die  sehr  kurz  gehaltene  Botschaftsauskunft  keine  Notwendigkeit weiterer Abklärungen zu begründen. Insgesamt  ergibt  sich  damit,  dass  der  Beschwerdeführer  weder  eine  asylrelevante Vorverfolgung noch eine begründete Furcht vor Verfolgung  im  Zeitpunkt  der  Ausreise  aus  Syrien  darzutun  vermochte.  Es  erübrigt  sich  daher,  auf  die  weiteren  Ausführungen  in  der  Rechtsmitteleingabe  sowie  der  Eingabe  vom  11. August  2011  näher  einzugehen,  da  sie  an  obiger Einschätzung nichts zu ändern vermögen. 5.3.  Soweit  der  Beschwerdeführer  in  seinen  Eingaben  auf  Beschwerdeebene  sowie  den  Beweismitteln  auf  politische  Aktivitäten  hinweist  und  damit  subjektive  Nachfluchtgründe  geltend  macht,  ist  vorliegend – da er mit Verfügung des BFM vom 8. September 2011 als  Flüchtling anerkannt wurde – nicht einzugehen. 5.4.  Nach  dem  Gesagten  gelangt  das  Bundesverwaltungsgericht  insgesamt  zum  Schluss,  dass  in  Bezug  auf  die  geltend  gemachten  Vorfluchtgründe  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  den  Anforderungen  von  Art. 3  AsylG  an  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht  zu 

D­7004/2009 genügen  vermögen.  Das  BFM  hat  demnach  das  Asylgesuch  zu  Recht  abgewiesen. 6.  6.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit  der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 6.2. Der Beschwerdeführer  verfügt weder  über  eine  ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44  Abs. 1  AsylG;  vgl.  BVGE  2009/50  E. 9  S. 733,  BVGE  2008/34  E. 9.2  S. 510,  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  [vormaligen]  Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2001 Nr. 21). 7.   7.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder  nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach  den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Aus­ ländern  (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom  16.  Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  [AuG,  SR  142.20]). 7.2.  Der  Beschwerdeführer  wurde  vom  BFM  mit  Entscheid  vom  8. September 2011 wiedererwägungsweise als Flüchtling anerkannt und  wegen Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig in der Schweiz  aufgenommen.  Daher  erübrigt  sich  eine  Prüfung  der  Frage  der  Zumutbarkeit sowie der Frage der Möglichkeit des Wegweisungsvollzugs  (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.4 S. 748, EMARK 2006 Nr. 6 E. 4 S. 54 f.). Die  Beschwerde gegen die zunächst verweigerte Anerkennung als Flüchtling  sowie  gegen  den  ursprünglich  angeordneten  Wegweisungsvollzug  erweist  sich  demnach  als  gegenstandslos  und  ist  diesbezüglich  abzuschreiben. 8.  Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung in  Bezug  auf  die  Verweigerung  von  Asyl  und  die  Anordnung  der  Wegweisung  Bundesrecht  nicht  verletzt,  den  rechtserheblichen  Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 

D­7004/2009 AsylG).  Die  Beschwerde  ist  daher  abzuweisen,  soweit  sie  nicht  als  gegenstandslos geworden abzuschreiben ist. 9.   9.1. Bei  diesem  Verfahrensausgang  ist  von  einem  teilweisen  Obsiegen  des  Beschwerdeführers  auszugehen.  Demnach  ist  ihm  nach  dem Grad  des  Durchdringens  praxisgemäss  ein  Drittel  der  Verfahrenskosten  aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG; Art. 1­3 des Reglements vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Entsprechend ist dem  Beschwerdeführer der Überschuss (Fr. 400.­­) zurückzuerstatten. 9.2.  Bei  Gegenstandslosigkeit  des  Verfahrens  ist  der  beschwerdeführenden Partei eine Entschädigung für die ihr erwachsenen  notwendigen Kosten  zuzusprechen,  sofern  sie  die Gegenstandslosigkeit  nicht durch ihr eigenes Verhalten bewirkt hat (Art. 15 i.V.m. Art. 5 VGKE).  Da  die  Gegen­standslosigkeit  durch  die  wiedererwägungsweise  Anerkennung  der  Flüchtlingseigenschaft  und  die  Gewährung  der  vorläufigen  Aufnahme  durch  das  BFM  herbeigeführt  wurde,  sind  die  Voraussetzungen  für  die  Zusprechung  einer  Parteientschädigung  vorliegend  gegeben.  Dem  teilweise  obsiegenden  und  vertretenen  Beschwerdeführer ist folglich in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7  Abs. 1  VGKE  eine  praxisgemäss  um  einen  Drittel  reduzierte  Entschädigung  für  die  ihm notwendigerweise erwachsenen Parteikosten  zuzusprechen. Der frühere Rechtsvertreter des Beschwerdeführers  legte  keine  Kostennote  ins  Recht.  Der  diesbezügliche  notwendige  Aufwand  lässt  sich  jedoch  zuverlässig  abschätzen,  weshalb  von  der  Einholung  einer  Kostennote  abgesehen werden  kann.  Unter  Berücksichtigung  des  bereits  vorstehend  erwähnten  Umstandes,  dass  sich  die  Beschwerdeschrift über weite Teile auf allgemeine, als nicht notwendig zu  erachtende  Ausführungen  beschränkt,  ist  die  auf  die  Zeit  vor  dem  Mandatswechsel der Rechtsvertretung vorgesehene Parteientschädigung  auf  Fr. 500.­­  festzusetzen.  Vom  derzeitigen  Rechtsvertreter  wurde  mit  Eingabe  vom  4. Oktober  2011  eine  Kostennote  eingereicht.  Das  darin  ausgewiesene  Honorar  (Stundenansatz  von  Fr. 230.­­)  von  total  Fr. 703.60  (einschliesslich  Barauslagen  und  Mehrwertsteuer)  erscheint  angemessen. Damit ergäbe sich eine Parteientschädigung von insgesamt  Fr. 1'203.60.  Gestützt  auf  die  in  Betracht  zu  ziehenden  Bemessungsfaktoren (vgl. Art. 7 bis 14 VGKE) sowie auf die eingereichte  Kostennote  ist  die  um  einen  Drittel  reduzierte  Parteientschädigung, 

D­7004/2009 welche  vom  BFM  zu  entrichten  ist,  somit  auf  gerundet  Fr. 803.­­  (inkl.  Auslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen. (Dispositiv nächste Seite)

D­7004/2009 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die  Beschwerde  wird  abgewiesen,  soweit  sie  nicht  als  gegenstandslos  geworden abgeschrieben wird. 2.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 200.­­  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt und mit dem geleisteten Kostenvorschuss verrechnet. Fr. 400.­­  werden dem Beschwerdeführer zurückerstattet. 3.  Das  BFM  wird  angewiesen,  dem  Beschwerdeführer  eine  Parteientschädigung  in  der  Höhe  von  Fr. 803.­­  (inkl.  Auslagen  und  Mehrwertsteuer) zu entrichten. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Robert Galliker Daniela Brüschweiler Versand:

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