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Bundesverwaltungsgericht 13.02.2012 D-677/2012

February 13, 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,376 words·~7 min·3

Summary

Nichteintreten auf Asylgesuch (Safe Country) und Wegweisung | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 26. Januar 2012

Full text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung IV D­677/2012 Urteil   v om   1 3 .   Februar   2012 Besetzung Einzelrichter Fulvio Haefeli, mit Zustimmung von Richterin Christa Luterbacher;   Gerichtsschreiberin Karin Schnidrig. Parteien A._______, geboren (…), dessen Ehefrau B._______, geboren (…), und deren Kinder C._______, geboren (…), D._______, geboren (…), E._______, geboren (…), F._______, geboren (…), Serbien,   alle vertreten durch Annelise Gerber, (…),  Beschwerdeführende,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 26. Januar 2012 / N _______.

D­677/2012 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest und erwägt, dass  die  Beschwerdeführenden  –  der  Ethnie  der  Roma  zugehörige  serbische Staatsangehörige mit  letztem Wohnsitz  in G._______  –  ihren  Heimatstaat eigenen Angaben zufolge am 28. November 2011 verliessen  und am 1. Dezember 2011 via H._______, ihnen unbekannte Länder und  I._______  illegal  in  die  Schweiz  einreisten,  wo  sie  gleichentags  im  Empfangs­ und Verfahrenszentrum J._______ um Asyl nachsuchten, dass am 7. Dezember 2011 die Befragungen zur Person stattfanden und  die  Beschwerdeführenden  am  26.  Januar  2012  zu  ihren  Asylgründen  angehört wurden, dass  die  Beschwerdeführenden  im  Wesentlichen  ausführten,  in  der  Heimat würde  ihnen aufgrund  ihrer ethnischen Zugehörigkeit die Rechte  verwehrt, dass man die Tochter C._______ nicht in die Spielgruppe aufgenommen  habe, weil sie Roma sei, dass  der  Beschwerdeführer  geltend machte,  er  sei  grundlos  von  einem  Serben angegriffen worden, dass er diesen Vorfall bei der Polizei angezeigt habe, die Anzeige jedoch  nicht ernst genommen worden sei, dass  die  Beschwerdeführerin  zusätzlich  erklärte,  sie  sei  vom  gleichen  Serben beim Einkaufen aufgesucht und belästigt worden, dass sie dies weder ihrem Mann noch den Behörden erzählt habe, dass  sie  Serbien  einige  Tage,  nachdem  der  Beschwerdeführer  angegriffen worden sei, verlassen hätten, dass  das  BFM mit  Verfügung  vom  26.  Januar  2012  –  eröffnet  am  30.  Januar 2012 –  in Anwendung von Art. 34 Abs. 1 des Asylgesetzes vom  26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) auf die Asylgesuche vom 1. Dezember  2011  nicht  eintrat  und  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz  sowie  den  Wegweisungsvollzug anordnete, dass das BFM zur Begründung anführte, Serbien – damals noch  in der  Union mit Montenegro – sei am 3. April 2003 dem Europarat beigetreten 

D­677/2012 und habe am 3. März 2004 die Konvention vom 4. November 1950 zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR  0.101)  ratifiziert, dass Serbien Rechtsnachfolgerin der aufgelösten Union sei, dass  der  Europarat  Anfang  September  2008  die  Verbesserungen  im  Demokratisierungsprozess  und  bei  den  Menschenrechten  anerkannt  habe, dass  der  Bundesrat  angesichts  der  aufgezeigten  innenpolitischen  Situation  mit  Beschluss  vom  6.  März  2009  Serbien  als  verfolgungssicheren Staat (safe country) im Sinne von Art. 6a Abs. 2 Bst.  a  AsylG  bezeichnet  habe,  weshalb  das  Bundesamt  auf  Asylgesuche  serbischer Staatsangehöriger nicht eintrete, ausser es gebe Hinweise auf  eine Verfolgung, dass  derartige  Hinweise,  welche  die  widerlegbare  Vermutung  der  Verfolgungssicherheit  gemäss  Art.  6a  Abs.  2  Bst.  a  AsylG  umstossen  könnten, im vorliegenden Fall aus den Akten nicht ersichtlich seien, dass sich die Situation der ethnischen Minderheiten  in Serbien  im Zuge  des demokratischen Wandels entspannt habe, dass  das  Bundesgesetz  zum  Schutz  und  zur  Freiheit  der  nationalen  Minoritäten am 25. Februar 2002 in Kraft getreten sei, dass  es  sich  dabei  um  einen  gesetzlichen  Rahmen  handle,  der  die  Rechte der nationalen Minderheiten und der Angehörigen von ethnischen  Minderheiten schütze, dass auch die Roma als nationale Minderheit anerkannt worden seien, dass  die  Minoritäten  gemäss  dem  Minderheitengesetz  das  Recht  auf  Schulbildung  in  der  Muttersprache,  das  Recht  auf  den  Gebrauch  der  Muttersprache  als Amtssprache  sowie  das Recht  auf  Information  in  der  eigenen Sprache erhielten, dass zudem die proportionale Vertretung der nationalen Minderheiten  in  öffentlichen Ämtern vorgesehen sei,

D­677/2012 dass  vereinzelte  Benachteiligungen  und  Schikanen  gegenüber  Roma  zwar  nicht  restlos  ausgeschlossen  werden  könnten,  der  Staat  selbst  allerdings Übergriffe seitens Drittpersonen weder billige noch unterstütze, dass  solche  Vorfälle  auch  in  Serbien  Straftatbestände  darstellten,  die  strafrechtlich verfolgt würden, dass  es  zwar  in  einzelnen  Fällen  vorkommen  könne,  dass  Behördenvertreter  mit  niederen  Chargen  die  notwendigen  Untersuchungsmassnahmen  trotz  wiederholten  Intervenierens  nicht  einleiteten, dass jedoch die Möglichkeit bestehe, gegen fehlbare Beamte  auf  dem  Rechtsweg  vorzugehen  und  die  zustehenden  Rechte  bei  höheren Instanzen einzufordern, dass  der  serbische  Staat  bestrebt  sei,  Verfehlungen  von  Beamten  zu  ahnden, dass  die  Vorbringen  der  Beschwerdeführenden,  sie  seien  von  einem  Serben  angegriffen  worden  und  die  Polizei  habe  nichts  unternommen,  unsubstantiiert,  ausweichend  und  widersprüchlich  seien,  weshalb  erhebliche Zweifel an deren Glaubhaftigkeit bestünden, dass der Beschwerdeführer sich dahingehend widerspreche, dass er bei  der Befragung zur Person ausgesagt habe, er sei vom Serben geohrfeigt  worden  (vgl.  Befragungsprotokoll  vom  7.  Dezember  2011,  A9  S.  7),  während  er  anlässlich  der  Anhörung  zu  den  Asylgründen  geltend  gemacht  habe,  er  habe  zwei  Faustschläge  erhalten  (vgl.  Anhörungsprotokoll vom 26. Januar 2012, A24 S. 3 F20), dass er auf Vorhalt hin die letztere Aussage bestätigt habe (vgl. A24 S. 3  F21), dass  die  Beschwerdeführerin  im  Rahmen  der  Befragung  zur  Person  angegeben  habe,  man  habe  ihren  Mann  geohrfeigt  (vgl.  Befragungsprotokoll vom 7. Dezember 2011, A10 S. 7), hingegen bei der  Anhörung  zu den Asylgründen erklärt  habe,  er  habe  zwei Faustschläge  erhalten (vgl. Anhörungsprotokoll vom 26. Januar 2012, A25 S. 3 F22), dass sie, als sie auf den Widerspruch angesprochen worden sei, erläutert  habe, selbst zwei Ohrfeigen erhalten zu haben (vgl. A25 S. 3 F23),

D­677/2012 dass  diese  Aussage  wiederum  ihrer  früheren  Aussage  widerspreche,  wonach sie vom Serben am Handgelenk gepackt worden sei (vgl. A25 S.  3 F15), dass  sie  auch  diesen Widerspruch  nicht  habe  klären  können  (vgl.  A25 S. 4 F24), dass sich die Beschwerdeführenden auch hinsichtlich des Zeitpunkts der  Anzeige bei der Polizei widersprächen, dass  der  Beschwerdeführer  laut  seinen  Aussagen  am  Tag  nach  dem  Angriff  zur  Polizei  gegangen  sei  (vgl.  A24  S.  4  F28),  wohingegen  die  Beschwerdeführerin erklärt habe, er habe noch am selben Tag die Polizei  aufgesucht (vgl. A25 S. 4 F 34 f.), dass  die  Beschwerdeführerin  auch  diesen Widerspruch  nicht  zu  klären  vermocht habe (vgl. A25 S. 4 F36), dass  schliesslich  auch  die  Angaben  des  Beschwerdeführers  zum  Polizeibesuch trotz mehrmaligen Nachfragens unpräzise geblieben seien  (vgl. A24 S. 4 F29 ff.), dass  es  den  Beschwerdeführenden  somit  nicht  gelinge,  die  Vermutung  fehlender  Verfolgung  zu  widerlegen,  weshalb  das  BFM  in  Anwendung  von Art. 34 Abs. 1 AsylG auf die Asylgesuche nicht eintrete, dass  das  Bundesamt  den  Vollzug  der  Wegweisung  als  zulässig,  zumutbar und möglich erachtete, dass die Beschwerdeführenden mit Telefaxeingabe vom 6. Februar 2012  gegen  diese  Verfügung  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  erheben und dabei  beantragen  liessen,  es  sei  auf  das Asylgesuch  vom 1. Dezember 2011 einzutreten, dass  die  Unzulässigkeit  und  die  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  festzustellen und als Folge davon für sie und  ihre  Kinder die vorläufige Aufnahme anzuordnen sei, dass  gegebenenfalls  das  Dossier  dem  BFM  zur  Neubeurteilung  zurückzugeben sei,

D­677/2012 dass  in  prozessualer  Hinsicht  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021)  ersucht wurde, dass  die  Beschwerde  am  8.  Februar  2012  im  Original  beim  Gericht  einging, dass  die  vorinstanzlichen  Akten  beim  Gericht  gleichentags  eintrafen  (Art. 109 Abs. 2 AsylG), dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig  über  Beschwerden  gegen  Verfügungen  (Art. 5  VwVG)  des  BFM  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31 – 33 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom  17. Juni  2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass  eine  solche  Ausnahme  in  casu  nicht  vorliegt,  weshalb  das  Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet, dass  die  Beschwerdeführenden  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen  haben,  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  sind,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung  haben  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  sind  (Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art.  37  VGG  und  Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  einzutreten ist (Art. 108 Abs. 2 und Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und  Art. 52 Abs. 1 VwVG), dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise  einer  zweiten Richterin  entschieden wird  (Art. 111 Bst. e AsylG)  und  es  sich  vorliegend,  wie  nachfolgend  aufgezeigt,  um  eine  solche  handelt, 

D­677/2012 weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu  begründen  ist  (Art. 111a Abs. 2 AsylG), dass  gestützt  auf  Art. 111a  Abs. 1  AsylG  vorliegend  auf  einen  Schriftenwechsel verzichtet wurde, dass  bei  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide,  mit  denen  es  das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu  überprüfen  (Art. 32 – 35  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der  Beschwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die  Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist, dass  sich  demnach  die  Beschwerdeinstanz  – sofern  sie  den  Nichteintretensentscheid  als  unrechtmässig  erachtet –  einer  selbstständigen materiellen Prüfung enthält, die angefochtene Verfügung  aufhebt  und  die  Sache  zu  neuer  Entscheidung  an  die  Vorinstanz  zurückweist  (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen  Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1. S. 240 f.), dass  die  Vorinstanz  die  Frage  der  Wegweisung  und  des  Vollzugs  materiell  prüft,  weshalb  dem  Bundesverwaltungsgericht  diesbezüglich  volle Kognition zukommt, dass auf Gesuche von Asylsuchenden aus verfolgungssicheren Staaten  nach  Art.  6a  Abs.  2  Bst.  a  AsylG  (sogenannte  Safe­Country­Regelung)  nicht eingetreten wird, ausser es gebe Hinweise auf Verfolgung  (Art. 34  Abs. 1 AsylG), dass  auf  Beschwerdeebene  unter  Hinweis  auf  verschiedene  Berichte,  Artikel  und  eine  TV­Reportage  insbesondere  geltend  gemacht  wird,  im  völligen  Gegensatz  zur  Einschätzung  des  BFM  wiesen  viele  Organisationen seit langem auf die Diskriminierung der Roma im ganzen  Balkan hin, dass die Roma in den Balkanländern Willkür und massiver Korruption auf  Behördenebene ausgesetzt seien, dass  auch  davon  auszugehen  sei,  Roma  könnten  ihre  Rechte  nie  bei  höheren Instanzen einfordern und der serbische Staat könne sie aufgrund  ihrer  ethnischen  Zugehörigkeit  gegen  Übergriffe  nicht  schützen  beziehungsweise wolle sie wohl auch nicht effektiv schützen,

D­677/2012 dass die Beschwerdeführenden eine individuelle Bedrohung an Leib und  Leben geltend machten; dies mit grösster Wahrscheinlichkeit wegen ihrer  ethnischen Zugehörigkeit, dass der Vollzug der Wegweisung zum jetzigen Zeitpunkt unzulässig und  unzumutbar sei, dass  die  Beschwerdeführenden  laut  eigenen  Angaben  serbische  Staatsangehörige  sind,  der  Bundesrat  Serbien  mit  Beschluss  vom  6.  März 2009 zum "safe country"  im obgenannten Sinn erklärt hat und auf  diese Einschätzung  im Rahmen der  periodischen Überprüfung  (vgl.  Art.  6a Abs. 3 AsylG) bisher nicht zurückgekommen ist, dass  somit  die  formelle  Voraussetzung  für  den  Erlass  eines  Nichteintretensentscheides gestützt auf Art. 34 Abs. 1 AsylG gegeben ist, dass  diesbezüglich  zur  Vermeidung  von  Wiederholungen  auf  die  zutreffenden Erwägungen in der angefochtenen Verfügung zu verweisen  ist, dass  zu prüfen bleibt,  ob das BFM  im Weiteren  zu Recht  erwogen hat,  aus den Akten würden sich keine Hinweise ergeben, welche die in Bezug  auf Serbien bestehende Vermutung der Verfolgungssicherheit widerlegen  könnten, dass  das  Bundesamt  in  detaillierter  Art  und  Weise  darlegte,  weshalb  vorliegend  die  Voraussetzungen  für  ein  Nichteintreten  gemäss  Art.  34  Abs. 1 AsylG erfüllt seien, dass das Bundesverwaltungsgericht die entsprechenden vorinstanzlichen  Erwägungen  als  korrekt  erachtet,  so  dass  vollumfänglich  darauf  verwiesen werden kann, dass  insbesondere  auch  den  Ausführungen  des  BFM  hinsichtlich  der  widersprüchlichen Angaben der Beschwerdeführenden beizupflichten ist, dass  die  Beschwerdeführenden  demnach  aus  dem  in  der  Rechtsmitteleingabe  geltend  gemachten  Vorbringen,  wonach  der  Umstand, dass sie einmal von Faustschlägen und einmal von Ohrfeigen  gesprochen  hätten,  ihre  Aussagen  nicht  unglaubhaft  mache,  nichts  zu  ihrem  Vorteil  abzuleiten  vermögen,  umso  weniger,  als  von  einer 

D­677/2012 tatsächlich  angegriffenen  Person  übereinstimmende  Angaben  erwartet  werden dürfen, dass  es  sich  schliesslich  erübrigt,  auf  die  weiteren  in  der  Beschwerde  gemachten Ausführungen näher einzugehen, da diese zu keiner anderen  Einschätzung führen können, dass das BFM angesichts der Sachlage in Anwendung von Art. 34 Abs. 1  AsylG  zu  Recht  auf  die  Asylgesuche  der  Beschwerdeführenden  nicht  eingetreten ist, dass  es  sich  somit  erübrigt,  das  Dossier  dem  BFM  zur  Neubeurteilung  zurückzuweisen, weshalb der entsprechende Antrag abgewiesen wird, dass  die  Ablehnung  eines  Asylgesuchs  oder  das Nichteintreten  auf  ein  Asylgesuch in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge hat  (Art. 44  Abs. 1  AsylG),  vorliegend  der  Kanton  keine  Aufenthaltsbewilligung erteilt hat und zudem kein Anspruch auf Erteilung  einer  solchen  besteht  (vgl.  EMARK 2001  Nr. 21),  weshalb  die  verfügte  Wegweisung  im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen steht und  demnach vom Bundesamt zu Recht angeordnet wurde, dass das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  regelt,  wenn  der  Vollzug  der Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar  oder  nicht  möglich  ist  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember  2005  über  die Ausländerinnen  und  Ausländer [AuG, SR 142.20]), dass  bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungsvollzugshindernissen  gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  seiner  Vorgängerorganisation  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft  gilt,  das  heisst,  sie  sind  zu  beweisen,  wenn  der  strikte  Beweis  möglich  ist,  und  andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl,  in: Peter Uebersax/Beat Rudin/Thomas Hugi Yar/Thomas Geiser [Hrsg.],  Ausländerrecht, Handbücher für die Anwaltspraxis, Band VIII, 2. Auflage,  Basel 2009, S. 568 Rz. 11.148), dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zulässig  ist,  wenn  völkerrechtliche  Verpflichtungen  der  Schweiz  einer  Weiterreise  der 

D­677/2012 Ausländerin oder des Ausländers  in den Heimat­, Herkunfts­ oder einen  Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG), dass  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen werden darf, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus  einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom  28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]), dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  vorliegend  in  Beachtung  dieser  massgeblichen völker­ und landesrechtlichen Bestimmungen zulässig ist,  da  es  den  Beschwerdeführenden  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung  nachzuweisen  oder  glaubhaft  zu  machen,  weshalb das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen  Non­Refoulement in casu keine Anwendung findet, dass  darüber  hinaus  auch  keine  Anhaltspunkte  für  eine  menschenrechtswidrige  Behandlung  im  Sinne  von  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April  1999 (BV, SR 101), von Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu  Art. 3  EMRK  ersichtlich  sind,  die  den  Beschwerdeführenden  im  Heimatland droht, dass sich der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer als unzumutbar  erweist,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  aufgrund  von  Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer  Notlage konkret gefährdet sind (Art. 83 Abs. 4 AuG), Grund dass weder die allgemeine Lage in Serbien noch individuelle Gründe auf  eine  konkrete  Gefährdung  der  Beschwerdeführenden  im  Falle  einer  Rückkehr schliessen lassen, dass  die  Beschwerdeführenden  im  vorinstanzlichen  Verfahren  diverse  gesundheitliche Probleme geltend machten, dass  die  Beschwerdeführerin  angab,  sie  sei  vor  zwei  Jahren  am  Kopf  wegen eines Tumors operiert worden (vgl. A10 S. 8),

D­677/2012 dass bei der Geburt von Tochter F._______ Komplikationen aufgetreten  seien (vgl. A25 S. 5 F48) dass  sie  Kopfschmerzen,  manchmal  auch  Bauchschmerzen  habe  (vgl.  A25 S. 5 F47, 51), dass die Tochter C._______ angeblich Sprachschwierigkeiten hat und an  einem Herzfehler leidet (vgl. A9 S. 8; A24 S. 5 F41), dass  der  Beschwerdeführer  eigenen  Aussagen  zufolge  an  Nervosität,  Angstzuständen, Müdigkeit und Nachtschweiss leidet (vgl. A24 S. 5 F48), dass  in  Serbien  die  medizinische  Grundversorgung  für  die  gesamte  Bevölkerung gewährleistet ist, dass  das  Krankenversicherungsgesetz  Serbiens  allen  benachteiligten  Bevölkerungsgruppen, also auch den Roma, das Recht auf medizinische  Behandlung garantiert, dass  aus  den  Akten  hervorgeht,  dass  die  Beschwerdeführenden  krankenversichert sind, dass  ihre Beiträge an die obligatorische Krankenversicherung durch das  staatliche  Budget  übernommen  werden  (vgl.  Council  of  Europe:  Commissioner for Human Rights, Report by the Commissioner for Human  Rights, Thomas Hammarberg, on his visit to Serbia 13­17 October 2008,  11.03.2009,  https://www.ecoi.net/file_upload/470_1237291705_commdh­ 2009­8­e.pdf, abgerufen am 19.05.2009, S. 33), dass der Beschwerdeführer vor diesem Hintergrund aus dem Vorbringen,  eine Behandlung wäre  in der Heimat wegen  fehlender  finanzieller Mittel  nicht  gewährleistet  (vgl.  A24  S.  5  F46  f.),  nichts  zu  seinen  Gunsten  ableiten kann, dass  sowohl  die  Beschwerdeführerin  als  auch  die  Tochter  C._______  sich im Heimatland bereits behandeln liessen (vgl. A9 S. 8; A25 S. 5 F50,  S. 6 F52), weshalb ihre Gesundheitsprobleme bekannt sind und es ihnen  zugemutet werden darf, sich allenfalls erneut an einen Arzt zu wenden, dass  der  Beschwerdeführer  die  Schule  besuchte  und  Kenntnisse  der  serbischen Sprache aufweist, https://www.ecoi.net/file_upload/470_1237291705_commdh-2009-8-e.pdf https://www.ecoi.net/file_upload/470_1237291705_commdh-2009-8-e.pdf

D­677/2012 dass er  im Weiteren als Tagelöhner und Erntearbeiter  tätig war  (vgl. A9 S. 4), dass er von den heimatlichen Behörden als arbeitsfähig eingestuft wurde  (vgl. A9 und A10 S. 8), dass die Beschwerdeführenden in Serbien ausserdem über ein familiäres  Beziehungsnetz  verfügen  (Mutter  und  zwei  verheiratete Schwestern  der  Beschwerdeführerin,  vgl.  A10  S.  5),  welches  ihnen  bei  der  Wiedereingliederung behilflich sein kann, dass  angesichts  dieser  Umstände  nicht  zu  erwarten  ist,  die  Beschwerdeführenden gerieten bei einer Rückkehr nach Serbien  in eine  existenzbedrohende Situation, weshalb der Vollzug der Wegweisung – in  Übereinstimmung mit dem BFM – als zumutbar zu bezeichnen ist, dass  vor  diesem  Hintergrund  auch  der  dem  Beschwerdeführer  zugesicherte Arbeitseinsatz bei der (…) vom 30. Januar bis 31. Juli 2012  (vgl.  Einladung  der  […]  vom  18.  Januar  2012  betreffend  Beschäftigungseinsatz) an einer Rückführung nichts zu ändern vermag, dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  der  Beschwerdeführenden  in  ihren  Heimatstaat  schliesslich  möglich  ist,  da  keine  Vollzugshindernisse  bestehen (Art. 83 Abs. 2 AuG), und es ihnen obliegt, bei der Beschaffung  gültiger  Reisepapiere  mitzuwirken  (vgl.  Art. 8  Abs. 4  AsylG,  dazu  auch  BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 ­ 515), dass  der  vom  Bundesamt  verfügte  Wegweisungsvollzug  demnach  zu  bestätigen  ist  und  eine  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  ausser  Betracht fällt (Art. 83 Abs. 1­4 AuG), dass  es  den  Beschwerdeführenden  somit  nicht  gelungen  ist  darzutun,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den  rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig  feststellt oder  unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen  ist, dass  in Anbetracht des Umstands, wonach sich die Rechtsbegehren als  aussichtslos  erwiesen  haben,  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  VwVG  unbesehen  einer  allfälligen  Bedürftigkeit  der  Beschwerdeführenden  ebenfalls abzuweisen ist,

D­677/2012 dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr.  600.–  (Art. 1 – 3  des Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 173.320.2])  den  Beschwerdeführenden  aufzuerlegen  sind  (Art. 63  Abs. 1 VwVG). (Dispositiv nächste Seite)

D­677/2012 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  gemäss  Art. 65 Abs. 1 VwVG wird abgewiesen. 3.   Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.­  werden  den  Beschwerdeführenden  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Fulvio Haefeli Karin Schnidrig Versand:

D-677/2012 — Bundesverwaltungsgericht 13.02.2012 D-677/2012 — Swissrulings