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Bundesverwaltungsgericht 08.11.2011 D-5907/2011

November 8, 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,438 words·~7 min·3

Summary

Wegweisung und Wegweisungsvollzug (Beschwerde gegen Wiedererwägungsentscheid) | Wegweisung und Wegweisungsvollzug (Beschwerde gegen Wiedererwägungsentscheid); Verfügung des BFM vom 10. Oktober 2011

Full text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung IV D­5907/2011 Urteil   v om   8 .   No v embe r   2011 Besetzung Einzelrichterin Nina Spälti Giannakitsas, mit Zustimmung von Richter Daniele Cattaneo; Gerichtsschreiberin Nina Hadorn. Parteien A._______, geboren (…), Kamerun,   vertreten durch Ursula Singenberger, Swiss­Exile,  B._______, Beschwerdeführerin,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Wegweisung und Wegweisungsvollzug (Beschwerde gegen  Wiedererwägungsentscheid); Verfügung des BFM vom 10. Oktober 2011 / N _______.

D­5907/2011 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass  die Beschwerdeführerin,  eine  kamerunische Staatsangehörige  aus  C._______, am 9. August 2002 in der Schweiz um Asyl nachsuchte und  zur Begründung im Wesentlichen vorbrachte, sie sei als Waise bei ihrem  Onkel  aufgewachsen,  der  sie  zu  politischen  Aktivitäten  zugunsten  D._______ gezwungen habe, dass  sie  am  31.  Juli  2002  beim  Verteilen  von  Flugblättern  im  Zusammenhang  mit  der  bevorstehenden  Präsidentschaftswahlen  verhaftet und im Gefängnis missbraucht worden sei, dass ihr am 3. August 2002 die Flucht gelungen sei und sie in der Folge  am 8. August 2002 das Land verlassen habe, dass das BFF (Bundesamt  für Flüchtlinge; heute: BFM) das Asylgesuch  mit  Verfügung  vom  19.  Mai  2003  ablehnte  und  die  Wegweisung  der  Beschwerdeführerin aus der Schweiz sowie den Vollzug anordnete, dass  es  zur  Begründung  im  Wesentlichen  ausführte,  die  geltend  gemachten  Verfolgungsvorbringen  würden  den  Anforderungen  an  die  Glaubhaftigkeit  gemäss  Art.  7  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG, SR 142.31) nicht genügen, dass  die  damals  zuständige  Schweizerische  Asylrekurskommission  (ARK)  auf  die  am 25.  Juni  2003  dagegen  eingereichte Beschwerde mit  Urteil vom 14. Juli 2003 nicht eintrat, dass  die  Beschwerdeführerin  am  22.  September  2003  beim  BFM  ein  erstes  Wiedererwägungsgesuch  betreffend  die  Frage  des  Wegweisungsvollzugspunkts einreichte, dass  sie  zur  Begründung  im  Wesentlichen  anführte,  sie  sei  von  ihrem  Onkel  misshandelt  und  missbraucht  worden  und  fürchte  bei  einer  Rückkehr erneute Misshandlungen, dass  eine  Wegweisung  ferner  aus  gesundheitlichen  Gründen  nicht  zumutbar sei, zumal niemand im Heimatstaat sie bei der Finanzierung der  benötigten Behandlungen unterstützen könne und nicht feststehe, ob ihre  Beschwerden dort überhaupt behandelbar seien,

D­5907/2011 dass  sie  zur  Stützung  ihrer  Vorbringen  zur  Hautsache  ein  ärztliches  Zeugnis vom 15. September 2003 zu den Akten reichte,  in welchem der  Beschwerdeführerin  ein  mit  einer  posttraumatischen  Belastungsstörung  (PTBS)  verbundener  depressiver  Zustand  mit  somatischem  Syndrom  (F43.1),  eine  im  Jahr  2003  entdeckte  HIV­Infektion,  ein  postoperativer  Status  infolge  einer  Beckenentzündung  vom  April  2003  sowie  Bauchschmerzen diagnostiziert wurden, dass  das  BFM  mit  Verfügung  vom  8.  Oktober  2003  das  Wiedererwägungsgesuch  vom  22.  September  2003  abwies,  soweit  es  darauf eintrat, dass  die  ARK  die  dagegen  erhobene  Beschwerde  vom  7.  November  2003 mit Urteil vom 1. November 2006 guthiess, die Verfügung des BFM  vom 8. Oktober  2008  aufhob  und  die Sache  zur Neubeurteilung  an  die  Vorinstanz zurückwies, dass das BFM in der Folge über die schweizerische Botschaft in Yaoundé  nähere  Abklärungen  zum  sozialen  Beziehungsnetz  der  Beschwerdeführerin veranlasste, dass diese Abklärungen ergaben, dass die Eltern der Beschwerdeführerin  noch am Leben und in Kamerun wohnhaft sind, dass ein vom BFM eingeforderter ärztlicher Bericht vom 31. Oktober 2007  ergab,  dass  sich  die  Werte  bezüglich  ihrer  Abwehrkräfte  seit  2003  verschlechtert hätten, weshalb sie seit Dezember 2007 einer Tritherapie  folge, dass im ärztlichen Bericht ferner eine chronische Hepatitis B­Erkrankung  diagnostiziert wurde, welche die Behandlung der HIV­Infektion zusätzlich  erschwere, dass die Beschwerdeführerin mit Eingabe vom 13. November 2007 nach  Kenntnisnahme  des  Ergebnisses  der  Botschaftsabklärung  vom  20.  August 2007 im Wesentlichen an ihren bisherigen Ausführungen festhielt, dass  das  BFM  mit  Verfügung  vom  30.  Januar  2008  das  Wiedererwägungsgesuch  vom  22.  September  2003  erneut  abwies  und  zur  Begründung  anführte,  die  Vorbringen  der  Beschwerdeführerin  bezüglich  des  fehlenden  Beziehungsnetzes  erfüllten  die  Anforderungen  an die Glaubhaftigkeit nicht,

D­5907/2011 dass das Bundesverwaltungsgericht die dagegen erhobene Beschwerde  vom  3.  März  2008  mit  Urteil  vom  14.  Juni  2011  unter  Auflage  der  Verfahrenskosten abwies, womit der Entscheid des BFM vom 30. Januar  2008 in Rechtskraft erwuchs, dass  das  Bundesverwaltungsgericht  zur  Begründung  im  Wesentlichen  ausführte,  die  HIV­Infektion  und  die  chronische  Hepatitis  B­Erkrankung  seien  auch  angesichts  der  eingetretenen  Verschlechterung  in  Kamerun  behandelbar, dass dies auch für die psychischen Gesundheitsprobleme gelte, dass die Vorbringen der Beschwerdeführerin, sie verfüge im Heimatstaat  über  kein  tragfähiges  Beziehungsnetz  beziehungsweise  sie  habe  mit  ihren Eltern keinen Kontakt mehr, nicht glaubhaft seien, dass  die  Beschwerdeführerin  –  handelnd  durch  ihren  Rechtsvertreter –  am 6. Oktober 2011 beim BFM ein zweites Wiedererwägungsgesuch  im  Vollzugsunkt einreichte, dass sie  in  ihrer Eingabe zur Hauptsache die Aufhebung der Verfügung  des  BFM  vom  19.  Mai  2003  und  die  vorläufige  Aufnahme  zufolge  Unzulässigkeit und Unzumutbarkeit beantragte, dass  sie  in  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  um  sofortige  Sistierung  aller  Wegweisungsmassnahmen  und  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege ersuchte, dass  sie  im Rahmen  ihres Gesuches  im Wesentlichen  geltend machte,  ein  Wegweisungsvollzug  nach  Kamerun  sei  aufgrund  des  fehlenden  sozialen  Netzes,  ihres  Gesundheitszustands  sowie  der  Entwurzelung  nicht durchführbar, dass sie dabei als Beweismittel unter anderem eine Todesbescheinigung  vom (…) in Bezug auf ihren Onkel (in Kopie) sowie zwei ärztliche Berichte  vom 7. Januar 2011 beziehungsweise vom 22. Juli 2011 einreichte, dass  das  BFM  mit  Verfügung  vom  10.  Oktober  2011  das  Wiedererwägungsgesuch vom 6. Oktober 2011 ohne Kostenfolge abwies  und  die Rechtskraft  und Vollstreckbarkeit  des  negativen Asylentscheids  vom 19. Mai 2003 feststellte,

D­5907/2011 dass  die  Beschwerdeführerin  –  handelnd  durch  ihren  Rechtsvertreter –  am  26.  Oktober  2011  gegen  diesen  Entscheid  beim  Bundesverwaltungsgericht Beschwerde einreichte, dass  sie  in  ihrer  Eingabe  die  Aufhebung  der  Verfügung  des  BFM  vom  10. Oktober 2011 sowie die vorläufige Aufnahme zufolge Unzulässigkeit  und Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs beantragte, dass  sie  in  prozessualer  Hinsicht  um  sofortige  Sistierung  aller  Wegweisungsmassnahmen, um Gewährung der aufschiebenden Wirkung  und  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) ersuchte, dass  die  Beschwerdeführerin  zur  Begründung  im  Wesentlichen  die  bereits  anlässlich  des  erstinstanzlichen  Verfahrens  geltend  gemachten  Vorbringen wiederholte und anfügte, sie sei seit dem 5. Oktober 2011 im  stationären  Behandlungszentrum  der  Psychiatrie  E._______  hospitalisiert, dass sie zur Stützung ihrer Vorbringen eine Bestätigung vom 6. Oktober  2011 bezüglich ihrer Hospitalisierung zu den Akten reichte, dass  das  Bundesverwaltungsgericht  nach  Eingang  der  Beschwerde  vorsorglich  vollzugshemmende  Massnahmen  anordnete  (Telefax  vom  28. Oktober 2011), und zieht in Erwägung, dass  das Bundesverwaltungsgericht  auf  dem Gebiet  des Asyls  und  der  Wegweisung  endgültig  über  Beschwerden  gegen  Verfügungen  (Art. 5  VwVG)  des  BFM  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art. 31 – 33  des Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 17. Juni  2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),

D­5907/2011 dass darunter auch Verfügungen fallen, mit denen das BFM (vgl. Art. 33  Bst.  d  VGG)  ein  Gesuch  um  Wiedererwägung  eines  rechtskräftigen  Entscheides abgewiesen hat, dass  die  Beschwerdeführerin  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders berührt ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung  beziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde legitimiert ist (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48  Abs. 1 VwVG), dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  einzutreten ist (Art. 108 Abs. 1 AsylG und 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG  und Art. 52 VwVG), dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise  einer zweiten Richterin entschieden wird  (Art. 111 Bst. e AsylG) und es  sich  vorliegend,  wie  nachfolgend  aufgezeigt,  um  eine  solche  handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu  begründen  ist  (Art. 111a Abs. 2 AsylG), dass  gestützt  auf  Art.  111a  Abs.  1  AsylG  vorliegend  auf  einen  Schriftenwechsel verzichtet wurde, dass  die Wiedererwägung  im Verwaltungsverfahren  ein  gesetzlich  nicht  geregelter Rechtsbehelf ist, auf dessen Behandlung durch die verfügende  Behörde grundsätzlich kein Anspruch besteht, jedoch nach herrschender  Lehre  und  ständiger  Praxis  des  Bundesgerichts  aus  Art.  29  der  Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April  1999  (BV,  SR  101)  unter  bestimmten  Voraussetzungen  ein  verfassungsmässiger Anspruch auf Wiedererwägung abgeleitet wird (vgl.  BGE 127 I 133 E. 6 mit weiteren Hinweisen), dass  demnach  auf  ein  Wiedererwägungsgesuch  einzutreten  ist,  wenn  sich der rechtserhebliche Sachverhalt seit dem ursprünglichen Entscheid  beziehungsweise  seit  dem  Urteil  der  mit  Beschwerde  angerufenen  Rechtsmittelinstanz  in  wesentlicher Weise  verändert  hat  und mithin  die  ursprüngliche  (fehlerfreie)  Verfügung  an  nachträglich  eingetretene 

D­5907/2011 Veränderungen  der  Sachlage  anzupassen  ist  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der Schweizerischen Asylrekurskommission  [EMARK]  2003  Nr. 17 E. 2a S. 103 f. mit weiteren Hinweisen),  dass  eine Wiedererwägung  hingegen  dann  nicht  in  Betracht  fällt,  wenn  lediglich  eine  neue  Würdigung  der  beim  früheren  Entscheid  bereits  bekannten  Tatsachen  herbeigeführt  werden  soll  oder  Gründe  angeführt  werden,  die  bereits  in  einem  ordentlichen  Beschwerdeverfahren  gegen  die  frühere  Verfügung  hätten  geltend  gemacht  werden  können  (vgl. EMARK 2003 Nr. 17 E. 2b S. 104), dass  im  vorliegenden,  zweiten  Wiedererwägungsgesuch  respektive  der  Beschwerde  gegen  den  vorinstanzlichen Wiedererwägungsentscheid  im  Wesentlichen  ausgeführt  wird,  die  Beschwerdeführerin  verfüge  in  Kamerun  über  kein  tragfähiges  Beziehungsnetz  mehr,  da  sie  seit  dem  Vorschulalter  keinen Kontakt  zu  ihren Eltern mehr habe und  ihre Mutter  ausserdem sehr arm und gesundheitlich angeschlagen sei, dass  der  Onkel,  bei  welchem  sie  aufgewachsen  sei,  im  Jahr  2000  verstorben sei und ihre engste Bezugsperson – ihr Cousin – nicht mehr in  D._______ wohne, dass  ihre  beiden  Kinder  nicht  unterstützungsfähig  seien,  zumal  sie  mit  ihren 20 beziehungsweise 22 Jahren zu jung dafür seien, dass  der  Missbrauch  durch  ihren  Onkel  in  der  Beurteilung  ihrer  Vorbringen nie berücksichtigt worden sei, dass  ferner  in  Bezug  auf  ihre  gesundheitlichen  Schwierigkeiten  ihre  Hepatitis  B­Erkrankung  vernachlässigt  worden  sei  und  das  Bundesverwaltungsgericht  verkenne,  dass  weder  die  psychologische  Betreuung, noch die HIV­Behandlung in Kamerun gratis seien, dass  an HIV  erkrankte Menschen  in  Kamerun  stigmatisiert  würden  und  sie als alleinstehende Frau mit einer HIV­Infektion ohne Beziehungsnetz  dort nicht überlebensfähig sei, dass sie unter Panikattacken  leide und sich  ihr psychischer Zustand bei  einer Rückkehr noch verschlechtern würde, dass  sie  aufgrund  ihrer  psychischen Probleme am 5. Oktober  2011 auf  unbefristete Dauer hospitalisiert worden sei,

D­5907/2011 dass  sie  aufgrund  ihrer  Depression  höchstens  zu  fünfzig  Prozent  arbeitsfähig  sei  und  es  für  sie  in  Kamerun  auch  in  Anbetracht  ihrer  fehlenden Berufsausbildung schwierig würde, eine Arbeit zu finden, dass  sie  zudem  seit  neun  Jahren  nicht  mehr  in  Kamerun  gewesen  sei  und aufgrund der sich ständig ändernden Verhältnisse nicht mehr  in der  Lage sei, sich im dortigen Alltag zurecht zu finden, dass das Bundesamt zur Begründung seiner Verfügung vom 10. Oktober  2011  anführte,  es  lägen  keine  Gründe  vor,  welche  die  Rechtskraft  der  Verfügung vom 19. Mai 2003 beseitigen könnten, dass die sexuellen Übergriffe durch  ihren Onkel sowohl durch das BFM  als  auch  das  Bundesverwaltungsgericht  in  ihren  früheren  Entscheiden  berücksichtigt worden seien, dass auch die Erforderlichkeit einer Tritherapie zur Behandlung ihrer HIV­ Erkrankung bereits im Rahmen der früheren Verfahren bekannt gewesen  sei und sich den Arztberichten keine Hinweise auf eine Veränderung oder  Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes entnehmen liessen, dass  das  Bundesverwaltungsgericht  im  Urteil  vom  14.  Juni  2011  zum  Schluss  gekommen  sei,  sowohl  die  HIV­Infizierung  als  auch  die  Hepatitis B­Erkrankung seien in Kamerun behandelbar, dass  die  Beschwerdeführerin  –  wie  schon  bereits  in  früheren  Verfügungen  ausgeführt  –  in  Kamerun  durchaus  über  ein  tragfähiges  Beziehungsnetz  verfüge,  indem  sowohl  ihr  Cousin  als  auch  ihre  volljährigen Kinder in Kamerun leben würden, dass  die  schlechte  psychische  Verfassung  und  die  Panikattacken  der  Beschwerdeführerin  im  Heimatland  behandelbar  seien  und  es  nicht  ungewöhnlich  sei,  dass  abgewiesene  Asylsuchende  derartige  Beschwerden entwickelten, dass  weder  im  zweiten Wiedererwägungsgesuch  vom  6.  Oktober  2011  noch  in  der  Rechtsmitteleingabe  vom  10.  Oktober  2011  Argumente  vorgebracht  werden,  welche  an  der  Richtigkeit  dieser  Beurteilung  der  Vorinstanz Zweifel aufkommen lassen,  dass im Wiedererwägungsgesuch wie auch in der Beschwerde in weiten  Teilen  eine  neue  Würdigung  des  bereits  beurteilten  Sachverhalts 

D­5907/2011 angestrebt wird, wofür  im Wiedererwägungsverfahren, wie erwähnt, kein  Raum besteht, dass  das  Bundesverwaltungsgericht  in  seinem  Urteil  den  Vollzug  der  Wegweisung der Beschwerdeführerin im Hinblick auf eine Rückkehr nach  Kamerun prüfte und diesen als zulässig, zumutbar und möglich erachtete, dass  in  Bezug  auf  das  Vorhandensein  eines  tragfähigen  Beziehungsnetzes  im  Heimatstaat  anzumerken  ist,  dass  das  Bundesverwaltungsgericht  in seinem Urteil vom 14. Juni 2011 ausführte,  die  Beschwerdeführerin  verfüge  in  ihrem  Heimatstaat  durch  ihre  Eltern  über  ein  Beziehungsnetz,  welches  sie  bei  der  Finanzierung  ihrer  benötigten  gesundheitlichen  Behandlung  unterstützen  könne,  zumal  ihr  Vorbringen, wonach sie seit ihrer frühen Kindheit keinen Kontakt zu ihren  Eltern mehr habe, nicht glaubhaft sei (vgl. a.a.O. E. 5.8.1 S. 12 f.), dass  weder  der  Einwand  der  Beschwerdeführerin,  ihre Mutter  sei  nicht  reich,  noch  derjenige,  ihr  Cousin  oder  ihre  beiden  volljährigen  Kinder  könnten  sie  nicht  unterstützen,  zu  einer  wiedererwägungsweisen  Neubeurteilung zu führen vermag, dass das Bundesverwaltungsgericht  ferner  in seinem Urteil zum Schluss  kam,  der  Gesundheitszustand  der  Beschwerdeführerin  stehe  einem  Wegweisungsvollzug nicht entgegen (vgl. a.a.O. E. 5 S. 8 ff.), dass  es  entgegen  den  Ausführungen  der  Beschwerdeführerin  in  ihrem  Wiedererwägungsgesuch ihre Hepatitis B­Erkrankung sehr wohl in seiner  Beurteilung berücksichtigte (vgl. a.a.O. E. 5.1 S. 8 und E. 5.6 S. 12), dass  es  ferner  nicht  von  der  Kostenlosigkeit  der  Behandlung  ihrer  gesundheitlichen Probleme ausging  (vgl.  ausdrücklich a.a.O. E. 5 S. 6),  sondern  zum  Schluss  kam,  die  Beschwerdeführerin  verfüge  in  ihrem  Heimatstaat mit ihren Eltern und den Verwandten in der Schweiz über ein  Beziehungsnetz,  welches  sie  bei  der  Finanzierung  ihrer  Behandlungen  unterstützen könne, dass  sich  den  Ausführungen  der  Beschwerdeführerin  zu  ihren  gesundheitlichen Beschwerden  im Zusammenhang mit der HIV­Infektion  und der Erkrankung mit Hepatitis B keine Hinweise auf eine seit dem 14.  Juni 2011 veränderte Sachlage entnehmen lassen,

D­5907/2011 dass  das  Vorliegen  einer  mit  einer  PTBS  verbundenen  Depression  bereits Gegenstand des ordentlichen und des ersten ausserordentlichen  Verfahrens  bildete  und  demnach  vom  Bundesverwaltungsgericht  im  Rahmen  des  Prüfung  des  Wegweisungsvollzugs  bereits  rechtskräftig  beurteilt  wurde  (vgl.  a.a.O.   E.  5.7  S.  12),  weshalb  darauf  und  auf  die  geltend  gemachten  damit  verbundenen  Schwierigkeiten  im  Heimatstaat  (Arbeitsunfähigkeit) nicht zurückzukommen ist, dass  es  in  Bezug  auf  die  geltend  gemachte  Hospitalisierung  vom  5.  Oktober 2011 – wie das Bundesverwaltungsgericht bereits  im Urteil vom  14. Juni  2011  festhielt  (vgl.  a.a.O. E. 5.10 S. 14) – nachvollziehbar und  notorisch  ist,  wenn  ein  unausweichlich  bevorstehender  Wegweisungsvollzug  bei  den  damit  konfrontierten  ausländischen  Personen zu einer nicht unerheblich psychischen Belastung führt und die  Hospitalisierung in diesem Zusammenhang einzureihen ist, dass  dieser  Belastung  aber  im  asyl­  und  ausländerrechtlichen  Kontext  grundsätzlich  keine  Bedeutung  zukommt,  weil  eine  geltend  gemachte  Gefährdung  konkrete  Formen  aufweisen muss,  um  zur  Unzumutbarkeit  des Wegweisungsvollzugs nach Art. 83 Abs. 4 des Bundesgesetzes vom  16. Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  (AuG,  SR  142.20) führen zu können, dass  vorliegend  für  die  Zeit  vor  und  während  der  Rückreise  nach  Kamerun einer allfälligen zeitweiligen Verschlechterung des psychischen  Zustandes  der  Beschwerdeführerin  medikamentös  und  mit  einer  angepassten persönlichen Betreuung begegnet werden kann, dass  eine  unerlässliche  ärztliche,  medikamentöse  oder  psychiatrische  Behandlung  der  Beschwerdeführerin  unter  Inanspruchnahme  einer  zu  beantragenden individuellen medizinischen Rückkehrhilfe (Art. 93 Abs. 1  Bst.  d AsylG  i.V.m. Art.  75 der Asylverordnung 2  vom 11. August  1999  über  Finanzierungsfragen  [AsylV  2,  SR  142.312])  –  auch  unter  dem  Aspekt  der  Finanzierbarkeit  über  einen  bestimmten  Zeitraum  –  im  Herkunftsstaat grundsätzlich gewährleistet wäre, dass  nach  dem  Gesagten  nicht  von  einer  entscheidwesentlichen  Verschlechterung  des  Gesundheitszustandes  der  Beschwerdeführerin  seit Erlass des Urteils vom 14. Juni 2011 auszugehen ist, dass  an  dieser  Einschätzung  auch  die  beiden  ins  Recht  gelegten  ärztlichen  Berichte  nichts  zu  ändern  vermögen,  zumal  das  Arztzeugnis 

D­5907/2011 vom 7. Januar 2011 bereits  im ersten Wiedererwägungsverfahren vorlag  und  im  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom  14.  Juni  2011  berücksichtigt wurde (vgl. a.a.O. E. 5.6 S. 11 f.), und dem Bericht vom 22.  Juli 2011 demgegenüber keine veränderte Sachlage zu entnehmen ist, dass  die  gesundheitlichen  Beschwerden  der  Beschwerdeführerin  daher  dem Vollzug der Wegweisung nicht entgegenstehen, dass das Bundesverwaltungsgericht schlussendlich die geltend gemachte  Misshandlung  durch  ihren  Onkel  in  seinem  Urteil  durchaus  berücksichtigte  (vgl.  a.a.O.  E.  6  S.  14)  und  die  Beschwerdeführerin  zudem  entgegen  früheren  Angaben  in  ihrem  zweiten  Wiedererwägungsgesuch  geltend  machte,  ihr  Onkel  sei  verstorben,  weshalb von diesem ohnehin keine Gefahr mehr ausgehen kann, dass die Beschwerdeführerin mit  ihren weiteren Vorbringen, wonach sie  in Kamerun als alleinstehende Frau mit einer HIV­Infizierung stigmatisiert  werde,  mittlerweile  entwurzelt  sei  und  aufgrund  ihrer  fehlenden  Berufsbildung  Schwierigkeiten  bei  der  Arbeitssuche  antreffen  werde,  lediglich  eine  neue Würdigung  bereits  in  früheren  Verfahren  bekannter  Umstände  erwirken  will,  was  im  Rahmen  eines  Wiedererwägungsgesuchs nicht statthaft ist, dass  die  Beschwerdeführerin  demnach  mit  den  Vorbringen  im  Wiedererwägungsgesuch und in der Beschwerde keine entscheidrelevant  veränderte Sachlage darzutun vermag, dass  es  sich  erübrigt,  auf  weitere  Einwendungen  in  der  Beschwerde  näher einzugehen, da diese nicht geeignet sind, einen anderen Entscheid  hinsichtlich des Fehlens von Wiedererwägungsgründen herbeizuführen, dass  das  BFM  nach  dem Gesagten  das Wiedererwägungsgesuch  vom  6. Oktober 2011 zu Recht abgewiesen hat, dass  es  der  Beschwerdeführerin  demnach  nicht  gelungen  ist  darzutun,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den  rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig  feststellt oder  unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen  ist, dass mit dem vorliegenden Entscheid  in der Hauptsache der Antrag auf  Erteilung  der  aufschiebenden Wirkung  der  Beschwerde  gegenstandslos 

D­5907/2011 wird,  weshalb  darüber  nicht  mehr  zu  befinden  ist,  und  auch  der  vorsorglich angeordnete Vollzugsstopp dahinfällt, dass  sich  die  Beschwerde  aufgrund  vorstehender  Erwägungen  als  aussichtlos  erweist  und  deshalb  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  VwVG  ungeachtet  einer  allfälligen  Bedürftigkeit  der  Beschwerdeführerin  abzuweisen ist, dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr.  1'200.­  (Art. 1­3  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2])  der  Beschwerdeführerin  aufzuerlegen  sind  (Art.  63  Abs.  1  VwVG). (Dispositiv nächste Seite)

D­5907/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  gemäss  Art. 65 Abs. 1 AsylG wird abgewiesen. 3.   Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 1'200.­  werden  der  Beschwerdeführerin  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführerin,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: Nina Spälti Giannakitsas Nina Hadorn Versand:

D-5907/2011 — Bundesverwaltungsgericht 08.11.2011 D-5907/2011 — Swissrulings