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Bundesverwaltungsgericht 03.02.2012 D-510/2012

February 3, 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·598 words·~3 min·1

Summary

Zuweisung der Asylsuchenden an die Kantone | Zuweisung der Asylsuchenden an die Kantone; Verfügung des BFM vom 17. Januar 2012

Full text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­510/2012 Urteil   v om   3 .   Februar   2012 Besetzung Einzelrichterin Nina Spälti Giannakitsas, mit Zustimmung von Richterin Muriel Beck Kadima;   Gerichtsschreiber Lorenz Mauerhofer. Parteien A._______, geboren am …, …,  B._______, geboren am …, …,  und ihr Kind  C._______, geboren am …, …,  Beschwerdeführende,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Zuweisung der Asylsuchenden an die Kantone;  Verfügung des BFM vom 17. Januar 2012 / N … .

D­510/2012 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass  die  Beschwerdeführenden  am  5.  Januar  2012  in  der  Schweiz  um  Asyl nachsuchten,  dass sie vom BFM am 11. Januar 2012 zu ihrer Person, ihrem Reiseweg  und summarisch zu ihren Gesuchsgründen befragt wurden,  dass der Beschwerdeführer bei dieser Gelegenheit vorbrachte, er habe in  der Schweiz in der Person von D._______ – dem Cousin des Ehemannes  seiner Schwester – einen entfernten Verwandten,  dass  er  dabei  ein  Schreiben  von  D._______  zu  den  Akten  reichte,  in  welchem  sich  dieser  als  Schweizer  Bürger  ausweist,  zur  Unterstützung  und  provisorischen  Beherbergung  der  Beschwerdeführenden  bereit  erklärt und um deren Zuweisung in den Kanton X._______ ersucht,  dass den Beschwerdeführenden im Anschluss an die Kurzbefragung vom  BFM  das  rechtliche  Gehör  zu  einer  allfälligen  Zuweisung  in  einen  anderen Kanton als den Kanton X._______ gewährt wurde,  dass  sie  dabei  vorbrachten,  ihr  Verwandter  …  [im  Kanton  X._______]  könne ihnen in vieler Hinsicht behilflich sein, sie unterstützen und auf sie  aufpassen,  dass das BFM die Beschwerdeführenden mit Zuweisungsentscheid vom  17.  Januar  2012  –  eröffnet  am  gleichen  Tag  –  für  die  Dauer  des  Asylverfahrens dem Kanton Y._______ zuteilte,  dass  die  Beschwerdeführenden  mit  Eingabe  vom  26.  Januar  2012  (Poststempel) gegen diesen Entscheid Beschwerde erhoben,  dass sie die Aufhebung des Zuweisungsentscheides und die Vereinigung  mit  ihrer Familie … [im Kanton X._______] beantragen sowie um Erlass  der Verfahrenskosten und um Befreiung von der Kostenvorschusspflicht  ersuchen, 

D­510/2012 und zieht in Erwägung, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig  über Beschwerden gegen Verfügungen des BFM entscheidet, ausser bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (vgl.  dazu  Art. 105  des  Asylgesetzes  vom  26.  Juni  1998  [AsylG,  SR  142.31]  i.V.m.  Art. 31 ­ 33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [VGG,  SR 173.32]  sowie  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005 [BGG, SR 173.110]), dass  sich  das  Verfahren  nach  dem  Bundesgesetz  vom  20. Dezember  1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) richtet, soweit  das VGG oder  das AsylG  nichts  anderes  bestimmen  (vgl.  Art.  37 VGG  sowie Art. 6 und 105 AsylG),  dass  es  sich  beim  Entscheid  über  die  Zuweisung  einer  asylsuchenden  Person an einen Kanton in Anwendung von Art. 27 Abs. 3 AsylG um eine  selbständig anfechtbare Zwischenverfügung handelt (vgl. Art. 107 Abs. 1  [letzter Satz] AsylG), dass ein Zuweisungsentscheid des Bundesamts nur mit der Begründung  angefochten  werden  kann,  er  verletze  den  Grundsatz  der  Einheit  der  Familie (vgl. dazu Art. 27 Abs. 3 [letzter Satz] und 106 Abs. 2 AsylG), dass  von  den  Beschwerdeführenden  eine  solche  Verletzung  geltend  gemacht  wird,  womit  der  in  Art. 27  Abs.  3  AsylG  genannte  zulässige  Rügegrund angerufen wird (vgl. dazu BVGE 2008/47 E. 1.2), dass  daher  auf  die  im  Übrigen  frist­  und  formgerechte  Eingabe  der  legitimierten  Beschwerdeführenden  einzutreten  ist  (vgl.  Art.  108  Abs.  1  AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG sowie Art. 48 Abs. 1 VwVG),  dass  die  vorliegende  Beschwerde  –  wie  nachfolgend  aufgezeigt –  offensichtlich  unbegründet  ist,  weshalb  darüber  in  einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise  einer zweiten Richterin zu entscheiden ist (Art. 111 Bst. e AsylG), dass  auf  einen  Schriftenwechsel  zu  verzichten  und  der  Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 1  und 2 AsylG), 

D­510/2012 dass der Sachverhalt – soweit entscheidrelevant – als vollständig erstellt  zu erkennen ist, weshalb auf die in der Beschwerde in Aussicht gestellten  Beweismittel  (persönliche  Schreiben  der  Verwandten  und  eine  Bestätigung …  [einer  politischen  Gruppierung])  verzichtet  werden  kann  (vgl. Art. 33 Abs. 1 VwVG),  dass  das  Bundesamt  die  Asylsuchenden  gemäss  Art.  27  Abs.  3  AsylG  den  Kantonen  zuweist  und  dabei  den  schützenswerten  Interessen  der  Kantone und der Asylsuchenden Rechnung trägt,  dass es die Verteilung der Asylsuchenden unter Berücksichtigung bereits  in der Schweiz lebender Familienangehöriger, der Staatsangehörigkeiten  und besonders betreuungsintensiver Fälle möglichst gleichmässig auf die  Kantone  vornimmt  (vgl.  Art.  22  Abs.  1  der  Asylverordnung 1  vom  11. August 1999 über Verfahrensfragen [AsylV 1, SR 142.311]),  dass  von  den  Beschwerdeführenden  geltend  gemacht  wird,  ihre  im  Kanton X._______  lebenden Verwandten – D._______ und die Cousine  E._______,  welche  beide  sehr  gut  integriert  seien  und  über  das  Schweizer Bürgerrecht verfügten – könnten sie  im Asylverfahren und  im  täglichen Leben unterstützen,  dass  vor  diesem Hintergrund  der  Grundsatz  der  Einheit  der  Familie  zu  respektieren  sei,  zumal  ein  Zusammenleben  im  gleichen  Kanton  sehr  wünschenswert und für ihr persönliches Fortkommen sehr hilfreich wäre,  dass  diese  Vorbringen  auch  nicht  ansatzweise  geeignet  sind,  den  Zuweisungsentscheid des BFM als unrechtmässig erscheinen zu lassen,  dass  in  dieser  Hinsicht  vorab  festzuhalten  ist,  dass  den  Beschwerdeführenden  zur  Frage  der  Kantonszuweisung  das  rechtliche  Gehör gewährt wurde und das Bundesamt  in  seinem Entscheid konkret  auf  deren  Vorbringen  eingegangen  ist,  womit  der  Zuweisungsentscheid  den  massgeblichen  formellen  Anforderungen  genügt  (vgl.  dazu  BVGE  2008/47 E. 3), dass  vorliegend  –  wie  vom  BFM  zu  Recht  erkannt  –  kein  Anlass  zur  Annahme bestehen kann, zwischen den Beschwerdeführenden und ihren  in  der  Schweiz  lebenden  Verwandten,  welche  offenkundig  nicht  ihrer  Kernfamilie  zuzurechnen  sind,  würde  eine  enge  familiäre  Bindung  im  Sinne eines eigentlichen Abhängigkeitsverhältnisses bestehen, 

D­510/2012 dass  indes  bei  einer  solchen  Konstellation  –  wie  vom  BFM  zu  Recht  erwogen – eine Berufung auf den Schutzbereich der Einheit der Familie  ausser Betracht fällt (vgl. dazu BVGE 2008/47 E. 4.1 [m.w.H.]), dass  von  den  Beschwerdeführenden  im  Resultat  keine  Verletzung  des  Grundsatzes  der  Einheit  der  Familie  dargelegt,  sondern  blosse  Nützlichkeitsüberlegungen  angestellt  werden,  welchen  nach  dem  klaren  Wortlaut von Art. 27 Abs. 3 AsylG keine Relevanz zukommt,  dass  nichts  anderes  für  das  Vorbringen  geltend  kann,  der  Beschwerdeführer  sei  in  der  Schweiz  auf  besonderen  Schutz  angewiesen,  welcher  im  Kanton  X._______  viel  besser  als  im  Kanton  Y._______ gewährleistet wäre, zumal dieses Vorbringen auch als haltlos  zu erkennen ist,  dass nach dem Gesagten eine Verletzung des Grundsatzes der Einheit  der  Familie  nicht  ersichtlich  ist,  weshalb  die  Beschwerde  gegen  die  Zwischenverfügung des BFM vom 17. Januar 2012 abzuweisen ist,  dass  mit  dem  vorliegenden  Urteil  das  Gesuch  um  Befreiung  von  der  Kostenvorschusspflicht  (gemäss  Art.  63  Abs.  4  VwVG)  gegenstandslos  geworden ist, dass  demgegenüber  das  Gesuch  um  Erlass  der  Verfahrenskosten  (im  Sinne  von Art.  65 Abs.  1 VwVG)  im Urteilszeitpunkt  abzuweisen  ist,  da  sich die Beschwerde von Anfang an als aussichtslos erwiesen hat,  dass  daher  die  Kosten  des  Verfahrens  von  Fr.  600.–  den  Beschwerdeführenden  aufzuerlegen  sind  (Art. 63  Abs. 1  und  5  VwVG  i.V.m.  Art. 1­3  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite)

D­510/2012 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Das Gesuch um Erlass der Verfahrenskosten wird abgewiesen.  3.   Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.–  werden  den  Beschwerdeführenden  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Die Einzelrichterin: Der Gerichtsschreiber: Nina Spälti Giannakitsas Lorenz Mauerhofer Versand:

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