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Bundesverwaltungsgericht 03.11.2011 D-5081/2010

November 3, 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·3,141 words·~16 min·4

Summary

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 10. Juni 2010

Full text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­5081/2010 law/auj Urteil   v om   3 .   No v embe r   2011 Besetzung Richter Walter Lang (Vorsitz),  Richterin Gabriela Freihofer, Richter Pietro Angeli­Busi;  Gerichtsschreiberin Jacqueline Augsburger. Parteien A._______, geboren am […], B._______, geboren am […], Äthiopien,   beide vertreten durch Urs Ebnöther, Rechtsanwalt,  […],  Beschwerdeführende,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung;  Verfügung des BFM vom 10. Juni 2010 / N […].

D­5081/2010 Sachverhalt: A.  Der  Beschwerdeführer  –  ein  äthiopischer  Staatsangehöriger  der  Ethnie  der Oromo aus Z._______  (Provinz Y._______) mit  letztem Wohnsitz  in  Addis  Abeba  –  verliess  seinen  Heimatstaat  eigenen  Angaben  zufolge  zusammen  mit  seiner  Ehefrau  am  20. September  2006  und  fuhr  mit  einem  Auto  nach  Djibouti.  Dort  seien  sie  wegen  illegaler  Einreise  während  sieben Monaten  inhaftiert  gewesen.  Nach  der  Entlassung  aus  der Haft seien sie mit einem Schiff in ein unbekanntes europäisches Land  gereist und von dort aus mit einem Auto am 18. Juni 2007 in die Schweiz  gelangt, wo sie am selben Tag um Asyl nachsuchten. Am 27. Juni 2007  erhob  das  BFM  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  (EVZ)  Chiasso  ihre Personalien und befragte sie zum Reiseweg sowie – summarisch –  zu den Asylgründen  (Befragung  zur Person, BzP). Am 30. August  2007  hörte das Amt den Beschwerdeführer und seine Ehefrau getrennt zu den  Asylgründen  an.  Mit  Verfügung  vom  10. Juli  2007  wies  das  BFM  das  Ehepaar  für  die  Dauer  des  Asylverfahrens  dem  Kanton  X._______  zu.  Am 12. Januar 2010 wurde der Beschwerdeführer  vom BFM ergänzend  angehört.  B.  Zur  Begründung  des  Asylgesuchs  machte  der  Beschwerdeführer  im  Wesentlichen  geltend,  er  habe  die  ONEG  (amharisches  Kürzel  für  „Oromo  Liberation  Front“  [OLF])  finanziell  unterstützt,  für  sie  Flugblätter  verteilt,  an  Versammlungen  teilgenommen  beziehungsweise  solche  geführt  sowie  Leute,  welche  nicht  viel  über  ihre  eigene  Geschichte  gewusst  hätten,  in  Kultur  und  Geschichte  der  Oromo  unterrichtet.  Seit  1999/2000 sei er Mitglied der OLF. Am 14. März 2006 hätten Bewaffnete  der  Woyane­Regierung  ihn  in  seinem  Geschäft  in  Addis  Abeba  festgenommen und auf die Polizeizentrale gebracht. Dort sei er während  einer  Woche  über  die  OLF  und  sein  Engagement  für  diese  verhört,  geschlagen  und  gefoltert  worden.  Man  habe  ihm  vorgeworfen,  als  Mitglied  der  OLF  mit  Waffen  gehandelt  und  Dokumente  versteckt  zu  haben. Sie  hätten  sein Glied  in  eine Wasserflasche gesteckt,  an  dieser  angebunden und während zweier Nächte so gelassen. Er habe auf den  Knien  auf  Steinen  kriechen  müssen,  und  man  habe  ihm  schmutzige  Strümpfe  in  den Mund  gestopft.  Nach  einer Woche  sei  er  vor  dem  […]  Gericht  („[…]“)  in  Addis  Abeba  erschienen  und  nach  einer  kurzen  Verhandlung  ohne  Gerichtsurteil  in  das  Gefängnis  von  Addis  Abeba  gebracht  worden,  in  dem  er  vier Monate  verbracht  habe. Wegen  eines 

D­5081/2010 bevorstehenden  Gefängnisbesuchs  des  Roten  Kreuzes  habe  man  ihn  und zahlreiche andere  Insassen am 8. Juli 2006 gegen Bezahlung einer  Kaution  freigelassen.  In  der Nacht  seien Militärangehörige  zu  ihm  nach  Hause  gekommen.  Seine  Ehefrau  habe  geschrien,  als  sie  die  Militärs  gesehen habe. Diese hätten sie geschlagen, und als Folge davon habe  sie eine Fehlgeburt erlitten. Durch ihre Schreie alarmiert, sei er geflüchtet;  sie hätten auf ihn geschossen. Er habe einen Parteifreund angerufen und  von  dessen  Familie  erfahren,  dass  in  derselben  Nacht  dieser  beziehungsweise  einer  seiner  Zellengenossen  umgebracht  worden  sei.  Deshalb habe er am 9. Juli 2006 Addis Abeba verlassen und sich bis zu  seiner Ausreise am 20. September 2006 bei einem Freund in W._______  versteckt.  Seine  Familie  sei  in  den  Neunzigerjahren  aus  politischen  Gründen  nach  Kenia  geflüchtet;  er  sei  bei  der  Grossmutter  aufgewachsen.  Ein  Onkel  sitze  in  Äthiopien  im  Gefängnis.  Nach  der  Festnahme  seines  Onkels  im  Jahr  1999  bis  zu  seiner  eigenen  viermonatigen Inhaftierung 2006 sei er einmal pro Monat während einigen  Tagen bis zu einer Woche festgehalten, zu einer allfälligen Mitgliedschaft  bei  der  ONEG,  zum  Aufenthaltsort  seiner  Familie  und  zu  Dokumenten  befragt  sowie  geschlagen,  mangels  Beweisen  aber  jeweils  wieder  freigelassen worden.  Zur  Untermauerung  seiner  Vorbringen  reichte  der  Beschwerdeführer  Kopien  eines  vom  „[…]“  am  […]  ausgestellten Dokumentes  sowie  einer  Parteibestätigung der OLF vom […] ein. In der von der Dolmetscherin des  BFM  vorgenommenen  italienischen  Übersetzung  des  gerichtlichen  Dokumentes heisst es unter anderem, der Beschwerdeführer sei wegen  regierungsfeindlicher Propaganda, Unterstützung der OLF, Teilnahme an  Veranstaltungen  und  Störung  der  Ruhe  von  jungen  Studierenden  inhaftiert  gewesen  und  gegen  Bezahlung  einer  Kaution  freigelassen  worden.  Da  er  drei  Vorladungen  keine  Folge  geleistet  habe,  werde  ein  richterlicher Haftbefehl gegen ihn erlassen.  C.  Am  […]  gebar  die  Ehefrau  des  Beschwerdeführers  die  gemeinsame  Tochter B._______.  D.  D.a Am 6. April 2010 ersuchte das BFM die Schweizer Botschaft in Addis  Abeba  um  zusätzliche  Abklärungen  bezüglich  der  Asylvorbringen  des  Beschwerdeführers (und seiner Ehefrau) im Sinne von Art. 41 Abs. 1 des  Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31).  

D­5081/2010 D.b Mit Schreiben vom 25. Mai 2010 übermittelte die Schweizer Botschaft  in Addis Abeba dem BFM einen vom 17. Mai 2010 datierten Bericht der  von ihr mit den Abklärungen betrauten Vertrauensperson.  D.c Das BFM gewährte  dem Beschwerdeführer  und  seiner Ehefrau  am  1. Juni 2010 das rechtliche Gehör zum Ergebnis der Botschaftsabklärung  vom 25. Mai 2010, wonach das eingereichte Gerichtsdokument nicht echt  sei. Bei der auf dem eingereichten Dokument vermerkten Aktennummer  handle  es  sich  um  ein  gemeinrechtliches  Delikt  (gemäss  Wortlaut  der  Auskunft der Vertrauensperson vom 17. Mai 2010 "a civil, not a criminal,  case"),  in  welches  die  Personen  C._______  und  D._______  involviert  gewesen  seien.  Der  Gerichtsfall  sei  im  Weiteren  entschieden  und  abgeschlossen.  D.d  In  ihrer  Stellungnahme  vom  7. Juni  2010  hielten  der  Beschwerdeführer  und  seine  Ehefrau  an  der  Echtheit  des  Dokumentes  fest.  Sie  führten  aus,  sich  nicht  erklären  zu  können,  wie  die  Schweizer  Botschaft  zu einem andern Ergebnis  gelangen  könne. Sodann machten  sie  für  den  Fall,  dass  die  Botschaft  mit  den  äthiopischen  Behörden  Kontakt aufgenommen haben sollte, eine erhöhte Gefährdung geltend.  E.  Mit  Verfügung  vom  10. Juni  2010  –  eröffnet  am  14. Juni  2010  –  stellte  das  BFM  fest,  der  Beschwerdeführer  und  seine  Ehefrau  erfüllten  die  Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte die Asylgesuche ab. Gleichzeitig  verfügte  das  Amt  die  Wegweisung  des  Beschwerdeführers  und  seiner  Ehefrau  aus  der  Schweiz  und  forderte  sie  unter  Androhung  von  Zwangsmitteln  im  Unterlassungsfall  auf,  die  Schweiz  bis  am  5. August  2010 zu verlassen.  F.  Mit  Eingaben  vom  18. Juni  2010  und  vom  28. Juni  2010  ersuchte  die  mittlerweile  mandatierte  Rechtsvertretung  des  Beschwerdeführers  das  BFM um Akteneinsicht, welche dieses mit Verfügung vom 30. Juni 2010  gewährte.  G.  Mit Eingabe vom 13. Juli 2010  liess der Beschwerdeführer durch seinen  Rechtsvertreter  beim Bundesverwaltungsgericht  gegen  diese  Verfügung  Beschwerde  erheben  und  beantragen,  das  Verfahren  des  Beschwerdeführers  sei  von  demjenigen  seiner  Ehefrau  zu  trennen,  die 

D­5081/2010 vorinstanzliche  Verfügung  sei  vollumfänglich  aufzuheben,  es  sei  die  Flüchtlingseigenschaft  des  Beschwerdeführers  festzustellen  sowie  ihm  Asyl  zu  gewähren,  und  sein  Kind  sei  nach  Art. 51  AsylG  in  die  Flüchtlingseigenschaft  und  das  Asyl  einzubeziehen;  eventualiter  sei  die  Unzulässigkeit  oder  zumindest  die  Unzumutbarkeit  des  Vollzugs  der  Wegweisung  festzustellen  und  die  vorläufige  Aufnahme  anzuordnen.  In  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  liess  er  beantragen,  es  sei  die  unentgeltliche  Rechtspflege  zu  gewähren  und  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  zu  verzichten  und  es  sei  ihm  in  der  Person  des  unterzeichnenden  Rechtsanwalts  ein  unentgeltlicher  Rechtsbeistand  zu  stellen. H.  Mit  Verfügung  vom  28. Juli  2010  hielt  der  Instruktionsrichter  fest,  das  vorliegende Verfahren werde antragsgemäss vom Beschwerdeverfahren  der  Ehefrau  (D­5371/2010)  getrennt  geführt,  mit  diesem  jedoch  koordiniert  behandelt.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art. 65  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021)  hiess  der  Instruktionsrichter  gut,  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses verzichtete er, und das Gesuch um Gewährung eines  unentgeltlichen  Rechtsbeistandes  im  Sinne  von  Art. 65  Abs. 2  VwVG  wies er ab. Gleichzeitig lud er die Vorinstanz zur Vernehmlassung ein.  I.  Das BFM hielt  in  seiner  Vernehmlassung  vom  13. August  2010  an  den  Erwägungen  in  der  angefochtenen  Verfügung  fest  und  beantragte  die  Abweisung der Beschwerde. Die vorinstanzliche Vernehmlassung wurde  den Beschwerdeführenden am 26. August 2010 zur Kenntnisnahme ohne  Replikrecht zugestellt.  J.  Mit  Eingabe  seines  Rechtsvertreters  vom  18. August  2011  liess  der  Beschwerdeführer  ein  vom  […]  datiertes  Schreiben  der  Organisation  „[…]“  einreichen,  in  welchem  unter  anderem  seine  Inhaftierung  vom  11. März  2006  bis  8. Juli  2006  bestätigt werde.  Zur Untermauerung  der  Verfolgungsvorbringen  zitierte  er  ferner  Auszüge  aus  einem  Online­ Magazin,  gemäss  dem  die  äthiopische  Regierung  die  OLF  seit  dem  14. Juni  2011  als  terroristische  Organisation  einstufe,  sowie  aus  einem  Bericht  von  Amnesty  International  zum  Umgang  der  äthiopischen  Regierung mit OLF­Anhängern. 

D­5081/2010 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  somit  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde; es  entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend  – endgültig,  (Art. 105  AsylG;  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2.  Das  während  des  erstinstanzlichen  Verfahrens  geborene  Kind  B._______ wird  in das Beschwerdeverfahren seines Vaters einbezogen.  Letzterer  hat  am Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen,  ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung.  Er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 105 AsylG  i.V.m. Art. 37 VGG, Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  (Art. 108  Abs. 1  AsylG;  Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art. 37  VGG  und  Art. 52  Abs. 1  VwVG)  ist  einzutreten.  2.  Mit Beschwerde  können die Verletzung  von Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).  3.   3.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Als  Flüchtling  wird  eine  ausländische  Person  anerkannt,  wenn  sie  in  ihrem  Heimatstaat  oder  im  Land,  in  dem  sie  zuletzt  wohnte,  wegen  ihrer Rasse, Religion, Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen  ihrer  politischen  Anschauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete  Furcht  hat,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden.  Als  ernsthafte  Nachteile  gelten  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder 

D­5081/2010 Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck  bewirken (Art. 3 AsylG).  3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7  AsylG).  4.   4.1. Das  BFM  hielt  zur  Begründung  des  ablehnenden  Asylentscheides  fest,  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  und  seiner  Ehefrau  hielten  den Anforderungen an die Glaubhaftmachung gemäss Art. 7 AsylG nicht  stand,  weshalb  ihre  Asylrelevanz  nicht  geprüft  werden  müsse.  Im  Einzelnen  führt  es  aus,  Abklärungen  der  Schweizer  Botschaft  in  Addis  Abeba  hätten  ergeben,  dass  das  eingereichte  Gerichtsdokument  gefälscht sei. Die auf dem Dokument angebrachte Aktennummer beziehe  sich  auf  einen  zivilrechtlichen  Streit  zwischen  zwei  anderen  Personen,  der zudem abgeschlossen sei. Mit der anlässlich des rechtlichen Gehörs  erhobenen Gegenbehauptung des Beschwerdeführers, das Dokument sei  echt,  löse  er  die  Unstimmigkeiten  nicht  auf.  Zumal  das  eingereichte  Dokument gefälscht sei, sei „die Darstellung“ des Beschwerdeführers und  seiner  Ehefrau  nicht  glaubhaft.  Vor  diesem  Hintergrund  erstaune  nicht,  dass  ihre  Aussagen  „mit  zahlreichen  Unstimmigkeiten  bespickt“  seien  (Erwägung 1,  Seite 3  der  angefochtenen  Verfügung).  Der  Beschwerdeführer  habe  sodann  zu  wesentlichen  Punkten  unterschiedliche Angaben gemacht. An der BzP habe er angegeben, er  sei  am  14. März  2006  (gemäss  äthiopischem  Kalender  am  5. Megabit  1998)  von  vier  Personen  festgenommen  worden,  wogegen  er  an  der  Anhörung  gesagt  habe,  er  sei  am  5.  April  2006  beziehungsweise  am  25. Megabit 1998 von vier bis  fünf Personen  festgenommen worden. An  der BzP habe er erklärt, er habe die viermonatige Haft mit  zwei andern  Personen  in  einer  Zelle  verbracht,  während  er  an  der  Anhörung  zu  Protokoll  gegeben  habe,  in  einem  Raum  seien  300  bis  400  Häftlinge  festgehalten  worden.  An  der  BzP  habe  er  angegeben,  ausser  der  vorgebrachten  Festnahme  und  anschliessenden  Inhaftierung  sonst  nie  festgenommen worden zu sein; an der Anhörung habe er demgegenüber  geltend  gemacht,  von  1999  bis  2006  jeden  Monat  mindestens  einmal 

D­5081/2010 festgenommen  worden  zu  sein.  Gemäss  seinen  Schilderungen  an  der  BzP habe man ihn nach der Festnahme auf die Polizeizentrale gebracht;  auf  die  diesbezügliche  Nachfrage  an  der  Anhörung  habe  er  erklärt,  es  habe  sich  nicht  um  einen  Polizeiposten  gehandelt,  sondern  um  ein  richtiges  Gefängnis.  Der  Beschwerdeführer  habe  ausgesagt,  seine  Ehefrau  habe  ihn  im  Gefängnis  besucht,  dazu  habe  er  aber  keine  konkreten  Angaben  machen  können.  Die  widersprüchliche  und  unsubstanziierte Darstellung bestätige die bestehende Unglaubhaftigkeit  der  Vorbringen.  Daran  vermöge  die  eingereichte  Parteibestätigung  der  OLF nichts zu ändern, zumal deren Authentizität – insbesondere im Licht  der unstimmigen Angaben des Beschwerdeführers und seiner Ehefrau –  grundsätzlich offenbleiben müsse.  4.2.  In der Beschwerde wird demgegenüber unter Hinweis auf das Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  D­796/2008  vom  13. April  2010  ausgeführt,  an  der  Tauglichkeit  von  Botschaftsabklärungen  über  Vertrauensanwälte  in  Äthiopien  bestünden  erhebliche  Zweifel.  Dem  unterzeichnenden  Rechtsanwalt  sei  zudem  aus  verlässlichen  Quellen  bekannt,  dass Abklärungen über Vertrauenspersonen  in Äthiopien ohne  Einbezug  der  lokalen  Sicherheitsbehörden  nicht  einfach  seien.  Die  lukrativen Abklärungen würden so meist nur zum Schein vorgenommen,  oder  aber  sie  erfolgten  unter  Verletzung  von  Art. 97  Abs. 1  AsylG.  Der  Beschwerdeführer  habe  in  seiner  Stellungnahme  vom  7. Juni  2010  geltend gemacht, dass eine Abklärung bei den äthiopischen Behörden für  ihn ein Risiko darstelle. Unter diesen Umständen sei der Beweiswert der  Botschaftsabklärungen  zum  eingereichten  Gerichtsdokument  höchst  fraglich. Entgegen der Ansicht der Vorinstanz habe der Beschwerdeführer  seine Vorbringen plausibel dargelegt. Der scheinbare Widerspruch in den  Angaben  des  Beschwerdeführers  zum  Datum  seiner  Inhaftierung  (5. beziehungsweise  25. Megabit)  resultiere  wahrscheinlich  aus  einem  Übersetzungs­  beziehungsweise  Umrechnungsfehler  bei  der  Anhörung.  Der  25. Megabit  1998  entspreche  im  abendländischen  Kalender  dem  3. April  2006,  nicht  dem  5. April,  was  zeige,  wie  leicht  bei  der  Konvertierung  zwischen  den  beiden  Kalendern  ein  Umrechnungsfehler  geschehen könne. Zutreffend  sei  der 5. Megabit. Der Beschwerdeführer  habe  das  Datum  anlässlich  der  Rückübersetzung  denn  auch  korrigiert,  was allerdings im Protokoll nicht festgehalten worden sei. Er habe neben  einer  Korrektur  der  unmittelbar  vorangehenden  Antwort  unterschrieben  und sei der Meinung gewesen, mit dieser Unterschrift beide Änderungen  bestätigt  zu  haben.  Der  25. Megabit  1998  sei  überdies  einzig  an  der  erwähnten  Stelle  der  Anhörung  protokolliert  worden.  Wie  die  fünf 

D­5081/2010 Protokolle  zeigten,  hätten  sowohl  der  Beschwerdeführer  als  auch  seine  Ehefrau  durchwegs  vom  5. Megabit  1998  gesprochen.  Dass  dieses  Datum  zutreffe,  gehe  auch  aus  den Erklärungen  im Anhörungsprotokoll  (act.  A15/18  S. 14)  klar  hervor.  Das  Datum  der  Festnahme  des  Beschwerdeführers  sei  fälschlicherweise  als  25. Megabit  1998  protokolliert  worden.  Auch  zur  Anzahl  Personen,  welche  den  Beschwerdeführer  festgenommen  hätten,  bestünden  keine  widersprüchlichen Aussagen. An der BzP habe er gesagt, es seien vier  gewesen, an der ersten Anhörung vier bis  fünf. Fünf Personen seien zu  ihm  gekommen,  um  ihn mitzunehmen,  und  vier  davon  hätten  ihn  dann  effektiv  gepackt  und  abgeführt.  Von  einem  wesentlichen  Widerspruch  könne auch sonst nicht gesprochen werden,  insbesondere in Anbetracht  der  massiven  Folter  des  Beschwerdeführers  und  der  aus  dieser  traumatischen  Erfahrung  möglicherweise  resultierenden  Erinnerungsschwierigkeiten.  Auch  die  Angaben  des  Beschwerdeführers  zur  Anzahl  Zellengenossen  (zwei  beziehungsweise  300  bis  400)  seien  nicht  widersprüchlich,  sondern  bezögen  sich  auf  unterschiedliche  Abschnitte  der Gefangenschaft  an  zwei  verschiedenen Orten.  Zunächst  sei der Beschwerdeführer während sieben Tagen auf dem "[…]"  in einer  kleineren Zelle mit zwei anderen Personen festgehalten worden; nach der  gerichtlichen Vorführung sei er ins […] verlegt und in einer Zelle mit vielen  anderen  Personen  festgehalten  worden.  Auf  die  an  der  BzP  gestellte  Frage  "E  stato  arrestato  altre  volte?"  habe  der  Beschwerdeführer  geantwortet,  "No  a  parte  Djibouti",  wo  er  und  seine  Ehefrau  sieben  Monate  in  Haft  verbracht  hätten.  Aufgrund  dieser  Antwort  erscheine  naheliegend,  dass  er  den  Begriff  "arrestare"  im  Sinne  einer  längeren  Inhaftierung und nicht nur einer vorübergehenden Festnahme verstanden  habe. Vor dem Jahr 2006 hätten Sicherheitskräfte ihn mehrmals während  nur einigen Tagen festgehalten. Zum angeblichen Widerspruch bezüglich  des  Ortes,  an  welchen  man  den  Beschwerdeführer  nach  seiner  Festnahme  zunächst  gebracht  habe  –  auf  die  Polizeistation  oder  in  ein  richtiges  Gefängnis  –   handle  es  sich  offenbar  um  ein  Übersetzungsproblem.  Er  habe  den  entsprechenden  Ort  mehrmals  als  "[…]"  bezeichnet;  der  zutreffende  deutsche  Begriff  sei  schwierig  zu  eruieren. Laut Auskunft des Beschwerdeführers handle es sich um eine  Art  Polizeistation,  in  der  die  Leute  regelmässig  gefoltert  würden.  Möglicherweise  habe  er  deshalb  angegeben,  es  handle  sich  nicht  um  eine  "normale"  Polizeistation.  Abgesehen  von  diesen  linguistischen  Unsicherheiten  habe  der Beschwerdeführer  seine Haft  an  beiden Orten  plausibel  geschildert.  Dass  er  nicht  genau  gezählt  habe,  wie  oft  seine  Ehefrau  ihn  im  Gefängnis  besuchen  kam,  spreche  nicht  gegen  seine 

D­5081/2010 Glaubwürdigkeit.  Unter  Berücksichtigung  der  miserablen  Haftbedingungen  und  der  regelmässigen  Folter  habe  er  genügend  konkrete Angaben zu den Besuchen seiner Ehefrau machen können. So  habe er  an der Anhörung erklärt, Besuche  seien nur  einmal  die Woche  erlaubt, es sei möglich, dass die Wachen seine Ehefrau manchmal nicht  zu ihm gelassen hätten, auf dem Polizeiposten habe er sie nach drei bis  vier  Tagen  erstmals  gesehen  und  im  Gefängnis  in  der  ersten  oder  zweiten Woche.  Zur  asylrechtlichen  Relevanz  der  Verfolgungsvorbringen  wird  in  der  Beschwerde geltend gemacht, die Familie des Beschwerdeführers habe  die OLF  seit  vielen  Jahren  unterstützt  und  sei  deswegen  1990/91  nach  Kenia  geflüchtet;  ein  Onkel  sei  in  der  Haft  gestorben.  Der  Beschwerdeführer  selbst  sei  nicht  blosser  Sympathisant  der Opposition  gewesen, sondern ein aktiver Oppositioneller, welcher deswegen bereits  inhaftiert  und  gefoltert  worden  sei.  Zudem  sei  er  auch  in  der  Schweiz  exilpolitisch  für  die  OLF  tätig.  Bei  einer  allfälligen  Rückkehr  nach  Äthiopien müsse er daher zweifellos mit Verfolgung  im Sinne von Art. 3  AsylG  rechnen.  Die  eingereichte  Parteibestätigung  sei  als  Beweismittel  angemessen  zu  würdigen,  belege  sie  doch  die  Zugehörigkeit  des  Beschwerdeführers zur OLF.  Sodann  wird  in  der  Beschwerde  allgemein  gerügt,  das  BFM  habe  die  Vorbringen des Beschwerdeführers ungenügend gewürdigt. Dieser habe  seine politische Tätigkeit und die Ziele der OLF, die Umstände der Haft  und  der  Entlassung  sowie  insbesondere  die  erlittenen  Folterungen  detailliert und plausibel beschrieben und Narben an seinem Knie und am  Geschlechtsteil  erwähnt.  An  beiden  Anhörungen  sei  er  aufgewühlt  gewesen  und  habe  die  Tränen  nicht  zurückhalten  können.  In  diesem  Zusammenhang seien die Schwierigkeiten zu berücksichtigen, über solch  erniedrigende  Ereignisse  zu  sprechen,  noch  dazu  gegenüber  Personen  des anderen Geschlechts. Obwohl der Beschwerdeführer bereits an der  BzP  geschlechtsspezifische  Vorbringen  bezüglich  der  Folter  geltend  gemacht  habe,  habe  die  erste  Anhörung  dennoch  mit  einem  reinen  Frauenteam  stattgefunden.  Gemäss  der  Anmerkung  der  Hilfswerksvertreterin  auf  dem  Unterschriftenblatt  habe  der  Beschwerdeführer  Mühe  gehabt,  die  Folterungen  vor  einem  reinen  Frauenteam  substanziiert  zu  schildern.  Die  Hilfswerksvertreterin  habe  deshalb  eine  erneute  Anhörung  in  einem  gleichgeschlechtlichen  Team  angeregt,  welche  indessen  nie  erfolgt  sei.  Zweieinhalb  Jahre  nach  der  ersten Anhörung sei der Beschwerdeführer zwar von einem männlichen 

D­5081/2010 BFM­Sachbearbeiter  befragt  worden,  jedoch  wieder  im  Beisein  einer  weiblichen Dolmetscherin und einer weiblichen Hilfswerksvertreterin. Das  BFM habe den Anspruch des Beschwerdeführers auf  rechtliches Gehör  nach  Art.  29  Abs.  2  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101)  verletzt,  indem  es  wesentliche Vorbringen nicht  in genügendem Mass berücksichtigt  habe.  So  habe  das  Amt  die  Glaubhaftigkeit  der  geltend  gemachten  Folterhandlungen im Entscheid überhaupt nicht thematisiert, sondern sich  ausschliesslich auf das fragliche Ergebnis einer Botschaftsabklärung zum  Gerichtsdokument  sowie  unwesentliche  angebliche  Widersprüche  gestützt.  5.  5.1. Gemäss Art. 6 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1,  SR 142.311) wird  eine  asylsuchende Person  von  einer Person  gleichen  Geschlechts  angehört,  wenn  konkrete  Hinweise  auf  geschlechtsspezifische  Verfolgung  vorliegen  oder  die  Situation  im  Herkunftsland auf geschlechtsspezifische Verfolgung hindeutet. Demnach  ist  eine  Anhörung  von  einer  Person  des  gleichen  Geschlechts  durchzuführen,  wenn  konkrete  Hinweise  auf  geschlechtsspezifische  Verfolgung  vorliegen.  Diese  Verfahrensvorschrift  ist  nicht  nur  dann  anzuwenden,  wenn  dies  von  der  betroffenen  asylsuchenden  Person  ausdrücklich  verlangt  wird;  vielmehr  verpflichtet  sie  die  zuständige  Behörde  dazu,  auf  die  darin  vorgesehene  Weise  vorzugehen,  sobald  entsprechende  Hinweise  vorliegen.  Dies  ergibt  sich  aus  der  Tatsache,  dass Art. 6 AsylV 1 auch eine Ausgestaltung des rechtlichen Gehörs  ist,  weil diese Bestimmung als Schutzvorschrift bezweckt, Asylsuchenden zu  ermöglichen,  ihre  Vorbringen  angemessen  vorzutragen,  das  heisst  konkret  erlittene  Übergriffe  möglichst  frei  und  von  Schamgefühlen  oder  Angst  unbeeinträchtigt  zu  schildern.  Gleichzeitig  dient  die  Bestimmung  aber  auch  dazu,  die  Richtigkeit  der  Sachverhaltsabklärung  zu  gewährleisten.  Aus  diesen Gründen  ist  Art. 6  AsylV 1  grundsätzlich  von  Amtes wegen anzuwenden (vgl. EMARK 2003 Nr. 2 E. 5c S. 19 f.).  5.2.  5.2.1.  Der  Beschwerdeführer  machte  bereits  anlässlich  der  BzP  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  geltend,  während  der  Haft  gefoltert  worden  zu  sein,  wobei  er  auch  ausdrücklich  eine  Misshandlung  an  seinem  Glied  erwähnte.  Misshandlungen  im  Genitalbereich  sind  offensichtlich eine Anwendungsform sexueller Gewalt, bei welcher es sich  praxisgemäss  um  "geschlechtsspezifische  Verfolgung"  im  Sinne  von 

D­5081/2010 Art. 6 AsylV1 handelt  (vgl. EMARK 2003 Nr. 2 E. 5b.cc S. 18). Aufgrund  des  genannten  Vorbringens  bestanden  bereits  an  der  BzP  genügend  konkrete  Indizien,  welche  als  "Hinweise  auf  geschlechtsspezifische  Verfolgung"  im  Sinne  der  genannten  Verfahrensvorschrift  zu  beachten  gewesen wären und – wie oben dargelegt – zwingend zu einer Anhörung  in einem reinen Männerteam hätten  führen müssen. Dessen ungeachtet  wurde  der  Beschwerdeführer  am  30. August  2007  von  einer  Sachbearbeiterin  des  BFM  und  einer  Dolmetscherin  im  Beisein  einer  Hilfswerksvertreterin  und  einer  Protokollführerin  (vgl.  act.  A15/13  [recte:  A15/18]  S. 1)  und  nicht  nummeriertes  Unterschriftenblatt  der  Hilfswerksvertreterin)  angehört.  An  dieser  Anhörung  brach  der  Beschwerdeführer  die  Schilderung  der  geltend  gemachten  Misshandlungen  im  Gefängnis  nach  einem  einzigen  Satz  zur  Misshandlung im Genitalbereich mit der Bemerkung ab: "Das wars" (vgl.  A15/18  S. 6),  nachdem  er  an  der  BzP  noch  drei  verschiedene  Misshandlungsformen, eine davon im Genitalbereich, erwähnt hatte (vgl.  act.  A2/11  S. 6).  Die  Sachbearbeiterin  des  BFM  stellte  fest,  dass  der  Beschwerdeführer sehr aufgewühlt war (vgl. act. A15/18 S. 6), verzichtete  an dieser Stelle auf weitere Fragen zur vorgebrachten Folter und stellte  zu einem späteren Zeitpunkt nur noch eine Frage nach der Häufigkeit der  Folter  (vgl.  act.  A15/18  S. 8).  Die  Hilfswerksvertreterin  fragte  den  Beschwerdeführer kurz vor dem Ende der Anhörung, wo die Verhöre und  die  Folter  stattgefunden  hätten  (vgl.  act.  A15/18  S. 13).  Insgesamt  wurden  somit  an  dieser  Anhörung  lediglich  drei  Fragen  zu  den  geltend  gemachten  Misshandlungen  im  Gefängnis  gestellt.  Auf  die  am  Schluss  der  Anhörung  gestellte  Frage  der  Hilfswerksvertreterin,  ob  es  ihm  besondere  Schwierigkeiten  bereite,  über  seine  Erlebnisse  zu  sprechen,  weil nur Frauen anwesend seien, antwortete der Beschwerdeführer: "Ja.  Es fällt mir schwer, vor Frauen zu sprechen" (vgl. act. A15/18 S. 15). Den  schriftlichen  Anmerkungen  der  Hilfswerksvertreterin  auf  dem  Unterschriftenblatt  im  Anhang  zum  Protokoll  act. A15/18  (Seite  nicht  nummeriert)  ist  zu  entnehmen,  dass  der  Beschwerdeführer  bei  der  Schilderung  des Gefängnisaufenthaltes weinte. Die Hilfswerksvertreterin  hielt  weiter  fest,  sie  erachte  eine  Anhörung  in  einem  gleichgeschlechtlichen  Team  für  die  vollständige  Sachverhaltsabklärung  als wesentlich, da der Beschwerdeführer angesichts der Tatsache, dass  alle Anwesenden ausser ihm Frauen waren, sichtlich Mühe gehabt habe,  die erlebten Folterungen substanziiert zu schildern.  Am 12. Januar 2010, mithin beinahe zweieinhalb Jahre nach der ersten  Anhörung,  fand  eine  ergänzende  Anhörung  statt,  bei  welcher  der 

D­5081/2010 Beschwerdeführer  zwar  durch  einen  männlichen  BFM­Sachbearbeiter  befragt wurde, jedoch wiederum im Beisein derselben Dolmetscherin, die  schon  bei  der  vorangegangenen  Anhörung  zugegen  war,  einer  Hilfswerksvertreterin und einer Protokollführerin. An dieser ergänzenden  Anhörung  fragte  der  BFM­Sachbearbeiter  den  Beschwerdeführer,  ob  er  an der ersten Anhörung gewisse Dinge nicht habe sagen können, weil die  Befragerin  eine  Frau  gewesen  sei  oder  ob  es  gleich  herausgekommen  wäre, wenn der Befrager ein Mann gewesen wäre, und ob er alles habe  erzählen  können. Der Beschwerdeführer  antwortete,  er  habe  der Dame  alles  erzählt,  und  er  habe  immer  noch  Wunden  (vgl.  act.  A20/9  S. 2  Frage 7).  Daraufhin  sagte  der  Sachbearbeiter,  er  habe  keinen  männlichen Amharisch­Übersetzer, und fragte den Beschwerdeführer, ob  er  einverstanden  sei,  die  Befragung  mit  der  anwesenden  Übersetzerin  durchzuführen.  Dieser  antwortete,  das  sei  kein  Problem  (vgl.  act.  20/9  S. 2  Frage 9).  Nachdem  der  Befrager  dem  Beschwerdeführer  einige  Passagen aus dem Anhörungsprotokoll vorgelesen hatte, fragte er ihn, ob  er  noch  weitere  Ausführungen  zu  seinen  Erlebnissen  im  Gefängnis  machen  wolle.  Der  Beschwerdeführer  antwortete,  es  falle  ihm  sehr  schwer, davon zu erzählen (vgl. act. A20/9 S. 2 Frage 10). Auf die Frage  des  Sachbearbeiters:  "Aber  es  fällt  Ihnen  nicht  schwer,  weil  die  Dolmetscherin  eine  Frau  ist?  Oder  fällt  es  Ihnen  deswegen  schwer?"  antwortete der Beschwerdeführer: "Nein, was mir geschehen ist, ist etwas  Unmenschliches" (vgl. act. A20/9 S. 3 Frage 12). Die nächste Frage des  Sachbearbeiters  lautete:  "Ich  frage Sie  jetzt  noch  einmal:  Es  fällt  Ihnen  schwer,  aber  was  ist  der  Grund?  Ist  es  der  Grund,  dass  die  Dolmetscherin  da  ist  oder  ist  es  allgemein  schwierig  für  Sie?",  und  die  Antwort des Beschwerdeführers:  "Es  fällt mir allgemein schwer, darüber  zu reden", wobei er gemäss Protokoll Tränen in den Augen hatte (vgl. act.  A20/9 S. 3 Frage 13). Die anschliessende Frage des Sachbearbeiters, ob  es  etwas  gebe,  das  er  noch  nicht  habe  sagen  können,  verneinte  der  Beschwerdeführer; die Frage, ob er das Wesentliche habe sagen können,  es ihm aber schwerfalle, darüber zu sprechen, bejahte er (vgl. act. A20/9  S. 3  Fragen  14  und  15).  Die  letzte  Frage  des  Sachbearbeiters  zur  Thematik  der  geschlechtsspezifischen  Anhörung  lautete:  "Gehe  ich  nochmals richtig in der Annahme, dass wenn unsere Protokollführerin, die  Dame vom Hilfswerk und die Dolmetscherin nicht da wären, Sie mir dann  das  Gleiche  erzählen  würden,  ist  das  richtig?"  Der  Beschwerdeführer  antwortete  darauf:  "Was  ich  gemacht  hätte,  wäre  auch  nur,  Ihnen  zu  zeigen, dass ich immer noch Narben habe und immer noch eine Wunde  an  meinem  Geschlecht  habe",  worauf  der  Sachbearbeiter  entgegnete,  dass  nicht  er,  sondern  ein  Arzt  sich  das  anschauen  müsse  (vgl.  act. 

D­5081/2010 A20/9 S. 3 Fragen 17 und 18). In der Folge stellte der Sachbearbeiter des  BFM  Fragen  zu  den  zwischen  1999  und  2006  geltend  gemachten  Kurzfestnahmen, zur Festnahme im März 2006 sowie zum eingereichten  gerichtlichen Dokument und brach die Anhörung dann nach Ankündigung  einer Botschaftsanfrage ab.  5.2.2. Zur geltend gemachten Folter wurden mithin anlässlich der ersten  Anhörung  aufgrund  des  aufgewühlten  Gemütszustandes  des  Beschwerdeführers  lediglich  drei  kurze  Fragen  gestellt.  An  der  zweiten  Anhörung  wurden  keine  weiteren  konkreten  Fragen  zu  den  Foltervorbringen  gestellt  und  keine  weiteren  diesbezüglichen  Aussagen  gemacht.  Aufgrund  obiger  Erwägungen  ist  nicht  mit  hinreichender  Wahrscheinlichkeit  auszuschliessen,  dass  der  Beschwerdeführer  aufgrund  von  Schamgefühlen  wegen  der  bei  den  Anhörungen  anwesenden Frauen nicht in der Lage war, sich detailliert zu den geltend  gemachten Misshandlungen sexueller Art zu äussern (vgl. EMARK 2003  Nr. 2 E. 5.b.cc S. 18).  5.2.3. Hinsichtlich  der  Frage,  ob  die  asylsuchende Person  allenfalls  auf  die ihr gemäss Art. 6 AsylV 1 zustehende Befragung durch Personen des  gleichen Geschlechts verzichten kann,  ist zu beachten, dass  im Hinblick  auf  den  Schutzzweck  der  Norm  blosses  Stillschweigen  allein  nicht  als  Verzicht  gedeutet  werden  kann,  und  ein  solcher  Verzicht  nur  dann  angenommen  werden  kann,  wenn  er  ausdrücklich  erklärt  wird  (vgl.  EMARK  2003  Nr. 2  E. 5c  S. 19 f.),  was  voraussetzt,  dass  die  asylsuchende  Person  über  ihre  diesbezüglichen  Rechte  hinreichend  aufgeklärt wurde.  In  den  Akten  finden  sich  keine  Hinweise  darauf,  dass  das  BFM  den  Beschwerdeführer  anlässlich  der  Anhörungen  über  sein  von  Art. 6  AsylV 1  garantiertes  Recht  auf  eine  Befragung  durch  ein  gleichgeschlechtliches  Team  informiert  hätte.  Eine  Verzichtserklärung  liegt  in  Bezug  auf  die  erste  Anhörung  vom  30. August  2007  weder  ausdrücklich noch konkludent vor. Vielmehr wurde der Beschwerdeführer  erst in der zweitletzten Frage der Anhörung von der Hilfswerksvertreterin  danach  gefragt,  ob  es  für  ihn  schwierig  sei,  von  einer  reinen  Frauengruppe befragt zu werden, was er bejahte  (vgl. A15/18 S. 15).  In  der Tatsache, dass er sich in der ergänzenden Anhörung vom 12. Januar  2010 mit  der  Befragung  durch  den männlichen  BFM­Sachbearbeiter  im  Beisein  der  Dolmetscherin  und  der  Hilfswerksvertreterin  einverstanden  erklärte,  ist  keine  rechtsgültige  Verzichtserklärung  auf  eine  Befragung 

D­5081/2010 durch  ein  gleichgeschlechtliches  Team  zu  erblicken.  Eine  wirksame  Verzichtserklärung  hätte  bereits  zu  Beginn  der  ersten  Anhörung  und  in  Kenntnis  der  Rechte  gemäss  Art. 6  AsylV 1  erfolgen müssen;  sie  kann  nicht  in  einer  weiteren,  zweieinhalb  Jahre  später  stattfindenden  ergänzenden  Anhörung  dem  Beschwerdeführer  gleichsam  abgerungen  werden,  indem  diesem  eröffnet  wird,  es  stünde  kein  männlicher  Dolmetscher  zur  Verfügung,  was  ihm  de  facto  kaum  eine  andere Wahl  lässt, als zuzustimmen. Es  ist auch nicht ersichtlich, dass das BFM das  mit der Beobachtung der Anhörung betraute Hilfswerk aufgefordert hätte,  einen  männlichen  Vertreter  für  die  Anhörung  zur  Verfügung  zu  stellen.  Sodann sind Fragen der Art, ob der Beschwerdeführer mehr erzählt hätte,  wenn er an der ersten Anhörung von einem Mann befragt worden wäre,  oder ob er an der zweiten Anhörung dasselbe erzählen würde, wenn die  Dolmetscherin und die Hilfswerksvertreterin nicht anwesend wären,  ihrer  Natur  nach  hypothetisch  und  daher  kaum  zu  beantworten.  Der  Beschwerdeführer  hat  demnach  nicht  rechtsgültig  auf  eine  Anhörung  in  einem reinen Männerteam verzichtet. Das BFM hat folglich Art. 6 AsylV 1  und  den  damit  einhergehenden  Anspruch  des  Beschwerdeführers  auf  rechtliches  Gehör  verletzt,  indem  es  trotz  konkreter  Hinweise  auf  geschlechtsspezifische  Verfolgung  und  trotz  Fehlens  einer  rechtswirksamen  Verzichtserklärung  mit  ihm  keine  Anhörung  in  einem  reinen Männerteam durchgeführt hat.  5.3.  5.3.1. Wie im Verwaltungsverfahren allgemein, gilt auch im Asylverfahren  der  Untersuchungsgrundsatz  und  die  Pflicht  zur  vollständigen  und  richtigen  Abklärung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  (Art. 6  AsylG  i.V.m. Art. 12 VwVG). Das BFM hat die  für das Verfahren erforderlichen  Sachverhaltsunterlagen  zu  beschaffen,  die  relevanten  Umstände  abzuklären  und  darüber  ordnungsgemäss  Beweis  zu  führen.  Gemäss  Art. 8 AsylG hat die asylsuchende Person demgegenüber die Pflicht und  unter dem Blickwinkel des rechtlichen Gehörs im Sinne von Art. 29 VwVG  und Art. 29 Abs. 2 BV das Recht,  an der Feststellung des Sachverhalts  mitzuwirken  (vgl.  (vgl.  BVGE  2009/50 E. 10.2.1  und E.  10.2.2 S. 734 f.,  BVGE  2008/24  E. 7.2  S. 356 f.)  Ferner  verlangt  der  Grundsatz  des  rechtlichen  Gehörs  (Art. 29  Abs. 2  BV,  Art. 29  VwVG,  Art. 32  Abs. 1  VwVG),  dass  die  verfügende  Behörde  die  Vorbringen  des  Betroffenen  tatsächlich hört, sorgfältig und ernsthaft prüft und in der Entscheidfindung  berücksichtigt,  was  sich  entsprechend  in  der  Entscheidbegründung  niederschlagen muss  (vgl. Art. 35 Abs. 1 VwVG). Für das Asylverfahren  wird der Anspruch auf rechtliches Gehör in Art. 29 AsylG, der vorschreibt, 

D­5081/2010 dass Asylsuchende zu den Asylgründen mündlich anzuhören sind, näher  konkretisiert.  Die  Anhörung  soll  Gewähr  bieten,  dass  die  asylsuchende  Person  ihre  Asylgründe  vollständig  darlegen  kann  und  diese  von  der  Asylbehörde  korrekt  erfasst  werden,  wobei  die  mündliche  Befragung  insbesondere  auch  dazu  dient,  gezielte  Rückfragen  zur  Erhebung  des  Sachverhalts zu stellen und Missverständnisse zu klären (BVGE 2007/30  E. 5.5.1 und 5.5.2 S. 365 f.; WALTER KÄLIN, Grundriss des Asylverfahrens,  Basel/Frankfurt a.M.1990,  S. 256  f.).  Wie  bereits  erwähnt,  dient  auch  Art. 6  AsylV 1  dazu,  die  Richtigkeit  der  Sachverhaltsabklärung  zu  gewährleisten (vgl. EMARK 2003 Nr. 2 E. 5c S. 19 f.).  5.3.2. Aufgrund  obiger  Erwägungen  ist  im  Hinblick  auf  die  Feststellung  des rechtserheblichen Sachverhalts festzuhalten, dass die Richtigkeit der  Sachverhaltsabklärung  im  vorliegenden  Fall  aufgrund  des  Verstosses  gegen  Art. 6  AsylV 1  nicht  gewährleistet  ist.  Die  mangelhafte  Sachverhaltsfeststellung  beschlägt  nicht  nur  die  vorgebrachte  Inhaftierung  und  Folter.  Vielmehr  kann  auch  bezüglich  der  geltend  gemachten  Mitgliedschaft  des  Beschwerdeführers  in  der  OLF  sowie  seiner  Aktivitäten  für  diese  Organisation  nicht  von  einem  vollständig  abgeklärten Sachverhalt ausgegangen werden. Die vom BFM veranlasste  Botschaftsanfrage (vgl. act. A21/4 und A22/5) ergab unter anderem auch,  dass  es  nicht  möglich  gewesen  sei  zu  bestimmen,  ob  der  Beschwerdeführer Aktivist  der OLF sei  oder nicht;  das BFM würdigte  in  der angefochtenen Verfügung die eingereichte Parteibestätigung der OLF  nicht.  Das  BFM  stützt  sich  in  der  angefochtenen  Verfügung  zudem  auf  einen offensichtlich nicht korrekt erfassten Sachverhalt. So hält das Amt  in seinem Entscheid fest, der Beschwerdeführer sei zu vier Monaten Haft  verurteilt  worden  (vgl.  Sachverhaltsdarstellung  Ziff. 1  Seite  2),  was  offenkundig  aktenwidrig  ist,  hat  der  Beschwerdeführer  doch  klar  ausgesagt, er sei nach einer kurzen Gerichtsverhandlung ohne Urteil  ins  Gefängnis  von  Addis  Abeba  gebracht  worden  (vgl.  act.  A15/18  S. 7).  Dass  das  BFM  in  der  angefochtenen  Verfügung  eine  Aussage  des  Beschwerdeführers  irrtümlicherweise  seiner  Ehefrau  zuordnete  und  Vorbringen  derselben  zum  Teil  chronologisch  falsch  und  aktenwidrig  wiedergab,  wird  im  die  Ehefrau  betreffenden  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  D­5371/2010  heutigen  Datums  aufgezeigt.  Falsche  Datumsangaben  in  der  Verfügung  (Sachverhaltsdarstellung  Ziff. 1  S. 2)  und  einem  Protokoll  (act.  A2/11  S. 8),  falsche  und  unvollständige  Nummerierung  eines  Protokolls  (act.  A15/18)  sowie  die  Tatsache,  dass das Kind des Beschwerdeführers  und seiner Ehefrau  in 

D­5081/2010 der angefochtenen Verfügung nicht aufgeführt wird, sind weitere Indizien,  die auf eine unsorgfältige Verfahrensführung durch das BFM hinweisen.  5.3.3. In der Beschwerde wird gerügt, das BFM habe sich ausschliesslich  auf  das  Ergebnis  der  Botschaftsabklärung  zum  eingereichten  Gerichtsdokument  sowie  unwesentliche  angebliche  Widersprüche  gestützt.  Die  Gegenargumente  in  der  Beschwerde  zu  den  angeblichen  Widersprüchen  in  den  Aussagen  des  Beschwerdeführers  zum  Datum  seiner  Festnahme  (5. beziehungsweise  25. Megabit  1998),  zur  Anzahl  der  an  der  Festnahme  beteiligten  Personen  (vier  beziehungsweise  vier  bis  fünf)  zum  Ort,  an  dem  er  nach  der  Festnahme  gebracht  wurde  (Polizeizentrale  beziehungsweise  Polizeiposten  oder  Gefängnis)  sowie  zur  Anzahl  geltend  gemachter  Inhaftierungen  beziehungsweise  kurzen  Festnahmen überzeugen  jedenfalls  nicht weniger  als  die Argumentation  des  BFM  in  der  angefochtenen  Verfügung.  Ausserdem  handelt  es  sich  entgegen  der  Ansicht  der  Vorinstanz  dabei  grösstenteils  nicht  um  Widersprüche in wesentlichen Punkten. Das Vorgehen der Vorinstanz bei  der Beurteilung der Glaubhaftigkeit der Asylgründe erweckt bisweilen den  Eindruck,  es  seien  sämtliche  zugunsten  des  Beschwerdeführers  sprechenden Umstände systematisch ausgeblendet worden. Die bei der  Beurteilung der Asylvorbringen vorzunehmende Abwägung zwischen den  für  und  den  gegen  die  Glaubhaftigkeit  sprechenden  Umständen  ist  der  angefochtenen  Verfügung  jedenfalls  nicht  zu  entnehmen.  Zwar  ist  das  Einreichen eines gefälschten Beweismittels  ein  Indiz  für  die  persönliche  Unglaubwürdigkeit  des  Beschwerdeführers,  doch  entbindet  dies  alleine  die  Vorinstanz  nicht  von  der  sorgfältigen  Prüfung  der  Asylvorbringen,  wobei von einem Gesamteindruck auszugehen und abzuwägen ist, ob die  Anhaltspunkte,  die  für  oder  gegen  die  Glaubhaftigkeit  sprechen,  überwiegen (vgl. EMARK 2005 Nr. 21 E. 6.1 S. 190 f.). 5.3.4.  Nach  dem  Gesagten  ist  festzuhalten,  dass  der  rechtserhebliche  Sachverhalt  bezüglich  der  Verfolgungsvorbringen  –  insbesondere  hinsichtlich der geltend gemachten Mitgliedschaft des Beschwerdeführers  bei  der  OLF  und  seiner  Aktivitäten  für  diese  Organisation  sowie  der  darauf  beruhenden  Inhaftierung  und  Folter  –  teils  unrichtig,  teils  unvollständig erhoben und darüber hinaus die Beweisregel von Art. 7 Abs. 2  und 3 AsylG unrichtig angewandt wurde. 6.  Zusammenfassend  ergibt  sich,  dass  das  BFM  Art. 6  AsylV 1  und  den  damit einhergehenden Anspruch des Beschwerdeführers auf  rechtliches 

D­5081/2010 Gehör  verletzt,  den  rechtserheblichen  Sachverhalt  unrichtig  und  unvollständig  erhoben  und  die Beweisregel  von Art. 7  Abs. 2  und  3  AsylG  unrichtig angewandt hat. Eine Heilung dieser Mängel auf Beschwerdeebene  (vgl.  BVGE  2008/47  E. 3.3.4  S. 676 f.)  steht  schon  deshalb  nicht  zur  Debatte, weil das BFM, obwohl zur Vernehmlassung eingeladen, darauf  verzichtet  hat,  zur  Beschwerde  inhaltlich  Stellung  zu  beziehen.  Die  Beschwerde  ist  demnach gutzuheissen,  soweit  darin die Aufhebung der  angefochtenen Verfügung beantragt wird, und die Sache ist zur richtigen  und  vollständigen  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  und  zur Neubeurteilung an das BFM zurückzuweisen.  7.   7.1.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  keine  Verfahrenskosten  aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG).  7.2.  Den  Beschwerdeführenden  ist  in  Anwendung  von  Art. 64  Abs. 1  VwVG eine Parteientschädigung für die ihnen erwachsenen notwendigen  Vertretungskosten  zuzusprechen  (vgl.  Art. 7  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 173.320.2]).  Nachdem  ihr  Rechtsvertreter  keine  Kostennote  eingereicht  hat,  ist  die  Parteientschädigung  auf Grund  der Akten  festzulegen  (Art. 14 Abs. 2  in  fine  VGKE).  Unter  Berücksichtigung  der  massgeblichen  Bemessungsfaktoren  (vgl.  Art. 8  ff.  VGKE)  ist  diese  auf  Fr. 800.–  (inkl.  Auslagen  und  Mehrwertsteuer)  festzusetzen  (Art. 14  Abs. 2  und  Art. 10  Abs. 2  VGKE).  Das  BFM  ist  anzuweisen,  den  Beschwerdeführenden  diesen  Betrag  als  Parteientschädigung  für  das  Verfahren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht auszurichten.  (Dispositiv nächste Seite)

D­5081/2010 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird gutgeheissen.  2.  Die  angefochtene  Verfügung wird  aufgehoben  und  die  Sache  im  Sinne  der Erwägungen zur Neubeurteilung an das BFM zurückgewiesen.  3.  Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.  4.  Das  BFM  wird  angewiesen,  den  Beschwerdeführenden  eine  Parteientschädigung von Fr. 800.– auszurichten.  5.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Walter Lang Jacqueline Augsburger Versand:

D-5081/2010 — Bundesverwaltungsgericht 03.11.2011 D-5081/2010 — Swissrulings