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Bundesverwaltungsgericht 31.01.2012 D-487/2012

January 31, 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·622 words·~3 min·1

Summary

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren) | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 18. Januar 2012

Full text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung IV D­487/2012 Urteil   v om   3 1 .   J a nua r   2012 Besetzung Einzelrichterin Nina Spälti Giannakitsas mit Zustimmung von Richter Walter Lang;   Gerichtsschreiber Patrick Weber. Parteien A._______, geboren am _______, Syrien,  _______ Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin­Verfahren); Verfügung des BFM vom 18. Januar 2012 / _______.

D­487/2012 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass  der  Beschwerdeführer  sein  Heimatland  gemäss  eigenen  Angaben  am 10. November 2011 verliess und über die Türkei und Frankreich am  24. November 2011 in die Schweiz gelangte, wo er am selben Datum ein  Asylgesuch stellte,  dass er dazu am 6. Dezember 2011 summarisch befragt wurde,  dass er gemäss einer Abfrage der Eurodac­Datenbank am 18. November  2011 in Frankreich daktyloskopisch erfasst worden war,  dass  ihm  das  BFM  anlässlich  der  Summarbefragung  das  rechtliche  Gehör zur möglichen Zuständigkeit Frankreichs für das Asylverfahren und  zu einer allfälligen Wegweisung dorthin gewährte, dass  der  Beschwerdeführer  darlegte,  in  Frankreich  kein  Asylgesuch  gestellt  zu  haben  und  nicht  dorthin  zurückkehren  zu wollen,  zumal  sich  eine ihm feindlich gesinnte Person dort aufhalte,  dass  die  französischen  Behörden  überdies mit  einer  Rückführung  nach  Syrien gedroht hätten,  dass das BFM am 28. November 2011 – gestützt auf die Bestimmungen  der Verordnung (EG) Nr. 343/2003 des Rates vom 18. Februar 2003 zur  Festlegung  der  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des  Mitgliedstaats,  der  für  die  Prüfung  eines  von  einem  Drittstaatsangehörigen  in  einem  Mitgliedstaat  gestellten  Asylantrags  zuständig  ist  (Dublin­II­VO)  –  ein  Ersuchen  um  Übernahme  des  Beschwerdeführers an Frankreich sandte, dass  diesem  Ersuchen  von  französischer  Seite  am  12.  Januar  2012  entsprochen wurde,  dass  das  BFM mit  Verfügung  vom  18.  Januar  2012  –  eröffnet  am  19.  Januar 2012 – in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d des Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR 142.31)  auf  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers nicht eintrat, die Wegweisung aus der Schweiz sowie  den Wegweisungsvollzug nach Frankreich anordnete und  festhielt, einer  allfälligen  Beschwerde  gegen  diesen  Entscheid  komme  keine  aufschiebende Wirkung zu, 

D­487/2012 dass die Rückführung – vorbehältlich einer allfälligen Unterbrechung oder  Verlängerung  der  Frist  –  bis  spätestens  am  12.  Juli  2012  zu  erfolgen  habe, dass  das  BFM  in  seinem  Entscheid  –  unter  Verweis  auf  die  Bestimmungen  zum  Dublin­Verfahren,  den  vorgängigen  Aufenthalt  des  Beschwerdeführers  in  Frankreich  und  das  an  Frankreich  gerichtete  Gesuch  um  Übernahme,  welchem  entsprochen  worden  sei  –  auf  die  Zuständigkeit Frankreichs für die Behandlung des Asylgesuchs verwies, dass  es  festhielt,  der  Beschwerdeführer  habe  keine  relevanten  Argumente gegen die beabsichtigte Überstellung vorbringen können,  dass  die  Zulässigkeit,  Zumutbarkeit  und  Möglichkeit  des  Vollzugs  zu  bejahen seien, dass  der  Beschwerdeführer  mit  Eingabe  vom  26.  Januar  2012  (Datum  der Postaufgabe) beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erhob, dass er die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung und das Eintreten  auf sein Gesuch durch die schweizerischen Behörden beantragte,  dass er darlegte, er habe nie in Frankreich um Asyl ersuchen wollen, dass  sich  auch  seine  Geschwister  mit  Angehörigen  in  der  Schweiz  befänden,  dass  die  vorinstanzlichen  Akten  am  30.  Januar  2012  beim  Bundesverwaltungsgericht eintrafen (vgl. Art. 109 Abs. 2 AsylG), und erwägt, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig  über Beschwerden gegen Verfügungen des BFM entscheidet, ausser bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsgesuches  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (vgl.  dazu  Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art. 31  und  33   des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005  [VGG,  SR 173.32]  sowie  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),

D­487/2012 dass sich das Verfahren nach dem VwVG richtet, soweit das VGG oder  das AsylG nichts anderes bestimmen (vgl. Art. 37 VGG sowie Art. 6 und  105 AsylG), dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG),  dass  auf  die  frist­  und  formgerechte  Eingabe  des  legitimierten  Beschwerdeführers  einzutreten  ist  (Art.  108  Abs.  2  AsylG  und  Art.  52  VwVG sowie Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass  die  Beschwerde  –  wie  nachfolgend  aufgezeigt  –  offensichtlich  unbegründet  ist, weshalb darüber  in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise  einer  zweiten  Richterin zu entscheiden ist (Art. 111 Bst. e AsylG), dass  auf  einen  Schriftenwechsel  zu  verzichten  und  der  Entscheid  nur  summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG), dass  auf  Asylgesuche  in  der  Regel  nicht  eingetreten  wird,  wenn  Asylsuchende  in  einen  Drittstaat  ausreisen  können,  welcher  für  die  Durchführung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zuständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG),  dass der Beschwerdeführer gemäss dem dokumentierten Eurodac­Treffer  in Frankreich am 18. November 2011 daktyloskopisch erfasst wurde und  von dort kommend in die Schweiz einreiste,  dass  bei  dieser  Sachlage  –  entsprechend  den  vom  BFM  angerufenen  Bestimmungen  zum  Dublin­Verfahren,  auf  welche  anstelle  einer  Wiederholung  zu  verweisen  ist  –  Frankreich  für  die  Prüfung  des  Asylantrags des Beschwerdeführers grundsätzlich zuständig ist, dass  Frankreich  dem  Ersuchen  des  BFM  um  Übernahme  des  Beschwerdeführers  (nach  Art.  10  Abs.  1  Dublin­II­VO)  am  12.  Januar  2012  entsprochen  und  seine  Zuständigkeit  gemäss  Dubliner  Verfahrensregelung akzeptiert hat,  dass  der  Umstand,  wonach  sich  die  Geschwister  des  volljährigen  Beschwerdeführers  zur  Zeit  ebenfalls  in  der  Schweiz  aufhalten  sollen, 

D­487/2012 offensichtlich  keine  andere  Sichtweise  rechtfertigt  (zum  Familienbegriff  vgl. Art. 2 Bst. i Dublin­II­VO),  dass  sich  der  Beschwerdeführer  demnach  im  Hinblick  auf  die  Zuständigkeit  zum  Vornherein  nicht  auf  im  Zusammenhang  mit  dem  Familienbegriff stehende Bestimmungen der Dublin­II­VO berufen kann,  dass so die Grundlage für einen Nichteintretensentscheid  in Anwendung  von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG ohne weiteres gegeben ist,  dass Frankreich Signatarstaat sowohl des Abkommens vom 28. Juli 1951  über  die Rechtsstellung der Flüchtlinge  (FK, SR 0.142.30)  als  auch der  Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101)  ist und vorliegend entgegen den  Befürchtungen des Beschwerdeführers keine Hinweise darauf bestehen,  Frankreich  werde  sich  nicht  an  seine  völkerrechtlichen  Verpflichtungen  halten, dass nach vorstehenden Erwägungen für das BFM keine Pflicht zu einem  Selbsteintritt  aus  völkerrechtlichen  Gründen  nach  der  Bestimmung  von  Art. 3 Abs. 2 Dublin­II­VO besteht (vgl. dazu BVGE 2011/9 E. 4 S. 115),  dass  aufgrund  der  gesamten  Aktenlage  auch  ein  Selbsteintritt  aus  humanitären  Gründen  nach  der  Bestimmung  von  Art. 29a  Abs.  3  der  Asylverordnung  1  vom  11. August  1999  (AsylV 1,  SR  142.311)  ausgeschlossen  bleibt  (vgl.  dazu  BVGE  2011/9  E.  8  S.  121  f.),  da  in  vorliegender  Sache  keine  besonderen  Sachverhaltsumstände  vorliegen,  welche  eine  Behandlung  des  Asylgesuches  in  der  Schweiz  geradezu  aufdrängen würden (vgl. dazu das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts  D­4534/2011 vom        28. Dezember 2011 E. 8),  dass  nach  den  vorstehenden  Erwägungen  der  Nichteintretensentscheid  in Anwendung von Art. 34 Abs. Bst. d AsylG zu bestätigen ist,  dass  die  Anordnung  der  Wegweisung  nach  Frankreich  der  Systematik  des  Dublin­Verfahrens  entspricht  und  von  daher  im  Einklang  mit  der  Bestimmung von Art. 44 Abs. 1 AsylG steht (vgl. BVGE 2010/45 E. 10.2), dass  in  diesem  Sinne  das  BFM  den  Vollzug  der  Wegweisung  nach  Frankreich zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erklärte, 

D­487/2012 dass die eingereichte Beschwerde nach dem Gesagten als offensichtlich  unbegründet abzuweisen ist,  dass  die  Kosten  des  Verfahrens  von  Fr.  600.–  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  sind  (vgl.  dazu  Art. 63  Abs.  1  des  Verwaltungsverfahrensgesetzes  vom  20. Dezember  1968  [VwVG,  SR  172.021]) sowie Art. 1­3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die  Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,  SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite)

D­487/2012 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.   Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.­­  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Die Einzelrichterin: Der Gerichtsschreiber: Nina Spälti Giannakitsas Patrick Weber Versand:

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