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Bundesverwaltungsgericht 27.02.2012 D-468/2012

February 27, 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,383 words·~7 min·3

Summary

Vollzug der Wegweisung | Vollzug der Wegweisung; Verfügung des BFM vom 15. Dezember 2011

Full text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­468/2012 law/auj Urteil   v om   2 7 .   Februar   2012 Besetzung Einzelrichter Walter Lang, mit Zustimmung von Richter Thomas Wespi,   Gerichtsschreiberin Jacqueline Augsburger. Parteien A._______, geboren am […], Sri Lanka,  […],   Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Vollzug der Wegweisung;  Verfügung des BFM vom 15. Dezember 2011 / N […].

D­468/2012 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest und erwägt, dass  der  aus  Z._______  (Distrikt  Jaffna)  stammende Beschwerdeführer  tamilischer Ethnie eigenen Angaben zufolge am 10. Dezember 2008 von  Colombo über Qatar nach Italien flog und am 19. Dezember 2008  in die  Schweiz einreiste, wo er am selben Tag um Asyl nachsuchte,  dass  er  zur  Begründung  seines  Asylantrages  im  Wesentlichen  vorbrachte,  die  Liberation  Tigers  of  Tamil  Eelam  (LTTE)  hätten  ihn  zusammen  mit  einem  Bruder  und  zwei  Kollegen  im  März  2005  gezwungen, an einem zweiwöchigen Training teilzunehmen,  dass  er  in  der  Folge  für  die  LTTE Plakate  geklebt,  Fahnen  aufgehängt  und Flugblätter verteilt habe,  dass Unbekannte  im Dezember  2006 den Bruder,  der  sich  verstärkt  für  die LTTE engagiert habe, getötet hätten, und auch die beiden Kollegen,  die mit  ihm  das  Training  absolviert  hätten,  von  einer militanten Gruppe  ermordet worden seien,  dass zwei weitere Brüder LTTE­Mitglieder gewesen und im Jahr 1991 bei  Gefechten ums Leben gekommen seien,  dass man ihn verdächtigt habe, an der Vorbereitung eines Anschlags der  LTTE auf einen Wachtturm beteiligt gewesen zu sein, und Soldaten  ihn  aus  diesem Grund  am 2. Februar  2008  festgenommen,  in  einem Camp  festgehalten, gefoltert und am nächsten Tag freigelassen hätten,  dass  das  Militär  ihn  mehr  als  15­mal,  letztmals  am  5. Juni  2008,  mitgenommen und geschlagen habe,  dass er schliesslich Jaffna  im Juli 2008 verlassen habe und nach einem  fünfmonatigen Aufenthalt in Trincomalee aus Sri Lanka ausgereist sei,  dass  das  BFM  mit  Verfügung  vom  15. Dezember  2011  –  eröffnet  am  27. Dezember  2011  –  feststellte,  der  Beschwerdeführer  erfülle  die  Flüchtlingseigenschaft nicht, sein Asylgesuch ablehnte, die Wegweisung  aus  der  Schweiz  verfügte,  den Beschwerdeführer  unter  Androhung  von  Zwangsmitteln  im  Unterlassungsfall  aufforderte,  die  Schweiz  bis  am  9. Februar 2012 zu verlassen, und die zuständige kantonale Behörde mit  dem Vollzug der Wegweisung beauftragte, 

D­468/2012 dass das Bundesamt zur Begründung im Wesentlichen ausführte, die sri­ lankischen  Behörden  hätten  den  Beschwerdeführer  nicht  ernsthaft  der  aktiven Unterstützung der LTTE verdächtigt, da sie ihn jeweils kurze Zeit  nach den geltend gemachten Festnahmen wieder freigelassen hätten,  dass  angesichts  seines  geringen  politischen  Profils  nicht  davon  auszugehen  sei,  dass  die Behörden  heute  – mehr  als  zwei  Jahre  nach  dem  Ende  des  Bürgerkriegs  –  ein  ernsthaftes  Interesse  daran  hätten,  gerade ihn zu verfolgen,  dass  die  Vorinstanz  den  Vollzug  der  Wegweisung  des  Beschwerdeführers  nach  Sri  Lanka  als  zulässig,  zumutbar  und möglich  bezeichnete,  dass  der  Beschwerdeführer  am  25. Januar  2012  gegen  die  Verfügung  vom  15. Dezember  2011  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  erhob und beantragte, es sei der angefochtene Entscheid vollumfänglich  aufzuheben,  die  Unzulässigkeit  des  Vollzugs  der  Wegweisung  festzustellen  und  deshalb  die  vorläufige  Aufnahme  anzuordnen;  eventualiter sei  festzustellen, dass der Wegweisungsvollzug unzumutbar  sei,  dass  er  ferner  in  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  unter  Beilage  einer  am  16. Januar  2012  ausgestellten  Fürsorgebestätigung  um Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  sowie  um  den  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines Kostenvorschusses ersuchte,  dass  er  zur materiellen Begründung  der  Beschwerde  unter Hinweis  auf  einen  Lagebericht  der  Schweizerischen  Flüchtlingshilfe  (SFH)  vom  1. Dezember  2010  und  ein  Themenpapier  der  SFH  vom 22. September  2011  zur  Situation  von  Rückkehrenden  aus  dem  Ausland  ausführte,  er  befürchte,  bei  einer  Rückkehr  nach  Sri  Lanka  in  einem  Militärlager  im  Norden des Landes inhaftiert, verhört und gefoltert zu werden,  dass er mit eigenen Augen gesehen habe, wie der Geheimdienst seinen  Bruder getötet habe, und er befürchte, ihm könnte dies auch widerfahren,  dass  seine  Familie  arm  sei,  seine  Mutter,  die  Ehefrau  und  die  Kinder  keine aktuellen Einkünfte hätten und von Ersparnissen lebten, 

D­468/2012 dass der Instruktionsrichter mit Zwischenverfügung vom 2. Februar 2012  feststellte, der Beschwerdeführer könne den Ausgang des Verfahrens  in  der Schweiz abwarten,  dass er ferner feststellte, dass aufgrund der Begründung der Beschwerde  davon  auszugehen  ist,  dass  sich  diese  lediglich  gegen  den  in  den  Dispositivziffern  4  und  5  des  angefochtenen  Entscheids  angeordneten  Vollzug  der  Wegweisung  richtet  und  das  Dispositiv  der  angefochtenen  Verfügung  vom  15. Dezember  2011  –  soweit  die  Verneinung  der  Flüchtlingseigenschaft,  die  Ablehnung  des  Asylgesuchs  und  die  Anordnung der Wegweisung betreffend – in Rechtskraft erwachsen ist,  dass  der  Instruktionsrichter  sodann  die  Gesuche  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art. 65  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021)  sowie  um  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  abwies  und  den  Beschwerdeführer  aufforderte,  bis  am  17. Februar  2012  einen  Kostenvorschuss  von  Fr. 600.–  zu  leisten,  verbunden  mit  dem  Hinweis,  auf  die  Beschwerde  werde nicht eingetreten, falls der Kostenvorschuss innert der angesetzten  Frist nicht bezahlt werde,  dass  der Beschwerdeführer  am 15. Februar  2012  den Kostenvorschuss  leistete, und zieht in Erwägung,  dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig  über  Beschwerden  gegen  Verfügungen  (Art. 5  VwVG)  des  BFM  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31] AsylG  i. V. m. Art. 31 ­ 33 des Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 17. Juni 2005  [VGG, SR 173.32]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom  17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG nicht  vorliegt, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet,

D­468/2012 dass  der  Beschwerdeführer  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an deren Aufhebung beziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist  (Art. 105 AsylG i.V.m. Art.  7 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG),  dass  der  erhobene  Kostenvorschuss  am  15. Februar  2012  innert  angesetzter Frist geleistet wurde und somit auf die frist­ und formgerecht  eingereichte Beschwerde einzutreten  ist  (Art. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 105  AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG),  dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  entschieden  wird  (Art. 111  Bst. e  AsylG),  und  es  sich  vorliegend,  wie  nachfolgend  aufgezeigt,  um  eine  solche  handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG),  dass  gestützt  auf  Art. 111a  Abs. 1  AsylG  auf  einen  Schriftenwechsel  verzichtet wurde,  dass  die  Verneinung  der  Flüchtlingseigenschaft,  die  Ablehnung  des  Asylgesuchs  und  die  Anordnung  der  Wegweisung  in  der  nur  im  Vollzugspunkt  angefochtenen  Verfügung  vom  15.  Dezember  2011  in  Rechtskraft erwachsen sind,  dass das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  regelt,  wenn  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar  oder  nicht  möglich  ist  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom  16. Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  [AuG,  SR 142.20]), dass  bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gemäss  ständiger  Praxis  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft  gilt,  das  heisst,  sie  sind  zu  beweisen,  wenn  der  strikte  Beweis  möglich  ist,  und  andernfalls  wenigstens  glaubhaft  zu  machen (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl,  in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser  [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148),

D­468/2012 dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zulässig  ist,  wenn  völkerrechtliche  Verpflichtungen  der  Schweiz  einer  Weiterreise  der  Ausländerin oder des Ausländers  in den Heimat­, Herkunfts­ oder einen  Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG), dass  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen werden darf, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus  einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom  28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]), dass  die  Verneinung  der  Flüchtlingseigenschaft  in  der  angefochtenen  Verfügung  vom  15. Dezember  2011  in  Rechtskraft  erwachsen  ist,  weshalb das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen  Non­Refoulement  im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  findet  und  eine  Rückkehr  des  Beschwerdeführers  nach  Sri  Lanka  unter  dem  Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig ist,  dass sich sodann weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch  aus den Akten konkrete und gewichtige Anhaltspunkte für eine ihm in Sri  Lanka  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  drohende  menschenrechtswidrige  Behandlung  im  Sinne  von  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April  1999 (BV, SR 101), von Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu  Art. 3  der  Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutz  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR 0.101)  ergeben  (vgl.  EGMR  [Grosse  Kammer],  Saadi  gegen  Italien,  Urteil  vom  28. Februar  2008,  Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 127, mit weiteren Hinweisen), dass  sich  die  Ausführungen  in  der  Beschwerde  zur  Zulässigkeit  des  Wegweisungsvollzugs  grösstenteils  in  einer  allgemeinen  Zusammenfassung  zweier Berichte  der SFH  zur Situation  von aus dem  Ausland zurückkehrenden Tamilen erschöpfen und nur am Rande auf die  persönliche Situation des Beschwerdeführers Bezug genommen wird,  dass  zwar  die  allgemeine  Menschenrechtssituation  in  Sri  Lanka  nach  dem  Ende  des  Bürgerkriegs  im  Mai  2009  auch  heute  noch  in  verschiedener  Hinsicht  als  problematisch  zu  bezeichnen  ist  (vgl.  zur 

D­468/2012 Publikation  vorgesehenes  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  BVGE  E­6220/2006  vom  27. Oktober  2011  E. 8,  Amnesty  International  [AI],  Report  2011,  S. 301 ff.  [AI­Index:  POL  10/001/2011])  und  insbesondere  unklar  ist,  wie  die  Regierung  mit  den  ehemaligen  Angehörigen  und  Anhängern der LTTE umgeht beziehungsweise weiter umgehen wird,  dass aber alleine die Rückkehr als abgewiesener Asylsuchender  in den  Norden  Sri  Lankas  ohne  fehlende  Identitätspapiere  (vgl.  Beschwerde  S. 3)  die  Aufmerksamkeit  der  sri­lankischen  Behörden  nicht  in  einem  flüchtlingsrechtlich relevanten Ausmass auf sich zu ziehen vermag, zumal  sich  aus  den  Akten  keine  Hinweise  auf  nahe  Kontakte  des  Beschwerdeführers  zu  den  LTTE  während  seines  Aufenthaltes  in  der  Schweiz  ergeben  (vgl.  BVGE  6220/2006  vom  27. Oktober  2011  E. 8.4  S. 26 ff.  i.V.m. E. 10.4.2 S. 35 f.) und auch nicht ersichtlich  ist,  inwiefern  er  den  sri­lankischen  Sicherheitskräften  zum  heutigen  Zeitpunkt  diesbezüglich in spezifischer Weise als verdächtig erscheinen könnte,  dass  sich  schliesslich  weder  aus  den  unsubstanziierten  Befürchtungen  vor  einer  Inhaftierung  und  Folter  in  Militärlagern  noch  aus  der  geltend  gemachten  Tötung  eines  Bruders  durch  Unbekannte  beziehungsweise  den  Geheimdienst  (vgl.  Beschwerde  S. 4)  eine  Gefährdung  des  Beschwerdeführers  selbst  ableiten  lässt,  zumal  sich  dieser  widersprüchlich zu den Tätern sowie zum Motiv und den Umständen der  Tat geäussert hat (vgl. act. A12/12 S. 4 ff., Beschwerde S. 4),  dass  demnach  keine  Anhaltspunkte  dafür  bestehen,  dem  Beschwerdeführer  würde  im  Heimatland  eine  menschenrechtswidrige  Behandlung drohen,  dass  sich  der  Vollzug  der  Wegweisung  vorliegend  in  Beachtung  der  massgeblichen  völker­  und  landesrechtlichen  Bestimmungen  sowohl  im  Hinblick auf die allgemeine Menschenrechtslage als auch in  individueller  Hinsicht als zulässig erweist,  dass sich der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer als unzumutbar  erweist,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer  Notlage konkret gefährdet sind (Art. 83 Abs. 4 AuG),  dass  das  BFM  sich  bei  der  Bejahung  der  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  auf  das  vorstehend  bereits  erwähnte  Grundsatzurteil BVGE E­6220/2006 vom 27. Oktober 2011 gestützt hat, 

D­468/2012 dass  gemäss  diesem  Urteil  im  Distrikt  Jaffna  (Nordprovinz)  –  aus  welchem der Beschwerdeführer stammt und wo er bis im Juli 2008 gelebt  hat – keine Situation allgemeiner Gewalt herrscht und die politische Lage  nicht dermassen angespannt ist, dass eine Rückkehr dorthin als generell  unzumutbar  eingestuft  werden  müsste,  jedoch  angesichts  der  im  humanitären und wirtschaftlichen Bereich nach wie vor  fragilen Lage  im  Hinblick  auf  den  Vollzug  der  Wegweisung  in  dieses  Gebiet  eine  sorgfältige,  zurückhaltende  Beurteilung  der  individuellen  Zumutbarkeitskriterien  vorzunehmen  ist  (vgl.  BVGE  E­6220/2006  vom  27. Oktober 2011 E. 13.2.1), dass  für  Personen,  die  aus  der  Nordprovinz  stammen  und  diese  vor  Beendigung des Bürgerkrieges im Mai 2009 verlassen haben, die aktuell  vorliegenden  Lebens­  und  Wohnverhältnisse  abzuklären  und  auf  die  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  hin  zu  überprüfen  sind,  wobei  namentlich  die  Existenz  eines  tragfähigen  Beziehungsnetzes  sowie  die  konkreten Möglichkeiten  der  Sicherung  des  Existenzminimums  und  der  Wohnsituation  als  massgebliche  Faktoren  erscheinen  (vgl.  BVGE  E­ 6220/2006 vom 27. Oktober 2011 E. 13.2.1.2), dass  der  Beschwerdeführer  eigenen  Angaben  zufolge  den  Grossteil  seines Lebens von der Geburt bis am 5. Juli 2008 an seinem im Distrikt  Jaffna  gelegenen  Herkunftsort  Z._______  verbracht  hat  (vgl.  BFM­act.  1/10 S. 1), dass gemäss den Angaben des Beschwerdeführers an der Befragung zur  Person  (BzP)  am  7. Januar  2009  im  Zeitpunkt  seiner  Ausreise  seine  Ehefrau  und  die  drei  gemeinsamen  Kinder  sowie  sechs  Brüder  im  Herkunftsort Z._______ lebten (vgl. act. A1/10 S. 3),  dass  der  Beschwerdeführer  im  Rahmen  der  Anhörung  vom  23. September 2009 zu Protokoll  gab, noch  fünf Brüder,  die Mutter  und  zwei  Schwestern  würden  in  Z._______  auf  einem  Grundstück  der  […]  leben, und seine Ehefrau und die Kinder seien aufgrund von – nicht näher  bezeichneten – Schwierigkeiten auf diesem Territorium nach Y._______  gegangen (vgl. act. A12/12 S. 3),  dass  den  anlässlich  einer  ergänzenden  Anhörung  am  12. März  2010  gemachten  Angaben  des  Beschwerdeführers  zu  entnehmen  ist,  dass  immer noch fünf seiner ursprünglich elf Brüder sowie die Mutter und eine  Schwester in Z._______ wohnen (vgl. act. A15/12 S.  Antw. 16), 

D­468/2012 dass vor diesem Hintergrund mangels anderweitiger  konkreter Angaben  in  der  Beschwerde  davon  auszugehen  ist,  dass  der  Beschwerdeführer  dort nach wie vor über ein  tragfähiges soziales Beziehungsnetz verfügt,  an  das  er  auch  nach  mehrjähriger  Landesabwesenheit  wird  anknüpfen  können, dass  das  Haus  des  Beschwerdeführers  offenbar  durch  den  Tsunami  völlig  zerstört worden war  (vgl.  act.  A  12/12 S. 7 Antw. 35), mittlerweile  jedoch  gemäss  eigenen  Aussagen  an  der  ergänzenden  Anhörung  von  einem  Hilfswerk  ein  neues  Haus  gebaut  wurde  (vgl.  act.  15/12  S. 5  Antw. 29) und der Beschwerdeführer somit bei seiner Rückkehr über eine  eigene Unterkunft für sich und seine Familie verfügen wird,  dass der über Berufserfahrung als Fischer verfügende Beschwerdeführer  (vgl.  act.  A1/10  S. 2)  eigenen  Angaben  zufolge  im  Rahmen  der  Wiederaufbauhilfe  nach  dem Tsunami  ferner  ein Boot  erhalten  hat  (vgl.  act. A15/12 S. 5 Antw. 29)  und es  ihm somit möglich  sein wird,  sich an  seinem  Herkunftsort  wieder  eine  wirtschaftliche  Existenzgrundlage  aufzubauen,  dass zur als Vollzugshindernis geltend gemachten Armut der Familie zum  einen  festzuhalten  ist,  dass  blosse  soziale  und  wirtschaftliche  Schwierigkeiten,  von  denen  die  ansässige  Bevölkerung  im  Allgemeinen  betroffen  ist,  nicht  genügen,  um  eine Gefährdung  im  Sinne  von  Art. 83  Abs. 4 AuG darzustellen (vgl. EMARK 2005 Nr. 24 E. 10.1 S. 215),  dass  die  erstmals  auf  Beschwerdeebene  erwähnte  Armut  der  Familie  zum anderen im Widerspruch zu den vorstehend erwähnten Angaben des  Beschwerdeführers  an  der  ergänzenden  Anhörung  vom  12. März  2010  steht, wonach er sowohl über ein Haus als auch ein Boot verfügt, und die  angebliche  Armut  der  Familie  auch  nicht  mit  den  in  den  früheren  Befragungen  gemachten  Aussagen  zu  vereinbaren  ist,  wonach  seine  Frau  und  die  Kinder  genügend  Geld  hätten  (vgl.  act.  A12/12  S. 4  Antw. 13)  und  er  seine  Ausreise  selber  finanziert  habe  (vgl.  act.  A1/10  S. 7),  dass aufgrund der Akten ausser Schmerzen beim Sitzen (vgl. act. A15/12  S. 11)  keine Hinweise  auf  ernsthafte  aktuelle  gesundheitliche  Probleme  des Beschwerdeführers vorliegen,  dass  sich  demnach  aus  den  Akten  keine  Anhaltspunkte  ergeben,  die  darauf  schliessen  liessen,  der  Beschwerdeführer  gerate  im  Falle  der 

D­468/2012 Rückkehr  in  den  Heimatstaat  aus  sozialen,  wirtschaftlichen  oder  gesundheitlichen Gründen  in  eine existenzbedrohende Situation,  und er  somit  die  vorstehend  zitierten,  von  der  Rechtsprechung  formulierten  Kriterien zur Bejahung der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs nach  Sri Lanka erfüllt,  dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  des  Beschwerdeführers  nach  Sri  Lanka  schliesslich  möglich  ist,  da  keine  Vollzugshindernisse  bestehen  (Art. 83  Abs. 2  AuG)  und  es  ihm  obliegt,  bei  der  Beschaffung  gültiger  Reisepapiere mitzuwirken (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG, BVGE 2008/34 E. 12  S. 513 ff.),  dass  es  dem  Beschwerdeführer  demnach  nicht  gelungen  ist  darzutun,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzen,  den  rechtserheblichen  Sachverhalt  unrichtig  oder  unvollständig  feststellen  oder  unangemessen  sein  sollte  (Art. 106  AsylG),  weshalb  die  Beschwerde abzuweisen ist, dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr. 600.–  (Art. 1­3  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 173.320.2])  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  VwVG)  und mit  dem  am  15. Februar  2012  in  gleicher Höhe  geleisteten  Kostenvorschuss zu verrechnen sind.  (Dispositiv nächste Seite)

D­468/2012 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.   Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.–  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt und mit dem  geleisteten Kostenvorschuss verrechnet.  3.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Walter Lang Jacqueline Augsburger Versand:

D-468/2012 — Bundesverwaltungsgericht 27.02.2012 D-468/2012 — Swissrulings