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Bundesverwaltungsgericht 26.09.2011 D-4666/2011

September 26, 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,615 words·~8 min·2

Summary

Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung | Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; Verfügung des BFM vom 5. Juli 2011

Full text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung IV D­4666/2011/sed Urteil   v om   2 6 .   S ep t embe r   2011 Besetzung Richter Martin Zoller (Vorsitz), Richterin Contessina Theis,  Richter Bendicht Tellenbach;    Gerichtsschreiberin Kathrin Mangold Horni. Parteien A._______,  geboren am (…), Sri Lanka,  c/o Schweizerische Vertretung in Colombo,   Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung;  Verfügung des BFM vom 5. Juli 2011.

D­4666/2011 Sachverhalt: A.  A.a  Der  Beschwerdeführer  wandte  sich  am  8.  April  2009  (Datum  des  Eingangs  bei  der  schweizerischen  Vertretung;  Datum  Stellung  des  Visumsantrags:  6.  April  2009)  mit  einem  in  englischer  Sprache  abgefassten Schreiben an die schweizerische Vertretung in Colombo und  ersuchte  darin  um  Bewilligung  der  Einreise  in  die  Schweiz  und  um  Gewährung des Asyls.  Zur  Begründung  brachte  er  vor,  er  sei  sri­lankischer  Staatsangehöriger  und  stamme  aus  B._______  (Distrikt  C._______, Ostprovinz).  Im  Jahre  2003  habe  er  sich  der  D._______  angeschlossen  und  sich  in  verschiedenen  wohltätigen  Projekten  dieser  Organisation  engagiert.  Im  Hinblick auf  die bevorstehenden Lokalwahlen habe er  sich anfangs des  Jahres  2006  für  eine  unabhängige Gruppierung  als  Kandidat  aufstellen  lassen.  Am  17. März  2006,  noch  vor  den  Wahlen,  sei  sein  Wahlkampfbüro von Anhängern der regierenden Partei verwüstet worden.  Nachdem er deswegen bei der Polizei Anzeige erstattet habe, seien die  mutmasslichen  Täter  zu  ihm  nach  Hause  gekommen  und  hätten  ihn  tätlich  angegriffen.  In  der  Folge  habe  er  B._______  verlassen  und  sei  nach Colombo gegangen. Seine Verfolger hätten ihn dort aber aufgespürt  und  ihn  in  ihren  Gewahrsam  genommen.  Er  habe  bald  aus  der  Haft  fliehen  können  und  sich  danach  in  Colombo  versteckt  gehalten.  Nach  Erhalt  eines Arbeitsvisums  für Katar  sei  er  nach Doha gegangen. Doch  sei er auch dort von unbekannten Personen angegriffen worden und habe  die dabei erlittenen Verletzungen bei der E._______  in Doha behandeln  lassen müssen.  Am 3. März 2008, nach Abschluss der medizinischen Behandlungen, sei  er  nach  Sri  Lanka  zurückgekehrt.  Seine  Eltern  hätten  für  ihn  eine  Unterkunft  bei  F._______,  einem  der  herrschenden  Partei  angehörigen  (…)­Minister  der  Ostprovinz,  organisiert.  Er  –  der  Beschwerdeführer –  habe diesen dann im Hinblick auf die Wahlen in der Ostprovinz vom 10.  Mai  2008  unterstützt.  Am  2.  Mai  2008  sei  er  von  ihm  unbekannten  Männern attackiert worden, was er auf dem Polizeiposten von B._______  gemeldet  habe.  Die  gleichen  Männer  hätten  am  26.  Mai  2008  auf  ihn  geschossen  und  ihn  dabei  verletzt.  Nach  der  Erstbehandlung  im  Spital  von B._______  sei  er  ins G._______  überführt worden.  Er  habe  genug  von seinem jetzigen Leben; er könne sich nirgendwo in Sri Lanka frei und  sicher bewegen. 

D­4666/2011 Zur  Untermauerung  seiner  Vorbringen  reichte  der  Beschwerdeführer  zahlreiche,  zum  Teil  mit  englischen  Übersetzungen  versehene  oder  in  englischer  Sprache  gehaltene,  in  der  Eingabe  einzeln  aufgeführte  Unterlagen in Kopie sowie zwei Fotos im Original zu den Akten.  A.b  Mit  ebenfalls  in  englischer  Sprache  gehaltenem  Schreiben  vom  22. April 2009 bestätigte die schweizerische Vertretung  in Colombo dem  Beschwerdeführer den Eingang seines Gesuches vom 8. April 2009 und  forderte ihn gleichzeitig auf, seine Vorbringen bis zum 6. Juni 2009 näher  zu  begründen  und  zur  Untermauerung  derselben  entsprechende,  durch  einen  anerkannten  Übersetzer  in  die  englische  Sprache  übersetzte  Beweismittel sowie Kopien von Identitätspapieren einzureichen.  A.c  Der  Beschwerdeführer  liess  sich  am  18.  Mai  2009  (Eingang  des  Schreibens  auf  der  schweizerischen  Vertretung  in  Colombo:  26.  Mai  2009) vernehmen. Dabei wiederholte er seine bereits in der Eingabe vom  8. April 2009 gemachten Ausführungen und brachte  im Weiteren – unter  Beilage zusätzlicher Unterlagen in Kopie – vor, F._______ sei entfernt mit  ihm  verwandt  und  habe  für  einen  führenden  Ministerposten  kandidiert.  Der  diensthabende  Beamte  auf  dem  Posten  von  B._______  habe  sich  aus  politischen  Gründen  geweigert,  seine  Anzeige  gegen  die  Unbekannten,  von denen er – der Beschwerdeführer – am 2. Mai 2008  mit  dem  Tod  bedroht  worden  sei,  entgegenzunehmen.  Den  weiteren  Angriff  vom  28.  Mai  2008  habe  er  nicht  nur  auf  dem  Polizeiposten,  sondern  auch  verschiedenen  humanitären  und  menschenrechtlichen  Organisationen (UNHCR,  IKRK und H._______ gemeldet. Anhänger der  Regierungspartei  versuchten  aber  weiterhin,  ihn  zu  entführen  oder  zu  töten. Er erhalte anonyme Telefonanrufe und auch seine betagten Eltern  würden  belästigt.  Aufgrund  dieser  Probleme  sei  er  von  der  Menschenrechtsorganisation  H._______  im  I._______  in  J._______/K._______ untergebracht worden.  A.d Nachdem der Beschwerdeführer der Aufforderung vom 2. September  2009,  am  15.  September  2009  für  eine  Befragung  auf  der  schweizerischen  Vertretung  in  Colombo  zu  erscheinen,  nicht  nachgekommen  war,  forderte  die  schweizerische  Vertretung  den  Beschwerdeführer mit Schreiben vom 30. September 2009 auf, bis zum  15. Oktober 2009 schriftlich zu bestätigen, dass er an der Weiterführung  des Asylverfahrens noch interessiert sei. 

D­4666/2011 Mit  Telefax  vom  13.  Oktober  2009  teilte  der  Beschwerdeführer  der  schweizerischen Vertretung in Colombo mit, er habe sich in letzter Zeit an  einem  anderen  Ort  verstecken  müssen  und  daher  den  Brief  vom  2.  September  2009  nicht  erhalten,  sei  jedoch  nach  wie  vor  an  der  Weiterführung des Asylverfahrens interessiert.  A.e Am 11. November 2009 wurde der Beschwerdeführer schliesslich auf  der  schweizerischen  Vertretung  in  Colombo  persönlich  befragt.  Dabei  ergänzte  er  seine  bisherigen  Aussagen  folgendermassen:  Er  sei  Angehöriger  der  (muslimischen)  Ethnie  der  Moors  und  habe  als  "Computer  Operator"  gearbeitet.  Die  politische  Gruppierung,  für  die  er  sich im Jahre 2006 als Kandidat habe aufstellen lassen, habe die "United  National Party" (UNP) unterstützt. Während seines Aufenthaltes  in Katar  sei  er  von  zwei  Männern,  von  denen  der  eine  tamilisch,  der  andere  singhalesisch  gesprochen  habe,  angegriffen  worden.  Das  Büro  von  F._______,  in  welchem  er  sich  nach  der  Rückkehr  aus  Katar  versteckt  habe, habe sich in L._______ (Distrikt K._______) befunden. B.  Mit Verfügung vom 5.  Juli  2011  (durch Vermittlung der  schweizerischen  Vertretung  in  Colombo  am  13.  Juli  2011  mit  eingeschriebener  Post  versandt  und  vom  Beschwerdeführer  am  18.  Juli  2011  entgegengenommen)  verweigerte  das  BFM  dem  Beschwerdeführer  die  Einreise  in  die  Schweiz  und  lehnte  dessen  Asylgesuch  ab.  Auf  die  Begründung wird in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.  C.  Der  Beschwerdeführer  beantragte  mit  am  15.  August  2011  bei  der  schweizerischen  Vertretung  in  Colombo  eingegangener  und  bereits  am  folgenden  Tag  dem  Bundesverwaltungsgericht  weitergeleiteter,  in  englischer  Sprache  abgefasster  und  mit  einer  deutschen  Übersetzung  versehener  Rechtsmitteleingabe  sinngemäss  die  Aufhebung  der  vorinstanzlichen Verfügung,  die Bewilligung  der Einreise  in  die Schweiz  und die Gewährung des Asyls.  Zur Begründung verwies er auf die von ihm im vorinstanzlichen Verfahren  geschilderten  Probleme  und  hielt  an  deren  Wahrheitsgehalt  fest.  Der  Umstand, dass ihm die H._______ Schutz gewähre und ihn auch bei der  Stellung  des  Asylantrages  unterstützt  habe,  zeige  offensichtlich,  dass  sich  seine  Situation  in  Sri  Lanka  verschlimmert  habe.  Anlässlich  der  Befragung  auf  der  schweizerischen  Vertretung  habe  er  offenbar  die 

D­4666/2011 Umstände  nicht  genügend  klar  darlegen  können,  und  seine  Aussagen  seien  wohl  auch  falsch  interpretiert  worden.  Auch  nach  der  Niederschlagung  des  Terrorismus  durch  die  Regierung  fänden  noch  kleinere  Anschläge  statt,  so  dass  sein  Leben  immer  noch  in  grosser  Gefahr sei.  Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021).  Das  BFM  gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  im  Bereich  des  Asylrechts  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  eines  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  [AsylG,  SR  142.31]  ;  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG, SR 173.110]). 1.2. Aus den Akten ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung durch  Vermittlung der schweizerischen Vertretung in Colombo am 13. Juli 2011  mit  eingeschriebener  Post  verschickt  und  vom  Beschwerdeführer  am  18. Juli 2011 entgegengenommen worden war. Die am 15. August 2011  bei  der  schweizerischen  Vertretung  eingegangene  Beschwerde  (Art. 21  Abs. 1 VwVG, wonach bei Auslandverfahren das Datum der Übergabe an  eine  schweizerische  diplomatische  oder  konsularische  Vertretung  massgeblich ist) ist somit rechtzeitig eingereicht worden. 1.3. Der Beschwerde fehlt die gemäss Art. 52 Abs. 1 VwVG erforderliche  Unterschrift.  Auf  die  Ansetzung  einer  Frist  zur  entsprechenden  Beschwerdeverbesserung im Sinne von Art. 52 Abs. 2 und 3 VwVG kann  jedoch aus prozessökonomischen Gründen verzichtet werden, zumal das  Couvert,  in  welchem  die  Beschwerdeschrift  der  schweizerischen  Vertretung in Colombo übergeben worden war, unzweideutig den Namen 

D­4666/2011 des  Beschwerdeführers  als  Absender  enthält  und  überdies  davon  auszugehen  ist,  die  Schrift  auf  dem  besagten  Couvert  stimme  mit  derjenigen  auf  der  Eingabe  vom  13. Oktober  2009  sowie  mit  der  Unterschrift  auf  dem  Befragungsprotokoll  vom  11.  November  2009  überein,  so  dass  den  analog  im  Verwaltungsverfahrensrecht  geltenden  obligationenrechtlichen  Grundsätzen  von  Art. 11  ff.  des  Obligationenrechts  vom  30. März  1911  (OR,  SR 220) Genüge  getan  ist  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission [EMARK] 2003 Nr. 16 E. 2c). 1.4.  Die  Beschwerde  ist  demnach  –  mit  Ausnahme  des  vorstehend  genannten,  jedoch  nicht  als  wesentlich  erachteten Mangels  –  frist­  und  formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 52  VwVG).  Der  Beschwerdeführer  hat  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen,  ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise Änderung; er ist daher zur Einreichung der Beschwerde  legitimiert  (Art. 105  AsylG  i.V.m  Art. 48  Abs. 1  VwVG).  Auf  die  Beschwerde ist einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  3.1.  Ein  Asylgesuch  kann  gemäss  Art.  19  AsylG  im  Ausland  bei  einer  schweizerischen Vertretung gestellt werden, die es mit einem Bericht an  das  Bundesamt  überweist  (Art.  20  Abs.  1  AsylG).  Hinsichtlich  des  Verfahrens bei der schweizerischen Vertretung  im Ausland sieht Art. 10  der  Asylverordnung 1  vom  11. August  1999  über  Verfahrensfragen  (AsylV 1, SR 142.311) vor, dass diese mit der asylsuchenden Person  in  der  Regel  eine  Befragung  durchführt  (Art.  10  Abs.  1  AsylV  1).  Ist  dies  nicht  möglich,  so  wird  die  asylsuchende  Person  aufgefordert,  ihre  Asylgründe  schriftlich  festzuhalten  (Art.  10  Abs.  2  AsylV  1).  Eine  Befragung beziehungsweise eine schriftliche Sachverhaltsabklärung kann  sich erübrigen, wenn der Sachverhalt bereits aufgrund des eingereichten  Asylgesuchs  als  entscheidreif  erstellt  erscheint;  der  asylsuchenden  Person ist aber diesfalls im Sinne des rechtlichen Gehörs die Gelegenheit  zu geben, sich zu einem abzusehenden negativen Entscheid zumindest  schriftlich zu äussern (vgl. BVGE 2007/30 E. 5.7).

D­4666/2011 3.2. Vorliegend hatte der Beschwerdeführer nicht nur Gelegenheit, seine  Asylgründe  schriftlich  darzulegen,  zu  konkretisieren  und  zu  dokumentieren,  er  wurde  am  11.  November  2009  auf  der  schweizerischen  Vertretung  in  Colombo  auch  persönlich  befragt.  Anlässlich dieser Befragung hatte er  insbesondere Gelegenheit, weitere  Angaben zu seinen politischen Tätigkeiten und zu seiner seit März 2006  bestehenden,  mit  zahlreichen  in  Kopie  eingereichten  Unterlagen  dokumentierten Verfolgungssituation zu machen. 4.  4.1.  Gemäss  Art.  2  Abs.  1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Als  Flüchtling  wird  eine  ausländische  Person  anerkannt,  wenn  sie  in  ihrem  Heimatstaat  oder  im  Land,  in  dem  sie  zuletzt  wohnte,  wegen  ihrer Rasse, Religion, Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen  ihrer  politischen  Anschauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete  Furcht  hat,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden.  Als  ernsthafte  Nachteile  gelten  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder  Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck  bewirken (Art. 3 AsylG). Das  Bundesamt  kann  ein  im  Ausland  gestelltes  Asylgesuch  ablehnen,  wenn die asylsuchende Person keine Verfolgung glaubhaft machen oder  ihr die Aufnahme in einem Drittstaat zugemutet werden kann (Art. 3, Art.  7 und Art. 52 Abs. 2 AsylG). Gemäss Art. 20 Abs. 2 AsylG bewilligt das  BFM einem Asylsuchenden die Einreise zur Abklärung des Sachverhalt,  wenn  ihm  nicht  zugemutet  werden  kann,  im  Wohnsitz­  oder  Aufenthaltsstaat zu bleiben oder in ein anderes Land auszureisen. 4.2.  Für  die  Erteilung  einer  Einreisebewilligung  gelten  restriktive  Voraussetzungen,  wobei  den  Behörden  ein  weiter  Ermessensspielraum  zukommt.  Neben  der  erforderlichen  Gefährdung  im  Sinne  von  Art.  3  AsylG sind namentlich die Beziehungsnähe zur Schweiz, die Möglichkeit  der  Schutzgewährung  durch  einen  anderen  Staat,  die  Beziehungsnähe  zu  anderen  Staaten,  die  praktische  und  objektive  Zumutbarkeit  zur  anderweitigen  Schutzsuche  sowie  die  voraussichtlichen  Eingliederungs­  und Assimilationsmöglichkeiten in Betracht zu ziehen (vgl. EMARK 1997  Nr. 15, E. 2.2.­g. S. 131  ff.;  angesichts bloss  redaktioneller Änderungen  bei der letzten Totalrevision des Asylgesetzes hat diese Praxis nach wie  vor Gültigkeit). Ausschlaggebend für die Erteilung der Einreisebewilligung 

D­4666/2011 ist  dabei  die  Schutzbedürftigkeit  der  betreffenden  Person  (vgl. EMARK  1997  Nr.  15  E.  2c  S.  130),  mithin  die  Prüfung  der  Fragen,  ob  eine  Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG glaubhaft gemacht wird und ob der  Verbleib  am  Aufenthaltsort  für  die  Dauer  der  Sachverhaltsabklärung  zugemutet werden kann. Eine Verfolgungssituation muss überdies aktuell  sein, um gemäss Art. 3 AsylG als asylrelevant zu gelten.  5.  5.1. Die  Vorinstanz  hielt  in  ihrer  angefochtenen  Verfügung  vom  5.  Juli  2011 vorab zutreffend fest, gemäss schweizerischer Asylpraxis sei für die  Gewährung der Einreise die Gefährdung einer asylsuchenden Person im  Zeitpunkt der Einreisebewilligung massgebend. 5.1.1. Der Beschwerdeführer machte  zur Begründung  seines Gesuches  um  Bewilligung  zur  Einreise  und  zur  Gewährung  des  Asyls  geltend,  er  fürchte um sein Leben, weil er im Frühjahr 2006 als Kandidat an Wahlen  teilgenommen und im Jahre 2008 einen entfernten Verwandten in seinem  Wahlkampf unterstützt  habe. Er erhalte  telefonische Drohungen und sei  bereits mehrmals angegriffen und auch verletzt worden.  5.1.2.  Das  BFM  führte  dazu  aus,  die  vom  Beschwerdeführer  geschilderten Ereignisse aus den Jahren 2006 bis 2009 sowie die damit  verbundenen  anonymen  Bedrohungen  fielen  in  die  Zeit  des  Krieges  zwischen  der  sri­lankischen  Regierung  und  den  "Liberation  Tigers  of  Tamil Eelam" (LTTE). Seit dem Kriegsende im Mai 2009 befinde sich Sri  Lanka  jedoch  wieder  unter  Regierungskontrolle,  und  es  sei  zu  keinen  terroristischen Aktivitäten der LTTE mehr gekommen. Gleichzeitig sei die  Anzahl  von Gewaltereignissen wie Entführungen,  Verschleppungen  und  Tötungen markant zurückgegangen und es bestünden keine Hinweise auf  eine  Zusammenarbeit  der  Regierung  mit  bewaffneten  Gruppierungen  mehr.  5.1.3.  Angesichts  der  veränderten  Zustände  in  Sri  Lanka  und  der  Tatsache,  dass  die  Behörden  Übergriffe  Dritter  auf  Privatpersonen  im  Rahmen  ihrer  Möglichkeiten  ahnden,  ist  davon  auszugehen,  dass  der  Beschwerdeführer  heute  Angriffen  der  von  ihm  geschilderten  Art  und  Weise nicht schutzlos ausgeliefert wäre. Dies gilt umso mehr als er – wie  in  der  angefochtenen  Verfügung  zutreffend  bemerkt  wurde  –  mit  F._______,  einem  der  "United  People's  Freedom  Alliance"  (UPFA)  von  Präsident  Mahinda  Rajapaksa  angehörenden  einflussreichen  Politiker  verwandt  ist;  dieser  soll  dem  Beschwerdeführer  bereits  nach  der 

D­4666/2011 Rückkehr  aus  Katar  Unterkunft  geboten  und  dessen  Unterstützung  im  Wahlkampf vom Frühjahr 2008 in Anspruch genommen haben, und es ist  davon  auszugehen  dass  er  dem  Beschwerdeführer  auch  bei  weiteren  Schwierigkeiten  beziehungsweise  bei  allfälliger  Untätigkeit  von  Behördenmitgliedern zur Seite stehen würde. 5.1.4.  Wie  das  BFM  ebenfalls  zutreffend  feststellte,  verfügt  der  Beschwerdeführer  gemäss  den  Akten  über  kein  besonderes  Gefährdungsprofil,  das  eine  zukünftige  Verfolgung  als  überwiegend  wahrscheinlich erscheinen liesse beziehungsweise zu einreiserelevanten  Schwierigkeiten führen könnte. An dieser Feststellung vermögen auch die  zahlreichen  eingereichten  Dokumente  nichts  zu  ändern,  zumal  diese  lediglich dazu dienen, die für die Jahre 2006 bis 2009 geltend gemachten  Ereignisse  zu  untermauern,  ohne  jedoch  Hinweise  auf  eine  allenfalls  heute noch bestehende Verfolgungssituation zu geben. Auch die sich bei  den  Akten  befindenden  Unterlagen  betreffend  den  Tod  eines  Mannes  namens  M._______  im  August  2009  vermögen  zu  keinen  anderen  Erkenntnissen  zu  führen,  zumal  nicht  erkennbar  ist,  inwiefern  der  gewaltsame  Tod  des  angeblichen  Verwandten  überhaupt  in  einem  Zusammenhang mit den vom Beschwerdeführer geschilderten Problemen  stehen könnte.  5.2. Sodann  kann  auch  der  Auffassung  der  Vorinstanz  gefolgt  werden,  zumindest  an  einem  Teil  der  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  bestünden  erhebliche  Zweifel.  In  der  Tat  vermochte  der  Beschwerdeführer  anlässlich  der  Befragung  auf  der  schweizerischen  Vertretung  nicht  überzeugend  darzulegen,  weshalb  ausgerechnet  er,  einer von unzähligen unabhängigen – und schliesslich nicht gewählten –  Kandidaten  für  die  Lokalwahlen  vom  Frühjahr  2006  den  genannten  Verfolgungen  ausgesetzt  gewesen  sein  sollte  (vgl.  Protokoll  der  Befragung vom 11. November 2009 S. 7). Des Weiteren kann angesichts  der  Tatsache,  dass  F._______  ein Mitglied  der UPFA  beziehungsweise  der  zur  UPFA  gehörenden  "Sri  Lanka  Freedom  Party"  (SLFP)  und  überdies  stellvertretender  Minister  in  der  jetzigen  Regierung  ist,  auch  nicht  geglaubt  werden,  dass  dieser  –  wie  vom  Beschwerdeführer  behauptet  (vgl. Protokoll der Befragung vom 11. November 2009 S. 9) –  diesem in Bezug auf die Anzeigen auf dem Polizeiposten von B._______  und  in  Bezug  auf  die  Verfolgung  durch  Angehörige  der  herrschenden  Partei keinerlei Hilfe hätte leisten können.  Schliesslich  ist  darauf  hinzuweisen,  dass  es  dem  Beschwerdeführer –  wäre er  tatsächlich behördlich gesucht worden – nicht möglich gewesen 

D­4666/2011 wäre, mit  seinem Reisepass  legal  über  den Flughafen  von Colombo  zu  Arbeitszwecken nach Katar und einige Monate später wieder zurück nach  Sri  Lanka  zu  reisen,  ohne  dabei  von  den  heimischen  Behörden  festgenommen worden zu sein.  5.3. Zusammenfassend ergibt sich, dass es dem Beschwerdeführer nicht  gelungen  ist,  eine  aktuelle  Gefährdung  aus  asylrechtlich  relevanten  Motiven  aufzuzeigen,  die  die  Bewilligung  der  Einreise  in  die  Schweiz  rechtfertigen  würde.  Die  Schutzbedürftigkeit  des  Beschwerdeführers  im  Sinne  von  Art.  20  i.V.m.  Art.  3  AsylG  ist  als  nicht  gegeben  zu  qualifizieren.  Im  Übrigen  ist  auch  eine  Beziehungsnähe  des  Beschwerdeführers zur Schweiz zu verneinen (Art. 52 Abs. 2 AsylG). Es  braucht auch nicht auf die übrigen Erwägungen der Vorinstanz oder auf  die weiteren, knappen Vorbringen in der Beschwerde (etwa auf die durch  nichts  belegte  Bemerkung,  die  anlässlich  der  Befragung  auf  der  schweizerischen  Vertretung  gemachten  Aussagen  seien  "sehr  wahrscheinlich  falsch  interpretiert"  worden  oder  auf  die  in  keinem  Zusammenhang  mit  der  geltend  gemachten  Verfolgungssituation  stehende Aussage, in Sri Lanka fänden "immer noch kleinere Anschläge"  statt)  eingegangen  zu  werden,  da  diese  am  Ergebnis  nichts  zu  ändern  vermögen.  Entgegen  der  in  der  Beschwerdeschrift  enthaltenen  entsprechenden  Bemerkung  lässt  der  angebliche  "Schutz  durch  die  H._______  und  deren  Hilfe  beim  Asylantrag"  beziehungsweise  die  Einreichung  der  Visitenkärtchen  zweier  H._______Mitarbeiter  in  Kopie  und  der  Umstand,  dass  sich  der  Beschwerdeführer  die  vorinstanzliche  Korrespondenz an die Adresse der  besagten Organisation hat  schicken  lassen,  keinesfalls  auf  eine  Verschlimmerung  der  Situation  für  den  Beschwerdeführer schliessen.  Das  BFM  hat  dem  Beschwerdeführer  zu  Recht  die  Einreise  in  die  Schweiz verweigert und das Asylgesuch abgelehnt.  6.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art.  106  Abs.  1  AsylG).  Die  Beschwerde ist daher abzuweisen.  7.  Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dessen Kosten grundsätzlich  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art.  63  Abs.  1  VwVG).  Aus 

D­4666/2011 verwaltungsökonomischen Gründen ist indessen in Anwendung von Art. 6  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  (VGKE,  SR  173.320.2) auf die Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten. 

D­4666/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3. Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige schweizerische Vertretung. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Martin Zoller Kathrin Mangold Horni Versand:

D-4666/2011 — Bundesverwaltungsgericht 26.09.2011 D-4666/2011 — Swissrulings