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Bundesverwaltungsgericht 24.08.2011 D-4110/2011

August 24, 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,247 words·~11 min·1

Summary

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 21. Juni 2011

Full text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­4110/2011, D­4112/2011/sed Urteil   v om   2 4 .   Augus t   2011 Besetzung Einzelrichter Bendicht Tellenbach, mit Zustimmung von Richter Pietro Angeli­Busi;   Gerichtsschreiberin Susanne Burgherr. Parteien 1. A._______, geboren am (…), dessen Ehefrau 2. B._______, geboren am (…), und deren Kind  3. C._______, geboren am (…), sowie die Mutter der Beschwerdeführerin 2 4. D._______, geboren am (…), Belarus,  Beschwerdeführende,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügungen des BFM vom  21. Juni 2011 / N (…) und N (…).

D­4110/2011, D­4112/2011 Sachverhalt: A.  Die Beschwerdeführenden suchten am 17. Oktober 2010 in der Schweiz  um Asyl nach.  A.a  Die  Beschwerdeführenden  1  und  2  brachten  im  Rahmen  der  Erstbefragungen im Empfangs­ und Verfahrenszentrum (EVZ) E._______  vom  21. Oktober  2010  und  den  Anhörungen  nach  Art. 29  Abs. 1  des  Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) durch das BFM vom  12. Mai  2011  im Wesentlichen  vor,  sie  seien  Ende  Februar  2010  nach  Belarus  zurückgekehrt,  nachdem  sie  in  Österreich  negative  Asylentscheide  erhalten  hätten.  Sie  hätten  in  den  Jahren  2005  (Beschwerdeführer 1) und 2006 (Beschwerdeführerin 2) in Österreich um  Asyl  nachgesucht,  da  sie  beide  wegen  der  Teilnahme  an  Demonstrationen  gegen  den  belarussischen  Präsidenten  verhaftet  worden seien (vgl. Vorakten A10 S. 5 in N […]), beziehungsweise da der  Beschwerdeführer 1 aufgrund der Teilnahme an einer Demonstration ein  Jahr  lang  inhaftiert gewesen sei (vgl. A17 S. 6 F41  in N […]),  respektive  da  die  Beschwerdeführerin 2  aufgrund  der  Anstellung  bei  einer  oppositionellen  Firma,  an  deren  Namen  sie  sich  nicht  mehr  erinnern  könne,  verhaftet worden  sei  (vgl. A18 S. 3  f.  F22  ff.  in N […]). Gemäss  den  Angaben  des  Beschwerdeführers 1  hätten  die  belarussischen  Behörden  von  seinem  Asylgesuch  Kenntnis  gehabt,  da  die  österreichischen  Behörden  im  Zusammenhang  mit  einem  von  ihm  begangenen (Delikt) etwa im Jahr 2007 eine Identitätsanfrage in Belarus  gemacht  hätten  (vgl.  A9  S. 5  in  N […]);  die  österreichischen  Behörden  hätten  ihn  über  diese  Anfrage  informiert  (vgl.  A9  S. 5  in  N […]),  beziehungsweise  er  sei  darüber  weder  von  den  österreichischen  Behörden noch von seinem damaligen Anwalt informiert worden, sondern  habe  das  entsprechende Dokument  zufällig  in  den Akten  gesehen  (vgl.  A17  S. 5  F28  in  N […]),  respektive  er  sei  darüber  anlässlich  einer  richterlichen  Anhörung  informiert  worden  (vgl.  A17  S. 5  F36  in  N […]).  Gemäss  den  Angaben  der  Beschwerdeführerin 2  hätten  die  österreichischen Behörden wohl eine sie betreffende Identitätsanfrage bei  den  belarussischen  Behörden  gemacht,  sie  habe  diesbezüglich  aber  keine Ahnung  (vgl.  A18 S. 5  F41  in N […]),  beziehungsweise  sie  sei  in  Österreich doch darüber informiert worden (vgl. A18 S. 5 F44 f. in N […]),  respektive  sie  habe  bei  der  belarussischen  Polizei  ein  Papier  des  Einwohnermeldeamts gesehen und nehme an, dass dieses Amt von den  österreichischen Behörden angefragt worden sei  (vgl. A18 S. 5 F42  f.  in 

D­4110/2011, D­4112/2011 N […]).  Nach  ihrer  Rückkehr  nach  Belarus  seien  aufgrund  der  Asylgesuchseinreichung im Ausland gegen sie Strafverfahren wegen des  Verdachts  der  Spionage  und  des  Landesverrats  eröffnet  worden.  Am  8. März  2010  seien  sie  polizeilich  befragt  und  am  1. September  2010  nach  einer  Hausdurchsuchung  erneut  –  zusammen  mit  der  Beschwerdeführerin 4  –  zum  Polizeiposten  gebracht  worden.  Die  Beschwerdeführerin 2  sei  noch  am  selben  Abend,  der  Beschwerdeführer 1  hingegen  erst  nach  fünfzehn  Tagen  freigelassen  worden,  jeweils  mit  der  Auflage,  das  Land  nicht  zu  verlassen.  Die  Beschwerdeführerin 2  habe  polizeiliche  Vorladungen  auf  den  14. September und 15. Oktober 2010 nicht befolgt. Vielmehr seien sie am  17. Oktober  2010 mit  gefälschten  russischen Pässen  via Moskau  in  die  Schweiz gereist.  A.b  Die  Beschwerdeführerin 4  machte  ihrerseits  anlässlich  der  Erstbefragung  im  EVZ  E._______  vom  21. Oktober  2010  und  der  Anhörung nach Art. 29 Abs. 1 AsylG durch das BFM vom 7. März 2011  im  Wesentlichen  geltend,  die  Probleme  hätten  begonnen,  als  die  Beschwerdeführenden 1  und  2  Ende  Februar  2010  aus  Österreich  zurückgekehrt  seien  und  fortan  bei  ihr  gewohnt  hätten.  Die  Beschwerdeführenden 1  und  2  seien  betrübt  gewesen,  hätten  ihr  aber  nichts weiter erzählt; sie habe auch erst jetzt von deren Asylgesuchen in  Österreich  erfahren.  Der  Beschwerdeführer 1  und  eventuell  auch  die  Beschwerdeführerin 2  seien  im  März  2010  zum  örtlichen  Polizeiposten  gebracht  worden,  wobei  sie  ihr  auch  davon  nichts  berichtet  hätten.  Anfangs September 2010 seien die Beschwerdeführenden 1 und 2 nach  einer Hausdurchsuchung erneut zum Polizeiposten gebracht worden. Die  Beschwerdeführerin 2  sei  gleichentags  zurückgekehrt,  der  Beschwerdeführer 1  indes  erst  nach  etwa  zwei Wochen,  wobei  sie  den  Grund  dafür  nicht  kenne.  Anlässlich  der  Hausdurchsuchung  sei  ihr  angekündigt  worden,  sie  würde  wegen  Unterstützung  der  Beschwerdeführenden 1  und  2  polizeilich  vorgeladen  werden.  Den  entsprechenden  Vorladungen  auf  den  17. September  und  11. Oktober  2010  habe  sie  indes  keine  Folge  geleistet,  sondern  sei  zusammen mit  den Beschwerdeführenden 1­3 aus Belarus ausgereist.  A.c Bezüglich der weiteren Aussagen beziehungsweise der Einzelheiten  des rechtserheblichen Sachverhalts wird auf die Protokolle bei den Akten  verwiesen (vgl. Vorakten A9, A10, A17 und A18 in N […]; A4 und A14 in  N […]). 

D­4110/2011, D­4112/2011 B.  B.a Mit separaten Verfügungen für die Beschwerdeführenden 1­3 (N […])  und die Beschwerdeführerin 4 (N […]) vom 21. Juni 2011 – beide eröffnet  am 22. Juni 2011 – stellte das BFM fest, dass die Beschwerdeführenden  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht  erfüllten.  Es  lehnte  die  Asylgesuche  ab  und ordnete die Wegweisung der Beschwerdeführenden aus der Schweiz  sowie den Wegweisungsvollzug an.  B.b  Zur  Begründung  führte  das  BFM  im  Wesentlichen  aus,  die  Vorbringen der Beschwerdeführenden hielten den Anforderungen an die  Glaubhaftigkeit  gemäss  Art. 7  AsylG  nicht  stand.  Sie  hätten  sich  in  wesentlichen  Punkten  widersprüchlich  (insbesondere  zu  dem  am  1. September 2010 verhafteten Personenkreis [die Beschwerdeführerin 4  bestreite,  damals  auch  polizeilich  abgeführt  worden  zu  sein],  zu  den  Asylgründen in Österreich und zur Kenntnis über eine Identitätsabklärung  der  österreichischen Behörden  in Belarus),  realitätsfremd  (insbesondere  zum  Verhalten  der  belarussischen  Polizei  [keine  Belangung  der  Beschwerdeführenden 1 und 2 zwischen März und September 2010 trotz  des  schwerwiegenden  Verdachts,  Freilassung  nach  kurzer  Zeit,  keine  Reaktion  auf  das  Nichtbefolgen  von  Vorladungen])  und  nicht  nachvollziehbar (völlige Unkenntnis der Beschwerdeführerin 4 hinsichtlich  der Hintergründe der behördlichen Verfolgung und keine diesbezüglichen  Nachfragen  bei  den  Beschwerdeführenden 1  und  2,  keinerlei  Kenntnis  über  die  berufliche  Tätigkeit  des  Beschwerdeführers 1  trotz  des  Zusammenlebens in derselben Wohnung) geäussert. An der Echtheit der  eingereichten  Beweismittel  bestünden  erhebliche  Zweifel.  Entgegen  der  in  Belarus  geltenden  Praxis  seien  die  polizeilichen  Vorladungen  an  die  Beschwerdeführerinnen 2  und  4  nicht  mit  einem  Stempel  und  einem  Briefkopf  versehen,  und  auch  bei  den  an  den  Beschwerdeführer 1  gerichteten Gerichtsakten würden die Briefköpfe mit der Bezeichnung und  Adresse  der  ausstellenden  Institution  fehlen.  Zudem  fehle  bei  der  Vorladung  der  Beschwerdeführerin 2  auf  den  15. Oktober  2010  der  Zeitpunkt des erforderten Erscheinens. Unüblich erscheine insbesondere,  dass  die  Beschwerdeführerinnen 2  und  4  nach  der  Nichtbefolgung  der  Vorladungen  von  der  Polizei  nicht  belangt  worden  seien;  von  verschlossenen  Türen  beziehungsweise  ausgeschalteten  Türklingeln  hätten  sich  die  Behörden  bestimmt  nicht  abhalten  lassen.  Die  vorgebrachten  Fluchtgründe  seien  deshalb  nicht  glaubhaft.  Die  Beschwerdeführenden  erfüllten  damit  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht,  weshalb die Asylgesuche abzulehnen und die Wegweisung anzuordnen  sei.  Der  Wegweisungsvollzug  sei  zulässig,  zumutbar  und  möglich.  Die 

D­4110/2011, D­4112/2011 Beschwerdeführenden 1 und 2 seien  jung und gesund. Sie würden über  eine  solide  Ausbildung  und  Arbeitserfahrung  verfügen,  so  dass  ihnen  zugemutet  werden  könne,  sich  in  Belarus  –  allenfalls  mit  der  Unterstützung  von  Verwandten  –  eine  neue  Existenz  aufzubauen,  oder  die (Firma) des Beschwerdeführers 1 wieder in Betrieb zu nehmen. Auch  der  Beschwerdeführerin 4,  die  über  eine  Altersrente  verfüge,  sei  zuzumuten,  ihr  Leben  nach  der  Rückkehr  selbständig  weiterzuführen.  Sollte sie nicht  in die Wohnung zurückkehren können, sei anzunehmen,  dass  sie  vorübergehend  bei  Verwandten  Aufnahme  finden  könne.  Hinsichtlich ihres Gesundheitszustands – (Ausführungen zur Behandlung  in  Belarus)  –  sei  festzuhalten,  dass  in  der  Schweiz  eine  engmaschige  Kontrolle  erfolgt  sei,  wobei  eine  eigentliche  Behandlung  gemäss  Arztzeugnis vom 4. April 2011 nicht nötig sei, da (…). Die Tatsache, dass  die  Beschwerdeführerin 4  in  Belarus  nach  der  Operation  zur  Blutentnahme  und  Röntgenuntersuchung  wöchentlich  in  ein  Ambulatorium gegangen sei, zeige, dass die entsprechende Behandlung  verfügbar  sei.  Die  in  der  Schweiz  darüber  hinaus  erfolgte  Behandlung  wegen  (…)  könne  in  Belarus  ebenfalls  fortgesetzt  werden;  auch  bei  diesen  Krankheiten  sei  eine  medikamentöse  und  therapeutische  Behandlung im Heimatland gewährleistet. C.  C.a  Mit  zwei  Eingaben  vom  21. Juli  2011  erhoben  die  Beschwerdeführenden  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerden.  Sie ersuchten um Aufhebung der  vorinstanzlichen Verfügungen und um  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  sowie  Gewährung  des  Asyls,  eventualiter  um  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  infolge  Unzulässigkeit  beziehungsweise  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs.  In  formeller  Hinsicht  ersuchten  sie  zudem  um  Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021)  und  um  Verzicht  auf  die  Erhebung  von  Kostenvorschüssen,  wobei  sie  diesbezüglich  Fürsorgeabhängigkeitsbestätigungen  vom  13. Juli  2011  zu  den  Akten  reichten.  C.b Die  Beschwerdeführenden  brachten  im Wesentlichen  vor,  die  vom  BFM genannten Widersprüche vermöchten nicht zu entkräften, dass die  Beschwerdeführenden 1 und 2 aufgrund der Asylverfahren  in Österreich  in Belarus wegen Diskreditierung des Heimatlands belangt würden, und  der  Beschwerdeführerin 4  vorgeworfen  werde,  die 

D­4110/2011, D­4112/2011 Beschwerdeführenden 1  und  2  zu  unterstützen,  indem  sie  sie  bei  sich  aufgenommen  habe.  Die  eingereichten  Beweismittel  würden  dies  belegen.  Angesichts  des  gegen  die  Beschwerdeführenden 1  und  2  verhängten Verbots, das Land zu verlassen, erscheine es nicht unlogisch,  dass sie zunächst  in Ruhe gelassen worden seien, hätten sie sich doch  jederzeit  zur Verfügung  halten müssen. Die Beschwerdeführerin 2  habe  sich  an  den Namen  der  Firma,  bei  der  sie  gearbeitet  habe,  nicht mehr  erinnert, da sie aufgrund der Befragungssituation nervös gewesen sei.  D.  Mit  Zwischenverfügung  vom  27. Juli  2011  vereinigte  der  Instruktionsrichter  die  Beschwerdeverfahren  D­4110/2011  (Beschwerdeführende 1­3) und D­4112/2011 (Beschwerdeführerin 4) und  hielt fest, dass die Beschwerdeführenden den Ausgang des Verfahrens in  der  Schweiz  abwarten  können.  Gleichzeitig  stellte  er  fest,  dass  die  Beschwerden  aussichtslos  erscheinen,  weshalb  er  die  Gesuche  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  gemäss  Art. 65  Abs. 1  VwVG  und  um  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  abwies  und  einen  Kostenvorschuss  von  Fr. 800.–,  zahlbar  bis  zum  11. August  2011,  erhob,  verbunden  mit  dem  Hinweis,  dass  bei  nicht  fristgerechter Bezahlung auf die Beschwerde nicht eingetreten werde.  E.  Der Kostenvorschuss wurde am 29. Juli 2011 geleistet. F.  Mit Eingabe vom 12. August 2011 (Datum Poststempel; Schreiben datiert  vom  11. August  2011)  reichten  die  Beschwerdeführenden  eine  Beschwerdeergänzung  ein  und  brachten  im  Wesentlichen  vor,  der  belarussische  Staat  erachte  es  als  staatsfeindlich,  im  Ausland  um  Asyl  nachzusuchen. Er ahnde dies gestützt auf einen Gesetzesartikel, der die  "Diskreditierung des Landes" unter Strafe stelle. Das Aussenministerium  der  Vereinigten  Staaten  habe  festgestellt,  dass  die  belarussische  Regierung  grundlegende  Rechte  wie  die  Meinungsäusserungs­  und  Versammlungsfreiheit beschneide, und nenne in diesem Zusammenhang  auch  den  "Diskreditierungsartikel".  Die  belarussischen  Behörden  seien  zwar über den Inhalt der Aussagen, die die Beschwerdeführenden 1 und  2  im  österreichischen  Asylverfahren  gemacht  hätten,  nicht  informiert  gewesen,  aber  offenbar  sei  allein  die  Asylgesuchseinreichung  als  "diskreditierend"  eingestuft  worden.  Die  Organisation  für  Sicherheit  und  Zusammenarbeit  in  Europa  (OSZE)  zeige  zudem  in  einem  Bericht  zur 

D­4110/2011, D­4112/2011 aktuellen Situation in Belarus auf, mit welchen Mitteln sich die Regierung  an der Macht halte.  Insbesondere die  restriktiven Ausreisemöglichkeiten  seien  erwähnenswert;  wie  ihnen  werde  vielen  Menschen  unter  Strafandrohung  verboten,  das  Land  zu  verlassen.  In  ein  solches  Land  könnten sie nicht zurückkehren.  Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 33 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerden  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR  173.110]). 1.2.  Die  Beschwerden  sind  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Die  Beschwerdeführenden  sind  durch  die  angefochtenen  Verfügungen  besonders  berührt  und  haben  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung.  Sie  sind  daher  zur  Einreichung  der Beschwerden legitimiert (Art. 108 Abs. 1 AsylG sowie Art. 105 AsylG  i.V.m.  Art. 37  VGG  und  Art. 48  Abs. 1  und  Art. 52  VwVG).  Auf  die  Beschwerden ist somit einzutreten.  2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).  3.  Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  entschieden  (Art. 111  Bst. e  AsylG).  Wie  nachstehend  aufgezeigt,  handelt  es  sich  vorliegend  um  eine  solche,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu  begründen  ist  (Art. 111a  Abs. 2  AsylG).  Gestützt  auf 

D­4110/2011, D­4112/2011 Art. 111a  Abs. 1  AsylG  wurde  auf  die  Durchführung  eines  Schriftenwechsels verzichtet.  4.  4.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Als  Flüchtling  wird  eine  ausländische  Person  anerkannt,  wenn  sie  in  ihrem  Heimatstaat  oder  im  Land,  in  dem  sie  zuletzt  wohnte,  wegen  ihrer Rasse, Religion, Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen  ihrer  politischen  Anschauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete  Furcht  hat,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden.  Als  ernsthafte  Nachteile  gelten  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder  Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck  bewirken; den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen  (Art. 3 AsylG).  4.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7  AsylG).  Entscheidend  ist,  ob  eine  Gesamtwürdigung  der  Vorbringen  ergibt,  dass  die  Gründe,  die  für  die  Richtigkeit  der  Sachverhaltsdarstellung  sprechen,  überwiegen  oder  nicht  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  [vormaligen]  Schweizerischen  Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 1 E. 5 S. 4 ff.).  5.  5.1. Die  vorinstanzlichen  Erwägungen  erweisen  sich  als  zutreffend.  Zur  Vermeidung  von  Wiederholungen  kann  daher  vorab  auf  die  nicht  zu  beanstandenden  Ausführungen  des  BFM  verwiesen  werden.  Den  Rechtsmitteleingaben  sind  keine  stichhaltigen  Entgegnungen  zu  entnehmen,  die  die  Argumentation  des  BFM  in  Zweifel  zu  ziehen  vermöchten.  Den  Beschwerdeführenden  wurde  bereits  mit  Zwischenverfügung vom 27. Juli 2011 dargelegt, weshalb ihre Vorbringen  in  den  Beschwerdeeingaben  vom  21. Juli  2011  keine  Änderung  in  der  Frage der Flüchtlingseigenschaft und des Asyls (und der Durchführbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs)  zu  bewirken  vermögen.  Eine  Änderung  der  Sachlage  ist mit  der  Beschwerdeergänzung  vom  12. August  2011  nicht 

D­4110/2011, D­4112/2011 eingetreten,  so  dass  ebenfalls  auf  die  besagte  Zwischenverfügung  verwiesen werden kann.  5.2. Der Einschätzung des BFM, an den von den Beschwerdeführenden  geltend  gemachten  Fluchtgründen  bestünden  ernsthafte  Zweifel,  ist  beizupflichten.  Eine  Überprüfung  der  Akten  ergibt,  dass  die  Vorbringen  kein stimmiges Bild vermitteln; sie weisen gewichtige Widersprüche und  Ungereimtheiten auf und das BFM hat sie aus zutreffenden Gründen als  den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit nicht genügend qualifiziert. Die  Angaben  der  Beschwerdeführenden 1  und  2  zu  den  von  den  österreichischen Behörden durchgeführten  Identitätsanfragen  in Belarus,  die  die  Strafverfahren  ausgelöst  hätten,  sind  äusserst  widersprüchlich  (vgl. A.a). Im Übrigen erstaunt im Zusammenhang mit den Asylverfahren  in  Österreich  die  Unkenntnis  der  Beschwerdeführerin 2  hinsichtlich  zentraler  Punkte.  So  vermochte  sie  weder  den  Grund  für  die  damalige  Flucht  des  Beschwerdeführers 1  nach  Österreich  (vgl.  A18  S. 4  F28  in  N […]  […]) noch die Zahl der ergangenen Asylentscheide  (vgl. A18 S. 5  F31  in N […]  […]) zu nennen. Wären die Beschwerdeführenden 1 und 2  nach  der  Rückkehr  aus  Österreich  in  Belarus  tatsächlich  des  Landesverrats und der Spionage beschuldigt worden, so wäre es zudem  nicht  nachvollziehbar,  dass  sie  nach  der  polizeilichen  Befragung  am  8. März  2010  ohne  Auflagen  hätten  nach  Hause  zurückkehren  können  und  in den  folgenden sechs Monaten nicht mehr belangt worden seien.  Die  Erklärung  der  Beschwerdeführenden 1  und  2  in  der  Rechtsmitteleingabe  vom  21. Juli  2011,  sie  hätten  sich  aufgrund  der  ihnen  auferlegten  Ausreiseverbote  jederzeit  zur  Verfügung  halten  müssen, so dass das passive Verhalten der Behörden nach dem 8. März  2010  nicht  unlogisch  erscheine,  vermag  nicht  zu  überzeugen,  steht  sie  doch im Widerspruch zu ihren Angaben bei den Anhörungen, wonach sie  am  8. März  2010  ohne  jegliche  Auflagen  entlassen  worden  seien  (vgl.  A17  S. 7  F45  in  N […]),  sie  fortan  wieder  ein  normales  Leben  geführt  hätten  (vgl. A17 S. 7 F51 und F53  in N […]) und schon gedacht hätten,  die  Sache  habe  sich  erledigt  (vgl.  A18  S. 5  F37  in  N […]),  und  das  Ausreiseverbot erst im September 2010 ergangen sei (vgl. A17 S. 7 F54  und S. 9 f. F74 f.; A18 S. 8 F74 und F76 in N […]). Gänzlich unvereinbar  sind  die  Angaben  zu  dem  am  1. September  2010  verhafteten  Personenkreis.  Die  Beschwerdeführerin 2  gab  zu  Protokoll,  auch  die  Beschwerdeführerin 4  sei  damals  von  der  Polizei  mitgenommen  und –  wie  sie  selbst  –  gleichentags  wieder  entlassen  worden  (vgl.  A18  S. 6  F 52,  S. 7  F65  und  F69  f.  in  N […]),  was  gemäss  den  Angaben  der  Beschwerdeführerin 4  indes  nicht  zutrifft,  seien  doch  nur  die 

D­4110/2011, D­4112/2011 Beschwerdeführenden 1 und 2 polizeilich abgeführt worden (vgl. A14 S. 4  F20, S. 5 F44, S. 7 F51, S. 8 F54, S. 11 F84 in N […]). Realitätsfremd ist  überdies,  dass  von  behördlicher  Seite  keinerlei  Reaktion  auf  das  Nichtbefolgen  der  polizeilichen  Vorladungen  der  Beschwerdeführerinnen 2 und 4 erfolgt sei.  Im Übrigen ist es auch völlig  unverständlich, dass die Beschwerdeführerin 2 nicht gewusst haben will,  ob auch die Beschwerdeführerin 4 Vorladungen erhalten habe  (vgl. A18  S. 9 F85  in N […]). Bei dem Erhalt  polizeilicher Vorladungen handelt  es  sich um einschneidende, nicht alltägliche Ereignisse, so dass zu erwarten  gewesen  wäre,  dass  die  im  gleichen  Haushalt  lebenden  Beschwerdeführenden  darüber  gesprochen  hätten,  zumal  es  sich  dabei  um  den  fluchtauslösenden  Anlass  gehandelt  habe.  Überhaupt  erstaunt  es,  dass  die  Beschwerdeführenden  trotz  ihrer  Verwandtschaft  und  des  engen  Zusammenlebens  in  derselben  Wohnung  kaum  miteinander  gesprochen  hätten.  Insbesondere  ist  es  nicht  nachvollziehbar,  dass  die  Beschwerdeführerin 4  von  der  eigenen  Tochter  hinsichtlich  der  Gründe  für die polizeilichen Mitnahmen völlig in Unkenntnis gelassen worden sei.  Ebenso  unverständlich  ist  indes  auch  ihr  eigenes  Verhalten,  zeigte  sie  doch trotz der gravierenden Konsequenzen – Flucht aus dem Heimatland  – kaum  ein  Interesse  an  der  Aufdeckung  der  Hintergründe  der  Verfolgung.  Die  von  den  Beschwerdeführenden  geltend  gemachten  Asylgründe sind damit nicht glaubhaft. An dieser Einschätzung vermögen  weder  die  eingereichten  Beweismittel  noch  die  Ausführungen  zur  allgemeinen  (Gesetzes­)Lage  in  Belarus  in  der  Beschwerdeergänzung  vom  12. August  2011  etwas  zu  ändern.  Die  Beweismittel  weisen  –  wie  bereits  vom BFM aufgezeigt  –  eklatante  formale  und  inhaltliche Mängel  auf  und  sind  nicht  geeignet,  die  angeblichen  Strafverfahren  gegen  die  Beschwerdeführenden zu belegen.  5.3.  Den  Beschwerdeführenden  ist  es  aufgrund  des  Gesagten  nicht  gelungen, die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nachzuweisen  oder  zumindest  glaubhaft  zu  machen,  weshalb  das  Bundesamt  die  Asylgesuche zu Recht abgelehnt hat.  6.  Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so  verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz (Art. 44 Abs. 1  AsylG).  Die  Beschwerdeführenden  verfügen  weder  über  eine  ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf  Erteilung  einer  solchen.  Die  Wegweisungen  wurden  daher  zu  Recht  angeordnet (vgl. BVGE 2008/34 E. 9.2 S. 510). 

D­4110/2011, D­4112/2011 7.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht  möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember  2005 über  die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG,  SR 142.20]).  7.1. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen  der  Schweiz  einer Weiterreise  der  Ausländerin  oder  des  Ausländers  in  den Heimat­, Herkunfts­ oder  in einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83  Abs. 3 AuG).  7.1.1. Keine  Person  darf  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus  einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom  28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).  Dieses flüchtlingsrechtliche Rückschiebungsverbot schützt nur Personen,  die  die  Flüchtlingseigenschaft  im  Sinne  von  Art. 3  AsylG  respektive  Art. 1A FK erfüllen.  Da  es  den  Beschwerdeführenden  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung  nachzuweisen  oder  glaubhaft  zu  machen,  kann  das  in  Art. 5  AsylG  verankerte  Prinzip  des  flüchtlingsrechtlichen  Rückschiebungsverbots  vorliegend  nicht  zur  Anwendung  gelangen.  Der  Vollzug  der  Wegweisung  nach  Belarus  ist  demnach  unter  dem  Aspekt  von Art. 5 AsylG rechtmässig.  7.1.2. Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101),  Art. 3  des  Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art. 3  der  Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR 0.101)  darf  niemand  in  einen  Staat  ausgeschafft  werden,  in  dem  ihm  Folter  oder  eine  andere  Art  unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung droht. 

D­4110/2011, D­4112/2011 Weder aus den Aussagen der Beschwerdeführenden noch aus den Akten  ergeben  sich  Anhaltspunkte  dafür,  dass  sie  für  den  Fall  einer  Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit  einer  nach  Art. 3  EMRK  oder  Art. 1  FoK  verbotenen  Strafe  oder  Behandlung  ausgesetzt  wären.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen  Gerichtshofs  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN­Anti­ Folterausschusses  müssten  die  Beschwerdeführenden  eine  konkrete  Gefährdung ("real  risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass  ihnen  im  Falle  einer  Rückschiebung  Folter  oder  unmenschliche  Behandlung  drohen würde (vgl. EMARK 2001 Nr. 16 S. 122, mit weiteren Hinweisen).  Dies  ist  vorliegend  nicht  der  Fall.  Auch  die  allgemeine  Menschenrechtssituation  in Belarus  lässt den Wegweisungsvollzug nicht  als unzulässig erscheinen.  7.1.3. Der Vollzug der Wegweisung  ist damit  sowohl  im Sinne der asyl­  als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.  7.2. Gemäss Art. 83  Abs. 4  AuG  kann  der  Vollzug  der Wegweisung  für  Ausländerinnen  und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situation  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von  Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren  (vgl. BVGE  2009/51  E. 5.5  S. 748,  BVGE  2009/41  E. 7.1  S. 576  f.;  Botschaft  zum  Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom  8. März  2002, BBl 2002 3818).  7.2.1.  Die  allgemeine  Lage  in  Belarus  ist  nicht  von  Bürgerkrieg  oder  allgemeiner  Gewalt  gezeichnet,  so  dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  dorthin grundsätzlich als zumutbar erscheint.  7.2.2. In den Akten finden sich auch keine konkreten Anhaltspunkte dafür,  dass  die  Beschwerdeführenden  aus  individuellen  Gründen  wirtschaftlicher,  sozialer  oder gesundheitlicher Natur  bei  einer Rückkehr  in  ihr Heimatland  in eine existenzbedrohende Situation geraten würden.  Die  Beschwerdeführenden 1  bis  3  sind  soweit  aktenkundig  gesund  und  verfügen in Belarus mit (Verwandten) der Beschwerdeführerin 2 (vgl. A10  S. 3  in  N […])  und  (Verwandten)  des  Beschwerdeführers 1,  die  sie  finanziell  unterstützt  hätten  und  dies  auch  wieder  tun  könnten  (vgl.  A9  S. 2,  A17  S. 3  F16  ff.  in  N […]),  über  ein  verwandtschaftliches  Beziehungsnetz, auf dessen Unterstützung sie bei Bedarf zählen können. 

D­4110/2011, D­4112/2011 Die  Beschwerdeführenden 1  und  2  verfügen  zudem  über  eine  gute  Schulbildung  (vgl.  A9 S. 2,  A10 S. 2  in N […])  und Arbeitserfahrung  als  (…)  (vgl.  A10 S. 2  in N […])  und  (…)  (vgl.  A17 S. 3  in N […]). Gemäss  den  Angaben  des  Beschwerdeführers 1  bestehe  die  (Firma),  die  er mit  einem Partner  betrieben  habe,  immer  noch  (vgl.  A17 S. 3  in N […]),  so  dass davon auszugehen ist, dass insbesondere er beruflich rasch wieder  Fuss fassen kann. Die Beschwerdeführerin 4 hat bis zu ihrer Ausreise in  Belarus  gelebt  und  ist  somit  mit  den  dortigen  Verhältnissen  bestens  vertraut.  Auch  sie  verfügt  im  Heimatland  mit  (Verwandten)  über  ein  Beziehungsnetz (vgl. A4 S. 3 in N […]). Gemäss ihren Angaben habe sie  ihren Lebensunterhalt mit der  ihr zustehenden Altersrente gut bestreiten  können (vgl. A14 S. 3 F11, S. 10 F78 in N […]) und es sind keine Gründe  ersichtlich,  weshalb  dies  nach  der  Rückkehr  nicht  mehr  der  Fall  sein  sollte.  Hinsichtlich  der  Behandelbarkeit  ihrer  gesundheitlichen  Beschwerden  kann  auf  die  zutreffenden  Ausführungen  in  der  vorinstanzlichen  Verfügung  verwiesen  werden.  Die  diagnostizierten  Krankheiten lassen nicht auf eine medizinische Notlage schliessen, die in  Belarus  nicht  behandelbar  wäre.  Es  ist  somit  insgesamt  nicht  davon  auszugehen, die Beschwerdeführenden würden bei einer Rückkehr nach  Belarus  in  eine  ihre  Existenz  vernichtende  Situation  geraten,  die  als  konkrete  Gefährdung  im  Sinne  der  zu  beachtenden  Bestimmungen  zu  werten wäre (Art. 83 Abs. 4 AuG). 7.2.3. Der Vollzug der Wegweisung erweist sich daher  in genereller und  individueller Hinsicht als zumutbar.  7.3.  Schliesslich  obliegt  es  den  Beschwerdeführenden,  bei  der  Beschaffung allenfalls benötigter Reisepapiere mitzuwirken (Art. 8 Abs. 4  AsylG;  vgl.  dazu  auch  BVGE  2008/34  E. 12  S. 513  f.),  weshalb  der  Vollzug  der  Wegweisung  auch  als  möglich  zu  bezeichnen  ist  (Art. 83  Abs. 2 AuG).  7.4.  Der  durch  die  Vorinstanz  verfügte  Wegweisungsvollzug  ist  zu  bestätigen  und  eine  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  der  Beschwerdeführenden fällt damit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1­4 AuG).  8.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtenen  Verfügungen  Bundesrecht  nicht  verletzen,  den  rechtserheblichen  Sachverhalt  richtig  und  vollständig  feststellen  und  angemessen  sind  (Art. 106 AsylG). Die Beschwerden sind somit abzuweisen. 

D­4110/2011, D­4112/2011 9.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  dessen  Kosten  den  Beschwerdeführenden  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  und  5  VwVG).  Sie  sind auf  insgesamt Fr. 800.– festzusetzen (Art. 1­3 des Reglements vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2])  und  mit  dem  in  gleicher Höhe geleisteten Kostenvorschuss zu verrechnen. 

D­4110/2011, D­4112/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerden werden abgewiesen.  2.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 800.–  werden  den  Beschwerdeführenden  auferlegt.  Sie  sind  durch  den  in  gleicher  Höhe  geleisteten  Kostenvorschuss gedeckt und werden mit diesem verrechnet.  3.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Bendicht Tellenbach Susanne Burgherr Versand:

D-4110/2011 — Bundesverwaltungsgericht 24.08.2011 D-4110/2011 — Swissrulings