Skip to content

Bundesverwaltungsgericht 21.10.2011 D-4077/2011

October 21, 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·663 words·~3 min·4

Summary

Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung | Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung/Gesuch um Fristwiederherstellung; Verfügung des BFM vom 25. Februar 2011

Full text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung IV D­4077/2011 Urteil   v om   2 1 .   O k t ob e r   2011 Besetzung Richter Thomas Wespi (Vorsitz), Richter Bruno Huber, Richter Gérard Scherrer, Gerichtsschreiberin Anna Kühler. Parteien A._______, geboren B._______, Sri Lanka,  p.A. Schweizerische Botschaft in Colombo, Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und  Einreisebewilligung/Wiederherstellung der Beschwerdefrist;  Verfügung des BFM vom 25. Februar 2011 / N _______.

D­4077/2011 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,  dass  der  Beschwerdeführer,  ein  srilankischer  Staatsangehöriger  tamilischer  Ethnie  und  hinduistischen  Glaubens  aus  C._______,  mit  einem  in  englischer  Sprache  verfassten,  undatierten  Schreiben  an  die  Schweizerische Botschaft  in Colombo  (nachstehend kurz: die Botschaft;  Eingang: 6. Juli 2010) um Asyl in der Schweiz nachsuchte, dass er im Wesentlichen geltend machte, er sei als Fahrer für D._______  (…), für das E._______ (…) und für die F._______ (…) in G._______ und  H._______  tätig  gewesen  und  werde  von  Unbekannten,  mutmasslich  Anhänger  der  I._______  (…)  sowie  Mitarbeitende  des  staatlichen  Geheimdienstes, beobachtet, belästigt und unter Druck gesetzt, weshalb  er und seine Familie in grosser Gefahr schwebten,  dass die Botschaft dem Beschwerdeführer am 6. Juli 2010 den Eingang  des Schreibens bestätigte und ihn aufforderte, seine Vorbringen bis zum  15. August 2010 zu präzisieren,  dass der Beschwerdeführer seine Vorbringen mit Schreiben vom 27. Juli  2010 ergänzte,  dass  der  Beschwerdeführer  am  21.  September  2010  in  der  Botschaft  befragt wurde,  dass  das  BFM  mit  Verfügung  vom  25.  Februar  2011  entschied,  dem  Beschwerdeführer werde die Einreise  in  die Schweiz  nicht  bewilligt  und  sein Asylgesuch werde abgelehnt, dass  die  Verfügung  des  BFM  vom  25.  Februar  2011  dem  Beschwerdeführer  am  10.  März  2011  durch  die  Botschaft  zugesandt  wurde,  dass  der  Beschwerdeführer  mit  einem  undatierten,  an  die  Botschaft  gerichteten  Schreiben  Beschwerde  gegen  diese  Verfügung  des  BFM  erhob und beantragte, in die Schweiz einreisen zu dürfen, um Sicherheit  vor Verfolgung zu finden,  dass das Schreiben am 8. Juli 2011 bei der Botschaft einging und in der  Folge an das Bundesverwaltungsgericht übermittelt wurde,

D­4077/2011 und zieht in Erwägung, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig  über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 des Bundesgesetzes vom  20.  Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR  172.021])  des  BFM  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art.  105  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  [AsylG,  SR  142.31]  i.V.m.  Art.  31  –  33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  [VGG, SR 173.32]; Art.  83 Bst.  d Ziff.  1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17.  Juni 2005  [BGG,  SR 173.110]), dass sich diese Zuständigkeit auch auf die Beurteilung von Gesuchen um  Fristwiederherstellung  im  Sinne  von  Art.  24  Abs.  1  VwVG,  welche  im  Zusammenhang mit solchen Beschwerden stehen, erstreckt, dass über nicht offensichtlich unzulässige Gesuche um Wiederherstellung  einer  Frist  nach  Art.  24  VwVG  ein  aus  drei  Richterinnen  oder  Richtern  zusammengesetztes  Spruchgremium  entscheidet  (vgl.  Art.  21  Abs.  1  VGG), dass  die  vom  25.  Februar  2011  datierende  Verfügung  des  BFM  dem  Gesuchsteller zugesandt wurde,  dass  sich  kein  Rückschein  in  den  Akten  befindet,  weshalb  der  Eröffnungszeitpunkt dieser Verfügung nicht feststeht,  dass  die  Verfügung  gemäss  Auskunft  der  Botschaft  dem  Beschwerdeführer im März 2011 zugestellt worden sein muss,  dass die undatierte Beschwerde gegen die angefochtene Verfügung des  BFM am 8. Juli 2011 bei der Botschaft einging, dass  die  Beschwerde  innerhalb  von  30  Tagen  seit  Eröffnung  der  Verfügung einzureichen ist (Art. 108 Abs. 1 AsylG), dass  schriftliche  Eingaben  spätestens  am  letzten  Tag  der  Frist  der  Behörde  einzureichen  oder  zu  deren Handen der  schweizerischen Post  oder  einer  schweizerischen  diplomatischen  oder  konsularischen  Vertretung zu übergeben sind (Art. 21 Abs. 1 VwVG),

D­4077/2011 dass – auch wenn der genaue Eröffnungszeitpunkt  nicht  feststeht  – die  angefochtene Verfügung im Verlaufe des Monats März 2011 an der vom  Beschwerdeführer  angegebenen  Adresse  eingegangen  sein  muss  und  demnach  die  30­tägige  Beschwerdefrist  spätestens  Ende  April  2011  abgelaufen ist (Art. 20 VwVG), dass  die  am  8.  Juli  2011  bei  der  Botschaft  eingegangene  Beschwerde  somit verspätet eingereicht wurde, dass  auch  der  Beschwerdeführer  offensichtlich  von  einer  versäumten  Beschwerdefrist  ausgeht,  bringt  er  in  seiner Eingabe  doch  vor,  er  habe  am  25. Juni  2011  in  seiner  Wohnung  in  E._______  mit  grossem  Schrecken die Verfügung des BFM vorgefunden, über deren Eintreffen er  von den derzeitigen Mietern nicht informiert worden sei,  dass er in den vergangenen vier Monaten an drei verschiedenen Orten in  Sri  Lanka  gelebt  habe  und  die Mieter  seine  neue  Telefonnummer  nicht  gekannt  hätten,  so  dass  sie  ihn  nicht  über  den  Brief  des  BFM  hätten  informieren können,  dass  der  Beschwerdeführer mit  seiner Rechtsmitteleingabe  sinngemäss  um Widerherstellung der Frist gemäss Art. 24 VwVG nachsucht, dass nach Art.  24 Abs. 1 VwVG eine Frist wiederhergestellt wird, wenn  der  Gesuchsteller  oder  sein  Vertreter  unverschuldeterweise  abgehalten  worden ist, binnen Frist zu handeln, sofern er unter Angabe des Grundes  innert  30  Tagen  nach Wegfall  des Hindernisses  darum ersucht  und  die  versäumte Rechtshandlung nachholt, dass  die Wiederherstellung  von  Fristen  dazu  dient,  die Rechtsnachteile  zu  beseitigen,  die  ein  Verfahrensbeteiligter  wegen  unverschuldeter  Fristversäumnis erleidet (vgl. STEFAN VOGEL, Art. 24 VwVG, in: Christoph  Auer/Markus  Müller/Benjamin  Schindler  [Hrsg.],  Kommentar  zum  Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren [VwVG], Zürich 2008, Rz.  1), dass die Fristwiederherstellung in formeller Hinsicht voraussetzt, dass der  Gesuchsteller davon abgehalten wurde, fristgerecht zu handeln, und dass  das  entsprechende  schriftliche  und  begründete  Gesuch  innert  dreissig  Tagen  seit Wegfall  des  Hindernisses  bei  der  Behörde,  vor  welcher  die  Sache  hängig  ist,  eingereicht  wird  (vgl.  BERNARD  MAITRE/VANESSA  THALMANN  [FABIA  BOCHLSER],  Art.  24  VwVG,  in:  Bernhard 

D­4077/2011 Waldmann/Philippe  Weissenberger  [Hrsg.],  Praxiskommentar  zum  Bundesgesetz  über  das  Verwaltungsverfahren,  Zürich/Basel/Genf  2009,  Rz. 13­17), dass  diese  formellen  Voraussetzungen  von  Art. 24 Abs. 1  VwVG  im  vorliegenden Fall erfüllt sind, da davon auszugehen ist, das Hindernis sei  mit der Kenntnisnahme der Verfügung am 25. Juni 2011 weggefallen, und  der  Beschwerdeführer  innert  der  30­tägigen  Frist  um  Fristwiederherstellung ersuchte und die versäumte Beschwerdeerhebung  nachholte, dass auf das Fristwiederherstellungsgesuch daher einzutreten ist,  dass  ein  Versäumnis  nur  dann  als  unverschuldet  gilt,  wenn  dafür  objektive Gründe vorliegen und dem Gesuchsteller  keine Nachlässigkeit  vorgeworfen werden kann, d.h. es sind nur solche Gründe als erheblich  zu betrachten, die dem Gesuchsteller auch bei Aufwendung der üblichen  Sorgfalt  die  Wahrung  ihrer  Interessen  verunmöglicht  oder  unzumutbar  erschwert  hätten  (vgl.  ANDRÉ  MOSER/MICHAEL  BEUSCH/LORENZ  KNEUBÜHLER,  Prozessieren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht,  Handbücher für die Anwaltspraxis, Band X, Basel 2008, Rz. 2.140, S. 71), dass  dem  behördlichen  Ermessen  bei  der  Beurteilung  eines  geltend  gemachten  Wiederherstellungsgrundes  zwar  ein  weiter  Spielraum  zukommt, jedoch im Interesse der Rechtssicherheit und eines geordneten  Verfahrensganges  ein  Hinderungsgrund  nicht  leichthin  angenommen  werden darf (vgl. MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, a.a.O., Rz. 2.140, S. 71), dass der Beschwerdeführer,  nachdem er bei  der Botschaft  in Sri  Lanka  um Asyl  nachgesucht  hatte  und  persönlich  befragt worden war, mit  der  Zustellung eines behördlichen Schreibens rechnen musste,  dass  er  sich  im  Fall  des  erfolgten  Zustellversuchs  nicht  auf  seine  Abwesenheit  von  jenem  Ort  berufen  kann,  dessen  Adresse  er  den  Behörden mitgeteilt hatte,  dass  er  um  eine  Vertretung  hätte  bemüht  sein  oder  den  Kontakt  mit  seinen Mietern hätte aufrechterhalten müssen,  dass  der  Beschwerdeführer  in  seinem  Gesuch  vorbringt,  er  habe  sich  während  Monaten  verstecken  und  immer  wieder  den  Aufenthaltsort  wechseln müssen, 

D­4077/2011 dass der Umstand, dass der Beschwerdeführer die Lage in Sri Lanka als  schwierig  erlebt,  zwar  zu  berücksichtigen  ist,  gleichzeitig  aber  festzuhalten ist, dass er seine Beschwerde nicht nur mit einer Verspätung  von  ein  paar  Tagen,  sondern  –  ausgehend  von  einem  Ablauf  der  Beschwerdefrist Ende April 2011 – von mehr als zwei Monaten einreichte,  dass er zudem für das Verstreichenlassen der Frist keine substanziierten  Gründe anführt,  dass  der  Beschwerdeführer  sich  daher  den  Vorwurf  des  nachlässigen  Verhaltens gefallen lassen muss, dass  das  vorliegende  Gesuch  somit  als  materiell  unbegründet  zu  qualifizieren  ist,  da  das  Fristversäumnis  nicht  als  unverschuldet  bezeichnet werden kann,  dass das Fristwiederherstellungsgesuch aus diesen Gründen abzuweisen  ist, dass  bei  dieser  Sachlage  gleichzeitig  auf  die  verspätet  eingereichte  Beschwerde gegen die Verfügung des BFM vom 25. Februar 2011 nicht  einzutreten ist, dass  die  Verfahrenskosten  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  grundsätzlich  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  wären  (vgl.  Art.  63  Abs. 1 und 5 VwVG),  dass  in Anwendung von Art. 6 Bst. b des Reglements vom 21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2])  indessen  aus  verwaltungsökonomischen  Gründen  auf  die  Erhebung  von  Verfahrenskosten zu verzichten ist.  (Dispositiv nächste Seite)

D­4077/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Das Fristwiederherstellungsgesuch wird abgewiesen. 2.  Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten. 3.  Es werden keine Kosten erhoben. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  Schweizerische Botschaft in Colombo. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Thomas Wespi Anna Kühler Versand:  

D­4077/2011 Seite 8

D-4077/2011 — Bundesverwaltungsgericht 21.10.2011 D-4077/2011 — Swissrulings