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Bundesverwaltungsgericht 25.01.2012 D-378/2012

January 25, 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,174 words·~6 min·1

Summary

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren) | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 11. Januar 2012

Full text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­378/2012 Urteil   v om   2 5 .   J a nua r   2012 Besetzung Einzelrichterin Nina Spälti Giannakitsas mit Zustimmung von Richter Yanick Felley;   Gerichtsschreiber Patrick Weber. Parteien A._______, geboren am _______, B._______, geboren am _______, C._______, geboren am _______, D._______, geboren am _______, Afghanistan,   vertreten durch lic. iur. Stephanie Motz, _______,  Beschwerdeführende,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz, Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin­Verfahren); Verfügung des BFM vom 11. Januar 2012 / _______.

D­378/2012 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,  I. dass der Beschwerdeführer am 6. Januar 2003 erstmals  in der Schweiz  um Asyl nachsuchte, dass  die  Vorinstanz  das  Gesuch  mit  Verfügung  vom  7.  Oktober  2003  ablehnte  und  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz  sowie  den  Vollzug  anordnete, dass die Schweizerische Asylrekurskommission (ARK) die gegen diesen  Entscheid  erhobene  Beschwerde  mit  Urteil  vom  4.  Juli  2006  vollumfänglich abwies, dass  das  Bundesverwaltungsgericht  auf  ein  Revisionsgesuch  des  Beschwerdeführers vom 15. Dezember 2006 mit Urteil  vom 13. Februar  2007 nicht eintrat,  dass  das  BFM  das  Wiedererwägungsgesuch  des  Beschwerdeführers  vom 27. Juli 2010 mit Verfügung vom 3. August 2010 abwies,  dass  der  Beschwerdeführer  seit  August  2010  unbekannten  Aufenthalts  war, dass  der  Beschwerdeführer  gemäss  eigenen  Angaben  im  August  2010  über  Italien  in  die  Türkei  reiste,  von  wo  er  in  seinen  Heimatstaat  ausgeschafft worden sei, II. dass die Beschwerdeführenden ihr Heimatland gemäss eigenen Angaben  im  Frühjahr  2011  erneut  verliessen  und  von  Italien  her  kommend  am        30.  Mai  2011  in  die  Schweiz  gelangten,  wo  sie  am  selben  Datum  Asylgesuche stellten,  dass  sie  dazu  am  15.  respektive  17.  Juni  2011  summarisch  befragt  wurden,  dass  die  Beschwerdeführerin  und  ihre  Tochter  gemäss  Eurodac­ Datenbank am 21. April 2011 in Italien eingereist waren, 

D­378/2012 dass  das  BFM  den  Beschwerdeführenden  anlässlich  der  Summarbefragungen  das  rechtliche  Gehör  zur  möglichen  Zuständigkeit  Italiens für das Asylverfahren und zu einer allfälligen Wegweisung dorthin  gewährte, dass die Beschwerdeführenden unter anderem darlegten,  in Italien unter  prekären Umständen gelebt zu haben, dass  das  BFM  am  19.  Juli  2011  –  gestützt  auf  die  Bestimmungen  der  Verordnung  (EG)  Nr.  343/2003  des  Rates  vom  18.  Februar  2003  zur  Festlegung  der  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des  Mitgliedstaats,  der  für  die  Prüfung  eines  von  einem  Drittstaatsangehörigen  in  einem  Mitgliedstaat  gestellten  Asylantrags  zuständig  ist  (Dublin­II­VO)  –  ein  Ersuchen  um  Übernahme  der  Beschwerdeführerin und der beiden Kinder an Italien sandte, dass sich das BFM dabei auf Art. 10 Abs. 1 Dublin­II­VO berief,  dass  gleichentags  auch  für  den  Beschwerdeführer  ein  entsprechendes  Gesuch gestellt wurde, dass die  italienischen Behörden das Gesuch um Übernahme betreffend  den Beschwerdeführer am 29. August 2011 ablehnten,  dass  Italien zur Begründung anführte, der Beschwerdeführer sei vor Ort  nicht bekannt,   dass  das  BFM  am  6.  September  2011  die  italienischen  Behörden  um  Wiedererwägung  des  ablehnenden  Entscheids  den  Beschwerdeführer  betreffend ersuchte,  dass  sich das BFM dabei  auf  die  voraussichtliche Zuständigkeit  Italiens  für die Ehefrau und die Kinder bezog und auf Art 14 Bst. a Dublin­II­VO  verwies,  wonach  der  Staat  für  die  Behandlung  eines  Asylgesuches  zuständig ist, der nach den Kriterien für die Aufnahme für den grösseren  Teil der Familie zuständig ist, dass  diesem  Ersuchen  von  italienischer  Seite  am  3.  Januar  2012  entsprochen wurde, 

D­378/2012 dass  die  italienischen  Behörden  dem  BFM  am  selben  Datum  die  nachträgliche  Zustimmung  zur  Übernahme  der  Beschwerdeführerin  und  der beiden Kinder übermittelten,  dass  das  BFM mit  Verfügung  vom  11.  Januar  2012  –  eröffnet  am  12.  Januar 2012 – in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d des Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR 142.31)  auf  die  Asylgesuche  der  Beschwerdeführenden  nicht  eintrat,  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz  sowie  den  Wegweisungsvollzug  nach  Italien  anordnete  und  festhielt,  einer  allfälligen  Beschwerde  gegen  diesen  Entscheid  komme  keine  aufschiebende Wirkung zu,  dass die Rückführung – vorbehältlich einer allfälligen Unterbrechung oder  Verlängerung  der  Frist  –  bis  spätestens  am  20. März  2012  zu  erfolgen  habe, dass  das  BFM  in  seinem  Entscheid  –  unter  Verweis  auf  die  Bestimmungen  zum  Dublin­Verfahren,  den  vorgängigen  Aufenthalt  der  Beschwerdeführenden  in  Italien  und  die  an  Italien  gerichteten Gesuche  um Wiederaufnahme, welche von  Italien  innert massgeblicher Frist nicht  beantwortet  beziehungsweise  schliesslich  gutgeheissen  worden  seien –  auf  die  Zuständigkeit  Italiens  für  die  Behandlung  der  Asylgesuche  verwies, dass der vorgängige siebenjährige Aufenthalt des Beschwerdeführers  in  der Schweiz an dieser Sachlage nichts ändere, da er das Hoheitsgebiet  der Mitgliedstaaten während mehr als drei Monaten verlassen habe und  damit die Zuständigkeit der Schweiz erloschen sei (Art. 16 Abs. 3 Dublin­ II­VO),  dass Italien seine Zuständigkeit im Übrigen ausdrücklich bestätigt habe,  dass  es  ferner  festhielt,  die  Beschwerdeführenden  hätten  keine  relevanten  Argumente  gegen  die  beabsichtigte  Überstellung  vorbringen  können,  dass  die  Zulässigkeit,  Zumutbarkeit  und  Möglichkeit  des  Vollzugs  zu  bejahen seien, dass  die  Beschwerdeführenden  mit  Eingabe  ihrer  neu  mandatierten  Rechtsvertretung vom 19. Januar 2010  (Datum des Poststempels) beim  Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erhoben,

D­378/2012 dass sie die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung, die Rückweisung  der Sache an das BFM verbunden mit  der Anweisung, auf das Gesuch  einzutreten und ein materielles Asylverfahren durchzuführen, eventualiter  die Feststellung der Unzulässigkeit beziehungsweise Unzumutbarkeit des  Wegweisungsvollzugs  sowie  die  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme,  die  Erteilung  der  aufschiebenden Wirkung  der  Beschwerde,  den  Erlass  superprovisorischer  Massnahmen  sowie  die  unentgeltliche  Prozessführung  (Art.  65  Abs.  1  und  2  des  Verwaltungsverfahrensgesetzes  vom  20. Dezember  1968  [VwVG,  SR  172.021]) samt Entbindung von der Vorschusspflicht beantragten, dass sie zur Begründung geltend machten, Italien sei nicht zuständig für  die Behandlung ihrer Asylgesuche,  dass  gemäss  Art.  5  Abs.  2  der  Verordnung  (EG)  Nr.  1560/2003  der  Kommission  vom  2.  September  2003  (Durchführungsbestimmungen  zur  Dublin­II­VO) die Frist zur Beantwortung eines Wiedererwägungsgesuchs  zwei Wochen betrage,  dass das den Beschwerdeführer betreffende Gesuch vom 6. September  2011 von Italien innert massgeblicher Frist nicht beantwortet worden sei,  dass die Zuständigkeit zur Behandlung von dessen Gesuch demnach am  21.  September  2011  auf  die  Schweiz  übergegangen  sei  und  die  nachträgliche Zustimmung von Italien an dieser Sachlage nichts ändere, dass  auch  die  Verfristung  des  die  übrigen  Beschwerdeführenden  betreffenden Übernahmegesuchs zu keiner anderen Einschätzung führe,  da  vorliegend  die  gemeinsame  Asylgesuchsbehandlung  im  Land,  welches für das älteste Familienmitglied zuständig sei, stattfinden müsse  (Art. 8 und Art. 14 Bst. b Dublin­II­VO),  dass bei anderer Sichtweise ein Selbsteintritt  im Sinne von Art. 3 Abs. 2  i.V.m.  Art  15  Dublin­II­VO  angezeigt  sei,  zumal  in  Italien  gemäss  übereinstimmenden Quellen prekäre Bedingungen für Dublin­Rückkehrer  herrschten,  dass  gesundheitliche  Probleme  des  Adoptivsohnes  und  der Mutter  ihre  Aufenthaltsbedingungen vor Ort zusätzlich erschwerten,  dass  für  den  Sohn  im  April  2012  ein  Operationstermin  in  der  Schweiz  vereinbart worden sei, 

D­378/2012 dass  die  Beschwerdeführerin  krank  und  seit  dem  18.  Januar  2012  hospitalisiert sei,  dass  ein  detailliertes  ärztliches  Zeugnis  baldmöglichst  nachgereicht  werde,  dass  nach  dem  Gesagten  von  einer  Rückschiebung  der  Familie  nach  Italien als besonders verletzliche Personen Abstand zu nehmen sei,  dass namentlich auch das Kindswohl zu berücksichtigen sei,  dass  der  Eingabe  zwei  ärztliche  Dokumente  und  Unterlagen  im  Zusammenhang mit der geltend gemachten Lage vor Ort beilagen,  dass auf weitere vorinstanzliche Argumente und Beschwerdevorbringen –  soweit erforderlich – in den nachfolgenden Erwägungen einzugehen ist,  dass  die  vorinstanzlichen  Akten  am  24.  Januar  2012  beim  Bundesverwaltungsgericht eintrafen (vgl. Art. 109 Abs. 2 AsylG), und erwägt, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig  über Beschwerden gegen Verfügungen des BFM entscheidet, ausser bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsgesuches  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (vgl.  dazu  Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art. 31  und  33   des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005  [VGG,  SR 173.32]  sowie  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass sich das Verfahren nach dem VwVG richtet, soweit das VGG oder  das AsylG nichts anderes bestimmen (vgl. Art. 37 VGG sowie Art. 6 und  105 AsylG), dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden kann (Art. 106 Abs. 1 AsylG),  dass  auf  die  frist­  und  formgerechte  Eingabe  der  legitimierten  Beschwerdeführenden einzutreten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52  VwVG sowie Art. 48 Abs. 1 VwVG),

D­378/2012 dass  die  Beschwerde  –  wie  nachfolgend  aufgezeigt  –  offensichtlich  unbegründet  ist, weshalb darüber  in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise  einer  zweiten  Richterin zu entscheiden ist (Art. 111 Bst. e AsylG), dass  auf  einen  Schriftenwechsel  zu  verzichten  und  der  Entscheid  nur  summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG), dass mit dem Entscheid  in der Hauptsache die Anträge auf Gewährung  der  aufschiebenden  Wirkung  der  Beschwerde  im  Sinne  von  Art.  107a  AsylG und Kostenvorschussverzicht gegenstandslos werden, dass  auf  Asylgesuche  in  der  Regel  nicht  eingetreten  wird,  wenn  Asylsuchende  in  einen  Drittstaat  ausreisen  können,  welcher  für  die  Durchführung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zuständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG),  dass  die  Beschwerdeführenden  von  Italien  kommend  in  die  Schweiz  gelangten  und  dieses  Land  am  3.  Januar  2012  einer  Übernahme  ausdrücklich zustimmte,  dass  die  Beschwerdeführenden  zwar  geltend machen,  die  Zustimmung  zur  Übernahme  des  Beschwerdeführers  sei  erst  nach  der  vorgeschriebenen  Frist  von  zwei  Wochen  gemäss  Art.  5  Abs.  2  der  Durchführungsverordnung  erfolgt,  weshalb  die  Schweiz  für  die  Behandlung  des  Asylgesuchs  des  Beschwerdeführers  und  auch  seiner  Angehörigen zuständig sei,  dass die Dublin­II­VO jedoch in erster Linie ein Regelwerk zwischen den  Staaten darstellt; die Betroffenen  insbesondere keinen Anspruch auf die  Prüfung  ihres  Asylgesuches  im  "richtigen"  Staat  haben  und  sie  sich  deshalb  auf  eine Verletzung  einzelner Bestimmungen nur  dann  berufen  können, wenn diese als "self­executing" gelten,  dass  die  Bestimmung  "self­executing"  sind  wenn  sie  genügend  präzise  sind und sich daraus direkt Rechte für den Einzelnen ableiten lassen (vgl.  dazu BVGE 2010/27 E.6), dass  bereits  fraglich  ist,  ob  die  von  den  Beschwerdeführerenden  angerufenen Bestimmungen  als  "self­executing"  in  diesem Sinne  gelten  können,  zumal  die  Gefahr  des  "refugee  in  orbit"  oder  des  fehlenden  Zugangs zu einem Asylverfahren anders als bei Art. 19 und 20 Dublin­II­

D­378/2012 VO  bei  einer  verspätet  eintreffenden  positiven  Antwort  des  angefragten  Mitgliedstaates bereits fraglich ist, dass aber ohnehin zudem eine konkrete Gefahr der Verletzung der den  Betroffenen  zustehenden Rechte  vorliegen müsste  (vgl.  BVGE  2010/27  E. 7.1),  dass  nämlich  gemäss  dem  publizierten  Grundsatzentscheid  die  Zuständigkeit  des  ersuchten  Staates  nicht  erlischt,  wenn  er  bei  verspäteter  Überstellung  seine  Zuständigkeit  durch  konkludentes  Verhalten auch nach Ablauf der Frist anerkennt,  dass  eine  solche  Ausnahmekonstellation  aufgrund  der  Antwort  der  italienischen Behörden vom 3. Januar 2012 (in analogiam) offensichtlich  vorliegt,  dass  schliesslich  eine  Zusammenführung  der  Familie  in  Italien  auch  gemäss Art. 15 Dublin­II­VO erfolgen könnte, dass  bei  dieser  Sachlage  –  entsprechend  den  vom  BFM  angerufenen  Bestimmungen  zum  Dublin­Verfahren,  auf  welche  anstelle  einer  Wiederholung zu verweisen  ist –  Italien  für die Prüfung der Asylanträge  der  Beschwerdeführenden  grundsätzlich  zuständig  ist,  weshalb  es  sich  erübrigt,  auf  weitere  diesbezügliche  Beschwerdeargumente  detailliert  einzugehen,  dass so die Grundlage für einen Nichteintretensentscheid  in Anwendung  von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG ohne weiteres gegeben ist,  dass  Italien  Signatarstaat  sowohl  des  Abkommens  vom  28. Juli  1951  über  die Rechtsstellung der Flüchtlinge  (FK, SR 0.142.30)  als  auch der  EMRK  ist und vorliegend keine Hinweise darauf bestehen,  Italien würde  sich  im Falle der Beschwerdeführenden nicht an seine völkerrechtlichen  Verpflichtungen halten, dass  sich  das  italienische  Asylsystem  aufgrund  der  jüngsten  Entwicklungen  im  nordafrikanischen  Raum  verbunden  mit  erhöhtem  Zustrom  von  Asylsuchenden  zwar mit  erheblichen  Kapazitätsproblemen  konfrontiert  sieht  und  die  diesbezüglichen  Beschwerdevorbringen  daher  nachvollziehbar erscheinen, 

D­378/2012 dass  Italien  aufgrund  seiner  Zustimmung  indes  verpflichtet  ist,  über  die  Asylgesuche der Beschwerdeführenden zu befinden, und keine konkreten  Hinweise  dafür  bestehen,  der  italienische  Staat  würde  den  Zugang  zu  einem funktionierenden Asylverfahren nicht gewährleisten,  dass  Asylsuchende  in  Italien  bei  der  Unterkunft,  der  Arbeit  und  dem  Zugang  zur  medizinischen  Infrastruktur  zwar  gewissen  Schwierigkeiten  ausgesetzt  sein  können,  wobei  sich  bereits  vorbestandene  Kapazitätsprobleme in der jüngsten Zeit akzentuiert haben dürften,  dass jedoch auch unter Berücksichtigung dieser Umstände entgegen den  Beschwerdevorbringen  kein  konkreter Anlass  zur Annahme besteht,  die  Beschwerdeführenden  gerieten  nach  der  Rückführung  in  Italien  in  eine  existenzielle  Notlage,  zumal  gemäss  Kenntnissen  des  Bundesverwaltungsgerichts  neben  staatlichen  Behörden  auch  private  Hilfsorganisationen Dublin­Rückkehrende unterstützen, dass  Italien  im  Übrigen  an  die  Richtlinie  2003/9/EG  des  Rates  vom 27.  Januar  2003  zur  Festlegung  von Mindestnormen  für  die  Aufnahme  von Asylsuchenden in den Mitgliedstaaten (Aufnahmerichtlinie) gebunden  ist  und  demnach  dafür  besorgt  sein  muss,  den  Asylsuchenden  ein  menschenwürdiges Leben zu ermöglichen,  dass  die  Beschwerdeführenden  ihren  Rekurs  auch  mit  medizinischen  Problemen  begründen  (Spitalaufenthalt  der  Beschwerdeführerin;  bevorstehende  Operation  des  Adoptivsohnes;  zu  gesundheitlichen  Problemen der Beschwerdeführenden vgl. auch die vorinstanzliche Akte  C 11/2), dass  allfällige  Krankheiten  aber  auch  in  Italien  abgeklärt  und  grundsätzlich (weiter)behandelt werden können,  dass  im  vorinstanzlichen  Verfahren  nicht  geltend  gemacht  worden  war,  die  gesundheitlichen  Beschwerden  des  Adoptivsohnes,  der  offenbar  an  einer Lippen­Kiefer­Gaumenspaltung litt, die jedoch bereits im Jahre 2006  in  Afghanistan  operativ  behandelt  worden  war,  würden  gegen  eine  Überstellung nach Italien sprechen, dass  insbesondere auch  in der Beschwerde nicht geltend gemacht wird,  die Behandlung sei in Italien nicht möglich,

D­378/2012 dass dies auch für die Beschwerdeführerin gilt, zumal in der Beschwerde  in  keiner  Weise  vorgebracht  wird,  die  Beschwerdeführerin  leide  unter  Problemen, die in Italien nicht behandelt werden könnten, dass  demnach  davon  auszugehen  ist,  dass  die  gesundheitlichen  Beeinträchtigungen der Beschwerdeführerin und des Adoptivkindes nicht  gegen die Überstellung nach Italien sprechen, dass es sich demnach rechtfertigt, von weiteren Abklärungen abzusehen  und  keine  Frist  zur  Nachreichung  medizinischer  Unterlagen  beziehungsweise einer Beschwerdeergänzung anzusetzen,  dass  nach  den  vorstehenden  Erwägungen  der  Nichteintretensentscheid  in Anwendung von Art. 34 Abs. Bst. d AsylG zu bestätigen ist,  dass  die  Anordnung  der  Wegweisung  nach  Italien  der  Systematik  des  Dublin­Verfahrens  entspricht  und  von  daher  im  Einklang  mit  der  Bestimmung von Art. 44 Abs. 1 AsylG steht (vgl. BVGE 2010/45 E. 10.2), dass in diesem Sinne das BFM den Vollzug der Wegweisung nach Italien  zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erklärte,  dass nach vorstehenden Erwägungen für das BFM keine Pflicht zu einem  Selbsteintritt  aus  völkerrechtlichen  Gründen  nach  der  Bestimmung  von  Art. 3 Abs. 2 Dublin­II­VO besteht (vgl. dazu BVGE 2011/9 E. 4 S. 115),  dass  aufgrund  der  gesamten  Aktenlage  auch  ein  Selbsteintritt  aus  humanitären Gründen nach der Bestimmung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1  ausgeschlossen  bleibt  (vgl.  dazu  BVGE  2011/9  E.  8  S.  121  f.),  da  in  vorliegender  Sache  keine  besonderen  Sachverhaltsumstände  vorliegen,  welche  eine  Behandlung  des  Asylgesuches  in  der  Schweiz  geradezu  aufdrängen würden (vgl. dazu das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts  D­4534/2011 vom 28. Dezember 2011 E. 8),  dass die eingereichte Beschwerde nach dem Gesagten als offensichtlich  unbegründet abzuweisen ist,  dass die Gesuche im Sinne von Art. 65 Abs. 1 und 2 VwVG abzuweisen  sind,  da  sich  die Beschwerde  von Anfang  an  als  aussichtslos  erwiesen  hat, 

D­378/2012 dass die Kosten des Verfahrens von Fr. 600.– den Beschwerdeführenden  aufzuerlegen  sind  (vgl.  dazu  Art. 63  Abs.  1  VwVG  sowie  Art. 1­3  des  Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen  vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite)

D­378/2012 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Die  Gesuche  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  und  2  VwVG  werden  abgewiesen. 3.   Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.­­  werden  den  Beschwerdeführenden  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Die Einzelrichterin: Der Gerichtsschreiber: Nina Spälti Giannakitsas Patrick Weber Versand:

D-378/2012 — Bundesverwaltungsgericht 25.01.2012 D-378/2012 — Swissrulings