Skip to content

Bundesverwaltungsgericht 27.01.2012 D-376/2012

January 27, 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,485 words·~7 min·1

Summary

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren) | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 16. Januar 2012

Full text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung IV D­376/2012 Urteil   v om   2 7 .   J a nua r   2012 Besetzung Einzelrichter Martin Zoller, mit Zustimmung von Richter Walter Stöckli; Gerichtsschreiber Daniel Widmer. Parteien A.______, Afghanistan,  (…),   Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; (Dublin­Verfahren) Verfügung des BFM vom 16. Januar 2012 / (…).

D­376/2012 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, I. dass  der  Beschwerdeführer  am  (…)  erstmals  in  der  Schweiz  um  Asyl  nachgesucht und dabei geltend gemacht hatte, Afghanistan  im Jahr (…)  in  Richtung  B._______  verlassen  und  sich  dort  bis  (…)  vor  seiner  Einreise in die Schweiz am (…) aufgehalten zu haben, dass  er  gemäss  einer  Abfrage  der  Eurodac­Datenbank  durch  das  BFM  am  (…)  in  C._______  (Aufgriff),  am  11. März  2010  in  Ungarn  (Asylgesuch)  und  am  16. Oktober  2010  in  D._______  (Asylgesuch)  daktyloskopisch erfasst worden war, dass der Beschwerdeführer im Rahmen seiner Befragung zur Person und  zu  den  Asylgründen  vom  8. Dezember  2010  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  (EVZ)  H._______  erklärte,  er  habe  sich  vor  seiner  Einreise  in  die  Schweiz  in  C._______,  E._______,  F._______,  Ungarn,  D._______  und  G._______  aufgehalten  und  in  Ungarn  und  D._______  um Asyl nachgesucht, dass  ihm das BFM anlässlich  der Befragung  das  rechtliche Gehör  zum  Eurodac­Ergebnis  sowie  zu  einer  allfälligen  Wegweisung  nach  C._______, Ungarn, D._______ und G._______ gewährte, dass der Beschwerdeführer in Bezug auf eine Rückführung nach Ungarn  ausführte, er sei bereits (…) nach Ungarn ausgeschafft worden und (…),  weshalb er dorthin um keinen Preis zurückkehren werde, dass  das BFM die  zuständigen  ungarischen Behörden  am  (…)  gestützt  auf  Art. 16  Abs. 1  Bst. c  der  Verordnung  [EG]  Nr. 343/2003  des  Rates  vom  18.  Februar  2003  zur  Festlegung  von  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des  Mitgliedstaats,  der  für  die  Prüfung  eines  von  einem  Drittstaatsangehörigen  in  einem  Mitgliedstaat  gestellten  Asylantrags  zuständig  ist  (Dublin­II­VO),  um  Übernahme  des  Beschwerdeführers  ersuchte, dass die ungarischen Behörden  sich am  (…)  (Eingang des Schreibens)  bereit  erklärten,  den  Beschwerdeführer  bis  spätestens  am  (…)  zu  übernehmen und sein Asylgesuch zu prüfen,

D­376/2012 dass das BFM mit Verfügung vom (…) – in Anwendung von Art. 34 Abs. 2  Bst. d des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998  (AsylG, SR 142.31) auf das  Asylgesuch nicht eintrat, die Wegweisung aus der Schweiz nach Ungarn  verfügte, den Beschwerdeführer aufforderte, die Schweiz spätestens am  Tag nach Ablauf der Rechtsmittelfrist zu verlassen, feststellte, der Kanton  Aargau  sei  verpflichtet,  die  Wegweisungsverfügung  zu  vollziehen  und  eine allfällige Beschwerde gegen die vorliegende Verfügung habe keine  aufschiebende  Wirkung,  und  dem  Beschwerdeführer  die  editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis aushändigte, dass  das  BFM  zur  Begründung  anführte,  der  Beschwerdeführer  habe  ausgesagt,  sich  vor  seiner  Einreise  in  die  Schweiz  unter  anderem  in  Ungarn  aufgehalten  zu  haben,  was  durch  einen  entsprechenden  Eurodac­Treffer bestätigt würde, dass Ungarn für die Durchführung des Asylverfahrens zuständig sei, am  (…)  einer  Übernahme  des  Beschwerdeführers  zugestimmt  und  dabei  gleichzeitig bestätigt habe, dass seine Zuständigkeit bereits am  (…) auf  eine (…) Anfrage hin akzeptiert worden sei, dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 4. April 2011 gegen diesen  Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erhob und in der  Hauptsache beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und  das  Amt  sei  anzuweisen,  sein  Recht  zum  Selbsteintritt  auszuüben  und  sich für das Asylgesuch als zuständig zu erachten, dass  diese Beschwerde  in Bestätigung  des  vorinstanzlichen Entscheids  mit Urteil vom (…) durch das Bundesverwaltungsgericht abgewiesen und  zur Begründung im Wesentlichen ausgeführt wurde, Ungarn sei aufgrund  des festgestellten Sachverhalts und der einschlägigen Staatsverträge als  zuständig zu erachten, dass  –  so  das  Bundesverwaltungsgericht  weiter  –  Ungarn  seine  Zuständigkeit  anerkannt  habe,  der  Beschwerdeführer  ohne Weiteres  in  diesen  Drittstaat  ausreisen  könne,  seine  diesbezüglichen  Einwände  unsubstanziiert seien, Ungarn an die Richtlinie 2003/9/EG des Rates vom  27. Januar  2003  zur  Festlegung  von  Mindestnormen  für  die  Aufnahme  von  Asylbewerbern  in  den  Mitgliedstaaten  (Aufnahmerichtlinien)  gebunden  sei  und  demnach  dafür  besorgt  sein  müsse,  den  Asylsuchenden ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen,

D­376/2012 dass  keine  konkreten  Anhaltspunkte  dafür  ersichtlich  seien,  der  Beschwerdeführer  würde  im  Falle  einer  Rückkehr  nach  Ungarn  dort  in  eine existenzielle Notlage geraten, dass Ungarn  im Weiteren unter anderem Signatarstaat des Abkommens  vom  28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  (FK,  SR 0.142.30),  der Konvention  vom 4. November  1950  zum Schutze der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR  0.101)  und  des  Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR  0.105)  sei  und  keine  konkreten  Hinweise  dafür  bestünden,  Ungarn  würde  sich  nicht  an  die  daraus  resultierenden  Verpflichtungen  halten, dass  –  entgegen  der  Darstellung  in  der  Rechtsmitteleingabe  –  nicht  davon  auszugehen  sei,  die  ungarischen  Behörden  unterzögen  die  Asylgründe  des  Beschwerdeführers  keiner  seriösen  Prüfung,  sofern  sie  dies nicht bereits getan hätten, dass  bei  dieser  Sachlage  insbesondere  nicht  damit  zu  rechnen  sei,  Ungarn  würde  den  Beschwerdeführer  in  Verletzung  der  vorgenannten  völkerrechtlichen Abkommen nach Afghanistan zurückschaffen, dass  für  die  schweizerischen  Asylbehörden  insgesamt  keine  Veranlassung  bestünde,  in  Abweichung  von  der  festgestellten  Zuständigkeitsordnung  vom  Selbsteintrittsrecht  gemäss  Art. 3  Abs. 2  Dublin­II­VO Ge­brauch zu machen, dass  auch  kein  Anlass  zur  Vornahme  weiterer  Abklärungen  über  die  Situation in Ungarn bestünde, dass der Beschwerdeführer  in der Folge am (…) nach Ungarn überstellt  wurde, II. dass  der  Beschwerdeführer  am  12. Dezember  2011  erneut  in  der  Schweiz  um Asyl  nachsuchte, wozu  er  am 20. Dezember  2011  im EVZ  H._______  befragt  wurde,  wobei  ihm  auch  das  rechtliche  Gehör  zur  Zuständigkeit  Ungarns  zur  Durchführung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens  gemäss  Dublin­II­VO,  zu  einem  allfälligen 

D­376/2012 Nichteintretensentscheid  gemäss  Art. 34  Abs. 2  Bst. d  AsylG  sowie  zu  einer Wegweisung nach Ungarn gewährt wurde, dass  er  dabei  erklärte,  er  habe  dieselben  Asylgründe  wie  in  seinem  ersten Asylverfahren in der Schweiz, ausser dass er obdachlos sei, dass  er  gegen  eine  allfällige  Wegweisung  nach  Ungarn  einzuwenden  habe,  dass  sein  dortiges  Asylgesuch  abgelehnt  worden  sei  und  er  bei  einer Rückkehr dorthin ins Gefängnis kommen würde, dass bezüglich der weiteren Aussagen beziehungsweise der Einzelheiten  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  auf  das  Protokoll  bei  den  Akten  verwiesen wird, dass das BFM am 4. Januar 2012 gestützt auf die Akten ein Ersuchen um  Übernahme  an  die  ungarischen  Behörden  stellte,  welchem  diese  am  10. Januar  2012  zustimmten  und  dabei  ausführten,  das  vom  Beschwerdeführer  in  Ungarn  gestellte  Asylgesuch  sei  am  19. Mai  2010  abgelehnt worden, dass das Bundesamt mit Verfügung vom 16. Januar 2012 – eröffnet am  18. Januar 2012 – in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG auf das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  vom  12. Dezember  2011  nicht  eintrat, die Wegweisung nach Ungarn verfügte, den Beschwerdeführer –  unter  Androhung  von  Zwangsmitteln  im Unterlassungsfall  –  aufforderte,  die  Schweiz  spätestens  am  Tag  nach  Ablauf  der  Beschwerdefrist  zu  verlassen, den Kanton Aargau verpflichtete,  die Wegweisungsverfügung  zu  vollziehen,  feststellte,  eine  allfällige  Beschwerde  gegen  die  vorliegende  Verfügung  habe  keine  aufschiebende  Wirkung,  und  dem  Beschwerdeführer die editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis  aushändigte, dass  das  BFM  zur  Begründung  im  Wesentlichen  ausführte,  der  Beschwerdeführer  sei  bereits  am  (…)  im  Rahmen  eines  Dublin­ Verfahrens nach Ungarn überstellt worden, dass  gestützt  auf  die  einschlägigen  internationalen  Abkommen  (insbesondere  das  Abkommen  vom  26. Oktober  2004  zwischen  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  und  der  Europäischen  Gemeinschaft  über  die  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des  zuständigen Staates für die Prüfung eines in einem Mitgliedstaat oder  in  der  Schweiz  gestellten  Asylantrags  [Dublin­Assoziierungsabkommen 

D­376/2012 (DAA),  SR 0.142.392.68]  und  das  Übereinkommen  vom  17. Dezember  2004  zwischen  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft,  der  Republik  Island und dem Königreich Norwegen über die Umsetzung, Anwendung  und Entwicklung des Schengen­Besitzstands und über die Kriterien und  Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Staates für die Prüfung eines  in  der  Schweiz,  in  Island  oder  in  Norwegen  gestellten  Asylantrags  [Übereinkommen vom 17. Dezember 2004, SR 0.362.32]) Ungarn für die  Durchführung  des Asyl­  und Wegweisungsverfahrens  zuständig  sei,  die  ungarischen Behörden dem Ersuchen des BFM vom 4. Januar 2012 um  Übernahme  zugestimmt  hätten  und  somit  gemäss  dem  DAA  die  Zuständigkeit  für  die  Durchführung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens bei Ungarn liege, dass gestützt auf Art. 16 Abs. 1 Bst. e Dublin­II­VO ein abgeschlossenes  Asylverfahren  in  einem  Mitgliedstaat  dessen  Zuständigkeit  zur  Durchführung des Asyl­ und Wegweisungsverfahren nicht zu widerlegen  vermöchte, dass die Rückführung – vorbehältlich einer allfälligen Unterbrechung oder  Verlängerung (Art. 19 f. Dublin­II­VO) – bis zum 10. Juli 2012 zu erfolgen  habe, dass, da der Beschwerdeführer in einen Drittstaat reisen könne, in dem er  Schutz  vor Rückschiebung  im Sinne  von Art. 5  Abs. 1 AsylG  finde,  das  Non­Refoulement­Gebot  bezüglich  des  Heimat­  oder  Herkunftsstaats  nicht  zu  prüfen  sei,  und  keine  Hinwiese  auf  eine  Verletzung  von  Art. 3  EMRK im Falle einer Rückkehr nach Ungarn bestünden, dass der Beschwerdeführer im Rahmen des ihm dazu am 20. Dezember  2011 gewährten rechtlichen Gehörs keine relevanten Gründe darzulegen  vermocht  habe,  die  einer  Rückkehr  nach  Ungarn  entgegenstünden,  zumal  Ungarn  ein  Rechtsstaat  sei,  welcher  Personen  nur  nach  einem  ordentlichen Verfahren verurteile und der Beschwerdeführer, sollte er mit  einem Urteil nicht einverstanden sein, bei einer höheren  Instanz Rekurs  einlegen  könnte,  und  keine  konkreten  Hinweise  vorlägen,  dass  die  ungarische Justiz nicht ein korrektes Verfahren durchgeführt hätte, dass der Vollzug der Wegweisung nach Ungarn zulässig, zumutbar und  möglich  sei,  wobei  insbesondere  weder  die  dort  herrschende  Situation  noch andere Gründe gegen die Zumutbarkeit der Wegweisung in diesen  Staat sprechen würden,

D­376/2012 dass  der  Beschwerdeführer  mit  Eingabe  vom  22. Januar  2012  (Datum  des  Poststempels)  gegen  diese  Verfügung  unter  Kosten  und  Entschädigungsfolge beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erhob  und  beantragte,  die  angefochtene  Verfügung  sei  aufzuheben  und  das  Amt  anzuweisen,  sein  Recht  zum  Selbsteintritt  auszuüben  und  sich  für  das vorliegende  Asylgesuch für zuständig zu erachten, dass  er  in  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  um  vollumfängliche  Einsicht  in  alle Akten des Dublin­Verfahrens ersuchte und beantragte, im Sinne von  vorsorglichen  Massnahme  seien  der  Beschwerde  die  aufschiebende  Wirkung  zu  erteilen  und  die  Vollzugsbehörden  anzuweisen,  von  einer  Überstellung nach Ungarn abzusehen, bis das Bundesverwaltungsgericht  über den Suspensiveffekt der Beschwerde befunden habe, dass  in  prozessualer  Hinsicht,  unter  nachträglicher  Einreichung  einer  Fürsorgebestätigung,  schliesslich  die  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  und  unentgeltlichen  Rechtsverbeiständung  sowie  der  Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses beantragt wurden, dass  für  den  Inhalt  der  Beschwerde  auf  die  Akten  zu  verweisen  und –  soweit entscheidwesentlich – nachfolgend darauf einzugehen ist, dass die vollständigen vorinstanzlichen Akten am 25. Januar 2012 beim  Bundesverwaltungsgericht eintrafen, und zieht in Erwägung, dass das Bundesverwaltungsgericht im Bereich des Asyls endgültig über  Beschwerden  gegen  Verfügungen  (Art. 5  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR 172.021])  des  BFM  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31­ 33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [VGG,  SR  173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005 [BGG, SR 173.110]),

D­376/2012 dass  der  Beschwerdeführer  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an deren Aufhebung beziehungsweise  Änderung hat und daher zur Einreichung der Beschwerde  legitimiert  ist,  weshalb  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  einzutreten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG sowie Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37  VGG und Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG), dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden kann (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  entschieden  wird  (Art. 111  Bst. e  AsylG),  und  es  sich  vorliegend  –  wie  nachfolgend  aufgezeigt – um eine solche handelt, weshalb der Beschwerdeentscheid  nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG), dass  gestützt  auf  Art. 111a  Abs. 1  AsylG  auf  einen  Schriftenwechsel  verzichtet wurde, dass  in Bezug auf den prozessualen Antrag, dem Beschwerdeführer sei  "vollumfänglich  in  alle  Akten  des  Dublin­Verfahrens  Einsicht  zu  gewähren" festzuhalten ist, dass dieses Begehren in keiner Weise näher  begründet wird und daher ohne Weiteres davon auszugehen ist, dass das  Bundesamt  ihm  die  editionspflichtigen  Akten  korrekt  ediert  hat  (vgl.  Dispositivziffer 5 der angefochtenen Verfügung vom 16. Januar 2012), dass mithin der besagte Antrag abzulehnen ist, dass  bei  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide,  mit  denen  es  das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu  überprüfen  (Art. 32­35  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der  Beschwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die  Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist, dass  sich  demnach  die  Beschwerdeinstanz  –  sofern  sie  den  Nichteintretensentscheid  als  unrechtmässig  erachtet  –  einer  selbständigen  materiellen  Prüfung  enthält,  die  angefochtene  Verfügung  aufhebt  und  die  Sache  zur  neuen  Entscheidung  an  die  Vorinstanz  zurückweist  (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen  Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1 S. 240 f.),

D­376/2012 dass die Vorinstanz die Frage der Wegweisung und des Vollzugs  indes  materiell  geprüft  hat,  weshalb  dem  Bundesverwaltungsgericht  diesbezüglich  grundsätzlich  volle  Kognition  zukommt,  wobei  sich  diese  Fragen  –  namentlich  diejenigen  hinsichtlich  des  Bestehens  von  Vollzugshindernissen  (Durchführbarkeit  der  Überstellung  an  den  zuständigen  Staat)  –  in  den  Dublin­Verfahren  bereits  vor  Erlass  des  Nichteintretensentscheids stellen (vgl. BVGE 2010/45 E. 10.2),, dass  auf  Asylgesuche  in  der  Regel  nicht  eingetreten  wird,  wenn  Asylsuchende  in  einen  Drittstaat  ausreisen  können,  der  für  die  Durchführung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zuständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG), dass sich die vorinstanzlichen Erwägungen aufgrund der Überprüfung der  Akten  als  zutreffend  erweisen,  weshalb  zur  Vermeidung  von  Wiederholungen  vorab  auf  die  nicht  zu  beanstandenden  Ausführungen  des BFM  in der angefochtenen Verfügung verwiesen werden kann, und  überdies  ergänzend  auf  die  Erwägungen  in  der  Verfügung  und  im  Rechtsmittelentscheid  des  rechtskräftig  abgeschlossenen  ersten  Asylverfahrens zu verweisen ist, dass  die  ungarischen  Behörden  dem  Ersuchen  des  BFM  um  Rückübernahme  des  Beschwerdeführers  gestützt  auf  Art. 16  Abs. 1  Bst. e  Dublin­II­VO  (Wiederaufnahmepflicht  und  Zuständigkeit  jenes  Landes,  das  bereits  abschlägig  über  einen Asylantrag  entschieden  hat)  am 10. Januar  2012 ausdrücklich  zugestimmt haben und mithin Ungarn  für die Durchführung des Asyl­ und Wegweisungsverfahren zuständig ist, dass  in  der  Rechtsmitteleingabe  in  erster  Linie  eingewendet  wird,  die  Vorinstanz habe ihr Selbsteintrittsrecht zu Unrecht nicht ausgeübt, zumal  das Asylgesuch des Beschwerdeführers  in Ungarn nicht korrekt geprüft,  dieser  nach  der  Überstellung  aus  der  Schweiz  in  eine  geschlossene  Unterkunft gebracht und nach 15 Tagen freigelassen worden sei, mit der  Aufforderung Ungarn zu verlassen, dass bekannt sei, dass  in Ungarn Asylsuchende am Flughafen kurz von  der Polizei befragt und, ohne korrekte Durchführung eine Asylverfahrens,  sofort weggewiesen würden, dass  schliesslich  dort  "Dublin­Rückkehrer"  inhaftiert  würden  und  die  Haftbedingungen  sehr  schlecht  seien,  wobei  es  täglich  zu 

D­376/2012 Misshandlungen  durch  die  Polizei  komme,  weshalb  eine  erneute  Überstellung nach Ungarn auch aus diesem Grund nicht zulässig sei, dass  der  Beschwerdeführer  nicht  darzulegen  vermag,  wieso  gerade  er  Opfer  einer  solchen  "Inhaftierung"  –  gemeint  sind  offenbar  sogenannte  "administrative  detentions"  von  Asylsuchenden  –  werden  sollte  und  inwiefern  gerade  in  seinem  Fall  eine  Überschreitung  der  Grenze  der  Rechtmässigkeit zu befürchten sei, dass  Ungarn,  wie  vom  BFM  zutreffend  festgehalten,  denn  auch  Signatarstaat  des  FK,  der  EMRK  sowie  der  FoK  ist  und  keine  konkreten  Hinweise  dafür  bestehen,  Ungarn  missachte  das  Rückschiebungsverbot oder die einschlägigen Normen der EMRK, dass  aufgrund  der  gesamten  Akten  und  Umstände  kein  konkreter  Grund zur Annahme besteht, der Beschwerdeführer würde von Ungarn  ohne  korrekte  Prüfung  seiner  Gesuchsgründe  in  die  Heimat  zurückgeführt, dass  im  Übrigen  hinsichtlich  der  Dublin­Rückführungsdestination  Ungarn  auch  auf  die  konstante  und  die  vorliegenden  Erkenntnisse  stützende  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  verwiesen  werden  kann  (vgl.  exemplarisch  die  in  den  vergangenen  Monaten  gefällten  Urteile E­3646/2011, E­4087/2011, E­3668/2011 und E­1118/2011), dass  bei  dieser  Sachlage  für  die  schweizerischen  Asylbehörden  insgesamt  keine  Veranlassung  besteht,  in  Abweichung  von  der  festgestellten  Zuständigkeitsordnung  vom  Selbsteintritt  gemäss  Art. 3  Abs. 2 Dublin­II­VO  i.V.m.  Art. 29a Abs. 3  der  Asylverordnung  1  über  Ver­fahrensfragen  vom  11. August  1999  (AsylV 1,  SR 142.311)  Gebrauch  zu  machen,  das  BFM  die  Überstellung  des  Beschwerdeführers  nach  Ungarn  in  diesem  Sinne  zu  Recht  als  zulässig, zumutbar und möglich erachtet hat und die vom Bundesamt  verfügte Wegweisung samt ihrem Vollzug zu bestätigen ist,  dass  das  BFM  demzufolge  zu  Recht  in  Anwendung  von  Art. 34  Abs. 2  Bst. d  AsylG  auf  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  nicht  eingetreten ist, dass  die Anordnung  der Wegweisung  nach Ungarn  der Systematik  des  Dublin­Verfahrens  –  bei  dem  es  sich  um  ein  Überstellungsverfahren  in  den  für  die  Prüfung  des  Asylgesuchs  zuständigen  Staat  handelt – 

D­376/2012 entspricht und im Einklang mit der Bestimmung von Art. 44 Abs. 1 AsylG  steht, wobei in Verfahren nach Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG die Frage nach  der  Zulässigkeit  und Möglichkeit  des Wegweisungsvollzugs  –  wie  oben  erwähnt – regelmässig bereits Voraussetzung (und nicht erst Regelfolge)  des Nichteintretensentscheids und demnach hier nicht mehr zu prüfen ist, dass sich auch die Frage der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in  einem Dublin­Verfahren nicht unter dem Aspekt von Art. 83 Abs. 1 und 4  des Bundesgesetzes  vom  16. Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  (AuG,  SR  142.20)  stellt,  sondern  eine  entsprechende  Prüfung –  soweit  notwendig  –  bereits  im Rahmen der Entscheidfindung  hinsichtlich der Ausübung des Selbsteintrittsrechts stattfinden muss (vgl.  vorstehende Erwägungen), dass  vorliegend  –  wie  aufgezeigt  –  kein  Anlass  zur  Ausübung  des  Selbsteintrittsrechts (Art. 3 Abs. 2 Dublin­II­VO) besteht, weshalb der vom  BFM verfügte Vollzug der Wegweisung zu bestätigen ist, dass  es  dem  Beschwerdeführer  demnach  nicht  gelungen  ist  darzutun,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den  rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig  feststellt oder  unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen  ist, dass der Antrag auf Anordnung vorsorglicher Massnahmen durch das  Bundesverwaltungsgericht  –  solche  können  nur  für  die  Dauer  des  Beschwerdeverfahrens  Wirkung  entfalten  –  und  die  Gesuche  um  Gewährung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde und Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  aufgrund  des  direkten  Entscheids  in  der  Hauptsache  gegenstandslos  geworden  sind,  weshalb darüber nicht zu befinden ist, dass die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung  und  Rechtsverbeiständung  gemäss  Art.  65  Abs.  1  und  2  VwVG  abzuweisen sind, da die Beschwerde – wie sich aus den vorstehenden  Erwägungen ergibt – als aussichtslos zu bezeichnen war, weshalb die  kumulativen  Voraussetzungen  für  die  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege nicht erfüllt sind, dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr.  600.–  (Art. 1­3  des Reglements  vom 21. Februar  2008 über  die Kosten und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE, 

D­376/2012 SR 173.320.2])  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  sind  (Art. 63  Abs. 1 VwVG). (Dispositiv nächste Seite)

D­376/2012 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Die  Gesuche  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung  und   Rechtsverbeiständung werden abgewiesen. 3.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.–  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Martin Zoller Daniel Widmer Versand:

D-376/2012 — Bundesverwaltungsgericht 27.01.2012 D-376/2012 — Swissrulings