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Bundesverwaltungsgericht 06.01.2012 D-3346/2011

January 6, 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,357 words·~12 min·3

Summary

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 11. Mai 2011

Full text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung IV D­3346/2011 Urteil   v om   6 .   J a nua r   2012 Besetzung Richter Bendicht Tellenbach (Vorsitz), Richterin Claudia Cotting­Schalch, Richter Martin Zoller,    Gerichtsschreiberin Nina Hadorn. Parteien A._______, geboren (…), Sri Lanka,   vertreten durch Barbara Frei­Koller, Freiplatzaktion Basel,  […], Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 11. Mai 2011 / N (…).

D­3346/2011 Sachverhalt: A.  Der  Beschwerdeführer,  ein  srilankischer  Staatsangehöriger  tamilischer  Ethnie aus Jaffna,  verliess Sri  Lanka eigenen Angaben zufolge am  (…)  2006  legal  mit  seinem  Pass  und  gelangte  über  B._______  auf  dem  Luftweg legal mit einem Visum in die Schweiz, wo er aufgrund seiner Ehe  mit einer Schweizer Bürgerin eine Aufenthaltsbewilligung  "B" erhielt. Mit  Verfügung  vom 18. August  2009  verlängerte  das Amt  für Migration  des  Kantons C._______ diese Bewilligung nicht und ordnete die Wegweisung  aus der Schweiz und den Vollzug an. Die dagegen erhobene Beschwerde  vom 18. September 2009 wurde vom Justiz­ und Sicherheitsdepartement  des Kantons C._______ mit Entscheid vom 2. Februar 2010 abgewiesen  und  der  Beschwerdeführer  aufgefordert,  die  Schweiz  bis  zum  31. März  2010  zu  verlassen.  Dieser  Entscheid  ist  unangefochten  in  Rechtskraft  erwachsen. Am  4.  Mai  2010  ersuchte  der  Beschwerdeführer  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum D._______  um Asyl  nach.  Dort  wurde  er  am  7. Mai  2010  summarisch  befragt  und  vom  BFM  am  20. Mai  2010  direkt  zu  seinen Asylgründen angehört. Anlässlich  der  Befragungen  machte  der  Beschwerdeführer  im  Wesentlichen geltend,  in Sri Lanka während den Jahren 2003 und 2004  die  Liberation  Tigers  of  Tamil  Eelam  (LTTE)  durch  das  Verteilen  von  Nahrungsmitteln  und  den  Transport  von  Möbelstücken  unterstützt  zu  haben, weshalb  er  von  der Armee  seit  dem  Jahr  2003  gesucht worden  sei.  So  sei  er  in  diesem  Jahr  auf  dem  Schulweg  mehrmals  an  Militärstützpunkten  festgehalten  und  der  Unterstützung  der  LTTE  beschuldigt  und  dazu  befragt  worden.  Im  Jahr  2004  habe  er  eine  ursprünglich  aus  Sri  Lanka  stammende  Schweizer  Staatsangehörige  geehelicht, mit der Absicht, sich durch die Ausreise seinen Problemen zu  entziehen.  Als  er  nach  der  Hochzeit  erneut  durch  das  Militär  gesucht  worden sei, habe er im Februar 2005 die Schule abgebrochen und sei zu  seiner  Tante  nach  Mannar  gegangen.  Ausserdem  seien  seine  Eltern  einige  Male  von  Unbekannten  angerufen  und  um  Geld  erpresst  geworden.  Im  Jahr  2006  sei  er  dann  zu  seiner  Frau  in  die  Schweiz  gereist.  Nach  der  Scheidung  und  der  damit  einhergehenden  Auflösung  des  gemeinsamen  Haushaltes  sei  seine  Aufenthaltsbewilligung  "B"  im  Jahr 2008 nicht verlängert worden. Ausserdem habe er in der Schweiz an  verschiedenen  von  den  LTTE  […]  organisierten  Demonstrationen 

D­3346/2011 teilgenommen,  wo  er  Flugblätter  verteilt  und  bei  der  Essensverteilung  mitgeholfen habe. Die an den Demonstrationen entstandenen Bilder und  das  Filmmaterial  seien  in  Sri  Lanka  mit  Sicherheit  publiziert  worden,  weshalb ihm bereits am Flughafen Probleme drohen würden. Zur  Stützung  seiner  Vorbringen  reichte  der  Beschwerdeführer  unter  anderem  seinen  srilankischen  Pass,  seine  srilankische  Identitätskarte,  seine  Geburtsurkunde,  die  Übersetzung  seiner  Heiratsurkunde,  seine  Aufenthaltsbewilligung  "B"  (in  Kopie),  eine  Verfügung  des  Amtes  für  Migration  des  Kantons  C._______  vom  11.  Juli  2007  (in  Kopie)  sowie  einen Entscheid des Justiz­ und Sicherheitsdepartementes des Kantons  C._______ vom 2. Februar 2010 (in Kopie) ein. Mit  Verfügung  vom  26.  Mai  2010  wurde  der  Beschwerdeführer  für  die  Dauer des Verfahrens dem Kanton E._______ zugewiesen. B.  Mit Verfügung vom 11. Mai 2011 – eröffnet am 12. Mai 2011 – lehnte das  BFM  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  ab,  ordnete  seine  Wegweisung aus der Schweiz an und erachtete den Vollzug als zulässig,  zumutbar und möglich. Zur Begründung wurde  im Wesentlichen dargelegt, dass die Vorbringen  des  Beschwerdeführers  den  Anforderungen  an  die  Glaubhaftigkeit  gemäss Art. 7 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998  (AsylG, SR 142.31)  nicht  genügten,  da  sie der allgemeinen Lebenserfahrung widersprechen  würden.  Die  geltend  gemachten  exilpolitischen  Tätigkeiten  erfüllten  die  Kriterien der Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht, zumal die  Aktivitäten  keine  konkrete  Gefährdung  des  Beschwerdeführers  im  Falle  einer Rückkehr nach Sri Lanka zu begründen vermöchten. C.  Mit  Eingabe  seiner  Rechtsvertreterin  vom  14.  Juni  2011  erhob  der  Beschwerdeführer gegen die Verfügung des BFM vom 11. Mai 2011 beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  und  beantragte  die  Aufhebung  der  angefochtenen  Verfügung  und  die  Gewährung  von  Asyl  sowie  eventualiter  die  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  zufolge  Unzulässigkeit und allenfalls Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs.  In  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  ersuchte  er  um  die  unentgeltliche  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom 

D­3346/2011 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021)  und um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. In  seiner  Rechtsmitteleingabe  nahm  der  Beschwerdeführer  im  Wesentlichen  zu  den  einzelnen  von  der  Vorinstanz  erwähnten  Unglaubhaftigkeitselementen Stellung und kam zum Schluss, dass seine  Vorbringen  in  Anbetracht  der  geringen  Beweisanforderungen  vor  Bundesverwaltungsgericht  der  allgemeinen  Lebenserfahrung  entsprechen  würden.  Weiter  führte  er  aus,  dass  seine  exilpolitischen  Tätigkeiten  sehr  wohl  asylrelevant  seien,  da  angenommen  werden  müsse,  er  sei  den  srilankischen Behörden  als  Teilnehmer  an  durch  die  LTTE organisierten Demonstrationen bekannt. Zur  Stützung  seiner  Ausführungen  reichte  der  Beschwerdeführer  eine  Bestätigung  eines  kurzfristigen  Erwerbseinsatzes  datierend  vom  20.  Dezember 2010 beziehungsweise vom 5. Januar 2011 ein. D.  Mit  Zwischenverfügung  des  zuständigen  Instruktionsrichters  vom  6.  Juli  2011 teilte das Bundesverwaltungsgericht dem Beschwerdeführer mit, er  könne den Ausgang der Verfahrens in der Schweiz abwarten und forderte  ihn  auf,  bis  zum  21.  Juli  2011  den  Nachweis  der  Bedürftigkeit  zu  erbringen  oder  einen  Kostenvorschuss  zu  leisten,  ansonsten  auf  die  Beschwerde nicht eingetreten werde. E.  Mit  Eingabe  vom  21.  Juli  2011  (Poststempel)  reichte  der  Beschwerdeführer  eine  Fürsorgebestätigung  vom  8.  Juli  2011  zu  den  Akten. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art.  5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art.  33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und 

D­3346/2011 entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d  Ziff.  1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17.  Juni  2005  [BGG,  SR  173.110]). 1.2.  Die  Beschwerde  wurde  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der  Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung;  er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art.  105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf  die Beschwerde ist einzutreten. 1.3. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 2.  2.1.  Gemäss  Art.  2  Abs.  1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat  oder  im  Land,  in  dem  sie  zuletzt  wohnte,  wegen  ihrer  Rasse,  Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen  Druck  bewirken.  Den  frauenspezifischen  Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 2.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Glaubhaft gemacht ist die  Flüchtlingseigenschaft,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen,  die  in  wesentlichen  Punkten  zu  wenig  begründet  oder  in  sich  widersprüchlich  sind,  den  Tatsachen  nicht  entsprechen  oder  massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 3.  3.1. 

D­3346/2011 3.1.1. Das BFM führte in der angefochtenen Verfügung im Wesentlichen  aus, das Vorbringen des Beschwerdeführers, wonach er in Sri Lanka die  LTTE  unterstützt  habe  und  er  folglich  durch  das Militär  gesucht  werde,  genüge den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit  gemäss Art.  7 AsylG  nicht,  zumal  die  geltend  gemachten  Begebenheiten  der  allgemeinen  Lebenserfahrung  widersprechen  würden.  So  sei  nicht  nachvollziehbar,  weshalb  der Beschwerdeführer  –  obwohl  angeblich  gesucht  –  nach  der  Hochzeit zwei Jahre mit seiner Ausreise zugewartet habe. Ferner sei das  Verhalten,  wonach  er  mehrmals  –  jeweils  unter  Kontrolle  seiner  Identitätskarte – nach Colombo gereist sei und legal mit seinem eigenen  Pass  ausreiste,  nicht  mit  dem  Verhalten  eines  tatsächlich  Verfolgten  vereinbar.  Auch  die  Tatsache,  wonach  der  Beschwerdeführer  im  Jahr  2003  auf  dem  Schulweg  mehrere  Male  durch  die  Armee  kontrolliert  worden  sei,  ohne  Konsequenzen  unterzogen  worden  zu  sein,  deute  darauf hin, dass der Beschwerdeführer nicht gesucht werde. Ausserdem  sei  es  ihm  offensichtlich  problemlos  möglich  gewesen,  trotz  der  angeblichen  Suche  durch  das  Militär  weiterhin  in  Jaffna  zur  Schule  zu  gehen  und  in  Mannar  bei  seiner  Tante  zu  leben  und  zu  arbeiten.  Die  Verfolgung durch die srilankischen Behörden sei daher nicht glaubhaft. 3.1.2.  Der  Kontakt  zur  [LTTE]  und  die  Teilnahme  an  von  dieser  organisierten  Demonstrationen  genüge  den  Anforderungen  an  die  Flüchtlingseigenschaft  gemäss  Art.  3  AsylG  im  Sinne  eines  subjektiven  Nachfluchtgrundes  nicht.  So  gebe  es  trotz  der  Tatsache,  wonach  der  Beschwerdeführer  bei  der  Teilnahme  […]  gefilmt  worden  sei,  keine  Hinweise  darauf,  dass  die  srilankischen  Behörden  Kenntnis  von  seinen  Tätigkeiten genommen hätten. Zudem sei es den Behörden aufgrund der  Häufigkeit  solcher  Demonstrationen  in  der  Schweiz  unmöglich,  alle  teilnehmenden  Personen  zu   identifizieren.  Da  den  srilankischen  Behörden  ausserdem  bekannt  sei,  dass  viele  Personen  durch  ihre  Teilnahme  an  solchen  Anlässen  aus  wirtschaftlichen  Gründen  ein  dauerhaftes  Anwesenheitsrecht  erwirken  wollten,  würden  nur  Personen  identifiziert,  welche  eine  konkrete  Bedrohung  für  das  politische  System  darstellten.  Da  der  Beschwerdeführer  vorliegend  weder  ein  politisches  Engagement  im  Heimatstaat  glaubhaft  zu  machen  vermochte,  noch  hochprofilige  Aktivitäten  in  der  Schweiz  entfaltet  habe,  sei  nicht  davon  auszugehen, er habe das  Interesse der srilankischen Behörden auf sich  gezogen.  Dies  gelte  umso  mehr,  als  der  Krieg  in  Sri  Lanka  seit  2009  beendet sei. 3.2. 

D­3346/2011 3.2.1. Die vorinstanzlichen Erwägungen erweisen sich als zutreffend und  können durch die Ausführungen in der Rechtsmitteleingabe vom 14. Juni  2011  nicht  entkräftet  werden.  Zwar  gehören  Personen,  die  einer  Verbindung  zu  den  LTTE  verdächtigt  werden,  gemäss  aktueller  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  auch  heute  potentiell  noch  zu  einer  Risikogruppe  (vgl.  das  zur  Publikation  bestimmte  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts E­6220/2006  vom 27. Oktober  2011 E.  8.1).  Indes ist aufgrund der Schilderungen der Beschwerdeführers nicht davon  auszugehen, er werde aufgrund eines Engagements zugunsten der LTTE  durch die srilankischen Sicherheitskräfte gesucht. So sei er im Jahr 2003  mehrmals auf dem Schulweg festgehalten und zu allfälligen Kontakten zu  den LTTE befragt worden,  ohne  jemals  festgenommen worden  zu  sein.   Obwohl  der  Beschwerdeführer  ausführte,  im  Jahr  2004  geheiratet  zu  haben,  um  durch  die  Ausreise  seinen  Problemen  zu  entfliehen,  war  es  ihm danach offensichtlich während  zweier weiterer  Jahre möglich,  ohne  Probleme  in  Sri  Lanka  weiterzuleben.  Der  Einwand  in  der  Rechtsmitteleingabe, wonach  die  zweijährige Verzögerung  der Ausreise  nicht  vorgesehen  gewesen  sei,  vermag  daran  nichts  zu  ändern,  zumal  der  Beschwerdeführer  während  dieser  Zeit  offenbar  unbehelligt  bei  seinen  Eltern  in  Jaffna  und  anschliessend  bei  seiner  Tante  in  Mannar  lebte und weiterhin die Schule besuchte beziehungsweise  […] arbeitete.  Der Beschwerdeführer machte zwar geltend, die Schule aufgrund seiner  Probleme mit dem Militär abgebrochen zu haben. Anlässlich der direkten  Anhörung  führte  er  indes  auf  Nachfrage  aus,  er  habe  wegen  Schwierigkeiten mit den Schulfächern und seinen Mitschülern keine Lust  mehr  gehabt,  die  Schule  abzuschliessen  (vgl. A6/16  F61  ff.  S.  7  f.).  Ausserdem  ist  festzustellen,  dass  die  Schilderung  der  Zeit  nach  der  Hochzeit etliche Ungereimtheiten aufweist (vgl. A6/16 F28 und F31 S. 5,  F54  S.  7,  F64  ff.  S.  9  f.).  Andererseits  wurde  der  Beschwerdeführer,  obwohl  er  zur  Vorbereitung  seiner  Ausreise  mehrmals  nach  Colombo  gereist und dabei unterwegs  jeweils durch das Militär kontrolliert worden  sei, niemals weitergehenden Massnahmen als Kontrollen unterzogen. Die  Entgegnung  in  der  Beschwerde,  wonach  er  in  Colombo  stets  in  Begleitung von Verwandten und Freunden gewesen sei, wodurch er sich  aufgrund  derer  Ortskenntnisse  solchen  Massnahmen  habe  entziehen  können,  vermag  nicht  zu  überzeugen,  führte  er  doch  anlässlich  der  summarischen  Befragung  aus,  über  keine  Verwandten  im  Grossraum  Colombo zu verfügen  (vgl. A1/10 S. 5). Weiter  ist nicht nachvollziehbar,  dass  weder  sein  Vater  noch  seine  Geschwister  je  von  den  Sicherheitskräften  behelligt  worden  seien,  zumal  der  Beschwerdeführer  die  LTTE  angeblich  zumindest mit  seinem  Vater  zusammen  unterstützt 

D­3346/2011 hatte  und  die  Armee  seine  Eltern  auf  der  Suche  nach  dem  Beschwerdeführer  sogar  aufgesucht  habe.  Der  Einwand,  wonach  sein  zwei Jahre jüngerer Bruder damals noch sehr klein und sein Vater zu alt  für  Übergriffe  gewesen  seien,  vermag  in  keiner  Weise  zu  überzeugen.  Dem  Beschwerdeführer  gelingt  es  daher  nicht,  ein  künftiges  Verfolgungsinteresse  des  srilankischen  Staates  an  ihm  glaubhaft  zu  machen. Was  die  geltend  gemachten  anonymen Drohanrufe  bei  seinen  Eltern  anbelangt,  ist  festzustellen,  dass  dem  Beschwerdeführer  daraus  offensichtlich  nichts  Nachteiliges  widerfahren  ist.  Hinzu  kommt,  dass  solchen  Belästigungen  bereits  aufgrund  mangelnder  Intensität  kein  Verfolgungscharakter  im  Sinne  von  Art.  3  AsylG  zuzusprechen  ist.  Jedenfalls  steht  es  dem  Beschwerdeführer  frei,  sich  allfälligen  Belästigungen  durch  einen  innerstaatlichen  Wohnortwechsel  zu  entziehen,  zumal er  in seiner Rechtsmitteleingabe selber anführte, nicht  auf nationaler Ebene gesucht zu werden und er weder in Mannar noch in  Colombo je mit Schwierigkeiten konfrontiert war. Ferner suchte der Beschwerdeführer zu einem Zeitpunkt um Asyl nach, in  welchem  die  Nichtverlängerung  seiner  Aufenthaltsbewilligung  durch  die  zuständige obere kantonale Instanz bereits bestätigt und ihm in der Folge  eine  Ausreisefrist  bis  zum  31. März  2010  angesetzt  worden  war  (vgl. Bst. A).  Von  der  Absicht  des  Amtes  für  Migration  des  Kantons  C._______,  die  Aufenthaltsbewilligung  des  Beschwerdeführers  wegen  Aufgabe  des  gemeinsamen  ehelichen  Wohnsitzes  nicht  zu  verlängern,  erlangte  er  spätestens  mit  der  Ablehnung  seines  Gesuchs  um  Verlängerung  am  18. August  2009  Kenntnis.  Angesichts  der  geltend  gemachten  Gefährdung  im  Heimatstaat  wäre  die  Einreichung  eines  Asylgesuchs bereits zu diesem Zeitpunkt und nicht erst nach Ablauf der  Ausreisefrist  zu  erwarten  gewesen,  was  die  Einschätzung,  wonach  die  Verfolgungsvorbringen  des  Beschwerdeführers  nicht  glaubhaft  sind,  bestätigt. 3.2.2. Ferner macht  der  Beschwerdeführer  geltend,  er  habe  sich  in  der  Schweiz  exilpolitisch  betätigt,  weshalb  er  bei  einer  Rückkehr  in  seinen  Heimatstaat  mit  flüchtlingsrechtlich  relevanter  Verfolgung  zu  rechnen  habe.  Da  er  keine  Verfolgung  aufgrund  politischer  Tätigkeiten  im  Heimatstaat  glaubhaft  zu  machen  vermochte,  ist  nicht  davon  auszugehen,  er  habe  vor  der  Ausreise  im  Visier  der  srilankischen  Behörden  gestanden.  Entgegen  der  Befürchtungen  des  Beschwerdeführers  in  seiner  Rechtsmitteleingabe  ist  auch  nicht  davon  auszugehen, die heimatlichen Behörden hätten von seinen Aktivitäten  in 

D­3346/2011 der Schweiz Kenntnis genommen, da das Verteilen von Flugblättern und  Essen  sowie  die  blosse  Teilnahme  […]  keinesfalls  das  Ausmass  eines  Engagements  erreichen  dürften,  welches  aufgrund  seiner  staatsgefährdenden  politischen  Natur  das  Interesse  der  Behörden  wecken  könnte.  Der  Beschwerdeführer  führte  dazu  in  seiner  Rechtmitteleingabe aus, der Beweis der Kenntnisnahme sei naturgemäss  unmöglich  zu  erbringen.  Dazu  ist  festzuhalten,  dass  die  Anforderungen  an  die Glaubhaftmachung  keinen  strikten Beweis  erfordern,  sondern  es  ausreicht,  wenn  die  Behörde  ein  Vorbringen  als  überwiegend  wahrscheinlich  erachtet.  Vorliegend  erscheint  eine  Kenntnisnahme  der  srilankischen  Behörden  indes  aus  objektiven  Gründen  als  unwahrscheinlich.  Auch  die  weitere  Entgegnung,  wonach  Schweizer  Printmedien  online  in  Sri  Lanka  abrufbare  Fotos  der  Demonstrationen  veröffentlicht hätten, vermag an dieser Einschätzung nichts zu ändern, da  die  Bilder  allein  keine  Rückschlüsse  auf  die  Identität  der  fotografierten  Personen  erlauben  dürften.  Der  Beschwerdeführer  verfügt  damit  nicht  über ein ausreichendes politisches Profil, welches ihn bei einer Rückkehr  in den Heimatstaat als gefährdet erscheinen liesse. 3.3.  Zusammenfassend  ist  daher  festzustellen,  dass  der  Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 und 7 AsylG  nicht erfüllt, weshalb das Bundesamt das Asylgesuch zu Recht abgelehnt  hat. 4.  4.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit  der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 4.2. Der Beschwerdeführer  verfügt weder  über  eine  ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen, zumal das Amt für Migration des Kantons C._______ den Antrag  auf  Verlängerung  seiner  Aufenthaltsbewilligung  am  18. August  2008  abwies  und  diese  Verfügung  mit  Entscheid  des  Justiz­  und  Sicherheitsdepartements  vom  2.  Februar  2010  in  Rechtskraft  erwuchs  (vgl. Bst. A). Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art.  44 Abs. 1 AsylG; vgl. BVGE 2009/50 E. 9). 5. 

D­3346/2011 5.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder  nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  (Art.  44  Abs.  2  AsylG;  Art.  83  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember  2005 über  die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG,  SR 142.20]). Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt  gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  seiner  Vorgängerorganisation  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte  Beweis  möglich  ist,  und  andernfalls  wenigstens  glaubhaft  zu  machen  (vgl. WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser,  Ausländerrecht, 2. Auflage, Basel 2009, Rz. 11.148). 5.2. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen  der  Schweiz  einer Weiterreise  der  Ausländerin  oder  des  Ausländers  in  den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat  entgegenstehen  (Art.  83  Abs. 3 AuG). So  darf  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus  einem  Grund  nach  Art.  3  Abs.  1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art.  5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli  1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Da  es  dem  Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung  nachzuweisen  oder  glaubhaft  zu  machen,  kann  das  in  Art.  5  AsylG  verankerte  Prinzip  des  flüchtlingsrechtlichen  Non­ Refoulements  im vorliegenden Verfahren keine Anwendung  finden. Eine  Rückkehr des Beschwerdeführers nach Sri Lanka ist demnach unter dem  Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers  noch  aus  den  Akten  Anhaltspunkte  dafür,  dass  er  für  den  Fall  einer  Ausschaffung  nach  Sri  Lanka  dort  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  einer  nach Art.  3  der Konvention  vom 4. November  1950  zum Schutze  der Menschenrechte und Grundfreiheiten  (EMRK, SR 0.101) oder Art. 1  des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe 

D­3346/2011 (FoK,  SR  0.105)  verbotenen  Strafe  oder  Behandlung  ausgesetzt  wäre.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen  Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (Europäische Gerichtshof  für Menschenrechte  [EGMR])  sowie  jener des  UN­Anti­Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer  eine konkrete  Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall  einer  Rückschiebung  Folter  oder  unmenschliche  Behandlung  drohen  würde (vgl. EGMR, [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28.  Februar  2008,  Beschwerde  Nr. 37201/06,  §§  124­127,  mit  weiteren  Hinweisen).  Dies  ist  ihm  nach  den  vorstehenden  Erwägungen  nicht  gelungen.  Auch  die  allgemeine  Menschenrechtssituation  in  Sri  Lanka  lässt  den  Wegweisungsvollzug  zum  heutigen  Zeitpunkt  nicht  als  unzulässig  erscheinen.  Nach  dem  Gesagten  ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  sowohl  im  Sinne  der  asyl­  als  auch  der  völkerrechtlichen  Bestimmungen zulässig. 5.3. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und  Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat­ oder Herkunftsstaat auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter Vorbehalt  von Art.  83 Abs.  7 AuG –  die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 5.3.1.  Das  BFM  führte  in  seiner  Verfügung  zur  Zumutbarkeit  der  Wegweisung im Wesentlichen aus, es sei nach eingehender Überprüfung  der  Entwicklung  der  Lage  in  Sri  Lanka  zum  Schluss  gekommen,  dass  sich  die  allgemeine  Sicherheitslage  in  Sri  Lanka  seit  dem  Ende  des  Bürgerkriegs im Mai 2009 deutlich entspannt habe. Auch hätten sich die  Lebensbedingungen soweit verbessert, dass eine Rückkehr auch  in den  Norden  und  Osten  Sri  Lankas  –  mit  Ausnahme  des  Vanni­Gebietes –  grundsätzlich  wieder  zumutbar  sei.  Trotz  regionaler  Unterscheide  herrsche  insbesondere  auf  der  Halbinsel  von  Jaffna  –  woher  der  Beschwerdeführer  ursprünglich  stamme  –  weitgehend  ein  normales  Alltagsleben. Da somit weder die allgemeine Lage im Jaffna­Distrikt noch  persönliche Gründe gegen einen Wegweisungsvollzug sprechen würden,  sei  die  Rückkehr  in  den  Heimatstaat  zumutbar.  Zudem  verfüge  der  Beschwerdeführer  über  eine  gute  Schulbildung  sowie  ein  soziales  und  familiäres Beziehungsnetz im Heimatland. 5.3.2.  Der Beschwerdeführer entgegnete dem in seiner Beschwerde, das  BFM  stütze  sich  bei  seiner  Lagebeurteilung  auf  nicht  mehr  aktuelle  Quellen. Entgegen der dort vertretenen Ansicht habe sich die Situation für 

D­3346/2011 die  tamilische  Bevölkerung  und  insbesondere  für  mutmassliche  LTTE­ Sympathisanten  nicht  verbessert.  Die  aktuelle  Sicherheits­  und  Menschenrechtslage  sei  vor  allem  im  Norden  und  Osten  des  Landes  noch  klar  ungenügend,  um  einen Wegweisungsvollzug  zu  ermöglichen.  Eine pauschale Beurteilung – wie sie die Vorinstanz vorgenommen habe  – berge  naturgemäss  eine  ungleich  grössere  Gefahr  einer  Fehlbeurteilung als eine Einzelfallprüfung, weshalb die Wegweisung nur  vollzogen  werden  dürfe,  wenn  die  Unzumutbarkeit  eindeutig  ausgeschlossen  werden  könne,  was  vorliegend  bereits  aufgrund  der  allgemeinen Situation  in Sri Lanka nicht der Fall sei.  In Bezug auf seine  individuellen  Verhältnisse  verkenne  das  BFM,  dass  der  Beschwerdeführer nur noch wenige Kontakte aufrecht erhalte. Da seine  Eltern  und  seine  Geschwister  nicht  in  der  Lage  seien,  ihren  Lebensunterhalt  selbstständig  zu  bestreiten,  seien  die  wirtschaftlichen  Rahmenbedingungen  für  eine  adäquate  Reintegration  nicht  gegeben.  Obwohl  seine  Tante  ihn  vor  der  Ausreise  bei  sich  aufgenommen  habe,  sei ausgeschlossen, dass sie ein weiteres Mal ein derartiges Risiko auf  sich nehme würde. Zudem komme sie bereits für seine Familie im Vanni­ Gebiet auf. 5.3.3.  In Bezug auf die allgemeine Lage  in Sri  Lanka kann auf die vom  Bundesverwaltungsgericht vorgenommene Einschätzung der Situation im  vor  Kurzem  ergangenen,  zur  Publikation  bestimmten  Grundsatzurteil  verwiesen  werden  (vgl.  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  E­6220/2006  vom  27.  Oktober  2011),  welche  im  Wesentlichen  mit  der  Praxis der Vorinstanz übereinstimmt. Demzufolge  ist seit dem Ende des  bewaffneten Konflikts  zwischen  der  srilankischen Armee  und  den  LTTE  im  Mai  2009  von  einer  erheblich  verbesserten  Menschenrechts­  und  Sicherheitslage  auszugehen,  wobei  sich  die  Situation  nicht  in  allen  Landesteilen  gleich  präsentiert.  Da  sich  die  Lage  in  der  Ostprovinz  weitgehend stabilisiert und normalisiert hat, wird der Wegweisungsvollzug  in  das  gesamte Gebiet  der Provinz  grundsätzlich  als  zumutbar  erachtet  (vgl. a.a.O.  E. 13.1).  Die  Lage  in  der  Nordprovinz  ist  hingegen  differenziert  einzuschätzen, da sich die Situation dort  gebietsweise sehr  unterschiedlich  gestaltet.  In  den Gebieten,  die  bereits  seit  längerer  Zeit  unter  Regierungskontrolle  stehen  –  namentlich  die  Distrikte  Jaffna  und  die  südlichen Teile der Distrikte Vavuniya und Mannar – herrscht heute  weder  eine  Situation  allgemeiner  Gewalt  noch  ist  die  politische  Lage  dermassen  angespannt,  dass  eine  Rückkehr  dorthin  als  generell  unzumutbar eigestuft werden müsste (vgl. a.a.O. E. 13.2). Angesichts der  nach  wie  vor  fragilen  Lage  drängt  sich  aber  eine  sorgfältige, 

D­3346/2011 zurückhaltende  Beurteilung  der  individuellen  Zumutbarkeitskriterien  auf,  wobei nebst der allgemeinen Zumutbarkeit auch dem zeitlichen Element  gebührend Rechnung zu tragen ist. Ein Wegweisungsvollzug ist demnach  für Personen, welche die betreffenden Gebiete erst nach Beendigung des  Bürgerkrieges  im  Mai  2009  verlassen  haben,  grundsätzlich  zumutbar,  sofern  sie  dort  auf  eine  zumindest  gleichwertige Wohnsituation  wie  vor  der  Ausreise  zurückgreifen  können  (vgl.  a.a.O.  E. 13.2.1.1).  Liegt  der  Aufenthalt  indessen  längere  Zeit  zurück  oder  geht  aus  den  Verfahrensakten  hervor,  dass  sich  die  Lebensumstände  massgeblich  verändert  haben  könnten,  sind  die  aktuell  vorliegenden  Lebens­  und  Wohnverhältnisse  sorgfältig  abzuklären  und  auf  die  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  hin  zu  prüfen  (vgl.  a.a.O.  E. 13.2.1.2).  In  das  sogenannten  "Vanni­Gebiet"  hingegen,  welches  die  Distrikte  Kilinochchi  und  Mullaitivu  (samt  diesen  beiden  Städten),  die  nördlichen  Teile  der  Distrikte Mannar und Vavuniya sowie einen schmalen Landstreifen an der  Ostküste  des  Jaffna­Distrikts  umfasst,  ist  eine  Rückkehr  aufgrund  der  aktuellen  Lage  –  namentlich  aufgrund  der  weitgehend  zerstörten  Infrastruktur und der Verminung – weiterhin als unzumutbar einzustufen  (vgl.  a.a.O.  E. 13.2.2).  In  das  übrige  Staatsgebiet  Sri  Lankas  ist  der  Wegweisungsvollzug  indessen  grundsätzlich  zumutbar  (vgl.  a.a.O.  E.  13.3). Der  Beschwerdeführer  stammt  eigenen  Angaben  zufolge  aus  Jaffna,  wobei er sich im Jahr 2005 nach Mannar begab und im Jahr 2006 aus Sri  Lanka  ausreiste.  Bei  dieser  Sachlage  stellt  sich  die  Frage,  ob  dem  Beschwerdeführer  eine  Rückkehr  in  die  Nordprovinz  aufgrund  einer  individuellen Prüfung  der Verhältnisse  zuzumuten  ist. Die Bejahung  der  Zumutbarkeit  einer  Rückkehr  in  die  Nordprovinz  –  mit  Ausnahme  des  Vanni­Gebiets  –  setzt  insbesondere  die  Existenz  eines  tragfähigen  Beziehungsnetzes,  die  konkrete  Möglichkeit  der  Sicherung  des  Existenzminimums  sowie  eine  gesicherte  Wohnsituation  voraus  (vgl.  a.a.O.  E. 13.2.1.2).  Solche  begünstigenden  Faktoren  liegen  im  Fall  des  Beschwerdeführers vor. Der junge und – soweit aus den Akten ersichtlich  – gesunde  Beschwerdeführer  lebte  über  zwanzig  Jahre  in  seiner  Heimatstadt Jaffna, wo er die Schule bis zum O­Level abschloss. Zudem  verfügt  er  durch die Arbeit  […]  in Mannar  und die Erwerbstätigkeiten  in  der  Schweiz  über  eine  gewisse  Arbeitserfahrung,  welche  sich  auf  ein  Reintegration  im  Heimatort  begünstigend  auswirken  dürfte.  Da  seine  Tante in Mannar […] besitzt und offenbar in der Lage ist, der Familie des  Beschwerdeführers finanziell unter die Arme zu greifen, ist entgegen den  Ausführungen  in der Rechtsmitteleingabe davon auszugehen, sie werde 

D­3346/2011 auch  den  Beschwerdeführer  bei  einer  Rückkehr  unterstützen.  Daneben  steht es dem Beschwerdeführer  frei, sich  in Mannar niederzulassen, wo  er  bereits  während  ungefähr  eines  Jahres  unbehelligt  bei  seiner  Tante  lebte  und  arbeitete.  Da  er  keine  asylrelevante  Verfolgung  glaubhaft  zu  machen  vermochte,  entbehrt  das  Beschwerdevorbringen,  wonach  das  Risiko einer erneuten Aufnahme des Beschwerdeführers für seine Tante  untragbar sei, jeglicher Grundlage. Es ist daher davon auszugehen, dass  es dem Beschwerdeführer möglich ist, sich im Heimatstaat eine Existenz  aufzubauen,  weshalb  sich  der  Vollzug  der  Wegweisung  auch  als  zumutbar erweist. 5.4.  Schliesslich  obliegt  es  dem  Beschwerdeführer,  sich  bei  der  zuständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr  notwendigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  (Art.  8  Abs.  4  AsylG),  weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist  (Art. 83 Abs. 2 AuG). 5.5. Zusammenfassend  hat  die  Vorinstanz  den Wegweisungsvollzug  zu  Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten  fällt  eine Anordnung der  vorläufigen Aufnahme ausser Betracht  (Art.  83  Abs. 1 ­ 4 AuG). 6.  6.1.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt  richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die  Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 6.2.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  wären  die  Kosten  dem  Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG). Da ihm mit  Zwischenverfügung  vom  6.  Juli  2011  –  unter  Voraussetzung  der  Einreichung  eines  Bedürftigkeitsnachweises  –  die  unentgeltliche  Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gewährt wurde und die  Fürsorgebestätigung fristgerecht beim Bundesverwaltungsgericht einging,  sind keine Verfahrenskosten aufzuerlegen. (Dispositiv nächste Seite)

D­3346/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Bendicht Tellenbach Nina Hadorn Versand:

D-3346/2011 — Bundesverwaltungsgericht 06.01.2012 D-3346/2011 — Swissrulings