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Bundesverwaltungsgericht 25.01.2012 D-308/2012

January 25, 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,480 words·~7 min·2

Summary

Nichteintreten auf Asylgesuch (erneutes Asylverfahren Schweiz) und Wegweisung | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 5. Januar 2012

Full text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­308/2012 Urteil   v om   2 5 .   J a nua r   2012 Besetzung Einzelrichter Robert Galliker, mit Zustimmung von Richter Bendicht Tellenbach; Gerichtsschreiber Matthias Jaggi. Parteien A._______, geboren (…), Türkei, vertreten durch Peter Frei, Rechtsanwalt,  Advokaturbüro Kernstrasse,  (…), Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz.  Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung;  Verfügung des BFM vom 5. Januar 2012 / N (…).

D­308/2012 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,  dass der Beschwerdeführer, ein  türkischer Staatsangehöriger kurdischer  Ethnie  aus  der  Provinz  B._______,  am  18.  Dezember  2005  in  der  Schweiz  erstmals  um  Asyl  nachsuchte  und  dabei  im  Wesentlichen  geltend  machte,  er  stamme  aus  einer  Grossfamilie,  aus  welcher  sich  zahlreiche  Mitglieder  für  die  kurdische  Sache  eingesetzt  sowie  die  Kurdische Arbeiterpartei (PKK) unterstützt hätten,  dass er selbst Mitglied der Demokratischen Volkspartei (DEHAP) sei,  dass er während seiner Studienzeit des Öfteren mit Angehörigen der PKK  in Kontakt gekommen sei,  dass  er  am  18.  November  2005  zwei  PKK­Angehörige  bei  sich  habe  übernachten lassen,  dass am folgenden Tag einer dieser PKK­Angehörigen verhaftet worden  sei,  woraufhin  seine  Wohnung  von  Zivilpolizisten  gestürmt  und  durchsucht worden sei,  dass  in  der Folge nach  ihm gesucht worden  sei, weswegen er  sich  zur  Flucht entschlossen habe und in die Schweiz gereist sei,  dass das BFM mit Verfügung vom 17. Januar 2006 das Nichterfüllen der  Flüchtlingseigenschaft  des  Beschwerdeführers  feststellte,  das  Asylgesuch  ablehnte  und  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  sowie  den  Vollzug anordnete,  dass  die  (vormalige)  Schweizerische  Asylrekurskommission  (ARK)  mit  Urteil  vom  21.  März  2006  die  gegen  diese  Verfügung  am  16.  Februar  2006 erhobene Beschwerde abwies,  dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 19. April 2006 um Revision  des  Beschwerdeurteils  ersuchte,  wobei  er  unter  anderem  ein  von  zahlreichen  anerkannten  Flüchtlingen  aus  B._______  unterzeichnetes  Referenzschreiben einreichte,  dass  ihm die ARK mit  Instruktionsverfügung vom 28. April 2006  für den  Fall  eines  Rückzugs  des  Revisionsgesuchs  eine  Verfahrenserledigung  ohne  Kostenauflage  und  die  Überweisung  der  Akten  an  das  BFM  zur  Prüfung unter dem Gerichtspunkt eines zweiten Asylgesuchs in Aussicht  stellte, 

D­308/2012 dass  der  Beschwerdeführer  mit  Schreiben  vom  15.  Mai  2006  das  Revisionsgesuch zurückzog, worauf mit Beschluss der ARK vom 17. Mai  2006 das Verfahren als gegenstandslos geworden abgeschrieben wurde,  dass  das  BFM  das  zweite  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  per  22. Mai 2006 registrierte und diesen am 12. Juli 2006 zu den Asylgründen  anhörte,  dass  der  Beschwerdeführer  dabei  im Wesentlichen  geltend  machte,  er  werde  zu  Hause  immer  noch  von  den  türkischen  Sicherheitskräften  gesucht,  dass er zudem erneut darauf hinwies, dass sich viele seiner Verwandten  am kurdischen Freiheitskampf beteiligt hätten und sich durch Flucht aus  der Heimat im Ausland hätten in Sicherheit bringen müssen,  dass das BFM mit Verfügung vom 10. August 2009 das Nichterfüllen der  Flüchtlingseigenschaft  des  Beschwerdeführers  feststellte,  das  Asylgesuch  ablehnte  und  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  sowie  den  Vollzug anordnete,  dass  der  Beschwerdeführer  am  11.  September  2009  gegen  diesen  Entscheid Beschwerde erhob und dabei  zusätzlich  geltend machte,  ihm  stehe  nächstens  die  Leistung  des  Militärdienstes  bevor,  den  er  jedoch  nicht machen wolle,  dass  mit  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  D­5760/2009  vom  15. März  2011  die  gegen  diese  Verfügung  erhobene  Beschwerde  vollumfänglich abgewiesen wurde,  dass  der  Beschwerdeführer  –  handelnd  durch  seinen  Rechtsvertreter –  mit  Eingabe  vom  22.  Dezember  2011  in  der  Schweiz  ein  weiteres  Asylgesuch stellte,  dass  er  zur  Begründung  dieses  Gesuchs  im  Wesentlichen  die  in  den  früheren Verfahren vorgebrachten Asylgründe geltend machte,  dass  er  zudem  vorbrachte,  die  türkischen  Behörden  würden  weiterhin  nach ihm suchen und gingen davon aus, dass er sich in den Bergen bei  der Guerilla der PKK aufhalte,

D­308/2012 dass  ihm vor  diesem Hintergrund  im Falle  einer Rückkehr  in  die Türkei  ernsthafte  Nachteile  im Sinne  von  Art.  3  Abs.  1  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) drohten,  dass  der  Beschwerdeführer  zur  Unterstützung  seines  Asylgesuchs  die  folgenden  neuen  Beweismittel  einreichte:  Zwei  Auszüge  aus  dem  Familienregister vom 23. September 2011 (inklusive teilweiser deutscher  Übersetzung),  auf  denen  vermerkt  ist,  dass  er  von  der  Gendarmerie  gesucht wird; ein "Protokoll" des Dorfvorstehers von C._______ vom 30.  September  2011  (inklusive  deutscher  Übersetzung),  wonach  die  Gendarmerie  nach  dem  Beschwerdeführer  suche;  ein  Bestätigungsschreiben  von  D._______,  dem  Präsidenten  der  Sektion  B._______ der Partei des Friedens und der Demokratie  (BDP), vom 25.  Oktober  2011  (inklusive  deutscher  Übersetzung),  in  welchem  geltend  gemacht wird,  der Beschwerdeführer  habe  sich  in  der  Jugendpartei  der  BDP  aktiv  betätigt;  ein  Bestätigungsschreiben  von  E._______,  dem  Familienanwalt des Beschwerdeführers, vom 28. Oktober 2011 (inklusive  deutscher Übersetzung); sowie ein Internetartikel,  dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 3. Januar 2012 dem BFM  ein  Bestätigungsschreiben  der  (…)  in  der  Schweiz  vom  23.  Dezember  2011  einreichen  liess,  verbunden  mit  der  Bitte,  dieses  Schreiben  im  Zusammenhang mit  seinen  exilpolitischen Aktivitäten  in  der Schweiz  zu  berücksichtigen,  dass  das  BFM  mit  Verfügung  vom  5.  Januar  2012  –  eröffnet  am  11.  Januar  2012  –  in  Anwendung  von Art.  32 Abs.  2  Bst.  e  AsylG  auf  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  nicht  eintrat,  dessen  Wegweisung  aus  der  Schweiz  verfügte,  den  Vollzug  als  zulässig,  zumutbar  und  möglich erachtete, sowie eine Gebühr von Fr. 600.– erhob, dass  das  BFM  zur  Begründung  dieses  Entscheides  im  Wesentlichen  anführte,  die  beiden  ersten  vom  Beschwerdeführer  eingeleiteten  Asylverfahren seien beide rechtskräftig abgeschlossen,  dass die Ereignisse, welche der Beschwerdeführer für den Zeitraum nach  dem Abschluss dieser Verfahren geltend mache, weder  geeignet  seien,  die  Flüchtlingseigenschaft  zu  begründen,  noch  für  die  Gewährung  vorübergehenden Schutzes relevant seien,  dass  sich  der  Beschwerdeführer  im  Rahmen  seines  nun  dritten  Asylverfahrens  in  der  Schweiz  auf  seine  alten  Asylgründe  berufe  und 

D­308/2012 geltend  mache,  er  sei  immer  noch  politisch  verfolgt  und  werde  immer  noch gesucht,  dass  er  bereits  zwei  Asylverfahren  erfolglos  durchlaufen  habe  und  aus  der  Schweiz  weggewiesen  worden  sei,  wobei  man  rechtskräftig  festgestellt  habe,  dass  seine Asylgründe weder  relevant  noch  glaubhaft  seien,  weshalb  es  offensichtlich  nicht  zutreffen  könne,  dass  er  wegen  seiner ursprünglichen Gründe immer noch verfolgt und gesucht werde,  dass  es  zudem  überhaupt  nicht  plausibel  sei,  dass  die  Behörden  über  einen derart  langen Zeitraum immer wieder erfolglos bei der Familie des  Beschwerdeführers  vorsprächen,  zumal  diese den Behörden gegenüber  immer  wieder  wissen  lasse,  dass  der  Beschwerdeführer  nicht  mehr  im  Land sei,  dass  er  in  seinem  Asylgesuch  vom  22.  Dezember  2011  diesbezüglich  angeführt  habe,  die  Behörden  könnten  dies  nicht  glauben  und  gingen  davon aus, er befinde sich bei der PKK in den Bergen,  dass dieser Erklärungsversuch die ständige Nachfrage noch unplausibler  mache,  da  die  Behörden  nicht  immer  wieder  zu  Hause  nach  dem  Beschwerdeführer  fragen würden, gingen sie  tatsächlich davon aus, der  Beschwerdeführer befinde sich in den Bergen,  dass  anzunehmen  sei,  dass  ein  Strafverfahren  gegen  den  Beschwerdeführer  eingeleitet  worden wäre, würde  er  tatsächlich wegen  der Beherbergung von PKK­Angehörigen gesucht,  dass er daher in der Lage sein müsste, beispielsweise durch Vermittlung  seines Familienanwalts, die Hintergründe der angeblichen Fahndung und  den Stand des Strafverfahrens zu schildern,  dass  in  den  neuen  Beweismitteln  jedoch  nur  unspezifisch  von  einer  Suche durch die Gendarmerie die Rede sei, woraus geschlossen werden  könne,  dass  diese  mit  dem  noch  nicht  geleisteten  Militärdienst  des  Beschwerdeführers in Zusammenhang stehe,  dass  im  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom  15.  März  2011  dargelegt  worden  sei,  dass  eine  Bestrafung  wegen  Militärdienstverweigerung in der Türkei nicht asylrelevant sei,  dass  es  zudem  ausgesprochen  unüblich  sei,  das  in  Familienregisterauszügen neueren Datums – wie  im vorliegenden Fall – 

D­308/2012 noch Suchvermerke angebracht würden, wodurch der Verdacht entstehe,  dass der Familienregisterauszug manipuliert worden sei,  dass  bezüglich  der  weiteren  Sachverhalte,  die  mit  den  neuen  Beweismitteln  belegt  sein  sollten,  vollumfänglich  auf  die  früheren  Verfügungen  des  BFM  und  Urteile  der  ARK  beziehungsweise  des  Bundesverwaltungsgerichts verwiesen werden könne,  dass  zusammenfassend  festgehalten  werden  könne,  dass  die  vom  Beschwerdeführer geschilderten Asylgründe offensichtlich nicht zuträfen,  respektive für die Flüchtlingseigenschaft nicht relevant seien,  dass sich somit aus den Akten keine Hinweise darauf ergäben, dass nach  Abschluss  des  ersten  Verfahrens  Ereignisse  eingetreten  seien,  die  geeignet seien, die Flüchtlingseigenschaft zu begründen, oder die für die  Gewährung vorübergehenden Schutzes relevant seien,  dass der Vollzug der Wegweisung zulässig, zumutbar und möglich sei,  dass  für  die  weitere  Begründung  auf  die  vorinstanzliche  Verfügung  zu  verweisen ist, dass  der  Beschwerdeführer  –  handelnd  durch  seinen  Rechtsvertreter –  mit  Eingabe  vom  17.  Januar  2012  gegen  diesen  Entscheid  beim  Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erhob und dabei beantragte, die  angefochtene  Verfügung  sei  aufzuheben  und  die  Sache  sei  zur  Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen,  dass  eventualiter  festzustellen  sei,  dass  seine  Wegweisung  in  sein  Heimatland unzumutbar sei,  dass  er  in  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  um  Bewilligung  der  unentgeltlichen Rechtspflege sowie um Beiordnung eines unentgeltlichen  Rechtsbeistandes in der Person des unterzeichnenden Anwalts ersuchte,  dass in Bezug auf die Beschwerdebegründung auf die Rechtsmittelschrift  zu verweisen ist,  dass  die  vorinstanzlichen  Akten  am  20.  Januar  2012  beim  Bundesverwaltungsgericht eintrafen (Art. 109 Abs. 2 AsylG), 

D­308/2012 und zieht in Erwägung,  dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig  über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 des Bundesgesetzes vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR 172.021])  des  BFM  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art. 31 – 33  des Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 17. Juni  2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass eine solche Ausnahme nicht vorliegt,  dass  sich  das  Verfahren  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG  richtet, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art.  6 AsylG), dass  der  Beschwerdeführer  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders berührt ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung  beziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde legitimiert ist (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48  Abs. 1 VwVG), dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  einzutreten  ist  (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 105 AsylG  i.V.m. Art. 37  VGG und Art. 52 VwVG),  dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  entschieden  wird  (Art.  111  Bst.  e  AsylG)  und  es  sich  vorliegend,  wie  nachfolgend  aufgezeigt,  um  eine  solche  handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG), dass  gestützt  auf  Art.  111a  Abs.  1  AsylG  vorliegend  auf  einen  Schriftenwechsel verzichtet wurde, dass  bei  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide,  mit  denen  es  das  BFM  der  Form  nach  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine 

D­308/2012 Begründetheit hin zu überprüfen (Art. 32­35 und Art. 35a Abs. 2 AsylG),  die Beurteilungskompetenz der Beschwerdeinstanz grundsätzlich auf die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die  Vorinstanz  zu  Recht  auf  das  Asylgesuch  nicht eingetreten ist, dass  dementsprechend  die  Beschwerdeinstanz,  erachtet  sie  das  Nichteintreten  auf  das  Asylgesuch  als  unrechtmässig,  sich  einer  selbständigen  materiellen  Prüfung  zu  enthalten,  die  angefochtene  Nichteintretensverfügung  aufzuheben  und  die  Sache  zu  neuer  Entscheidung an die Vorinstanz  zurückzuweisen hat  (vgl. BVGE 2007/8  E. 2.1), dass  die  Vorinstanz  demgegenüber  die  Frage  der  Wegweisung  sowie  deren  Vollzugs  materiell  geprüft  hat,  weshalb  dem  Bundesverwaltungsgericht einzig diesbezüglich volle Kognition zukommt, dass  auf  ein  Asylgesuch  nicht  eingetreten  wird,  wenn  Asylsuchende  in  der Schweiz bereits  ein Asylverfahren erfolglos  durchlaufen haben oder  während  des  hängigen  Asylverfahrens  in  den  Heimat­  oder  Herkunftsstaat zurückgekehrt sind, ausser es gebe Hinweise, dass in der  Zwischenzeit  Ereignisse  eingetreten  sind,  die  geeignet  sind,  die  Flüchtlingseigenschaft  zu  begründen,  oder  die  für  die  Gewährung  vorübergehenden Schutzes relevant sind (Art. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG), dass der Nichteintretensgrund von Art. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG somit ein  formelles  (früheres  Asylverfahren)  und  ein  materielles  Erfordernis  (fehlende Hinweise) enthält, welche im Einzelfall beide gleichzeitig erfüllt  sein müssen, dass  im  Falle  des  Beschwerdeführers  das  formelle  Erfordernis  in  Form  der  ersten  Variante  des  in  der  Schweiz  erfolglos  durchlaufenen  Asylverfahrens offensichtlich erfüllt  ist, da er  in der Schweiz bereits zwei  Asylverfahren  erfolglos  durchlaufen  hat,  in  welchen  nach  einer  abschliessenden  materiellen  Prüfung  das  Nichterfüllen  der  Flüchtlingseigenschaft  im  Sinne  der  Definition  von  Art.  3  AsylG  festgestellt wurde (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der [vormaligen]  Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1998 Nr. 1 S. 5 ff.), dass das BFM in der angefochtenen Verfügung ebenso offensichtlich zu  Recht  ein  Fehlen  von  Hinweisen  auf  seit  dem  Abschluss  des  zweiten  Asylverfahrens  eingetretene  bedeutsame  Ereignisse  (materielles  Erfordernis) festgestellt hat, 

D­308/2012 dass zur Erläuterung dessen vorab auf die zutreffenden Erwägungen des  BFM  in  der  angefochtenen  Verfügung  (vgl.  ebenda,  Ziff.  I  S.  3  f.)  zu  verweisen  ist,  zumal  die  dort  festgehaltenen  Argumente  durch  die  Ausführungen in der Beschwerde nicht entkräftet werden,  dass  insbesondere  die  Behauptung  des  Beschwerdeführers,  er  sei  den  Behörden  als  kurdischer  Aktivist  bekannt,  nicht  geglaubt  werden  kann,  zumal  das  Bundesverwaltungsgericht  im  Urteil  D­5760/2009  vom  15. März 2011 feststellte, die auf eine angebliche Unterstützung der PKK  beruhenden  Verfolgungsvorbringen  des  Beschwerdeführers  erwiesen  sich als unglaubhaft (vgl. a.a.O. E. 4.1),  dass  bezüglich  der  Behauptung  des  Beschwerdeführers  in  der  Rechtsmittelschrift,  wonach  er  seit  seiner  Einreise  in  die  Schweiz  im  Dezember 2005 ununterbrochen in besonders aktiver und engagierter Art  exilpolitisch  gegen  die  türkische  Regierung  aktiv  gewesen  sei,  festzuhalten  ist,  dass  das  Bundesverwaltungsgericht  im  Urteil  vom  15.  März  2011  erwog,  dass  die  vom  Beschwerdeführer  geltend  gemachten  exilpolitischen  Aktivitäten  nicht  geeignet  seien,  eine  flüchtlingsrelevante  Verfolgungsfurcht zu begründen (vgl. a.a.O. E. 4.4). dass sich aus den Akten keine Hinweise darauf ergeben, dass sich der  Beschwerdeführer in der Zwischenzeit in einer Art und Weise exilpolitisch  betätigt hat, die geeignet ist, seine Flüchtlingseigenschaft zu begründen,  dass  an  dieser  Einschätzung  auch  das  eingereichte  Bestätigungsschreiben der  (…)  in der Schweiz vom 23. Dezember 2011  nichts  zu  ändern  vermag,  zumal  darin  die  vom  Beschwerdeführer  angeblich ausgeübte exilpolitische Tätigkeit in keiner Weise konkretisiert,  sondern lediglich festgehalten wird, er sei Mitglied des Vereins und habe  an politischen Aktivitäten immer aktiv teilgenommen,  dass  es  zudem  nicht  auszuschliessen  ist,  dass  es  sich  bei  diesem  Schreiben lediglich um ein Gefälligkeitsschreiben handelt,  dass das BFM demnach zu Recht gestützt auf Art. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG  auf  das  dritte  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  vom  22.  Dezember  2011 nicht eingetreten ist, dass das Nichteintreten auf ein Asylgesuch in der Regel die Wegweisung  aus  der  Schweiz  zur  Folge  hat  (Art.  44  Abs.  1  AsylG),  vorliegend  der  Kanton keine Aufenthaltsbewilligung erteilt hat und zudem kein Anspruch 

D­308/2012 auf Erteilung einer solchen besteht, weshalb die verfügte Wegweisung im  Einklang  mit  den  gesetzlichen  Bestimmungen  steht  und  demnach  vom  Bundesamt zu Recht angeordnet wurde (vgl. BVGE 2009/50 E. 9), dass das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  regelt,  wenn  der  Vollzug  der Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar  oder  nicht  möglich  ist  (Art.  44  Abs.  2  AsylG;  Art.  83  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und  Ausländer [AuG, SR 142.20]), dass  bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  der  vormaligen  Schweizerischen  Asylrekurskommission  (ARK)  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft  gilt,  dass  heisst,  sie  sind  zu  beweisen, wenn  der  strikte  Beweis möglich  ist,  und  andernfalls  wenigstens  glaubhaft  zu  machen  (vgl.  WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser,  Ausländerrecht,  2.  Aufl.,  Basel  2009,  Rz. 11.148), dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zulässig  ist,  wenn  völkerrechtliche  Verpflichtungen  der  Schweiz  einer  Weiterreise  der  Ausländerin oder des Ausländers  in den Heimat­, Herkunfts­ oder einen  Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG), dass  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen werden darf, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus  einem  Grund  nach  Art.  3  Abs.  1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art.  5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli  1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]), dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  vorliegend  in  Beachtung  dieser  massgeblichen völker­ und landesrechtlichen Bestimmungen zulässig ist,  da  der  Beschwerdeführer  keine  Hinweise  auf  Ereignisse  im  Sinne  von  Art. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG darzulegen vermag, welche geeignet wären,  seine Flüchtlingseigenschaft zu begründen, und keine Anhaltspunkte  für  eine  menschenrechtswidrige  Behandlung  im  Sinne  von  Art.  3  der  Konvention  vom  4.  November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR  0.101)  ersichtlich  sind,  die  ihm  in  der  Türkei droht, 

D­308/2012 dass sich der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer als unzumutbar  erweist,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer  Notlage konkret gefährdet sind (Art. 83 Abs. 4 AuG), dass weder die allgemeine Lage  in der Türkei noch  individuelle Gründe  auf  eine  konkrete  Gefährdung  im  Falle  einer  Rückkehr  des  Beschwerdeführers  schliessen  lassen,  weshalb  der  Vollzug  der  Wegweisung  vorliegend  zumutbar  ist  (vgl.  dazu  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  D­5760/2009 vom 15. März 2011 E. 6.3),  dass auch die diesbezüglichen Vorbringen  in der Beschwerde  (vgl. S. 9  f.) an dieser Einschätzung nichts zu ändern vermögen, dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  des  Beschwerdeführers  in  den  Heimatstaat  schliesslich  möglich  ist,  da  keine  Vollzugshindernisse  bestehen (Art. 83 Abs. 2 AuG), und es dem Beschwerdeführer obliegt, bei  der Beschaffung gültiger Reisepapiere mitzuwirken (Art. 8 Abs. 4 AsylG,  BVGE 2008/34 E. 12.),  dass  nach  dem  Gesagten  der  vom  Bundesamt  verfügte  Vollzug  der  Wegweisung in die Türkei zu bestätigen ist, dass  es  dem  Beschwerdeführer  demnach  nicht  gelungen  ist  darzutun,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den  rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig  feststellt oder  unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen  ist, dass  das  mit  der  Beschwerde  gestellte  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  gemäss  Art.  65  Abs.  1  und  2  VwVG  abzuweisen  ist,  da  die  Begehren  –  wie  sich  aus  den  vorliegenden  Erwägungen ergibt – als aussichtslos zu bezeichnen waren, weshalb die  kumulativen  Voraussetzungen  für  die  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege nicht erfüllt sind,  dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr.  600.–  (Art. 1­3  des  Reglements  vom  21.  Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgerichts  [VGKE,  SR 173.320.2]) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1  und 5 VwVG). 

D­308/2012 (Dispositiv nächste Seite)

D­308/2012 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  gemäss  Art. 65 Abs. 1 und 2 VwVG wird abgewiesen. 3.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  600.­­  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Robert Galliker Matthias Jaggi Versand:

D-308/2012 — Bundesverwaltungsgericht 25.01.2012 D-308/2012 — Swissrulings