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Bundesverwaltungsgericht 29.07.2011 D-2006/2011

July 29, 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·5,820 words·~29 min·4

Summary

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 24. Februar 2011

Full text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­2006/2011/wif Urteil   v om   2 9 .   Juli   2011 Besetzung Richter Hans Schürch (Vorsitz), Richterin Gabriela Freihofer, Richter Bendicht Tellenbach; Gerichtsschreiberin Anna Dürmüller Leibundgut. Parteien A._______, geboren am _______, Staatsangehörigkeit unbekannt (angeblich Bhutan), vertreten durch Gabriel Püntener, Rechtsanwalt, _______, Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 24. Februar 2011 / N _______.

D­2006/2011 Sachverhalt: A.  A.a.  Der  Beschwerdeführer,  angeblich  ein  Staatsangehöriger  Bhutans  und  ethnischer  Nepalese,  verliess  Bhutan  eigenen  Angaben  zufolge  im  Jahr 1992 oder 1996 zusammen mit seinen Eltern und gelangte zunächst  nach B._______/Nagaland (Indien). Am 12. September 2002 reiste er von  Indien  und  Italien  (Transit)  herkommend  illegal  in  die  Schweiz  ein  und  stellte tags darauf ein erstes Asylgesuch. Zur Begründung brachte er vor,  er  habe  seinerzeit  Bhutan  zusammen  mit  seinen  Eltern  verlassen  müssen,  weil  die  Regierung  Bhutans  alle  ethnischen  Nepalesen  respektive Hindus aus dem Land gejagt habe. In Indien seien sie jedoch  nicht willkommen; die lokalen indischen Behörden wollten, dass sie nach  Bhutan  zurückkehrten.  In  Nagaland  habe  er  keine  Arbeit,  keine  Unterkunft und keine Freunde. Ausserdem werde er seit Jahren von der  "ALFA"  bedrängt,  entweder  dieser  Organisation  beizutreten  oder  nach  Bhutan zurückzukehren. Weil er nicht beigetreten sei,  sei  sein Leben  in  Gefahr.  Zudem  sei  er  vom  indischen  Militär  verdächtigt  worden,  ein  Mitglied  der  "ALFA"  zu  sein.  Die  Militärangehörigen  hätten  ihm  jedoch  geglaubt, dass er kein "ALFA"­Mitglied sei. Daher fürchte er sich nicht vor  dem Militär, sondern vor den "ALFA"­Leuten. Nach Bhutan könne er nicht  zurückkehren,  da  es  dort  nach wie  vor  religiöse Spannungen  gebe und  die bhutanischen Behörden ihn nicht dort wohnen lassen würden. Im Verlauf  der Anhörungen  reichte  der Beschwerdeführer  lediglich  zwei  Schuldokumente (Kopien) zu den Akten.  A.b.  Aufgrund  von  Zweifeln  an  der  Herkunftsangabe  des  Beschwerdeführers  beauftragte  das  Bundesamt  die  Fachstelle  LINGUA  mit  der  Durchführung  einer  Herkunftsanalyse,  welche  am  19. Mai  2003  stattfand.  In  seinem  Bericht  vom  25.  Mai  2005  kam  der/die  LINGUA­ Experte/Expertin  zum Schluss,  der  Beschwerdeführer  sei mit  Sicherheit  nicht  in  Bhutan,  sondern  sehr  wahrscheinlich  in  Indien  hauptsozialisiert  worden.  Mit  Verfügung  vom  9.  Juli  2003  gewährte  das  BFM  dem  Beschwerdeführer  das  rechtliche  Gehör  zum  Ergebnis  der  LINGUA­ Analyse.  Die  damalige  Rechtsvertreterin  des  Beschwerdeführers  äusserte sich dazu mit Schreiben vom 19. Juli 2003 (Telefax).  A.c.  Mit  Verfügung  vom  29.  Juli  2003  trat  das  Bundesamt  auf  das  Asylgesuch des Beschwerdeführers gestützt auf Art. 32 Abs. 2 Bst. b des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  nicht  ein  und 

D­2006/2011 verfügte  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz  sowie  den  Vollzug.  Dieser  Entscheid erwuchs unangefochten in Rechtskraft.  A.d.  Gemäss  einer  Meldung  des  Migrationsdienstes  des  Kantons  C._______  vom  1.  November  2004  galt  der  Beschwerdeführer  ab  dem  31. August 2004 als verschwunden. B.  B.a.  Am  5.  August  2008  wurde  der  Beschwerdeführer  nach  einer  Anhaltung  durch  die  Kantonspolizei  C._______  in  Durchsetzungshaft  versetzt. B.b.  Mit  Eingabe  an  das  BFM  vom  27.  Oktober  2008  liess  der  Beschwerdeführer  durch  seinen  aktuellen  Rechtsvertreter  ein  zweites  Asylgesuch  einreichen.  Zur  Begründung  wurde  dabei  im  Wesentlichen  geltend  gemacht,  der  Beschwerdeführer  halte  an  seiner  bhutanischen  Herkunft  fest.  Der  Wegweisungsvollzug  nach  Indien  habe  bisher  nicht  durchgeführt  werden  können,  da  der  Beschwerdeführer  über  keine  Identitätspapiere  verfüge.  Er  sei  deshalb  in  Ausschaffungshaft  versetzt  worden.  Am  26.  August  2008  sei  der  Beschwerdeführer  zwecks  Beschaffung  von  Reisepapieren  auf  der  indischen  Botschaft  vorgeführt  worden.  Nebst  der  BFM­Mitarbeiterin  Frau  W.  sei  auch  ein  dem  Beschwerdeführer  nicht  namentlich  bekannter  Vertreter  der  indischen  Botschaft dort anwesend gewesen. Einen Monat später, am 23. Oktober  2008,  habe  der  Beschwerdeführer  auf  Anweisung  des  Ausländer­  und  Bürgerrechtsdienstes  der  Kantonspolizei  C._______  mit  einem  angeblichen Vertrauensanwalt der Schweizer Botschaft in Indien, dessen  Namen nicht bekannt gegeben worden sei,  telefonieren müssen. Dieser  Mann habe dem Beschwerdeführer gesagt, sie hätten sich bereits einmal  persönlich  getroffen,  und  zwar  am  26.  August  2008  in  der  indischen  Botschaft in der Schweiz. Der Beschwerdeführer habe in diesem Moment  realisiert,  dass der angebliche Vertrauensanwalt und der Mitarbeiter der  indischen  Botschaft  in  der  Schweiz  identisch  seien.  Er  habe  den Mann  auch  an  der  Stimme  wiedererkannt.  Im  weiteren  Verlauf  des  Telefongesprächs  habe  der  angebliche  Vertrauensanwalt  dem  Beschwerdeführer  sodann  erklärt,  er  wisse,  dass  er  nicht  indischer  Staatsangehöriger  sei;  Indien  sei  aber  dennoch  daran  interessiert,  ihn  nach Indien zurückzuholen, da er verdächtigt werde, für die  in Nagaland  aktive  ALFA­Untergrundbewegung  tätig  gewesen  zu  sein.  Bei  einer  Rückkehr nach Indien würde er verhaftet, damit dieser Vorwurf abgeklärt  werden  könne.  Der  Rechtsvertreter  des  Beschwerdeführers  führte 

D­2006/2011 diesbezüglich aus, es sei nicht bekannt, mit wem der Beschwerdeführer  habe  telefonieren  müssen  und  ob  diese  Person  tatsächlich  Vertrauensanwalt der Schweizer Botschaft  in Indien sei. Sollte dies aber  so sein, so würde dies bedeuten, dass die Schweizer Botschaft in Indien  einen Vertrauensanwalt beschäftige, welcher gleichzeitig für die indische  Botschaft  in  der  Schweiz  tätig  sei.  Schwere  Interessenkollisionen  seien  so  vorprogrammiert.  Dem  Rechtsvertreter  sei  im  Übrigen  aus  einem  anderen Fall bekannt, dass die bereits erwähnte BFM­Mitarbeiterin Frau  W.  zur  Durchsetzung  des  Wegweisungsvollzugs  massiven  Druck  auf  Vertretungen  ausländischer  Staaten  ausübe,  damit  diese  die  ausländischen Personen  auch  ohne  gesicherten  Identitätsnachweis  und  ohne  Einwilligung  der  Betroffenen  zurücknähmen.  Frau  W.  dürfte  die  Doppelfunktion  des  angeblichen  Vertrauensanwaltes  bekannt  sein.  Im  Weiteren sei darauf hinzuweisen, dass der Beschwerdeführer im Rahmen  des  ersten  Asylgesuchs  ausgesagt  habe,  die  "ALFA"  habe  ihn  zum  Beitritt  zwingen  wollen.  Die  "ALFA"  rekrutiere  regelmässig  bhutanische  Staatsangehörige,  welche  ohne  Aufenthaltsbewilligung  in  Indien  lebten.  Es  erstaune  daher  nicht,  wenn  die  indischen  Behörden  an  einer  Rücknahme  des  Beschwerdeführers  auch  ohne  Identitätsnachweis  interessiert  seien.  Durch  die  Zusammenarbeit  des  BFM  mit  dem  angeblichen  Vertrauensanwalt  sei  somit  eine  erhebliche  asylrelevante  Gefährdungslage  für  den  Beschwerdeführer  geschaffen  worden.  Dieser  müsse  damit  rechnen,  nach  der  Rückschaffung  nach  Indien  inhaftiert,  verhört und allenfalls misshandelt  zu werden, weil er verdächtigt werde,  für  die  illegale  und  militante  "ALFA"­Bewegung  tätig  gewesen  zu  sein.  Selbst  für  den  Fall,  dass  sich  dieser  Verdacht  nicht  bestätigen  sollte,  bestünde  für  den  Beschwerdeführer  die  Gefahr  einer  andauernden  Inhaftierung,  da  er  als  Bhutaner  über  kein  Anwesenheitsrecht  in  Indien  verfüge.  Seine  ebenfalls  illegal  in  Indien  lebenden  Familienangehörigen  (Ehefrau  und  Kind)  würden  dadurch  ebenfalls  gefährdet.  Die  beschriebene  Gefährdungslage  des  Beschwerdeführers  sei  durch  das  BFM  geschaffen  worden,  weshalb  die  Flüchtlingseigenschaft  anzuerkennen  und  Asyl  zu  gewähren  sei.  Zumindest  wäre  nach  dem  Gesagten  der  Wegweisungsvollzug  unzulässig.  Bei  dieser  Sachlage  müsse  der  Beschwerdeführer  zu  seinen  neuen  Asylgründen  angehört  werden  und  es  müssten  durch  das  BFM  verschiedene  Abklärungen  durchgeführt werden. So müsse geklärt werden, wer in welcher Funktion  bei  der  Vorführung  des  Beschwerdeführers  am  26.  August  2008  in  der  indischen Botschaft anwesend gewesen sei und ob es sich bei der dort  anwesenden  Person  tatsächlich  um  den  Vertrauensanwalt  der  schweizerischen Botschaft in Indien gehandelt habe. Der Name sowie die 

D­2006/2011 Funktion  dieser  Person  müsse  offengelegt  werden.  Zudem  dürfte  es  notwendig  sein,  die  bereits  erwähnte  BFM­Mitarbeiterin  Frau  W.  vom  Dienst  zu  suspendieren,  da  mit  Blick  auf  einen  dem  Rechtsvertreter  bekannten,  ähnlich  gelagerten  Fall  anzunehmen  sei,  diese  lege  wiederholt ein problematisches Verhalten an den Tag.  Dem  schriftlichen  Asylgesuch  lag  eine  Aktennotiz  des  Ausländer­  und  Bürgerrechtsdienstes  der  Kantonspolizei  C._______  vom  23.  Oktober  2008 (Kopie) bei. B.c.  Mit  Eingabe  vom  28.  April  2010  reichte  der  Rechtsvertreter  des  Beschwerdeführers einen ärztlichen Bericht des (…) vom 30. September  2009 sowie ein Sprechstunden­Aufgebot des (…) vom 12. Oktober 2009  zu den Akten. B.d. Am 29. April 2010 führte das BFM mit dem Beschwerdeführer eine  Anhörung  nach  Art.  29  Abs.  1  AsylG  durch.  Dabei  machte  der  Beschwerdeführer im Wesentlichen geltend, er habe nach der Ablehnung  seines ersten Asylgesuchs keine Beschwerde erhoben, weil er dazu kein  Geld  gehabt  habe.  Er  habe  keine  neuen  Gründe,  weshalb  er  nicht  ins  Heimat­ oder Herkunftsland zurückkehren könne. Nagaland sei nicht sein  Heimatland und er habe dort viele Probleme. Auf Intervention des bei der  Befragung  anwesenden  Rechtsvertreters  hin  führte  der  Beschwerdeführer  weiter  aus,  ein Mann  habe  seine  Eltern  in Nagaland  aufgesucht.  Dieser  Mann  habe  ihn  von  Indien  aus  angerufen  und  ihm  erklärt,  er müsse  nach  Indien  zurückkommen,  er werde  einen Duplikat­ Pass ausstellen  lassen. Der Mann habe  ihm mehrmals gedroht und  ihm  gesagt, er könne  ihn  festnehmen  lassen und er werde  für  lange Zeit  ins  Gefängnis  kommen.  Der  Mann  habe  ausserdem  gemeint,  er  habe  den  Beschwerdeführer  in  der  indischen Botschaft  in  Bern  kennengelernt.  Er  kriege  jedes Mal Angst, wenn er an dieses Telefongespräch denke und  sei  gerade  sehr  nervös.  In  Indien  gebe  es  keine  Menschenrechte.  Ausländer,  insbesondere Leute aus Bhutan oder Tibet, hätten dort keine  Sicherheit.  Der  Mann  habe  ihm  gesagt,  wenn  er  nach  Indien  zurückkomme,  könne er mit  ihm  (dem Beschwerdeführer) machen, was  er  wolle.  Der  Mann  habe  ihn  ungefähr  eine  halbe  Stunde  befragt,  er  könne  sich  aber  im  Moment  nicht  so  gut  an  das  Gespräch  erinnern.  Jedenfalls  habe  der  Mann  ihm  gesagt,  alle  Bhutaner  seien  an  den  terroristischen  Aktivitäten  der  Aufständischen  in  Nagaland  beteiligt  und  arbeiteten mit  den  "ALFA"­Leuten  zusammen. Es werde  vermutet,  dass  er  ebenfalls  für  die  "ALFA"  tätig  gewesen  sei.  Daher  wolle  man  ihn 

D­2006/2011 festnehmen und einsperren. In Tat und Wahrheit habe er nie Kontakt zu  "ALFA"­Leuten  gehabt.  Diese  hätten  aber  Flugblätter  verteilt  und  Leute  rekrutiert.  Er  habe  sowohl  vor  der  "ALFA"  als  auch  vor  der  indischen  Regierung Angst gehabt. Wer in Indien keine Aufenthaltsbewilligung oder  keine  Dokumente  habe,  könne  von  der  Polizei  jederzeit  festgenommen  werden.  Die  Polizei  habe  auch  schon  Personen  unter  irgendeinem  Vorwand  umgebracht  und  die  Leichen  verschwinden  lassen.  Seine  Angehörigen (Eltern, Schwester, Ehefrau und Kinder) lebten nach wie vor  in Nagaland. Die Polizei habe einmal das Haus durchsucht, aber nichts  Belastendes  gefunden.  Man  habe  ihnen  aber  vorgeworfen,  mit  der  "ALFA"  zusammen  zu  arbeiten.  Der  Mann  am  Telefon  habe  ihn  aufgefordert,  den  Namen  der  Schule  der  Kinder  und  die  Hausnummer  des  Wohnhauses  anzugeben.  Er  habe  sich  jedoch  geweigert,  da  er  befürchtet  habe,  dieser  Mann  werde  seiner  Familie  Probleme  bereiten.  Der Mann sei aber  in  seinem Quartier gewesen und habe von dort  aus  angerufen.  Seine  Familienangehörigen  hätten  keine  Aufenthaltsbewilligungen  und  auch  keine  (bhutanischen)  Identitätspapiere. Der Beschwerdeführer  fügte an, er nehme regemässig  Medikamente  wegen  seiner  Herzprobleme  sowie  gegen  Nervosität.  Er  wolle  wie  ein  normaler  Bürger  in  der  Schweiz  leben  und  könne  nicht  zurückkehren.  B.e.  In  seiner Eingabe  vom 27. Mai  2010 wies  der Rechtsvertreter  des  Beschwerdeführers  darauf  hin,  dass  der  Beschwerdeführer  aufgrund  einer angeborenen Herzschwäche im Jahr 2009 operativ habe behandelt  werden  müssen  und  weiterhin  Medikamente  sowie  ständige  ärztliche  Überwachung  benötige.  Der  Zugang  zu  medizinischer  Versorgung  im  Heimatland  sei  daher  genau  abzuklären  (Beilagen:  eine  Erklärung  über  die Entbindung von der ärztlichen Schweigepflicht vom 11. Mai 2010, ein  ärztliches Schreiben von Dr. med. H. T. vom 18. Dezember 2009 sowie  ein  ärztlicher  Bericht  von  Dr.  med.  H.  T.  vom  18.  Mai  2010).  Anschliessend  folgte  eine  ausführliche  Darstellung  der  Lage  ethnischer  Nepalesen  in Bhutan, deren Exodus aus Bhutan nach Nepal und  Indien  und  deren  problematische  Situation  in  Indien  (unter  Beilage  zahlreicher  einschlägiger Berichte  und Artikel,  u.a.  von UNHCR und Human Rights  Watch).  Die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  stimmten  mit  der  geschilderten  Situation  der  aus  Bhutan  stammenden  ethnischen  Nepalesen  überein,  weshalb  die  Herkunft  des  Beschwerdeführers  aus  Bhutan  zumindest  teilweise  als  erwiesen  zu  erachten  sei.  Allenfalls  sei  ein  LINGUA­Gutachten  oder  gar  eine DNA­Analyse  durchzuführen  oder  dem  Beschwerdeführer  eine  Frist  zur  selbständigen  Einholung  eines 

D­2006/2011 solchen Gutachtens respektive einer Analyse einzuräumen. In Bezug auf  die  Vorgänge  auf  der  indischen  Botschaft  und  das  Telefonat  mit  dem  angeblichen  Vertrauensanwalt  der  Schweizer  Botschaft  in  Indien  habe  das  BFM  offenbar  keine  sachgerechten  Abklärungen  durchgeführt,  obwohl  sich  aus  den  entsprechenden  Aktivitäten  des  BFM  direkt  eine  asylrelevante  Verfolgung  des  Beschwerdeführers  ergebe.  Dieser  halte  daran  fest,  dass  es  sich  bei  der  Person,  mit  welcher  er  am  Telefon  gesprochen  habe  und  welche  sich  als  Vertrauensanwalt  der  Schweizer  Botschaft  in  Indien ausgegeben habe, um die gleiche Person gehandelt  habe, welche auf der indischen Botschaft in Bern anwesend gewesen sei.  Daher  seien  weitere  Abklärungen  zu  tätigen,  ein  Abklärungsbericht  vorzulegen und Akteneinsicht zu gewähren.  C.  Das  BFM  stellte  mit  Verfügung  vom  24.  Februar  2011  –  eröffnet  am  4. März  2011  –  fest,  die  Asylvorbringen  des  Beschwerdeführers  seien  unglaubhaft. Es wies mehrere Verfahrensanträge des Beschwerdeführers  ab,  verneinte  die  Flüchtlingseigenschaft  und  lehnte  das  Asylgesuch  ab.  Gleichzeitig  verfügte  es  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  ordnete  den Vollzug an.  D.  Mit  Beschwerde  vom  4.  April  2011  (Poststempel)  an  das  Bundesverwaltungsgericht  liess  der  Beschwerdeführer  beantragen,  die  angefochtene  Verfügung  sei  aufzuheben,  und  die  Sache  sei  zur  Feststellung  des  vollständigen  und  richtigen  Sachverhalts  und  zur  Neubeurteilung  an  das  BFM  zurückzuweisen,  eventuell  sei  die  Flüchtlingseigenschaft  des Beschwerdeführers  festzustellen und Asyl  zu  gewähren. Subeventuell sei die vorinstanzliche Verfügung hinsichtlich der  Dispositivziffern  3  und  4  aufzuheben,  und  es  sei  die  Unzulässigkeit,  Unzumutbarkeit  oder  Unmöglichkeit  des  Wegweisungsvollzugs  festzustellen.  In  prozessualer  Hinsicht  wurde  um  Mitteilung  des  Spruchkörpers, vollständige Akteneinsicht  (Asyl­ und Vollzugsakten) und  Einräumung  einer  Frist  zur  Beschwerdeergänzung  ersucht.  Ausserdem  wurde  beantragt,  die  BFM­Mitarbeiterin  Frau  W.  sei  als  Zeugin  einzuvernehmen  und  dem  Rechtsvertreter  sei  vor  Gutheissung  der  Beschwerde eine Frist zur Einreichung einer Kostennote anzusetzen.  Der  Beschwerde  lagen  folgende  Beweismittel  (Kopien)  bei:  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom 21.  Juni  2010  in Sachen D­7469/2009,  ein  E­Mail  vom  19.  September  2007,  ein  Artikel  aus  der  Zeitschrift 

D­2006/2011 Equinox  vom Juni  2004  (Guidelines  for  the use of  language analysis  in  relation  to  questions  of  national  origin  in  refugee  cases),  eine  Aufhebungsmitteilung  des  Gerichtspräsidenten  6  des  Gerichtskreises  V  Burgdorf­Fraubrunnen  vom  4. September  2009,  ein  Schreiben  von  UNHCR  vom  30. Juni  2009  (inkl.  Beilageschreiben  der  Abteilung  Rechtshilfe  des  Bundesamtes  für  Justiz  [BJ]),  ein  Country  of  Origin  Report – Bhutan der UK Border Agency vom 6. August 2010, ein Artikel  der  Asia  Times  vom  15. November  2002  und  ein  Bericht  von  Human  Rights Watch betreffend Flüchtlinge aus Bhutan in Nepal und Indien vom  Mai 2007.  E.  Mit Zwischenverfügung vom 12. April 2011 gab der Instruktionsrichter den  Spruchkörper bekannt und hiess das Akteneinsichtsgesuch bezüglich der  Akte  V41  gut;  soweit  weitergehend  wurde  es  abgewiesen.  Dem  Beschwerdeführer wurde eine Frist zur Einreichung einer diesbezüglichen  Beschwerdeergänzung  eingeräumt.  Er  wurde  ausserdem  aufgefordert,  bis zum 27. April 2011 einen Kostenvorschuss von Fr. 600.– zu  leisten,  andernfalls auf die Beschwerde nicht eingetreten werde.  F.  Der  Rechtsvertreter  des  Beschwerdeführers  ersuchte  mit  Eingabe  vom  27.  April  2011  nachträglich  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021)  und/oder  Erlass  des  Kostenvorschusses  und  reichte  in  diesem  Zusammenhang  eine  Bestätigung  der  Fürsorgeabhängigkeit  vom  26.  April  2011  zu  den  Akten.  Gleichzeitig  ergänzte  er  die  Beschwerde  im  Zusammenhang mit der ihm gewährten Akteneinsicht.  G.  Mit  Zwischenverfügung  vom  3.  Mai  2011  verzichtete  der  Instruktionsrichter  in  teilweiser Wiedererwägung  der  Zwischenverfügung  vom 12. April  2011 auf die Erhebung des Kostenvorschusses und  teilte  gleichzeitig  mit,  über  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG werde im Endentscheid  befunden.  H.  Das  BFM  hielt  in  seiner  Vernehmlassung  vom  18.  Mai  2011 

D­2006/2011 vollumfänglich  an  seiner  Verfügung  fest  und  beantragte  die  Abweisung  der Beschwerde. I.  Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers  replizierte mit Eingabe vom  8. Juni 2011 und hielt dabei sinngemäss an seinen Begehren fest. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1.  Das  Bundesverwaltungsgericht  beurteilt  gestützt  auf  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  (VGG,  SR 173.32)  Beschwerden gegen Verfügungen im Sinne von Art. 5 VwVG, welche von  einer Vorinstanz im Sinne von Art. 33 VGG erlassen wurden, sofern keine  das  Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  vorliegt.  Demnach  ist  das  Bundesverwaltungsgericht  zuständig  für  die  Beurteilung  von  Beschwerden  gegen  Entscheide  des  BFM,  welche  in  Anwendung des AsylG ergangen sind, und entscheidet in diesem Bereich  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  AsylG;  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG). 1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der  Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung.  Er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG).  Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2.  Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht können die Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

D­2006/2011 3.  3.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat  oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  ihrer politischen Anschauungen wegen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7  AsylG). 4.  4.1. Die Vorinstanz führte zur Begründung ihres ablehnenden Entscheids  im Wesentlichen aus, gemäss dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts  vom 14. April 2009 (i.S. A­7307/2008) handle es sich beim Mitarbeiter der  indischen  Botschaft  in  der  Schweiz  und  beim  Vertrauensanwalt  der  schweizerischen  Botschaft  in  Indien  klarerweise  um  zwei  verschiedene  Personen.  Sinngemäss  werde  in  diesem  Urteil  unter  E.  6.3.2  festgehalten, die Vorwürfe, wonach das BFM mit der indischen Botschaft  Absprachen  getroffen  habe,  entbehrten  jeglicher Grundlage.  Die  blosse  Behauptung, wonach es sich um dieselbe Person handle, vermöge diese  Einschätzung  nicht  zu  entkräften.  Aus  diesem Grund  seien  auch  keine  weiteren,  diesbezüglichen  Abklärungen  vorzunehmen.  Zudem  stehe  damit  fest,  dass  die  im  zweiten  Asylgesuch  vorgebrachten  Asylgründe  offensichtlich  haltlos  seien.  Der  Antrag,  wonach  die  BFM­Mitarbeiterin  Frau W. vom Dienst zu suspendieren sei, werde abgelehnt, zumal es sich  bei  ihr  um  eine  langjährige  und  erfahrene  Mitarbeiterin  handle,  deren  Legitimation  nicht  zur  Diskussion  stehe.  Die  im  zweiten  Asylgesuch  gestellten Anträge Nrn. 4­7 seien gegenstandslos geworden, da seit der  Einreichung  des  zweiten  Asylgesuchs  keine  weiteren  Vollzugshandlungen unternommen worden seien, der Beschwerdeführer  aus der Durchsetzungshaft entlassen worden sei und sich zurzeit legal im 

D­2006/2011 Kanton  C._______  befinde.  In  Bezug  auf  die  Frage  der  Herkunft  des  Beschwerdeführers  werde  auf  die  Verfügung  vom  29.  Juli  2003  verwiesen. Auf  das  erste Asylgesuch  sei  nicht  eingetreten worden, weil  der Beschwerdeführer die Behörden über seine Identität getäuscht habe.  Damals  sei  ein  LINGUA­Gutachten  durchgeführt  worden,  zu  welchem  dem  Beschwerdeführer  das  rechtliche  Gehör  gewährt  worden  sei.  Der  LINGUA­Experte, welcher Dzongkha, Nepali, Hindi und Englisch spreche,  sei  in  seinem  Gutachten  zum  Schluss  gekommen,  dass  der  Beschwerdeführer mit Sicherheit nicht aus Bhutan stamme, sondern dass  es sich bei  ihm um einen ethnischen Nepalesen aus  Indien handle. Die  Anträge,  wonach  ein  (erneutes)  LINGUA­Gutachten  und  eine  DNA­ Analyse  zu  erstellen  seien,  seien  deshalb  abzulehnen.  Das  BFM  gehe  davon  aus,  dass  der  Beschwerdeführer  in  Indien  ein  Aufenthaltsrecht  innehabe,  da  er  bereits  zweimal  unwahre  Angaben  zu  seiner  Herkunft  und seinen Asylgründen gemacht habe und jegliche Vollzugshandlungen  mit  offensichtlich  haltlosen  Beschuldigungen  behindert  habe.  Für  die  Annahme eines Aufenthaltsrechts  in  Indien  spreche  auch  die Tatsache,  dass  sich  seine Angehörigen  ebenfalls  in  Indien  aufhielten. Der Antrag,  wonach  ein  ausführlicher  Bericht  über  die  Vorgänge  auf  der  indischen  Botschaft in der Schweiz und der schweizerischen Botschaft in Indien zu  verfassen  und  weitere  Abklärungen  zu  tätigen  seien,  werde  ebenfalls  abgewiesen.  Insgesamt  hielten  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  den  Anforderungen  an  die  Glaubhaftigkeit  nicht  stand,  weshalb  ihre  Asylrelevanz  nicht  geprüft  werden  müsse.  Demzufolge  komme  dem  Beschwerdeführer  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht  zu;  das  Asylgesuch  sei  abzulehnen.  Der  Vollzug  der  Wegweisung  nach  Indien  sei  durchführbar.  Insbesondere  sei  (nach  erfolgtem  internem  Consulting)  festzustellen,  dass  Bluthochdruck  in  Indien  grundsätzlich  behandelbar  sei. Der Antrag, wonach mittels Botschaftsabklärungen  in Nagaland und  Bhutan  die  medizinische  Fragestellung  näher  abzuklären  sei,  werde  daher abgelehnt.  4.2.  In  der  Beschwerde  wird  zunächst  gerügt,  das  BFM  habe  den  Grundsatz  des  rechtlichen  Gehörs  verletzt,  weshalb  die  angefochtene  Verfügung  zu  kassieren  sei.  Die  am  4. März  2011  vom Rechtsvertreter  beantragte  Akteneinsicht  sei  nur  eingeschränkt  gewährt  worden.  Es  sei  nachträglich zumindest noch Einsicht  in die Akten A6, A7, A13 und A14  zu gewähren und eine Frist zur Einreichung einer Beschwerdeergänzung  anzusetzen. Der vorliegend angefochtene Asylentscheid des BFM stütze  sich  nämlich  insbesondere  auf  das  LINGUA­Gutachten  aus  dem  Jahr  2003,  weshalb  der  Beschwerdeführer  ein  überwiegendes  Interesse  an 

D­2006/2011 der  Einsicht  in  dieses  Gutachten  und  die  dazugehörigen  Akten  habe.  Allfällige  private  oder  öffentliche  Interessen  an  der  Geheimhaltung  bestimmter  Informationen  könnten  durch  mildere  Mittel  sichergestellt  werden.  Betreffend  die  Verweigerung  der  Akteneinsicht  in  die  Vollzugsakten sei festzustellen, dass das Akteneinsichtsgesuch aufgrund  des  Verfahrensstandes  nicht  mehr  nach  Art.  9  Abs.  1  Bst.  d  des  Bundesgesetzes  über  den  Datenschutz  vom  19.  Juni  1992  (DSG,  SR  235.1),  sondern  nach  den  einschlägigen  Bestimmungen  des  VwVG  zu  prüfen  sei.  Der  pauschale  Verweis  des  BFM  auf  die  Ausführungen  im  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom  14.  April  2009  (i.S.  A­ 7303/2008) sei daher unhaltbar. Die Vollzugsakten seien im vorliegenden  Fall  zudem  von  besonderer  Bedeutung  für  die  Frage  der  Flüchtlingseigenschaft,  weil  der  Beschwerdeführer  geltend mache,  dass  das  BFM  im  Rahmen  der  Vollzugsbemühungen  Absprachen  mit  der  indischen Botschaft getroffen habe, durch welche er bei einer Rückkehr  nach Indien in asylrelevanter Weise gefährdet wäre, dies unabhängig von  einer allfälligen Doppelrolle eines Mitarbeiters der  indischen Botschaft  in  der Schweiz, welcher (möglicherweise) gleichzeitig als Vertrauensanwalt  der  schweizerischen  Botschaft  in  Indien  amte.  Weiter  sei  darauf  hinzuweisen,  dass  die  zuständige  Sachbearbeiterin  des  BFM  im  vorliegenden  Verfahren  möglicherweise  schwerwiegende  Fehler  begangen  und  dadurch  eine  asylrelevante  Gefährdungslage  für  den  Beschwerdeführer  geschaffen  habe.  In  diesem  Zusammenhang  werde  die  Herausgabe  der  Akten  des  Migrationsdienstes  des  Kantons  C._______, des Ausländer­ und Bürgerrechtsdienstes der Kantonspolizei  C._______ sowie des Vertrauensanwaltes der schweizerischen Botschaft  in  Indien beantragt. Das BFM habe die angefochtene Verfügung zudem  nicht  rechtsgenüglich  begründet,  da  es  die  Annahme,  wonach  der  Beschwerdeführer  in  Indien  über  ein  Aufenthaltsrecht  verfüge,  lediglich  damit  begründe,  dass  dieser  im  Rahmen  der  beiden  Asylverfahren  mehrmals gelogen habe. Aus der angefochtenen Verfügung sei indessen  nicht  ersichtlich,  wann  und  wie  der  Beschwerdeführer  gelogen  haben  solle. Das vorliegende Asyl­ und Beschwerdeverfahren sei nun dazu da,  die  Herkunft  sowie  die  Asylgründe  des  Beschwerdeführers  abzuklären.  Zwischen den behaupteten Lügen und einem allfälligen Aufenthaltsrecht  in  Indien  bestehe  zudem  kein  ersichtlicher  Kausalzusammenhang.  Die  pauschale  Begründung  des  BFM  verunmögliche  es  dem  Beschwerdeführer,  sachgerecht  Stellung  zu  nehmen  und  allenfalls  Gegenbeweise zu erbringen. Das BFM habe es ausserdem unterlassen,  die Vorbringen des Beschwerdeführers  zu prüfen. So habe das BFM  in  der  angefochtenen  Verfügung  die  umfangreiche  Eingabe  des 

D­2006/2011 Rechtsvertreters vom 27. Mai 2010 zwar erwähnt, sei jedoch im Rahmen  der  Erwägungen  nicht  auf  die  dortigen  Ausführungen  eingegangen.  Ausserdem  habe  das  BFM  das  Recht  des  Beschwerdeführers  auf  vorgängige  Stellungnahme  verletzt.  Der  negative  Asylentscheid  vom  24. Februar  2011  stütze  sich  insbesondere  auf  das  LINGUA­Gutachten  aus dem Jahr 2003, worin festgehalten werde, der Beschwerdeführer sei  ein ethnischer Nepalese, welcher aus Indien stamme. Die Tatsache, dass  er in Bhutan geboren worden sei und dort gelebt habe, bis seine Familie  in den 90er­Jahren nach Indien (Nagaland) vertrieben worden sei, sei im  Gutachten  völlig  ausser Acht  gelassen worden. Zwar  sei  der damaligen  Rechtsvertreterin  das  rechtliche  Gehör  gewährt  worden,  sie  habe  aber  keine Akteneinsicht in das LINGUA­Gutachten erhalten; deshalb habe die  Stellungnahme nur  sehr  rudimentär  erfolgen  können.  Im Weiteren  habe  das BFM den  rechtserheblichen Sachverhalt  unvollständig und unrichtig  abgeklärt.  So  sei  das  BFM  ohne  weitere  Abklärungen  davon  ausgegangen, der Beschwerdeführer verfüge über ein Aufenthaltsrecht in  Indien. Der Sachverhalt sei auch in Bezug auf die Absprachen zwischen  dem  BFM  und  der  indischen  Botschaft  und  der  sich  allenfalls  daraus  ergebenden  Gefährdungslage  für  den  Beschwerdeführer  unvollständig  und unrichtig  abgeklärt worden. Das BFM habe es  unterlassen, weitere  diesbezügliche  Abklärungen  zu  tätigen  und  habe  den  entsprechenden  Beweisantrag des Beschwerdeführers abgelehnt. Dabei habe das BFM in  pauschaler  Weise  auf  das  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  (A­7307/2008  vom  14. April  2009)  verwiesen,  worin  festgestellt  worden  sei, es  fänden sich  in den Akten keine Hinweise  für solche Absprachen.  Dies  könne  jedoch  kein  Grund  sein,  auf  weitere  Abklärungen  zu  verzichten,  weshalb  diese  nachzuholen  seien.  Bereits  anlässlich  der  Einreichung  des  zweiten  Asylgesuchs  sei  auf  die  problematische  Rolle  der zuständigen BFM­Sachbearbeiterin Frau W. hingewiesen und deren  Suspendierung  verlangt  worden.  Dabei  wäre  vom  BFM  abzuklären  gewesen, inwieweit diese allenfalls ihre Kompetenzen überschritten habe.  In den Verfahren N 465 082, D­7469/2009 und N 339 700, E­3893/2008  würden die Vorgehensweise und die Rechtsverletzungen der erwähnten  Sachbearbeiterin  im  Rahmen  von  Vollzugshandlungen  dokumentiert;  diese Akten seien beizuziehen. In beiden Fällen seien massive Verstösse  gegen die schweizerische Rechtsordnung begangen worden. Diese Fälle  zeigten, dass teilweise Daten von Asylbewerbern ohne Rücksicht auf die  Erzeugung  einer  neuen,  asylrelevanten  Gefährdungslage  direkt  an  die  Behörden  des  Herkunftsstaates  übermittelt  würden.  Daher  wäre  im  vorliegenden  Fall  abzuklären  gewesen,  inwieweit  die  anwendbaren  Gesetzesbestimmungen  eingehalten  und  ob  Daten  bezüglich  eines 

D­2006/2011 allfälligen  Engagements  des  Beschwerdeführers  für  die  "ALFA"  an  die  indischen  Behörden  weitergeleitet  worden  seien.  In  diesem  Zusammenhang werde  beantragt,  Frau W.  als  Zeugin  einzuvernehmen.  In der Beschwerde wird anschliessend das LINGUA­Gutachten vom Mai  2003  kritisiert.  Aufgrund  der  freigegebenen  Angaben  zum  Werdegang  und  zur  Qualifikation  des  damaligen  Experten  sei  zu  bezweifeln,  ob  dieser  tatsächlich  über  die  notwendigen  Qualifikationen  für  die  im  vorliegenden  Fall  zu  beurteilenden,  komplexen  sprachlichen  Abgrenzungsfragen  verfügt  habe.  Das  LINGUA­Gutachten  sei  auch  deshalb  problematisch,  weil  es  internationalen  wissenschaftlichen  Standards der angewandten und forensischen Linguistik nicht entspreche  (Verweis auf das diesbezüglich eingereichte Beweismittel "Guidelines for  the  use  of  language  analysis").  Es  herrsche  heute  nämlich  weitgehend  Einigkeit  darüber,  dass  sprachliche  Analysen  grundsätzlich  nicht  in  der  Lage seien, die exakte Herkunft und  insbesondere die Nationalität eines  Asylbewerbers  abschliessend  festzustellen.  Derartige  Analysen  seien  lediglich  hilfreich  in  der Feststellung  des Hauptsozialisierungsortes. Das  LINGUA­Gutachten  aus  dem  Jahr  2003  sei  vor  Erscheinen  der  Empfehlungen der Language and National Origin Group erstellt worden.  Das BFM habe es unterlassen, ein weiteres, den heutigen linguistischen  Standards  entsprechendes  Gutachten  einzuholen,  obwohl  dies  in  der  Eingabe  vom  27.  Mai  2010  beantragt  worden  sei.  Dies  sei  umso  problematischer,  als  der  Beschwerdeführer  ausgesagt  habe,  er  gehöre  einer in Bhutan sozial isolierten Minderheit von ethnischen Nepalesen an  und  sei  im  Jahr  1992  (im Alter  von  12  Jahren)  nach Nagaland  (Indien)  geflüchtet. Vor diesem Hintergrund sei es nämlich offensichtlich, dass es  verschiedene Erklärungen  (beispielsweise  die  geringe Schulbildung  des  Beschwerdeführers,  die  soziale  Isolation  der  ethnischen Nepalesen und  die  andere  Religionszugehörigkeit)  dafür  gebe,  weshalb  der  Beschwerdeführer  die  Sprache  Dzongkha  kaum  beherrsche  und  wenig  über  den  Kommunikations­  und Gesundheitsbereich  oder  das  kulturelle  und  kultische  Alltagsleben  in  Bhutan  wisse.  Die  Schlussfolgerung  des  LINGUA­Experten,  wonach  der  Beschwerdeführer  mit  Sicherheit  aus  Indien und nicht aus Bhutan stamme, sei  voreilig und  falsch. Bei dieser  Sachlage hätte das BFM zur vollständigen und korrekten Ermittlung des  Sachverhalts ein neues Gutachten erstellen lassen müssen. Das BFM sei  im  Übrigen  durch  die  (als  Beweismittel  beigelegte)  Verfügung  des  Gerichtspräsidenten 6 des Gerichtskreises V Burgdorf­Fraubrunnen vom  4.  September  2009  darauf  hingewiesen  worden,  dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  im  vorliegenden  Fall  unmöglich  sei  und  bezüglich  der  Ermittlung  der  Nationalität  des  Beschwerdeführers  Fehler  begangen 

D­2006/2011 worden  seien.  Dennoch  habe  das  BFM  in  den  Erwägungen  der  angefochtenen Verfügung erneut dieselbe Argumentation verwendet.  Im  Rahmen  des  Verfahrens  gegen  den  Beschwerdeführer  wegen  rechtswidrigen Aufenthalts in der Schweiz, welches vor dem Gerichtskreis  V  Burgdorf­Fraubrunnen  durchgeführt  worden  sei,  habe  der  Gerichtspräsident  6  eine  Anfrage  an  das  UNHCR  gestellt.  In  seinem  Bericht  vom  30.  Juni  2009  habe  das  UNHCR  im  Wesentlichen  ausgeführt,  es  sei  sehr wahrscheinlich,  dass  in  den  1990er  Jahren  aus  Bhutan  vertriebene  Bhutaner  nepalesischer  Herkunft  über  keine  Ausweispapiere  verfügten und auch keine Möglichkeit  hätten,  solche zu  besorgen.  Der  Gerichtspräsident  6  habe  daraus  geschlossen,  es  sei  möglich,  dass  Bhutaner  nepalesischer  Herkunft  über  keine  Ausweispapiere  verfügten  und  auch  keine  solchen  beibringen  könnten.  Ausserdem  könne  sich  ein  LINGUA­Gutachten  nicht  zur  Staatsangehörigkeit  einer  Person  äussern.  Weitere  Bemühungen  des  BFM (unter anderem mit Hilfe der indischen und bhutanischen Botschaft)  hätten nicht den Beweis erbracht, dass der Beschwerdeführer tatsächlich  die  indische  (und  nicht  die  bhutanische)  Staatsangehörigkeit  innehabe.  Der  Wegweisungsvollzug  sei  daher  in  den  vergangenen  Jahren  vollzugstechnisch unmöglich gewesen, weshalb die vorläufige Aufnahme  hätte angeordnet werden müssen. In der Beschwerde wird im Anschluss  an diese Ausführungen festgestellt, das BFM habe es auch diesbezüglich  unterlassen,  den  rechtserheblichen  Sachverhalt  richtig  und  vollständig  abzuklären.  Insbesondere  hätte  die Vorinstanz weitere Abklärungen  zur  Herkunft  des  Beschwerdeführers  vornehmen  müssen,  allenfalls  im  Rahmen einer Botschaftsabklärung oder einer Anfrage an das UNHCR.  In  der  Beschwerde  wird  weiter  vorgebracht,  es  sei  davon  auszugehen,  dass der Beschwerdeführer bhutanischer Staatsangehöriger sei und der  Volksgruppe der Lhotshampa zugehöre. Mit Blick auf die Entwicklung der  Situation  der  ethnischen  Nepalesen  in  Bhutan  (in  der  Beschwerde  werden  diesbezüglich  längere  Ausführungen  gemacht),  den  Inhalt  des  (bereits  erwähnten)  Berichts  des  UNHCR  vom  30.  Juni  2009  und  die  neuesten  Länderberichte  zu  Bhutan  sei  der  vom  Beschwerdeführer  geschilderte  Sachverhalt,  wonach  er  in  den  1990er  Jahren  aus  Bhutan  habe flüchten müssen, als wahrscheinlich zu erachten. Die Vorbringen im  ersten  Asylverfahren  seien  nie  materiell  geprüft  worden,  da  das  BFM  damals wegen angeblicher Identitätstäuschung auf das Asylgesuch nicht  eingetreten sei. Angesichts der vorstehenden Erwägungen rechtfertige es  sich  indes,  eingehend  auf  die Gefährdungslage  des Beschwerdeführers  in Indien einzugehen: Dieser habe geltend gemacht, er habe sowohl von 

D­2006/2011 der  "ALFA"­Bewegung  als  auch  von  den  indischen  Behörden  Verfolgungsmassnahmen  zu  befürchten.  Aufgrund  der  Aktenlage  sei  davon  auszugehen,  dass  das  BFM  diese  Vorbringen  grundsätzlich  als  glaubhaft  erachte.  Der  Rechtsvertreter  macht  an  dieser  Stelle  Ausführungen  zur  "ALFA"  respektive  ULFA  und  bringt  vor,  die  Verfolgungsbefürchtungen  des  Beschwerdeführers  seien  mit  Blick  auf  sein Alter und seine Ethnie durchaus glaubwürdig. Gegebenenfalls seien  weitere  Abklärungen  zu  tätigen.  Aufgrund  des  Gesagten  sei  die  angefochtene Verfügung aufzuheben und die Flüchtlingseigenschaft des  Beschwerdeführers festzustellen. Der Beschwerdeführer sei in den 1990­ er  Jahren  von  Bhutan  nach  Indien  geflüchtet.  Indien  sei  kein  Vertragsstaat der Genfer Flüchtlingskonvention, und die Behandlung von  Flüchtlingen  sei  grösstenteils  behördlichem  Ermessen  unterworfen.  Der  Beschwerdeführer  sei  im  Jahr  2002  im  Zusammenhang  mit  dem  Vorgehen  der  indischen  Behörden  gegen  aufständische  Gruppierungen  ins  Visier  der  Behörden  geraten.  Die  Unabhängigkeitsbewegungen  im  Nordosten  Indiens  seien  weiterhin  aktiv,  weshalb  anzunehmen  sei,  die  indischen  Behörden  würden  eine  erneute  Niederlassung  des  Beschwerdeführers  in  Indien  nicht  tolerieren.  Bei  einer  Rückkehr  nach  Indien  hätte  er  daher  massive  Verdächtigungen  und  Übergriffe  zu  gewärtigen. Er würde insbesondere der ULFA­Mitgliedschaft verdächtigt,  da  er  ein  Bhutaner  nepalesischer  Herkunft  sei,  welche  in  der  Vergangenheit  in grosser Anzahl von der ULFA rekrutiert worden seien,  lange  landesabwesend  gewesen  sei  und  infolge  der  Vollzugsbemühungen  des  BFM  nun  bei  den  indischen  Behörden  als  ULFA­Unterstützer  registriert  sei.  Deshalb  müsste  er  im  Falle  einer  Rückkehr nach Indien mit Verfolgungshandlungen rechnen. Selbst wenn  die  Ermittlungen  der  indischen  Behörden  ergeben  würden,  dass  der  Beschwerdeführer  die  ULFA  nicht  unterstützt  habe,  würde  er  wohl  weiterhin  inhaftiert  bleiben  und  allenfalls  gar  nach  Bhutan  ausgeschafft  werden,  da  er  in  Indien  nicht  aufenthaltsberechtigt  sei.  Auch  die  Verwandten  des  Beschwerdeführers  wären  durch  seine  Rückkehr  nach  Indien  gefährdet.  Der  Wegweisungsvollzug  sei  daher  unzumutbar.  Der  Wegweisungsvollzug  sei  auch  aus medizinischen Gründen  unzumutbar,  da der Beschwerdeführer an einer angeborenen Herzschwäche leide und  Medikamente benötige. Die vom BFM getätigten Abklärungen – ein nicht  nachvollziehbares  "Consulting"  –  seien  ungenügend,  da  daraus  nicht  hervorgehe,  ob  die  notwendige  Behandlung  in  Nagaland  erhältlich  sei  und ob papierlose Bhutaner nepalesischer Herkunft Zugang dazu hätten.  Bezüglich der Verfügbarkeit der notwendigen Behandlung in Bhutan habe  das  BFM  überhaupt  keine  Abklärungen  getätigt.  Aufgrund  dessen  sei 

D­2006/2011 zwingend davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer  infolge seiner  fehlenden  Registrierung  in  Indien  keinen  Zugang  zur  medizinischen  Grundversorgung  habe  und  die  Behandlung  in  Nagaland  (und  auch  in  Bhutan) nicht gewährleistet sei. Aus den bisherigen Ausführungen ergebe  sich  schliesslich,  dass  der  Wegweisungsvollzug  bisher  aus  vollzugstechnischen Gründen nicht möglich gewesen  sei. Es  sei  zudem  nicht gelungen nachzuweisen, dass der Beschwerdeführer indischer (und  nicht bhutanischer) Staatsangehöriger sei. Daher sei davon auszugehen,  dass  die  Angaben  des  Beschwerdeführers  glaubhafter  seien  als  die  Annahmen des BFM. Das BFM werde nicht in der Lage sein, auf legalem  Weg  die  benötigten  Papiere  für  einen  Wegweisungsvollzug  zu  beschaffen. Daher sei auch die Unmöglichkeit des Vollzugs festzustellen.  4.3.  In  der  Beschwerdeergänzung  vom  27.  April  2011  führt  der  Rechtsvertreter mit Blick auf die gewährte Akteneinsicht aus, dem Bericht  des indischen Vertrauensanwaltes (Akte V41) sei nicht zu entnehmen, wo  und wie genau sich dieser auf die Suche nach den Familienangehörigen  des  Beschwerdeführers  gemacht  habe.  Möglicherweise  habe  der  Beschwerdeführer  selber  im  Zeitpunkt  des  Telefonats  den  genauen  Aufenthaltsort seiner Angehörigen gar nicht mehr gewusst, da er damals  keinen  Kontakt  zu  diesen  gehabt  habe.  Die  Tatsache,  dass  der  Beschwerdeführer und seine Angehörigen  in keinem Register aufgeführt  seien,  sei  angesichts  ihrer  bhutanischen  Herkunft  logisch.  Weiter  sei  festzustellen,  dass  der  Bericht  des  Vertrauensanwaltes  verschiedene  Hinweise  enthalte,  welche  für  die  bhutanische  Herkunft  des  Beschwerdeführers  sprächen.  Beispielsweise  sei  die  Geburt  des  Beschwerdeführers  nicht  registriert,  was  logisch  sei,  da  dieser  ja  in  Bhutan  geboren  worden  sei.  Auch  der  Umstand,  dass  kein  Familienmitglied  auf  der  Wählerliste  und  die  Tochter  des  Beschwerdeführers  in  keinem  Schulregister  aufgeführt  sei,  sei  nachvollziehbar,  da  sie  ohne Aufenthaltsrecht  in  Indien  lebten. Die  vom  Vertrauensanwalt  befragten  lokalen  Personen  hätten  im  Weiteren  den  Nachnamen  des  Beschwerdeführers  als  nepalesisch  qualifiziert,  was  ebenfalls  mit  den  Angaben  des  Beschwerdeführers  übereinstimme.  Betreffend das Vorgehen des Vertrauensanwaltes sei festzustellen, dass  dieser ein Foto des Beschwerdeführers herumgezeigt habe. Ausserdem  habe  er  das  Geburtenregister  überprüft,  was  ohne  Bekanntgabe  des  Namens  des  Beschwerdeführers  nicht  möglich  gewesen  wäre.  Möglicherweise könne man auch aufgrund der weiteren Nachforschungen  des  Vertrauensanwaltes  Rückschlüsse  auf  die  Person  des  Beschwerdeführers  ziehen.  Daher müsse  geprüft  werden,  ob  die  Arbeit 

D­2006/2011 des Vertrauensanwaltes zu einer zusätzlichen asylrelevanten Gefährdung  des Beschwerdeführers geführt habe.  Im Weiteren sei mit Blick auf das  Aktenverzeichnis  der  Vollzugsakten  festzustellen,  dass  die  Schweizer  Behörden  im  Rahmen  der  Vollzugsbemühungen  nicht  nur  mit  der  indischen  Botschaft  kommuniziert,  sondern  auch  die  Botschaft  von  Bhutan um ein Laissez­Passer angefragt hätten, dies obwohl das BFM in  seiner Verfügung vom 29. Juli 2009 festgestellt habe, es handle sich beim  Beschwerdeführer  mit  Sicherheit  nicht  um  einen  bhutanischen  Staatsangehörigen. Dieses Vorgehen sei ein weiterer Beleg dafür,  dass  für  den  Vollzug  "kreative"  Lösungen  gesucht  würden,  unabhängig  von  ihrer  Rechtmässigkeit.  Dies  spreche  für  die  Glaubhaftigkeit  der  geltend  gemachten  neuen  Asylgründe.  Bezüglich  der  Verweigerung  der  Akteneinsicht  in  die  übrigen  Aktenstücke  sei  Folgendes  zu  bemerken:  Gemäss  Rechtsprechung  zu  Art.  6  der  Konvention  vom  4.  November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR 0.101)  sei  den  Parteien  im  Rahmen  der  Akteneinsicht  das  ganze  Dossier  zur  Kenntnis  zu  bringen,  da  es  nicht  an  den  Behörden  sei,  festzustellen, ob ein Bestandteil des Dossiers entscheidrelevant sei oder  nicht.  Die  gemäss  Rechtsprechung  des  Bundesgerichts  zulässige  Ausnahme von  internen Akten  vom Einsichtsrecht werde  von der Lehre  überwiegend  abgelehnt,  weshalb  diesbezüglich  eine  Praxisänderung  angezeigt  sei.  Vorliegend  seien  das  LINGUA­Gutachten  und  die  Vollzugsakten  von  zentraler  Bedeutung.  Das  persönliche  Interesse  des  Beschwerdeführers  an  der Akteneinsicht  überwiege  daher  ein  allfälliges  öffentliches  Interesse  an  der  Geheimhaltung  dieser  Dokumente.  Es  sei  nicht  verständlich,  weshalb  an  denjenigen  Aktenstücken,  welche  die  Zusammenarbeit  mit  der  indischen  und  bhutanischen  Botschaft  dokumentierten,  ein Geheimhaltungsinteresse  bestehe. Dieser Umstand  verstärke die Vermutung, dass  im vorliegenden Fall  – wie  in den  in der  Beschwerde  erwähnten  ähnlich  gelagerten  Fällen  –  rechtswidrige  Vorgehensweisen gewählt worden seien.  4.4. Das  BFM  hält  in  seiner  Vernehmlassung  vorab  fest,  es  seien  ihm  etliche  Fälle  von  Asylsuchenden  nepalesischer  Ethnie  bekannt,  welche  sich  als  Staatsangehörige  von  Bhutan  ausgäben  und  sich  so  ein  Aufenthaltsrecht  in der Schweiz erhofften.  Im Weiteren sei  festzustellen,  dass  der  Beschwerdeführer  im  Asylverfahren  von  Anfang  an  widersprüchliche  Angaben  gemacht  habe.  Das  daraufhin  erstellte  LINGUA­Gutachten  habe  zudem  ergeben,  dass  er  eindeutig  nicht  aus  Bhutan  stamme.  Die  Stellungnahme  der  damaligen  Rechtsvertreterin  habe  die  Befunde  des  Gutachtens  nicht  widerlegen  können.  Im 

D­2006/2011 damaligen  Asylentscheid  vom  29. Juli  2003  sei  bereits  festgehalten  worden,  dass  die  Aussagen  des  Beschwerdeführers  mehrere  Unstimmigkeiten  enthielten.  Daher  handle  es  sich  bei  den  Erwägungen  des  BFM  in  der  Verfügung  vom  24.  Februar  2011  nicht  um  blosse  Behauptungen.  Das  BFM  brachte  ausserdem  vor,  bei  dem  vom  Rechtsvertreter  erwähnten  Fall  D­7469/2009  handle  es  sich  um  einen  anders gelagerten Fall, welcher mit dem vorliegenden nicht vergleichbar  sei.  Dort  sei  weder  die  Herkunftsfrage  zur  Diskussion  gestanden,  noch  sei im vorliegenden Fall Interpol zur Identifizierung eingeschaltet worden.  4.5. In der Replik wird gerügt, das BFM sei gar nicht auf die Vorbringen in  der  Beschwerde  eingegangen  und  habe  die  dortigen  Ausführungen  demnach  auch  nicht  widerlegt.  Die  Bemerkung  des  BFM  zu  den  ethnischen  Nepalesen,  welche  sich  als  bhutanische  Staatsangehörige  ausgäben, sei unverständlich und zeige einmal mehr, dass das BFM den  persönlichen  und  historischen  Kontext  der  Herkunft  des  Beschwerdeführers  nicht  verstanden  habe  oder  bewusst  ignoriere.  Die  Erwähnung  des  Falles  D­7469/2009  in  der Beschwerde  habe  im Übrigen  nur  dazu  gedient,  zu  zeigen,  wie  das  BFM  bereits  mehrfach  im  Rahmen  der  Vollzugsbemühungen Handlungen vorgenommen habe, welche zu einer  neuen  asylrelevanten  Gefährdung  geführt  hätten.  Bezeichnenderweise  habe das BFM zum anderen erwähnten Fall (E­3893/2008) keine Stellung  genommen. Zu zentralen Aspekten der Beschwerde habe sich das BFM  in der Vernehmlassung zudem völlig ausgeschwiegen.  5.  In  der  Beschwerde  wird  im  Sinne  eines  Hauptantrages  beantragt,  die  angefochtene  Verfügung  sei  infolge  vom  BFM  begangener  formeller  Fehler zu kassieren. 5.1. In diesem Zusammenhang wird zunächst gerügt, das BFM habe mit  seiner Verfügung vom 8. März 2011 zu Unrecht nur beschränkte Einsicht  in die vorinstanzlichen Akten gewährt.  Insbesondere müsse vollständige  Einsicht  in  die Akten betreffend das LINGUA­Gutachten  vom Jahr 2003  sowie in die Vollzugsakten gewährt werden. Dieses Akteneinsichtsgesuch  wurde bereits in der Zwischenverfügung vom 12. April 2011 geprüft; es ist  auf  die  dort  gemachten  Ausführungen  zu  verweisen.  Wie  dieser  Zwischenverfügung  entnommen werden  kann,  hat  das BFM zu Unrecht  die  Einsicht  in  die  Vollzugsakte  V41  verweigert.  Nachdem  der  Beschwerdeführer nun im Rahmen des Instruktionsverfahrens Einsicht in 

D­2006/2011 das  fragliche  Aktenstück  erhalten  hat  und  dazu  ausführlich  Stellung  nehmen konnte, ist der vom BFM begangene Verfahrensfehler als geheilt  zu  erachten,  zumal  das  Bundesverwaltungsgericht  über  umfassende  Kognition  verfügt  (vgl.  Art. 106  AsylG),  der  Verfahrensfehler  nicht  als  besonders  schwerwiegend  zu  erachten  ist  und  dem  Beschwerdeführer  dadurch kein ersichtlicher Nachteil entstanden ist.  5.2. Seitens des Beschwerdeführers wird dem BFM weiter vorgeworfen,  es  habe  seinen  Entscheid  nicht  in  rechtsgenüglicher  Weise  begründet.  Dazu  ist  Folgendes  festzustellen:  Die  Pflicht  der  Behörde,  ihre  Verfügungen  zu  begründen,  folgt  unmittelbar  aus  Art.  29  Abs.  2  der  Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April  1999  (BV, SR 101) und Art.  35 Abs. 1 VwVG. Die verfügende Behörde  hat  dabei  die Überlegungen  zu  nennen,  von  denen  sie  sich  leiten  liess  und auf die sich  ihr Entscheid stützt. Die Bürgerinnen und Bürger sollen  wissen,  warum  die  Behörde  gegen  ihren  Antrag  entschieden  hat.  Die  Begründungspflicht  ist  ein  Element  rationaler  und  transparenter  Entscheidfindung  und  dient  nicht  zuletzt  auch  der  Selbstkontrolle  der  Behörden.  Die  Anforderungen  an  die  Begründungspflicht  sind  unter  Berücksichtigung  aller  Umstände  des  Einzelfalles  sowie  der  Interessen  der  Betroffenen  festzulegen.  Eine  hinreichende  Begründung  bildet  die  Grundlage  für  eine  sachgerechte  Anfechtung  der  Verfügung  durch  die  Betroffenen  und  stellt  gleichzeitig  eine  unabdingbare  Voraussetzung  für  die  Beurteilung  ihrer Rechtmässigkeit  durch  die  Beschwerdeinstanz  dar  (vgl.  ALFRED  KÖLZ/ISABELLE  HÄNER,  Verwaltungsverfahren  und  Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 2. Aufl., Zürich 1998, Rz. 325 und  354  f.;  LORENZ  KNEUBÜHLER,  in:  Auer/Müller/Schindler  [Hrsg.],  VwVG,  Kommentar  zum  Bundesgesetz  über  das  Verwaltungsverfahren,  Zürich/St. Gallen 2008, Rz.  4  ff.  zu Art.  35, S. 509  ff.).  Im  vorliegenden  Fall  ist mit Blick  auf  die Ausführungen  in  der Beschwerde  festzustellen,  dass  der  Beschwerdeführer  offensichtlich  primär  mit  dem  Inhalt  der  Begründung  des  BFM  nicht  einverstanden  ist,  insbesondere  mit  der  Argumentation  des  BFM,  der  Beschwerdeführer  habe  betreffend  seiner  Herkunft  und  seiner  Asylgründe  die  Unwahrheit  gesagt  und  jegliche  Vollzugshandlungen  behindert,  weshalb  davon  auszugehen  sei,  er  verfüge  in  Indien  über  ein  Aufenthaltsrecht.  Eine  Verletzung  der  Begründungspflicht  ist mit Blick auf die Erwägungen des BFM jedenfalls  nicht  ersichtlich.  Insbesondere  gibt  die  angefochtene  Verfügung  in  rechtsgenüglicher  Weise  darüber  Auskunft,  aus  welchen  Gründen  das  BFM  die  Flüchtlingseigenschaft  des  Beschwerdeführers  als  nicht 

D­2006/2011 gegeben  erachtet.  Eine  sachgerechte  Anfechtung  war  im  vorliegenden  Fall offensichtlich ohne Weiteres möglich. 5.3.  Ausserdem  wird  in  der  Beschwerde  gerügt,  das  BFM  habe  die  Parteivorbringen  betreffend  die  Herkunft  des  Beschwerdeführers  (namentlich  die  umfangreiche  Eingabe  vom  27.  Mai  2010)  nicht  genügend gewürdigt. Gemäss Art. 32 Abs. 1 VwVG würdigt die Behörde,  bevor  sie  verfügt,  alle  erheblichen  und  rechtzeitigen  Vorbringen  der  Parteien. Dieser Teilgehalt des rechtlichen Gehörs ergibt sich direkt aus  Art.  29  Abs.  2  BV.  Die  Behörde  darf  sich  auf  die  für  den  Entscheid  wesentlichen  Gesichtspunkte  beschränken,  dabei  aber  nur  diejenigen  Argumente  stillschweigend  übergehen,  die  für  den Entscheid  erkennbar  unbehelflich  sind  (vgl.  dazu  PATRICK  SUTTER,  in:  Auer/Müller/Schindler  (Hrsg.),  VwVG,  Kommentar  zum  Bundesgesetz  über  das  Verwaltungsverfahren, Zürich/St. Gallen 2008, Rz. 1f. zu Art. 32, S. 454  und 455). Für den vorliegenden Fall  ist  festzustellen, dass das BFM die  Eingabe  vom  27.  Mai  2010  in  der  Verfügung  vom  24.  Februar  2011  erwähnt  und  dabei  deren  Inhalt  zusammengefasst  hat  (vgl.  Ziff.  8  der  Sachverhaltsfeststellungen).  Angesichts  der  Tatsache,  dass  bereits  im  ersten  Asylverfahren  festgestellt  worden  war,  dass  die  angebliche  bhutanische Herkunft des Beschwerdeführers unglaubhaft sei, und diese  Verfügung unangefochten blieb, durfte das BFM ohne Weiteres auf eine  ausdrückliche  Würdigung  der  erneuten,  wortreichen  Behauptung  der  bhutanischen  Herkunft  des  Beschwerdeführers  sowie  der  diesbezüglich  eingereichten  weiteren  Beweismittel  verzichten,  zumal  es  im  Rahmen  eines zweiten Asylgesuchs primär darum geht, seit Abschluss des ersten  Asylverfahrens neu eingetretene Asylgründe zu überprüfen und sich der  relevante  Sachverhalt  bezüglich  der  Nationalität  beziehungsweise  Herkunft  des  Beschwerdeführers  in  dieser  Zeit  nicht  verändert  hat.  Immerhin hat das BFM in seinen Erwägungen die in der Eingabe vom 27.  Mai  2010  gestellten  Beweisanträge  ausdrücklich  abgewiesen  und  sich  somit  durchaus  mit  deren  Inhalt  befasst.  Die  Rüge  der  ungenügenden  Würdigung  der  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  erscheint  nach  dem  Gesagten unbegründet.  5.4. In der Beschwerde wird weiter gerügt, das BFM habe den Anspruch  des  Beschwerdeführers  auf  rechtliches Gehör  verletzt,  indem  im  ersten  Asylverfahren  keine  Akteneinsicht  in  die  LINGUA­Analyse  gewährt  und  dadurch das Recht auf vorgängige Stellungnahme (Art. 30 Abs. 1 VwVG)  vereitelt  worden  sei.  Dazu  ist  vorab  zu  bemerken,  dass  diese  Rüge  offensichtlich  verspätet  und  damit  unzulässig  ist,  da  sie  bereits  im 

D­2006/2011 Rahmen  des  ersten  Asylverfahrens,  namentlich  im  Rahmen  einer  Beschwerde  gegen  die  Verfügung  des  BFM  vom  29.  Juli  2003,  hätte  vorgebracht  werden  können  und  müssen.  Im  Übrigen  wurde  im  damaligen Zeitpunkt das rechtliche Gehör zur LINGUA­Analyse durchaus  korrekt  gewährt  (vgl.  dazu  bereits  die  Ausführungen  in  der  Zwischenverfügung vom 12. April 2011). Eine Verletzung des Anspruchs  auf  rechtliches  Gehör  ist  daher  in  diesem  Zusammenhang  nicht  ersichtlich. 5.5. Ausserdem wird in der Beschwerde vorgebracht, das BFM habe den  rechtserheblichen  Sachverhalt  unvollständig  respektive  unrichtig  festgestellt.  Das  BFM  hätte  vor  Erlass  eines  Entscheides  insbesondere  die Fragen, ob der Beschwerdeführer in Indien über ein Aufenthaltsrecht  verfüge,  ob  es  zwischen  dem  BFM  und  der  indischen  Botschaft  zu  Absprachen  gekommen  seien,  welche  eine  Gefährdung  des  Beschwerdeführers  zur  Folge  haben,  und  ob  die  BFM­Sachbearbeiterin  Frau W.  ihre Kompetenzen überschritten habe, näher abklären müssen.  Zudem  hätten  weitere  Massnahmen  zur  Feststellung  der  Herkunft  des  Beschwerdeführers  getroffen  werden  müssen,  namentlich  eine  neue  LINGUA­Analyse  sowie  gegebenenfalls  eine  Botschaftsabklärung  und  eine  Anfrage  an  das  UNHCR.  Dazu  ist  Folgendes  zu  bemerken:  Im  Rahmen  des  ersten  Asylverfahrens,  welches  mit  der  vorinstanzlichen  Verfügung vom 29. Juli 2003 rechtskräftig abgeschlossen wurde, wurde –  unter  anderem  gestützt  auf  eine  LINGUA­Analyse  –  festgestellt,  der  Beschwerdeführer stamme entgegen seinen Angaben nicht aus Bhutan,  sondern  höchstwahrscheinlich  aus  Indien  und  habe  die  Schweizer  Behörden somit über seine Herkunft getäuscht. Diese Feststellung blieb  unangefochten.  Der  Beschwerdeführer  hat  im  Rahmen  des  zweiten  Asylgesuchs  keine  neuen  Beweismittel  eingereicht,  welche  diese  Feststellung  entkräften  beziehungsweise  die  von  ihm  behauptete  bhutanische  Staatsangehörigkeit  beweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen  könnten.  Damit  bestand  für  das  BFM  offensichtlich  keine  Veranlassung,  die  Frage  seiner  Herkunft  erneut  zu  prüfen.  Immerhin  wurde  im  Rahmen  der  Vollzugsbemühungen  versucht,  die  spärlichen  Angaben des Beschwerdeführers zu seiner Identität, seinen Angehörigen  in  Nagaland  und  der  von  ihm  angegebenen  dortigen  Adresse  mittels  Botschaftsanfrage überprüfen zu lassen, was indessen nicht gelungen ist,  da sich die Angaben des Beschwerdeführers in wesentlichen Punkten als  falsch  oder  unbrauchbar  herausstellten  und  er  sich  dem  Vertrauensanwalt  der  schweizerischen  Botschaft  in  Indien  gegenüber  unkooperativ  verhielt  (vgl.  V10  ff.  sowie  den  Bericht  des 

D­2006/2011 Vertrauensanwaltes  der  Schweizer  Botschaft  in  V41).  Zusätzliche  Abklärungen  zur  Herkunft  des  Beschwerdeführers  und  seinem  Aufenthaltsstatus  in  Indien  (mittels  erneuter  LINGUA­Analyse,  Botschaftsabklärung  oder  Anfrage  an  das  UNHCR)  wären  bei  dieser  Sachlage unbehelflich respektive von vornherein zum Scheitern verurteilt,  weshalb das BFM ohne Weiteres darauf verzichten durfte. Stattdessen ist  der  Beschwerdeführer  an  dieser  Stelle  erneut  und  nachdrücklich  auf  seine Mitwirkungspflicht  gemäss  Art. 8  Abs.  1  Bst.  a  und  Abs.  4  AsylG  hinzuweisen. Betreffend die Kritik des Rechtsvertreters an der LINGUA­ Analyse vom 25. Mai 2003 ist anzufügen, dass darin keine Aussage über  die Staatsangehörigkeit des Beschwerdeführers gemacht wurde, sondern  lediglich über den Hauptsozialisierungsort. Mit Blick auf den Werdegang  und die Qualifikation des damaligen Experten (vgl. A15) sind im Weiteren  auch die in der Beschwerde geäusserten Zweifel an dessen Qualifikation  als unbegründet zu bezeichnen. Dieser Vorwurf hätte  im Übrigen bereits  im  ersten  Asylverfahren  vorgebracht  werden  müssen.  Schliesslich  ist  auch der behauptete weitere Abklärungsbedarf hinsichtlich der Frage, ob  es  zwischen  dem  BFM  und  der  indischen  Botschaft  zu  Absprachen  gekommen  und  daraus  allenfalls  eine Gefährdungslage  entstanden  sei,  zu  verneinen.  Eine  Durchsicht  der  Akten  fördert  keinerlei  Hinweise  auf  derartige Absprachen zutage. Dies wurde übrigens bereits  im Urteil des  Bundesverwaltungsgerichts  A­7307/2008 vom 14. April 2009, E. 6.3.2 S. 9 festgestellt. Ebenso wenig  finden sich in den Akten Hinweise darauf, dass sich die BFM­Mitarbeiterin  Frau  W.  im  vorliegenden  Fall  möglicherweise  einer  Kompetenzüberschreitung  schuldig  gemacht  oder  Verfahrensfehler  begangen  hätte.  Bei  den  diesbezüglichen  Vorwürfen  seitens  des  Rechtsvertreters  des  Beschwerdeführers  handelt  es  sich  um  reine  Vermutungen  gestützt  auf  Verfahrensfehler,  welche  das  BFM  (teilweise  unter  Beteiligung  von  Frau  W.)  in  anderen  Fällen  begangen  beziehungsweise  angeblich  begangen  hat  (vgl.  dazu  N  465  082,  D­ 7469/2009: rechtswidrige erkennungsdienstliche Anfrage an das Interpol­ Office im Herkunftsland mit ungewissen Folgen; N 339 700, E­3893/2008  [Beschwerde noch hängig]: Absprache zwischen dem bangladeschischen  Konsul  in  der  Schweiz  und  dem  BFM  darüber,  dass  im  Sinne  eines  "Versuchsballons"  –  das  heisst  ohne  feststehende  Identität  des  Asylsuchenden  –  ein  Laissez­Passer  ausgestellt  werden  könnte).  Die  Tatsache, dass im vorliegenden Fall neben der indischen Botschaft auch  die  bhutanische  Botschaft  um  die  Ausstellung  eines  Laissez­Passer  ersucht  wurde,  stellt  keineswegs  eine  unrechtmässige  Verfahrenshandlung  dar,  sondern  rechtfertigt  sich  durch  den  Umstand, 

D­2006/2011 dass  der  Beschwerdeführer  trotz  eindeutiger  gegenteiliger  Indizien  behauptet,  die  bhutanische  Staatsangehörigkeit  zu  besitzen.  Da  im  vorliegenden  Verfahren  –  wie  erwähnt  –  keinerlei  Hinweise  auf  unrechtmässiges Verhalten des BFM respektive von Frau W. festgestellt  werden  können,  besteht  keine  Veranlassung,  diesen  Vorwürfen  weiter  nachzugehen  oder  Frau  W.  im  vorliegenden  Beschwerdeverfahren  als  Zeugin  einzuvernehmen.  Die  Rüge  der  ungenügenden  Sachverhaltsabklärung  ist  daher  auch  in  diesem  Punkt  unbegründet.  Insgesamt  kann  der  Auffassung  des  Beschwerdeführers,  wonach  das  BFM  den  rechtserheblichen  Sachverhalt  ungenügend  festgestellt  habe,  nicht gefolgt werden. Vielmehr ist der Sachverhalt als liquid zu erachten. 5.6.  Nach  dem  Gesagten  besteht  kein  Grund,  die  vorinstanzliche  Verfügung  infolge  Verfahrensmängel  zu  kassieren,  weshalb  der  entsprechende Antrag abzuweisen ist. 6.  Damit bleibt zu prüfen, ob der Beschwerdeführer aufgrund der im zweiten  Asylverfahren  geltend  gemachten Asylgründe  die  Flüchtlingseigenschaft  im Sinne von Art. 3 i.V.m. Art. 7 AsylG erfüllt. 6.1.  Vorab  ist  darauf  hinzuweisen,  dass  das  erste  Asylverfahren  des  Beschwerdeführers,  nachdem  der  erstinstanzliche  Entscheid  unangefochten  blieb,  rechtskräftig  abgeschlossen  ist.  Revisionsgründe  wurden  nicht  geltend  gemacht  und  sind  aufgrund  der  Aktenlage  auch  nicht  von  Amtes  wegen  anzunehmen.  Demnach  ist  im  vorliegenden,  zweiten Asylverfahren nur noch zu prüfen, ob seit Abschluss des ersten  Asylverfahrens  neue  Asylgründe  entstanden  sind.  Diesbezüglich  wurde  vom  Beschwerdeführer  vorgebracht,  die  vom  BFM  respektive  vom  Kanton unternommenen Vollzugsbemühungen hätten dazu geführt, dass  er bei einer Ausschaffung nach  Indien eine asylrelevante Verfolgung zu  gewärtigen  habe.  Der  (indische)  Vertrauensanwalt  der  schweizerischen  Vertretung  in  Indien,  mit  welchem  der  Beschwerdeführer  ein  Telefongespräch habe führen müssen, habe ihm am Telefon gedroht und  gesagt, er wisse, dass er nicht indischer Staatsangehöriger sei; Indien sei  aber  dennoch  daran  interessiert,  ihn  nach  Indien  zurückzuholen,  da  er  verdächtigt werde,  für die  in Nagaland aktive Untergrundbewegung  tätig  gewesen  zu  sein.  Bei  einer  Rückkehr  nach  Indien würde  er  umgehend  verhaftet,  damit  dieser  Vorwurf  abgeklärt  werden  könnte.  Bei  diesem  Vertrauensanwalt  handle  es  sich  im  Übrigen  um  denselben  Mann,  mit  welchem der Beschwerdeführer bereits anlässlich seiner Vorführung auf 

D­2006/2011 der  indischen  Botschaft  in  Bern  gesprochen  habe,  womit  offensichtlich  eine Interessenkollision vorliege. Der Vertrauensanwalt habe zudem auch  durch  seine  Abklärungsarbeit  in  Indien  eine  Gefährdungslage  für  den  Beschwerdeführer  geschaffen.  Es  sei  davon  auszugehen,  dass  der  Beschwerdeführer bei den  indischen Behörden nun als Unterstützer der  ULFA registriert sei. Diese neuen Asylgründe sind indessen als haltlos zu  erachten.  Zunächst  ist  zu  bemerken,  dass  es  sich  beim Mitarbeiter  der  indischen  Botschaft  in  Bern  (den  Akten  zufolge  ein  Herr  B.)  und  dem  Vertrauensanwalt  der  schweizerischen  Vertretung  in  Indien  (Herr  R.)  entgegen  der  unsubstanziierten  Behauptung  des  Beschwerdeführers  offensichtlich nicht  um dieselbe Person handelt. Dies wurde  im Übrigen  bereits  im  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­7307/2008 vom 14. April 2009, E. 6.3.2 S. 9,  festgestellt. Der Vorwurf  der Interessenkollision ist demnach völlig unbegründet. Im Weiteren sind  den  Akten  keine  konkreten  und  glaubhaften  Hinweise  dafür  zu  entnehmen,  dass  der  Vertrauensanwalt  der  schweizerischen  Vertretung  in  Indien  den  Beschwerdeführer  anlässlich  des  Telefongesprächs  vom  23. Oktober  2008  in  der  behaupteten Weise  bedroht  hat.  Insbesondere  finden sich weder in den Aktennotizen der involvierten Vollzugsbehörden  noch  im  Bericht  des  Vertrauensanwaltes  Bemerkungen,  welche  den  Schluss  zulassen  könnten,  der  Vertrauensanwalt  habe  sich  mit  dem  Beschwerdeführer  über  eine  zukünftige  Verfolgung  durch  die  indischen  Behörden  infolge  seiner  vermuteten  Nähe  zur  "ALFA"  bzw.  ULFA  unterhalten. Im Übrigen ist das Vorbringen, wonach der Vertrauensanwalt  dem Beschwerdeführer gedroht habe, er würde bei einer Rückkehr nach  Indien verfolgt, auch völlig realitätsfremd; hätten die  indischen Behörden  tatsächlich  ein  Interesse  an  der  Rückkehr  und  Inhaftierung  des  Beschwerdeführers, würden  sie  ihn nämlich wohl  kaum vorwarnen. Wie  bereits  erwähnt  (vgl.  E.  5.5)  ergeben  sich  aus  den  Akten  ferner  keine  Hinweise  auf  Absprachen  zwischen  dem  Vertrauensanwalt  und  dem  BFM,  welche  zu  einer  Gefährdung  des  Beschwerdeführers  führen  könnten.  Schliesslich  ist  auch  nicht  ersichtlich,  inwiefern  die  Nachforschungen  des  Vertrauensanwaltes  zu  einer  zusätzlichen  Gefährdung  des  Beschwerdeführers  hätten  führen  können.  Der  Vertrauensanwalt gab  insbesondere den  indischen Behörden gegenüber  den Namen des Beschwerdeführers nicht bekannt  (vgl.  den Bericht des  Vertrauensanwaltes  V41),  sondern  konsultierte  die  einschlägigen  Register selber. Ohnehin  ist aufgrund der Aktenlage davon auszugehen,  dass die Angaben des Beschwerdeführers zu seiner Identität und seiner  ehemaligen  Wohnadresse  in  Indien  unzutreffend  und  irreführend  sind,  weshalb  die  diesbezüglichen  Abklärungen  seitens  des 

D­2006/2011 Vertrauensanwaltes  erfolglos  blieben  und  auch  keine  Gefährdung  des  Beschwerdeführers oder seiner Angehörigen erfolgen konnte. Die geltend  gemachten  neuen  Asylgründe  sind  nach  dem  Gesagten  offensichtlich  unglaubhaft. 6.2.  Wie  erwähnt  sind  im  Rahmen  des  vorliegenden  zweiten  Asylverfahrens  die  bereits  im  ersten  Asylverfahren  vorgetragenen  Asylgründe  (angebliche Verfolgung durch Angehörige der  "ALFA"  sowie  Verfolgung  durch  die  indischen  Behörden  aufgrund  des  Verdachts,  der  "ALFA" anzugehören) grundsätzlich nicht mehr zu überprüfen, zumal sich  diesbezüglich  keine  neuen  Sachverhaltselemente  ergeben  haben.  Da  jedoch  seitens  des  Rechtsvertreters  des  Beschwerdeführers  mehrfach  auf diese Vorbringen verwiesen wird, ist dazu an dieser Stelle zumindest  Folgendes zu bemerken: Der Beschwerdeführer brachte im Rahmen des  ersten  Asylgesuchs  vor,  er  sei  in  Nagaland  von  der  "ALFA"  bedrängt  worden,  entweder  dieser  Organisation  beizutreten  oder  nach  Bhutan  zurückzukehren. Weil er nicht beigetreten sei, sei sein Leben  in Gefahr.  Zudem sei er vom  indischen Militär verdächtigt worden, ein Mitglied der  "ALFA"  zu  sein.  Diese  Vorbringen  sind  indessen  als  unglaubhaft  zu  qualifizieren. Zunächst ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer in der  Erstbefragung vom 24. September 2002 noch keine Verfolgung durch die  oder im Zusammenhang mit der "ALFA" geltend machte, sondern diesen  Asylgrund  erst  in  der  Anhörung  vom  11.  Februar  2003  erwähnte.  Im  Weiteren  waren  seine  Angaben  zur  "ALFA"  äusserst  unsubstanziiert.  Insbesondere  konnte  er  die  Bedeutung  der  Abkürzung  "ALFA"  nicht  erklären  (vgl.  A9  S.  11)  und  erklärte  sogar  ausdrücklich,  es  heisse  "ALFA",  nicht  ULFA  (vgl.  A9  S.  21),  was  indessen  tatsachenwidrig  ist.  Auch zu den Zielen der "ALFA" bzw. ULFA konnte der Beschwerdeführer  nur  rudimentäre  Angaben  machen  (vgl.  A9  S.  11).  Es  ist  aus  diesen  Gründen nicht glaubhaft, dass er während mehrerer Jahre (vgl. A9 S. 5)  von der "ALFA" bedrängt und bedroht worden war. Der Beschwerdeführer  widersprach sich zudem bezüglich der Frage, ob er persönlichen Kontakt  zu Mitgliedern der  "ALFA" gehabt habe  (vgl. A9 S. 11 und B8 S. 4).  Im  Weiteren  ist  auch  die  geltend  gemachte  Furcht  vor  einer  Verfolgung  durch die  indischen Behörden respektive Militärs unglaubhaft, zumal der  Beschwerdeführer  im  ersten  Asylverfahren  selbst  erklärte,  diese  hätten  ihm geglaubt, dass er kein "ALFA"­Mitglied sei, da sie dies sofort sehen  würden, weshalb er sich nicht vor dem  indischen Militär  fürchte  (vgl. A9  S.12 und 13). 

D­2006/2011 6.3. Gestützt auf die vorstehenden Erwägungen sind die Asylgründe des  Beschwerdeführers insgesamt als unglaubhaft zu erachten. Somit hat die  Vorinstanz  das  zweite  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  zur  Recht  abgelehnt.  An  dieser  Einschätzung  vermögen  weder  die  weiteren  Ausführungen  in  der  Beschwerde  noch  die  eingereichten  Beweismittel  etwas  zu  ändern,  weshalb  darauf  an  dieser  Stelle  nicht  mehr  näher  einzugehen ist. 7.  7.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  ordnet den Vollzug an (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 7.2. Der Beschwerdeführer  verfügt weder  über  eine  ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung noch hat er Anspruch auf Erteilung einer solchen.  Die  Wegweisung  wurde  demnach  zu  Recht  angeordnet  (Art. 44  Abs. 1  AsylG;  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission [EMARK] 2001 Nr. 21). 8.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht  möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember  2005 über  die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG,  SR 142.20]). In  Bezug  auf  die  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt  gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  der  im  Bereich  des  Asylrechts  vormals  zuständigen  Schweizerischen  Asylrekurskommission  (ARK)  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte  Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl.  WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser  [Hrsg.],  Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148). Grundsätzlich  ist  von  Amtes  wegen  zu  prüfen,  ob  der  Vollzug  der  Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich  im Sinne  von Art. 83 Abs. 2­4 AuG ist. Allerdings findet diese Untersuchungspflicht  nach  Treu  und  Glauben  ihre  Grenze  an  der  Mitwirkungspflicht  der  asylsuchenden  Person  (vgl.  Art.  8  AsylG),  welche  im Übrigen  auch  die 

D­2006/2011 Substanziierungslast trägt (vgl. Art. 7 AsylG). Bei fehlenden oder falschen  Angaben zur Herkunft sind die Behörden nicht gehalten, nach allfälligen  Wegweisungshindernissen  in möglichen Heimatstaaten zu  forschen (vgl.  dazu EMARK 2005 Nr. 1 E. 3.2.2). 8.1.  Für  den  vorliegenden  Fall  ist  festzustellen,  dass  das  Bundesamt  bereits  in  seinem  ersten  Asylentscheid  vom  29.  Juli  2003  zum Schluss  kam,  der  Beschwerdeführer  stamme  nicht  wie  behauptet  aus  Bhutan,  sondern  sei  höchstwahrscheinlich  ein  Staatsangehöriger  von  Indien.  Demzufolge  prüfte  das  Bundesamt  damals  den  Wegweisungsvollzug  nach  Indien  und  erachtete  diesen  als  durchführbar.  Diese  Verfügung  erwuchs  unangefochten  in  Rechtskraft.  Seit  Abschluss  des  ersten  Asylverfahrens haben sich keine neuen Sachverhaltselemente betreffend  die  wahre  Staatsangehörigkeit  des  Beschwerdeführers  ergeben.  Insbesondere hat er nach wie vor keine  rechtsgenüglichen Beweismittel  für  seine  behauptete  bhutanische  Staatsangehörigkeit  zu  den  Akten  gereicht.  Beim  heutigen  Aktenstand  ist  daher  weiterhin  davon  auszugehen,  dass  die  geltend  gemachte  bhutanische  Staatsangehörigkeit  unglaubhaft  ist.  Diese  Schlussfolgerung  ergeht  gestützt  auf  mehrere  Indizien:  Im  Jahr  2003  kam  ein  Experte  der  Fachstelle  LINGUA  nach  einem  Telefoninterview  mit  dem  Beschwerdeführer  zum  Ergebnis,  dieser  sei  mit  Sicherheit  nicht  in  Bhutan,  sondern  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  in  Indien  hauptsozialisiert worden. Dieser Experte stellte unter anderem fest, dass  die  geographischen,  sprachlichen  und  kulturellen  Kenntnisse  des  Beschwerdeführers  über  Bhutan  mangelhaft  seien.  Insbesondere  existierten  die  von  ihm  als  Herkunftsort  respektive  ­distrikt  genannten  Orte  in  Bhutan  nicht.  Der  Experte  bemerkte  zudem,  dass  das  vom  Beschwerdeführer  abgegebene  bhutanische  Schuldokument  nicht  authentisch sei. Auch mit Blick auf die Antworten des Beschwerdeführers  anlässlich der Anhörung vom 11. Februar 2003 ist offensichtlich, dass er  über sein angebliches Heimatland Bhutan kaum etwas weiss (vgl. A9 S.  15  ff).  Ausserdem  hat  er  sich  bezüglich  des  Datums  der  Ausreise  aus  Bhutan,  der  absolvierten  Schuljahre  in  Bhutan  sowie  seiner  Dzongkha­ Kenntnisse widersprochen (vgl. dazu A1 S. 4 und 5 sowie A9 S. 3, 7 und  15).  Im  Übrigen  ist  davon  auszugehen,  dass  er  selbst  bei  nur  kurzer  Schuldauer in Bhutan ohne Weiteres in der Lage sein müsste, zumindest  die rudimentärsten Wörter in der Sprache Dzongkha zu beherrschen. Die  Glaubwürdigkeit des Beschwerdeführers wird schliesslich auch durch den  Umstand  beeinträchtigt,  dass  seine  Angaben  zu  seiner  Identität  und  seiner Wohnadresse  in  Indien  nicht  verifiziert werden  konnten  (vgl.  den 

D­2006/2011 bereits  mehrfach  erwähnten  Bericht  des  Vertrauensanwaltes,  V41;  vgl.  auch V10 ff. betreffend eines nicht zustellbaren Briefs an die angebliche  Wohnadresse des Beschwerdeführers  in Nagaland). Der Rechtsvertreter  wendet in diesem Zusammenhang ein, es sei logisch, dass keine Spuren  des  Beschwerdeführers  und  seiner  Angehörigen  in  Nagaland  gefunden  werden könnten, da sich diese dort ohne Aufenthaltsrecht aufhielten und  daher nirgends registriert seien (vgl. Beschwerdeergänzung vom 27. April  2011).  Die  Tatsache,  dass  der  Vertrauensanwalt  am  angeblichen  indischen  Wohnort  des  Beschwerdeführers  und  seiner  Familienangehörigen  in  Nagaland  keine  Hinweise  auf  deren  dortigen  Aufenthalt  finden  konnte,  spricht  jedoch  keineswegs  für  die  Glaubwürdigkeit  des  Beschwerdeführers  (und  vermag  schon  gar  nicht  dessen angebliche Herkunft aus Bhutan zu belegen), zumal sich dadurch  am  Umstand,  wonach  die  Angaben  des  Beschwerdeführers  trotz  aufwendiger Abklärungen bis heute nicht bestätigt werden konnten, nichts  ändert.  Im Übrigen widerspricht sich der Beschwerdeführer selber, wenn  er  einerseits  behauptet,  er  sei  in  Nagaland  nirgends  registriert  und  deshalb  für  den  Vertrauensanwalt  unauffindbar  gewesen,  andererseits  vorbringt,  sein  Haus  sei  mehrfach  durch  die  Polizei  –  welche  somit  offenbar  ohne  Weiteres  in  der  Lage  war,  ihn  ausfindig  zu  machen –  durchsucht  worden  (vgl.  B8  S.  4).  Aufgrund  dessen  ist  davon  auszugehen, dass der Beschwerdeführer auch zu seinem Aufenthaltsort  sowie  Aufenthaltsstatus  in  Indien  unzutreffende  Angaben  gemacht  hat.  Zumindest  ist  es  jedoch  gestützt  auf  die  vorstehenden Erwägungen  als  überwiegend wahrscheinlich zu erachten, dass der Beschwerdeführer gar  nie  in  Bhutan  gelebt  hat  geschweige  denn  die  Staatsangehörigkeit  Bhutans innehat. Seine Staatsangehörigkeit ist somit unbekannt. 8.2.  Bei  dieser  Sachlage  hat  der  Beschwerdeführer  die  Folgen  seiner  mangelhaften  Mitwirkung  respektive  Verheimlichung  seiner  wahren  Identität  und  Herkunft  zu  tragen,  indem  vermutungsweise  davon  auszugehen  ist,  es  würden  einem  Vollzug  der  Wegweisung  in  den  tatsächlichen  Heimatstaat  keine  landes­  oder  völkerrechtlichen  Vollzugshindernisse im Sinne von Art. 44 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 83 Abs.  3 und 4 AuG entgegenstehen (vgl. EMARK 2005 Nr. 1 E. 3.2.2 S. 5  f.).  Der  Vollzug  der  Wegweisung  des  Beschwerdeführers  ist  damit  ohne  Weiteres als zulässig und zumutbar zu erachten. 8.3.  Da  aufgrund  der  Aktenlage  eine  Herkunft  des  Beschwerdeführers  aus  Indien  wahrscheinlich  erscheint,  kann  hinsichtlich  der  Frage  der  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  (vgl.  Art.  83  Abs.  4  AuG) 

D­2006/2011 immerhin Folgendes angefügt werden: Eigenen Angaben zufolge verfügt  der Beschwerdeführer in Indien über Familienangehörige, welche ihn bei  Bedarf unterstützen können. Somit wäre er bei einer Ausschaffung nach  Indien dort nicht auf sich alleine gestellt. Seine medizinischen Probleme  (Bluthochdruck;  vgl.  B13  S.  1  und  2)  sind  in  Indien  ohne  Weiteres  behandelbar;  die  benötigten  Medikamente  sind  vorhanden,  und  es  gibt  zumindest  in  den  grösseren  Städten  Ärzte,  welche  die  notwendigen  Kontrolluntersuchungen durchführen können. Eine Rückkehr nach Indien  ist demnach als zumutbar zu erachten. 8.4. Der Vollzug der Wegweisung ist nicht möglich, wenn die Ausländerin  oder  der  Ausländer  weder  in  den  Heimat­  oder  in  den  Herkunftsstaat  noch  in  einen  Drittstaat  ausreisen  oder  dorthin  gebracht  werden  kann  (Art. 83 Abs. 2 AuG). Gemäss der nach wie vor gültigen Rechtsprechung  der  vormaligen  ARK  setzt  die  Feststellung  der  technischen  und  praktischen  Unmöglichkeit  des  Wegweisungsvollzugs  voraus,  dass  sowohl seitens der betroffenen Person als auch seitens der zuständigen  kantonalen  und  Bundesbehörden  alle  Anstrengungen  hinsichtlich  einer  freiwilligen  Ausreise  respektive  der  zwangsweisen  Rückführung  unternommen worden sind. Nur wenn zur Zeit des Urteils klar erkennbar  ist, dass der Vollzug sich bereits während mehr als einem Jahr nicht hat  bewerkstelligen  lassen  und  auch  weiterhin  aus  technischen  oder  rechtlichen  Gründen  auf  unabsehbare  Zeit  nicht  möglich  ist,  stellt  das  Bundesverwaltungsgericht dies fest und weist die Vorinstanz an, anstelle  des Vollzugs die vorläufige Aufnahme anzuordnen. Die Möglichkeit einer  freiwilligen  Heimreise  steht  der  Feststellung,  ein  Wegweisungsvollzug  erweise sich als unmöglich, von vornherein entgegen. Massgeblich für die  Beurteilung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  bezüglich  des  Vollzugs  der  Wegweisung  ist  die  Situation  im  Zeitpunkt  des  Urteils  (vgl.  zum  Ganzen EMARK 2006 Nr. 15 E. 3.3, EMARK 1997 Nr. 27, E. 4b sowie  u.a.  das  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  E­1318/2008  vom  18.  Oktober 2010, mit weiteren Hinweisen).  Im  vorliegenden  Fall  trifft  es  zwar  zu,  dass  sich  der  Vollzug  der  Wegweisung  des  Beschwerdeführers  seit  bald  acht  Jahren  als  faktisch  unmöglich  erweist.  Daraus  ergibt  sich  jedoch  entgegen  der  vom  Rechtsvertreter  des  Beschwerdeführers  (und  offenbar  auch  vom  Gerichtspräsidenten 6 des Gerichtskreises V Burgdorf­Fraubrunnen; vgl.  dessen Urteil vom 4. September 2009) vertretenen Auffassung nicht per  se die Unmöglichkeit des Vollzugs im Sinne von Art. 83 Abs. 2 AuG. Es  ist  an  dieser  Stelle  darauf  hinzuweisen,  dass  der  Gerichtspräsident  6 

D­2006/2011 zugunsten  des  Beschwerdeführers  (es  handelte  sich  beim  fraglichen  Verfahren um eine Strafsache, bei welchem der Grundsatz "Im Zweifel für  den  Angeklagten"  gilt)  davon  ausging,  es  handle  sich  beim  Beschwerdeführer  um  einen  bhutanischen  Staatsangehörigen  nepalesischer  Ethnie  (bei  welchen  das  Fehlen  von  Identitätspapieren  unter  Umständen  nachvollziehbar  ist;  vgl.  den UNHCR­Bericht  vom  30.  Juni  2009).  Das  Bundesverwaltungsgericht  vertritt  im  vorliegenden  Asylverfahren hingegen die begründete Auffassung (vgl. dazu namentlich  E.  8.1),  dass  die  angebliche  bhutanische  Staatsangehörigkeit  des  Beschwerdeführers  unglaubhaft  ist,  weshalb  auch  kein  Grund  besteht,  seine  angebliche Papierlosigkeit  als wahrscheinlich  und damit  glaubhaft  zu  erachten.  Vielmehr  ist  festzustellen,  dass  es  grundsätzlich  dem  Beschwerdeführer  obliegt,  sich  die  für  eine  Rückkehr  in  sein  effektives  Heimatland notwendigen Reisepapiere  zu beschaffen  (vgl. Art.  8 Abs. 4  AsylG  und  dazu  auch  BVGE 2008/34  E. 12  S. 513 – 515).  Im  vorliegenden Fall ist zudem auch Art. 83 Abs. 7 Bst. c AuG zu beachten:  Demnach  liegt  keine  relevante  Unmöglichkeit  vor,  wenn  eine  Ausreise  objektiv  möglich  wäre,  sie  jedoch  einzig  aufgrund  des  aktuellen  Verhaltens  des  Ausländers  unmöglich  wird,  wenn  die  weggewiesene  Person  also  durchaus  ausreisen  könnte,  dies  jedoch  verweigert,  indem  sie beispielsweise nicht preisgibt, woher sie kommt und es den Behörden  aus  diesem  Grund  unmöglich  wird,  gültige  Papiere  zu  beschaffen  (vgl.  dazu  beispielsweise RUEDI  ILLES, NINA SCHREPFER,  JÜRG SCHERTENLEIB,  Schweizerische  Flüchtlingshilfe  SFH  [Hrsg.]:  Handbuch  zum  Asyl­  und  Wegweisungsverfahren,  Bern  Stuttgart  Wien  2009,  S.  236  f.;  PETER  BOLZLI,  Kommentierung  von  Art.  83  AuG,  in  Spescha/Thür/Zünd/Bolzli,  Migrationsrecht, Zürich 2008, N. 7 zu Art. 83). Vorliegend ist aufgrund der  bestehenden  Aktenlage  (vgl.  dazu  namentlich  E. 5.5  und  8.1)  davon  auszugehen,  dass  sich  der  Beschwerdeführer  den  Vollzugsbehörden  gegenüber  unkooperativ  verhält,  indem  er  ihnen  namentlich  absichtlich  seine  wahre  Identität  vorenthält,  um  so  seine  Rückschaffung  in  den  Heimatstaat  zu  verhindern.  Gleichzeitig  erscheint  es  als  überwiegend  wahrscheinlich,  dass  es  ihm durchaus möglich wäre,  freiwillig  in  seinen  Heimatstaat  zurückzukehren.  Demnach  liegt  im  vorliegenden  Fall  ungeachtet  der  geltend  gemachten  Papierlosigkeit  des  Beschwerdeführers  keine  Unmöglichkeit  des  Wegweisungsvollzugs  im  Sinne von Art. 83 Abs. 2 AuG vor. 8.5. Nach dem Gesagten hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu  Recht  als  zulässig,  zumutbar  und  möglich  erachtet.  Somit  fällt  eine 

D­2006/2011 Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1 – 4  AuG). 9.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die  Beschwerde ist demnach abzuweisen. 10.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  wären  dessen  Kosten  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  VwVG).  Nachdem  aber  aufgrund  der  Aktenlage weiterhin  von  seiner  prozessualen Bedürftigkeit  auszugehen  ist  (vgl.  die  Bestätigung  der  Fürsorgeabhängigkeit  vom  26. April  2011)  und  die  Beschwerde  nicht  als  aussichtslos  bezeichnet  werden  konnte,  ist  in  Gutheissung  des  Gesuchs  um  Gewährung  der  unentgeltlichen Rechtspflege von einer Kostenauflage abzusehen (Art. 65  Abs. 1 VwVG). (Dispositiv nächste Seite)

D­2006/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  (Art.  65  Abs. 1 VwVG) wird gutgeheissen. 3.  Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.  4.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Hans Schürch Anna Dürmüller Leibundgut Versand:

D-2006/2011 — Bundesverwaltungsgericht 29.07.2011 D-2006/2011 — Swissrulings