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Bundesverwaltungsgericht 09.09.2011 D-1746/2009

September 9, 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,460 words·~12 min·4

Summary

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 19. Februar 2009

Full text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­1746/2009/wif Urteil   v om   9 .   S ep t embe r   2011 Besetzung Richter Robert Galliker (Vorsitz), Richter Markus König, Richterin Claudia Cotting­Schalch;    Gerichtsschreiberin Daniela Brüschweiler. Parteien A._______, geboren (…), Äthiopien, vertreten durch lic. iur. Daniel Habte, (…), Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung;  Verfügung des BFM vom 19. Februar 2009 / N (…).

D­1746/2009 Sachverhalt: A.  Der Beschwerdeführer – ein äthiopischer Staatsangehöriger amharischer  Ethnie  –  reichte  am  13. Dezember  2005  ein  erstes  Asylgesuch  in  der  Schweiz ein. Mit Verfügung vom 23. Februar 2006 trat das BFM gestützt  auf  Art. 32  Abs. 2  Bst. f  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR 142.31)  auf  das  Asylgesuch  nicht  ein  und  ordnete  die Wegweisung  aus der Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug an. Die  damals  zuständige  Schweizerische  Asylrekurskommission  (ARK)  wies  die  vom  Beschwerdeführer  gegen  die  Verfügung  vom  23. Februar  2006 erhobene Beschwerde mit Urteil vom 14. März 2006 ab, soweit sie  darauf eintrat. B.  Mit Eingabe vom 25. April 2007 liess der Beschwerdeführer durch seinen  Rechtsvertreter beim Bundesamt ein zweites Asylgesuch einreichen, mit  welchem er beantragte, es sei seine Flüchtlingseigenschaft  festzustellen  und ihm Asyl zu gewähren, eventualiter sei festzustellen, dass subjektive  Nachfluchtgründe im Sinne von Art. 54 AsylG vorlägen, und ihm sei eine  vorläufige Aufnahme als Flüchtling zu gewähren, subeventualiter sei die  Unzulässigkeit,  Unzumutbarkeit  und  Unmöglichkeit  des  Wegweisungsvollzugs festzustellen und dem Beschwerdeführer als Folge  die vorläufige Aufnahme zu gewähren.  Zur Begründung liess der Beschwerdeführer im Wesentlichen vorbringen,  er  betätige  sich  in  der Schweiz  exilpolitisch. So  sei  er  sehr  aktives  und  exponiertes  Mitglied  der  oppositionellen  Organisation  CUDP/KINJIT  (Coalition für Unity and Democracy Party). Er nehme an Demonstrationen  und Versammlungen der CUDP/KINJIT teil, was aus diversen, im Internet  erschienen Fotos ersichtlich sei. Zudem habe er – ebenfalls im Internet –  verschiedene Artikel mit regimekritischem Inhalt veröffentlicht und sei auf  einer  Petitionsliste  mit  dem  Titel  "Medical  Attention  for  B._______"  eingetragen.  Durch  dieses  exilpolitische  Engagement  bestünden  im  vorliegenden  Fall  subjektive  Nachfluchtgründe,  womit  der  Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG erfülle. Zur  Stützung  seiner  Vorbringen  reichte  der  Beschwerdeführer  verschiedene Beweismittel zu den Akten.

D­1746/2009 C.  Am  9. Februar  2009  hörte  das  BFM  den  Beschwerdeführer  zu  seinen  Vorbringen an. D.  Mit  Verfügung  vom  19. Februar  2009  –  eröffnet  am  20. Februar  2009 –  stellte  das  Bundesamt  fest,  der  Beschwerdeführer  erfülle  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht,  lehnte  das  Asylgesuch  ab  und  ordnete  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz  sowie  den Wegweisungsvollzug  an.  Für  die Begründung dieses Entscheides wird auf die nachfolgende Erwägung  Ziff. 5.1 verwiesen. E.  Gegen  diese  Verfügung  des  BFM  liess  der  Beschwerdeführer  durch  seinen  Rechtsvertreter  mit  Eingabe  vom  17. März  2009  (Poststempel:  18. März 2009) Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht erheben. Er  beantragte,  es  sei  die  Flüchtlingseigenschaft  des  Beschwerdeführers  festzustellen  und  ihm  Asyl  zu  gewähren,  eventualiter  sei  die  Unzulässigkeit,  Unzumutbarkeit  und  Unmöglichkeit  des  Vollzugs  der  Wegweisung festzustellen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte der  Beschwerdeführer  um Bewilligung der  unentgeltlichen Rechtspflege und  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses.  Als  Beilagen  zur  Beschwerdeschrift  liess  der  Beschwerdeführer  einen  Artikel  über  die  Blockierung  von  Internetseiten  in  Äthiopien  sowie  eine  Unterstützungsbedürftigkeitserklärung einreichen. Auf die Begründung dieser Rechtsbegehren sowie die Beweismittel wird  – soweit  für  den  Entscheid  wesentlich  –  in  den  nachfolgenden  Erwägungen eingegangen. F.  Mit  Zwischenverfügung  vom  31. März  2009  hielt  der  Instruktionsrichter  fest,  der  Beschwerdeführer  könne  den  Ausgang  des  Verfahrens  in  der  Schweiz  abwarten,  er  wies  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  und  um  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses ab und  forderte den Beschwerdeführer auf, bis zum  15. April  2009  einen  Kostenvorschuss  in  der  Höhe  von  Fr. 600.­  zu  leisten.

D­1746/2009 G.  Der  Kostenvorschuss  wurde  am  9. April  2009  der  Gerichtskasse  überwiesen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM  gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]). Ein solcher Ausnahmefall liegt nicht vor. 1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG). 1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der  Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung.  Er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG).  Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

D­1746/2009 3.  Die  Abteilungen  des  Bundesverwaltungsgerichts  entscheiden  in  der  Regel  in  der  Besetzung  mit  drei  Richtern  oder  Richterinnen  (Spruchkörper; vgl. Art. 21 Abs. 1 VGG). Das Bundesverwaltungsgericht  kann  auch  in  solchen  Fällen  auf  die  Durchführung  eines  Schriftenwechsels verzichten (Art. 111a Abs. 1 AsylG). 4.  4.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat  oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 4.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7  AsylG). 4.3. Wer sich darauf beruft, durch sein Verhalten nach der Ausreise aus  dem  Heimat­  oder  Herkunftsland  sei  eine  Gefährdungssituation  erst  geschaffen  worden, macht  subjektive  Nachfluchtgründe  geltend  (Art. 54  AsylG).  Subjektive  Nachfluchtgründe  begründen  zwar  die  Flüchtlingseigenschaft  im  Sinne  von  Art. 3  AsylG,  führen  jedoch  nach  Art. 54  AsylG  zum  Ausschluss  des  Asyls,  unabhängig  davon,  ob  sie  missbräuchlich  oder  nicht  missbräuchlich  gesetzt  wurden.  Das  vom  Gesetzgeber  vorgesehene  Konzept,  wonach  das  Vorliegen  von  subjektiven  Nachfluchtgründen  die  Gewährung  von  Asyl  ausschliesst,  verbietet  das  Addieren  solcher  Gründe  mit  Nachfluchtgründen,  welche  vor  der Ausreise aus dem Heimat­  oder Herkunftsstaat  entstanden  sind  und die für sich allein nicht zur Bejahung der Flüchtlingseigenschaft und  zur Asylgewährung ausreichen (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.1 S. 352, BVGE  2009/29 E. 5.1 S. 376 sowie die Urteile des Bundesverwaltungsgerichts 

D­1746/2009 D­3894/2006  vom  25. September  2008  E. 5.2  und  D­6103/2006  vom  18. Juli  2008  E. 6.2;  vgl.  ferner  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  2000  Nr. 16  E. 5a  S. 141 f., mit weiteren Hinweisen). Stattdessen werden Personen, welche  subjektive Nachfluchtgründe nachweisen oder glaubhaft machen können,  als  Flüchtlinge  vorläufig  aufgenommen  (vgl.  dazu  die  nach  wie  vor  gültigen und zutreffenden Ausführungen in EMARK 1995 Nr. 7 E. 7b und  8 S. 67 ff.; EMARK 2000 Nr. 16 E. 5a S. 141 f., mit weiteren Hinweisen). 5.  5.1.  Zur  Begründung  ihres  ablehnenden  Entscheides  führte  die  Vorinstanz  im  Wesentlichen  aus,  aufgrund  der  Angaben  des  Beschwerdeführers bestehe kein Anlass zur Annahme, dass er vor dem  Verlassen seines Heimatstaates als regimefeindliche Person ins Blickfeld  der  äthiopischen  Behörden  geraten  oder  dort  in  irgendeiner  Form  als  Regimegegner oder politischer Aktivist registriert worden sei. Demzufolge  sei  auch  nicht  davon  auszugehen,  dass  er  nach  seiner  Ankunft  in  der  Schweiz unter spezieller Beobachtung seitens der äthiopischen Behörden  gestanden  sei,  zumal  er  sich  zum  Zeitpunkt  seiner  Einreise  in  die  Schweiz  bereits  seit  vier  Jahren  ausserhalb  seines  Heimatlandes  aufgehalten  habe.  Zwar  habe  sich  der  Beschwerdeführer  erwiesenermassen  exilpolitisch  betätigt,  die  von  ihm  eingereichten  Beweisunterlagen  zeigten  aber,  dass  alleine  in  der  Schweiz  innert  weniger  Monate  viele  exilpolitische  Anlässe  stattfänden,  von  denen  oftmals  gestellte  Gruppenaufnahmen  von  nicht  selten  Hunderten  von  Teilnehmern  in  einschlägigen  Medien  publiziert  würden.  Vor  diesem  Hintergrund  erscheine  es  unwahrscheinlich,  dass  die  äthiopischen  Behörden all diesen – oft nur schlecht erkennbaren – Gesichtern konkrete  Namen  zuordnen  könnten.  Im  Weiteren  seien  die  Angaben  des  Beschwerdeführers zu den bei ihm als Folge der Publikation von Artikeln  eingegangenen  Drohanrufen  nicht  überzeugend  ausgefallen.  Er  habe  weder  den  Inhalt  der  Anrufe  noch  seine  eigene  Reaktion  darauf  anschaulich schildern können. Seine Erklärungen zum Vorgehen bei der  Redaktion  der  Publikationen  hätten  ebenfalls  nicht  überzeugt.  Es  bestünden  somit  Zweifel  am  tatsächlichen  Engagement  des  Beschwerdeführers.  Er  falle  auch  nicht  durch  ein  besonderes  exilpolitisches  Engagement  auf,  sei  er  doch  ein  normales  Mitglied  der  CUDP/KINJIT und besetze keine bestimmte Funktion. Angesichts seines  Profils  und  aufgrund  dieser  Erwägungen  könne  bei  einer  allfälligen  Rückkehr nach Äthiopien nicht auf eine Gefährdung geschlossen werden.  Die  äthiopischen Behörden  könnten  sodann  angesichts  der  hohen  Zahl 

D­1746/2009 der  im  Ausland  lebenden  äthiopischen  Staatsangehörigen  nicht  jede  einzelne Person überwachen und  identifizieren. Zudem dürfte  auch den  äthiopischen Behörden bekannt sein, dass viele äthiopische Emigranten  aus vorwiegend wirtschaftlichen Gründen versuchten, sich in Europa und  speziell  auch  in  der  Schweiz  ein  dauerhaftes  Aufenthaltsrecht  zu  erwirken,  indem  sie  regimekritischen  Aktivitäten  nachgingen.  Bezeichnenderweise  sei  der  Beschwerdeführer  erst  nach  den  für  ihn  negativen Entscheiden  im ersten Asylverfahren politisch aktiv geworden.  Auch  in  dem  vom  Beschwerdeführer  eingereichten  Rundschreiben  der  äthiopischen  "Direktion  für  Angelegenheiten  von  im  Ausland  lebenden  Äthiopiern"  würden  die  Auslandvertretungen  nicht  dazu  aufgerufen,  systematisch gegen die grosse Masse von exilpolitisch aktiven Personen  vorzugehen  und  entsprechende  Informationen  zu  sammeln.  Die  äthiopischen Behörden hätten nur dann ein  Interesse an der Verfolgung  und  Überwachung  einer  Person,  wenn  deren  Aktivitäten  als  konkrete  Bedrohung  für  das  politische  System wahrgenommen würden.  Im  Falle  des Beschwerdeführers bestünden keine Anhaltspunkte für die Annahme,  dass sich der Beschwerdeführer, der vor 2006 nie etwas mit Politik zu tun  gehabt  habe,  alleine  durch  die  Publikation  von  drei  regimekritischen  Artikeln  besonders  exponiert  habe.  Er  gehöre  nicht  zur  Gruppe  der  langjährigen  und  prominenten  oppositionellen  Äthiopier  im  Ausland,  für  die sich die äthiopischen Behörden gemäss den erwähnten Dokumenten  interessiere. Zusammenfassend sei festzustellen, dass die vorgebrachten  subjektiven  Nachfluchtgründe  den  Anforderungen  an  die  Flüchtlingseigenschaft  gemäss  Art. 3  AsylG  nicht  standhielten,  weshalb  der Beschwerdeführer  nicht  als  Flüchtling  anerkannt werden  könne  und  das Asylgesuch abzuweisen sei. 5.2.  In  der  Beschwerdeschrift  wird  den  vorinstanzlichen  Erwägungen  zunächst  entgegen  gehalten,  die  im  zweiten  Asylverfahren  geltend  gemachten  Asylgründe  seien  losgelöst  von  den  im  ersten  Verfahren  vorgebrachten zu würdigen. Die Tatsache, dass der Beschwerdeführer zu  einem früheren Zeitpunkt von den äthiopischen Behörden möglicherweise  nicht  registriert  worden  sei,  müsse  nicht  bedeuten,  dass  er  aufgrund  seiner  Aktivitäten  im  Exil  nicht  wahrgenommen  und  entsprechend  registriert worden sei. Die Behauptung, wonach politische Aktivitäten von  Mitgliedern der CUDP/KINJIT im Ausland vom äthiopischen Regime nicht  beobachtet  würden,  entbehre  jeglicher  Grundlage.  Entgegen  der  Einschätzung  des  BFM  würden  auch  Aktivitäten  von  einfachen  Mitgliedern  beobachtet  und  in  den  Datenbanken  des  äthiopischen  Regimes  registriert.  Umso  mehr  stünden  Mitglieder  wie  der 

D­1746/2009 Beschwerdeführer,  die  an  Protestkundgebungen  als  Redner  auftreten  würden  und  denen  die  Parteileitung  zugestehe,  auf  der  Website  der  KINJIT  regimekritische  Artikel  zu  veröffentlichen,  unter  permanenter  Beobachtung  des  äthiopischen  Regimes.  Der  Beschwerdeführer  habe  zweifelsohne  die  Aufmerksamkeit  der  äthiopischen  Behörden  geweckt.  Schon die erhaltenen Drohanrufe verdeutlichten, dass man Kenntnis von  den Aktivitäten des Beschwerdeführers habe. In diesem Zusammenhang  sei festzuhalten, dass die Vorinstanz völlig überspritzte Anforderungen an  die  Angaben  des  Beschwerdeführers  stelle,  wenn  er  in  der  Lage  sein  sollte,  die  genaue  Anzahl  der  Anrufe,  den  Zeitpunkt  und  den  genauen  Wortlaut  derselben  zu  nennen.  Er  habe  den  ungefähren  Inhalt  der  Gespräche geschildert, weshalb die Behauptung des BFM, er sei nicht in  der  Lage  gewesen,  die  Telefonate  oder  seine  Reaktion  darauf  anschaulich  zu  schildern,  tatsachenwidrig  sei.  Hinsichtlich  der  Erkennbarkeit  der  exilpolitischen  Aktivisten  sei  festzuhalten,  dass  nie  behauptet  worden  sei,  die  äthiopischen  Behörden  würden  sich  bei  der  Identifikation exilpolitischer  Individuen ausschliesslich auf die  im  Internet  publizierten  Fotos  stützen.  Es  sei  vielmehr  gesicherte  Erkenntnis  und  gerichtsnotorisch, dass diese über ein weit verzweigtes Spitzelsystem im  Ausland  verfügten,  das  bis  in  die  exilpolitischen  Organisationen  reiche  und auch Unternehmen im Ausland sowie Auslandvertretungen umfasse.  Auf  diesem  Weg  könnten  etwa  Listen  der  Mitglieder  und  Teilnehmer  beschafft  werden,  welche  in  Verbindung  mit  den  erwähnten  Fotos  und  den  Informationen  der  Spitzel  durchaus  eine  Identifikation  jedes  einzelnen Teilnehmers ermöglichten. Der  Beschwerdeführer  wirft  dem  BFM  zudem  eine  Verletzung  des  Untersuchungsgrundsatzes  vor.  Bei  der  Behauptung,  viele  äthiopische  Emigranten versuchten aus vorwiegend wirtschaftlichen Gründen, sich in  Europa ein dauerhaftes Aufenthaltsrecht zu erwirken, handle es sich um  eine  blosse  Mutmassung,  die  auf  den  konkreten  Fall  keinerlei  Bezug  nehme.  Auf  den  Beschwerdeführer  treffe  nicht  zu,  dass  er  seine  politischen  Aktivitäten  aus  rein  wirtschaftlichen  Gründen  betreibe,  was  sich in der Vielzahl seiner Aktivitäten und der exzellenten Qualität seiner  Texte  manifestiere.  Es  sei  angesichts  der  Tatsache,  dass  der  Beschwerdeführer  seine  Texte  selbst  kreiert  habe,  schlicht  nicht  nachvollziehbar, weshalb das Bundesamt sein tatsächliches Engagement  in  Zweifel  ziehe.  Fakt  sei,  dass  die  Texte  unter  Namensnennung  im  Internet veröffentlicht worden seien. Die Theorie der Vorinstanz, wonach  die  äthiopischen  Behörden  zwischen  politisch  und  wirtschaftlich  motivierten  Exilaktivisten  unterscheide,  verkenne,  dass  die  politische 

D­1746/2009 Exilaktivität  unabhängig  von der Motivation  immer eine Schädigung des  Ansehens  der  äthiopischen  Regierung  im  Ausland  zur  Folge  habe.  Zudem handle es sich dabei um ein untaugliches Argument. 6.  Von der Vorinstanz wird nicht bestritten, dass sich der Beschwerdeführer  in der Schweiz exilpolitisch betätigt hat. Exilpolitische Aktivitäten können  jedoch  nur  dann  im  Sinne  von  subjektiven  Nachfluchtgründen  zur  Flüchtlingseigenschaft  führen,  wenn  zumindest  glaubhaft  gemacht  wird,  dass  im  Falle  einer  Rückkehr  infolge  Exilaktivität  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  mit  politischer  Verfolgung  zu  rechnen  wäre.  Nachfolgend  ist  demnach  zu  untersuchen,  ob  diese  Voraussetzung  im  Fall des Beschwerdeführers erfüllt ist. 6.1.  Gemäss  den  Erkenntnissen  des  Bundesverwaltungsgerichts  (vgl.  unter  anderem Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  D­7416/2007  vom  27. November  2009  und  D­3511/2008  vom  24. Oktober  2008)  ist  –  mit  dem  Beschwerdeführer  –  davon  auszugehen,  dass  die  äthiopischen  Sicherheitsbehörden  die  Aktivitäten  von  Exilgemeinschaften  in  einem  gewissen Ausmass überwachen und mittels elektronischer Datenbanken  registrieren.  Unter  diesen  Umständen  besteht  eine  hohe  Wahrscheinlichkeit dafür, dass Aktivitäten von Personen, welche sich  im  Ausland  für  die  CUPD/KINIJIT  engagierten  oder  auch  nur  mit  ihr  sympathisierten,  im  Falle  einer  Zwangsrückschaffung  dem  äthiopischen  Sicherheitsdienst  spätestens  am  Flughafen  bekannt  würden.  Es  dürfte  davon  auszugehen  sein,  dass  die  äthiopischen  Sicherheitsorgane  eine  zwangsweise  aus  dem  Ausland  zurückgeführte  Person,  die  Anhänger  oder Mitglied der Ausland­Organisation der CUPD/ KINIJIT war, nach wie  vor als zu verfolgenden Gegner der Regierung ansehen würden, solange  von dieser Person  vor  ihrer Ausreise aus dem  jeweiligen Gastland  kein  eindeutiges  Bekenntnis  zur  verfassungsmässigen  Ordnung  Äthiopiens  und  eine  klare  Abkehr  von  der  bisherigen  Politik  der  CUPD/KINIJIT  vorliegt. Angesichts der 2007 in Äthiopien erfolgten Amnestie von einigen  Mitgliedern  der  CUPD/  KINIJIT  und  der  nicht  unerschöpflichen  Ressourcen  des  äthiopischen  Nachrichtendienstes  mag  sich  die  Frage  nach  der  aktuellen  Überwachungsdichte  in  der  Schweiz  stellen,  welche  indessen  im  vorliegenden  Fall  offen  bleiben  kann.  Von  Bedeutung  ist  vorliegend die tatsächliche Erkennbarkeit der behaupteten exilpolitischen  Tätigkeit, die  Individualisierbarkeit des Beschwerdeführers sowie dessen  konkrete exilpolitische Tätigkeiten.

D­1746/2009 6.2.  Mit  der  Vorinstanz  ist  davon  auszugehen,  dass  der  Beschwerdeführer seit dem Jahr 2006 Mitglied der KINIJIT/CUDP ist und  an  mehreren  Kundgebungen  und  Versammlungen  teilgenommen  hat,  wobei  er  auch  organisatorische  Aufgaben  –  etwa  die  Vorbereitung  von  Slogans,  Information  anderer  Leute  –  übernommen hat.  Zudem  liess  er  unter  seinem  Namen  im  Internet  regimekritische  Artikel  veröffentlichen.  Seit  Beschwerdeeinreichung  machte  der  Beschwerdeführer  keine  weiteren  Aktivitäten  geltend,  er  reichte  diesbezüglich  auch  keine  zusätzlichen  Beweismittel ein. Im  Sinne  einer  Vorbemerkung  ist  dem  Beschwerdeführer  darin  zu  widersprechen,  dass  die  beiden  Asylverfahren  des  Beschwerdeführers  isoliert zu betrachten seien. Vielmehr hat die Vorinstanz zu Recht darauf  hingewiesen,  dass  der  Beschwerdeführer  bis  zur  Einreichung  seines  zweiten Asylgesuches im April 2007 – und damit rund sechs Jahre nach  seiner Ausreise aus dem Heimatstaat (vgl. Akten BFM A 6/4 S. 1) – keine  exilpolitische  Betätigung  geltend  machte.  Dies  ändert  zwar  nichts  an  seinen Aktivitäten  in  der  Schweiz,  die  vorinstanzliche  Schlussfolgerung,  wonach  der  Beschwerdeführer  davor  nicht  bereits  im  Fokus  der  äthiopischen Behörden stand, trifft jedoch ohne weiteres zu. Zwar  überwachen  die  äthiopischen  Behörden  zweifelsohne  die  politischen Aktivitäten  ihrer Staatsangehörigen  im Ausland,  jedoch  ist  davon  auszugehen,  dass  sie  sich  auf  die  Erfassung  von  Personen  konzentrieren,  welche  über  die  massentypischen  und  niedrig  profilierten  Erscheinungsformen  exilpolitischer  Proteste  hinaus  Funktionen und/ oder Aktivitäten entwickeln, die sie aus der Masse der  mit  dem Regime Unzufriedenen  herausheben  und  als  ernsthafte  und  potentiell  gefährliche  Regimegegner  erscheinen  lassen.  Nach  Erkenntnis  des  Bundesverwaltungsgerichts  unterliegen  Mitglieder  in  Exilorganisationen  von  in  Äthiopien  verbotenen  oppositionellen  Parteien,  Teilnehmer  an  Veranstaltungen  dieser  Organisationen,  Mitwirkende  an  regimekritischen  Demonstrationen,  welche  die  dabei  üblichen  Plakate  tragen  und  Parolen  rufen  sowie  Personen  von  sonstigen  regimekritischen  Veranstaltungen  keiner  allgemeinen  Überwachungsgefahr  durch  äthiopische  Behörden.  Dass  die  äthiopischen  Sicherheitskräfte  zwischen  tatsächlich  politisch  engagierten Regimekritikern und Exilaktivisten, die mit  ihren Aktionen  in  erster  Linie  die  Chance  auf  ein  Aufenthaltsrecht  zu  erhöhen  versuchen,  zu  unterscheiden  vermögen,  darf,  entgegen  den  anderslautenden  Ausführungen  in  der  Beschwerde,  vorausgesetzt 

D­1746/2009 werden.  Betreffend  die  Teilnahme  an  Demonstrationen  ist  anzumerken,  dass  der  Beschwerdeführer  bei  diesen  Veranstaltungen  eher als "Mitläufer" denn als treibende Kraft zu bezeichnen ist. So geht  insbesondere  weder  aus  den  eingereichten  Fotografien  noch  den  Bestätigungsschreiben  vom  15.03.2007  (vgl.  Beilagen  zum  zweiten  Asylgesuch  [Akten  BFM  B  3])  –  wie  vom  Beschwerdeführer  beziehungsweise  seinem  Rechtsvertreter  vorgebracht  –  hervor,  er  habe  sich  in  einem aussergewöhnlichen Ausmass politisch exponiert,  so dass effektiv davon auszugehen wäre, er habe als Oppositioneller  die  Aufmerksamkeit  der  äthiopischen  Behörden  derart  auf  sich  gezogen,  dass  er  bei  einer  Rückkehr  in  seinen  Heimatstaat  eine  flüchtlingsrechtlich relevante Gefährdung zu befürchten hätte. Aus den  eingereichten  Beweismitteln  ist  lediglich  zu  schliessen,  dass  er  sich  gelegentlich  an  Versammlungen  der  genannten  exilpolitischen  Organisation  in  der  Schweiz  beteiligt  und  an  vereinzelten  Demonstrationen  teilgenommen  hat.  Eine  besondere  Auffälligkeit  ist  indessen nicht zu erkennen. Daran vermögen angesichts der Flut von  im  Internet  erscheinenden  Veröffentlichungen  auch  die  –  relativ  wenigen – Publikationen des Beschwerdeführers nichts zu ändern. Der  Hinweis  in  der  Beschwerdeschrift  (S. 3)  auf  das  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  D­5060/2007  vom  30. November  2007  erweist  sich  ebenfalls  als  unbehelflich.  In  diesem wird  nämlich  einzig  die  Frage  beantwortet,  ob  die  Vorinstanz  das  zweite  Asylgesuch  der  dortigen Beschwerdeführerin zu Recht als aussichtslos bezeichnet hat  und wegen Nichtleistens des einverlangten Gebührenvorschusses auf  das  entsprechende Gesuch  nicht  eingetreten  ist.  Es  wurde  jedoch  in  jenem  Verfahren  nicht  entschieden,  ob  subjektive  Nachfluchtgründe  vor­liegen, welche die Flüchtlingseigenschaft zu begründen vermögen.  Festzuhalten  ist  sodann,  dass  keine  Hinweise  aktenkundig  sind,  wonach  der  Beschwerdeführer  in  der  Schweiz  in  einer  hohen  und  in  der  Öffentlichkeit  exponierten  Kaderstelle  einer  Exilorganisation  tätig  (gewesen)  wäre.  Seine  geltend  gemachten  Aktivitäten  für  die  CUDP/KINIJIT  in  der  Schweiz  vermögen  kein  derartiges  politisches  Profil  zu  entwickeln,  dass  die  äthiopischen  Behörden  den  Beschwerdeführer  als  ernsthaften  und  in  seinem  Wirkungsgrad  gefährlichen Regimegegner  identifizieren könnten. Sein exilpolitisches  Betätigungsfeld  ist  nicht  geeignet,  ein  asylrelevantes  staatliches  Verfolgungsinteresse  in  Äthiopien  zu  begründen.  Daran  vermögen  auch  die  Aussagen  des  Beschwerdeführers,  er  habe  Drohanrufe  erhalten,  nichts  zu  ändern,  zumal  der  Vorinstanz  darin  beizupflichten  ist,  dass  die Angaben des Beschwerdeführers  zu  diesen –  zwei  oder 

D­1746/2009 drei  –  Anrufen  (vgl.  Akten  BFM  B  18/12  S. 8  f.)  nicht  überzeugend  ausfielen.  Angesichts  der  Ernsthaftigkeit  von Drohanrufen  erscheinen  die  Schilderungen  des  Beschwerdeführers  vage  und  wenig  realitätsnah. Dies  umso mehr,  als  es  sich  nicht  um eine Vielzahl  von  Anrufen, sondern um zwei oder drei Anrufe gehandelt haben soll. Schliesslich  vermag  der  Beschwerdeführer  aus  dem  Hinweis  auf  angeblich  gleich  gelagerte  Fälle  (wie  etwa  N  […],  N  […]  [vgl.  Beschwerde  S. 9])  nichts  zu  seinen  Gunsten  abzuleiten.  Zwar  ist  für  das  Bundesverwaltungsgericht  aufgrund  der  Einträge  im  Zentralen  Migrationssystem  ersichtlich,  dass  einer  der  betroffenen  Personen  (nach  mehrjährigem  Aufenthalt  in  der  Schweiz)  die  Flüchtlingseigenschaft  zugesprochen  wurde,  dies  lässt  jedoch  nicht  auf  einen  vergleichbaren  Fall  schliessen.  Es  ist  nicht  Sache  des  Bundesverwaltungsgerichts,  allein auf entsprechende Behauptung hin  vorinstanzliche Akten beizuziehen. 6.3.  Unter  Berücksichtigung  der  gesamten  Umstände  folgt,  dass  keine  subjektiven  Nachfluchtgründe  im  Sinne  von  Art. 54  AsylG  vorliegen,  weshalb  die  Vorinstanz  zu  Recht  die  Flüchtlingseigenschaft  des  Beschwerdeführers verneint und sein zweites Asylgesuch abgelehnt hat. 7.  7.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit  der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 7.2. Der Beschwerdeführer  verfügt weder  über  eine  ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44  Abs. 1 AsylG; BVGE 2008/34 E. 9.2). 8.  8.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder  nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG,  SR 142.20]).

D­1746/2009 Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt  gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  seiner  Vorgängerorganisation  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte  Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl.  WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser  [Hrsg.],  Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148). 8.2. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen  der  Schweiz  einer Weiterreise  der  Ausländerin  oder  des  Ausländers  in  den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat  entgegenstehen  (Art.  83  Abs. 3 AuG). So  darf  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus  einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom  28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101),  Art. 3  des  Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art. 3  der  Konvention  vom  4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten  (EMRK,  SR 0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  unmenschlicher  oder  erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 8.3. Da es dem Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung  nachzuweisen  oder  glaubhaft  zu  machen,  kann  der  in  Art. 5  AsylG  verankerte  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  finden.  Eine  Rückkehr  des  Beschwerdeführers  nach  Äthiopien  ist  demnach  unter  dem  Aspekt  von  Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers  noch  aus  den  Akten  Anhaltspunkte  dafür,  dass  er  für  den  Fall  einer  Ausschaffung  nach  Äthiopien  dort  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  einer  nach  Art. 3  EMRK  oder  Art. 1  FoK  verbotenen  Strafe  oder  Behandlung  ausgesetzt  wäre.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen 

D­1746/2009 Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN­Anti­ Folterausschusses  müsste  der  Beschwerdeführer  eine  konkrete  Gefahr  ("real  risk")  nachweisen  oder  glaubhaft machen,  dass  ihm  im Fall  einer  Rückschiebung  Folter  oder  unmenschliche  Behandlung  drohen  würde  (vgl.  EGMR  [Grosse  Kammer],  Saadi  gegen  Italien,  Urteil  vom  28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 – 127, mit weiteren  Hinweisen).  Auch  die  allgemeine  Menschenrechtssituation  in  Äthiopien  lässt  den  Wegweisungsvollzug  zum  heutigen  Zeitpunkt  nicht  als  unzulässig  erscheinen.  Nach  dem  Gesagten  ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  sowohl  im  Sinne  der  asyl­  als  auch  der  völkerrechtlichen  Bestimmungen zulässig. 8.4.    Gemäss  Art. 83  Abs. 4  AuG  kann  der  Vollzug  für  Ausländerinnen  und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von  Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 8.4.1.  In  konstanter  Praxis wird  von  einer  grundsätzlichen  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzuges  nach  Äthiopien  ausgegangen  (vgl.  bereits  EMARK  1998  Nr. 22).  Der  zweieinhalb  Jahre  dauernde  Grenzkrieg  zwischen  Äthiopien  und  Eritrea  wurde  im  Juni  2000 mit  einem  von  der  Organisation  für  die  Einheit  Afrikas  (OAU)  vermittelten  Waffenstillstand  und einem von beiden Staaten am 12. Dezember 2000 unterzeichneten  Friedensabkommen beendet. Trotz Abzugs der UN­Friedenstruppen aus  Eritrea  im März 2008 und aus Äthiopien  im August 2008  ist  im heutigen  Zeitpunkt  nicht  von  einem  offenen  Konflikt  im  Grenzgebiet  zwischen  Äthiopien  und Eritrea  auszugehen.  Insgesamt  kann  jedenfalls  nicht  von  einer  rechtlich  relevanten  Verschlechterung  der  allgemeinen  Lage  in  Äthiopien gesprochen werden. 8.4.2. Auch aufgrund der persönlichen Situation des Beschwerdeführers  sind  keine  Gründe  ersichtlich,  die  gegen  die  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzuges sprechen. Der Beschwerdeführer ist gemäss den  Akten  noch  jung  und  gesund.  In  Bezug  auf  die  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzuges wird sodann auf Beschwerdeebene einzig auf die  allgemeine  Situation  in  Äthiopien  hingewiesen.  Diesbezüglich  ist  auf  vorstehende Erwägung  Ziffer  8.4.1  zu  verweisen.  Im Übrigen  kann,  um  unnötige  Wiederholungen  zu  vermeiden,  auf  die  entsprechenden, 

D­1746/2009 weiterhin geltenden Ausführungen im Urteil der ARK vom 14. März 2006  verwiesen werden. Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als  zumutbar. 8.5.  Schliesslich  obliegt  es  dem  Beschwerdeführer,  sich  bei  der  zuständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr  notwendigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  (vgl.  Art. 8  Abs. 4  AsylG  und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), weshalb der Vollzug  der  Wegweisung  auch  als  möglich  zu  bezeichnen  ist  (Art. 83  Abs. 2  AuG). 8.6. Zusammenfassend  hat  die  Vorinstanz  den Wegweisungsvollzug  zu  Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten  fällt  eine  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  ausser  Betracht  (Art. 83  Abs. 1 – 4 AuG). 9.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die  Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 10.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  die  Kosten  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  VwVG),  auf  insgesamt  Fr. 600.­ festzusetzen (Art. 1 – 3 des Reglements vom 21. Februar 2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2])  und  mit  dem  am  9. April  2009  in  gleicher  Höhe  geleitsteten  Kostenvorschuss  zu  verrechnen. (Dispositiv nächste Seite)

D­1746/2009 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.­  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt  und  mit  dem  am  9. April  2009  geleisteten  Kostenvorschuss  verrechnet. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Robert Galliker Daniela Brüschweiler Versand:

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