Skip to content

Bundesverwaltungsgericht 28.02.2012 D-1341/2009

February 28, 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·3,149 words·~16 min·1

Summary

Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung | Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; Verfügung des BFM vom 28. Januar 2009

Full text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung IV D­1341/2009 Urteil   v om   2 8 .   Februar   2012 Besetzung Richter Robert Galliker (Vorsitz), Richterin Gabriela Freihofer,  Richterin Nina Spälti Giannakitsas; Gerichtsschreiber Matthias Jaggi. Parteien A._______, geboren (…), Türkei,   vertreten durch lic. iur. Ismet Bardakci, Fürsprecher,  (…), Beschwerdeführerin,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), vormals  Bundesamt für Flüchtlinge (BFF), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung;  Verfügung des BFM vom 28. Januar 2009 / N (…).

D­1341/2009 Sachverhalt: A.  Die  Beschwerdeführerin  –  eine  türkische  Staatsangehörige  kurdischer  Ethnie  aus  der  Stadt  B._______  (Provinz  B._______)  –  reichte  bei  der  Schweizerischen  Vertretung  in  Ankara  ein  auf  Türkisch  verfasstes  Asylgesuch vom 10. November 2006 ein. B.  Am  9.  Juli  2007  fand  auf  der  Schweizer  Vertretung  in  Ankara  eine  persönliche  Anhörung  der  Beschwerdeführerin  zu  ihren  Asylgründen  statt.  Dabei machte  sie  im Wesentlichen  geltend,  sie  sei  nicht  politisch  tätig  gewesen,  nehme  jedoch  mit  Freunden  aus  der  DTP[Demokratic  Toplum  Partisi]­Jugendbewegung  an  "der  Wahlpropaganda  für  Frauen  teil".  Sie  sei  noch  nie  inhaftiert  gewesen,  jedoch  hätten  alle  ihre  Familienmitglieder juristische Probleme, weshalb sie alle unter Druck der  heimatlichen Behörden stünden. So werde  ihre Wohnung öfters von der  Polizei  durchsucht.  Einmal  habe  ein  Polizist  zu  ihr  gesagt,  sie  solle  vorsichtig sein, er wisse, wo sie arbeite und welchen Weg sie zur Arbeit  nehme. Den gleichen Polizisten habe sie dann später  im DTP­Gebäude  gesehen.  Er  habe  zu  ihr  gesagt,  sie  solle  sich  dort  nicht  mehr  blicken  lassen.  Ausserdem  seien  zwei  Strafverfahren  gegen  sie  eingeleitet  worden. Das  erste Verfahren  sei  vor  dem Landgericht  in C._______  im  Dezember 2005 eröffnet worden, weil sie einen Zeitungsbericht aus dem  Internet, in dem es um eine Gedenkfeier für D._______ gegangen sei, an  die Zeitung "E._______" geschickt habe. Sie werde in diesem Verfahren  der Propaganda beschuldigt. Erstinstanzlich sei sie zu einer Geldstrafe in  der Höhe von 2'000 YTL verurteilt worden, wobei sie gegen dieses Urteil  Beschwerde eingereicht habe und das Verfahren noch immer hängig sei.  Im  Jahre  2006  sei  sie  vor  dem  Landgericht  in  H._______  wegen  Propaganda  angeklagt  worden,  weil  sie  einen  Bericht  mit  dem  Titel  "F._______"  aus  dem  Internet  kopiert  und  an  die  Zeitung  "E._______"  geschickt  habe.  Dieses  Verfahren  sei  noch  immer  vor  der  12.  Kammer  des  Schwurgerichts  in  G._______  hängig.  Aufgrund  dieser  beiden  hängigen Strafverfahren befürchte sie, ins Gefängnis zu kommen. Für die  weiteren  Vorbringen  der  Beschwerdeführerin  wird  auf  das  Protokoll  der  Anhörung verwiesen.  Als Beweismittel reichte die Beschwerdeführerin der Vertretung in Ankara  eine  Anklageschrift  der  2.  Kammer  des  Landgerichts  in  C._______,  datiert  vom  21.  Dezember  2005,  ein  Urteil  der  2.  Kammer  des 

D­1341/2009 Landgerichts  in  C._______  vom  21.  Juni  2006,  ein  Schreiben  der  Staatsanwaltschaft  in  H._______  an  das  Justizministerium  vom  5.  Dezember  2005,  ein  Verhörprotokoll  der  Staatsanwaltschaft  H._______  vom  16.  Dezember 2005,  zwei  Gutheissungsprotokolle  vom  4.  Januar  beziehungsweise 14.  Juni  2006,  zwei Empfangsscheine der  2. Kammer  des  Landgerichts  in  C._______,  ein  Verhörprotokoll  der  Staatsanwaltschaft H._______ vom 6. Juni 2006, ein Trennungsurteil der  2.  Kammer  des  Landgerichts  in  H._______  vom  14.  Juni  2006,  einen  Zeitungsartikel,  die  Zeitung  "E._______"  vom  27.  April  2006,  eine  Vorladung  zu  einer Gerichtsverhandlung  am    29.  November  2006,  ein  Unzuständigkeitsurteil  der  2. Kammer  des  Landgerichts  in  C._______  vom 6. Dezember 2006 und ein Verhandlungsprotokoll  der 12. Kammer  des  Schwurgerichts  in  G._______  vom  27. Juni  2007  ein.  Die  vorerwähnten  Dokumente  sind  ausschliesslich  in  türkischer  Sprache  abgefasst und wurden mit Ausnahme der  zwei Empfangsscheine der 2.  Kammer des Landgerichts  in C._______ sowie der Zeitung "E._______"  vom 27. April 2006 nur in Kopie eingereicht.  C.  Mit  Bericht  vom  9.  Juli  2007  übermittelte  die  Vertretung  in  Ankara  die  Akten an das BFM (Eingang: 13. Juli 2007). D.  Mit  Schreiben  vom  5.  Februar  2008  teilte  der  Schweizer  Botschafter  in  Ankara  dem  BFM  unter  anderem  mit,  dass  die  beiden  gegen  die  Beschwerdeführerin  eingeleiteten  Strafverfahren  noch  immer  hängig  seien. E.  Mit Eingabe vom 13. Oktober 2008 ersuchte der neu mandatierte, in der  Schweiz  domizilierte Rechtsvertreter  der Beschwerdeführerin  beim BFM  um Akteneinsicht. Mit  Zwischenverfügung  vom 22. Oktober  2008  lehnte  das BFM das Akteneinsichtsgesuch gestützt auf Art. 27 Abs. 1 Bst. c des  Bundesgesetzes  vom  20.  Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021)  ab,  da  die  Untersuchung  noch nicht abgeschlossen sei. F.  Am  5.  Dezember  2008  trafen  beim  BFM  von  der  Vertretung  in  Ankara  weitergeleitete Dokumente ein, die die Beschwerdeführerin durch ihren in  der  Türkei  domizilierten  Rechtsvertreter  der  Vertretung  in  Ankara  hatte 

D­1341/2009 zukommen lassen. Dabei handelt es sich um folgende Dokumente: Eine  Mahnung  zur  Geldstrafe  in  der  Höhe  von  20'000  YTL  der  12.  Kammer  des  Schwurgerichts  in  G._______  vom  27.  November  2007,  Gerichtsvorladungen mit Rückschein der 2. Kammer des Landgerichts in  H._______,  ein  Gerichtsprotokoll  der  2.  Kammer  des  Landgerichts  in  H._______  vom  12. Mai 2008,  ein  Urteil  des  Kassationsgerichts  T._______ vom 26. März 2008, einen Antrag auf Kassation vom 4. März  2008,  ein  Rechtshilfeersuchen  der  2.  Kammer  des  Landgerichts  in  H._______ an das ACM B._______ vom 30. Oktober 2008 und ein Urteil  der  12. Kammer  des Schwurgerichts  in G._______  vom 26. September  2008.  Die  vorerwähnten  Dokumente  sind  ausschliesslich  in  türkischer  Sprache  abgefasst  und wurden  nur  in  Kopie  eingereicht.  Neben  diesen   Dokumenten  reichte  der  Rechtsvertreter  der  Beschwerdeführerin  auch  ein  von  ihm  verfasstes  Schreiben  vom  12.  November  2008  bei  der  Vertretung in Ankara ein, welches diese mit einer deutschen Übersetzung  ebenfalls  an  das  BFM  weiterleitete.  In  diesem  Schreiben  teilte  der  Rechtsvertreter  der  Beschwerdeführerin  im  Wesentlichen  mit,  dass  Letztere  im  Strafverfahren  Nr.  (…)  von  der  12.  Kammer  des  Schwurgerichts in G._______ gemäss Gesetz Nr. 371 zu einer Geldstrafe  von 450 YTL verurteilt worden sei. Bezüglich des Strafverfahrens Nr. (…)  vor  der  2.  Kammer  des  Landgerichts  in  H._______  führte  er  aus,  dass  das Gericht beschlossen habe, das diensthabende Gericht in B._______,  wo  die  Beschwerdeführerin  wohnhaft  sei,  damit  zu  beauftragen,  sie  zu  informieren,  dass  sie  vor  Gericht  erscheinen  und  eine  Geldstrafe  von  2'041  YTL  zu  zahlen  habe.  Andernfalls  werde  das  Strafverfahren  weitergeführt und in eine Haftstrafe umgewandelt. G.  Mit Zwischenverfügung vom 19. Januar 2009 wurde dem in der Schweiz  domizilierten Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin in Bezugnahme auf  dessen  Akteneinsichtsgesuch  vom  13.  Oktober  2008  (teilweise)  Akteneinsicht gewährt. H.  Mit  Verfügung  vom  28.  Januar  2009  –  eröffnet  am  folgenden  Tag –  verweigerte  das  BFM  der  Beschwerdeführerin  die  Bewilligung  zur  Einreise  in  die  Schweiz  und  lehnte  ihr  Asylgesuch  ab.  Zur  Begründung  führte das BFM im Wesentlichen aus, die Beschwerdeführerin sei in dem  vor  der   12.  Kammer  des  Schwurgerichts  in  G._______  gegen  sie  geführten  Strafverfahren  Nr.  (…)  jüngst  erstinstanzlich  zu  einer  Busse  von  450  YTL  verurteilt  worden.  Die  Verurteilung  zu  einer  Geldbusse 

D­1341/2009 dieses Umfangs stelle jedoch praxisgemäss – auch im türkischen Kontext  – noch keine Verfolgung von einreisebeachtlicher  Intensität dar. Darüber  hinaus  habe  die  Beschwerdeführerin  immer  noch  die  Möglichkeit,  Beschwerde  gegen  dieses  Urteil  einzulegen.  Angesichts  des  vorliegenden  Strafmasses  könne  die  Beschwerdeführerin  überdies  den  Ausgang  des  Beschwerdeverfahrens  in  dieser  Angelegenheit  in  jedem  Fall  in  Freiheit  abwarten.  Im  anderen,  vom  2.  Asliye  Ceza  Mahkemesi  gegen  die  Beschwerdeführerin  geführten  Strafverfahren  habe  das  Kassationsgericht  das  erstinstanzliche  Urteil  von  zehn  Monaten  Haft  kassiert  und  zur  Neubeurteilung  an  die  Vorinstanz  zurückgewiesen,  weshalb  dieses  Verfahren  wieder  erstinstanzlich  hängig  sei.  Es  sei  der  Beschwerdeführerin  zuzumuten,  den Ausgang  dieses Verfahrens  in  der  Türkei  abzuwarten.  Bei  einer  erneuten  Verurteilung  habe  sie  wiederum  die  Möglichkeit,  gegen  dieses  Urteil  Beschwerde  einzulegen.  Gemäss  den  Erkenntnissen  des  BFM  bezüglich  der  türkischen  Gerichtspraxis  habe die Beschwerdeführerin auch in diesem Falle keine Sicherheitshaft  zu  befürchten  und  könne  das  Urteil  der  Beschwerdeinstanz  in  Freiheit  abwarten.  Soweit  die  Beschwerdeführerin  geltend  mache,  aus  einer  politisch  vorbelasteten  Familie  zu  stammen,  die  unter  dem  Druck  der  türkischen  Sicherheitskräfte  stehe,  sei  darauf  hinzuweisen,  dass  die  Beschwerdeführerin gemäss eigenen Angaben noch nie in Haft gewesen  sei.  Die  angeblich  öfters  bei  ihrer  Familie  durchgeführten  polizeilichen  Hausdurchsuchungen  stellten  noch  keine  Verfolgungsmassnahmen  dar,  die  gemäss  gefestigter  Praxis  der  Schweizer  Asylbehörden  einer  einreisebeachtlichen  Verfolgung  entsprechen  würden.  Eine  ähnliche  Einschätzung  gelte  auch  für  das  Vorbringen  der  Beschwerdeführerin,  einmal von einem Polizisten bedroht worden zu sein, da ihr offensichtlich  aus  diesem  einmaligen  Vorfall  bis  heute  keine  weiteren  Nachteile  erwachsen seien. Im Rahmen einer Gesamtbeurteilung gelange man zum  Schluss,  dass  die  Beschwerdeführerin  für  die  nähere  oder  mittlere  Zukunft  keine  begründete  Furch  vor  einer  einreisebeachtlichen  Verfolgung geltend machen könne.  I.  Mit  Eingabe  vom  2.  März  2009  (Poststempel)  liess  die  Beschwerdeführerin  durch  ihren  in  der  Schweiz  domizilierten  Rechtsvertreter  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  erheben  und  in materieller Hinsicht beantragen, die Verfügung des BFM vom 28.  Januar  2009  sei  aufzuheben  und  es  sei  ihr  Asyl  zu  gewähren.  In  verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte die Beschwerdeführerin ferner um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung  sowie  um  Beiordnung 

D­1341/2009 des  Unterzeichnenden  als  unentgeltlicher  Rechtsbeistand.  Zur  Begründung  der  Beschwerde  wurde  im Wesentlichen  geltend  gemacht,  die Beschwerdeführerin sei eine kurdische Alevitin und stamme aus einer  politischen Familie. Aufgrund  ihrer politischen Gesinnung und Aktivitäten  seien  diverse  Familienangehörige  den  verschiedensten  Verfolgungsmassnahmen der  türkischen Behörden ausgesetzt gewesen.  Drei  Geschwister  der  Beschwerdeführerin  lebten  heute  als  anerkannte  Flüchtlinge  in  der  Schweiz.  T._______  ,  ein  weiterer  Bruder  der  Beschwerdeführerin,  habe  ebenfalls  ein  Asylgesuch  im  Ausland  eingereicht. Die Beschwerdeführerin sei vom 2. Strafgericht erster Instanz  von  H._______  im  Strafverfahren  Nr.  (…)  wegen  Veröffentlichung  der  Pressemitteilungen der Vereinigungen "KKK" (Koma Komalen Kurdistan)  zu einer unbedingten Geldstrafe von 2'041 YTL verurteilt worden. Da die  Beschwerdeführerin  diese  Geldstrafe  nicht  habe  bezahlen  können,  sei  gegen  sie  im  Jahre  2008  beim  gleichen  Strafgericht  erneut  ein  Strafverfahren  (Nr.  (…))  eingeleitet  worden. Dieses Strafverfahren  laufe  noch und es sei damit zu rechnen, dass die Beschwerdeführerin zu einer  mehrmonatigen Freiheitsstrafe verurteilt werde. Im Verfahren Nr. (…) sei  die  Beschwerdeführerin  mit  Urteil  vom  26.  September  2008  des  12.  Schwurgerichts  von  G._______  wegen  Veröffentlichung  der  Pressemitteilungen  der  Terrororganisation  (PKK  [Arbeiterpartei  Kurdistans])  zu  einer  unbedingten  Geldstrafe  von  450  YTL  verurteilt  worden.  Die  Beschwerdeführerin  sei  unter  ständiger  Beobachtung  der  türkischen  Sicherheitskräfte.  Es  komme  auch  immer  wieder  zu  Hausdurchsuchungen.  Die  Beschwerdeführerin  sei  kürzlich  auf  den  Polizeiposten mitgenommen und aufgefordert worden, den Aufenthaltsort  ihrer Geschwister, die  in der Schweiz als anerkannte Flüchtlinge  lebten,  bekannt  zu  geben.  Entgegen  der  Annahme  der  Vorinstanz  sei  die  Beschwerdeführerin  nicht  zu  Bussen,  sondern  zu  unbedingten  Geldstrafen verurteilt worden. Da sie  finanziell nicht  in der Lage sei, die  Geldstrafen zu bezahlen, sei davon auszugehen, dass an die Stelle der  Geldstrafe  eine  Ersatzfreiheitsstrafe  treten  werde.  Die  Beschwerdeführerin  habe  das  Asylgesuch  nicht  allein  wegen  der  zwei  gegen  sie  eingeleiteten  Strafverfahren  eingereicht.  Diese Strafverfahren  stellten  nur  einen  Teil  der  Verfolgungsmassnahmen  der  türkischen  Behörden  dar.  Diese  würden  die  Beschwerdeführerin  aufgrund  ihrer  Herkunft, den politischen Aktivitäten für prokurdische Parteien sowie ihrer  Tätigkeit als Journalistin bei der prokurdischen Zeitung als Gefahr für den  Staat betrachten. Aus denselben Gründen werde sie verdächtigt, der PKK  nahe  zu  stehen  beziehungsweise  ihr  anzugehören.  Zudem  sei  die  Beschwerdeführerin  wegen  ihrer  in  der  Schweiz  als  Flüchtlinge 

D­1341/2009 anerkannten Geschwister einer Reflexwirkung ausgesetzt. Für die weitere  Begründung wird auf die Beschwerdeschrift verwiesen.  Der  Eingabe  lagen  eine  Kopie  des  Asylentscheides  des  BFM  vom          26.  August  2008  betreffend  L._______  (Schwester  der  Beschwerdeführerin) sowie auszugsweise Kopien der Reiseausweise von  M._______ sowie N._______ (Brüder der Beschwerdeführerin) bei. J.  Im  Zusammenhang  mit  dem  gegen  die  Beschwerdeführerin  laufenden  Strafverfahren  Nr.  (…)  reichte  der  in  der  Schweiz  domizilierte  Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin mit Eingabe vom 15. April 2009  dem  Bundesverwaltungsgericht  die  folgenden  in  türkischer  Sprache  verfassten Dokumente ein: Ein Schreiben des in der Türkei domizilierten  Rechtsvertreters  der  Beschwerdeführerin  vom  10.  März  2009,  ein  Protokoll  der  Verhandlung  des  2.  Strafgerichts  erster  Instanz  von  H._______ vom 5. März 2009  (in Kopie) sowie ein Zustellcouvert. Dazu  wurde  geltend  gemacht,  dass  dem  Protokoll  des  2.  Strafgerichts  erster  Instanz  von  H._______  zu  entnehmen  sei,  dass  das  Gericht  das  Verfahren  aufgrund  der  Änderung  des  "Gesetzes  zur  Bekämpfung  des  Terrors" und gemäss Art. 250 Abs. 1 des Strafgesetzbuches Nr. 5271 an  das Schwurgericht zur Beurteilung überwiesen habe. Dem Schreiben des  in  der  Türkei  domizilierten  Rechtsvertreters  der  Beschwerdeführerin  sei  zu entnehmen, dass diese mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren  zu  rechnen  habe.  Im  Weiteren  werde  im  Schreiben  ausgeführt,  dass  Personen,  die  wegen  solchen  "Delikten"  (Propaganda  zugunsten  der  PKK)  verurteilt  worden  seien  und  deren  Familienangehörige  als  "Terroristen"  betrachtet  würden,  diversen  gesellschaftlichen  Benachteiligungen und Behelligungen von Seiten der Polizei ausgesetzt  seien.  Die  Tatsache,  dass  die  Beschwerdeführerin  Kurdin  und  Alevitin  sei,  mache  sie  zusätzlich  zu  einem  Ziel  von  Angriffen  der  nationalistischen Kreise.  K.  Mit  Zwischenverfügung  des  Instruktionsrichters  des  Bundesverwaltungsgerichts vom 23. April 2009 wurde verfügt, dass über  das Gesuch  um Gewährung  der  unentgeltlichen Rechtspflege  im Sinne  von Art. 65 Abs. 1 VwVG zu einem späteren Zeitpunkt befunden und das  Gesuch  um Gewährung  der  unentgeltlichen Rechtspflege  im Sinne  von  Art.  65  Abs.  2  VwVG  abgewiesen  werde.  Gleichzeitig  wurde  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  verzichtet  und  der  Vorinstanz 

D­1341/2009 Gelegenheit  gegeben,  bis  zum  13.  Mai  2009  eine  Stellungnahme  einzureichen. L.  In  ihrer Vernehmlassung vom 8. Juni 2009 hielt die Vorinstanz an  ihrem  Standpunkt  fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde. Auf die  weiteren Ausführungen in der Vernehmlassung wird, soweit wesentlich, in  den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. M.  Mit Schreiben vom 24. Juli 2009 liess die Beschwerdeführerin – handelnd  durch  ihren  in  der  Schweiz  domizilierten  Rechtsvertreter  –  das  Bundesverwaltungsgericht  wissen,  dass  die  Generalstaatsanwaltschaft  der  Republik  in  G._______  beim  Schwurgericht  in  G._______  Anklage  gegen sie erhoben habe, wobei  ihr vorgeworfen werde, einen Aufsatz  in  der Ausgabe der Zeitung "I._______" vom 10. April 2009 veröffentlicht zu  haben,  womit  sie  sich  der  Propaganda  für  die  Terrororganisation  PKK  schuldig gemacht habe. Mit der Eingabe reichte die Beschwerdeführerin  die  folgenden  in  türkischer Sprache verfassten Dokumente (in Kopie) zu  den Akten: Ein Schreiben der Generalstaatsanwaltschaft der Republik  in  G._______ an die Generalstaatsanwaltschaft der Republik  in B._______  vom 29. April 2009 inklusive eines angeblich von der Beschwerdeführerin  verfassten Aufsatzes,  eine Anklageschrift  der Generalstaatsanwaltschaft  der Republik  in G._______ an das Schwurgericht  in G._______  vom 8.  Juni  2009  sowie  eine  Zwischenverfügung  des  11.  Schwurgerichts  in  G._______ vom 10. Juli 2009.   N.  Mit  Schreiben  vom  22.  April  2010  teilte  die  Beschwerdeführerin –  handelnd durch ihren in der Schweiz domizilierten Rechtsvertreter – dem  Bundesverwaltungsgericht mit, dass in der Türkei wegen ihres Aufsatzes  mit  dem  Titel  "O._______  "  in  der  türkischen  Wochenzeitschrift  "P._______ " ein neues Strafverfahren gegen sie eingeleitet worden sei.  Mit  der  Eingabe  reichte  die  Beschwerdeführerin  die  folgenden  in  türkischer Sprache verfassten Dokumente  (in Kopie,  inklusive deutscher  Übersetzung)  zu  den  Akten:  Eine  Anklageschrift  der  Generalstaatsanwaltschaft  der  Republik  in  G._______  vom  24.  März  2010, ein Beschlussprotokoll des 12. Schwurgerichts  in G._______ vom  29.  März  2010  sowie  eine  Vorladung  der  Polizei  der  Bezirksstadt  Q._______  .  Dem  Schreiben  vom  22.  April  2010  lag  überdies  eine  Honorarnote vom 22. April 2010 bei. 

D­1341/2009 O.  Mit Verfügung vom 15. November 2011 räumte der Instruktionsrichter des  Bundesverwaltungsgerichts  der  Vorinstanz  die  Möglichkeit  ein,  bis  zum  30.  November  2011  zu  den  Eingaben  der  Beschwerdeführerin  vom        24. Juli 2009 und 22. April 2010 eine Stellungnahme einzureichen. P.  In ihrer Vernehmlassung vom 29. November 2011 hielt die Vorinstanz an  ihrem  Standpunkt  fest  und  beantragte  die  Abweisung  der  Beschwerde.  Auf  die  weiteren  Ausführungen  in  der  Vernehmlassung  wird,  soweit  wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. Q.  Mit Verfügung vom 30. November 2011 räumte der Instruktionsrichter des  Bundesverwaltungsgerichts  der  Beschwerdeführerin  die Möglichkeit  ein,  bis zum 15. Dezember 2011 zu replizieren. R.  Innert  erstreckter  Frist  liess  die  Beschwerdeführerin  durch  ihren  in  der  Schweiz  domizilierten  Rechtsvertreter  am  29.  Dezember  2011  eine  Stellungnahme einreichen. Darin wurde unter anderem geltend gemacht,  die Vorinstanz habe der Mitangeklagten R._______, die im Strafverfahren  Nr. (…) vor dem 2. Strafgericht H._______ wegen der gleichen Vorwürfe  vor  Gericht  gestanden  sei  wie  die  Beschwerdeführerin,  die  Einreisebewilligung erteilt. Es sei davon auszugehen, dass die Vorinstanz  inzwischen auch dem Asylgesuch von R._______ entsprochen habe. Das  zeige,  dass  die  Vorinstanz  der  Beschwerdeführerin  zu  Unrecht  die  Einreise  und  das  Asyl  verweigert  habe.  Die  ungleiche  Behandlung  der  Vorinstanz  verstosse  gegen  das  Gleichbehandlungsgebot.  Es  werde  beantragt,  die  Asylakten  von  Frau  R._______  beizuziehen.  Für  den  weiteren Inhalt wird auf die Stellungnahme verwiesen.  Mit  der  Stellungnahme  wurde  ein  Auszug  aus  dem  türkischen  Gesetz     Nr.  3713  sowie  die  Ausdrucke  von  zwei  deutschsprachigen  Zeitungsberichten zu den Akten gereicht.  Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 

D­1341/2009 1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni 1998  [AsylG,  SR 142.31];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).  1.2. Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG ist im  vorliegenden  Verfahren  nicht  gegeben,  so  dass  das  Bundesverwaltungsgericht in der Sache endgültig entscheidet.  1.3. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG).  1.4. Die Beschwerde ist frist­ und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 1  AsylG,  Art.  105  AsylG  i.V.m.  Art.  37  VGG  und  Art.  52  VwVG).  Die  Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen,  ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung; sie  ist daher zur Einreichung der Beschwerde  legitimiert  (Art.  105  AsylG  i.V.m.  Art.  37  VGG  und  Art.  48  Abs.  1  VwVG).  Auf  die  Beschwerde ist somit einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.   3.1.  Gemäss  Art.  2  Abs.  1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Als  Flüchtling  wird  eine  ausländische  Person  anerkannt,  wenn  sie  in  ihrem  Heimatstaat  oder  im  Land,  in  dem  sie  zuletzt  wohnte,  wegen  ihrer Rasse, Religion, Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen  ihrer  politischen 

D­1341/2009 Anschauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete  Furcht  hat,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden.  Als  ernsthafte  Nachteile  gelten  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder  Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck  bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen  (Art. 3 AsylG).  3.2. Das BFM kann ein im Ausland gestelltes Asylgesuch ablehnen, wenn  die asylsuchenden Personen keine Verfolgung glaubhaft machen können  oder ihnen die Aufnahme in einem Drittstaat zugemutet werden kann (vgl.  Art.  3,  Art.  7  und Art.  52 Abs.  2 AsylG). Gemäss Art.  20 Abs.  2 AsylG  bewilligt  das  BFM  Asylsuchenden  die  Einreise  zur  Abklärung  des  Sachverhaltes, wenn  ihnen nicht  zugemutet werden kann,  im Wohnsitz­  oder Aufenthaltsstaat  zu bleiben oder  in ein anderes Land auszureisen.  Gestützt auf Art. 20 Abs. 3 AsylG kann das Eidgenössische Justiz­ und  Polizeidepartement  (EJPD)  schweizerische  Vertretungen  ermächtigen,  Asylsuchenden  die  Einreise  zu  bewilligen,  die  glaubhaft  machen,  dass  eine  unmittelbare  Gefahr  für  Leib  und  Leben  oder  für  die  Freiheit  aus  einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG bestehe.  3.3.  Für  die  Erteilung  einer  Einreisebewilligung  gelten  restriktive  Voraussetzungen,  wobei  den  Behörden  ein  weiter  Ermessensspielraum  zukommt.  Neben  der  erforderlichen  Gefährdung  im  Sinne  von  Art.  3  AsylG sind namentlich die Beziehungsnähe zur Schweiz, die Möglichkeit  der  Schutzgewährung  durch  einen  anderen  Staat,  die  Beziehungsnähe  zu  anderen  Staaten,  die  praktische  und  objektive  Zumutbarkeit  zur  anderweitigen  Schutzsuche  sowie  die  voraussichtlichen  Eingliederungs­  und  Assimilationsmöglichkeiten  in  Betracht  zu  ziehen  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  [vormaligen]  Schweizerischen  Asylrekurskommission [EMARK] 1997 Nr. 15 E. 2.e.­g. S. 131 ff., welcher  angesichts bloss  redaktioneller Änderungen bei der  letzten Totalrevision  des  Asylgesetzes  nach  wie  vor  Gültigkeit  hat).  Ausschlaggeben  für  die  Erteilung  der  Einreisebewilligung  ist  dabei  die  Schutzbedürftigkeit  der  betroffenen Personen  (vgl. a.a.O. E. 2.c S. 130), mithin die Prüfung der  Fragen,  ob  eine  Gefährdung  im  Sinne  von  Art.  3  AsylG  glaubhaft  gemacht  wird  und  ob  der  Verbleib  am  Aufenthaltsort  für  die  Dauer  der  Sachverhaltsabklärung  zugemutet  werden  kann.  Eine  Verfolgungssituation muss überdies aktuell sein, um gemäss Art. 3 AsylG  als  asylrelevant  zu  gelten.  Dies  bedeutet,  dass  zwischen  dem  Ereignis  und  der  Flucht,  mithin  dem  Asylgesuch,  ein  zeitlicher  Kausalzusammenhang bestehen muss.

D­1341/2009 4.  4.1. Im Folgenden ist zu prüfen, ob das BFM zu Recht eine unmittelbare  Gefahr  im  Sinne  von  Art.  20  AsylG  verneinte  und  die  Einreise  der  Beschwerdeführerin in die Schweiz verweigerte.  4.2.  Den  Angaben  der  Beschwerdeführerin  sowie  den  von  ihr  eingereichten Dokumenten kann entnommen werden, dass gegen sie  in  der Türkei vier Strafverfahren eröffnet wurden, nachdem mehrere von ihr  verfasste  respektive  von  ihr  an  einen  Zeitschriftenverlag  weitergeleitete  fremde Artikel  in Zeitschriften publiziert worden waren. Im Strafverfahren               Nr.  (…)  wurde  die  Beschwerdeführerin  mit  Urteil  vom  26.  September  2008 des 12. Schwurgerichts  in G._______ wegen Veröffentlichung der  Pressemitteilungen  einer  Terrororganisation  lediglich  zu  einer  unbedingten  Geldstrafe  von  450  YTL  (zirka  Fr.  225.­­)  verurteilt.  Das  Gericht hat sich somit bei der Strafbemessung im untersten Bereich des  zulässigen Strafrahmens bewegt. Übereinstimmend mit der Vorinstanz ist  festzuhalten, dass es sich bei einer Geldstrafe von umgerechnet lediglich  etwas  mehr  als  zweihundert  Schweizer  Franken  nicht  um  einen  ernsthaften Nachteil im Sinne von Art. 3 AsylG handelt. Bezüglich der drei  anderen  nach  wie  vor  hängigen  Strafverfahren  ist  zu  bemerken,  dass  diesbezüglich  noch  keine  definitiven  Schuldsprüche  ergangen  sind  und  letztlich  nach  wie  vor  offen  bleibt,  ob  und  inwieweit  die  Beschwerdeführerin  tatsächlich verurteilt wird.  Im Strafverfahren Nr.  (…)  wurde  die  Beschwerdeführerin  mit  Urteil  vom  21.  Juni  2006  des  2.  Strafgerichts  erster  Instanz  von  H._______  wegen  Veröffentlichung  der  Pressemitteilungen  der  Vereinigung  "KKK"  zu  einer  unbedingten  Geldstrafe  von  2'041  YTL  verurteilt.  Der  Beschwerdeschrift  ist  zu  entnehmen,  dass  gegen  die  Beschwerdeführerin  im  Jahre  2008  wegen  der  gleichen Sache beim gleichen Strafgericht  ein  neues Strafverfahren  (Nr.  (…)) eingeleitet wurde, da die Beschwerdeführerin diese Geldstrafe  nicht bezahlen konnte. Diesbezüglich ist vorab zu bemerken, dass es sich  bei einer Geldstrafe von 2'041 YTL (zirka Fr. 1'020.­­) ebenfalls nicht um  einen ernsthaften Nachteil  im Sinne von Art. 3 AsylG handelt. Zudem ist  darauf  hinzuweisen,  dass  sich  das Gericht  in  diesem Verfahren  bei  der  Strafbemessung  wiederum  im  unteren  Bereich  des  zulässigen  Strafrahmens  bewegte,  was  darauf  hindeutet,  dass  das  Gericht  das  Verhalten  der  Beschwerdeführerin  als  nur  leicht  beurteilte.  Dies  lässt  darauf  schliessen,  dass  die  Beschwerdeführerin  auch  im Strafverfahren  Nr.  (…) – wenn überhaupt – nur milde bestraft wird. Dafür  spricht auch  die  Tatsache,  dass  die  Beschwerdeführerin  über  kein  nennenswertes  politisches Profil  verfügt  und  nicht  das Bild  einer  politisch  interessierten 

D­1341/2009 und aktiven Person vermittelt. So sagte sie anlässlich der Befragung vom  9.  Juli  2007  aus,  sie  sei  noch  nie  politisch  tätig  gewesen  und  sei  nicht  Mitglied einer Partei  (Akten BFM A 2/7, S. 4  f.). An dieser Einschätzung  ändert auch der Umstand nichts, dass sie  in den Jahren 2009 und 2010  je einen Artikel veröffentlicht haben will. Aus diesem Grund ist die in der  Eingabe  vom  15.  April  2009  vorgebrachte  Behauptung,  wonach  die  Beschwerdeführerin  im  Strafverfahren  Nr.  (…)  mit  einer  Freiheitsstrafe  von  bis  zu  drei  Jahren  zur  rechnen  habe,  nicht  wahrscheinlich.  Es  erscheint  zwar  möglich,  dass  die  Beschwerdeführerin  in  diesem  Strafverfahren zu einer Ersatzfreiheitsstrafe verurteilt wird. Jedoch würde  diese wohl  nur wenige Tage betragen, was kein ernsthafter Nachteil  im  Sinne  von  Art.  3  AsylG  darstellen  würde.  Vor  diesem  Hintergrund  bestehen  auch  keine  Anhaltspunkte  dafür,  dass  das  Gericht  bei  einer  allfälligen  weiteren  erstinstanzlichen  Verurteilung  in  den  drei  noch  hängigen  Strafverfahren  gegen  die  Beschwerdeführerin  gleichzeitig  ein  Ausreiseverbot  aussprechen  oder  eine  Untersuchungshaft  anordnen  würde,  zumal  das  Gericht  allem  Anschein  nach  bis  heute  keine  Veranlassung sah, derartige Massnahmen gegen die Beschwerdeführerin  anzuordnen,  wurde  gegen  sie  doch  gemäss  den  vorliegenden  Akten  bisher nie eine Haft angeordnet (vgl. insbesondere Akten A 2/7, S. 5). Es  ist  darauf  hinzuweisen,  dass  die  Beschwerdeführerin  in  der  Türkei  anwaltschaftlich  vertreten  ist,  weshalb  sie  bei  einer  allfälligen  erstinstanzlichen  Verurteilung  in  den  noch  immer  hängigen  Verfahren  über  die  Möglichkeit  verfügt,  rechtliche  Schritte  gegen  einen  solchen  Entscheid  einzureichen.  Aufgrund  der  eingereichten  Akten  ist  zudem  davon auszugehen, dass die Verfahrensrechte der Beschwerdeführerin in  den hängigen Strafverfahren gewahrt werden, sie also korrekte Verfahren  durchlaufen  wird.  Diese  Ansicht  wird  insbesondere  dadurch  bestärkt,  dass  die  Beschwerdeführerin  während  der  gesamten  bisherigen,  nunmehr  bereits  mehrere  Jahre  dauernden  Strafverfahren  nie  in  Untersuchungshaft  genommen  wurde,  mithin  den  Ausgang  der  Strafverfahren  in  Freiheit  abwarten  kann.  Somit  ist  davon  auszugehen,  dass  zum heutigen Zeitpunkt  keine unmittelbare Gefahr  für  Leib,  Leben  oder  Freiheit  der  Beschwerdeführerin  besteht.  Es  ist  ihr  daher  zuzumuten,  den Ausgang der  gegen  sie  hängigen Strafverfahren  in  der  Türkei abzuwarten. Der Vollständigkeit halber  ist  festzustellen, dass aus  den  dem  Gericht  vorliegenden  Akten  nicht  ersichtlich  ist,  dass  die  Beschwerdeführerin  –  wie  von  der  Vorinstanz  in  der  angefochtenen  Verfügung  geltend  gemacht  –  in  einem  erstinstanzlichen  Strafverfahren  zu zehn Monaten Haft verurteilt wurde. Auch von der Beschwerdeführerin  wurde nie so etwas vorgebracht, weshalb davon auszugehen ist, dass sie 

D­1341/2009 bisher  lediglich zu den bereits erwähnten Geldstrafen und nicht zu einer  Haftstrafe verurteilt wurde. 4.3.  4.3.1.  In  der  Rechtsmittelschrift  machte  die  Beschwerdeführerin  zudem  geltend, sie werde von den Behörden aufgrund ihrer Herkunft (Kurdin aus  S._______),  ihren politischen Aktivitäten für prokurdische Parteien sowie  ihrer Tätigkeit als Journalistin bei einer prokurdischen Zeitung als Gefahr  für den Staat betrachtet. Aus denselben Gründen werde sie verdächtigt,  der PKK nahe zu stehen beziehungsweise ihr anzugehören. 4.3.2. Gemäss  den  Akten  war  die  Beschwerdeführerin  niemals Mitglied  einer  politischen  Partei  und  auch  nie  in  erheblichem  Ausmass  politisch  tätig.  Anlässlich  der  Befragung  vom  9.  Juli  2007  machte  sie  einzig  geltend,  mit  ihren  Freunden  aus  der  DTP­Jugendbewegung  an  der  Wahlpropaganda  für Frauen  teilzunehmen (vgl. A 2/7, S. 4  f.). Aufgrund  des geringen politischen Profils der Beschwerdeführerin ist es daher nicht  glaubhaft,  dass  die  türkischen  Behörden  sie  als  Gefahr  für  den  Staat  betrachten, wie  das  in  der Rechtsmittelschrift  geltend gemacht wird. An  dieser Einschätzung vermögen auch die Zeitungsartikel, die unter  ihrem  Namen  veröffentlich  worden  sind,  nichts  zu  ändern,  zumal  sie  lediglich  die beiden letzten selbst verfasst haben will (A 2/7, S. 3), was gegen ein  nennenswertes  politisches  Profil  spricht.  Würde  der  türkische  Staat  die  Beschwerdeführerin  tatsächlich  als  Gefahr  einstufen,  wäre  sie  mit  Sicherheit  schon  einmal  in  Untersuchungshaft  genommen  und  verhört  worden. Aus den Akten ist jedoch ersichtlich, dass dies bis zum heutigen  Tag  nicht  geschehen  ist  (vgl.  auch  A  2/7,  S.  5).  Bezüglich  der  in  der  Rechtsmittelschrift  erhobenen  Behauptung,  wonach  die  Beschwerdeführerin  verdächtigt  werde,  der  PKK  nahe  zu  stehen  beziehungsweise  ihr  anzugehören,  ist  festzuhalten,  dass  dieses  Vorbringen  in  keiner  Weise  belegt  wird.  Hinsichtlich  der  politischen  Aktivitäten  der  Beschwerdeführerin  ist  somit  festzuhalten,  dass  diese  nicht  derart  einzustufen  sind,  dass  sie  eine  asylrelevante  Verfolgung  durch die türkischen Behörden als wahrscheinlich erscheinen lassen. An  dieser  Einschätzung  vermag  auch  ihre  kurdische  Herkunft  nichts  zu  ändern. 4.4.  4.4.1. Im Weiteren machte die Beschwerdeführerin in der Befragung vom  9. Juli 2007 sowie in der Rechtsmittelschrift Reflexverfolgung geltend, da  mehrere ihrer Geschwister politisch tätig gewesen seien, weswegen ihre 

D­1341/2009 Familie  von  den  Behörden  unter  Druck  gesetzt  werde.  So  komme  es  immer wieder zu Hausdurchsuchungen. Dabei habe einmal ein Polizist zu  ihr gesagt, sie solle vorsichtig sein, er wisse, wo sie arbeite und welchen  Weg sie zur Arbeit nehme. Den gleichen Polizisten habe sie dann auch  im  DTP­Gebäude  gesehen.  In  der  Rechtsmittelschrift  brachte  die  Beschwerdeführerin  vor,  kürzlich  auf  den  Polizeiposten  mitgenommen  und  aufgefordert  worden  zu  sein,  den  Aufenthaltsort  ihrer  Geschwister,  die in der Schweiz als anerkannte Flüchtlinge lebten, bekannt zu geben. 4.4.2.  Das  Bundesverwaltungsgericht  hat  –  wie  von  der  Beschwerdeführerin  in  der  Rechtsmittelschrift  beantragt  –  die  Verfahrensakten  ihrer  Geschwister  (N._______  [N  (…)],  M._______  [N  (…)], T._______  [N (…)] sowie L._______ [N (…)]) beigezogen. 4.4.3. Das Bundesverwaltungsgericht geht –  in Anlehnung an die Praxis  der  ARK  –  davon  aus,  dass  es  in  der  Türkei  staatliche  Repressalien  gegen  Familienangehörige  von  politischen  Aktivisten  gibt,  die  als  so  genannte Reflexverfolgung flüchtlingsrechtlich erheblich im Sinne von Art.  3  AsylG  sein  können.  Die  Wahrscheinlichkeit,  Opfer  einer  Reflexverfolgung zu werden, war nach der Praxis der ARK vor allem dann  gegeben,  wenn  nach  einem  flüchtigen  Familienmitglied  gefahndet  wird  und  die  Behörde  Anlass  zur  Vermutung  hat,  dass  jemand  mit  der  gesuchten  Person  in  engem  Kontakt  steht.  Diese  Wahrscheinlichkeit  erhöht  sich, wenn ein nicht  unbedeutendes politisches Engagement  der  reflexverfolgten Person für illegale politische Organisationen hinzu kommt  beziehungsweise  ihr  seitens  der Behörden  unterstellt wird  (vgl.  EMARK  2005  Nr.  21  E.  10.1.  S. 195, mit  weiteren  Hinweisen).  In  diesem  ARK­ Urteil  wurde  weiter  ausgeführt,  dass  sich  die  Verfolgungspraxis  der  türkischen Behörden  im Zuge des Reformprozesses zur Annäherung an  die Europäische Union zwar  insofern geändert habe, als Fälle,  in denen  Familienangehörige  kurdischer  Aktivisten  gefoltert  oder  misshandelt  worden  seien,  abgenommen  hätten.  Familienangehörige  müssten  aber  unverändert  mit  Hausdurchsuchungen  und  kürzeren  Festnahmen  rechnen,  die  oft  mit  Beschimpfungen  und  Schikanen  verbunden  seien.  Ein  Regelverhalten  der  türkischen  Behörden  lasse  sich  jedoch  nicht  ausmachen;  vielmehr  hingen  die  Wahrscheinlichkeit  einer  Reflexverfolgung  und  deren  Intensität  stark  von  den  konkreten  Umständen des Einzelfalles ab. Feststellen lasse sich immerhin, dass zur  Zeit besonders diejenigen Personen von einer Reflexverfolgung bedroht  seien,  die  sich  offen  für  politisch  aktive  Verwandte  einsetzen  würden  (EMARK 2005 Nr. 21 E. 10.2.3. S. 199 f.). 

D­1341/2009 4.4.4. Die Beschwerdeführerin begründete ihre Aussage, sie leide wegen  ihrer  in  der  Schweiz  als  Flüchtlinge  anerkannten  Geschwister  in  ihrer  Heimat unter Reflexverfolgung, unter anderem damit, dass ihre Wohnung  öfters  von  der Polizei  durchsucht werde. Es  ist  nicht  abzustreiten,  dass  diese  Durchsuchungen  –  sofern  sie  sich  tatsächlich  zutragen  beziehungsweise  zugetragen  haben  –  Unannehmlichkeiten  für  die  Beschwerdeführerin  und  ihre  Familie  mit  sich  bringen.  Dennoch  ist  in  Übereinstimmung  mit  der  Vorinstanz  festzuhalten,  dass  es  sich  dabei  nicht  um  ernsthafte  Nachteile  im  Sinne  von  Art.  3  AsylG  handelt.  Im  Weiteren bringt die Beschwerdeführerin vor, einmal habe ein Polizist  zu  ihr gesagt, sie solle vorsichtig sein, er wisse, wo sie arbeite und welchen  Weg  sie  zur  Arbeit  nehme.  Übereinstimmend  mit  der  Vorinstanz  ist  festzustellen,  dass  der  Beschwerdeführerin  aus  diesem  einmaligen  Vorfall  bis  heute  keine  weiteren  Nachteile  erwachsen  sind,  weshalb  es  sich auch diesbezüglich nicht um einen ernsthaften Nachteil im Sinne von  Art.  3  AsylG  handelt.  Soweit  die  Beschwerdeführerin  in  der  Rechtsmittelschrift  zudem  geltend  machte,  sie  sei  kürzlich  auf  den  Polizeiposten mitgenommen und aufgefordert worden, den Aufenthaltsort  ihrer Geschwister, die  in der Schweiz als anerkannte Flüchtlinge  lebten,  bekannt zu geben,  ist  festzuhalten, dass sie dieses Vorbringen  in keiner  Weise  belegt. Gegen  die Glaubhaftigkeit  dieser Aussage  spricht  zudem  die  Tatsache,  dass  sie  anlässlich  der  Befragung  vom  9.  Juli  2007  aussagte,  sie  werde  heutzutage  wegen  ihrer  in  der  Schweiz  weilenden  Brüder  von den  türkischen Behörden nicht mehr unter Druck gesetzt  (A  2/7,  S.  6).  Ausserdem  ist  festzustellen,  dass  die  Schilderung  der  Beschwerdeführerin  in  der Rechtsmittelschrift  bezüglich  ihrer  Befragung  auf  dem  Polizeiposten  sehr  unsubstanziiert  ausgefallen  ist,  was  den  Schluss  nahelegt,  dass  sich  diese  Befragung  nicht  zugetragen  hat.  Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass sich aus den Akten ergibt, dass  die  Beschwerdeführerin  als  Einzige  ihrer  nach  wie  vor  in  der  Türkei  lebenden  Kernfamilie  (Mutter,  Brüder)  von  der  türkischen  Polizei  nach  dem Aufenthaltsort ihrer Geschwister in der Schweiz befragt worden sein  soll, was jedoch nicht nachvollziehbar ist. Ist doch vielmehr anzunehmen,  die türkische Polizei hätte auch die übrigen Familienmitglieder nach dem  Aufenthaltsort  der  Geschwister  der  Beschwerdeführerin  befragt.  Zusammenfassend  ist  daher  die  Behauptung  der  Beschwerdeführerin,  wonach sie auf den Polizeiposten mitgenommen und aufgefordert worden  sei,  den  Aufenthaltsort  ihrer  Geschwister,  die  in  der  Schweiz  als  anerkannte  Flüchtlinge  lebten,  bekannt  zu  geben,  als  unglaubhaft  zu  beurteilen. Da aus den beigezogenen Akten der in der Schweiz lebenden  Geschwister  der  Beschwerdeführerin  ersichtlich  ist,  dass  diese  keine 

D­1341/2009 bedeutenden politischen Aktivitäten  für  illegale politische Organisationen  ausgeführt  haben,  und  den  Akten  nicht  zu  entnehmen  ist,  dass  die  Geschwister  sich  in  der  Schweiz  politisch  betätigen,  ist  davon  auszugehen,  dass  die  Beschwerdeführerin  wegen  ihrer  schon  lange  in  der  Schweiz  lebenden  Geschwister  (heute)  keine  asylrelevanten  Nachteile zu gewärtigen hat. 4.4.5.  Die  von  der  Beschwerdeführerin  geschilderten  Wohnungsdurchsuchungen  beziehungsweise  die  einmalige  Bedrohung  durch  einen  Polizisten  lassen  den  weiteren  Verbleib  der  Beschwerdeführerin  im  Heimatland  auch  nicht  als  objektiv  unzumutbar  erscheinen,  weshalb  sie  nicht  als  unerträglicher  psychischer  Druck  qualifiziert  werden  können  (vgl.  ALBERTO  ACHERMANN/CHRISTINA  HAUSAMMANN, Handbuch des Asylrechts, 2. Aufl., Bern/Stuttgart 1991, S.  79).  Ein  unerträglicher  psychischer  Druck  lässt  sich  vorliegend  auch  deshalb  nicht  bejahen,  weil  mit  diesem  Begriff  im  Gesetz  nicht  ein  Auffangtatbestand geschaffen werden sollte, um auch weniger  intensive  Eingriffe  in  Leib,  Leben  oder  Freiheit  asylrechtlich  anzuerkennen.  Vielmehr soll diese Formulierung erlauben, auch staatliche Massnahmen  zu erfassen, die sich nicht unmittelbar gegen die Rechtsgüter Leib, Leben  oder Freiheit  richten,  sondern auf andere Weise ein menschenwürdiges  Leben  verunmöglichen  (vgl.  BBl  1983  III  783).  Die  Anforderungen  an  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen  Druck  erzeugen,  sind  grundsätzlich  hoch.  Die  von  der  Beschwerdeführerin  genannten  Schwierigkeiten  beziehungsweise  Unannehmlichkeiten  sind  für  diese  zwar  zweifellos  belastend,  führen  aber  nicht  zu  einer  eigentlichen  Zwangslage,  die  es  ihr  verunmöglicht,  weiterhin  im  Heimatland  zu  verbleiben. 4.4.6. Insgesamt ergibt sich, dass nicht von einer asylrechtlich relevanten  Reflexverfolgung  der  Beschwerdeführerin  aufgrund  ihrer  sich  in  der  Schweiz  aufhaltenden  und  hier  teilweise  als  Flüchtlinge  anerkannten  Geschwister auszugehen ist. 5.  5.1.  Nach  dem  Gesagten  erachtet  das  Bundesverwaltungsgericht  die  Einschätzung der Vorinstanz als zutreffend, wonach im jetzigen Zeitpunkt  nicht  von  einer  unmittelbaren  Verfolgungsgefahr  für  die  Beschwerdeführerin  gesprochen  werden  kann.  Insgesamt  bestehen  weder  Anhaltspunkte  für  ein  unfaires  Gerichtsverfahren  noch  für  eine  unmittelbare  Gefährdungssituation  der  Beschwerdeführerin.  Die 

D­1341/2009 Schutzbedürftigkeit  der  Beschwerdeführerin  im Sinne  von Art.  20  i.V.m.  Art. 3 AsylG ist im heutigen Zeitpunkt als nicht gegeben zu qualifizieren.  5.2.  In  ihrer  Stellungnahme  vom  29.  Dezember  2011  machte  die  Beschwerdeführerin  geltend,  die  Vorinstanz  habe  der  Mitangeklagten  R._______  ,  die  im  Strafverfahren  Nr.  (…)  vor  dem  2.  Strafgericht  H._______ wegen der gleichen Vorwürfe vor Gericht gestanden sei wie  sie,  die  Einreisebewilligung  erteilt.  Es  sei  davon  auszugehen,  dass  die  Vorinstanz inzwischen auch ihrem Asylgesuch entsprochen habe. Gerade  dieser Fall zeige, dass die Vorinstanz ihr – der Beschwerdeführerin – zu  Unrecht  die  Einreise  und  das  Asyl  verweigert  habe.  Die  ungleiche  Behandlung  der  Vorinstanz  verstosse  gegen  das  Gleichbehandlungsgebot.  5.3.  Der  verfassungsrechtliche  Gleichbehandlungsgrundsatz  (Art.  8  Abs. 1  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom 18. April 1999 [BV, SR 101]) in der Rechtsanwendung gebietet, zwei  tatsächlich  gleiche  Situationen  nicht  ohne  sachlichen  Grund  unterschiedlich  zu  behandeln.  Die  gleiche  Behörde  darf  nicht  ohne  sachlichen  Grund  zwei  rechtlich  gleiche  Sachverhalte  unterschiedlich  beurteilen.  Nicht  erforderlich  ist,  dass  die  Sachverhalte  in  all  ihren  tatsächlichen  Elementen  identisch  sind.  Demgegenüber  besteht  kein  Anspruch  auf  Gleichbehandlung  im  Unrecht,  selbst  wenn  eine  bisher  abweichende Praxis bestanden haben sollte. Insbesondere besteht dann  kein  Anspruch  auf  Gleichbehandlung,  wenn  ernsthafte  und  sachliche  Gründe  für  die  Praxisänderung  sprechen,  die  Änderung  grundsätzlich  erfolgt und das  Interesse an der  richtigen Rechtsanwendung gegenüber  der  Rechtssicherheit  überwiegt.  Frühere  –  allenfalls  fehlerhafte –  Entscheide sollen nicht als Richtschnur für alle Zeiten Geltung haben (vgl.  PIERRE  TSCHANNEN/ULRICH  ZIMMERLI/MARKUS  MÜLLER,  Allgemeines  Verwaltungsrecht, 3. Aufl., Bern 2009, S. 176 ff.).  5.4. Nach Durchsicht der Verfahrensakten von R._______ wird deutlich,  dass sich die Sachlage  in diesem Verfahren  in entscheidenden Punkten  anders darstellt, als im vorliegenden Verfahren, weshalb eine Verletzung  des Gleichbehandlungsgrundsatzes zu verneinen  ist. So weist diese ein  anderes Gefährdungsprofil auf. Nach dem Gesagten besteht somit auch  gestützt  auf  das  Gleichbehandlungsgebot  kein  Grund,  die  Beschwerde  gutzuheissen.  Zusammenfassend  ist  festzuhalten,  dass  es  der  Beschwerdeführerin  nicht  gelungen  ist,  eine  aktuelle  Gefährdung  aufzuzeigen, die die Bewilligung der Einreise in die Schweiz rechtfertigen 

D­1341/2009 würde. Die Schutzbedürftigkeit der Beschwerdeführerin im Sinne von Art.  20  AsylG  i.V.m.  Art.  3  AsylG  ist  als  nicht  gegeben  zu  qualifizieren.  Es  erübrigt sich, auf die Vorbringen in den Eingaben der Beschwerdeführerin  beziehungsweise  die  eingereichten  Beweismittel  weiter  einzugehen,  da  diese am Ergebnis nichts  zu ändern  vermögen. Das BFM hat demnach  der Beschwerdeführerin zu Recht die Einreise  in die Schweiz verweigert  und das Asylgesuch abgelehnt. 6.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art.  106  AsylG).  Die  Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 7.  Da  die  Beschwerdeführerin  mit  ihrer  Beschwerde  vollumfänglich  unterlegen  ist, wären  ihr grundsätzlich die Verfahrenskosten  im Betrage  von   Fr.  600.­­  aufzuerlegen  (Art.  63  Abs.  1  und  5  VwVG).  Die  Beschwerdeführerin  hat  jedoch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege ersucht. Gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG wird die Partei, die  nicht über die erforderlichen Mittel verfügt, auf Antrag von der Bezahlung  der  Verfahrenskosten  befreit,  sofern  ihr  Begehren  nicht  aussichtslos  erscheint.  Vorliegend  ist  davon  auszugehen,  dass  die  Beschwerdeführerin  mittellos  ist.  Zudem  erschien  das  Begehren  der  Beschwerdeführerin zum Zeitpunkt der Beschwerdeeinreichung als nicht  aussichtslos.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  ist  demnach  gutzuheissen  und  es  sind  der  Beschwerdeführerin keine Verfahrenskosten aufzuerlegen. (Dispositiv nächste Seite)

D­1341/2009 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  wird  gutgeheissen.  3.  Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.  4.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführerin,  das  BFM  und  die  Schweizerische Vertretung in Ankara. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Robert Galliker Matthias Jaggi Versand:

D-1341/2009 — Bundesverwaltungsgericht 28.02.2012 D-1341/2009 — Swissrulings