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Bundesverwaltungsgericht 22.12.2011 C-5767/2010

December 22, 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·625 words·~3 min·3

Summary

Invalidenversicherung (IV) | Invalidenrente

Full text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung III C­5767/2010 Urteil   v om   2 2 .   D e z embe r   2011 Besetzung Richter Philippe Weissenberger (Vorsitz), Richter Vito Valenti, Richter Stefan Mesmer,    Gerichtsschreiber Jean­Marc Wichser. Parteien X._______,    vertreten durch Ernest Osmani, memos Osmani,  In der Ey 29, 8047 Zürich, Beschwerdeführer,  gegen IV­Stelle für Versicherte im Ausland IVSTA,   Avenue Edmond­Vaucher 18, Postfach 3100, 1211 Genf 2,    Vorinstanz.  Gegenstand Invalidenrente.

C­5767/2010 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest und erwägt, dass  der  am  NN  geborene,  verheiratete,  in  seinem  Heimatstaat  wohnhafte kosovarische Staatsangehörige X._______, der in den Jahren  1990 bis 1993 in der Schweiz erwerbstätig gewesen ist (und sich später,  von 1998 bis 2000, als Asylbewerber in der Schweiz aufhielt), am 28. Juli  1995  ein  erstes  Gesuch  um  Leistungen  der  schweizerischen  Invalidenversicherung infolge Rückenbeschwerden gestellt hatte, das mit  Urteil vom 14. Oktober 1999 von der Eidgenössischen Rekurskommission  der Alters­, Hinterlassenen­ und Invalidenversicherung für die im Ausland  wohnenden  Personen  rechtskräftig  abgewiesen  worden  ist  (act.  44  IVSTA), dass derselbe Versicherte sich am 14. September 2004 erneut bei der IV­ Stelle für Versicherte im Ausland (IVSTA) zum Bezug von Leistungen der  Invalidenversicherung anmeldete, dieses zweite Leistungsbegehren aber  von der  IVSTA mit Verfügung vom 5. Oktober 2005 abgewiesen worden  ist  im Wesentlichen mit der Begründung, dass sich aus den Akten beim  Versicherten  weder  eine  bleibende  Erwerbsunfähigkeit  noch  eine  ausreichende durchschnittliche Arbeitsunfähigkeit während eines  Jahres  ergeben  habe,  und  ihm  trotz  des  Gesundheitsschadens  eine  dem  Gesundheitszustand  angepasste  gewinnbringende Tätigkeit  noch  immer  in rentenausschliessender Weise zumutbar sei (act. 69 IVSTA), dass die IVSTA aufgrund des Rates der beigezogenen RAD­Ärztin nach  Eingang einer Einsprache von X._______ gegen  ihre Verfügung vom 5.  Oktober 2005 eine polydisziplinäre Untersuchung des Versicherten in der  Schweiz  anordnete,  die  schliesslich  vom  4.  bis  zum  7.  Februar  2008  durch  das  Z._______  in  B._______  durchgeführt  worden  ist,  und  dass  sich  aus  dem  ausführlichen  Gutachten  des  Z._______  vom  18.  März  2008 ergab, dass der untersuchte Versicherte im Wesentlichen an einem  chronischen  lumbovertebralen  Schmerzsyndrom  bei  leichten  degenerativen Veränderungen ohne fassbare neurologische Ausfälle seit  1993  und  einer  chronischen  Schmerzverarbeitung  –  neben  anderen  Nebendiagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit – leide, die jedoch  insgesamt,  unter  Würdigung  der  somatischen  und  psychiatrischen  Aspekte,  eine  Arbeitsunfähigkeit  nicht  begründen  würden,  so  dass  der  Versicherte  in  jeglicher  Verweisungstätigkeit  ohne  Einschränkung  einsatzfähig sei (act. 100 IVSTA), dass  die  IVSTA  darauf  gestützt  mit  Einspracheentscheid  vom  14.  Mai  2008  die  Einsprache  des  Versicherten  gegen  ihre  Verfügung  vom  5. 

C­5767/2010 Oktober  2005  wegen  Fehlens  einer  anspruchsbegründenden  Invalidität  abgewiesen hat (vgl. act. 110 IVSTA),  dass das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil vom 23. Februar 2009 (C­ 3916/2008) die gegen den genannten Einspracheentscheid eingereichte  Beschwerde  auf Antrag  der Vorinstanz  gutgeheissen  und  die Sache  an  diese zurückgewiesen hat, damit diese nach erfolgter Abklärung über den  Rentenanspruch neu verfüge (act. 117 IVSTA),  dass  die  Vorinstanz  sich  bei  ihrem  Gutheissungs­  und  Rückweisungsantrag  insbesondere  auf  die  Stellungnahme  des  RAD  R._______ vom 13. Januar 2009 gestützt hat, der die Sachlage für eine  abschliessende Beurteilung als zu wenig geklärt erachtet hatte, und dass  es gemäss dem Bundesverwaltungsgericht im Weiteren unklar geblieben  war,  wann  der  diagnostizierte  cerebrovaskuläre  Insult  mit  Hemiparese  rechts eingetreten war und in die Beurteilung des ZMB Eingang gefunden  hatte (act. 117 IVSTA, E. 4.3), dass  die  Vorinstanz  in  der  Folge  zwischen  Juli  2009  und  Januar  2010  weitere  ärztliche  Abklärungen  eingeleitet  hat  (act.  120  bis  132  IVSTA),  aber mit Verfügung vom 7. Juli 2010 das Leistungsbegehren wegen der  nicht  mehr  erfüllten  versicherungsmässigen  Voraussetzungen  abwies,  unter  Hinweis  darauf,  dass  der  Bundesrat  beschlossen  habe,  die  Anwendung  des  mit  dem  früheren  Jugoslawien  abgeschlossenen  Sozialversicherungsabkommens  im  Verhältnis  zu  Kosovo  per  31.  März  2010  zu  beenden,  und  dies  für  alle  an  diesem  Datum  noch  nicht  verfügten  Fälle  wie  dem  vorliegenden  gelte  mit  der  Folge,  dass  Staatsangehörige des Kosovo zukünftig nicht mehr die Rechtsstellung als  Vertragsausländer/innen innehätten (act. 137 IVSTA), dass  X._______  (nachfolgend  der  Beschwerdeführer)  mit  Eingabe  vom  14. August 2010 (vgl. act. 1) gegen die vorinstanzliche Verfügung vom 7.  Juli 2010 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht erheben und unter  anderem beantragen  liess,  die  angefochtene Verfügung  sei  aufzuheben  und die Sache sei an die Vorinstanz zurückzuweisen, damit diese nach  erfolgter Abklärung über den Leistungsanspruch neu verfüge, dass  die  Vorinstanz  mit  Vernehmlassung  vom  25.  November  2010  die  Abweisung der Beschwerde beantragte (act. 5),

C­5767/2010 dass  der  Beschwerdeführer  den  vom  Instruktionsrichter  mit  Zwischenverfügung vom 28. Januar 2011 einverlangten Kostenvorschuss  in der Höhe von Fr. 400.­­­ fristgerecht geleistet hat (act. 8 und 10), dass das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil  (vgl. C­4828/2010 vom 7.  März  2011  E.  5.1)  entschieden  hat,  dass  aufgrund  der  Gesetzgebung  beider  Staaten  die  Angehörigen  von  Kosovo  von  den  serbischen  Behörden  als  serbische  Staatsangehörige  anerkannt  werden,  nachdem  die  seit  8.  November  2006  in  Kraft  stehende  serbische  Verfassung  die  Unabhängigkeit  von  Kosovo  ausschliesst  und  die  serbische  Regierung  Kosovo  nicht  als  unabhängigen  Staat  anerkennt,  so  dass  kosovarische  Staatsangehörige  auch  die  serbische  Staatsangehörigkeit  besitzen,  zumal Kosovo seinerseits die mehrfache Staatsangehörigkeit zulässt, dass  das  Bundesgericht  auf  eine  gegen  dieses  Urteil  erhobene  Beschwerde  nicht  eingetreten  ist  (vgl.  Urteil  9C_329/2011  vom  27.  September 2011), so dass dieses in Rechtskraft erwachsen ist, dass  bei  Doppelbürgern  die  Rechtsprechung  bezüglich  AHV­  und  IV­ Ansprüchen  vom  Grundsatz  der  überwiegenden  Staatsangehörigkeit  abweicht  und  alternativ  entweder  die  Staatsangehörigkeit  während  des  Zeitraumes  der  Entrichtung  von  Beiträgen  an  die  schweizerische  Sozialversicherung oder bei der Entstehung des Leistungsanspruchs als  ausschlaggebend bezeichnet  (vgl. Urteil des BVGer C­4828/2010 E. 5.3  mit Hinweisen auf BGE 120 V 421 und 119 V E. 1 und 2), so dass auch  vorliegend  davon  auszugehen  ist,  dass  der  Beschwerdeführer  als  versicherter  kosovarisch/serbischer  Doppelbürger,  welcher  im  Kosovo  wohnt,  in  Anwendung  von  Art.  3  Satz  2  und  Art.  8  des  Sozialversicherungsabkommens  mit  dem  früheren  Jugoslawien  die  Wohnsitzklausel nach Art. 6 Abs. 2 IVG erfüllt, dass  folglich  das  Sozialversicherungsabkommen  für  kosovarisch­ serbische Doppelbürger mit Wohnsitz im Kosovo weiter anwendbar bleibt  und deren Gesuche um Gewährung einer schweizerischen Invalidenrente  materiell  zu  prüfen  sind,  ungeachtet  des  Zeitpunkts  deren  Erledigung  durch  die  IVSTA,  was  ebenso  insbesondere  für  Neuanmeldungen,  Revisionen,  Wiedererwägungen  und,  wie  im  vorliegenden  Fall,  die  Wiederaufnahme  des  Verwaltungsverfahrens  nach  Rückweisung  durch  das Bundesverwaltungsgericht gilt (vgl. Urteil des BVGer C­4828/2010 E.  5.4),

C­5767/2010 dass damit die Beschwerde teilweise gutzuheissen und die Sache an die  Vorinstanz  zurückzuweisen  ist,  damit  diese  das  Verwaltungsverfahren  wieder  aufnimmt  und  die  Abklärungen  im  Sinne  des  Urteils  des  Bundesverwaltungsgerichts C­3916/2008 vom 23. Februar 2009 mit einer  neuen, anfechtbaren Verfügung abschliesst, dass vorliegend keine Verfahrenskosten auferlegt werden (Art. 63 VwVG  und Art. 6 Bst. b des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE],  SR  173.320.2) und der vom Beschwerdeführer eingezahlte Kostenvorschuss  diesem zurückerstattet wird, dass  der  obsiegenden  Partei  eine  Entschädigung  für  ihr  erwachsene  notwendige  und  verhältnismässig  hohe  Kosten  zugesprochen  werden  (Art.  64  Abs.  1  VwVG  und  Art.  7  ff.  VGKE),  und  diese  auf  Fr.  1'000.­­  festgelegt werden. Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird  im Sinne  der Erwägungen  teilweise  gutgeheissen  und die Sache zur Fortführung und Abschluss des Verwaltungsverfahrens  und  zum  Erlass  einer  neuen  Verfügung  an  die  Vorinstanz  zurückgewiesen.  2.  Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Dem Beschwerdeführer wird  der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 400.­­ zurückerstattet.

C­5767/2010 3.  Dem  Beschwerdeführer  wird  zu  Lasten  der  Vorinstanz  eine  Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 1'000.­­ zugesprochen. 4.  Dieses Urteil geht an: – den Beschwerdeführer (Gerichtsurkunde) – die Vorinstanz (Ref­Nr. 756.3771.6595.92) – das Bundesamt für Sozialversicherungen Für die Rechtsmittelbelehrung wird auf die nächste Seite verwiesen. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Philippe Weissenberger Jean­Marc Wichser Rechtsmittelbelehrung: Gegen  diesen  Entscheid  kann  innert  30 Tagen  nach  Eröffnung  beim  Bundesgericht,  Schweizerhofquai  6,  6004  Luzern,  Beschwerde  in  öffentlich­rechtlichen  Angelegenheiten  geführt  werden,  sofern  die  Voraussetzungen  gemäss  den  Art. 82  ff.,  90  ff.  und  100  des  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (BGG, SR 173.110) gegeben  sind. Die Rechtsschrift  ist  in einer Amtssprache abzufassen und hat die  Begehren,  deren  Begründung  mit  Angabe  der  Beweismittel  und  die  Unterschrift  zu  enthalten.  Der  angefochtene  Entscheid  und  die  Beweismittel  sind,  soweit  sie  der  Beschwerdeführer  in  Händen  hat,  beizulegen (Art. 42 BGG). Versand:

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