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Bundesverwaltungsgericht 09.11.2011 C-5105/2010

November 9, 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,832 words·~9 min·4

Summary

Zuständigkeit SUVA | Obligatorische Unfallversicherung, Unterstellung bei der Suva

Full text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung III C­5105/2010 Urteil   v om   9 .   No v embe r   2011 Besetzung Richter Philippe Weissenberger (Vorsitz), Richter Stefan Mesmer, Richterin Franziska Schneider,    Gerichtsschreiberin Astrid Hirzel. Parteien X._______ SA,  Beschwerdeführerin,  gegen Schweizerische Unfallversicherungsanstalt SUVA,  Vorinstanz.  Gegenstand Obligatorische Unfallversicherung,  Unterstellung bei der Suva.

C­5105/2010 Sachverhalt: A.  Die  X._______ SA  mit  Sitz  in  Y._______  (nachfolgend:  Beschwerdeführerin)  bezweckt  gemäss  Handelsregisterauszug  "La  produzione,  la vendita e  l'esportazione di protesi, componenti e  forniture  mediche  nonchè  delle  relative  tecnologie;  attività  di  import­export  di  questi  prodotti;  operazioni  su  scala  internazionale,  in  particolare  concludendo  e  stipulando  contratti  d'assistenza  tecnica  generale  e  di  fornitura  di  installazioni,  impianti,  apparecchi  e  macchinari  nei  settori  dell'impiantistica  industriale  nel  ramo  chimico  e  farmaceutico  e  dei  prodotti derivati". Mit Verfügungen vom 9. November 2009 wurde die Beschwerdeführerin  für  die  obligatorische  Unfallversicherung  per  1. Januar  2010  dem  Zuständigkeitsbereich  der  Schweizerischen  Unfallversicherungsanstalt  (Suva,  nachfolgend:  Vorinstanz)  unterstellt  und  für  die  Berufsunfallversicherung  (BUV)  der  Klasse 15D,  Stufe 051,  für  die  Nichtberufsunfallversicherung (NBUV) der Stufe 084 zugeteilt. Der dagegen erhobene Einsprache vom 2. Dezember 2009, mit welcher  die  Beschwerdeführerin  die  Befreiung  von  der  Suva­Pflicht  beantragt  hatte, erteilte die Vorinstanz die aufschiebende Wirkung, beschränkte das  Verfahren auf die Frage der Unterstellung und wies diese mit Entscheid  vom 15. Juni 2010 ab, soweit sie darauf eintrat. B.  Mit  Eingabe  vom  14. Juli  2010  erhob  die  Beschwerdeführerin  dagegen  Beschwerde  beim  Bundesverwaltungsgericht.  Sie  beantragt  die  Aufhebung  des  Einspracheentscheids  vom  15. Juni  2010  bzw.  der  Verfügungen  vom  9. November  2009  sowie  die  Feststellung,  dass  die  Beschwerdeführerin  nicht  in  den  Zuständigkeitsbereich  der  Vorinstanz  falle.  In  verfahrensmässiger Hinsicht beantragt  sie die Zuerkennung der  aufschiebenden Wirkung. Zur Begründung bringt die Beschwerdeführerin vor, die Verfügungen vom  9. November 2009 seien nichtig, da diese mit "Versicherungsunterlagen"  bezeichnet worden seien. Zudem fehle der Hinweis auf die Unterklasse.  Die Vorinstanz weigere sich, zur Einreihung in die Prämientarife Stellung  zu  nehmen.  Das  rechtliche  Gehör  sei  verletzt  worden.  Die  Beschwerdeführerin  führe  einen  Detailhandelsbetrieb  für  medizinisch­ technische  Produkte  und  nicht  einen  Betrieb  der  "Informations­  und 

C­5105/2010 Elektrotechnik",  wodurch  die  Zugehörigkeit  zur  Klasse 15D  des  Prämientarifs  der  Berufsunfallversicherung  begründet  würde.  Es  handle  sich um einen gegliederten Betrieb, bei dem der Betriebsteil Detailhandel  den Hauptbetrieb ausmache. Die Voraussetzungen für eine Unterstellung  bei  der  Vorinstanz  seien  somit  nicht  erfüllt.  Überdies  sei  der  Unterstellungsanspruch  der  Vorinstanz  gegenüber  der  Beschwerdeführerin  verjährt  und  verstosse  gegen  den  Grundsatz  von  Treu  und  Glauben:  Bisher  sei  die  Frage  der  Unterstellung  unter  den  Zuständigkeitsbereich  der  Vorinstanz  stets  verneint  worden.  Die  ausgeübten  Tätigkeiten  der  Beschwerdeführerin  hätten  sich  inzwischen  nicht  geändert. Die Unterstellung als  solche sowie die Zuteilung  zu den  Prämientarifen  der  Berufs­  und  der  Nichtberufsunfallversicherung  sei  willkürlich erfolgt. C.  Mit  Zwischenentscheid  vom  29. September  2010  hat  das  Bundesverwaltungsgericht  dem  Gesuch  der  Beschwerdeführerin  um  Erteilung der aufschiebenden Wirkung entsprochen. D.  Mit Vernehmlassung vom 12. Oktober 2010 schliesst  die Vorinstanz auf  Abweisung  der  Beschwerde,  soweit  darauf  einzutreten  sei.  Streitgegenstand  bilde  vorliegend  einzig  die  Frage,  ob  der  Betrieb  der  Beschwerdeführerin  dem  Suva­Obligatorium  unterstehe.  Einreihungsfragen  und  die  Prämienhöhe  würden  erst  nach  der  rechtskräftigen  Unterstellung  geklärt.  Abklärungen  der  Suva­Agentur  A._______  (z.T.  gemeinsam  mit  einer  Vertreterin  der  Beschwerdeführerin)  hätten  ergeben,  dass  die  Beschwerdeführerin  u.a.  Metall und Kunststoff maschinell bearbeite und solche Arbeiten technisch  vorbereite,  leite  und  überwache.  Damit  seien  die  Unterstellungsvoraussetzungen  erfüllt,  was  anlässlich  des  Einspracheverfahrens  umfassend  überprüft  worden  sei.  Bezüglich  den  Vorbringen  formeller  Natur  sei  zu  bemerken,  dass  die  Vorinstanz  stets  korrekt  vorgegangen  sei  und  im  Laufe  des  Verfahrens  mehrmals  persönlich  informiert  habe;  die  Beschwerdeführerin  sei  umfassend  angehört  worden.  Die  Beschwerdeführerin  habe  auch  nicht  davon  ausgehen  können,  dass  die Unterstellung  ihres Betriebes  stets  verneint  würde; nach Angaben des Vorgängerbetriebs auf dem 1997 ausgefüllten  Fragebogen sei der Betrieb damals "im Moment nicht operativ und es sei  keine Aufnahme der operativen Tätigkeit in nächster Zeit zu erwarten". In  diesem  Formular  werde  auf  die  Meldepflicht  gegenüber  der  Vorinstanz 

C­5105/2010 hingewiesen. Die Unterstellung unterstehe keiner Verjährung und für die  Berufung auf den Vertrauensgrundsatz bestehe kein Raum. E.  Die Beschwerdeführerin hält mit Replik vom 11. November 2010 an ihren  Rechtsbegehren  fest.  Sinngemäss  führt  sie  aus,  die  Verfügungen  vom  9. November  2009 würden  nicht  den Anforderungen  an  eine  Verfügung  genügen  und  seien  somit  nichtig.  Eine  wirksame  Einsprache  sei  nicht  möglich gewesen, da ihr nicht mitgeteilt worden sei, in welche (Prämien­)  Unterklasse  sie  eingereiht  werde.  Die  Festlegung  der  Unterklasse  sei  entscheidend  und  müsse  auch  im  vorliegenden  Verfahren  Gegenstand  sein;  die  Qualifikation  des  Betriebscharakters  und  damit  die  Frage  der  Zuständigkeit  der  Vorinstanz  hänge  mit  der  Einstufung  in  die  Prämientarife  zusammen.  Die  überwiegende  Mehrheit  der  Unternehmungen,  Forschungsanstalten  und  Forschungslabors  der  Beschwerdeführerin würden keine Produkte herstellen; es handle sich um  einen gegliederten Betrieb. Der Schwerpunkt der Geschäftstätigkeit liege  in  der  Forschungs­  und  Entwicklungstätigkeit  sowie  der  Beratung  der  medizinischen Leistungserbringer. Die Qualifikation eines Betriebs müsse  im Dispositiv der Verfügung festgehalten werden. F.  Mit Duplik vom 23. Februar 2011 beantragt die Vorinstanz Nichteintreten  auf  den  Antrag  der  Beschwerdeführerin  bezüglich  Feststellung  der  Nichtigkeit  der  angefochtenen  Verfügung  zufolge  Verletzung  des  rechtlichen  Gehörs;  dieser  hätte  innerhalb  der  Rechtsmittelfrist  gestellt  werden  müssen.  Zudem  bilde  der  Einspracheentscheid  vom  15. Juni  2010  ausschliesslicher  Anfechtungsgegenstand  des  vorliegenden  Verfahrens.  Die  Beschränkung  auf  die  Frage  der  Unterstellung  im  Rahmen des Einspracheverfahrens sei zulässig.  Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  für  die  Beurteilung  der  vorliegenden  Streitsache zuständig (Art. 109 Bst. a des Bundesgesetzes vom 20. März  1981  über  die  Unfallversicherung  (UVG,  SR 832.20)  i.V.m.  Art. 31 f.  sowie Art. 33 Bst. e des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  [VGG, SR 173.32]).  Bei der Beschwerdeführerin handelt es sich um eine juristische Person in  der  Form  einer  Aktiengesellschaft  nach  Art. 620 ff.  des 

C­5105/2010 Obligationenrechts  vom  30. März  1911  (OR,  SR 220).  Die  Beschwerdeführerin  ist  als  Adressatin  des  angefochtenen  Entscheids  durch diesen besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an  dessen  Aufhebung  oder  Änderung  (Art. 59  des  Bundesgesetzes  vom  6. Oktober  2000  über  den  Allgemeinen  Teil  des  Sozialversicherungsrechts  [ATSG,  SR 830.1]  i.V.m.  Art. 37  VGG  sowie  Art. 3  Bst. dbis  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR 172.021]).  Sie  ist  daher  zur  Beschwerdeführung  legitimiert  und  durch  deren  einzelzeichnungsberechtigten  Verwaltungsratspräsidenten  rechtsgenüglich vertreten. Die Beschwerde wurde frist­ und formgerecht eingereicht und die übrigen  Sachurteilsvoraussetzungen liegen vor (Art. 60 ATSG, Art. 52 Abs. 1 und  Art. 44 ff. VwVG). Auf die Beschwerde ist daher einzutreten. 2.  Die  von  der  Vorinstanz  im  Rahmen  des  Einspracheverfahrens  vorgenommene  Einschränkung  des  Verfahrensgegenstands  auf  die  Frage  der  Unterstellung,  unter  Ausklammerung  der  Einreihung  in  den  Prämientarif,  ist  nicht  zu  beanstanden  (Urteil  des  Bundesgerichts  8C_889/2010 vom 3. Januar 2011 E. 2.1). Das Bundesverwaltungsgericht  erachtet  diese Praxis  in  konstanter Rechtsprechung als  zulässig,  sofern  der Einsprache und in der Folge auch der Beschwerde die aufschiebende  Wirkung erteilt wird und die Unterstellung erst nach einem rechtskräftigen  Entscheid  für  die  Zukunft  vollzogen  wird  (eingehend  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  C­5670/2007  vom  4. Februar  2009  E. 3  mit  Hinweisen);  diese  Voraussetzungen  sind  vorliegend  erfüllt,  weshalb  die  dahingehenden Rügen der Beschwerdeführerin fehl gehen. 3.  Die  Beschwerdeführerin  macht  geltend,  die  Unterstellungsverfügungen  vom 9. November 2009 seien nichtig, da die Begründungspflicht verletzt  worden  sei  und  die  Verfügungen  auch  weitergehend  den  formellen  Anforderungen an eine Verfügung nicht standhalten würden, u.a. da die  Qualifikation  des  Betriebes  im  Dispositiv  der  Verfügungen  nicht  festgehalten worden sei. 3.1.  Die  Beschwerdeführerin  zielt  auf  die  Aufhebung  der  Unterstellung  ihres  Betriebes  unter  die  Suva  ab.  Es  ist  nicht  ersichtlich,  weshalb  die  Unterstellungsverfügungen  vom  9. November  2009  darüber  hinaus  als 

C­5105/2010 nichtig  erklärt werden  sollten,  können  diese  doch,  nachdem Einsprache  und  auch  Beschwerde  erhoben  worden  ist,  bis  zum  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  weder  Rechtskraft  erlangen  noch  weitere  Wirkungen  entfalten  (Urteil  des  Bundesgerichts  8C_889/2010  vom  3. Januar  2011  E. 2;  vgl.  auch  unten  E. 3.3).  Zudem  ist  kein  Nichtigkeitsgrund aktenkundig. 3.2. Die Limitierung der Einsprache­ und Beschwerdeprüfung  (vgl. oben  E. 2) führt für sich allein in der Regel noch nicht zu einer Verletzung des  rechtlichen  Gehörs.  Die  entsprechende  Rüge  der  Beschwerdeführerin  geht schon deshalb  fehl, weil die Vorinstanz über die Einreihung  in den  Prämientarif  noch  nicht  abschliessend  befunden  hat.  Die  aus  dem  Anspruch  auf  rechtliches  Gehör  fliessende  Begründungspflicht  bezieht  sich nur auf die  jeweiligen Regelungstatbestände, nicht auch auf erst  in  späteren  Verfahrensstadien  zu  klärende  Aspekte.  Erst  nach  Vorliegen  eines rechtskräftigen Unterstellungsentscheids wird die Vorinstanz und im  Falle eines Weiterzugs die Beschwerdeinstanz über die Einreihung in den  Prämientarif befinden. Dabei wird die Vorinstanz zu gegebener Zeit auch  das  rechtliche  Gehör  zu  wahren  haben  und  entsprechend  ihre  Begründungspflicht  beachten.  Insoweit  bleiben  der  Beschwerdeführerin  dannzumal  alle  Rechte  gewahrt,  sodass  der  Einwand,  die  Vorinstanz  hätte  sich  in Verletzung  ihrer Begründungspflicht  nicht  zu diesem Punkt  geäussert, unbegründet und für das vorliegende Verfahren unerheblich ist  (Urteil des Bundesgerichts 8C_889/2010 vom 3. Januar 2011 E. 2.2). Ob  die  formellen  Anforderungen  an  eine  Verfügung  hinsichtlich  der  Einreihung  in  den  Prämientarif  eingehalten  worden  sind,  ist  angesichts  der  zulässigen  Einschränkung  des  Verfahrensgegenstands  (vgl.  oben  E. 2) somit nicht zu prüfen. 3.3.  In  Bezug  auf  die  Unterstellungsfrage  gelten  die  Verfügungen  vom  9. November  2009  im  Beschwerdeverfahren  aufgrund  des  Devolutiveffektes (Art. 54 VwVG) als  inhaltlich mitangefochten (BGE 134  II  142  E. 1.4  mit  Hinweisen).  Anfechtungsgegenstand  bildet  im  vorliegenden  Beschwerdeverfahren  jedoch  allein  der  Einspracheentscheid  der  Vorinstanz,  der  die  vorangehenden  Verfügungen  vom  9. November  2009  ersetzt  und  an  deren  Stelle  tritt  (HANSJÖRG  SEILER,  in:  Praxiskommentar  VwVG,  Waldmann/Weissenberger  (Hrsg.),  Zürich  2009,  Art. 54  N. 16 f.;  ULRICH  HÄFELIN/GEORG MÜLLER/FELIX  UHLMANN,  Allgemeines  Verwaltungsrecht,  6. Aufl.,  Zürich/St. Gallen  2010,  Rz. 1807),  weshalb  die  Einhaltung  der 

C­5105/2010 formellen  Anforderungen  an  die  Verfügungen  vom  9. November  2009  vorliegend nicht zu überprüfen ist. In  Bezug  auf  den  angefochtenen  Einspracheentscheid  macht  die  Beschwerdeführerin  sodann  nicht  geltend,  die  formellen  Anforderungen  (an das Dispositiv) seien nicht erfüllt. 4.  Streitig  bleibt  die  Frage  der  Unterstellung  des  Betriebs  der  Beschwerdeführerin bei der Vorinstanz. 4.1. Die Unfallversicherung wird je nach Versichertenkategorien durch die  Suva  oder  durch  andere  zugelassene  Versicherer  und  eine  von  diesen  betriebene  Ersatzkasse  durchgeführt  (Art. 58  UVG).  Das  Versicherungsverhältnis  bei  der  Suva  wird  in  der  obligatorischen  Versicherung  durch  Gesetz  begründet  (Art. 59  Abs. 1  UVG).  Art. 66  Abs. 1  UVG  bestimmt  im  Rahmen  einer  abschliessenden  und  zwingenden  Auflistung  (Kranken­  und  Unfallversicherung,  Rechtsprechung  und  Verwaltungspraxis  [RKUV]  1987  Nr. U  29  S. 427  E. 2b),  welche  Betriebe  von  Gesetzes  wegen  bei  der  Suva  versichert  sind.  Unterstellungsrechtlich  ist  entscheidend,  ob  es  sich  bei  einem  Beschwerde  führenden  Unternehmen  um  einen  gegliederten  oder  ungegliederten  Betrieb  handelt  (BGE 113  V  327  E. 5).  Bei  einem  gegliederten  Betrieb  ist  das  Verhältnis  der  verschiedenen  Betriebsteile  zueinander  näher  zu  untersuchen,  um  das  Ausmass  der  Unterstellung  festzulegen  (Art. 66  Abs. 2  Bst. a­c  UVG  i.V.m.  Art. 88  der  Verordnung  über  die  Unfallversicherung  vom  20. Dezember  1982  [UVV,  SR 832.202]). Liegt dagegen ein ungegliederter Betrieb vor und ist eines  (oder  mehrere)  der  in  Art. 66  Abs. 1  UVG  genannten  Unterstellungskriterien  erfüllt,  erfolgt  die  Unterstellung  direkt  aufgrund  dieses  Merkmals,  wobei  das  Ausmass  einzelner  für  die  Unterstellung  ausschlaggebender  Tätigkeiten  keine  Rolle  mehr  spielt  (Urteil  des  Bundesgerichts  8C_256/2009  vom 8. Juni  2009  [publiziert  in  SVR  2009  UV Nr. 58] E. 4.2 mit Hinweisen).  4.2. Die  Beschwerdeführerin  macht  geltend,  die  Vorinstanz  habe  ihren  Betrieb zu Unrecht als ungegliedert qualifiziert. Es  liege ein gegliederter  Betrieb  vor.  Die  Beschwerdeführerin  begründet  dies  im  Rahmen  der  Beschwerde  damit,  dass  die  Herstellung  von  Produkten  nicht  zum  üblichen  Tätigkeitsbereich  des  Betriebs  gehöre.  Sie  führe  einen  Detailhandelsbetrieb  für  medizinisch­technische  Produkte,  welcher  den 

C­5105/2010 Hauptbetrieb  bilde.  In  der  Replik  führt  sie  aus,  der  Schwerpunkt  der  Geschäftstätigkeit  liege  in  der  Forschungs­  und  Entwicklungstätigkeit  sowie der Beratung von medizinischen Leistungserbringern. 4.3.  Die  Vorinstanz  hat  den  Betrieb  der  Beschwerdeführerin  als  ungegliederten Betrieb qualifiziert und gestützt auf Art. 66 Abs. Bst. e und  m UVG ihrem Zuständigkeitsbereich unterstellt. 4.3.1.  Nach  der  Rechtsprechung  liegt  ein  ungegliederter  Betrieb  vor,  wenn  sich  das  Unternehmen  im  Wesentlichen  auf  einen  einzigen  zusammenhängenden  Tätigkeitsbereich  beschränkt,  dieses  somit  einen  einheitlichen  oder  vorwiegenden  Betriebscharakter  (z.B.  als  Bauunternehmung,  als  Handelsbetrieb  oder  als  Treuhandgesellschaft)  aufweist  und  im  Wesentlichen  Arbeiten  ausführt,  die  in  den  üblichen  Tätigkeitsbereich  eines  Betriebs  dieser  Art  fallen  (Urteil  des  Bundesgerichts  8C_256/2009  vom  8. Juni  2009  [publiziert  in  SVR 2009  UV Nr. 58] E. 3.2.2 mit Hinweisen; BGE 113 V 327 E. 5b). Nicht entscheidend für die Gliederung im unterstellungsrechtlichen Sinne  ist die organisatorische Gliederung einer Unternehmung in – zentral oder  dezentral  geführte  –  Betriebsteile,  wenn  die  verschiedenen  Teile  dem  gleichen Betriebszweck dienen und somit zum üblichen Tätigkeitsbereich  eines Betriebs  dieser Art  gehören. Dies  bedeutet,  dass  ein  einheitlicher  Betriebscharakter  nicht  durch  eine  organisatorische  Gliederung  aufgehoben  werden  kann.  Auch  die  Diversifikation  der  Produkte  oder  Dienstleistungen  macht  eine  Unternehmung  nicht  zum  gegliederten  Betrieb,  sofern  dies  innerhalb  des  angestammten  Tätigkeitsbereichs  geschieht (BGE 113 V 327 E. 5b). 4.3.2. Ein  gegliederter  Betrieb  liegt  vor,  wenn  eine  Unternehmung  sich  nicht  auf  einen  einzigen,  zusammenhängenden  Tätigkeitsbereich  beschränkt. Dies  trifft  zunächst  dann  zu, wenn bei  einer Unternehmung  zwei  oder  mehrere,  klar  unterscheidbare  Schwerpunkte  der  Geschäftstätigkeit  bestehen,  die  nicht  in  den  gleichen  Tätigkeitsbereich  im oben umschriebenen Sinne fallen. Unter diesen Voraussetzungen fehlt  es  an  der  Einheitlichkeit  des  Betriebscharakters.  Ein  einheitlicher  oder  vorwiegender Betriebscharakter liegt aber auch dann nicht vor, wenn die  Unternehmung  neben  dem  eigentlichen  Schwerpunkt  ihrer  Geschäftstätigkeit  dauernd  noch  Arbeiten  ausführt,  die  nicht  zum  normalen Tätigkeitsbereich eines Betriebs mit diesem Charakter gehören.  Wesentlich  ist,  dass  sich  diese  Arbeiten  vom  hauptsächlichen 

C­5105/2010 Tätigkeitsbereich  der Unternehmung  deutlich  abheben  (BGE 113 V  327  E. 5c; Urteil  des Bundesverwaltungsgerichts C­2949/2008 vom 16. März  2010 E. 3.1.2). 4.3.3. Aus den Akten geht hervor,  dass die Vorinstanz gestützt auf den  Zweckbeschrieb  der  Beschwerdeführerin  im  Handelsregister  (vgl.  Sachverhalt  A.)  und  die  Umschreibung  ihrer  Tätigkeit  auf  ihrem  Internetauftritt  im  September 2008  Abklärungen  zu  den  betrieblichen  Verhältnissen  bei  der  Beschwerdeführerin  aufgenommen  hat;  am  11. September  2008  hat  die  Beschwerdeführerin  der  Vorinstanz  die  Ermächtigung  gestützt  auf  Art. 103 UVV  erteilt,  Informationen  bei  ihrem  privaten Unfallversicherer einzuholen. Im Protokoll des Augenscheins vor  Ort  vom  21. April  2009,  welcher  zusammen  mit  einer  Vertreterin  der  Beschwerdeführerin  durchgeführt  wurde,  hat  der  zuständige  Suva­ Mitarbeiter festgehalten, dass die Beschwerdeführerin in der Entwicklung,  Herstellung  und  dem  Verkauf  von  (technischen)  Medizinprodukten  tätig  ist:  Die  Beschwerdeführerin  entwickelt  orthopädische  Prothesen  (Hüft­  und  Kniegelenke),  Navigationsgeräte  für  chirurgische  Eingriffe  an  Gelenken  sowie  Geräte  für  die  minimal­invasive  Chirurgie  bzw.  Laparoskopie, produziert  und verkauft diese. Zu diesem Zweck wird ein  technisches  Büro  für  Forschung  und  Entwicklung  sowie  verschiedene  Werkstätten  für  die  maschinellen  Arbeiten  (Dreh­,  Fräse­  und  Schleifarbeiten)  betrieben.  Es  existieren  drei  Sektoren  innerhalb  der  Unternehmung: Orthopädie, Chirurgie, Forschung und Entwicklung. Zum  damaligen Zeitpunkt waren ca. 160 Personen bei der Beschwerdeführerin  angestellt.  Sie  verfügt  über  zwei  Tochtergesellschaften  in  der  Schweiz,  mit  insgesamt  sechs  Angestellten,  und  über  mehrere  unabhängige  Tochtergesellschaften  im  Ausland.  Die  Versicherungsdeckung  gemäss  UVG erfolgt durch ein privates Versicherungsunternehmen.  4.3.4. Die Beschwerdeführerin beschreibt ihren Tätigkeitsbereich auf ihrer  Website wie  folgt:" X._______ group  is an  industrial group mainly active  in  the  field of production and sales of medical products. X._______ S.A.  owns  a  property  where  it’s  administrative,  technical  and  production  facilities are  located and where more than 300 direct employees work  in  10 branches in the world. The Research and development is divided into  three main areas, a Hip Team, a Knee Team and a CAS Team and are  under the direction of the R&D Director and the Medical Director. During  one year 30.000 working hours are entirely dedicated to the research and  development  of  new  products.  Our  current  research  embraces  different  areas:  Computer  Assisted  Surgery,  Hip  and  Knee  prosthetic  range  http://www.medacta.com/europe/products/orthopaedics-joint-replacement/hip http://www.medacta.com/europe/products/orthopaedics-joint-replacement/knee

C­5105/2010 extension, Research in different quality aspects of polyethylene, minimally  Invasive surgery techniques for Hip and Knee." Das  Heranziehen  von  Werbeauftritten  im  Internet  zur  Sachverhaltsfeststellung  ist  grundsätzlich  zulässig,  entbindet  aber  regelmässig nicht von einer konkreten Ermittlung der Betriebsverhältnisse  an  Ort  und  Stelle  (Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  C­2949/2008  vom 16. März 2010 E. 3.3.5), was vorliegend erfolgt ist. 4.3.5.  Die  Beschwerdeführerin  führt  somit  offenkundig  einen  ungegliederten  Betrieb:  Sämtliche  Tätigkeiten  bilden  einen  einzigen,  zusammenhängenden  und  dem  Betriebszweck  dienenden  Tätigkeitsbereich.  Es  handelt  sich  vorliegend  um  einen  innovativen  Entwickler  und  Produzenten  von  hochtechnologischen  medizinal­ technischen  Komponenten.  Die  sinngemäss  als  Hauptbetrieb  angegebene  Sektion  Forschung  und  Entwicklung  sowie  Beratung  von  medizinischen  Leistungserbringern  sind  durchaus  branchenübliche  Vorkehren, die als Bestandteile der typischen Betriebstätigkeit zu werten  sind,  und  werden  vorliegend  vom  Begriff  des  Betriebscharakters  miterfasst.  Dieser  einheitliche  Betriebscharakter  wird  durch  die  organisatorische  Trennung  in  Sektionen  nicht  aufgehoben  (vgl.  oben  E. 4.3.1).  Der  Argumentation  der  Beschwerdeführerin,  es  handle  sich  vorwiegend  um  einen  Detailhandelsbetrieb,  kann  nicht  gefolgt  werden.  Darüber  hinaus  widerspricht  sich  die  Beschwerdeführerin,  wenn  sie  einmal  argumentiert,  sie  sei  ein  Detailhandelsbetrieb,  und  später  im  Verfahren  geltend  macht,  der  Hauptbetrieb  liege  in  der  Forschung  und  Entwicklung. 4.3.6.  Nach  Art. 66  Abs. 1  Bst. e  UGV  sind  die  Arbeitnehmer  von  Betrieben, die Metall, Holz, Kork, Kunststoffe, Stein oder Glas maschinell  bearbeiten  sowie  Giessereien  bei  der  Suva  obligatorisch  versichert.  Gleiches  gilt  für  Arbeitnehmer  von  Betrieben,  für  die  technische  Vorbereitung,  Leitung  oder  Überwachung  von  Arbeiten  nach  Bst. e  (Art. 66  Abs. 1  Bst. m  UVG).  Als  Betriebe  zur  Bearbeitung  von  Stoffen  i.S.v. Art. 66 Abs. 1 Bst. e gelten auch solche, die Granulate, Pulver oder  Flüssigkeiten  zu  Kunststoffgegenständen  verarbeiten  (Art. 76  Abs. 1  UVV).  Das  Wiedergewinnen  und  das  Verarbeiten  eines  Stoffes  sind  gemäss Art. 76 Abs. 2 UVV dem Bearbeiten gleichgestellt. Dadurch, dass  die  Beschwerdeführerin  Prothesen,  Navigationsgeräte  für  chirurgische  Eingriffe  an  Gelenken  sowie  Geräte  für  die  minimal­invasive  Chirurgie  bzw.  Laparoskopie  produziert,  ist  zumindest  das Unterstellungskriterium 

C­5105/2010 nach  Art. 66  Abs. 1  Bst. e  erfüllt,  da  sie  dort  genannte  Stoffe  mit  entsprechenden Gerätschaften be­ und verarbeitet.  Da es sich vorliegend um einen ungegliederten Betrieb handelt (vgl. oben  E. 4.3.5)  und  der  Betrieb  das  genannte  Unterstellungskriterium  erfüllt,  erfolgt  die  Unterstellung  direkt  aufgrund  dieses  Merkmals,  wobei  das  Ausmass  einzelner  für  die Unterstellung  ausschlaggebender  Tätigkeiten  nach der Rechtsprechung nicht von Bedeutung ist (vgl. oben E. 4.1). 4.4.  Die  Beschwerdeführerin  vermag  gestützt  auf  den  Vertrauensgrundsatz  nichts  zu  ihren Gunsten  abzuleiten.  Das Ausfüllen  eines  Formulars  im  Jahre 1997,  welches  dazu  führte,  dass  der  Betrieb  der Beschwerdeführerin  bzw. der Vorgängerbetrieb nicht  der Vorinstanz  unterstellt wurde, weil angegeben wurde, operativ nicht tätig zu sein und  dies  in nächster Zeit auch nicht zu beabsichtigen, stellt  keine geeignete  Vertrauensgrundlage dar und vermag nicht die Erwartung zu begründen,  der Betrieb werde nach Aufnahme der operativen Tätigkeit nicht der Suva  unterstellt.  Vielmehr  wäre  die  Beschwerdeführerin  nach  Art. 59  Abs. 1  UVG verpflichtet gewesen, innert 14 Tagen die Eröffnung des Betriebs zu  melden,  worauf  sie  beim  Ausfüllen  des  Formulars  auch  hingewiesen  worden  ist.  Allfällige  Folgen  der  Verletzung  der  Meldepflicht  sind  vorliegend jedoch nicht zu beurteilen. Dass der einzelzeichnungsberechtigte Präsident der Beschwerdeführerin  die von der Vorinstanz ausgestellten Formulare für die Unterstellung trotz  mehrmaliger  Aufforderung  nicht  gegengezeichnet  hat,  weil  er,  gemäss  Aktennotiz zu einem Telefongespräch der Vorinstanz mit einer Vertreterin  der  Beschwerdeführerin,  keinen  Bedarf  sah,  den  Versicherer  zu  wechseln,  ist  für  die  Unterstellung  unerheblich,  da  der  Betrieb  der  Beschwerdeführerin  von  Gesetzes  wegen  der  Suva  zu  unterstellen  ist  (Art. 59 Abs. 1 i.V.m. Art. 66 Abs. 1 Bst. e und m UVG). 4.5.  Unbehelflich  ist  sodann  das  Vorbringen,  der  „Unterstellungsanspruch“  der  Suva  sei  verjährt  und  das  Vorgehen  der  Suva  verstosse gegen Treu und Glauben. Die Unterstellung  im Bereich  von Art. 66 Abs. 1 UVG erfolgt  von Gesetzes wegen, weshalb  nicht  ein  Anspruch  der  Suva  in  Frage  steht.  Nach  der  Rechtsprechung  verbietet  auch der Vertrauensschutz der Suva nicht, Betriebe zu unterstellen, die  bereits seit mehreren Jahren bei einem Versicherer gemäss Art. 68 UVG  versichert sind  (Urteil des Bundesverwaltungsgerichts C­3019/2008 vom  29. April 2010 E. 3.3.3 mit Hinweisen).

C­5105/2010 5.  Zusammenfassend  ergibt  sich,  dass  die  Vorinstanz  den  Betrieb  der  Beschwerdeführerin zu Recht ihrem Zuständigkeitsbereich unterstellt hat.  Die Beschwerde erweist sich daher als unbegründet und ist abzuweisen. 6.  Entsprechend  dem  Ausgang  des  Verfahrens  hat  der  Beschwerdeführer  die Verfahrenskosten zu tragen (Art. 63 Abs. 1 VwVG sowie Art. 1 ff. des  Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 173.320.2]).  Diese  werden auf Fr. 2'500.–  festgesetzt und mit dem am 30. Dezember 2010  geleisteten  Kostenvorschuss  von  Fr. 2'500.–  verrechnet.  Eine  Parteientschädigung wird nicht zugesprochen (Art. 64 Abs. 1 VwVG). Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 2'500.–  werden  der  Beschwerdeführerin  auferlegt.  Sie  werden  nach  Eintritt  der  Rechtskraft  des  vorliegenden  Urteils mit dem geleisteten Kostenvorschuss von Fr. 2500.– verrechnet. 3.  Dieses Urteil geht an: – die Beschwerdeführerin (Gerichtsurkunde) – die Vorinstanz (Ref­Nr. […]; Gerichtsurkunde) – Das  Bundesamt  für  Gesundheit,  Dienstbereich  Kranken­  und  Unfallversicherung Für die Rechtsmittelbelehrung wird auf die nächste Seite verwiesen. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

C­5105/2010 Philippe Weissenberger Astrid Hirzel Rechtsmittelbelehrung: Gegen  diesen  Entscheid  kann  innert  30 Tagen  nach  Eröffnung  beim  Bundesgericht,  Schweizerhofquai  6,  6004  Luzern,  Beschwerde  in  öffentlich­rechtlichen  Angelegenheiten  geführt  werden  (Art. 82  ff.,  90  ff.  und  100  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]). Die Rechtsschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und  hat  die Begehren,  deren Begründung mit  Angabe  der  Beweismittel  und  die  Unterschrift  zu  enthalten.  Der  angefochtene  Entscheid  und  die  Beweismittel  sind,  soweit  sie  der  Beschwerdeführer  in  Händen  hat,  beizulegen (Art. 42 BGG). Versand:

C-5105/2010 — Bundesverwaltungsgericht 09.11.2011 C-5105/2010 — Swissrulings