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Bundesverwaltungsgericht 04.01.2012 C-309/2010

January 4, 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·3,452 words·~17 min·4

Summary

Gemeindebeschwerde | Erleichterte Einbürgerung

Full text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung III C­309/2010 Urteil   v om   4 .   J a nua r   2012 Besetzung Richterin Ruth Beutler (Vorsitz), Richter Antonio Imoberdorf, Richter Andreas Trommer,    Gerichtsschreiberin Barbara Giemsa­Haake. Parteien Politische Gemeinde Romanshorn,  handelnd durch die Einbürgerungskommission,  diese handelnd durch den Kommissionspräsidenten,  8590 Romanshorn,   Beschwerdeführerin,  gegen A._______,  vertreten durch Rechtsanwalt Reinhold Nussmüller, Beschwerdegegner,  Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Erleichterte Einbürgerung.

C­309/2010 Sachverhalt: A.  A._______,  1980  in  Tunesien  geboren,  verheiratete  sich  im  November  2002 in Hammamet (Tunesien) mit der Schweizerin B._______ (Jahrgang  1978). Im Familiennachzug reiste er im Mai 2003 in die Schweiz ein und  erhielt im Kanton Thurgau eine Aufenthaltsbewilligung. Seit Juni 2003 ist  er  in der Firma seines Schwiegervaters,  (…), als Produktionsmitarbeiter  bzw. Schichtführer beschäftigt.  B.  Gestützt  auf  seine  Ehe  richtete  A._______  am  23.  Oktober  2008  ein  Gesuch  um  erleichterte  Einbürgerung  an  das  Bundesamt  für  Migration  (BFM),  welches  die  zuständige  kantonale  Behörde  –  das  Amt  für  Handelsregister  und  Zivilstandswesen  des  Kantons  Thurgau  –  mit  Schreiben  vom  23.  Februar  2009  um  die  Erstellung  eines  Erhebungsberichts bat. Die kantonale Behörde holte daraufhin Auskünfte  verschiedener  Amtsstellen  ein,  unter  anderem  auch  einen  Erhebungsbericht  der  Einbürgerungskommission  der  Wohngemeinde  Romanshorn,  welche  die  Sprachkenntnisse  von  A._______  nicht  für  ausreichend  erachtete  und  sich  ablehnend  zu  seinem  Einbürgerungsgesuch  äusserte.  Unter  Bezugnahme  auf  diesen  Bericht  sprach sich auch die kantonale Behörde mit Schreiben vom 8. Juli 2009  gegen  die  erleichterte  Einbürgerung  des  Gesuchstellers  aus.  Am  7.  August  2009  bat  das  BFM  die  von  A._______  in  seinem  Einbürgerungsgesuch benannten Referenzpersonen schriftlich darum, zu  dessen  Integrationsbemühungen  und  Sprachkennissen  Stellung  zu  nehmen;  entsprechende  Antworten  gingen  anfangs  September  2009  beim BFM ein.  C.  Mit  Schreiben  vom  21.  September  2009  teilte  das  BFM  dem  Gesuchsteller das Ergebnis der getätigten Erhebungen mit, folgerte, dass  er sich noch nicht genügend ins gesellschaftliche Umfeld eingefügt habe,  und  legte  ihm nahe,  sein Einbürgerungsgesuch zurückzuziehen. Hiermit  erklärte  sich  A._______  nicht  einverstanden.  Mit  Schreiben  vom  6. November  2009  erläuterte  er,  nunmehr  anwaltlich  vertreten,  seine  familiäre  und  berufliche  Situation  und  betonte,  die  Einbürgerungskommission  der  Gemeinde  Romanshorn  habe  ihm  zu  Unrecht schlechte Sprachkenntnisse und ungenügende soziale Kontakte  unterstellt.  Mit  Schreiben  vom  12.  November  2009  reichte  er  ein 

C­309/2010 Zwischenzeugnis  seines  Arbeitgebers  vom  5.  November  2009  nach.  Weiterhin übersandte er dem BFM die von ihm unterschriebene Erklärung  betreffend  Beachten  der  Rechtsordnung  sowie  die  von  ihm  und  seiner  Ehefrau  unterzeichnete  Erklärung  über  das  Bestehen  einer  ehelichen  Gemeinschaft  mit  dem  Zusatz,  dass  im  Frühjahr  2010  das  erste  Kind  erwartet werde.  D.  Mit  Verfügung  vom  16.  Dezember  2009  wurde  A._______  erleichtert  eingebürgert.  Neben  dem  Schweizer  Bürgerrecht  erwarb  er  das  Bürgerrecht der Gemeinde Frauenfeld (Kanton Thurgau). E.  Gegen  diese  Verfügung  erhob  die  Einbürgerungskommission  der  Gemeinde  Romanshorn  am  18.  Januar  2010  durch  ihren  Kommissionspräsidenten  Beschwerde  beim  Bundesverwaltungsgericht.  Sie  beantragt,  die  angefochtene  Verfügung  sei  aufzuheben  und  zur  Neubeurteilung  an  die  Vorinstanz  zurückzuweisen;  eventuell  sei  der  angefochtene  Entscheid  aufzuheben  und  dem  Beschwerdegegner  die  erleichterte Einbürgerung zu verweigern. Die Beschwerdeführerin macht  insbesondere  geltend,  durch  die  fehlende  Begründung  der  vorinstanzlichen Verfügung sei ihr Anspruch auf rechtliches Gehör massiv  verletzt worden. Sollte dieser Verfahrensmangel im Beschwerdeverfahren  geheilt werden können,  so sei  ihr – nach erfolgter Einsichtnahme  in die  vorinstanzlichen  Akten  –  Gelegenheit  zur  ergänzenden  Beschwerdebegründung zu geben. Vorläufig könne die Beschwerde nur  rudimentär begründet werden. Sie, die Beschwerdeführerin, sei bei ihren  Abklärungen zum Ergebnis gekommen, dass A._______ – der bis anhin  nicht einmal einen Deutschkurs besucht habe – der deutschen Sprache  kaum  mächtig  sei  und  sich  seine  sozialen  Kontakte  auf  den  engsten  Familienkreis der Ehefrau beschränkten. Bei  ihm  liege keine genügende  Integration  vor,  weshalb  die  Vorinstanz  zu  Unrecht  seine  erleichterte  Einbürgerung verfügt habe. F.  Am  16.  Februar  2010  reichte  der  anwaltlich  vertretene  Beschwerdegegner eine Stellungnahme ein, in der er die Abweisung der  Beschwerde  beantragt.  Er macht  geltend,  er  könne  sich  nicht  erklären,  warum  die  Einbürgerungskommission  Romanshorn  ein  derart  negatives  Bild  seiner  Person  gezeichnet  habe.  Entgegen  den  Behauptungen  der  Beschwerdeführerin  habe  er  schon  lange  vor  der  dortigen  Anhörung 

C­309/2010 Deutschstunden genommen; auch derzeit besuche er Sprachkurse, über  die er eine Bestätigung seiner Lehrerin (X._______) beifüge. Für  ihn sei  eine  Unterhaltung  auf  Deutsch  problemlos  möglich.  Dass  er  bei  der  Befragung durch die Einbürgerungskommission möglicherweise dennoch  Schwierigkeiten  gehabt  habe,  sei  auf  den  formellen  Rahmen  dieser  Situation  zurückzuführen,  aber  auch  darauf,  dass  er  nach  Beendigung  seiner Arbeitsschicht müde gewesen sei. Der bisherige Schichtbetrieb –  eine  Änderung  stehe  aber  bevor  –  sei  auch  der   Grund  für  die  eingeschränkten  Möglichkeiten  von  Freizeitaktivitäten.  Trotzdem  nehme  er am sozialen und kulturellen Leben seiner Wohngemeinde  teil. Hieran  dürften  keine  übertriebenen  Anforderungen  gestellt  werden.  Beruflich  trage  er  als  Schichtführer  grosse  Verantwortung,  müsse  auch  deutschsprachige  Unterlagen  lesen  und  sich  –  vor  allem  bei  der  Einrichtung  von  Maschinen  –  mit  seinen  Kollegen  auf  Deutsch  verständigen;  in  diesem  Bereich  dürften  sprachliche  Missverständnisse  gar nicht erst eintreten.  G.  In  ihrer Vernehmlassung vom 3. März 2010 äussert  sich die Vorinstanz  zur Beschwerde und erläutert  insbesondere die Gesichtspunkte, die aus  ihrer Sicht  für die erleichterte Einbürgerung von A._______ massgeblich  waren.  Im  Gegensatz  zur  Beschwerdeführerin  hätten  die  vom  BFM  befragten  Referenzpersonen  dessen  Sprachkenntnisse  als  ausreichend  erachtet.  Selbst  wenn  deren  Einschätzung  nicht  zuträfe,  so  würde  ein  entsprechendes  Manko  durch  andere  Elemente  –  die  Kenntnisse  einer  anderen Landessprache  (französisch), die berufliche  Integration und die  guten  Referenzen  des  Beschwerdegegners  –  kompensiert.   Über  erleichterte Einbürgerungen entscheide allein das Bundesamt, das vorher  den Kanton  anzuhören  habe.  Eine Mitwirkung  der Gemeinden  sei  nicht  vorgesehen; allerdings könnten die Kantone bei  ihren Erhebungen auch  die Gemeinden beiziehen und deren Stellungnahme einholen. In diesem  Rahmen  sei  jedoch  das  Tätigwerden  einer  Einbürgerungskommission  ungewöhnlich,  denn diese habe  in der Regel  den Auftrag, Gesuche um  ordentliche  Einbürgerung  zu  behandeln.  Hier  gälten  höhere  Anforderungen  als  bei  der  erleichterten  Einbürgerung,  für  welche  –  im  Sinne  einer  rechtsgleichen  Behandlung  durch  den  Bund  –  die  Erhebungen  nach  einem  gesamtschweizerisch  einheitlichen  Standard  vorzunehmen seien. Die Einbürgerungskommission Romanshorn sei über  diesen Standard weit hinausgegangen und habe zu Unrecht beanstandet,  dass  der  Bewerber  nicht  am  gesellschaftlichen  Leben  der  Gemeinde  teilnehme und keine Kontakte zur Bevölkerung pflege.

C­309/2010 H.  In  der  darauffolgenden  Replik  vom  24.  März  2010  teilt  die  Beschwerdeführerin mit,  die  Vorinstanz  habe  ihr mittlerweile  ihre  Akten  zugestellt.  Sie  könne  jedoch  nicht  nachvollziehen,  ob  diese  vollständig  gewesen seien. Der Umstand, dass das Bundesverwaltungsgericht nicht  selbst die vor­instanzlichen Akten übersandt habe, lasse vermuten, dass  es  selbst  nicht  über  sämtliche  Akten  des  BFM  verfüge,  dies  auch  deshalb,  weil  das  Aktenverzeichnis  der  Vorinstanz  nicht  brauchbar  sei  und  dementsprechend  eine  konforme  Nummerierung  der  Akten  fehle.  Infolgedessen  könne  die  Beschwerdeinstanz  gar  keinen  Sachentscheid  treffen.  Abgesehen  davon  dürfe  die  von  der  Vorinstanz  im  Beschwerdeverfahren nachgelieferte Begründung der Verfügung nicht zu  einer Heilung des ursprünglichen Verfahrensmangels führen. In  materieller  Hinsicht  werfe  die  Vorinstanz  der  Einbürgerungskommission zu Unrecht vor, im Verfahren der erleichterten  Einbürgerung  überhöhte  Anforderungen  an  die  Bewerber  zu  stellen.  Vielmehr  habe  sich  die  Kommission  im  vorliegenden  Verfahren  auf  die  Kriterien abgestützt, die das BFM in seinem eigenen Rundschreiben vom  26. Mai 2005 (Rundschreiben betreffend kantonale Erhebungsberichte zu  Einbürgerungsgesuchen  nach  Art.  27  des  Bürgerrechtsgesetzes)  und  dem  dazugehörigen  Mustererhebungsbericht  verwende.  Diesem Muster  zufolge verlange das BFM ausdrücklich Abklärungen zu den Fragen, ob  der  Bewerber  am  gesellschaftlichen  Leben  in  der  Gemeinde  teilnehme  und  ob  er  Kontakte  zur  Bevölkerung  habe.  Dementsprechend  definiere  das  BFM  in  seinem  Rundschreiben  denjenigen  als  integriert,  der  am  wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Leben  teil nimmt. Somit müsse  auch  im  Rahmen  der  erleichterten  Einbürgerung  eine  gewisse  engere  Verbundenheit  zur  Schweiz  nachgewiesen  werden;  eine  solche  Verbundenheit  sei  beim  Beschwerdegegner  nicht  erkennbar.  Dieser  sei  möglicherweise  beruflich  integriert,  Rückschlüsse  auf  seine  sprachliche  und soziale Integration könnten aber nicht gezogen werden; die positiven  Auskünfte  seines  Arbeitgebers  und  Schwiegervaters  sowie  die  seiner  Sprachlehrerin  X._______  seien  jedenfalls  mit  Zurückhaltung  zu  betrachten.  Zudem  lasse  sich  seinen  eigenen  Angaben  gegenüber  der  Einbürgerungskommission  entnehmen,  dass  er  bis  zu  diesem Zeitpunkt  keine  Deutschkurse  besucht  habe  und  ausserhalb  der  allerengsten  Familie keine sozialen Kontakte pflege. I.  Das  Vorbringen  der  Beschwerdeführerin  gab  dem 

C­309/2010 Bundesverwaltungsgericht  Anlass  zu  weiteren  Abklärungen,  insbesondere  im  Hinblick  auf  die  Sprachkenntnisse  von  A._______.  Es  hat  die  Beschwerdeführerin  mit  Verfügung  vom  23.  April  2010  aufgefordert,  ihre  eigenen  Bewertungen  der  Sprachkenntnisse  von  A._______  zu  erläutern  bzw.  zu  ergänzen,  und  sie  insbesondere  auf  vorhandene Widersprüche bzw. Unstimmigkeiten in den von ihr erstellten  Unterlagen hingewiesen. Mit separater Verfügung vom gleichen Tag hat  das  Bundesverwaltungsgericht  den  Arbeitgeber  und  die  Sprachlehrerin  des  Beschwerdegegners  aufgefordert,  sich  schriftlich  als  Auskunftspersonen  zu  äussern,  und  ihnen  jeweils  einen  Fragenkatalog  unterbreitet.  Der  Arbeitgeber,  C._______,  hat  die  an  ihn  gerichteten  Fragen am 3. Mai 2010 beantwortet. Die Sprachlehrerin, X._______, hat  mit Eingabe vom 20. Mai 2010 eine Stellungnahme abgegeben und dabei  auf  einen   vom  Beschwerdegegner  am  2.  Februar  2009  absolvierten  Einstufungstest, den sie beigefügt hat, Bezug genommen. J.  Die  Beschwerdeführerin  hat  mit  Eingabe  vom  8.  Juni  2010  abschliessende  Bemerkungen  zu  den  Auskünften  von   C._______  und  X._______   eingereicht.  Sie  macht  geltend,  bei  der  Beweiswürdigung  müsse  berücksichtigt  werden,  dass  C._______  der  Schwiegervater  des  Beschwerdegegners sei; doch selbst dessen wohlwollende Äusserungen  zeigten,  dass  die Kommunikation  am Arbeitsplatz  nur  sehr  beschränkte  sprachliche  Anforderungen  an  den  Beschwerdegegner  stelle.  Auch  X._______  dürfe  nicht  als  unbefangen  gelten,  stehe  sie  doch  in  einem  direkten  Auftragsverhältnis  zum  Beschwerdegegner.  Zudem  sei  nicht  nachvollziehbar, wie  sie  ihm  eine mündliche Ausdruckfähigkeit  auf  dem  Kompetenzniveau B1 habe attestieren können. Demgegenüber seien die  Beurteilungen durch die Einbürgerungskommission, die lediglich zu einer  Einstufung  auf  Kompetenzniveau  A2  (ungenügend)  gelangt  sei,  nachvollziehbar  und  glaubhaft.  Die Beschwerdeführerin ist der an sie selbst mit Verfügung vom 23. April  2010  gerichteten  Aufforderung,  die  eigenen  Bewertungen  zu  erläutern,  nicht nachgekommen.   K.  Der  Beschwerdegegner  hat  sich  in  seiner  schriftlichen  Stellungnahme  vom  22.  Juni  2010  zu  den  Auskünften  von  C._______  und  X._______  geäussert.  Er  betont,  dass  die  an  ihn  gestellten  beruflichen  Anforderungen  ein  hohes  Mass  an  Kommunikationskompetenz  und 

C­309/2010 entsprechende Deutschkenntnisse  voraussetzten;  C._______  habe  dies  in  seinen  Ausführungen  –  mit  der  für  einen  Arbeitgeber  gebotenen  sachlichen Distanz  –   bestätigt.  Seine Deutschlehrerein  X._______,  bei  der er einmal pro Woche 45­minütigen Unterricht nehme, habe ihm eine  gute  mündliche  Sprachkompetenz  attestiert.  Seine  schriftlichen  Kompetenzen  lägen  jedoch  –  weil  das  Alphabet  seiner  arabischen  Muttersprache  völlig  anders  sei  –  auf  tiefem Niveau.  Insgesamt  zeigten  die Auskünfte seiner Sprachlehrerin jedoch deutlich, dass die sprachliche  Einschätzung  durch  die  Einbürgerungskommission  nicht  zutreffend  sein  könne. L.  Auf  den  weiteren  Akteninhalt  wird,  soweit  rechtserheblich,  in  den  Erwägungen eingegangen.   Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Verfügungen  des BFM  über  eine  erleichterte  Einbürgerung  können  mit   Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht angefochten werden  (Art. 51 Abs. 1 des Bürgerrechtsgesetzes vom 29. September 1952 [BüG,  SR  141.0]  i.V.m.  Art. 31  ff.  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32]). 1.2.  Gemäss  Art. 37  VGG  richtet  sich  das  Verfahren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  nach  dem  Verwaltungsverfahrensgesetz  vom  20. Dezember  1968  (VwVG,  SR  172.021),  soweit  das  Gesetz  nichts  anderes bestimmt (vgl. auch Art. 2 Abs. 4 VwVG). 1.3. Gemäss Art. 51 Abs. 2 BüG ist die politische Gemeinde Romanshorn  als  Wohnsitzgemeinde  von  A._______  zur  Beschwerde  legitimiert.  Ihre  prozessuale  Vertretung  obliegt  dem  Gemeinderat  als  oberstem  Exekutivorgan  (Art.  26  der  Gemeindeordnung  [Beilage  2  der  Beschwerde];  zur  Vertretungsbefugnis  der  obersten  Exekutivbehörde:  BGE  137  V  143  E.  1.1  S.  145  mit  Hinweisen).  Da  die  Einbürgerungskommission  der  Gemeinde  jedoch  eine  selbständige  Entscheidungskompetenz  besitzt  (Art. 33  Bst. a  der Gemeindeordnung),  kann davon ausgegangen werden, dass diese Kompetenz auch die damit  in  sachlichem  Zusammenhang  stehende  prozessuale 

C­309/2010 Vertretungsbefugnis beinhaltet. Es  ist demzufolge nicht zu beanstanden,  dass  die  Einbürgerungskommission  ihren  Präsidenten  mit  Zirkulationsbeschluss  beauftragte,  Beschwerde  ans  Bundesverwaltungsgericht  zu  erheben  (siehe  hierzu  Antrag  und  entsprechender  Zirkulationsbeschluss  vom  11./18.  Januar  2010  sowie  Geschäftsreglement  Einbürgerungskommission  [Beilagen  3  bis  5  der  Beschwerde];  zur  prozessualen  Vertretung  durch  die  Einbürgerungskommission  vgl.  auch  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts C­2466/2008 vom 27. Juni 2011 E. 1.3). Auf  die  frist­  und  formgerechte  Beschwerde  ist  somit  einzutreten  (Art. 48  ff.  VwVG).  2.  Mit  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht  einschliesslich  Überschreitung  oder  Missbrauch  des  Ermessens,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhaltes  und  –  soweit  nicht  eine  kantonale  Behörde  als  Beschwerdeinstanz  verfügt  hat  –  die  Unangemessenheit  gerügt werden (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im  Beschwerdeverfahren  das  Bundesrecht  von  Amtes  wegen  an.  Es  ist  gemäss  Art. 62  Abs. 4  VwVG  an  die  Begründung  der  Begehren  nicht  gebunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend  gemachten  Gründen  gutheissen  oder  abweisen.  Massgebend  ist  grundsätzlich die Sachlage zum Zeitpunkt seines Entscheides (vgl. BVGE  2011/1 E. 2 und Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A­2682/2007 vom  7. Oktober 2010 E.1.2 und 1.3). 3.  Die  Beschwerdeführerin  ist  der  Ansicht,  die  fehlende  Begründung  der  angefochtenen  Verfügung  stelle  eine  schwerwiegende  Verletzung  ihres  Anspruchs auf rechtliches Gehör dar. Diese Verletzung könne auch nicht  durch  nachträgliche  Begründung  geheilt  werden  und  müsse  zur  Aufhebung der Verfügung führen.  3.1.  Der  Anspruch  auf  rechtliches  Gehör,  wie  ihn  Lehre  und  Rechtsprechung  aus  Artikel  29  Abs.  2  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  (BV,  SR  101)  ableiten  und  wie  er  sich für das Bundesverwaltungsverfahren aus den Art. 29 ff. VwVG ergibt,  umfasst  eine  Anzahl  verschiedener  verfassungsrechtlicher  Verfahrensgarantien. Darunter  fällt u.a. auch die Begründungspflicht, die  zum  einen  verhindern  soll,  dass  sich  die  Behörde  von  unsachlichen 

C­309/2010 Motiven  leiten  lässt,  und  zum  anderen  der  betroffenen  Person  ermöglichen  soll,  die  Verfügung  inhaltlich  zu  überprüfen  und  gegebenenfalls  anzufechten  (zum  Zweck  und  Umfang  der  Begründungspflicht vgl. BVGE 2010/35 E. 4.1.2 mit Hinweisen).  3.1.1. Nach Art. 35 Abs. 3 VwVG kann die verfügende Behörde auf eine  (schriftliche) Begründung und Rechtsmittelbelehrung verzichten, wenn sie  den  Begehren  der  Parteien  voll  entspricht  und  keine  Partei  eine  Begründung verlangt. Diese als Ausnahme konzipierte Regelung soll der  Behörde  Verwaltungsaufwand  ersparen,  wenn  sie  –  so  wie  bei  Verfügungen,  die  keine  oder  wenig  Aussenwirkung  zeigen  –  damit  rechnen  kann,  dass  eine Anfechtung  unterbleibt. Räumt  demgegenüber  eine  Spezialgesetzgebung  bestimmten  Personen,  Organisationen  oder  Behörden ein Beschwerderecht ein  (Art. 48 Abs. 2 VwVG),  so  ist  davon  auszugehen,  dass  der  Verfügung  Widerstand  erwachsen  könnte.  In  diesem  Fall  sind  beschwerdeberechtigte  Dritte  auf  die  Kenntnis  der  Entscheidgründe  angewiesen,  und  es  ist  bei  dieser  Konstellation  geboten,  dass  die  Behörde  auch  Verfügungen,  die  dem  Gesuch  einer  Partei  entsprechen,  begründet  (Verwaltungspraxis  des Bundes  [VPB 47  1983  Nr. 16,  E. II.2;  vgl.  zum  Ganzen  FELIX  UHLMANN/ALEXANDRA  SCHWANK,  in:  Bernhard  Waldmann/  Philippe  Weissenberger  [Hrsg.],  Praxiskommentar  VwVG,  Zürich  2009,  Art. 35  N  34  f.  sowie  LORENZ  KNEUBÜHLER,  in:  Christoph  Auer/Markus  Müller/Benjamin  Schindler  [Hrsg.],  Kommentar  zum  Bundesgesetz  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG], Zürich/ St. Gallen 2008, Art. 35 N 27 f.).  3.1.2.  Im  vorliegenden  Fall  hat  die  Vorinstanz  dem  Gesuch  von  A._______  um  erleichterte  Einbürgerung  mit  Verfügung  vom  16.  Dezember  2009  entsprochen.  Ein  Verzicht  auf  eine  Begründung  dieser  Verfügung hätte – dem Wortlaut von Art. 35 Abs. 3 VwVG entsprechend –   nur  bei  übereinstimmenden  Begehren der  Parteien  erfolgen  dürfen.  Als  solche  gelten  gemäss  Art.  6  VwVG  auch  die  in  Art. 48  Abs. 2  VwVG  genannten  beschwerdeberechtigten  Personen,  Organisationen  und  Behörden,  zu denen  im Einbürgerungsverfahren die hiervon betroffenen  Kantone und Gemeinden  (Art. 51 Abs. 2 BüG) gehören.  Im Hinblick auf  deren Beschwerdelegitimation wäre die Vorinstanz verpflichtet gewesen,  den  Einbürgerungsentscheid  mit  den  wesentlichen  Motiven  zu  begründen, dies vor allem auch deshalb, weil sich die kantonale Behörde  – unter Bezugnahme auf  die Erhebungen der Gemeinde Romanshorn –  in ihrem Schreiben vom 8. Juli 2008 gegen die erleichterte Einbürgerung  des Gesuchstellers  ausgesprochen  hat.  Angesichts  dieser  Konstellation 

C­309/2010 kann  dahingestellt  bleiben,  ob  der  Begründungspflicht  Genüge  getan  worden wäre, wenn die Vorinstanz auf die Möglichkeit eines Gesuchs um  nachträgliche  Begründung  der  Verfügung  hingewiesen  hätte  (zu  dieser  Alternative:  vgl.  MICHELE  ALBERTINI,  Der  verfassungsmässige  Anspruch  auf  rechtliches  Gehör  im  Verwaltungsverfahren  des modernen  Staates,  Bern 2000, S.  422  sowie  zitiertes Urteil  des Bundesverwaltungsgerichts  C­2466/2008 E. 3.3). 3.2.   Die vorangegangenen Ausführungen führen zum Schluss, dass die  Vorinstanz  die  Pflicht  zur  Begründung  ihrer  Verfügung  und  damit  den  Gehörsanspruch der Beschwerdeführerin verletzt hat.  4.  Das verfassungsmässige Recht, angehört zu werden, ist formeller Natur.  Die  Verletzung  dieses  Rechts  führt  –  ungeachtet  der  Erfolgsaussichten  der  Beschwerde  in  der  Sache  selbst  –  prinzipiell  zur  Aufhebung  der  angefochtenen  Verfügung  (vgl.  BVGE  2009/61  E.  4.1.3  S.  851  mit  Hinweisen;  BERNHARD  WALDMANN/JÜRG  BICKEL,  in:  Bernhard  Waldmann/Philippe Weissenberger, a.a.O., Art. 29 N 28 f. und N 106 f.).  4.1. Die Gehörsverletzung  ist nach ständiger Praxis des Bundesgerichts  ausnahmsweise einer Heilung zugänglich, wenn die betroffene Partei die  Möglichkeit  hat,  sich  vor  einer  Beschwerdeinstanz  zu  äussern,  vorausgesetzt,  diese  Instanz  ist  befugt  zur  freien  Prüfung  aller  Sachverhalts­  und  Rechtsfragen,  welche  der  unteren  Instanz  hätten  unterbreitet  werden  können.  Von  der  Rückweisung  der  Sache  an  die  Verwaltung  zur  Gewährung  des  rechtlichen  Gehörs  kann  in  solchen  Fällen  nach  dem  Grundsatz  der  Verfahrensökonomie  dann  abgesehen  werden, wenn sie zu einem  formalistischen Leerlauf und damit  zu einer  unnötigen  Verlängerung  des  Verfahrens  führen  würde.  Diese  Heilungsmöglichkeit  ist  unbestritten,  wenn  es  um  nicht  besonders  schwerwiegende Verletzungen von Parteirechten geht. Nach der neueren  Rechtsprechung  kann  eine  Heilung  aber  auch  dann  erfolgen,  wenn  schwerwiegende  Verfahrensmängel  das  rechtliche  Gehör  beeinträchtigt  haben  und  eine  Rückweisung  den  Interessen  der  Partei  an  einer  beförderlichen Behandlung zuwiderlaufen würde (BGE 137 I 195 E. 2.3.2  S. 197 f.  mit  Hinweisen;  BGE  132  V  387  E. 5.1  S. 390;  WALDMANN/BICKEL,  a.a.O.,  Art. 29  N  116  sowie  N 125 ff.;  LORENZ  KNEUBÜHLER,  Gehörsverletzung  und  Heilung,  in:  Schweizerisches  Zentralblatt  für Staats­  und Verwaltungsrecht  [ZBl]  1998 S.  116;  kritisch  PATRICK SUTTER  in:  Christoph  Auer/Markus  Müller/  Benjamin  Schindler, 

C­309/2010 a.a.O.,  Art.  29  Rz  21;  vgl.  auch  zitiertes  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts C­2466/2008 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 4.2.  Das  Bundesverwaltungsgericht  verfügt  im  vorliegenden  Verfahren  über die gleiche Kognition wie die Vorinstanz und  ist  zur  freien Prüfung  aller  Sachverhalts­  und  Rechtsfragen  befugt.  Eine  Rückweisung  an  die  Vorinstanz  würde  hier  zu  einem  formalistischen  Leerlauf  führen,  da  angesichts  der  mit  der  Vernehmlassung  erfolgten  Begründung  der  Verfügung  kein  anderer  vorinstanzlicher  Entscheid  zu  erwarten  wäre.  Verfahrensökonomische  Gesichtspunkte  dürften  allenfalls  dann  keine  Berücksichtigung finden, wenn die Erstinstanz in einer Vielzahl ähnlicher  Konstellationen auf  die  systematische nachträgliche Heilung der  von  ihr  missachteten  Verfahrensrechte  vertrauen  würde  (vgl.  PATRICK  SUTTER,  a.a.O., Art. 29 Rz. 18; WALDMANN/BICKEL, a.a.O., Art. 29 N 126; BGE 126  II  111  E. 6b/aa  S. 123 f.  mit  Hinweisen);  hiervon  kann  vorliegend  aber  nicht  ausgegangen  werden.  Die  Vorinstanz  ist  zwar  in  einem  ähnlich  gelagerten  Verfahren  (siehe  zitiertes  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  C­2466/2008  E. 4.3)  auf  die  insofern  notwendige Änderung ihrer Praxis hingewiesen worden, konnte die neue  Praxis  bei  der  hier  umstrittenen  und  damals  bereits  mit  Rechtsmittel  angefochtenen  Verfügung  aber  noch  nicht  anwenden.  Die  Voraussetzungen  für  die  Heilung  der  in  diesem  Verfahren  erfolgten  Gehörsverletzung sind somit gegeben. 5.  In  formeller  Hinsicht  hat  die  Beschwerdeführerin  weiterhin  die  Aktenführung  der  Vorinstanz  –  die  nicht  durchgehende  Nummerierung  der  einzelnen  Seiten  –  gerügt.  Hieraus  sowie  aus  dem Umstand,  dass  das  Bundesverwaltungsgericht  die  vorinstanzlichen  Akten  dem  BFM –  zwecks  Gewährung  der  Akteneinsicht  an  die  Beschwerdeführerin –  zurückgeschickt hat,  leitet diese ab, dass das Bundesverwaltungsgericht  nicht  in  den  Besitz  der  vollständigen  Akten  gekommen  sei  und  daher  auch keine hinreichende Grundlage für den eigenen Entscheid habe. Die  Einwände  der  Beschwerdeführerin  sind  jedoch  unbegründet.  Festzustellen  ist,  dass  die Akteneinsicht  grundsätzlich  von  der Behörde  erteilt wird, die auch über die Aktenhoheit verfügt; aus diesem Grund  ist  die  von  der  Beschwerdeinstanz  gewählte  Vorgehensweise  der  Aktenrücksendung nicht zu beanstanden. Die  der  Ausübung  des  Akteneinsichtsrechts  vorgelagerte  Pflicht  zur  Aktenführung  stellt  gewisse  Qualitätsanforderungen  an  die 

C­309/2010 dokumentierten Informationen; hierzu gehören Richtigkeit, Vollständigkeit,  Klarheit  und  Nachvollziehbarkeit  (vgl.  STEPHAN  BRUNNER  in  Christoph  Auer/Markus Müller/Benjamin Schindler, a.a.O., Art. 26 Rz. 9). Die Pflicht  zur Erstellung eines Aktenverzeichnisses – das bei umfangreichen Akten  zweckmässig sein mag – ergibt sich daraus jedoch nicht; demgegenüber  verlangt  die  bundesgerichtliche  Praxis  die  Ablage  der  Aktenstücke  in  chronologischer  Reihenfolge  und  eine  durchgehende  Paginierung  (vgl.  BGE  137  I  247  nicht  publizierte  E.  3.2).  Im  vorliegenden  Fall  fasst  das  nummerierte Aktenverzeichnis der Vorinstanz mehrere Schriftstücke – mit  dem Hinweis auf deren Anzahl – zu einem Aktenstück zusammen: Dies  entspricht zwar nicht einer Paginierung im eigentlichen Sinne, ermöglicht  aber  eine  hinreichende  Übersicht  über  die  vorhandenen  Akten.  Die  Beschwerdeführerin  hat  auch  keine  konkreten  Anhaltspunkte  dafür  genannt, warum bzw. an welcher Stelle es den vorinstanzlichen Akten an  Transparenz fehlen würde.  6.  Fraglich  ist,  ob  das  materiell­rechtliche  Vorbringen  der  Beschwerdeführerin  zur  Aufhebung  der  angefochtenen  Verfügung  führt.  Insofern  ist  entscheidend,  ob  der  Beschwerdegegner  die  Voraussetzungen für die erleichterte Einbürgerung erfüllt.  6.1. Art. 26  Abs. 1  BüG  nennt  grundsätzliche  Voraussetzungen,  die  bei  den  in  den  Art. 27–31b  BüG  geregelten  Tatbeständen  der  erleichterten  Einbürgerung vorliegen müssen. Sie erfordern, dass die gesuchstellende  Person  in  der  Schweiz  integriert  ist  (Bst. a),  die  schweizerische  Rechtsordnung beachtet  (Bst. b) und die  innere oder äussere Sicherheit  der Schweiz nicht gefährdet  (Bst. c). Ersucht der ausländische Ehegatte  eines  Schweizer  Bürgers  um  erleichterte  Einbürgerung,  so  setzt  Art. 27  Abs. 1  BüG  zusätzlich  voraus,  dass  er  insgesamt  fünf  Jahre  in  der  Schweiz gewohnt hat (Bst. a), seit einem Jahr hier wohnt (Bst. b) und seit  drei  Jahren  in  ehelicher  Gemeinschaft  mit  dem  Schweizer  Bürger  lebt  (Bst. c).  Im vorliegenden Fall waren die besonderen Voraussetzungen von Art. 27  Abs. 1 BüG erfüllt, als A._______ am 23. Oktober 2008 sein Gesuch um  erleichterte Einbürgerung  stellte. Die Vorinstanz hat  daraufhin auch das  Vorliegen  der  weiteren  Einbürgerungsvoraussetzungen  abgeklärt  bzw.  abklären lassen.  

C­309/2010 6.2.  Gemäss  Art.  32  BüG  entscheidet  allein  das  Bundesamt  –  nach  vorheriger  Anhörung  des  Kantons  –  über  die  erleichterte  Einbürgerung.  Art. 37  BüG  sieht  aber  vor,  dass  die  Bundesbehörden  die  kantonale  Einbürgerungsbehörde mit den Erhebungen beauftragen können, die  für  die Beurteilung der Einbürgerungsvoraussetzungen nötig sind. In welcher  Form und durch welche Gremien die Kantone den hierfür massgebenden  Sachverhalt zu erheben haben, schreibt das Bundesrecht nicht vor. Es ist  somit prinzipiell nicht zu beanstanden, wenn ein Kanton mit der Erhebung  eine  kommunale  Einbürgerungskommission   –   die  in  erster  Linie   ordentliche  Einbürgerungen  behandelt  –  beauftragt.  Eine  solche  Kommission  muss  sich  allerdings  der  unterschiedlichen  gesetzlichen  Voraussetzungen  von  erleichterter  und  ordentlicher  Einbürgerung  bewusst sein und darf an die beiden Personengruppen nicht die gleichen  Anforderungen stellen (vgl. BVGE 2008/46 E. 5.6.1).  In diesem Rahmen  spricht nichts dagegen, wenn die Kommission auch mit einem Bewerber  um erleichterte Einbürgerung ein persönliches Gespräch führt.   Im  vorliegenden  Fall  ist  somit  nichts  dagegen  einzuwenden,  dass  der  Kanton Thurgau das Ersuchen des BFM um einen Erhebungsbericht an  die Einbürgerungskommission der Gemeinde Romanshorn weitergeleitet  und  diese  A._______  zu  seinem  Gesuch  um  erleichterte  Einbürgerung  angehört  hat.  Auf  das Ergebnis  dieser Anhörung wird  noch  einzugehen  sein.  6.3.  Nach  anfänglichen  Zweifeln,  die  vom  Beschwerdegegner  ausgeräumt  wurden,  hat  das  BFM  am  16.  Dezember  2009  dessen  erleichterte Einbürgerung verfügt. Wie aus der mit Vernehmlassung vom  3.  März  2010  nachgereichten  Begründung  hervorgeht,  waren  für  den  positiven Entscheid nicht die von der Einbürgerungskommission aus ihren  Erhebungen gezogenen Schlussfolgerungen massgeblich. Vielmehr ging  die  Vorinstanz  davon  aus,  dass  der  Beschwerdegegner  beruflich  eingegliedert  und  aufgrund  der  zu  seinen  Gunsten  sprechenden  Referenzen  insgesamt  als  integriert  zu  betrachten  sei.  Diesbezüglich  konnte  sich  die  Vorinstanz  bei  Verfügungserlass  auf  drei  Referenzschreiben,  die  schriftlichen  Eingaben  der  Ehefrau  und  des  Rechtsvertreters des Beschwerdegegners vom 23. Oktober 2009 bzw. 6.  November 2009 sowie auf das Arbeitszwischenzeugnis vom 5. November  2009 abstützen (Aktenstücke 3 und 5 ­ 7 der vorinstanzlichen Akten). 7.  Die Beschwerdeführerin vertritt die Auffassung, die Vorinstanz habe viel 

C­309/2010 zu  geringe  Anforderungen  an  die  für  die  erleichterte  Einbürgerung  des  Gesuchstellers  erforderliche  Integration  gestellt  und  insbesondere  das  Ergebnis  der  von  der  Einbürgerungskommission  durchgeführten  Erhebungen ignoriert. Aus diesen Erhebungen ergebe sich, dass sich die  sozialen  Kontakte  A._______s  auf  den  engsten  Familienkreis  beschränkten, dass er der deutschen Sprache kaum mächtig und somit  insgesamt gesehen ungenügend integriert sei. 7.1.    Das  schweizerische  Ausländer­  und  Bürgerrecht  versteht  als  Integration  die  Aufnahme  der  ausländischen  Person  in  die  schweizerische Gemeinschaft und die Bereitschaft dieser Person, sich in  das  gesellschaftliche  Umfeld  einzufügen.  Integration  wird  als  gegenseitiger Annäherungsprozess betrachtet, bei dem auf beiden Seiten  auch ein entsprechender Wille vorhanden sein muss (vgl. Art. 4 AuG). Es  wird  dabei  nicht  erwartet,  dass  die  ausländische  Person  ihre  kulturelle  Eigenart  aufgibt  (vgl.  BVGE  2008/46  E.  5.2.1  S.  659  f. mit  Hinweisen).  Ebenso  wenig  wird  von  ihr  verlangt,  dass  sie mit  den  schweizerischen  Lebensgewohnheiten,  Sitten  und  Gebräuchen  vertraut  ist.  Dies  ist  ein  Erfordernis  für die ordentliche Einbürgerung  (Art. 14 b BüG), bei der an  den  Bewerber  strengere,  über  die  Integration  hinausgehende  Anforderungen  gestellt  werden  als  bei  der  erleichterten  Einbürgerung  (Art.  26  ff.  BüG).  Der  Unterschied  liegt  darin  begründet,  dass  im  Falle  erleichterter Einbürgerungen von einem bereits bestehenden besonderen  Bezug  zur  Schweiz  ausgegangen  wird.  Dementsprechend  wird  bei  der  erleichterten  Einbürgerung  nach  Art.  27  BüG  vermutet,  dass  schon  aufgrund  der  Ehe  mit  einem  Schweizer  Gatten  eine  enge  Bindung  zur  Schweiz besteht  (vgl. BVGE 2008/46 E.  5.2.3 S.  660  f. mit Hinweisen).  Der Möglichkeit,  sich  gestützt  auf  Art.  27 BüG erleichtert  einbürgern  zu  lassen,  liegt  der  gesetzgeberische  Gedanke  zugrunde,  die  Einheit  des  Bürgerrechts der Ehegatten im Hinblick auf  ihre gemeinsame Zukunft zu  fördern  (vgl.  Botschaft  vom  27.  August  1987  zur  Änderung  des  Bürgerrechtsgesetzes, BBl 1987 III 293 Ziff.22.13 S. 310).   7.2.  Inhaltlich  zeichnet  sich  Integration  durch  die  Fähigkeit  zu  einer  selbständigen Lebensführung sowie durch das Interesse und die Teilhabe  am  öffentlichen  und  sozialen  Leben  aus.  Sprachkenntnisse  haben  in  diesem Rahmen die Funktion einer Schlüsselkompetenz (vgl. Art. 4 Abs.  4  AuG).   Ihr  Fehlen  ist  Indiz  dafür,  dass  der  Betreffende  am  sozialen  Leben  des  Gastlandes  nicht  teilnehmen  kann  oder  will  und  damit  unzureichend  integriert  ist  (vgl.  BVGE  2008/46  E. 5.2.2  S.  660  mit  Hinweisen).

C­309/2010 7.3.  Im  Falle  von  A._______  ist  umstritten,  ob  dieser  über  genügende  Sprachkenntnisse verfügt und sich in seinem sozialen Umfeld integrieren  konnte. Die von der Vorinstanz schriftlich befragten Referenzpersonen –  Schwiegereltern  und Schwägerin  des Beschwerdegegners  –  haben  das  Vorhandensein  von  mündlichen  Deutschkenntnissen  bejaht;  C._______  und  Y._______  haben  dem  Schwiegersohn  bzw.  Schwager  sogar  bescheinigt, sehr gut  bzw.  fliessend und mit ausreichendem Wortschatz  deutsch  sprechen  zu  können.  Während  ihm  die  Schwiegereltern  C._______  und  D._______  generell  bestätigten,  Freundschaften  und  Kontakte mit  Schweizern  zu  pflegen,  äusserte  Y._______  die Meinung,  ihr Schwager habe eher wenig Kontakt zu Schweizer Bürgern (vgl. hierzu  die drei Referenzschreiben; Aktenstück 3 der vorinstanzlichen Akten). Die  Vorinstanz ist aufgrund der erteilten Auskünfte davon ausgegangen, dass  die  deutschen Sprachkenntnisse  von A._______  für  dessen  erleichterte  Einbürgerung  genügten,  dass  aber  andernfalls  ein  entsprechendes  Manko  durch  andere  Elemente  kompensiert  würde.  In  diesem  Zusammenhang  hat  das  BFM  darauf  verwiesen,  dass  sich  A._______  mündlich  auch  auf  Französisch  ausdrücken  könne.  Wie  weit  dessen  Französischkenntnisse  reichen und ob  sie  im beruflichen und  sonstigen  sozialen  Umfeld  überhaupt  genutzt  werden  können,  ist  jedoch  fraglich.  Anhaltspunkte  hierzu  fehlen.  Vorliegend  kann  daher  nicht  davon  ausgegangen werden, dass etwaige fehlende deutsche Sprachkenntnisse  des  Beschwerdegegners  durch  vorhandene  französische  aufgewogen  werden könnten.  8.  Das  Vorbringen  der  Beschwerdeführerin,  das  die  sprachlichen  Fähigkeiten und die Integration von A._______ in Abrede stellt, gab dem  Bundesverwaltungsgericht Anlass zu weiteren Abklärungen, die gemäss  Art. 12 Bst. c VwVG durch schriftliche Befragungen von X._______ und  C._______ als Auskunftspersonen erfolgten.  8.1. X._______  hat  den  ihr  übersandten  Fragenkatalog  ausführlich  und  unter  Erläuterung  des  vom  Beschwerdegegner  am  4.  Februar  2009  absolvierten  (deutschsprachigen)  Einstufungstests  beantwortet.  Dieser  Test  umfasse  das  Spektrum  Alphabetisierung  bis  Kompetenzniveau  A2  des  Gemeinsamen  europäischen  Referenzrahmens  für  Sprachen  (im  Folgenden:  GER).  Dem  Niveau  A2  entsprächen  die  schriftlichen  Sprachkenntnisse A._______s; dieser könne kurzen Zeitungstexten zum  Tagesgeschehen  wichtige  Informationen  entnehmen  oder  in  Texten mit  Illustrationen  die  Hauptinformation  verstehen.  Die  mündlichen 

C­309/2010 Fähigkeiten  seien  demgegenüber  besser  und  entsprächen  dem  Kompetenzniveau B1. A._______ könne sich fliessend über verschiedene  Themen verständlich ausdrücken und das Gespräch aufrecht erhalten. Er  habe einen ausreichenden Wortschatz, um sich, manchmal mit Hilfe von  Umschreibungen,  über  verschiedene  Themen  zu  unterhalten.  Um  sein  schriftliches Defizit aufzuarbeiten, nehme er seit dem 16. Februar 2009 –  einmal  wöchentlich  für  45  Minuten  –  Einzelunterricht  im  Lesen  und  Schreiben.  8.2.  Der  an  C._______  gerichtete  Fragenkatalog  bezieht  sich  insbesondere  auf  die  von  A._______  ausgeübten  Funktionen  im  Arbeitsbetrieb  und  die  hierzu  erforderlichen  Sprachkompetenzen.  C._______ hat hierzu erläutert, A._______ sei Schichtführer von zwei bis  drei  Arbeitern;  er  spreche  mit  ihnen,  den  anderen  Arbeitskollegen  und  seinen  Vorgesetzten  deutsch.  Bei  Schichtwechsel  finde  im  Hinblick  auf  den  Produktionsablauf  jeweils  eine  Besprechung  mit  dem  vorherigen  Schichtführer statt. A._______ sei bei seiner Arbeit auch auf das Lesen  und  Verstehen  deutschsprachiger  Texte  angewiesen;  er  lese  Produktionsdatenblätter,  Verpackungsvorschriften  und  auf  den  Bildschirmen der Spritzmaschinen und Roboter die Daten und Störungen.  A._______ gebe sich Mühe, die deutsche Sprache zu  lernen, und  frage  nach, wenn er etwas nicht verstehe. 8.3. Der vom Europarat entwickelte GER dient dazu, die Kooperation der  Bildungseinrichtungen  in  den  verschiedenen  Ländern  zu  fördern  und  damit die gegenseitige Anerkennung der sprachlichen Qualifikationen zu  vereinfachen.  Für  die  Praxis  des  Fremdsprachenunterrichts  stellt  er  ein  Bezugsinstrument  dar.  Er  unterscheidet  drei  Hauptniveaus mit  weiteren  Unterteilungen: Die A­Niveaus stehen für eine elementare, die B­Niveaus  für  eine  selbständige  und  die  C­Niveaus  für  eine  kompetente  Sprachanwendung.  Der  GER  findet  auch  im  schweizerischen  Ausländerrecht Erwähnung bzw. Anwendung; beispielsweise werden  für  die vorzeitige Erteilung der Niederlassungsbewilligung – als Zeichen der  erfolgreichen  Integration  –  grundsätzlich  Kenntnisse  der  am  Wohnort  gesprochenen Landessprache auf dem Niveau A2 des GER verlangt (vgl.  Art.  62  Abs.  1  Bst. b  der  Verordnung  vom  24. Oktober  2007  über  Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit [VZAE, SR 142.201]). 8.4.  Wie  sich  aus  den  von  X._______  und  C._______  erteilten  Auskünften  ergibt,  kann  sich  A._______  –   gegebenenfalls  mittels  Umschreibungen  oder  nach  Rückfragen  seinerseits  –  problemlos  auf 

C­309/2010 Deutsch verständigen. X._______ hat dessen sprachliche Fähigkeiten auf  dem  Kompetenzniveau  B1  des  GER  eingeordnet.  Diese  Einstufung  ist  angesichts  der  von  C._______  geschilderten  Arbeitsabläufe  und  der  damit  verbundenen  Notwendigkeit  zur  Kommunikation  nicht  zu  beanstanden  und  rechtfertigt  sich  auch  angesichts  der  von  Y._______  gegenüber  dem  BFM  erteilten  Referenzauskünfte.  Die  schriftlichen  Sprachkenntnisse des Beschwerdegegners liegen – was von keiner Seite  bestritten  wird  –  auf  einem  tieferen  Niveau.  Sie  reichen  den  Angaben  C._______s  zufolge  aber  aus,  um  die  im  Arbeitskontext  erforderlichen  schriftlichen  Informationen  zu  verstehen.  X._______  hat  die  schriftliche  Sprachkompetenz  von  A._______  mit  A2  bezeichnet.  Auch  dies  ist  nachvollziehbar. 9.  Es  entspricht  der Regel,  dass  bei  um  Integration  bemühten Ausländern  die  kommunikativen  Fähigkeiten  (Verstehen,  Sprechen)  ausgeprägter  sind  als  die  schriftliche  Sprachbeherrschung  (Schreiben).  Diesem  Umstand  ist  Rechnung  zu  tragen,  wenn  Sprachbeherrschung  zur  Voraussetzung für eine rechtliche Besserstellung gemacht wird. Dabei gilt  es  zu  berücksichtigen,  dass  bildungsferne  Gesuchsteller  nicht  diskriminiert werden dürfen; für diesen Personenkreis dürfen daher keine  unerfüllbaren  Anforderungen  an  die  schriftliche  Sprachbeherrschung  gestellt werden. In diesem Zusammenhang – allerdings in einem Fall der  ordentlichen Einbürgerung und im Hinblick auf die gerügte Verletzung der  Gemeindeautonomie  –  hat  es  das  Bundesgericht  für  zulässig  erachtet,  wenn von kantonaler Seite aus die nicht zu überschreitende Grenze beim  Kompetenzniveau  A2  angesetzt  wird;  bei  den  kommunikativen  Fähigkeiten (Verstehen, Sprechen) dürfe hingegen ein Niveau von B1 bis  B2 verlangt werden (BGE 137 I 235 E. 3.4 S. 243 ff.).  9.1.  In  diesem  Rahmen  bewegen  sich  –  den  eingeholten  Auskünften  zufolge  –  die  Kompetenzen  des  Beschwerdegegners,  der  nicht  um  ordentliche,  sondern nur um erleichterte Einbürgerung nachgesucht hat.  Die Beschwerdeführerin hält C._______ und X._______  jedoch  für nicht  hinreichend glaubwürdig, dies mit der Begründung, dass zwischen ihnen  und A._______ eine enge persönliche Beziehung bestehe.  9.2. Die schriftlichen Angaben beider Auskunftspersonen sind allerdings  von  Distanz  und  Sachlichkeit  geprägt.  C._______  hat  das  Kommunikationsfeld,  in  dem  sich  sein  Schwiegersohn  bewegt,  klar  umrissen und  im Einzelnen dargelegt, welche schriftlichen Informationen 

C­309/2010 dieser während des Arbeitsbetriebs verstehen muss. Dessen sprachliche  Einschränkungen hat C._______ nicht  verschwiegen und erwähnt,  dass  bei  Verständnisproblemen  Nachfragen  erfolgten.  Schliesslich  kann  den  Auskünften  C._______s  entnommen  werden,  dass  A._______  seine  beruflichen  Entwicklungsmöglichkeiten  noch  nicht  ausschöpfen  konnte,  dies  offensichtlich  aufgrund  der  für  die  anvisierte  Tätigkeit  noch  nicht  genügenden Sprachkenntnisse  (vgl.  hierzu auch das Referenzschreiben  D._______s  vom  31. August  2009;  Aktenstück  3  der  vorinstanzlichen  Akten).  X._______  hat  ebenfalls  –  und  sogar  ausführlich  –  zu  den  vorhandenen  sprachlichen  Defiziten  des  Beschwerdegegners  Stellung  genommen  und  auf  dessen  daraus  resultierenden  Entschluss,  bei  ihr  Einzelunterricht im Lesen und Schreiben zu nehmen, hingewiesen. Dafür,  dass  die  Lehrer­Schüler­Beziehung  die  Objektivität  ihrer  Angaben  beeinflusst hätte, gibt es keine Anhaltspunkte. Entgegen  den  Behauptungen  der  Beschwerdeführerin  ist  auch  nicht  ersichtlich, warum die Beurteilungen durch die Einbürgerungskommission  eher  nachvollziehbar  und  glaubhaft  sein  sollten  als  diejenigen  der  Sprachlehrerin  X._______.  Das  Bundesverwaltungsgericht  hat  die  Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 23. April 2010 aufgefordert,  ihre  eigenen teils widersprüchlichen Bewertungen zu erläutern. Es hat darauf  hingewiesen,  dass  auf  Seite  4  ihres  Erhebungsberichts  die  Kenntnisse  einer  Landessprache  gänzlich  verneint  würden,  der  Inhalt  der  nachfolgenden Seite aber auf zumindest geringe Deutschkenntnisse von  A._______ schliessen lasse. Zudem würden auf Seite 6 ihres Gesprächs­  und  Entscheidprotokolls  die  Bemühungen  bei  der  Anwendung  der  deutschen  Sprache  als  genügend  bezeichnet.  Das  dazugehörige  Beurteilungsblatt  halte  insoweit  fest,  dass  sich  der  Bewerber  mit  gewissen  Personen  auf  Deutsch  unterhalte  und  deutschsprachige  Zeitungen  lese;  die  befragende  Person  der  Einbürgerungskommission  habe  diese  Angaben  auch  als  glaubhaft  bezeichnet.  Die  Beschwerdeführerin  ist  der  Aufforderung,  zu  diesen  Widersprüchen  Stellung  zu  nehmen,  nicht  nachgekommen.  Der  von  ihr  angewendete  Massstab  zur  Beurteilung  der  Sprach­kenntnisse  des  Beschwerdegegners  ist  aufgrund  dessen  nicht  nachvollziehbar  und  erscheint willkürlich. Sie hat im Übrigen in ihrer Eingabe vom 8. Juni 2010  die  Meinung  geäussert,  das  von  X._______  betreffend  Textverständnis  und  schriftlicher  Ausdrucksfähigkeit  attestierte  Kompetenzniveau  A2  entspreche auch ihrer eigenen Einschätzung und sei damit ungenügend.  Letzteres wird durch die vorherigen Erwägungen widerlegt.

C­309/2010 9.3.  Angesichts  der  durchgeführten  schriftlichen  Befragung  der  Auskunftspersonen,  aber  auch  angesichts  des  nicht  plausiblen  Ergebnisses  der  von  der  Einbürgerungskommission  Romanshorn  vorgenommen  Erhebungen  ist  festzustellen,  dass  die  von  der  Beschwerdeführerin  behaupteten  unzureichenden  Sprachkenntnisse  A._______s  nicht  nachgewiesen  sind.  Aus  den  vorhergehenden  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  dessen  sprachliche  Fähigkeiten  als  Schlüsselkompetenz  genügen,  um  die  weiteren  Anforderungen  an  die  Integration  –  Streitpunkt  ist  seine  soziale  Eingliederung  –   erfüllen  zu  können.   10.  A._______ kann, was auch die Beschwerdeführerin  in  ihrer   Replik vom  24. März 2010 eingeräumt hat, in beruflicher Hinsicht als integriert gelten.  Den  vorinstanzlichen  Akten  –  die  Stellungnahmen  des  Beschwerdegegners  und  seiner  Ehefrau  eingeschlossen  –  ist  zu  entnehmen, dass dieser ausserhalb der Familie eher wenige persönliche  Beziehungen unterhält. Der Parteivertreter hat in seiner an die Vorinstanz  gerichteten  Eingabe  vom  6.  November  2009  aber  immerhin  die  vollständigen Namen und Adressen dreier Personen genannt,  zu denen  die  Eheleute  (…)  im  üblichen  Rahmen  Kontakt  hielten.  Zwei  der  aufgezählten  Personen  gehören  auch  den  Unterlagen  der  Einbürgerungskommission  Romanshorn  zufolge  zum  engeren  Bekanntenkreis  von  A._______.  Schriftlich  hat  dieser  gegenüber  der  Kommission  zwei  weitere  Bekannte,  mit  denen  regelmässig  Kontakt  gepflegt  werde,  genannt  (vgl.  Seite  4  des  Gesprächs­  und  Entscheidprotokolls sowie das Formular Persönliche Erklärung anlässlich  des  Gesprächs  mit  der  Kommission; Aktenstück  2  der  vorinstanzlichen  Akten).  Seine  insgesamt  vier  Personen  umfassende  schriftliche  Aufzählung ist mit Fehlern behaftet und unvollständig.  10.1. Die Beschwerdeführerin hält A._______ für unzureichend integriert,  dies aus der Überzeugung heraus, dass sich seine sozialen Kontakte auf  den  engsten  Familienkreis  der  Ehefrau  beschränkten.  Letzteres  ist  angesichts  der  vorstehenden  Ausführungen  zu  bezweifeln.  Die  Beschwerdeführerin hat dem Beschwerdegegner angelastet, kaum mehr  als  den  Vornamen  seiner  Bekannten  zu  kennen  (vgl.  S.  6  des  Erhebungsberichts;  Aktenstück  2  der  vorinstanzlichen  Akten).  Dieser  Umstand  kann  jedoch  auf  dessen  eingeschränkte  schriftliche  Sprachkompetenz  zurückgeführt  werden  und  ist  kein  Indiz  dafür,  dass  A._______  ausserhalb  der  Familie  nur  oberflächliche  Bekanntschaften 

C­309/2010 pflegen würde. Die von seiner Seite ausgewiesenen Kontakte sind zwar  nicht zahlreich, allerdings  ist  fraglich, ob für die als Tatbestandsmerkmal  der  erleichterten  Einbürgerung  genannte  Voraussetzung  der  Integration  mehr  verlangt  werden  darf.  Die  Beschwerdeführerin  hat  diesbezüglich  bemängelt,  dass  A._______  keinem  Verein  angehöre  und  nicht  am  Dorfleben  teilnehme  (vgl.  Zusammenfassung  auf  S.  5  des  Erhebungsberichts;  Aktenstück  2  der  vorinstanzlichen Akten). Hierzu  ist  jedoch zum einen festzustellen, dass Vereinszugehörigkeit nicht mehr als  ein Indiz für die Integration sein kann; ihr Fehlen lässt, wie von Seiten des   Beschwerdegegners  zu  Recht   betont  wird,  nicht  auf  das  Gegenteil  schliessen.  Zum  anderen  gibt  es  vielfältige  Möglichkeiten  der  Teilhabe  am  öffentlichen  und  sozialen  Leben.  A._______  hat  gegenüber  der  Einbürgerungskommission  immerhin  angegeben,  sich  per  Zeitung  über  die Ereignisse in der Gemeinde zu informieren. Seinen dortigen Angaben  ist  auch  zu  entnehmen,  dass  er  an  einer  1.  August­Feier  sowie  an  Veranstaltungen  am  Bodensee  teilgenommen  hat  (vgl.  Seite  5  des  Gesprächs­  und  Entscheidprotokolls,  Aktenstück  2  der  vorinstanzlichen  Akten).  10.2. Die somit durchaus bestehenden Interessen am öffentlichen Leben  hat  die  Beschwerdeführerin  offenbar  von  vornherein  als  ungenügend  erachtet.  Sie  hat  geltend  gemacht,  die  Einbürgerungskommission  habe  sich  nur  an  die  Empfehlungen  gehalten,  die  das  BFM  den  kantonalen  Behörden mit Rundschreiben vom 26. Mai 2005 unterbreitet habe, und im  eigenen  Erhebungsbericht  das  entsprechende  Muster  des  BFM  verwendet. Letzteres trifft zwar zu; die Einbürgerungskommission hat ihre  abschliessende  Beurteilung  aber  auf  die  Beantwortung  zusätzlicher  Fragen  abgestützt,  die  auf  die  ordentliche  Einbürgerung  zugeschnitten  sind  und  beispielsweise  umfassende  Kenntnisse  der  schweizerischen  Geographie,  Geschichte  und  Kultur  voraussetzen  (vgl.  insbesondere  Fragenkatalog  A.3  und  A.6  des  Gesprächs­  und  Entscheidprotokolls;  Aktenstück  2  der  vorinstanzlichen  Akten).  Derartige  Kenntnisse  entsprechen  einer  höheren  Stufe  der  Übernahme  Schweizer  Lebensart  und ergeben sich erst  infolge vorausgegangener  Integration  (vgl. BVGE  2008/46  E.  5.2.3  S.  660).  Aufgrund  dessen  ist  festzustellen,  dass  die  Einbürgerungskommission  nicht  nur  an  die  Sprachkenntnisse  des  Beschwerdegegners,  sondern  auch  an  das  Vorhandensein  weiterer  Integrationsfaktoren zu hohe Anforderungen gestellt hat.  10.3.  Vor  dem  gesamten  Hintergrund  ergibt  sich  das  Bild,  dass  A._______  beruflich  eingegliedert  ist,  in  seiner  Schwiegerfamilie  gut 

C­309/2010 aufgenommen  wurde,  zusammen  mit  seiner  Ehefrau  Bekanntschaften  pflegt, sich  für die Belange seiner Wohnortgemeinde  interessiert und an  öffentlichen  Anlässen  teilnimmt.  Er  kann  aufgrund  dessen  als  integriert  betrachten werden. Der  ihm  in Aussicht gestellte Wechsel vom Schicht­  zum  normalen  Arbeitsbetrieb  sowie  seine  Rolle  als  Vater  eines  Kleinkindes  werden  zweifelsohne  auch  dazu  führen,  dass  er  in  Zukunft  mehr als bisher am gesellschaftlichen Leben partizipieren kann. 11.  Die  vorinstanzliche Verfügung  ist  somit  im Ergebnis  als  rechtmässig  zu  bestätigen  (Art.  49  VwVG).  Die  Beschwerde  ist  infolgedessen  abzuweisen.  12.  Die  vorliegende  Streitsache  hat  keine  vermögensrechtlichen  Interessen  zum  Gegenstand.  Der  Beschwerdeführerin  als  öffentlich­rechtlicher  Körperschaft  sind  deshalb  trotz  Unterliegens  keine  Verfahrenskosten  aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 2 VwVG).  13.  Dem  am  Verfahren  beteiligten  Beschwerdegegner  ist  zu  Lasten  der  Beschwerdeführerin  eine  Parteientschädigung  zuzusprechen  (Art.  64  VwVG, Art. 8 – 10 und Art. 14 Abs. 2 des Reglements vom 21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Dispositiv nächste Seite  

C­309/2010 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3.  Die  Beschwerdeführerin  ist  verpflichtet,  dem  Beschwerdegegner  eine  Parteientschädigung  in   Höhe  von  Fr.  2'500.­  (inkl.  Auslagen  und  Mehrwertsteuer) auszurichten. 4.  Dieses Urteil geht an: – die Beschwerdeführerin (Gerichtsurkunde) – den Beschwerdegegner (Gerichtsurkunde) – die Vorinstanz (…) Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Ruth Beutler Barbara Giemsa­Haake Rechtsmittelbelehrung: Gegen  diesen  Entscheid  kann  innert  30 Tagen  nach  Eröffnung  beim  Bundesgericht,  1000  Lausanne  14,  Beschwerde  in  öffentlich­rechtlichen  Angelegenheiten  geführt  werden  (Art. 82  ff.,  90  ff.  und  100  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR  173.110]).  Die  Rechtsschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren,  deren Begründung mit Angabe der Beweismittel  und die Unterschrift  zu  enthalten. Der angefochtene Entscheid und die Beweismittel sind, soweit  sie der Beschwerdeführer in Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG). Versand:

C-309/2010 — Bundesverwaltungsgericht 04.01.2012 C-309/2010 — Swissrulings