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Bundesverwaltungsgericht 21.09.2011 C-2142/2010

September 21, 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·3,626 words·~18 min·4

Summary

Leistungserbringer | KVG - Festsetzung des Tarifs ab 01.01.2010 für stationäre psychiatrische Behandlung (RRB vom 2. März 2010)

Full text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung III C­2142/2010 Urteil   v om   2 1 .   S ep t embe r   2011   Besetzung Richter Johannes Frölicher (Vorsitz), Richter Vito Valenti, Richterin Franziska Schneider,    Gerichtsschreiberin Susanne Fankhauser. Parteien santésuisse, Die Schweizer Krankenversicherer,  vertreten durch lic. iur. Andreas Gafner, Rechtsanwalt,  Beschwerdeführerin,  gegen Verein X._______,  Beschwerdegegner,  Regierungsrat des Kantons Luzern, Bahnhofstrasse 15,  6002 Luzern,   vertreten durch Gesundheits­ und Sozialdepartement des  Kantons Luzern, Bahnhofstrasse 15, Postfach 3768,  6002 Luzern,  Vorinstanz.  Gegenstand KVG – Festsetzung des Tarifs ab 1. Januar 2010  (RRB Nr. ____ vom 2. März 2010).

C­2142/2010 Sachverhalt: A.  Das X._______ ist eine Fachklinik für Suchtkranke und als solche auf der  Spitalliste des Kantons Luzern vom 16. Dezember 1997 (in der Fassung  vom  8.  April  2008)  aufgeführt.  Das  X._______  wird  vom  Verein  X._______ mit  Sitz  in  A._______  (nachfolgend:  Verein  X._______  oder  Beschwerdegegner) getragen. A.a  Der  ab  1. Januar  2008  gültige  Vertrag  vom  14. September  2007  zwischen  dem  Verein  X._______  und  santésuisse,  Die  Schweizer  Krankenversicherer, (nachfolgend: santésuisse oder Beschwerdeführerin)  betreffend  Vergütung  der  stationären  Behandlung  von  suchtkranken  Patientinnen  und  Patienten  im  Rahmen  der  obligatorischen  Krankenpflegeversicherung  (OKP)  sah  eine  Vollpauschaltaxe  (Abrechnung  im  Nachtzensus,  d.h.  Ein­  und  Austrittstag  gelten  als  ein  Tag) von Fr. 266.­ pro Tag vor (Art. 6 in Verbindung mit Anhang 1; act. 6  Beilage  [B]  2).  Mit  Schreiben  vom  15. Juni  2009  kündigte  der  Verein  X._______  den  Tarifvertrag  per  31. Dezember  2009  (act. 6  B  2).  Die  Parteien  konnten  sich  in  der  Folge  nicht  auf  einen  neuen  Tarifvertrag  einigen. A.b  Am  17. November  2009  informierte  der  Verein  X._______  den  Regierungsrat  des  Kantons  Luzern  (nachfolgend:  Regierungsrat  oder  Vorinstanz)  darüber,  dass  die  Verhandlungen  für  einen  neuen  Vertrag  gescheitert seien und beantragte, der Tarif  (ab dem 1. Januar 2010) sei  durch  den  Regierungsrat  auf  Fr. 295.­  (Tagespauschale)  festzusetzen  (act. 6  B 1).  Die  Tariferhöhung  wurde  einerseits  mit  einer  Kostensteigerung  und  dem  etwas  tieferen  Bettenbelegungsgrad  (95%),  andererseits  mit  dem  Wegfall  der  Kantonsbeiträge  (aus  Alkoholzehntel  und allgemeiner Kantonsbeitrag,  insgesamt etwa Fr.  80'000)  begründet.  Weiter  wies  der  Verein  X._______  darauf  hin,  dass  auch  allfällige  sonstige  Anpassungen  des  bisherigen  Vertrages  Gegenstand  der  Verhandlungen  gewesen  seien.  Aus  Sicht  des  X._______  sollte  (im  Anhang  1  des  Vertrages)  noch  deutlicher  formuliert  werden,  dass  die  stationäre  Therapie  im  X._______  nur  die  psychiatrische  Behandlung  umfasse.  Nicht  zum  Therapieangebot  gehörten  medizinische  Behandlungen der Folgen des Medikamentenkonsums, und diese seien  auch in der Tarifpauschale nicht enthalten.  A.c  Santésuisse  beantragte  mit  Eingabe  vom  7. Dezember  2009,  die  Nachtpauschale  von  bisher  Fr. 266.­  sei  auf  Fr. 255.­  zu  senken.  Die 

C­2142/2010 anrechenbaren Kosten seien auf Fr. 290.­ und der Kostendeckungsgrad  auf  88%  festzulegen.  Eventualiter  sei  der  Vertrag  vom  14. September  2007 um ein Jahr zu verlängern (act. 6 B 10). Die zu einer Stellungnahme  eingeladene  Preisüberwachung  (PUE)  empfahl  am  18. Dezember  2009  eine  Tagesvollpauschale  von  maximal  Fr. 279.­  bei  einem  Kostendeckungsgrad von 96% (act. 6 B 17).  A.d  Mit  Beschluss  vom  2. März  2010  setzte  der  Regierungsrat  die  Tagesvollpauschale ab 1. Januar 2010 auf Fr. 286.­ fest (RRB Nr. ____).  Weiter  hielt  er  präzisierend  fest,  dass  der  festgesetzte  Tarif  nur  die  Vergütung der stationären psychiatrischen Behandlung von obligatorisch  krankenpflegeversicherten  Patientinnen  und  Patienten  im  X._______  regle.  Zur  Begründung  führte  er  im  Wesentlichen  aus,  ein  nicht  subventioniertes Privatspital  habe –  vorbehältlich  eines Abzuges wegen  Intransparenz – grundsätzlich Anspruch auf eine Taxe, welche 100% der  anrechenbaren Kosten decke. Zwar verfüge das X._______ lediglich über  eine  Finanzbuchhaltung.  Dennoch  bestehe  vollständige  Transparenz.  Das  X._______  betreibe  lediglich  19  Betten  der  allgemeinen  Abteilung  und verfüge über ein enges Behandlungsspektrum, das bisher mit einem  einheitlichen  Tarif  abgegolten  werde.  Damit  stellten  sich  weder  Abgrenzungsprobleme  zum  Zusatzversicherungsbereich,  noch  bestehe  die  Gefahr,  dass  die  OKP  für  mehr  als  100%  der  nach  KVG  anrechenbaren  Kosten  aufkommen  müsse.  Nach  Auffassung  der  Preisüberwachung  vermöge  zudem  bei  einer  Klinik  mit  solch  überschaubaren  Verhältnissen  wie  dem  X._______  die  Betriebsbuchhaltung  eine  Kostenstellenrechnung  zu  ersetzen.  Ein  Intransparenzabzug sei deshalb nicht gerechtfertigt.  B.  Santésuisse  liess,  vertreten  durch  Rechtsanwalt  Andreas  Gafner,  mit  Datum  vom  1. April  2010  Beschwerde  beim  Bundesverwaltungsgericht  erheben  und  folgende  Rechtsbegehren  stellen:  "1.  Der  Regierungsratsbeschluss  Protokoll  Nr. ____  vom  2. März  2010  sei  aufzuheben.  2. Für  die  Vergütung  der  stationären  Behandlung  von  obligatorisch  krankenpflegeversicherten  Patienten  im  X._______  sei  für  die  Zeit  ab  1. Januar  2010  eine  Tagesvollpauschale  von maximal  CHF  263.­ festzusetzen. 3. Für die Dauer des Verfahrens sei provisorisch und  rückwirkend  ab  1. Januar  2010  der  im  Rechtsbegehren  Ziffer  2  beantragte Tarif  festzusetzen. Unter Kosten­ und Entschädigungsfolgen"  (act. 1).

C­2142/2010 Die  Beschwerdeführerin  machte  insbesondere  geltend,  der  von  der  Vorinstanz  auf  100%  festgesetzte  Kostendeckungsgrad  widerspreche  den  gesetzlichen  Bestimmungen  und  der  Praxis.  Bei  sehr  kleinen  Institutionen  könnten  zwar gewisse Zugeständnisse bei  der Qualität  der  Kostenrechnung  gemacht  werden.  Die  Beschwerdeführerin  wäre  bereit,  statt des im Normalfall festzusetzenden Kostendeckungsgrades von 88%,  einen  solchen  von  92%  zu  akzeptieren.  Da  weder  eine  vollständige  Leistungserfassung  noch  eine  Kostenträgerrechnung  vorliege,  sei  die  Transparenz  der  Kostendaten  aber  nicht  gewährleistet,  weshalb  kein  höherer  Kostendeckungsgrad  zulässig  sei.  Insbesondere  werde  nicht  hinreichend dargelegt, ob die ausgewiesenen Kosten ausschliesslich  für  Leistungen  im Bereich der Grundversicherung angefallen seien, oder ob  es  sich  allenfalls  um  Nichtpflichtleistungen  oder  sogar  um  gemeinwirtschaftliche Kosten handle. Als Teil des Behandlungskonzepts  werde beispielsweise kreatives Gestalten und verschiedene Formen von  Bewegung  und  Entspannung  als  Möglichkeit  zur  Freizeitgestaltung  angeboten.  Es  dürfe  bezweifelt  werden,  dass  es  sich  dabei  um  Pflichtleistungen gemäss KVG handle. Weiter sei es nicht gerechtfertigt,  den Tarif  ausschliesslich auf psychiatrische Behandlungen zu beziehen,  zumal  eine  solche  Einschränkung  aus  dem  Leistungsauftrag  gemäss  Spitalliste  nicht  ersichtlich  sei.  Diese  Beschränkung  auf  psychiatrische  Leistungen  entspreche  nicht  der  bisherigen  Praxis  und  hätte  bei  der  Tarifberechnung berücksichtigt werden müssen.  C.  Der  mit  Zwischenverfügung  vom  15. April  2010  auf  Fr. 4'000.­  festgesetzte  Kostenvorschuss  (act. 2)  ging  am  6. Mai  2010  bei  der  Gerichtskasse ein (act. 4).  D.  Der Beschwerdegegner beantragte in seiner Stellungnahme vom 17. Mai  2010,  die  Beschwerde  sei  –  unter  Kosten­  und Entschädigungsfolgen –  abzuweisen.  Für  die  Dauer  des  Beschwerdeverfahrens  sei  provisorisch  und  rückwirkend  ab  1. Januar  2010  die  vom  Regierungsrat  verfügte  Tagesvollpauschale  von  Fr. 286.­,  eventualiter  die  von  der  PUE  empfohlene Tagesvollpauschale von Fr. 279.­ festzusetzen (act. 5).  Zur Begründung wird insbesondere darauf hingewiesen, dass der Verein  X._______  gemeinnützig  und  das  X._______  deshalb  nie  gewinnorientiert  geführt  worden  sei.  Die  kostendeckenden  Tagestarife  des  X._______  lägen  im  Vergleich  zu  den  übrigen  Fachkliniken  für 

C­2142/2010 Suchtkranke  deutlich  tiefer.  Wie  der  Regierungsrat  zutreffend  erkannt  habe, bestehe volle Transparenz, weshalb ein Kostendeckungsgrad von  100%  gerechtfertigt  sei.  Die  Einführung  einer  Kostenstellenrechnung  wäre  für  einen  so  kleinen  Betrieb  unverhältnismässig  und  würde  zu  höheren  Kosten  führen.  Die  von  der  Beschwerdeführerin  als  vermutlich  gemeinwirtschaftliche  Leistungen  bezeichneten  Angebote  seien  wesentliche  Elemente  des  therapeutischen Konzeptes.  Es  gehe  darum,  neue  Möglichkeiten  der  Alltags­  bzw.  Freizeitgestaltung  einzuüben.  Die  ausdrückliche Beschränkung auf psychiatrische Behandlungen bezwecke  keine  Änderung  des  Therapieangebotes,  sondern  diene  lediglich  der  Präzisierung,  weil  die  etwas  unklare  Formulierung  im  bis  Ende  2009  gültigen Tarifvertrag teilweise zu Missverständnissen geführt habe. E.  Die  Vorinstanz  beantragte  in  ihrer  Vernehmlassung  vom  17. Mai  2010,  die Beschwerde sei – unter Kosten­ und Entschädigungsfolgen zu Lasten  der  Beschwerdeführerin  –  abzuweisen  (act. 6).  Die  Beschwerdeführerin  verfolge das unzulässige Ziel,  den Kanton Luzern  zur Finanzierung des  nicht  öffentlich  subventionierten  Privatspitals  heranzuziehen.  Mit  dem  beantragten,  nicht  kostendeckenden  Tarif  wäre  die  wirtschaftliche  Existenz des X._______ gefährdet. Aufgrund der Rechtsprechung sei ein  Kostendeckungsgrad von 100% gerechtfertigt. F.  Mit  Zwischenverfügung  vom  27. Mai  2010  wurden  die  PUE  und  das  Bundesamt  für  Gesundheit  (BAG)  eingeladen,  eine  Stellungnahme  einzureichen (act. 8). G.  Die PUE nahm am 3. Juni 2010 Stellung (act. 9). Unter Berücksichtigung  des  Umstandes,  dass  es  sich  bei  den  auf  dem  Basisdatenblatt  aufgeführten 6'881 Pflegetagen effektiv um Pflegenächte handle, sei die  Empfehlung  vom  18. Dezember  2009  dahingehend  zu  korrigieren,  dass  eine  Tagesvollpauschale  von  maximal  Fr. 275.­  (bei  einem  Kostendeckungsgrad  von  96%)  festzusetzen  sei.  Die  zunächst  empfohlene  Pauschale  von  Fr. 279.­  würde  einer  Nachvollpauschale  entsprechen. Mit dem empfohlenen Kostendeckungsgrad von 96% habe  die  PUE  ihren  Ermessensspielraum  zu  Gunsten  des  X._______  ausgereizt;  ein  Kostendeckungsgrad  von  100%  lasse  sich  nicht  rechtfertigen.

C­2142/2010 H.  Mit  Zwischenverfügung  vom  9. Juni  2010  setzte  das  Bundesverwaltungsgericht  den  provisorischen  Tarif  für  die  stationäre  Behandlung  im  X._______  ab  1. Januar  2010  auf  Fr. 263.­  (Tagesvollpauschale) fest (act. 10). I.  Das BAG vertrat  in  seiner Stellungnahme  vom 1. Juli  2010  die Ansicht,  hinsichtlich Kostendeckungsgrad könne der Empfehlung der PUE gefolgt  werden.  Die  Beschwerdeführerin  zweifle  die  Gesetzeskonformität  des  Leistungsangebotes  mit  Aktivitätscharakter  an,  ohne  diese  Rüge  hinreichend  zu  substantiieren.  Die  von  der  Vorinstanz  vorgenommene  Beschränkung  auf  die  psychiatrische  Behandlung  widerspreche  dem  Grundsatz,  wonach  die  stationäre  Behandlung  durch  eine  Pauschale  vergütet  werde.  Zudem  ergäben  sich  Unklarheiten:  Wenn  das  vom  X._______  angestellte  Personal  nicht  psychiatrische,  sondern  allgemeinmedizinische oder ­pflegerische Verrichtungen ausführe, wären  diese durch die Pauschale nicht abgegolten.  J.  Der  Beschwerdegegner  reichte  mit  Datum  vom  28. Juli  2010  seine  Bemerkungen  zur  Stellungnahme  des  BAG  ein  (act. 19).  Er  machte  insbesondere geltend, aufgrund früherer Vertragsverhandlungen habe er  nach  Treu  und  Glauben  davon  ausgehen  dürfen,  dass  die  Beschwerdeführerin  auch  ohne  Kostenstellenrechnung  einen  Kostendeckungsgrad  von über  98% akzeptieren würde. Der Auffassung  des  BAG, wonach medizinische Behandlungen  als  Folgen  des Alkohol­  und  Medikamentenkonsums  vom  Leistungsauftrag  mit  erfasst  sein  sollten,  stünden  auch  die  Erwägungen  des  Bundesrates  (unveröffentlichter  Bundesratsentscheid  [BRE]  vom  8. November  2000)  betreffend Spitalliste des Kantons Luzern entgegen. Für ambulante oder  stationäre  Behandlungen,  welche  in  den  Bereich  der  somatischen  Medizin  gehörten,  würden  die  Patientinnen  und  Patienten  an  externe  Leistungserbringer überwiesen, wobei eine Hospitalisierung zum Austritt  aus dem X._______ führe. Bei Bagatellerkrankungen, deren Behandlung  vom  Personal  des  X._______  ausgeführt  werden  könne,  würden  selbstverständlich keine zusätzlichen Vergütungen verlangt.   K.  Die Beschwerdeführerin hielt mit Eingabe vom 10. August 2010 an ihren  Anträgen  fest  (act. 20).  Der  Kostendeckungsgrad  sei  –  mangels 

C­2142/2010 Leistungserfassung – auf 92% zu beschränken. Zu den Pflichtleistungen  gehörten  zwar  die  therapeutische  Entwöhnung,  nicht  aber  reintegrative  Massnahmen  wie  die  Vorbereitung  auf  den  Wiedereinstieg  in  die  Arbeitswelt.  Die  Abgrenzung  der  kassenpflichtigen  und  nicht­ kassenpflichtigen  Leistungen  sei  ohne  exakte  Leistungserfassung  kaum  möglich.  L.  Die Vorinstanz liess sich zu den Stellungnahmen der PUE und des BAG  nicht vernehmen (vgl. act. 21 ff.). M.  Auf  die  weiteren  Vorbringen  der  Parteien  und  die  eingereichten  Akten  wird,  soweit  für  die  Entscheidfindung  erforderlich,  im  Rahmen  der  nachfolgenden Erwägungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  Nach  Art. 53  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom  18. März  1994  über  die  Krankenversicherung  (KVG,  SR  832.10)  kann  gegen  Beschlüsse  der  Kantonsregierungen  nach  Art. 47  KVG  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  geführt  werden.  Der  angefochtene  RRB  Nr. ____  vom  2. März  2010  wurde  gestützt  auf  Art. 47  Abs. 1  KVG  erlassen.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  deshalb  zur  Beurteilung  der  Beschwerde  zuständig (vgl. auch Art. 90a Abs. 2 KVG). 2.  Das  Verfahren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  richtet  sich  gemäss  Art. 37  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  (VGG,  SR  173.32)  und  Art. 53  Abs. 2  Satz 1  KVG  grundsätzlich  nach  dem  Bundesgesetz  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021).  Vorbehalten  bleiben  allfällige  Abweichungen  des  VGG und die besonderen Bestimmungen des Art. 53 Abs. 2 KVG.  2.1.  Die  Beschwerdeführerin  hat  am  vorinstanzlichen  Tariffestsetzungsverfahren  teilgenommen,  ist  als  primäre  Adressatin  durch  den  angefochtenen  Regierungsratsbeschluss  besonders  berührt  und  hat  insoweit  an  dessen  Aufhebung  bzw.  Abänderung  ein  schutzwürdiges  Interesse  (vgl.  Art. 48  VwVG).  Sie  ist  daher  zur 

C­2142/2010 Beschwerde  legitimiert.  Auf  die  frist­  und  formgerecht  erhobene  Beschwerde ist, nachdem auch der Kostenvorschuss rechtzeitig geleistet  wurde, einzutreten  (vgl. Art. 50 Abs. 1, Art. 52 Abs. 1 und Art. 63 Abs. 4  VwVG). 2.2.  Die  Beschwerdeführerin  kann  im  Rahmen  des  Beschwerdeverfahrens die Verletzung von Bundesrecht unter Einschluss  des Missbrauchs oder der Überschreitung des Ermessens, die unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  sowie  die  Unangemessenheit  des  Entscheids  beanstanden  (Art. 49  VwVG). Neue Tatsachen und Beweismittel dürfen nur so weit vorgebracht  werden,  als  erst  der  angefochtene  Beschluss  dazu  Anlass  gibt.  Neue  Begehren sind unzulässig (Art. 53 Abs. 2 Bst. a KVG).  Tariffestsetzungsbeschlüsse  nach  Art. 47  KVG  sind  vom  Bundesverwaltungsgericht  mit  voller  Kognition  zu  überprüfen  (im  Unterschied  zu  Beschlüssen  über  die  Spitalplanung;  vgl.  Art. 53  Abs. 2  Bst. e KVG). 2.2.1. Nach der Rechtsprechung hat auch eine Rechtsmittelbehörde, der  volle  Kognition  zusteht,  in  Ermessensfragen  einen  Entscheidungsspielraum  der  Vorinstanz  zu  respektieren.  Sie  hat  eine  unangemessene Entscheidung  zu  korrigieren,  kann aber der Vorinstanz  die Wahl unter mehreren angemessenen Lösungen überlassen (BGE 133  II  35 E. 3). Das Bundesverwaltungsgericht  hat  daher nur den Entscheid  der  unteren  Instanz  zu  überprüfen  und  sich  nicht  an  deren  Stelle  zu  setzen  (vgl.  BGE  126  V  75  E. 6).  Insbesondere  dann,  wenn  die  Ermessensausübung, die Anwendung unbestimmter Rechtsbegriffe oder  die  Sachverhaltswürdigung  hoch  stehende,  spezialisierte  technische,  wissenschaftliche  oder  wirtschaftliche  Kenntnisse  erfordert,  ist  eine  Zurückhaltung  des  Gerichts  bei  der  Überprüfung  vorinstanzlicher  Bewertungen angezeigt (vgl. BGE 135 II 296 E. 4.4.3, BGE 133 II 35 E. 3,  BGE  128  V  159  E. 3b/cc).  Es  stellt  daher  keine  unzulässige  Kognitionsbeschränkung  dar,  wenn  das  Gericht  –  das  nicht  als  Fachgericht  ausgestaltet  ist  –  nicht  ohne  Not  von  der  Auffassung  der  Vorinstanz  abweicht,  soweit  es  um  die  Beurteilung  technischer,  wissenschaftlicher oder wirtschaftlicher Spezialfragen geht,  in denen die  Vorinstanz über ein besonderes Fachwissen verfügt (vgl. BGE 135 II 296  E. 4.4.3, BGE 133 II 35 E. 3 mit Hinweisen; siehe zum Ganzen auch YVO  HANGARTNER,  Behördenrechtliche  Kognitionsbeschränkungen  in  der  Verwaltungsrechtspflege,  in:  Benoît  Bovay/Minh  Son  Nguyen  [Hrsg.], 

C­2142/2010 Mélanges  en  l'honneur  de  Pierre  Moor,  Bern  2005,  S. 319 ff.;  RETO  FELLER/MARKUS  MÜLLER,  Die  Prüfungszuständigkeit  des  Bundesverwaltungsgerichts  –  Probleme  der  praktischen  Umsetzung,  Schweizerisches  Zentralblatt  für  Staats­  und  Verwaltungsrecht  [ZBl]  110/2009 S. 442 ff.).  2.2.2.  Im  Bereich  der  Tariffestsetzungen  gilt  es  indessen  zu  beachten,  dass die Kantonsregierung die PUE zunächst anhören (vgl. Art. 14 Abs. 1  des  Preisüberwachungsgesetzes  vom  20. Dezember  1985  [PüG,  SR  942.20]; BVGE 2010/25 E. 2.3.2) und zudem begründen muss, wenn sie  deren  Empfehlung  nicht  folgt  (Art. 14  Abs. 2  PüG).  Nach  der  Rechtsprechung des Bundesrates kommt den Empfehlungen der PUE ein  besonderes Gewicht zu, weil die auf Sachkunde gestützte Stellungnahme  bundesweit  einheitliche  Massstäbe  bei  der  Tariffestsetzung  setzt  (vgl.  RKUV  1997  KV  16  S. 343  E. 4.6).  Das  Gericht  hat  sich  insbesondere  dann  eine  Zurückhaltung  aufzuerlegen,  wenn  der  Entscheid  der  Vorinstanz  mit  den  Empfehlungen  der  PUE  übereinstimmt  (BVGE  2010/25 E. 2.4.2). 2.2.3. Weicht die Kantonsregierung hingegen von den Empfehlungen der  PUE  ab,  kommt  weder  der  Ansicht  der  PUE  noch  derjenigen  der  Vorinstanz generell ein Vorrang zu (vgl. auch DANIEL STAFFELBACH/YVES  ENDRASS,  Der  Ermessensspielraum  der  Behörden  im  Rahmen  des  Tariffestsetzungsverfahrens nach Art. 47  in Verbindung mit Art. 53 KVG,  Zürich etc. 2006 Rz. 231). Nach dem Willen des Gesetzgebers obliegt es  – trotz  Anhörungs­  und  Begründungspflicht  gemäss  Art. 14  PüG  –  der  Kantonsregierung, bei vertragslosem Zustand den Tarif festzusetzen (vgl.  auch  RKUV  2004  KV  265  S. 2  E. 2.4;  RUDOLF  LANZ,  Die  wettbewerbspolitische  Preisüberwachung,  in:  Thomas  Cottier/  Matthias  Oesch  [Hrsg.],  Schweizerisches  Bundesverwaltungsrecht,  Band  XI,  Allgemeines  Aussenwirtschafts­  und  Binnenmarktrecht,  2. Aufl.,  Basel  2007, N. 113). Das Gericht hat in diesen Fällen namentlich zu prüfen, ob  die Vorinstanz die Abweichung in nachvollziehbarer Weise begründet hat.  Im  Übrigen  unterliegen  die  verschiedenen  Stellungnahmen  –  auch  der  weiteren  Verfahrensbeteiligten  –  der  freien  Beweiswürdigung  bzw.  Beurteilung  durch  das  Bundesverwaltungsgericht  (BVGE  2010/25  E. 2.4.3). 3. 

C­2142/2010 3.1.  Gemäss  Art. 43  KVG  erstellen  die  Leistungserbringer  ihre  Rechnungen  nach  Tarifen  oder  Preisen  (Abs. 1).  Der  Tarif  ist  die  Grundlage  für die Berechnung der Vergütung; er kann namentlich einen  Zeittarif  oder  einen  Pauschaltarif  vorsehen  (Abs. 2  Bst. a  und c).  Tarife  und  Preise  werden  in  Verträgen  zwischen  Versicherern  und  Leistungserbringern  (Tarifvertrag)  vereinbart  oder  in  den  vom  Gesetz  bestimmten  Fällen  von  der  zuständigen  Behörde  festgesetzt.  Dabei  ist  auf  eine  betriebswirtschaftliche  Bemessung  und  eine  sachgerechte  Struktur  der  Tarife  zu  achten  (Abs. 4).  Die  Vertragspartner  und  die  zuständigen Behörden achten darauf, dass eine qualitativ hochstehende  und  zweckmässige  gesundheitliche  Versorgung  zu  möglichst  günstigen  Kosten erreicht wird (Abs. 6). 3.2.  Parteien  eines  Tarifvertrages  sind  einzelne  oder  mehrere  Leistungserbringer  oder  deren Verbände  einerseits  sowie  einzelne  oder  mehrere  Versicherer  oder  deren  Verbände  anderseits  (Art. 46  Abs. 1  KVG).  Der  Tarifvertrag  bedarf  der  Genehmigung  durch  die  zuständige  Kantonsregierung oder, wenn er in der ganzen Schweiz gelten soll, durch  den Bundesrat  (Art. 46 Abs. 4 Satz 1 KVG). Die Frist  für  die Kündigung  eines Tarifvertrages beträgt mindestens 6 Monate (Art. 46 Abs. 5 KVG). 3.3.  Kommt  zwischen  Leistungserbringern  und  Versicherern  kein  Tarifvertrag  zustande,  so  setzt  die  Kantonsregierung  nach Anhören  der  Beteiligten  den  Tarif  fest  (Art. 47  Abs. 1  KVG).  Können  sich  Leistungserbringer  und  Versicherer  nicht  auf  die  Erneuerung  eines  Tarifvertrages  einigen,  so  kann  die  Kantonsregierung  den  bestehenden  Vertrag  um  ein  Jahr  verlängern.  Kommt  innerhalb  dieser  Frist  kein  Vertrag zustande, so setzt sie nach Anhören der Beteiligten den Tarif fest  (Art. 47  Abs. 3  KVG).  Die  Kantonsregierung  kann  im  vertragslosen  Zustand nach der Auflösung eines bestehenden Vertrags entweder nach  Abs. 1 selbst einen Tarif festsetzen oder nach Abs. 3 den Vertrag um ein  Jahr verlängern (RKUV 2001 KV 177 S. 353 E. 2.1, in BVGE 2010/25 [C­ 3940/2009] nicht veröffentlichte E. 3.3 mit Hinweisen). 3.4.  Die  besonderen  Grundsätze  betreffend  Tarifverträge  mit  Spitälern  werden  in  Art. 49  KVG  geregelt.  Diese  sind  auch  von  der  Kantonsregierung zu beachten, wenn sie den Tarif hoheitlich festsetzt (in  BVGE  2010/62  [C­7967/2008]  nicht  veröffentlichte  E. 4.8.5,  in  BVGE  2010/25 [C­3940/2009] nicht veröffentlichte E. 3.4, je mit Hinweisen).

C­2142/2010 3.4.1. Die  in  Art.  49  Abs.  1  KVG  (in  der  ab  1.  Januar  2009  geltenden  Fassung)  neu  vorgesehenen  leistungsbezogenen  (Fall­)Pauschalen,  welche  auf  gesamtschweizerisch  einheitlichen  Strukturen  beruhen,  werden erst per 1. Januar 2012 eingeführt (vgl. Übergangsbestimmungen  zur  Änderung  vom  21. Dezember  2007  [Spitalfinanzierung]  Abs. 1).  Der  angefochtene  Entscheid  ist  daher  im  Lichte  des  Art.  49  KVG,  in  der  Fassung vom 18. März 1994 (AS 1995 1328), zu beurteilen (vgl. Abs. 4  der  erwähnten  Übergangsbestimmungen;  GEBHARD  EUGSTER,  Rechtsprechung des Bundesgerichts zum KVG, Zürich etc. 2010, Art. 49  N.  1).  Soweit  nicht  anders  vermerkt,  wird  Art. 49 KVG  im  Folgenden  in  der bis Ende 2008 in Kraft gestandenen Fassung zitiert. 3.4.2. Nach Art. 49 Abs. 1 KVG vereinbaren die Vertragsparteien  für die  Vergütung der stationären Behandlung einschliesslich Aufenthalt in einem  Spital  (im Sinne von Art. 39 Abs. 1 KVG) Pauschalen. Diese decken  für  Kantonseinwohner  und  ­einwohnerinnen  bei  öffentlichen  oder  öffentlich  subventionierten Spitälern höchstens 50% der anrechenbaren Kosten  je  Patient  oder  Patientin  oder  je  Versichertengruppe  in  der  allgemeinen  Abteilung.  Die  anrechenbaren  Kosten  werden  bei  Vertragsabschluss  ermittelt.  Betriebskostenanteile  aus  Überkapazität,  Investitionskosten  sowie Kosten für Lehre und Forschung werden nicht angerechnet. Nach  der  Rechtsprechung  des  Bundesrates  sind  jedoch  bei  Privatspitälern  ohne  öffentliche  Betriebsbeiträge  Investitionskosten  nur  soweit  nicht  anrechenbar,  als  sie  von  der  öffentlichen  Hand  nach  dem  Recht des zuständigen kantonalen oder kommunalen Gemeinwesens zu  tragen sind (RKUV 1997 KV 8 S. 220 E. II 8.7 S. 241, in RKUV 2005 KV  267 S. 28 [BRE vom 2. Juli 2003] nicht veröffentlichte E. II 7.2). 3.4.3.  Die  Vertragsparteien  können  vereinbaren,  dass  besondere  diagnostische  oder  therapeutische  Leistungen  nicht  in  der  Pauschale  enthalten  sind,  sondern  getrennt  in  Rechnung  gestellt  werden  (Art. 49  Abs. 2 Satz 1 KVG). 3.4.4.  Die  Spitäler  ermitteln  ihre  Kosten  und  erfassen  ihre  Leistungen  nach einheitlicher Methode; sie führen hiezu eine Kostenstellenrechnung  und  eine  Leistungsstatistik.  Die  Kantonsregierung  und  die  Vertragsparteien können die Unterlagen einsehen. Der Bundesrat erlässt  die nötigen Bestimmungen (Art. 49 Abs. 6 KVG).

C­2142/2010 3.5.  Gemäss  Art. 59c  der  Verordnung  vom  27. Juni  1995  über  die  Krankenversicherung (KVV, SR 832.102) hat die Genehmigungsbehörde  zu  prüfen,  ob  der  Tarifvertrag  namentlich  den  folgenden  Grundsätzen  entspricht:  Der  Tarif  darf  höchstens  die  transparent  ausgewiesenen  Kosten  der  Leistung  und  die  für  eine  effiziente  Leistungserbringung  erforderlichen  Kosten  decken  (Abs. 1  Bst. a  und  b).  Ein  Wechsel  des  Tarifmodells  darf  keine  Mehrkosten  verursachen  (Bst. c).  Die  Vertragsparteien  müssen  die  Tarife  regelmässig  überprüfen  und  anpassen, wenn die Erfüllung der Grundsätze nach Abs. 1 Bst. a und b  nicht  mehr  gewährleistet  ist.  Die  zuständigen  Behörden  sind  über  die  Resultate  der  Überprüfungen  zu  informieren  (Abs. 2).  Die  zuständige  Behörde wendet die Abs. 1 und 2 auch bei Tariffestsetzungen nach den  Art. 43 Abs. 5, Art. 47 oder Art. 48 KVG sinngemäss an (Abs. 3).  3.6.  Dem  Auftrag  des  Gesetzgebers,  die  nötigen  Bestimmungen  zur  Ermittlung der Kosten und Erfassung der Leistungen zu erlassen, ist der  Bundesrat  mit  dem  Erlass  der  Verordnung  vom  3. Juli 2002  über  die  Kostenermittlung  und  die  Leistungserfassung  durch  Spitäler  und  Pflegeheime  in  der  Krankenversicherung  (VKL,  SR 832.104)  nachgekommen  (in  Kraft  seit  1. Januar  2003  [AS  2002  2835]).  Die  aufgrund der KVG­Revision  zur Spitalfinanzierung am 22. Oktober 2008  geänderten Bestimmungen der VKL (AS 2008 5105) sind vorliegend nicht  anwendbar  (vgl.  E. 3.4.1;  in  BVGE  2010/25  [C­3940/2009]  nicht  veröffentlichte  E. 3.5).  Nachfolgend  werden  die  Verordnungsbestimmungen  deshalb  in  der  ab  1. Januar  2003  gültigen  Fassung zitiert.  3.6.1.  In  der  VKL  wurden  die  von  der  Rechtsprechung  entwickelten  Grundsätze  zur  Nachvollziehbarkeit  der  Kosten  übernommen  (in  BVGE  2010/62  [C­7967/2008]  nicht  veröffentlichte  E. 4.8.7.1  mit  Hinweis).  Sie  regelt  die  einheitliche  Ermittlung  der  Kosten  und  Erfassung  der  Leistungen im Spital­ und Pflegeheimbereich (Art. 1 Abs. 1 VKL) und gilt  für die nach Art. 39 KVG zugelassenen Spitäler und Pflegeheime (Art. 1  Abs. 2  VKL)  bzw.  seit  1. Januar  2009  auch  für  Geburtshäuser  (Art. 2  Abs. 2 VKL in der Fassung vom 22. Oktober 2008).  3.6.2. Die Ermittlung der Kosten und die Erfassung der Leistungen muss  gemäss  Art. 2  Abs. 1  VKL  so  erfolgen,  dass  damit  unter  anderem  die  Grundlagen  geschaffen  werden  für  die  Unterscheidung  der  Leistungen  und der Kosten zwischen der stationären, teilstationären, ambulanten und  Langzeitbehandlung (Bst. a), für die Bestimmung der Leistungen und der 

C­2142/2010 Kosten  der  OKP  in  der  stationären,  teilstationären,  ambulanten  und  Langzeit­Behandlung  im  Spital  (Bst. b­e),  für  die  Bestimmung  der  Leistungen und der Kosten der Krankenpflege bei Langzeitbehandlung im  Spital  (Bst. f) und  für die Ausscheidung der nicht anrechenbaren Kosten  der OKP in der stationären Behandlung im Spital (Bst. g). 3.6.3.  Gemäss  Art. 2  Abs. 2  VKL  soll  die  Unterscheidung  und  Bestimmung der in Abs. 1 genannten Kosten und Leistungen namentlich  erlauben:  die  Bildung  von  Kennzahlen  (Bst. a),  Betriebsvergleiche  auf  regionaler,  kantonaler  und  überkantonaler  Ebene  zur  Beurteilung  von  Kosten  und  Leistungen  (Bst. b),  die  Berechnung  der  Tarife  (Bst. c),  die  Berechnung  von Globalbudgets  (Bst. d),  die Aufstellung  von  kantonalen  Planungen (Bst. e), die Beurteilung der Wirtschaftlichkeit und Billigkeit der  Leistungserbringung  (Bst. f)  sowie  die  Überprüfung  der  Kostenentwicklung und des Kostenniveaus (Bst. g). 3.6.4.  Nach  Art. 9  VKL  müssen  Spitäler  und  Pflegeheime  eine  Kostenrechnung  führen,  in  der  die  Kosten  nach  dem  Leistungsort  und  dem  Leistungsbezug  sachgerecht  ausgewiesen  werden  (Abs. 1).  Die  Kostenrechnung  muss  insbesondere  die  Elemente  Kostenarten,  Kostenstellen,  Kostenträger  und  die  Leistungserfassung  umfassen  (Abs. 2).  Sie  muss  den  sachgerechten  Ausweis  der  Kosten  für  die  Leistungen erlauben. Die Kosten sind den Leistungen in geeigneter Form  zuzuordnen (Abs. 3). Das Eidgenössische Departement des Innern kann  nähere  Bestimmungen  über  die  technische  Ausgestaltung  der  Kostenrechnung erlassen. Es hört dabei die Kantone, Leistungserbringer  und Versicherer an (Abs. 6). 3.6.5.  Art. 10  VKL  verpflichtet  die  Spitäler,  eine  Finanzbuchhaltung  zu  führen. Grundlage  ist  die Nomenklatur  des Kontenrahmens  von H+ Die  Spitäler der Schweiz (unveränderte Ausgabe 1999) (Abs. 1). Die Spitäler  müssen  die  Kosten  der  Kostenstellen  nach  der  Nomenklatur  des  Leistungsangebots  der  nach dem Anhang  zur Verordnung  vom 30. Juni  1993  über  die  Durchführung  von  statistischen  Erhebungen  des  Bundes  durchgeführten Krankenhausstatistik ermitteln (Abs. 2). Zur Ermittlung der  Kosten für Anlagenutzung ist eine Anlagebuchhaltung zu führen (Abs. 3).  Es ist eine Kosten­ und Leistungsrechnung zu führen (Abs. 4). 4.  Streitig  und  im  vorliegenden  Verfahren  zu  beurteilen  ist  einerseits  die  Rechtmässigkeit  der  von  der  Vorinstanz  festgesetzten 

C­2142/2010 Tagesvollpauschale (ab 1. Januar 2010) von Fr. 286.­ (nachfolgend E. 5),  andererseits die Präzisierung, wonach diese Pauschale nur die stationäre  psychiatrische Behandlung abdecke (nachfolgend E. 6). 5.  Grundsätzlich  unbestritten  und  vom  Bundesverwaltungsgericht  nicht  zu  beanstanden  sind  die  von  der  Vorinstanz  ermittelten  anrechenbaren  Kosten  (nach Art. 49 Abs. 1 KVG) von Fr. 286.12 pro Pflegetag. Streitig  ist jedoch der Kostendeckungsgrad. 5.1.  Nach  der  Rechtsprechung  des  Bundesrates,  die  vom  Bundesverwaltungsgericht  übernommen  wurde,  ist  der  Grad  der  Kostendeckung  je  nach  Kostentransparenz  abzustufen  (vgl.  auch  zum  Nachfolgenden:  BVGE  2010/25  E. 4  mit  Hinweisen).  Vollständige  Kostentransparenz ist dann gegeben, wenn ein Spital – wie seit 2003 von  der VKL ausdrücklich verlangt – eine gute Kostenstellenrechnung sowie  eine  vollständige,  qualitativ  gute,  ausreichend  detaillierte  Kostenträgerrechnung (inkl. Leistungserfassung) vorlegt. Die  Praxis  des  Bundesrates  zur  Abstufung  nach  Kostentransparenz  beruht im Wesentlichen auf den Empfehlungen der PUE (vgl. Spitaltarife  – Praxis  des  Preisüberwachers  bei  der  Prüfung  von  stationären  Spitaltarifen,  Dezember  2006,  S. 31  f.).  Bei  einem  öffentlichen  oder  öffentlich  subventionierten  Spital  beträgt  der  Kostendeckungsgrad  maximal  44%,  wenn  die  Tarifberechnung  nur  auf  einer  Finanzbuchhaltung  beruht.  Liegt  eine  gute  Kostensstellenrechnung,  jedoch keine Kostenträgerrechnung vor,  ist der Kostendeckungsgrad auf  46%  festzusetzen.  Ein  Kostendeckungsgrad  von  48%  kann  gewährt  werden,  wenn  eine  Kostenträgerrechnung  und  eine  Leistungserfassung  vorhanden  ist,  selbst wenn  diese  den Anforderungen  noch  nicht  restlos  genügen  (in  BVGE  2010/62  [C­7967/2008]  nicht  veröffentlichte  E. 5.2,  BVGE  2010/25  E. 4.1,  je  mit  Hinweisen).  Diese  Grundsätze  sind  sinngemäss  auch  auf  nicht  öffentlich  subventionierte  Privatspitäler  anwendbar, bei welchen volle Kostendeckung möglich ist (in RKUV 2005  KV 267 S. 28 [BRE vom 2. Juli 2003] nicht veröffentlichte E. 8.4, vgl. auch  BRE  2005­41  GR  vom  28. Februar  2007  E. 5.3).  Ein  Kostendeckungsgrad von 96% setzt demnach eine Kostenträgerrechnung  und  eine  Leistungserfassung  voraus,  derjenige  von  92%  eine  gute  Kostenstellenrechnung und derjenige von 88% eine Finanzbuchhaltung. 

C­2142/2010 5.2.  In  Anwendung  dieser  Grundsätze  wäre  in  casu  lediglich  ein  Kostendeckungsgrad von 88% zu gewähren, weil der Beschwerdegegner  nur  eine  Finanzbuchhaltung  vorgelegt  hat.  Die  Verfahrensbeteiligten  stimmen  jedoch  darin  überein,  dass  sich  unter  Berücksichtigung  der  konkreten Umstände ein höherer Deckungsgrad rechtfertigt.  5.2.1. Die PUE hat in ihrer Stellungnahme vom 18. Dezember 2009 einen  Kostendeckungsgrad von 96% empfohlen. Sie hat dies damit begründet,  dass  bei  sehr  kleinen  Institutionen  zur  Wahrung  des  Grundsatzes  der  Verhältnismässigkeit  gewisse  Zugeständnisse  bei  der  Qualität  der  Kostenrechnung  gemacht  werden  könnten.  Bei  einer  übersichtlichen  Betriebsbuchhaltung  könne  selbst  bei  fehlender  Kostenstellen­  und  Kostenträgerrechnung  ein  Kostendeckungsgrad  von  48%  bzw.  96%  akzeptiert  werden,  sofern  folgende  Voraussetzungen  erfüllt  seien:  Die  Institution  betreibt  nur  wenige  Betten,  behandelt  ausschliesslich  OKP­ Patientinnen  und  Patienten  und  verfügt  über  ein  sehr  enges  Leistungsspektrum,  welches  entsprechend mit  einem  einheitlichen  Tarif  abgegolten  wird.  Die  Betriebsbuchhaltung  könne  dann  quasi  als  eine  Kostenstellenrechnung  mit  einer  einzigen  Kostenstelle  interpretiert  werden  (act. 6  B 17).  Die  Kritik  der  Beschwerdeführerin,  wonach  nicht  zwischen  KVG­pflichtigen  und  nicht­KVG­pflichtigen  Leistungen  unterschieden werden könne, erachtete die PUE jedoch als gerechtfertigt  und einen Kostendeckungsgrad von 100% als nicht angemessen (act. 9). 5.2.2.  Die  Vorinstanz  hat  dem  Beschwerdeführer  einen  Kostendeckungsgrad von 100% gewährt mit der Begründung, es bestehe  vollständige  Transparenz,  weshalb  ein  Intransparenzabzug  nicht  gerechtfertigt  sei. Es  bestehe  keine Gefahr,  dass die OKP  für mehr  als  100% der anrechenbaren Kosten aufkommen müsse. Sowohl Vorinstanz  als  auch der Beschwerdeführer  vertreten  die Ansicht,  ein Abzug wegen  Intransparenz hätte lediglich "pönalen Charakter".  5.2.3.  Die  Beschwerdeführerin  erklärte  sich  bereit,  einen  Kostendeckungsgrad  von  92%  zu  akzeptieren.  Da  weder  eine  vollständige  Leistungserfassung  noch  eine  Kostenträgerrechnung  vorliege,  sei  die  Transparenz  der  Kostendaten  nicht  gewährleistet.  Insbesondere werde nicht hinreichend dargelegt, ob die ausgewiesenen  Kosten ausschliesslich für Leistungen im Bereich der Grundversicherung  angefallen seien, oder ob es sich allenfalls um Nichtpflichtleistungen oder  sogar um gemeinwirtschaftliche Kosten handle.

C­2142/2010 5.2.4. Nach Ansicht des BAG kann der Empfehlung der PUE gefolgt und  ein Kostendeckungsgrad von 96% akzeptiert werden. 5.3.  Die  von  der  PUE  vorgenommene  Konkretisierung  für  kleine  Institutionen  erscheint  sachgerecht  und  nachvollziehbar.  Bei  der  praxisgemäss  vorgenommenen  Abstufung  des  Kostendeckungsgrades  geht  es  –  wie  der  Bundesrat  in  seinen  Entscheiden  regelmässig  festgehalten  hat  –  um  eine  Übergangslösung,  bis  die  gemäss  Art. 49  Abs. 6  KVG  (und  seit  2003  der  VKL)  erforderlichen  einheitlichen  Instrumente zur Betriebsrechnung und Leistungsstatistik eingeführt sind.  Dabei handle es sich nicht um ein Tarifmodell, das mathematisch genau  angeben  könne,  wie  viele  Prozente  im  konkreten  Fall  die  zulässige  Deckungsquote  betrage.  Vielmehr  gehe  es  darum,  die  verfügbaren  Unterlagen  zu  bewerten  und  dabei  abzuschätzen,  wo  sie  Kostentransparenz bieten und wo noch Lücken bestehen. Diese Lücken  in der Transparenz seien bei der Bestimmung der für die strittigen Tarife  angemessenen  Deckungsquote  zu  berücksichtigen  (RKUV  1997  KV  16  S. 343, E. II. 7.1.3,  in RKUV 2005 KV 267 S. 28  [BRE vom 2. Juli 2003]  nicht  veröffentlichte  E. II  8.4).  Betreibt  eine  Klinik  nur  wenige  Betten,  behandelt  ausschliesslich  OKP­Patientinnen  und  Patienten  und  verfügt  über ein sehr enges Leistungsspektrum, welches entsprechend mit einem  einheitlichen  Tarif  abgegolten  wird,  ist  die  Kostentransparenz  eher  gegeben  als  bei  grösseren  Spitälern  mit  einem  breiten  Leistungsspektrum,  die  auch  zusatzversicherte  Patientinnen  und  Patienten behandeln. Die Gefahr, dass die Tagespauschale mehr als das  gesetzliche  Maximum  deckt,  ist  bei  kleinen  Institutionen,  welche  die  genannten Voraussetzungen erfüllen, weit geringer.  Da diese Voraussetzungen beim X._______ ohne Zweifel erfüllt sind,  ist  der  Kostendeckungsgrad  entsprechend  der  Empfehlung  der  PUE  auf  96% festzusetzen.  5.4.  Die  Vorbringen  der  Beschwerdeführerin,  weshalb  der  Kostendeckungsgrad  tiefer  anzusetzen  sei,  überzeugen  ebenso  wenig  wie  die  Begründungen  der  Vorinstanz  und  des  Beschwerdegegners  für  einen Kostendeckungsgrad von 100%. 5.4.1.  Soweit  die  Beschwerdeführerin  geltend  macht,  die  im  Behandlungskonzept  des  X._______  vorgesehenen  Angebote  zur  Freizeitgestaltung  (kreatives  Gestalten,  Bewegung  und  Entspannung) 

C­2142/2010 seien als Nichtpflichtleistungen oder als gemeinwirtschaftliche Kosten zu  qualifizieren ist Folgendes festzuhalten:  5.4.1.1 Der Begriff  der gemeinwirtschaftlichen Leistungen wurde mit der  KVG­Revision zur Spitalfinanzierung neu in Art. 49 KVG (in der Fassung  vom 21. Dezember 2007) aufgenommen. Nach dessen Abs. 3 dürfen die  Vergütungen  bzw.  Pauschalen  nach  Abs. 1  keine  Kostenanteile  für  gemeinwirtschaftliche  Leistungen  enthalten.  Was  unter  gemeinwirtschaftlichen  Leistungen  zu  verstehen  ist,  wird  nicht  definiert;  es werden  lediglich  zwei Beispiele  angeführt:  die Aufrechterhaltung  von  Spitalkapazitäten  aus  regionalpolitischen  Gründen  (Bst. a)  sowie  die  Forschung und universitäre Lehre (Bst. b). Bei der Konkretisierung dieses  Begriffs  im Rahmen der Umsetzung der  neuen Spitalfinanzierung durch  die  Kantone  bestehen  offenbar  erhebliche  Unsicherheiten  (vgl.  Interpellation [10.4001] von Ruth Humbel vom 15. Dezember 2010 sowie  die  Antwort  des  Bundesrates  vom  11. März  2011,  Ziff. 3).  Selbst  wenn  diese  Einschränkung  vorliegend  bereits  zu  beachten  wäre  (vgl.  aber  vorne  E. 3.4.1),  könnten  die  von  der  Beschwerdeführerin  angeführten  Therapieangebote nicht als gemeinwirtschaftliche Leistungen bezeichnet  werden,  da  darunter  grundsätzlich  im  Interesse  der  Allgemeinheit  stehende Leistungen zu verstehen sind (vgl. auch den französischen und  den italienischen Text von Art. 49 Abs. 3 KVG:  lex coûts des prestations  d'intérêt  général,  i  costi  delle  prestazioni  economicamente  di  interesse  generale).  5.4.1.2  Therapieangebote  wie  kreatives  Gestalten,  Bewegung  und  Entspannung können bei einer auf Suchtbehandlung spezialisierten Klinik  nicht grundsätzlich als Nichtpflichtleistungen bezeichnet werden. Wie der  Beschwerdegegner  zu  Recht  geltend  macht,  gehören  solche  Massnahmen  regelmässig  zum  therapeutischen  Konzept  von  Suchtkliniken  und  dienen  im  Sinne  von  Art. 25  Abs. 1  KVG  der  Behandlung  von  Krankheiten.  Bestünden  tatsächlich  konkrete  Zweifel,  dass  der  Beschwerdegegner  nicht  nur  Pflichtleistungen  in  der  Kostenrechnung berücksichtigte, wäre ein Kostendeckungsgrad von 96%  kaum  gerechtfertigt.  Vorliegend  ergeben  sich  aufgrund  der  Akten  indessen  keine  Hinweise  dafür,  dass  auch  Nichtpflichtleistungen  fälschlicherweise als anrechenbare Kosten ausgewiesen worden wären.  5.4.2.  Ein  Kostendeckungsgrad  von  100%  kann  nur  gewährt  werden,  wenn die gesetzlichen Vorgaben betreffend transparente und einheitliche  Ermittlung der Kosten und Erfassung der Leistungen eingehalten wurden. 

C­2142/2010 Dass  bei  sehr  kleinen  Institutionen  die  Reduktion  des  Kostendeckungsgrades  geringer  ausfällt,  sofern  bestimmte  Voraussetzungen erfüllt sind (vgl. E. 5.2.1 und 5.3), bedeutet nicht, dass  diese  Spitäler  die  Bestimmungen  der  VKL  zur  Kostenermittlung  und  Leistungserfassung  nicht  zu  beachten  hätten.  Eine  Sonderregelung  für  kleine Institutionen ist nicht vorgesehen; seit dem 1. Januar 2009 gilt die  VKL  zudem  auch  für  die  –  regelmässig  als  kleine  Institutionen  ausgestalteten – Geburtshäuser.  Aus  dem  Umstand,  dass  die  Beschwerdeführerin  bei  früheren  Verhandlungen  offenbar  einen  Kostendeckungsgrad  von  über  98%  akzeptiert  hat,  kann  der  Beschwerdeführer  deshalb  nichts  zu  seinen  Gunsten  ableiten.  Sowohl  die  Tarifparteien  als  auch  der  Regierungsrat  als  Tariffestsetzungsbehörde  sind  an  die  gesetzlichen  Vorgaben  gebunden.  5.4.3.  In  ihrer Vernehmlassung beruft sich die Vorinstanz unter anderem  auf  die  Rechtsprechung  des  Eidgenössischen  Versicherungsgerichts  (EVG,  heute  Bundesgericht),  wonach  "…  von  den  gestützt  auf  Art. 39  Abs. 1 Bst. c  KVG  zur KVG­Praxis  zugelassenen Privatkliniken  (ebenso  wie von den öffentlichen oder öffentlich subventionierten Spitälern) kaum  verlangt  werden  [könne],  dass  sie  im  Rahmen  ihres  spezifischen  Leistungsauftrags  im  Grundversicherungsbereich  auf  Dauer  defizitär  arbeiten"  (in  BGE  132  V  299  [Urteil  K  21/03  vom  6. März  2006]  nicht  publizierte  E. 4.2.4).  Dazu  ist  zunächst  festzuhalten,  dass  das  EVG  in  diesem Fall die Frage zu beurteilen (und verneint) hatte, ob aufgrund von  Art. 6  Ziff. 1  der  Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR  0.101)  ein  Anspruch  auf  gerichtliche  Beurteilung  eines  Beschwerdeentscheides  des  Bundesrates  betreffend  Festsetzung  des  Spitaltarifs  durch  die  Kantonsregierung  bestehe.  Die  Frage,  ob  ein  Spital  einen  (justiziablen)  Anspruch auf kostendeckende Tarife habe, liess das Gericht offen (Urteil  EVG  K  21/03  vom  6. März  2006  E. 4.2.4  in  fine).  Weiter  ist  darauf  hinzuweisen,  dass  mit  den  Pauschalen  nach  Art. 49  Abs. 1  KVG  höchstens  (und  nicht  mindestens)  die  transparent  ausgewiesenen  anrechenbaren Kosten vergütet werden dürfen (vgl. auch Art. 59c Abs. 1  Bst. a KVV). Da auch notwendige Kosten – wie diejenigen  für Aus­ und  Weiterbildung  (vgl. Art. 7 Abs. 1 VKL) – nicht anrechenbar sind, können  nach den Grundsätzen des KVG nicht alle  im Spital anfallenden Kosten  durch  die  OKP  gedeckt  werden.  Dies  scheint  die  Vorinstanz  zu  verkennen,  wenn  sie  vorbringt,  es  könne  nicht  angehen,  den 

C­2142/2010 Beschwerdegegner  durch  einen  zu  tiefen  Tarif  dazu  zu  zwingen,  unter  den  Gestehungskosten  zu  arbeiten  und  damit  die  Gefährdung  seiner  wirtschaftlichen Existenz  in Kauf zu nehmen. Nach KVG obliegt es nicht  der OKP, für die wirtschaftliche Überlebensfähigkeit eines nicht öffentlich  subventionierten Privatspitals zu sorgen.  5.5.  Demnach  ist  die  Tagesvollpauschale  zu  Lasten  der  OKP  für  das  X._______ ab 1. Januar 2010 (bei einem Kostendeckungsgrad von 96%  und anrechenbaren Kosten von Fr. 286.­) auf Fr. 275.­ festzusetzen. 6.  Zu prüfen  bleibt  die  von  der Vorinstanz  vorgenommene Einschränkung,  wonach die Pauschale lediglich die stationäre psychiatrische Behandlung  abgelte. 6.1. Die Kompetenz zur hoheitlichen Tariffestsetzung umfasst neben der  Bestimmung  der  Preise  auch  die  abstrakte  Umschreibung  der  damit  abgegoltenen  Leistungen  und  jene  übrigen  Vorschriften  im  Sinne  von  Modalitäten,  die  bei  der  Ausstellung  einer  Rechnung  im  Einzelfall  berücksichtigt  werden  müssen,  damit  die  Höhe  des  geschuldeten  Betrages ordnungsgemäss errechnet und geltend gemacht werden kann  (RKUV 2002 KV 220 [nur elektronische Publikation] E. II. 8.2.2).  6.2.  Im  angefochtenen  Beschluss  äussert  sich  die  Vorinstanz  nur  zur –  grundsätzlich  bestehenden  –  Kompetenz  der  Tariffestsetzungsbehörde,  weitere Modalitäten zu regeln.  Im Übrigen wird  lediglich  festgehalten, es  seien  keine  Gründe  ersichtlich,  die  einer  Präzisierung,  dass  die  festgesetzte  Tagesvollpauschale  nur  für  stationäre  psychiatrische  Behandlungen zur Anwendung komme, entgegen stünden.  6.2.1.  Die  Beschwerdeführerin  rügt,  die  Beschränkung  auf  rein  psychiatrische Leistungen sei angesichts des Leistungsauftrages gemäss  Spitalliste  (Therapie  und  Rehabilitation  bei  Alkohol­  und  Medikamentenabhängigkeit,  Essstörungen,  Spiel­  und  anderen  Verhaltenssüchten)  nicht  gerechtfertigt  und  stelle  eine  Abweichung  von  der  bisherigen  Praxis  dar.  Eine  solche  Änderung  hätte  bei  der  Tariffestsetzung berücksichtigt werden müssen.  6.2.2.  Laut  Art. 6  Abs. 1  des  bis  Ende  2009  gültigen  Tarifvertrages  verrechnet  das  X._______  den  Versicherern  für  die  stationäre  Behandlung  eine  Vollpauschaltaxe  gemäss  Anhang  1.  Grundsätzlich  wurden  damit  alle  KVG­Pflichtleistungen  abgegolten.  Zusätzlich 

C­2142/2010 verrechenbare  Leistungen  wurden  im  Anhang  1  abschliessend  aufgeführt.  Demnach  konnten  –  neben  den  beim Austritt mitgegebenen  Medikamenten,  Mitteln  und  Gegenständen  gemäss  Punkt  1  und  2 –  folgende  Leistungen  zusätzlich  verrechnet  werden:  "Spezielle  Untersuchungen,  Laboranalysen  oder  Behandlungen  durch  eine  andere  ärztlich  geleitete  Institution  oder  durch  frei  praktizierende  Kassenärzte,  soweit  sie  im  X._______  nicht  selbst  durchgeführt  werden  können,  der  Behandlung  von  interkurrenten  Krankheiten  dienen  und  es  sich  um  Pflichtleistungen handelt."  6.2.3.  In  seinem  Schreiben  an  den  Regierungsrat  vom  17. Dezember  2009 stellte das X._______ den Antrag, eine Tagesvollpauschale für die  stationäre  Behandlung  von  Patientinnen  und  Patienten  des  X._______  festzusetzen.  Die  Einschränkung  auf  eine  stationäre  psychiatrische  Behandlung wurde formell nicht beantragt. In seiner Begründung wies der  Beschwerdegegner  am  Schluss  jedoch  noch  darauf  hin,  es  seien  auch  allfällige sonstige Vertragsanpassungen Gegenstand der Verhandlungen  gewesen. Aus Sicht  des X._______  sollte  im Anhang 1 noch deutlicher  formuliert  werden,  dass  die  stationäre  Therapie  im  X._______  nur  die  psychiatrische  Behandlung  umfasse,  jedoch  keine  medizinischen  Behandlungen der Folgen des Alkohol­ und Medikamentenkonsums. Dies  ergäbe sich auch aus dem Angebot des X._______, welches Grundlage  für die Aufnahme in die Spitalliste gebildet habe. Zu diesem Thema gäbe  es  hie  und  da  Rückfragen  und  Diskussionen  mit  einzelnen  Krankenversicherern.  Im  Übrigen  sei  der  Vertragstext  aus  Sicht  des  X._______ nach wie vor in Ordnung.  6.3. Wie  sich  bereits  im  Rahmen  des  vorliegenden  Verfahrens  gezeigt  hat,  führt  die  vom  Regierungsrat  beschlossene  Beschränkung  auf  psychiatrische  Leistungen  zu  erheblichen  Missverständnissen  bzw.  entspricht  im Ergebnis nicht dem, was der Beschwerdegegner eigentlich  wollte.  6.3.1. Das BAG weist in seiner Stellungnahme zutreffend darauf hin, dass  beispielsweise  bei  Fieber  oder  Entzündungen  die  Untersuchungen  und  die Verschreibung  von Medikamenten  selbst  dann nicht mehr durch die  Pauschale abgegolten wären, wenn diese Leistungen vom Personal des  X._______  erbracht  würden  (act. 15  Ziff. 3.6).  Dies  entsprach  indessen  nicht der Absicht des Beschwerdegegners. In seiner Eingabe vom 28. Juli  2010 hält er fest, es sei "absolut klar", dass für solche Behandlungen, die  vom  Psychiater  und  dem  Personal  des  X._______  erbracht  werden 

C­2142/2010 könnten  ("Bagatellsachen"),  keine  zusätzlichen  Vergütungen  verlangt  würden (act. 19 Ziff. 2).  6.3.2.  Nach  der  Rechtsprechung  des  Bundesrates  –  die  vom  Bundesverwaltungsgericht  weiterzuführen  ist  –  ist  im  vertragslosen  Zustand  die  hoheitliche  Regelung  von  Modalitäten  soweit  zulässig,  als  diese die Vorschriften des KVG beachten und sachlich notwendig sowie  geeignet  sind,  um  den  mit  ihnen  verfolgten  Zweck  (z.B.  ordnungsgemässe Rechnungsstellung) zu erreichen (RKUV 2002 KV 220  [nur elektronische Publikation] E. II. 8.2.2). 6.3.3.  Da  die  Vorinstanz  die  Beschränkung  auf  psychiatrische  Behandlung nicht weiter begründet hat, lässt sich nicht überprüfen, ob die  Regelung  geeignet  wäre,  den  angestrebten  Zweck  zu  erreichen.  Das  wahrscheinliche  Ziel,  die  bisherige  Regelung  zu  verdeutlichen,  kann  damit jedenfalls nicht verwirklicht werden. Da die Vertragsparteien bisher  eine  –  aus  Sicht  des  Gerichts  klare  –  Vereinbarung  getroffen  hatten,  welche Leistungen zusätzlich verrechnet werden können, wäre eine neue  Regelung  auch  nicht  notwendig  gewesen.  Es  hätte  ausgereicht,  die  vertragliche  Bestimmung  betreffend  zusätzlich  verrechenbaren  Leistungen  als  weiterhin  anwendbar  zu  erklären.  Weder  dem  Protokoll  über  die  Verhandlung  vom  21. September  2009  (act. 6  B 7)  noch  den  Vorbringen  der  Parteien  lässt  sich  entnehmen,  dass  die  bisherige  Vereinbarung  inhaltlich  nicht  mehr  einem  Konsens  entsprechen  würde  und  dazu  eigentliche  Verhandlungen  geführt  wurden.  Gemäss  den  Ausführungen  des  Beschwerdegegners  (act. 19,  Ziff. 2)  scheint  das  Problem  zudem nur  darin  zu  bestehen,  dass  die  bisherige Bestimmung  im Anhang und nicht im Vertrag selber stand und die Krankenversicherer  zum  Teil  explizit  darauf  aufmerksam  gemacht  werden  mussten.  Eine  solche geringfügige "Unklarheit" kann ohne Weiteres  in Kauf genommen  werden,  bis  sich  die  Tarifparteien  auf  einen  neuen  Vertrag  geeinigt  haben.  6.4.  Die  Beschwerdeführerin  hat  die  Beschränkung  auf  psychiatrische  Behandlungen demnach zu Recht beanstandet. 7.  Aufgrund  der  vorstehenden  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  Beschwerde  teilweise  gutzuheissen  ist.  Ziff. 1  des  angefochtenen  Beschlusses ist aufzuheben und durch folgende Anordnung zu ersetzen:  "Für  die  Vergütung  der  stationären  Behandlung  von  obligatorisch 

C­2142/2010 krankenpflegeversicherten Patientinnen und Patienten  im X._______ gilt  ab dem 1. Januar 2010 eine Tagesvollpauschale von Fr. 275.­. Zusätzlich  verrechnet  werden  können  die  Leistungen  gemäss  Anhang  1  des  (per  Ende  2009  gekündigten)  Tarifvertrages  vom  14. September  2007  zwischen dem Verein X._______ und santésuisse." Da  das  Bundesverwaltungsgericht  mit  Zwischenverfügung  vom  9. Juni  2010  den  provisorischen  Tarif  ab  1. Januar  2010  auf  Fr. 263.­  (Tagesvollpauschale)  festgesetzt  hat,  wird  der  Beschwerdegegner  die  Tarifdifferenz (von Fr. 12.­) nachfordern können, soweit der provisorische  Tarif zur Anwendung gelangte. 8.  Zu  befinden  bleibt  noch  über  die  Verfahrenskosten  und  eine  allfällige  Parteientschädigung. 8.1. Gemäss Art. 63 Abs. 1 VwVG sind die Verfahrenskosten in der Regel  der unterliegenden Partei aufzuerlegen. Unterliegt diese nur teilweise, so  werden  die  Verfahrenskosten  ermässigt.  Der  Vorinstanz  werden  keine  Verfahrenskosten auferlegt (Art. 63 Abs. 2 VwVG). 8.1.1.  Die  Beschwerdeführerin  obsiegt  insofern,  als  die  vom  Regierungsrat  festgesetzte  Tagesvollpauschale  zu  reduzieren  ist  (von  Fr. 286.­  auf  Fr. 275.­)  und  sie  die  Beschränkung  auf  psychiatrische  Leistungen beanstandete. Mit  ihrem Antrag,  die Pauschale auf Fr. 263.­  festzusetzen,  ist  sie  indessen  nicht  durchgedrungen.  Demnach  obsiegt  die Beschwerdeführerin nur  teilweise;  der Beschwerdegegner – welcher  die  Abweisung  der  Beschwerde  beantragt  hat  –  ist  entsprechend  ebenfalls teilweise durchgedrungen.   8.1.2.  Unter  Berücksichtigung  des  Umfangs  und  der  Schwierigkeit  der  Streitsache,  Art  der  Prozessführung  und  finanzieller  Lage  der  Parteien  (vgl.  Art. 63  Abs. 4bis  VwVG;  zur  Qualifikation  als  vermögensrechtliche  Streitigkeit  vgl.  BVGE  2010/14  E. 8.1.3)  sind  die  Verfahrenskosten  vorliegend  auf  Fr. 4'000.­  festzusetzen.  Entsprechend  dem  teilweisen  Obsiegen  bzw.  Unterliegen  sind  davon  Fr. 2'500.­  dem  Beschwerdegegner  aufzuerlegen.  Die  Beschwerdeführerin  hat  Gerichtskosten  von  Fr. 1'500.­  zu  tragen,  welche  mit  dem  geleisteten  Kostenvorschuss zu verrechnen sind. Der Restbetrag von Fr. 2'500.­ wird  zurückerstattet.

C­2142/2010 8.2.  Der  teilweise  obsiegenden  Beschwerdeführerin  ist  gemäss  Art. 64  Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 7 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  (VGKE,  SR 173.320.2)  eine  reduzierte  Parteientschädigung  zu  Lasten  des Beschwerdegegners (vgl. Art. 64 Abs. 2 und 3 VwVG) zuzusprechen.  Unter  Berücksichtigung  der  eingereichten  Kostennote  sowie  des  nur  teilweisen Obsiegens erscheint eine Entschädigung von Fr. 3'000.­  (inkl.  Auslagen und Mehrwertsteuer) angemessen. Dem  nicht  anwaltlich  vertretenen  Beschwerdegegner  sind  keine  verhältnismässig  hohen  Kosten  entstanden,  weshalb  ihm  keine  Parteientschädigung zuzusprechen ist. 9.  Die  Beschwerde  in  öffentlich­rechtlichen  Angelegenheiten  an  das  Bundesgericht  gegen  Entscheide  auf  dem  Gebiet  der  Krankenversicherung,  die  das  Bundesverwaltungsgericht  gestützt  auf  Art. 33 Bst. i VGG in Verbindung mit Art. 53 Abs. 1 KVG getroffen hat, ist  gemäss  Art. 83  Bst. r  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  (BGG, SR 173.110) unzulässig. Das vorliegende Urteil ist somit endgültig. 

C­2142/2010 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die  Beschwerde  wird  in  dem  Sinne  gutgeheissen,  dass  Ziff. 1  des  angefochtenen Beschlusses aufgehoben und durch  folgende Anordnung  zu ersetzen ist:  Für  die  Vergütung  der  stationären  Behandlung  von  obligatorisch  krankenpflegeversicherten Patientinnen und Patienten  im X._______ gilt  ab dem 1. Januar 2010 eine Tagesvollpauschale von Fr. 275.­. Zusätzlich  verrechnet  werden  können  die  Leistungen  gemäss  Anhang 1  des  (per  Ende  2009  gekündigten)  Tarifvertrages  vom  14. September  2007  zwischen dem Verein X._______ und santésuisse. 2.  Die  Anordnung  gemäss  Ziff. 1  des  Urteilsdispositivs  ist  durch  die  Vorinstanz im kantonalen Amtsblatt zu veröffentlichen.  3.  Dem  Beschwerdegegner  werden  Verfahrenskosten  von  Fr. 2'500.­  auferlegt. Der Betrag ist innert 30 Tagen nach Versand des vorliegenden  Urteils zu Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. Der  Beschwerdeführerin  werden  Verfahrenskosten  von  Fr. 1'500.­  auferlegt  und  mit  dem  geleisteten  Kostenvorschuss  verrechnet.  Der  Restbetrag von Fr. 2'500.­ wird zurückerstattet. 4.  Der  Beschwerdeführerin  wird  eine  Parteientschädigung  zu  Lasten  des  Beschwerdegegners  in  der  Höhe  von  Fr. 3'000.­  (pauschal,  inkl.  Mehrwertsteuer) zugesprochen. 5.  Dieses Urteil geht an: – die  Beschwerdeführerin  (Gerichtsurkunde;  Beilage:  Rückerstattungsformular) – den  Beschwerdegegner  (Gerichtsurkunde;  Beilage:  Einzahlungsschein) – die Vorinstanz (Protokoll­Nr. ____; Gerichtsurkunde) – das Bundesamt für Gesundheit  – die Preisüberwachung

C­2142/2010 Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Johannes Frölicher Susanne Fankhauser Versand:

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