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Bundesverwaltungsgericht 10.02.2012 B-6762/2011

February 10, 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,838 words·~9 min·6

Summary

Öffentliches Beschaffungswesen | Projekt-ID 77270, Meldungsnummer 714825, WTO-Projekt (1124) 104 "Systematische Sammlung des Bundesrechts (SR), Nachträge"

Full text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l   Abteilung II B­6762/2011 Zw i s ch enen t s ch e i d   v om   1 0 .   Februar   2012   Besetzung Richter Marc Steiner (Vorsitz), Richterin Maria Amgwerd, Richterin Vera Marantelli,   Gerichtsschreiberin Laura Melusine Baudenbacher. Parteien A. _____ AG,  vertreten durch lic. iur. Konrad Jeker, Rechtsanwalt,  Bielstrasse 8, Postfach 663, 4502 Solothurn, Beschwerdeführerin,  gegen Bundesamt für Bauten und Logistik BBL,  Rechtsdienst, Fellerstrasse 21, 3003 Bern,   Vergabestelle.  Gegenstand Projekt­ID 77270, Meldungsnummer 714825, WTO­Projekt  (1124) 104 "Systematische Sammlung des Bundesrechts  (SR), Nachträge" / Wiedererwägungsgesuch betreffend  Zwischenentscheid des Bundesverwaltungsgerichts vom  26. Januar 2012.

B­6762/2011 Sachverhalt: A.  Das  Bundesamt  für  Bauten  und  Logistik  BBL  (im  Folgenden:  Vergabestelle)  schrieb  auf  der  Internetplattform  SIMAP  am  29.  September  2011  einen  Lieferauftrag  für  den Druck  von Nachträgen  zur  Systematischen Sammlung des Bundesrechts (SR) im offenen Verfahren  aus  (Meldungsnummer 691049). Am 25. November 2011 publizierte die  Vergabestelle  auf  SIMAP  unter  der  Meldungsnummer  714825  die  Zuschlagserteilung  an  die  dfmedia,  Flawil  (im  Folgenden:  Zuschlagsempfängerin). B.  Der hiergegen von der A. _____ AG (im Folgenden: Beschwerdeführerin)  mit Eingabe  vom 15. Dezember  2011  eingereichten Beschwerde wurde  mit superprovisorischer Anordnung vom 16. Dezember 2011 einstweilen  die aufschiebende Wirkung erteilt. C.  Nachdem  die  Vergabestelle  mit  ihrer  innert  erstreckter  Frist  erstatteten  Stellungnahme  vom  9.  Januar  2012  beantragt  hatte,  es  sei  ihr  superprovisorisch  zu  gestatten,  bis  zum  Entscheid  über  die  aufschiebende  Wirkung  die  Leistungen  von  der  bisherigen  Leistungserbringerin  vorläufig  weiter  zu  beziehen,  wurde  diesem  Begehren nach Anhörung der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 10.  Januar 2012 entsprochen. D.  Mit  Zwischenverfügung  vom  12.  Januar  2012  wurde  der  Beschwerdeführerin  die  Totaloffertsumme  der  Zuschlagsempfängerin  offen  gelegt  sowie  Einsicht  in  das  von  der  Vergabestelle  eingereichte  Aktenverzeichnis  und  Ordnerregister  gewährt.  Ausserdem  wurde  der  Beschwerdeführerin  der  hierzu  seitens  der  Vergabestelle  vorbereitete  Ordner  zugestellt,  welcher  die  unstreitig  der  Einsicht  unterstehenden  Dokumente  enthält.  Schliesslich  wurde  Akteneinsicht  gewährt  in  den  Evaluationsbericht  vom  21.  November  2011  gemäss  dem  gerichtlichen  Abdeckungsvorschlag  vom  10. Januar  2012,  wobei  die  Zustellung  des  Evaluationsberichts  aufgeschoben  und  später  mit  Verfügung  vom  23.  Januar 2012 vollzogen wurde. E.   Mit einer zweiten Verfügung betreffend die Akteneinsicht vom 25. Januar 

B­6762/2011 2012  wurden  der  Beschwerdeführerin  das  teilweise  abgedeckte  "Verzeichnis  für  die  'Technische  Ausrüstung'  der  BBL­Lieferanten  als  Marktstudie",  der  amtsinterne  Vermerk  der  Vergabestelle  vom  16.  September  2011  betreffend  den  Ausschluss  von  Varianten  und  Bietergemeinschaften, die Titelseite des Geschäftsberichts der Druckerei  Flawil  AG  für  das  Jahr  2010  zuzüglich  der  Seite  24  (Anhang  zur  Jahresrechnung enthaltend die Beteiligungsquoten), die auf die "dfmedia  Druckerei  Flawil  AG"  lautende  SQS­Bescheinigung  betreffend  Managementsysteme  gemäss  den  Anforderungen  von  ISO  9001  und  14001 sowie die der Offerte beiliegende Briefumschlagskopie zugestellt. F.  Mit  Zwischenentscheid  vom  26.  Januar  2012  kam  das  Bundesverwaltungsgericht  zum  Schluss,  dass  sich  die  Beschwerde  gestützt  auf  eine  prima  facie­Würdigung  als  offensichtlich  unbegründet  erweist, weshalb das Ersuchen um Erteilung der aufschiebenden Wirkung  abgewiesen wurde. G.  Die Beschwerdeführerin beantragt in ihrer Eingabe vom 31. Januar 2012,  die Zwischenverfügung vom 26. Januar 2012 sei  in Wiedererwägung zu  ziehen  und  der  Beschwerde  sei  die  aufschiebende  Wirkung  wiederzuerteilen.  Zudem  sei  die  Vergabestelle  anzuweisen,  bis  zur  einlässlichen  Stellungnahme  der  Beschwerdeführerin  zu  den  Eingaben  der  Vergabestelle  von  einem  Vertragsabschluss  mit  der  Zuschlagsempfängerin  abzusehen.  Schliesslich  sei  der  Beschwerdeführerin  eine  angemessene  Frist  zur  Rückäusserung  zur  Stellungnahme  der  Vergabestelle  zu  setzen.  Begründet  wird  das  Wiedererwägungsgesuch  einerseits  verfahrensrechtlich  dahingehend,  dass  der  Beschwerdeführerin  gestützt  auf  ihr  Replikrecht  Gelegenheit  hätte  gegeben  werden müssen,  vor  Ergehen  des  Zwischenentscheides  zu  den  Akten  Stellung  zu  nehmen.  Andererseits  sei  als  Sachverhaltselement  zu  berücksichtigen,  dass  eine  "C.  _____  AG"  mit  Sitz in St. Gallen gegründet worden sei, in welche die bisherige operative  Unternehmenseinheit  Druck  eingebracht  worden  sei.  Damit  stehe  fest,  dass  die  "dfmedia"  die  Gegenstand  der  Vergabe  bildenden  Leistungen  jedenfalls nicht selbst erbringen könne. H.  Der  Instruktionsrichter  wies  den  Antrag  auf  Wiederherstellung  der 

B­6762/2011 aufschiebenden  Wirkung,  soweit  er  als  Antrag  auf  superprovisorische  Anordnung zu verstehen ist, mit Verfügung vom 1. Februar 2012 ab. I.  Mit  Stellungnahme  vom  6.  Februar  2012  hielt  die  Vergabestelle  zum  Wiedererwägungsgesuch  der  Beschwerdeführerin  fest,  dieses  sei  zum  einen  deswegen  abzuweisen,  weil  keine  ursprüngliche  Fehlerhaftigkeit  aufgrund  unterlassener  Berücksichtigung  wesentlicher  Tatsachen  oder  Beweismittel  vorliege.  Zum  anderen  habe  keine  wesentliche  nachträgliche Änderung der Verhältnisse stattgefunden. J.  Mit  Verfügung  vom  8.  Februar  2012  wurde  festgestellt,  dass  die  Zuschlagsempfängerin  auf  eine  Stellungnahme  verzichtet  hatte.  Der  Antrag  der  Beschwerdeführerin,  es  sei  ihr  Frist  anzusetzen  zur  Rückäusserung  zur  Stellungnahme  der  Vergabestelle  vom  6.  Februar  2012, wurde abgewiesen.

B­6762/2011 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.   1.1. Da  das  Bundesverwaltungsgericht  gestützt  auf  Art.  28  Abs.  2  des  Bundesgesetzes  über  das  öffentliche  Beschaffungswesen  vom  16.  Dezember  1994  (BöB,  SR  172.056.1)  mit  Verfügung  vom  26.  Januar  2012 das im Rahmen einer Beschwerde gegen einen Zuschlag im Sinne  von Art. 29 Bst. a BöB gestellte Gesuch um Erteilung der aufschiebenden  Wirkung  beurteilt  hat,  ist  es  auch  für  die  Beurteilung  des  diesen  Zwischenentscheid betreffenden Wiedererwägungsgesuchs zuständig.  1.2. Gemäss Art. 37 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG,  SR  173.32)  richtet  sich  das  Verfahren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht vorbehaltlich abweichender Bestimmungen im  VGG  nach  dem  Bundesgesetz  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021). Gemäss Art. 45 VGG gelten  für  die  Revision  von  Entscheiden  des  Bundesverwaltungsgerichts  die  Artikel  121  bis  128  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  (BGG, SR 173.110) sinngemäss. In Art. 47 VGG wird in Bezug auf Inhalt  und  Form  des Revisionsgesuches  auf  Art. 67  Abs.  3  VwVG  verwiesen.  Über Art.  121  ff.  BGG hinausgehende Revisionsgründe  gemäss Art.  66  Abs.  2  VwVG  können  allenfalls  ein  Grund  sein,  ein  Wiedererwägungsgesuch zu behandeln. 2.  2.1. Gemäss Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG kann die Revision in öffentlich­ rechtlichen  Angelegenheiten  verlangt  werden,  wenn  die  ersuchende  Partei  nachträglich  erhebliche  Tatsachen  erfährt  oder  entscheidende  Beweismittel  auffindet,  die  sie  im  früheren  Verfahren  nicht  beibringen  konnte, unter Ausschluss der Tatsachen und Beweismittel, die erst nach  dem Entscheid entstanden sind. Art. 58 Abs. 1 VwVG bestimmt, dass die  Vorinstanz  bis  zu  ihrer Vernehmlassung  die  angefochtene Verfügung  in  Wiedererwägung  ziehen  kann. Ausserdem zieht  sie  ihren Entscheid  auf  Begehren  einer  Partei  in  Revision,  wenn  die  Partei  neue  erhebliche  Tatsachen oder Beweismittel vorbringt (Art. 66 Abs. 2 Bst. a VwVG) oder  nachweist,  dass  die  Beschwerdeinstanz  die  Bestimmungen  der  Artikel  26­28  VwVG  über  die  Akteneinsicht  oder  die  Artikel  29­33  VwVG  über  das  rechtliche  Gehör  verletzt  hat  (Art.  66  Abs.  2  Bst.  c  VwVG).  Dem  verfassungsmässigen  Anspruch  auf  rechtliches  Gehör  kommt  derart  elementare  Bedeutung  zu,  dass  dessen  Verletzung  im  Verwaltungsverfahren  einen  eigenständigen  Revisionsgrund  darstellt 

B­6762/2011 (KARIN  SCHERRER,  in:  Bernhard  Waldmann/Philippe  Weissenberger  [Hrsg.],  Praxiskommentar  zum  Bundesgesetz  über  das  Verwaltungsverfahren, Zürich/Basel/Genf 2009, Art. 66 N 38).  2.2.  Der  Wiedererwägung  kommt  nur  insofern  der  Charakter  eines  (ausserordentlichen)  Rechtsmittels  zu,  als  unter  gewissen  Voraussetzungen  die  Pflicht  besteht,  auf  ein  Wiedererwägungsgesuch  einzutreten  (RENÉ  RHINOW/HEINRICH  KOLLER/CHRISTINA  KISS/DANIELA  THURNHEER/DENISE  BRÜHL­MOSER,  Öffentliches  Prozessrecht,  2.  Aufl.,  Basel  2010,  Rz.  648).  In  diesem  Fall  ist  das  "qualifizierte  Wiedererwägungsgesuch"  mit  der  Revision  identisch  (KARIN SCHERRER,  Praxiskommentar  VwVG,  Art. 66  N 16).  Vorliegend  hat  die  Beschwerdeführerin  ein  Wiedererwägungsgesuch  in  Bezug  auf  einen  gerichtlichen  Zwischenentscheid  gestellt.  Ob  und  inwieweit  auf  diesen  trotz  der  Tatsache,  dass  hier  ein  gerichtlicher  Zwischenentscheid  angegriffen  wird,  und  dass  die  Beschwerde  in  öffentlich­rechtlichen  Angelegenheiten  gemäss  Art.  83  Bst.  f  BGG  zur  Verfügung  steht,  ein  Rechtsanspruch  auf  Wiedererwägung  bzw.  Revision  besteht  (vgl.  zum  Ganzen mutatis  mutandis  das  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  E­ 6114/2011 vom 18. Januar 2012, E. 2.2  ff.),  kann hier offen bleiben, da  auf  das  Wiedererwägungsgesuch  so  oder  anders  nicht  einzutreten  ist,  wie  die  nachfolgenden  Erwägungen  zeigen.  Jedenfalls  unbeachtlich  ist  das  Wiedererwägungsgesuch,  soweit  damit  die  erfolgte  rechtliche  Beurteilung in Frage gestellt werden soll. Das Bundesverwaltungsgericht  hat  mit  Zwischenentscheid  vom  26. Januar  2012  (insb.  E.  3.4  in  fine)  ausgeführt,  dass  eine  falsche  Bezeichnung  der  Zuschlagsempfängerin  keine  Begründung  darstellen  kann  für  die  Gewährung  der  aufschiebenden Wirkung,  solange klar  ist,  dass die evaluierte Druckerei  auch  druckt,  und  solange  keine  Anzeichen  dafür  bestehen,  dass  Eignungs­  oder  Zuschlagskriterien  anders  zu  beurteilen  wären.  Diese  Rechtsauffassung  kann nur mit  der Beschwerde  in öffentlich­rechtlichen  Angelegenheiten angegriffen werden. 3.   3.1.  Die  Beschwerdeführerin  macht  zunächst  in  verfahrensrechtlicher  Hinsicht und damit im Sinne von Art. 66 Abs. 2 Bst. c VwVG geltend, der  Beschwerde  sei  in  Verletzung  des  Gehörsanspruchs  und  des  konventionsrechtlich  garantierten  Replikrechts  (Art.  29  Abs.  2  der  Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April  1999 [BV, SR 101], Art. 6 Ziff. 1 der Konvention vom 4. November 1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  [EMRK,  SR 

B­6762/2011 0.101])  die  aufschiebende  Wirkung  entzogen  worden.  Der  submissionsrechtliche  Rechtsschutz,  dessen  Wirksamkeit  im  Wesentlichen  von  der  aufschiebenden Wirkung  abhänge,  sei  durch  die  Zwischenverfügung  ohne  Not  und  unter  Verletzung  des  rechtlichen  Gehörs  der  Gesuchstellerin  geschwächt  worden,  ohne  dass  ein  öffentliches Interesse dafür ersichtlich wäre (Wiedererwägungsgesuch, S.  2). Die Vergabestelle äussert sich dazu nicht. 3.2. Sachverhaltlich ist in diesem Zusammenhang zunächst festzustellen,  dass  die  Beschwerde  vom  15.  Dezember  2011  selbst  keinen  Antrag  enthalten hat, der Beschwerdeführerin sei nach gewährter Akteneinsicht  vor  Ergehen  des  Zwischenentscheides  betreffend  die  aufschiebende  Wirkung  Gelegenheit  zur  Beschwerdeergänzung  zu  geben,  was  im  Rahmen  von  Vergabebeschwerden  (unabhängig  vom  Erfolg  derartiger  Anträge) durchaus gelegentlich anbegehrt wird. Demnach kann jedenfalls  nicht  gesagt  werden,  dass  einzelne  Anträge  unbeurteilt  geblieben  sind  (vgl. dazu etwa im Rahmen der Revision bundesgerichtlicher Entscheide  Art. 121 Bst. c BGG). 3.3. Die Beschwerdeführerin  rügt  insbesondere gestützt auf Art. 6 Ziff. 1  EMRK, dass  ihr keine  instruktionsrichterliche Frist zur Stellungnahme zu  den  zugestellten  Akten  und  damit  auch  zur  Stellungnahme  der  Vergabestelle  vom  9.  Januar  2012  angesetzt  worden  ist.  In  diesem  Zusammenhang beruft sie sich pauschal und ohne nähere Ausführungen  auf  ihr  Replikrecht.  Dazu  ist  zunächst  festzuhalten,  dass  der  Rechtsprechung  des  Europäischen  Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  zum  fair  trial  auch  bei  der  Auslegung  von  Art.  29  Abs.  2  BV  Rechnung  zu  tragen  ist  (BGE  133  I  100  E.  4.5),  und  dass  das  Bundesgericht  in  Bezug  auf  das  Hauptverfahren  in  Änderung  seiner  Rechtsprechung ein weitgehendes Replikrecht anerkannt hat (BGE 132 I  42 E. 3). Ebenfalls zugunsten der Beschwerdeführerin zu berücksichtigen  ist der Umstand, dass aufgrund der neueren Rechtsprechung des EGMR  (Urteil der Grossen Kammer vom 15. Oktober 2009 in Sachen Micallef c/  Malta,  Nr.  17056/06,  insb.  §§ 79  ff.)  entgegen  PETER  GALLI/ANDRÉ  MOSER/ELISABETH  LANG/EVELYNE  CLERC,  Praxis  des  öffentlichen  Beschaffungsrechts,  1.  Band,  2.  Auflage,  Zürich  2007,  Rz.  773,  nicht  mehr  gesagt  werden  kann,  dass  vorsorgliche  bzw.  vorläufige  Massnahmen,  die  in  Abhängigkeit  eines  Verfahrens  in  der  Hauptsache  getroffen  werden,  grundsätzlich  ausserhalb  des  Geltungsbereichs  von  Art. 6 Abs. 1 EMRK liegen (möglicherweise anderer Ansicht ANDREAS R.  ZIEGLER, L'importance de  l'article 6 CEDH dans  la procédure de recours 

B­6762/2011 dans  le cadre des marchés publics en Suisse,  in: AJP 2011, S. 339  ff.,  insb. S.  345). Gleichwohl  können die Ausführungen  zum Replikrecht  im  Hauptverfahren  nicht  unbesehen  auf  den  Zwischenentscheid  betreffend  die aufschiebende Wirkung in Vergabesachen übertragen werden, wie im  Folgenden zu zeigen sein wird. 3.4.    Entgegen  den  Ausführungen  der  Beschwerdeführerin  gilt  ein  qualifiziertes Beschleunigungsgebot für Vergabesachen bis zum Ergehen  des  Zwischenentscheides  betreffend  die  aufschiebende  Wirkung  (vgl.  dazu  etwa  den  Zwischenentscheid  des  Bundesverwaltungsgerichts  B­ 3311/2009  vom  16.  Juli  2009  E.  12  mit  Hinweis,  und  zum  kantonalen  Rechtsmittelverfahren  etwa  das  Urteil  des  Bundesgerichts  2P.103/2006  vom 29. Mai 2006 E. 3.1). Daran ändert auch der Umstand nichts, dass  der  Vergabestelle  im  vorliegenden  Fall  mit  Verfügung  vom  10.  Januar  2012  instruktionsrichterlich  nach  Anhörung  der  Beschwerdeführerin  einstweilen erlaubt worden ist, bis zum Entscheid über die aufschiebende  Wirkung  die  Leistungen  von  der  Zuschlagsempfängerin  und  bisherigen  Erbringerin  der  Leistung  vorläufig  weiter  zu  beziehen.  Vielmehr  ist  das  Verfahren  so  oder  anders  möglichst  bald  einem  praxisgemäss  in  Dreierbesetzung  zu  fällenden  und  gemäss  Art.  83  Bst.  f  BGG  mit  Beschwerde  in  öffentlich­rechtlichen  Angelegenheiten  anfechtbaren  Zwischenentscheid  zuzuführen  (vgl.  zur  Dreierbesetzung  etwa  den  seitens  der  Beschwerdeführerin  beanstandeten  Zwischenentscheid  im  vorliegenden  Verfahren  vom  26.  Januar  2012  E.  1.5 mit  Hinweis).  Erst  wenn  die  Vergabestelle  den  Vertrag  abschliessen  darf,  wird  das  Verfahren  nicht  mehr  vom  qualifizierten  Beschleunigungsgebot  beherrscht. 3.5.  Bereits  die  Eidgenössische  Rekurskommission  für  das  öffentliche  Beschaffungswesen  (BRK)  hat  als  Vorgängerorganisation  des  Bundesverwaltungsgerichts  zur  Frage  der  Güterabwägung  zwischen  Beschleunigungsgebot  und  rechtlichem  Gehör  festgehalten,  dass  der  Entscheid  über  die  Gewährung  der  aufschiebenden  Wirkung  im  Sinne  einer  prima  facie­Würdigung  zu  fällen  sei.  Demzufolge  sei  auch  im  Verfahren  BRK  2006­011  auf  die  Durchführung  eines  zweiten  Schriftenwechsels  verzichtet  worden.  Eine  Gelegenheit  zur  Beschwerdeergänzung  habe  demnach  nicht  gegeben  werden  müssen  (Zwischenverfügung BRK 2006­011 vom 22. August 2011 E. 4c; vgl. zum  kantonalen  Rechtsmittelverfahren  das  Urteil  des  Bundesgerichts  2P.103/2006 vom 29. Mai 2006 E. 3.1). Ganz in diesem Sinne geht auch  das Bundesverwaltungsgericht davon aus, dass die Beschwerdeführerin 

B­6762/2011 keinen  Rechtsanspruch  darauf  hat,  ihre  Beschwerde  vor  Ergehen  des  Zwischenentscheides betreffend die aufschiebende Wirkung gestützt auf  die ihr zugestellten Akten zu ergänzen (vgl. zum Ganzen MARC STEINER,  Das  Verfahren  vor  Bundesverwaltungsgericht  in  Vergabesachen,  in:  Michael  Leupold  et  alii  [Hrsg.],  Der  Weg  zum  Recht  –  Festschrift  für  Alfred  Bühler,  Zürich  2008,  S.  405  ff.,  insb.  S.  425).  Dementsprechend  wird  im  Rahmen  des  Verfahrens  betreffend  die  Erteilung  der  aufschiebenden  Wirkung  in  der  Regel  auch  auf  die  Erhebung  von  Beweisen verzichtet (Zwischenentscheid des Bundesverwaltungsgerichts  B­7337/2010  vom  1.  Februar  2011).  Das  Beschleunigungsgebot  führt  insoweit  naturgemäss  zur  Einschränkung  des  rechtlichen  Gehörs  (Zwischenentscheid  des  Bundesverwaltungsgerichts  B­3311/2009  vom  16.  Juli  2009  E.  12).  Das  ist  auch  mit  Art.  6  Ziff.  1  EMRK  durchaus  vereinbar. Denn während etwa LUGINBÜHL  zu Recht  feststellt,  dass dem  Urteil  Micallef  c/  Malta  nicht  entnommen  werden  kann,  welche  Verfügungen die Grosse Kammer als genügend dringlich ansieht,  damit  auf  die  Ansetzung  einer  Frist  zum  Replikrecht  verzichtet  werden  darf,  kann demselben Autor nicht beigepflichtet werden, wenn er ausführt, es  sei aufgrund dieses Urteils in Bezug auf das Verfahren bis zum Entscheid  über die aufschiebende Wirkung vorläufig von denselben Prämissen wie  im  Hauptverfahren  auszugehen  (KASPAR  LUGINBÜHL,  EMRK  und  wirtschaftsverwaltungsrechtliche Zwischenverfügungen,  in: AJP 2011, S.  875  ff.,  insb.  S.  880  und  S.  884).  Vielmehr  ist  mit  dem  EGMR  festzuhalten,  dass  das  Verfahren  immer  im  Sinne  einer  Gesamtbetrachtung zu würdigen ist (so etwa das Urteil Micallef c/ Malta,  a.a.O.,  §  77;  vgl.  zum  Ganzen  JOCHEN  ABRAHAM  FROWEIN/WOLFANG  PEUKERT,  Europäische  Menschenrechtskonvention,  EMRK­Kommentar,  3.  Auflage,  Kehl  2009,  Art.  6  Rz.  113).  Demnach  ist  es  mit  dem  Konventionsrecht  ohne  weiteres  vereinbar,  der  Beschwerdeführerin  aufgrund  der  Abwägung  zwischen  Dringlichkeit  und  rechtlichem  Gehör  erst im Hauptverfahren Gelegenheit zur Beschwerdeergänzung zu geben. 3.6.  Die  Rekurskommission  hat  ausserdem  festgehalten,  es  könne  möglicherweise Anderes  gelten,  soweit  die Vergabestelle  neue Aspekte  aufwerfe  (Zwischenverfügung  BRK  2006­011  vom  22.  August  2006  E.  4c).  Auch  in  diesem  Punkt  hat  sich  das  Bundesverwaltungsgericht  der  Rechtsprechung der BRK angeschlossen. Dementsprechend ist etwa der  Beschwerdeführerin  im  vorliegenden  Verfahren  entgegen  dem  auf  superprovisorische  Anordnung  lautenden  Antrag  der  Vergabestelle  das  rechtliche  Gehör  gewährt  worden  zum  Begehren  auf  einstweilige  Erlaubnis  des  Leistungsbezugs  bei  der  Zuschlagsempfängerin  und 

B­6762/2011 bisherigen  Leistungserbringerin.  Indessen  behauptet  die  Beschwerdeführerin  zu  Recht  nicht,  sie  sei  von  den  mit  dem  Zwischenentscheid  vom  26.  Januar  2012  abgehandelten  Themen  überrascht worden. Vielmehr entsprechen die gerichtlichen Ausführungen  in allen Punkten Rügen, welche die Beschwerdeführerin vorgetragen hat.  3.7.  Zusammenfassend  ergibt  sich,  dass  der  Zwischenentscheid  vom  26. Januar 2012 aus verfahrens­ bzw. verfassungsrechtlicher Sicht nicht  zu  beanstanden  ist,  weshalb  die  entsprechenden  Rügen  der  Beschwerdeführerin  jedenfalls  nicht  dazu  führen  können,  dass  das  Bundesverwaltungsgericht  ihr  Wiedererwägungsgesuch  an  die  Hand  nimmt. 4.   4.1.  Die  Beschwerdeführerin  macht  des  Weiteren  geltend,  der  Zwischenentscheid  vom  26.  Januar  2012  beruhe  auf  der  falschen  sachverhaltlichen Annahme, dass die "Druckerei Flawil AG in der neuen  Tochtergesellschaft  von  dfmedia  und  B.  _____  AG  aufgehe",  was  aber  nachweislich  nicht  der  Fall  sei.  In  der  Zwischenzeit  stehe  nämlich  fest,  dass  die  Zuschlagsempfängerin  –  soweit  als  solche  überhaupt  die  Druckerei  Flawil  AG  zu  betrachten  sei  –  seit  dem  1.  Januar  2012  über  keine  Druckerei  mehr  verfüge  und  dass  die  Zuschlagskriterien,  welche  "der Druckerei Flawil AG zuerkannt" worden seien, nicht auf die erwähnte  Tochtergesellschaft übertragbar seien. Es sei mit der "C. _____ AG" mit  Sitz in St. Gallen eine neue Unternehmung gegründet worden, wobei die  bisherige  operative  Unternehmenseinheit  Druck  in  die  "C.  _____  AG"  eingebracht  werde.  Damit  stehe  fest,  dass  die  "dfmedia"  die  vergabegegenständlichen  Leistungen  nicht  selbst  erbringen  könne  (Wiedererwägungsgesuch,  S. 3 f.).  Damit  behauptet  die  Beschwerdeführerin  sinngemäss  entweder  das  Vorliegen  einer  nachträglich erfahrenen erheblichen Tatsache im Sinne von Art. 123 Abs.  2 Bst. a BGG oder allenfalls einer übersehenen oder neuen erheblichen  Tatsache im Sinne von Art. 66 Abs. 2 Bst. a und b VwVG. Indessen fehlt  dem diskutierten Sachverhaltselement  so oder anders die Erheblichkeit.  Diese ist gegeben, wenn die in Frage stehende Tatsache zu einer für die  Beschwerdeführerin vorteilhaften Änderung des Entscheids führen könnte  (Urteil B­3610/2009 vom 3. November 2009 E. 3.1.1; ELISABETH ESCHER,  in:  Marcel  Alexander  Niggli/Peter  Uebersax/Hans  Wiprächtiger  [Hrsg.],  Bundesgerichtsgesetz,  2.  Auflage,  Basel  2011, Rz.  9  zu Art.  121 BGG;  AUGUST MÄCHLER,  in:  Christoph  Auer/Markus Müller/Benjamin  Schindler  [Hrsg.],  Kommentar  zum  Bundesgesetz  über  das  Verwaltungsverfahren 

B­6762/2011 [VwVG], Zürich/St. Gallen 2008, Art. 66 N 18). Nachdem das Gericht, wie  in  Erwägung  2.2  hiervor  ausgeführt,  zum  Schluss  gekommen  ist,  dass  eine  falsche Bezeichnung der Zuschlagsempfängerin  keine Begründung  darstellen kann für die Gewährung der aufschiebenden Wirkung, solange  klar  ist,  dass  die  evaluierte  Druckerei  auch  druckt,  und  solange  keine  Anzeichen  dafür  bestehen,  dass  Eignungs­  oder  Zuschlagskriterien  anders zu beurteilen wären, kann die Frage, ob die Druckerei  in die  "C.  _____  AG"  eingebracht  worden  ist,  selbst  unter  der  Annahme,  im  Zuschlag an die "falsche" Unternehmung könne ein Verstoss gegen das  Vergaberecht  gesehen  werden,  im  Rahmen  der  Gewährung  der  aufschiebenden  Wirkung  nur  insofern  relevant  sein,  als  etwa  die  wirtschaftliche  Leistungsfähigkeit  der  Leistungserbringerin  in  Frage  gestellt  ist  oder  nicht  mehr  die  bisher  als  "Druckerei  Flawil  AG"  auftretende Unternehmung  die Druckleistungen  erbringt.  Das macht  die  Beschwerdeführerin aber gar nicht geltend. Damit sieht das Gericht auch  unter diesem Gesichtspunkt keinen Anlass, das Wiedererwägungsgesuch  der  Beschwerdeführerin  zu  behandeln.  Im  Übrigen  ist  darauf  hinzuweisen, dass die Beschwerdeführerin darauf verzichtet hat, bei der  Vergabestelle  den Widerruf  des  Zuschlags  im Sinne  von  Art.  11  Bst.  a  BöB wegen nicht mehr gegebener Eignung zu verlangen.  4.2.  Zusammenfassend  ergibt  sich,  dass  auf  das  Wiedererwägungsgesuch vom 31. Januar 2012 nicht einzutreten ist. Das  Nichteintreten  auf  ein  Wiedererwägungsgesuch  hemmt  den  durch  den  Zwischenentscheid vom 26. Januar 2012 ausgelösten Fristenlauf  für die  Beschwerde  in  öffentlich­rechtlichen  Angelegenheiten  nicht  (vgl.  per  analogiam ANDREA PFLEIDERER, Praxiskommentar VwVG, Art.  58 N 33).  Ursprüngliche  Fehler  des  Zwischenentscheides  vom  26.  Januar  2012  sind denn auch mit diesem Rechtsmittel zu rügen. Einzig soweit Noven in  Frage  stehen,  kommt  die  Anfechtung  der  vorliegenden Verfügung  beim  Bundesgericht allenfalls in Frage. 4.3. Die Instruktion des Hauptverfahrens erfolgt mit separater Verfügung  und die Regelung der Kostenfolgen des vorliegenden Entscheids wird im  Hauptverfahren getroffen.

B­6762/2011 Demnach verfügt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Auf das Wiedererwägungsgesuch wird nicht eingetreten. 2.  Das  Gesuch  um  Wiederherstellung  der  aufschiebenden  Wirkung  wird  abgewiesen. 3.  Die  Instruktion  des  Schriftenwechsels  im  Hauptverfahren  erfolgt  mit  separater Verfügung. 4.  Über  die  Kostenfolgen  des  vorliegenden  Zwischenentscheides  wird  mit  dem Endentscheid befunden. 5.  Dieser Zwischenentscheid geht an: – die Beschwerdeführerin (Rechtsvertreter; Gerichtsurkunde, vorab per  Fax) – die  Vergabestelle  (Ref­Nr.  SIMAP  Nr.  714825;  Gerichtsurkunde,  vorab per Fax – Die Zuschlagsempfängerin  (Rechtsvertreter; Einschreiben,  vorab per  Fax) Für die Rechtsmittelbelehrung wird auf die nächste Seite verwiesen. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Marc Steiner Laura Melusine Baudenbacher

B­6762/2011 Rechtsmittelbelehrung: Gegen diesen Zwischenentscheid  kann  innert  30 Tagen nach Eröffnung  beim  Bundesgericht,  1000  Lausanne  14,  Beschwerde  in  öffentlich­ rechtlichen  Angelegenheiten  geführt  werden  (Art. 82  ff.,  90  ff.  und  100  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR  173.110]),  soweit  er  einen  nicht  wieder  gutzumachenden  Nachteil  bewirken  kann  (Art.  93  Abs.  1  Bst.  a  BGG)  und  sich  eine  Rechtsfrage  von  grundsätzlicher  Bedeutung  stellt  (Art.  83  Bst.  f  Ziff.  2  BGG).  Die  Rechtsschrift  hat  die  Begehren,  deren  Begründung  mit  Angabe  der  Beweismittel  und  die  Unterschrift  zu  enthalten.  Der  angefochtene  Entscheid und die Beweismittel sind, soweit sie der Beschwerdeführer in  Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG). Versand: Per Fax: 10. Februar 2012 Postversand: 13. Februar 2012

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