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Bundesverwaltungsgericht 26.01.2012 B-6762/2011

January 26, 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·3,486 words·~17 min·2

Summary

Öffentliches Beschaffungswesen | Projekt-ID 77270, Meldungsnummer 714825, WTO-Projekt (1124) 104 "Systematische Sammlung des Bundesrechts (SR), Nachträge"

Full text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung II Postfach CH­3000 Bern 14 Telefon +41 (0)58 705 25 60 Fax +41 (0)58 705 29 80 www.bundesverwaltungsgericht.ch Geschäfts­Nr. B­6762/2011 stm/bau/gys Zw i s ch enen t s ch e i d vom   2 6 .   J a nua r   2012 Besetzung Richter Marc Steiner (Vorsitz), Richterin Maria Amgwerd, Richterin Vera Marantelli,  Gerichtsschreiberin Laura Melusine Baudenbacher. Parteien A. _____ AG,   vertreten durch lic. iur. Konrad Jeker, Rechtsanwalt,  Bielstrasse 8, Postfach 663, 4502 Solothurn, Beschwerdeführerin,  gegen Bundesamt für Bauten und Logistik BBL,  Rechtsdienst, Fellerstrasse 21, 3003 Bern,  Vergabestelle,  Gegenstand Beschaffungswesen ­ Projekt Nr. 77270, WTO­Projekt  (1124) 104 "Systematische Sammlung des Bundesrechts  (SR), Nachträge"; Zuschlagsverfügung vom 25. November  2011 / aufschiebende Wirkung

B­6762/2011 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest: A.  Das  Bundesamt  für  Bauten  und  Logistik  BBL  (im  Folgenden:  Vergabestelle)  schrieb  auf  der  Internetplattform  SIMAP  am  29.  September  2011  einen  Lieferauftrag  für  den Druck  von Nachträgen  zur  Systematischen Sammlung des Bundesrechts (SR) im offenen Verfahren  aus  (Meldungsnummer  691049).  Gemäss  Ziffer  2.5  der  Ausschreibung  wird  das  Papier  durch  die  Vergabestelle  geliefert.  In  Ziffer  3.5  wird  festgehalten,  dass  Bietergemeinschaften  nicht  zugelassen  sind.  Angebote waren gemäss der Ausschreibung bis zum 10. November 2011  einzureichen (Ziffer 1.4). B.  Insgesamt  zwölf  Unternehmen  bezogen  die  Ausschreibungsunterlagen.  Innert  Frist  gingen  zwei  Angebote  ein,  nämlich  dasjenige  der  dfmedia,  Flawil, sowie dasjenige der A. _____ AG. C.  Am  25.  November  2011  publizierte  die  Vergabestelle  auf  SIMAP  unter  der  Meldungsnummer  714825  die  Zuschlagserteilung  an  die  dfmedia,  Flawil (im Folgenden: Zuschlagsempfängerin). D.  Gegen  den  Zuschlag  erhob  die  A.  _____  AG  (im  Folgenden:  Beschwerdeführerin) mit Eingabe vom 15. Dezember 2011 Beschwerde  beim  Bundesverwaltungsgericht.  Sie  beantragt  zur  Hauptsache  die  Aufhebung der Zuschlagsverfügung sowie sinngemäss die Rückweisung  an  die  Vergabestelle  zur  Neubeurteilung.  In  prozessualer  Hinsicht  verlangt  sie  die Erteilung  der  aufschiebenden Wirkung.  Im Rahmen der  Begründung  macht  die  Beschwerdeführerin  insbesondere  geltend,  die  Vergabestelle habe die Zuschlagskriterien falsch bewertet. Zudem sei der  Zuschlag  an  eine  gemäss  Ausschreibungsunterlagen  nicht  zum  Verfahren  zugelassene  Bietergemeinschaft  bzw.  an  "kein  zur  Offerte  zugelassenes  Rechtssubjekt"  erteilt  worden.  Ausserdem  könne  angesichts der geringen Preisdifferenz  zwischen den beiden Angeboten  darauf  geschlossen  werden,  dass  die  Zuschlagsempfängerin  von  der  Offerte  der  Beschwerdeführerin  Kenntnis  gehabt  und  ihre  Angebot  preislich korrigiert habe. E.  Mit  superprovisorischer Anordnung  vom 16. Dezember  2011 untersagte 

B­6762/2011 der  Instruktionsrichter bis zum Entscheid über den Antrag betreffend die  Erteilung  der  aufschiebenden  Wirkung  alle  Vollzugsvorkehrungen,  namentlich  den  Vertragsschluss  mit  der  Zuschlagsempfängerin.  Zudem  wurde die Vergabestelle aufgefordert, dem Bundesverwaltungsgericht bis  zum  3.  Januar  2012  die  vollständigen  Akten  betreffend  das  in  Frage  stehende Vergabeverfahren einzureichen und innerhalb der gleichen Frist  zu  den  prozessualen  Anträgen  der  Beschwerdeführerin  Stellung  zu  nehmen. F.  Innert  erstreckter  Frist  beantragt  die  Vergabestelle  in  ihrer  Vernehmlassung  vom  9.  Januar  2012  die  Abweisung  des Gesuchs  auf  Erteilung  der  aufschiebenden  Wirkung  sowie  den  Entzug  der  bereits  superprovisorisch gewährten aufschiebenden Wirkung.  In Bezug auf die  gleichentags  eingereichten  Akten  wird  das  Bundesverwaltungsgericht  ersucht,  der Beschwerdeführerin nur  insoweit Einsicht  zu gewähren, als  der  Einsichtnahme  keine  Amtsgeheimnisse  oder  Berufs­  und  Geschäftsgeheimnisse  Dritter  entgegen  stehen.  Ferner  stellte  sie  den  Antrag auf superprovisorische Erlaubnis, die Leistungen bis zum Ergehen  des Entscheids betreffend die aufschiebende Wirkung von der bisherigen  Leistungserbringerin  zu  beziehen.  In  materieller  Hinsicht  trägt  die  Vergabestelle vor, die Beschwerde erweise sich gestützt auf eine prima  facie­Würdigung  als  aussichtslos,  weswegen  von  vorneherein  auf  eine  Interessenabwägung  zu  verzichten  sei.  Insbesondere  könne  die  Beschwerdeführerin  angesichts  der  klaren Vorgabe,  dass  das Papier  in  Bogenform  geliefert  werde,  keine  Besserbewertung  ihrer  Offerte  erstreiten mit der Begründung, der von ihr vorgesehene Rollendruck wäre  vorteilhafter.  Selbst  wenn  die  Beschwerde  als  nicht  offensichtlich  unbegründet  angesehen würde,  falle  eine  allfällige  Interessenabwägung  zugunsten der Vergabestelle aus. Alle Betroffenen seien auf aktuelle und  gültige Rechtsgrundlagen angewiesen. G.  Die  Zuschlagsempfängerin,  welcher  mit  Verfügung  vom  16.  Dezember  2011  Frist  bis  zum  3.  Januar  2012  zur  freigestellten  Stellungnahme  angesetzt worden war, verzichtete innert erstreckter Frist mit Faxeingabe  vom 9. Januar 2012 auf eine Äusserung zu den prozessualen Anträgen  der Beschwerdeführerin. H.  In  ihrer  Eingabe  vom  10.  Januar  2012  erhob  die  Beschwerdeführerin 

B­6762/2011 keine  Einwände  gegen  den  Antrag  auf  einstweilige  Erteilung  der  Erlaubnis  zum  Bezug  der  Leistungen  von  der  bisherigen  Leistungserbringerin,  "soweit  dies  aus  der  Sicht  des  Instruktionsrichters  als  notwendig  und  plausibilisiert"  erscheine.  Sie  bestritt  indessen  die  Notwendigkeit  der  Anordnung  und  machte  sinngemäss  geltend,  die  seitens der Vergabestelle behauptete Dringlichkeit sei – soweit gegeben  – selbstverschuldet.  I.  Das  Bundesverwaltungsgericht  gestattete  der  Vergabestelle  mit  Verfügung  vom 10.  Januar  2012 antragsgemäss den  vorläufigen Bezug  der  Leistungen  von  der  bisherigen  Leistungserbringerin  bis  zum  Entscheid  über  die  aufschiebende  Wirkung.  Ausserdem  wurde  der  Vergabestelle  ein  Abdeckungsvorschlag  betreffend  den  Evaluationsbericht vom 21. November 2011 (insbesondere betreffend die  Punkte  3.1  und  3.4)  zur  umgehenden  Stellungnahme  zugestellt.  Des  Weiteren wurde die Vergabestelle ersucht, sich umgehend zur Zustellung  des Aktenverzeichnisses an die Beschwerdeführerin zu äussern und dem  Bundesverwaltungsgericht  nähere  Ausführungen  zu  machen  zur  in  Rn.  34  der  Vernehmlassung  vom  9.  Januar  2012  genannten  internen  Marktstudie.  Schliesslich  wurde  die  Zuschlagsempfängerin  um  umgehende  Stellungnahme  ersucht  zur  Frage,  ob  das  Total  der  Offertsumme (Position Total, 6 Jahre, 24 Nachträge) gemäss Seite 9 der  Offerte vom 9. November 2011 offen gelegt werden kann. J.  Mit Faxeingabe vom 11. Januar 2012 erklärte die Zuschlagsempfängerin,  dass  sie  nicht  gegen  die  Bekanntgabe  des  Totals  der  Offertsumme  opponiere. K.  Am  12.  Januar  2012  beantragte  die  Vergabestelle,  der  Beschwerdeführerin  sei  weder  die  Anzahl  potentieller  noch  die  Anzahl  tatsächlich  offerierender  Anbieter  bekanntzugeben.  Ferner  sei  der  Beschwerdeführerin  keine  Einsicht  in  die  von  der  Vergabestelle  als  "Marktstudie"  bezeichnete  und  mit  der  Eingabe  vom  12.  Januar  2012  eingereichte  Lieferantenliste  zu  gewähren.  Zuhanden  der  Beschwerdeführerin  reichte  die  Vergabestelle  ein  überarbeitetes  Verzeichnis  und  Ordnerregister  ein.  Diese  Unterlagen  wurden  der  Beschwerdeführerin mit Zwischenentscheid vom gleichen Tag zusammen  mit  denjenigen  Unterlagen,  in  Bezug  auf  welche  die  Gewährung  der 

B­6762/2011 Akteneinsicht  unstrittig  ist,  zugestellt.  Zudem  verfügte  das  Bundesverwaltungsgericht  die  Gewährung  der  Einsicht  in  den  Evaluationsbericht  vom  21.  November  2011  gemäss  dem  gerichtlichen  Abdeckungsvorschlag vom 10. Januar 2012, wobei die Zustellung dieses  Dokuments  erfolge,  soweit  die  Vergabestelle  nicht  innert  fünf  Kalendertagen  nach  postalischer  Zustellung  des  Zwischenentscheides  anzeige,  dass  sie  eine  Beschwerde  in  öffentlich­rechtlichen  Angelegenheiten  in  Erwägung  ziehe.  Schliesslich  gab  das  Bundesverwaltungsgericht  gestützt  auf  das  Einverständnis  der  Zuschlagsempfängerin  die  Totaloffertsumme  in  Höhe  von  Fr.  3'401'754.00 (6 Jahre, 24 Nachträge) bekannt. L.  Mit Verfügung vom 23. Januar 2012 stellte das Bundesverwaltungsgericht  der Beschwerdeführerin den Evaluationsbericht vom 21. November 2011  gemäss  dem  gerichtlichen  Abdeckungsvorschlag  vom  10.  Januar  2012  zu. Zudem wurde der Vergabestelle ein Abdeckungsvorschlag betreffend  das mit  Eingabe  vom 12.  Januar  2012  eingereichte Dokument  "Auszug  aus dem Verzeichnis für die 'Technische Ausrüstung' der BBL­Lieferanten  als  Marktstudie"  zur  umgehenden  Stellungnahme  zugestellt.  Des  Weiteren wurde die Vergabestelle ersucht, sich umgehend zur Frage zu  äussern,  ob  der  Beschwerdeführerin  der  amtsinterne  Vermerk  vom  16.  September 2011, welcher die Begründung "keine Varianten" sowie "keine  Bietergemeinschaften"  enthält,  offen  gelegt  werden  kann.  Schliesslich  wurde  die  Zuschlagsempfängerin  aufgefordert,  umgehend  zur  Frage  Stellung  zu  nehmen,  ob  der  Beschwerdeführerin  die  Titelseite  des  Geschäftsberichts der Druckerei Flawil AG  für das Jahr 2010, die SQS­ Bescheinigung  betreffend  Managementsysteme  gemäss  den  Anforderungen  von  ISO  9001  und  14001  sowie  die  der  Offerte  beiliegende Briefumschlagskopie offen gelegt werden können. M.  Mit Faxeingabe vom 24. Januar 2012 erklärte die Zuschlagsempfängerin,  dass  sie  nicht  gegen  die  Bekanntgabe  des  Geschäftsberichts  der  Druckerei  Flawil  AG  für  das  Jahr  2010,  der  SQS­Bescheinigung  betreffend  Managementsysteme  gemäss  den  Anforderungen  von  ISO  9001 und 14001  sowie die der Offerte  beiliegende Briefumschlagskopie  opponiere.  Im  Übrigen  erklärte  die  Zuschlagsempfängerin,  sie  biete  ausserdem  an,  der  Beschwerdeführerin  die  Beteiligungsquoten  im  Anhang  zur  Jahresrechnung  auf  S.  24  des  Geschäftsberichts  der  Druckerei Flawil AG für das Jahr 2010 offen zu legen.

B­6762/2011 N.  Nachdem sich die Vergabestelle mit Stellungnahme vom 25. Januar 2012  mit  dem  Abdeckungsvorschlag  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom  23. Januar 2012 für das Dokument "Auszug aus dem Verzeichnis für die  'technische  Ausrüstung'  der  BBL­Lieferanten"  und  der  Offenlegung  der  Akte  mit  der  Überschrift  "Begründung  'keine  Varianten'  sowie  'keine  Bietergemeinschaften'"  einverstanden  erklärt  hat,  stellte  das  Bundesverwaltungsgericht  der  Beschwerdeführerin  die  soeben  genannten  sowie  die  folgenden  Unterlagen  zu:  die  Titelseite  des  Geschäftsberichts der Druckerei Flawil AG  für das Jahr 2010, die SQS­ Bescheinigung  betreffend  Managementsysteme  gemäss  den  Anforderungen  von  ISO  9001  und  14001,  die  der  Offerte  der  Zuschlagsempfängerin  beiliegende  Briefumschlagskopie  und  die  S.  24  des Geschäftsberichts der Druckerei Flawil AG für das Jahr 2010.

B­6762/2011 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1 Gegen die Erteilung  des Zuschlages durch  die Vergabestelle  ist  im  Anwendungsbereich  des  Bundesgesetzes  über  das  öffentliche  Beschaffungswesen  vom  16.  Dezember  1994  (BöB,  SR  172.056.1)  die  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  zulässig  (Art.  29  Bst.  a  i.V.m.  Art.  27  Abs.  1  BöB).  Das  Bundesverwaltungsgericht  entscheidet  auch  über  Gesuche  um  Erteilung  der  aufschiebenden Wirkung  (Art.  28  Abs. 2 BöB). 1.2 Das BöB erfasst nur Beschaffungen, welche dem GATT/WTO­Über­ einkommen vom 15. April 1994 über das öffentliche Beschaffungswesen  (Government  Procurement  Agreement  [GPA,  SR  0.632.231.422])  unter­ stellt sind (BVGE 2004/48 E. 2.1 mit Hinweisen). Es ist anwendbar, wenn  die  Auftraggeberin  dem  Gesetz  untersteht  (Art.  2  Abs.  1  BöB),  der  geschätzte  Wert  des  zu  vergebenden  öffentlichen  Auftrages  die  Schwellenwerte  von  Art.  6  Abs.  1  BöB  erreicht  und  keiner  der  Ausnahmetatbestände von Art. 3 BöB gegeben ist.  1.3 Die  Vergabestelle  ist  als  Bundesamt  Teil  der  allgemeinen  Bundesverwaltung  und  untersteht  damit  dem BöB  (Art.  2  Abs.  1  Bst.  a  BöB).  Die  Vergabestelle  geht  in  Ziffer  1.8  der  Ausschreibung  vom  29.  September 2011 von einem Lieferauftrag aus. Nach Art. 5 Abs. 1 Bst. a  BöB  bedeutet  der  Begriff  "Lieferauftrag"  einen  Vertrag  über  die  Beschaffung beweglicher Güter,  namentlich durch Kauf,  Leasing, Miete,  Pacht oder Mietkauf. Die zu beurteilende Vergabe umfasst den Druck von  Nachträgen  zur  Systematischen  Sammlung  des  Bundesrechts  und wird  vom  BöB  erfasst.  Der  Preis  des  berücksichtigten  Angebots  von  Fr.  3'401'754.00  überschreitet  zweifelsfrei  den  für  Lieferungen  geltenden  Schwellenwert gemäss Art. 6 Abs. 1 Bst. a BöB bzw. Art. 6 Abs. 2 BöB  i.V.m.  Art.  1  Bst.  a  der  Verordnung  des  EVD  über  die  Anpassung  der  Schwellenwerte  im  öffentlichen  Beschaffungswesen  für  das  zweite  Semester des Jahres 2010 und das Jahr 2011 (AS 2010 2647). Demnach  fällt  die  Beschaffung  in  casu  in  den  Anwendungsbereich  des  Bundesgesetzes  über  das  öffentliche  Beschaffungswesen,  wovon  im  Übrigen auch die Vergabestelle ausgeht. 1.4 Das  Verfahren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  bestimmt  sich  nach dem Bundesgesetz vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungs­ verfahren  (VwVG,  SR  172.021),  soweit  das  BöB  und  das 

B­6762/2011 Verwaltungsgerichtsgesetz vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) nichts  anderes bestimmen (Art. 26 Abs. 1 BöB und Art. 37 VGG). Gemäss Art.  31 BöB kann die Unangemessenheit vor Bundesverwaltungsgericht nicht  gerügt werden. 1.5 Über  das  Begehren  um  Erteilung  der  aufschiebenden  Wirkung  im  Rahmen  der  Anfechtung  eines  Zuschlags  entscheidet  das  Bundesverwaltungsgericht  gemäss  ständiger  Praxis  in  Dreierbesetzung  (Zwischenentscheid  des  BVGer  B­3402/2009  vom  2.  Juli  2009,  auszugsweise publiziert in BVGE 2009/19 E. 1.2 mit Hinweisen). 2.  Gegenstand des vorliegenden Zwischenentscheides bildet allein der An­ trag auf Erteilung der aufschiebenden Wirkung. Im Unterschied zu Art. 55  Abs.  1  VwVG  sieht  Art.  28  Abs.  1  BöB  vor,  dass  der  Beschwerde  von  Gesetzes  wegen  keine  aufschiebende  Wirkung  zukommt.  Diese  kann  vom Bundesverwaltungsgericht nur auf Gesuch hin erteilt werden (Art. 28  Abs.  2  BöB).  Vorliegend  enthält  die  Beschwerde  ein  entsprechendes  Begehren. 2.1 Das BöB nennt keine Kriterien, welche für die Frage der Gewährung  oder Verweigerung der aufschiebenden Wirkung zu berücksichtigen sind.  Es  können  indes  die  Grundsätze  übernommen  werden,  die  Rechtsprechung und Lehre zur Anwendung von Art. 55 VwVG entwickelt  haben. Danach  ist  anhand einer  Interessenabwägung  zu prüfen,  ob die  Gründe, die für eine sofortige Vollstreckbarkeit sprechen, gewichtiger sind  als  jene,  die  für  die  gegenteilige  Lösung  angeführt  werden  können  (BGE 129 II 286 E. 3; Zwischenentscheid des Bundesverwaltungsgerichts  B­6837/ 2010 vom 16. November 2010 E. 2.1 mit Hinweisen). Dass der  Gesetzgeber  im  BöB  den  Suspensiveffekt  in  Abweichung  zum  VwVG  nicht von Gesetzes wegen gewährte,  zeigt, dass er sich der Bedeutung  dieser Anordnung im Submissionsrecht bewusst war und eine individuelle  Prüfung dieser Frage als notwendig erachtete, nicht aber, dass er diesen  nur  ausnahmsweise  gewährt  haben  wollte  (vgl.  zum  Ganzen  den  Zwischenentscheid des Bundesverwaltungsgerichts B­3402/2009 vom 2.  Juli  2009,  auszugsweise  publiziert  in  BVGE  2009/19,  E.  2.1  mit  Hinweisen). 2.2 Liegt ein Gesuch um Erteilung der aufschiebenden Wirkung vor,  so  ist  im  Sinne  einer  prima­facie­Würdigung  der  materiellen  Rechtslage  in  einem  ersten  Schritt  zu  prüfen,  ob  aufgrund  der  vorliegenden  Akten 

B­6762/2011 davon auszugehen  ist,  dass die Beschwerde offensichtlich  unbegründet  ist.  Ist dies der Fall,  ist die aufschiebende Wirkung von vornherein nicht  zu  gewähren.  Werden  der  Beschwerde  hingegen  Erfolgschancen  zuerkannt oder bestehen darüber Zweifel, so  ist über das Begehren um  aufschiebende Wirkung aufgrund der erwähnten Interessenabwägung zu  befinden. In die Abwägung einzubeziehen sind nach der ständigen Praxis  der  Eidgenössischen  Rekurskommission  für  das  öffentliche  Beschaffungswesen  (BRK),  die  sich  das  Bundesverwaltungsgericht  mit  dem Entscheid BVGE 2007/13  (E. 2.2)  im Grundsatz zu eigen gemacht  hat,  einerseits  die  Interessen  der  Beschwerdeführerin  an  der  Aufrechterhaltung  der  Möglichkeit,  den  Zuschlag  zu  erhalten,  wobei  zugleich  ein  gewichtiges  öffentliches  Interesse  an  der  Gewährung  effektiven  Rechtsschutzes  besteht  (Zwischenentscheid  des  Bundesverwaltungsgerichts  B­6177/2008  vom  20.  Oktober  2008  E.  2).  Diesen  gegenüber  stehen  die  öffentlichen  Interessen,  die  die  Auftraggeberin wahrzunehmen hat. So wird in der GATT­Botschaft 2 vom  19. September 1994 namentlich  festgehalten, gegen den automatischen  Suspensiveffekt spreche die Gefahr von Verzögerungen und erheblichen  Mehrkosten (BBl 1994 IV 950 ff., insbes. S. 1197; vgl. auch S. 1199; vgl.  zum Ganzen den Zwischenentscheid des Bundesverwaltungsgerichts B­ 3402/2009 vom 2. Juli 2009, auszugsweise publiziert  in BVGE 2009/19,  E. 2.1). Entsprechend hält das Bundesgericht im Rahmen der Auslegung  von Art. 17 Abs. 2 der Interkantonalen Vereinbarung über das öffentliche  Beschaffungswesen vom 15. März 2001 (IVöB; SR 172.056.4) fest, dass  dem  öffentlichen  Interesse  an  einer  möglichst  raschen  Umsetzung  des  Vergabeentscheides  von  vornherein  ein  erhebliches  Gewicht  zukommt  (Urteil  des Bundesgerichts  2P.103/2006  vom 29. Mai  2006 E.  4.2.1 mit  Hinweisen;  in  diesem  Sinne  auch  BVGE  2008/7  E. 3.3).  Auch  allfällige  Interessen  Dritter,  namentlich  der  übrigen  an  einem  Beschaffungsgeschäft  Beteiligten,  sind  nach  der  ständigen  Praxis  zu  berücksichtigen.  Ausgangspunkt  muss  dabei  –  insbesondere  auch  in  Anbetracht  der  Zielsetzung  von Art.  XX  Ziff.  2  und  7  Bst.  a GPA  –  die  Gewährung  eines  effektiven  Rechtsschutzes  und  die  Verhinderung  von  Zu­ständen  sein,  welche  das  Rechtsmittel  illusorisch  werden  lassen  (BVGE 2007/13 E. 2.2 mit Hinweisen). 3.  3.1 Die  Beschwerdeführerin  rügt  in  ihrer  Beschwerdeschrift  zum  einen  eine  falsche Bewertung  der  Zuschlagskriterien.  Zum anderen macht  sie  geltend,  die  Vergabestelle  habe  den  Zuschlag  an  "kein  zur  Offerte  zugelassenes Rechtssubjekt" bzw. an eine gemäss Ausschreibung nicht 

B­6762/2011 zugelassene Bietergemeinschaft erteilt (Beschwerde, S. 4). Dazu trägt sie  insbesondere  vor,  die  gemäss  Zuschlag  berücksichtigte  Anbieterin  existiere  im  Handelsregister  nicht  unter  der  von  der  Vergabestelle  genannten Firma "dfmedia". Es gehe folglich aus der Zuschlagsverfügung  nicht hervor, um wen es sich bei der berücksichtigten Anbieterin handle.  Gemäss Internetauftritt der Zuschlagsempfängerin würden zwei rechtliche  voneinander unabhängige Aktiengesellschaften unter der Firma "dfmedia"  auftreten:  einerseits  die  "Druckerei  Flawil  AG"  und  andererseits  die  "dfmedia Druckerei Frauenfeld AG". Die Beschwerdeführerin gehe davon  aus,  dass  der  Zuschlag  an  eine  Bietergemeinschaft  erfolgt  sei,  wofür  auch die Medienmitteilung vom 24. November 2011 auf der Website der  Zuschlagsempfängerin  spreche,  wonach  letztere  die  Druckerei  per  1.  Januar 2012 an eine gemeinsame Tochtergesellschaft auslagern werde. 3.2 Die  Vergabestelle  hält  zur  Identität  der  Zuschlagsempfängerin  mit  Stellungnahme vom 9. Januar 2012 fest, diese sei im Handelsregister als  "Druckerei  Flawil  AG,  Burgauerstrasse  50,  9230  Flawil,  Schweiz"  eingetragen  und  eine  der  grössten  Druckereien  der  Ostschweiz.  Sie  verwende die Bezeichnung "dfmedia" als Dachmarke aller Aktivitäten der  Druckerei  Flawil  AG,  was  insbesondere  aus  der  auf  der  Offerte  angegebenen Anschrift sowie dem Titelblatt des Geschäftsberichts 2010  ersichtlich sei.  In der Zuschlagsverfügung sei die Zuschlagsempfängerin  als  "dfmedia, Burgauerstrasse  50,  9230 Flawil"  aufgeführt,  weil  sie  sich  auf der Plattform SIMAP unter dieser Bezeichnung angemeldet habe und  das  System  diese  Angaben  für  das  gesamte  Beschaffungsverfahren  automatisch  übernehme.  Es  sei  für  die  Verfahrensteilnehmer  klar  ersichtlich  gewesen  welches  Unternehmen  im  Markt  als  "dfmedia,  Burgauerstrasse  50,  9230  Flawil"  auftrete,  was  im  Übrigen  auch  die  Beschwerdeführerin  eingestehe,  wenn  sie  vorbringe,  die  Zuschlagsempfängerin sei  ihr als bisherige Lieferantin der Vergabestelle  bekannt.  Auch  könne  nicht  gesagt  werden,  bei  der  "dfmedia,  Burgauerstrasse  50,  9230  Flawil"  handle  es  sich  um  eine  Bietergemeinschaft. Die Zuschlagsempfängerin sei als Muttergesellschaft  zu  100%  an  fünf  Unternehmungen  beteiligt,  wozu  auch  die  dfmedia  Druckerei  Frauenfeld  AG  gehöre.  Die  Zuschlagsempfängerin  führe  in  Flawil  eine  eigene  Druckerei  und  habe  ihr  Angebot  getrennt  und  unabhängig  von  anderen  Mitgliedern  der  Gruppe  eingereicht,  was  vergaberechtlich zulässig sei. Wie das Eignungskriterium EK02 verlange,  habe  die  Zuschlagsempfängerin  schriftlich  bestätigt,  dass  sie  alleinige  Vertragspartnerin werde. Schliesslich sei in diesem Zusammenhang auch  die  von  der  Beschwerdeführerin  behauptete,  allenfalls  bevorstehende 

B­6762/2011 Umstrukturierung  nicht  relevant,  da  die  Gründung  einer  gemeinsamen  Tochtergesellschaft für die Druckerei noch nicht vollzogen sei und für das  Beschaffungsverfahren  nur  die  Verhältnisse  zum  Zeitpunkt  der  Eingabefrist der Angebote vom 10. November 2011 massgebend seien. 3.3 Zunächst  ist  einleitend  festzustellen,  dass  Bietergemeinschaften  einfache  Gesellschaften  i.S.v.  Art.  530  des  Obligationenrechts  vom  30. März 1911 (OR, SR 220) darstellen. Sie sind Arbeitsgemeinschaften  aus  zwei  oder  mehreren  Firmen,  welche  (im  offenen  Verfahren)  durch  Einreichung  eines  gemeinsamen  Angebots  sich  gemeinsam  um  einen  Auftrag  bewerben.  Ein  allfälliger  Zuschlag  wird  denn  auch  nicht  der  einfachen Gesellschaft erteilt, sondern fällt auf das gemeinsame Angebot  und  damit  an  alle  beteiligten  Unternehmen  gemeinsam  (vgl.  PETER  GAUCH/HUBERT  STÖCKLI,  Vergabethesen  1999,  Thesen  zum  neuen  Vergaberecht  des  Bundes,  Freiburg  i.  Ue.  1999,  S.  43  ff.).  Ausserdem  hält die Beschwerdeführerin zu Recht fest, dass die Vergabestelle zwar in  Ziffer 3.6 der Ausschreibung vom 29. September 2011 Subunternehmer  mit  dem  Hinweis  "Die  Beteiligten  sind  mit  Ihrer  Rolle  aufzuführen"  zugelassen,  Bietergemeinschaften  aber  gemäss  Ziffer  3.5  der  Ausschreibung  ausdrücklich  ausgeschlossen  hat  (vgl.  zur  Wettbewerbsrelevanz  derartiger  Einschränkungen BVGE  2010/58 E.  6).  Zur  Begründung  wurde  mit  amtsinternem  Vermerk  vom  16.  September  2011 ausgeführt, mit Blick auf das Terminprogramm müsse der Workflow  so  ablaufen,  dass  Druck  und  Ausrüstarbeiten  (falzen)  parallel  erfolgen  können,  weshalb  es  –  so  die  Vergabestelle  sinngemäss  –  gelte,  sich  durch  Bietergemeinschaften  ergebende  Schnittstellen  in  Bezug  auf  die  Koordination  dieser  Arbeitsgänge  zu  vermeiden.  Diese  Zielsetzung  des  Ausschlusses von Bietergemeinschaften gilt es im Folgenden im Auge zu  behalten. 3.4 Anbieterin  ist  in  casu gemäss Ziff.  3.2  des  am 25. November  2011  publizierten  Zuschlags  die  "dfmedia,  Burgauerstrasse  50,  9230  Flawil,  Schweiz". Es ist der Beschwerdeführerin insofern zuzustimmen, als diese  Angaben  tatsächlich  auf  den  ersten  Blick  verwirren  können,  da  sich  an  der  im Zuschlagsentscheid publizierten Adresse die Druckerei Flawil AG  findet,  welche  rechtlich  wohl  tatsächlich  nicht  identisch  ist  mit  der  dfmedia,  soweit  dieser  über  den  "Charakter  einer  Dachmarke"  hinaus  Rechtspersönlichkeit  zukommt.  Nach  der  Auffassung  der  Beschwerdeführerin  ist  in  der  dfmedia  "eine  Gruppe  rechtlich  selbständiger Aktiengesellschaften"  zu sehen  (Beschwerde, S. 4). Ganz  unabhängig  von  der  Tatsache,  ob  eine  solche Gruppe  vorliegt  und wie 

B­6762/2011 diese allenfalls ausgestaltet ist, ist die Sparte "Produktion Print" jedenfalls  durch die Druckerei Flawil AG abgedeckt, auf welche – oder genauer auf  die  "dfmedia  Druckerei  Flawil  AG"  ­  auch  die  Zertifikate  ISO  9001  und  ISO 14001 ausgestellt sind. Prima facie ist wohl die Druckerei Flawil AG  Vertragspartnerin  der  Vergabestelle,  worauf  auch  der  als  Offertbestandteil eingereichte Geschäftsbericht 2010 derselben hindeutet  (vgl.  dazu  auch  den  als  Beschwerdebeilage  7  eingereichten  Handelsregisterauszug  der  Druckerei  Flawil  AG).  Sollte  dies  zutreffen,  wäre  der  Beschwerdeführerin  allenfalls  insoweit  beizupflichten,  als  sie  geltend  macht,  korrekterweise  hätte  die  Druckerei  Flawil  AG  als  Zuschlagsempfängerin bezeichnet werden sollen.  Inwieweit  eine  falsche  Bezeichnung  der  Zuschlagsempfängerin  aus  vergaberechtlicher  Sicht  schadet,  kann hier offenbleiben. Sicher  ist aber, dass eine solche allein  keine  Begründung  darstellen  kann  für  die  Gewährung  der  aufschiebenden Wirkung.  3.5 Die  Beschwerdeführerin  macht  unter  Verweis  auf  www.dfmedia.ch  weiter  geltend,  es  sei  seitens  der  Zuschlagsempfängerin  die  Gründung  einer  Neuen  Druck­  und  Verlag  AG  angekündigt,  welche  eine  Tochtergesellschaft  der  dfmedia  einerseits  und  der  B.  _____  AG  andererseits  sein  werde  (vgl.  dazu  Beschwerdebeilagen  8  und  9,  insbesondere  die  Medienmitteilung  der  dfmedia  vom  24.  November  2011). Soweit die Vergabestelle dazu im Ergebnis ausführt, massgebend  sei der Zeitpunkt des Zuschlags, was  jede weitere Erörterung zu dieser  Frage überflüssig mache  (vgl. E. 3.2 hiervor),  kann  ihr prima  facie nicht  uneingeschränkt beigepflichtet werden, jedenfalls soweit bereits absehbar  wäre,  dass  sich  Fragen  stellen  in  Bezug  auf  die  Erfüllung  der  Eignungskriterien oder etwa fraglich wäre, ob sich die neue Firma, soweit  die Zuschlagsempfängerin  in  ihr aufgeht, um die Zertifizierung ISO 9001  und/oder 14001 bemüht, obwohl  im Rahmen der Umstrukturierung nach  den  Vorgaben  der  zertifizierenden  Stelle  eine  Rezertifizierung  erfolgen  müsste. Solches ergibt  sich  aber weder  aus den Akten noch macht  die  Beschwerdeführerin  dazu Ausführungen. Vielmehr macht  diese  geltend,  es  liege durch das Zusammengehen der dfmedia und der B. _____ AG  eine  gemäss  der  Ausschreibung  unzulässige  Bietergemeinschaft  vor.  Diese Rüge erweist sich indessen als unbegründet. Denn – immer unter  der  Prämisse,  dass  die  Druckerei  Flawil  AG  in  der  neuen  Tochtergesellschaft  von dfmedia und B. _____ AG aufgeht – wird diese  Tochtergesellschaft  dadurch  nicht  zur  Bietergemeinschaft;  vielmehr  gibt  es keinerlei  Indizien dafür, dass die Leistungen nicht weiterhin aus einer  Hand  erbracht  werden.  Demnach  ist  der  Zielsetzung  des  Verbots  von  http://www.dfmedia.ch

B­6762/2011 Bietergemeinschaften  (vgl.  dazu  E.  3.3  hiervor  und  die  Zwischenverfügung  B­1470/2010  vom  24.  März  2010,  E.  4.3  mit  Hinweisen) prima facie so oder anders Rechnung getragen worden.  4.  4.1 Bezüglich der Evaluation der Angebote trägt die Beschwerdeführerin  vor,  die  Vergabestelle  habe  ihre  Offerte  in  Bezug  auf  die  Zuschlagskriterien Z1 (Gesamtkosten), Z3 (Qualität und Arbeitssicherheit)  sowie Z4 (Termin) "objektiv falsch" bewertet (vgl. dazu insb. Beschwerde,  S. 6 ff.). Die Vergabestelle hebt zu Recht hervor, dass die Beschreibung  "objektiv  falsch"  in  diesem  Zusammenhang  nicht  der  einschlägigen  Terminologie  entspricht  (Stellungnahme  vom  9.  Januar  2012,  S.  9).  Vielmehr  ist  diesbezüglich  festzuhalten,  dass  der  Vergabestelle  im  Rahmen  der  Offertbewertbewertung  ein  grosser  Ermessensspielraum  zukommt,  in welchen  das Bundesverwaltungsgericht  nicht  eingreift  (Art.  31 BöB). Eine Korrektur der Noten­ bzw. Punktgebung kommt daher nur  in  Betracht,  soweit  sich  diese  nicht  nur  als  unangemessen,  sondern  vielmehr  als  rechtsfehlerhaft  erweist  (Zwischenentscheid  B­4621/2008  vom 6. Oktober 2008 E. 6.3 mit Hinweisen).  4.2 Hinsichtlich  des  Zuschlagskriteriums  Z1  (Gesamtkosten)  führt  die  Beschwerdeführerin aus, sie habe zwar die höchste Bewertung erhalten.  Es  sei  indessen nicht  nachvollziehbar, wie  das Angebot  der Zuschlags­ empfängerin  lediglich  Fr.  24'228.00  bzw.  weniger  als  1  %  über  demjenigen der Beschwerdeführerin liegen könne. Zum einen sei das von  der  Beschwerdeführerin  angebotene  Verfahren  im  Rollendruck  mit  voll  integrierter  Weiterverarbeitung  für  die  ausgeschriebenen  Publikationen  effizienter  und  deutlich  wirtschaftlicher  als  das  von  der  Zuschlagsempfängerin  offerierte  Offset­Druckverfahren.  Die  Vergabestelle  hätte  in  Bezug  auf  das  Zuschlagskriterium  Z1  mitberücksichtigen  müssen,  dass  gemäss  dem  durch  die  Beschwerdeführerin  vorgeschlagenen  Druckverfahren  ein  Zuschneiden  des Druckbogens überflüssig wird und die Vergabestelle somit das Papier  in  Rollen  liefern  könnte.  Zum  anderen  sei  bekannt,  dass  die  Zuschlagsempfängerin den gleichen Auftrag  in den Vorjahren zu massiv  höheren  Preisen  angeboten  und  zugeschlagen  erhalten  habe.  Daraus  könnte  –  so  die  Beschwerdeführerin  –  geschlossen  werden,  dass  die 

B­6762/2011 Zuschlagsempfängerin  vom  Angebot  der  Beschwerdeführerin  Kenntnis  hatte und ihre Offerte "preislich korrigiert" habe (Beschwerde, S. 6). 4.3 Die  Vergabestelle  trägt  zur  Bewertung  des  Zuschlagskriteriums  Z1  (Gesamtkosten)  vor,  sie  sei  bei  der  Evaluation  der  Angebote  an  die  bekannt  gegebene  Bewertungsmatrix  gebunden  und  es  sei  mit  den  Grundsätzen  der  Gleichbehandlung  der  Anbieter  und  der  Transparenz  nicht  vereinbar,  wenn  die  allfällig  niedrigeren  Beschaffungskosten  des  Rollenpapiers bei  der Bewertung des Angebots der Beschwerdeführerin  berücksichtigt würden. Ein Angebot auf der Basis von Rollenpapier würde  zwar jährlich die Kosten der Vergabestelle um rund 4.2 % reduzieren. Der  Bogendruck  habe  hingegen  den  Vorteil,  dass  die  einzelnen  Arbeitsschritte  parallel  ablaufen,  was  sich  bei  der  Termineinhaltung  auswirke. Auch entbehre der Vorwurf der Beschwerdeführerin betreffend  die  nachträgliche  Möglichkeit  zur  Preiskorrektur  jeder  sachlicher  Grundlage.  Zum  einen  seien  die  Angebote  am  16.  November  2011  geöffnet  und  der  Evaluationsbericht  vom  Projektleiter  drei  Tage  später  unterzeichnet  worden,  weswegen  schon  aus  zeitlichen  Gründen  keine  Preisverhandlung  habe  stattfinden  können.  Zum  anderen  habe  die  Zuschlagsempfängerin  ihr  Angebot  gemäss  Öffnungsprotokoll  vom  16.  November  2011  einen  Tag  vor  der Beschwerdeführerin  eingereicht  und  somit gar keine nachträgliche Möglichkeit zur Preiskorrektur gehabt. Was  die  monierte  Preissenkung  im  Vergleich  zum  früheren  Vertrag  mit  der  Zuschlagsempfängerin  anbelange,  weist  die  Vergabestelle  darauf  hin,  dass  eine  solche  üblich  sei,  wenn  eine  Leistung  durch  eine  öffentliche  Ausschreibung  unter  Wettbewerbsverhältnissen  angeboten  werden  müsse. 4.4 Zunächst  ist  auf  den  Vorwurf  einzugehen,  wonach  der  Zuschlags­ empfängerin  allenfalls  in  vergaberechtswidriger  Weise  Gelegenheit  zu  einer  Preiskorrektur  gegeben  worden  ist.  In  diesem  Zusammenhang  kommt dem Argument der Vergabestelle,  schon aus zeitlichen Gründen  hätten  keine  Preisverhandlungen  stattfinden  können,  bestenfalls  eine  untergeordnete  Bedeutung  zu.  Entscheidend  ist  vielmehr,  dass  die  Offerte  der  Zuschlagsempfängerin  nicht  nur  auf  den  9. November  2011  datiert,  sondern  gemäss  der  beiliegenden Kopie  des Einschreibens, mit  welchem sie eingereicht worden ist, gemäss Poststempel sowie Track &  Trace­Proto­koll gleichentags versandt worden ist. Demgegenüber datiert  die Offerte der Beschwerdeführerin vom 10. November 2011. Ausserdem  ist  mit  Verfügung  vom  12.  Januar  2012  nach  Einwilligung  der  Zuschlagsempfängerin  die  Gesamtoffertsumme  offen  gelegt  worden, 

B­6762/2011 welche  "total  (6  Jahre,  24  Nachträge)"  auf  "Fr.  3'401.754.−"  lautet  und  damit  mit  demjenigen  Betrag  identisch  ist,  zu  welchem  der  Zuschlag  gemäss Ziffer 3.2 der SIMAP­Publikation vom 25. November 2011 erteilt  worden  ist.  Damit  sind  prima  facie  entgegen  den  Mutmassungen  der  Beschwerdeführerin  keine  Anzeichen  für  eine  "Beeinflussung  des  Verfahrens"  (Beschwerde,  S.  6)  erkennbar.  Der  Vergabestelle  ist  im  Übrigen auch insoweit beizustimmen als sie festhält, dass der Zielsetzung  der Regulierung auch dann nachgelebt wird, wenn der bisherige Anbieter  zum  Zug  kommt,  dies  aber  aufgrund  der  Schaffung  der  Wettbewerbssituation zu  für die öffentliche Hand wesentlich günstigeren  Bedingungen. 4.5 Die  Beschwerdeführerin  macht  zum  Zuschlagskriterium  Z1  in  der  Hauptsache  geltend,  sie  habe  ein  Verfahren  (Druck  ab  Rolle  gemäss  Angebot  vom  10.  November  2011;  Dokument  E_B)  offeriert,  das  die  Gesamtkosten  massiv  reduziere,  weil  der  von  der  Vergabestelle  zu  liefernde Bedruckstoff  in Rollenform günstiger zu beschaffen sei als das  bisher  verwendete  Bogenpapier  (Beschwerde,  S.  6).  Die  Vergabestelle  führt dazu sinngemäss aus, wenn dem so wäre, müsste das Angebot der  Beschwerdeführerin  als  nicht  der  Rahmenbedingung  "Bogendruck"  vereinbar  ausgeschieden  werden,  womit  bereits  deren  Anfechtung  zur  Legitimation des Zuschlags in Frage zu stellen sei (Stellungnahme vom 9.  Januar  2012,  S.  5).  Im  Sinne  der  Ausführungen  der  Vergabestelle  ist  zunächst  festzuhalten,  dass  gemäss  Ziffer  2.8  der  Ausschreibung  vom  29. September 2011 keine Varianten zugelassen waren. Richtig ist auch,  dass  das  Papier  nicht  von  der  Auftragnehmerin,  sondern  von  der  Vergabestelle  mittels  separater  Beschaffung  eingekauft  und  der  im  strittigen Verfahren  auszuwählenden Druckerei  geliefert wird. An diesen  Liefervertrag  sei  die  Vergabestelle  ausserdem  bis  ins  Jahr  2014  gebunden  (Stellungnahme  vom  9.  Januar  2012,  S.  6).  Dazu  wird  im  Anhang  1  zum  Werkvertragsentwurf  unter  dem  Titel  "Papier"  wörtlich  festgehalten:  "70  mg2,  Z­Script  natural,  sat.,  62/88  SB  (vom  BBL  geliefert)". Aus dem Aufgabenbeschrieb "Ausführungsmuster / Ausrüsten"  war, wie die Vergabestelle ebenfalls zutreffend ausführt, erkennbar, dass  das Papier  in Form von Bogen beigestellt wird. Denn anders macht die  dort  beschriebene  Aufgabe  "Bogen  falzen  und  zusammentragen"  prima  facie keinen Sinn. 4.6 Soweit  die  Beschwerdeführerin  verlangt,  ihre Offerte  sei  unter  dem  Kriterium  Preis  unter  der  Berücksichtigung  der  Ausgangslage  "Bedruckstoff  in  Rollenform"  besser  zu  bewerten  als  geschehen,  dringt 

B­6762/2011 sie  mit  dieser  Rüge  nicht  durch.  Sie  verwechselt  hier  technische  Spezifikation  und  Rahmenbedingungen  mit  Zuschlagskriterien.  Denn  aufgrund der Ausschreibung und den Ausschreibungsunterlagen  ist klar,  dass der "Bogendruck" bei Lieferung des Papiers durch die Vergabestelle  als  technische  Sepzifikation  bzw.  nicht  verhandelbare  Rahmenbedingungen  zu  verstehen  ist.  Soweit  die  Beschwerdeführerin  ausführt,  die  Vergabestelle  könnte  das  Papier  in  Rollen  liefern,  was  im  Rahmen der Ausschreibung möglich sei (Beschwerde, S. 6), verkennt die  Beschwerdeführerin  die  Ausgangslage.  Da  eine  Variante  gemäss  Ausschreibung  ausgeschlossen war,  könnte  der  Beschwerdeführerin  im  vorliegenden  Verfahren  höchstens  Erfolg  beschieden  sein,  wenn  sie  geltend  machen  würde,  die  technische  Spezifikation  "Bogendruck"  sei  unzulässig. Selbst wenn man davon ausgehen würde, dass die anwaltlich  vertretene Beschwerdeführerin dies sinngemäss getan hat, indem sie von  einem Preisvorteil des "Bedruckstoffs in Rollenform" ausgeht, kann dieser  Rüge  prima  facie  kein  Erfolg  beschieden  sein.  Denn  die  Vergabestelle  weist in diesem Zusammenhang zu Recht auf den Zwischenentscheid B­ 822/2010  vom 10. März 2010 E.  4.2  f.  hin, wonach die Zielsetzung der  wirtschaftlichen Verwendung der öffentlichen Mittel gemäss Art. 1 Abs. 1  Bst.  c  BöB  dem  Anbieter  keinen  Rechtsanspruch  darauf  gibt,  die  Beschaffung  des  "richtigen"  Produkts  zu  erstreiten.  Vielmehr  muss  grundsätzlich  die  Vergabestelle  darüber  bestimmen  können,  welche  Leistungen  sie  benötigt  und  welche  konkreten  Anforderungen  sie  stellt  und  was  im  einzelnen  Gegenstand  der  Submission  ist.  Richtig  ist  aber  auch,  dass  technische  Spezifikationen  nicht  derart  eng  umschrieben  werden  dürfen,  dass  nur  ein  ganz  bestimmtes  Produkt  oder  nur  ein  einzelner Anbieter bzw. nur wenige Anbieter für die Zuschlagserteilung in  Frage  kommen  (Zwischenentscheid  B­822/2010  vom  10. März  2010  E.  5.1). Das macht aber die Beschwerdeführerin  im vorliegenden Fall nicht  geltend. Auch scheint  prima  facie ein hinreichender Anbieterwettbewerb  gegeben,  wenn  die  Vergabestelle  ausführt,  ihr  seien  62  Druckereien  bekannt,  welche  unter  diesen Vorgaben  liefern  könnten.  Auch wenn  es  weniger  wären,  kann  nicht  von  einem  Restwettbewerb  ausgegangen  werden,  welcher  den  rechtlichen  Mindestvorgaben  nicht  mehr  genügen  würde  (vgl.  dazu  BVGE  2010/58  E.  6.8).  Demnach  sind  auch  keine  besonders  hohen  Anforderungen  an  die  Begründung  für  die  Wahl  des  Bogendrucks  erforderlich,  welchen  die  Vergabestelle  insofern  als  vorteilhaft  beschreibt,  als  die  einzelnen Arbeitsschritte  parallel  ablaufen,  was  sich  bei  der  Termineinhaltung  auswirke  (Stellungnahme  vom  9.  Januar  2012,  S.  10).  Dieses  Argument  ist  auch  mit  dem  Umstand  kohärent, dass ein Zuschlagskriterium Termin definiert worden ist. Damit 

B­6762/2011 erweist  sich  die  entsprechende  Vorgabe  als  rechtskonform,  was  die  Berücksichtigung  einer  anderen  Vorgehensweise  im  Rahmen  der  Preisbewertung  ausschliesst.  Demnach  kann  offen  bleiben,  ob  die  Beschwerdeführerin  die  Vorgabe  "Bogendruck"  gemäss  Werkvertragsentwurf  in  einem  früheren  Verfahrensstadium  hätte  beanstanden  oder  gar  zum  Gegenstand  einer  Beschwerde  machen  müssen  (vgl.  dazu  etwa  den  Zwischenentscheid  B­1172/2011  vom  31.  März 2011 E. 4.2.2 f.).

B­6762/2011 4.7 Somit  ist  im  Sinne  eines  Zwischenfazits  festzuhalten,  dass  die  Punktevergabe  im  Rahmen  der  Bewertung  des  Zuschlagskriterium  Z1  (Preis)  rechtskonform  erfolgt  ist.  Damit  gestaltet  sich  der  Punktezusammenzug  unter  Berücksichtigung  der  nicht  beanstandeten  Evaluation  mit  Blick  auf  die  Zuschlagskriterien  Z2  (Nachhaltigkeit/Ökologie) und Z5 (Aufbau und Form) bisher wie folgt:  Zuschlagskriterien Zuschlagsempfängerin  Beschwerdeführerin  Z1 Preis 779 790 Z2 Nachhaltigkeit/ Ökologie  (inkl. ISO 14001)  150 80 Z3 Qualitäts­ und  Arbeitssicherheitsm anagement  ISO 9001 [noch nicht beurteilt] [noch nicht beurteilt] Z4 Termin  [noch nicht beurteilt] [noch nicht beurteilt] Z5 Aufbau/Form des  Angebotes 20 20 Total 949 890   5.  5.1 Im  Rahmen  des  Zuschlagskriteriums  Z3  wurde  die  unter  dem  Titel  "Bewertung  Qualitäts­/Arbeitssicherheitsmanagementsysteme"  die  Zertifizierung  der  Qualitätssicherung  bewertet.  Die  Beschwerdeführerin  beanstandet  den  Umstand,  dass  ihr  Angebot  überhaupt  keine  Punkte  erreicht  habe,  obwohl  aus  diesem  klar  hervorgehe,  dass  das  Druckverfahren  und  die  eingesetzten  hochmodernen  Maschinen  für  Qualität  und  Arbeitssicherheit  garantieren.  Die  Tatsache,  dass  die  Beschwerdeführerin  nicht  nach  ISO  9001  zertifiziert  sei,  vermöge  diese  Bewertung  nicht  zu  begründen.  Eine  objektive  Auswertung  des  beschwerdeführerischen Angebots hätte zur Vergabe von mindestens 40  Punkten führen müssen (Beschwerde, S. 7).

B­6762/2011 5.2 Die  Vergabestelle  führt  dazu  aus,  die  ISO­Zertifizierung  9001  lege  Mindestanforderungen an ein Qualitätsmanagementsystem fest, welchen  eine Organisation  zu genügen habe, um Produkte und Dienstleistungen  bereitstellen  zu  können.  Für  diese  gelten  nach  den  Ausführungen  der  Vergabestelle  die  folgenden  Grundsätze:  Kundenorientierung,  Verantwortlichkeit  der  Führung,  Einbeziehung  der  beteiligten  Personen,  prozessorientierter Ansatz, kontinuierliche Verbesserung, sachbezogener  Entscheidfindungsansatz  sowie  Lieferantenbeziehungen  zum  gegenseitigen  Nutzen  (Stellungnahme  vom  9.  Januar  2012,  S.  11  Rz.  59).  Gleichwertigkeit  (gemeint  mit  der  ISO­Zertifizierung  9001)  interpretiere  die  Vergabestelle  regelmässig  so,  dass  es  sich  beim  Nachweis  um  eine  Bescheinigung  handeln  müsse,  welche  von  einem  unabhängigen  und  anerkannten  Dritten  ausgestellte  werde.  Ausserdem  müsse  das  gleichwertige  Zertifikat  vergleichbare Anforderungen wie  die  ISO­Zertifizierung  9001  als  erfüllt  bestätigen.  Die  Darstellung  der  Verhältnisse durch die Beschwerdeführerin selbst vermöge ein von einer  unabhängigen  Stelle  ausgestelltes  und  anerkanntes  Zertifikat  nicht  zu  ersetzen. Da die Vergabestelle  in Bezug auf  das Zuschlagskriterium Z3  keine  Taxonomie  veröffentlicht  habe,  könne  das  Zuschlagskriterium  nur  entweder erfüllt oder nicht erfüllt – und nicht, wie die Beschwerdeführerin  behaupte, teilweise erfüllt – sein. Weil die Beschwerdeführerin weder eine  ISO­Zertifizierung  9001  noch  ein  anderes  gleichwertiges  Zertifikat  eines  Dritten beigebracht habe, müsse das Zuschlagskriterium Z3 als klar nicht  erfüllt angesehen werden (Stellungnahme vom 9. Januar 2012, S. 11 Rz.  60 ff.). 5.3 Zunächst  ist  der  Vergabestelle  beizupflichten,  wenn  sie  davon  ausgeht,  es  stehe  in  ihrem Ermessen,  ob  sie  nur  für  eine Zertifizierung  ISO  9001  oder  eine  gleichwertige  Qualitätssicherung  –  zugunsten  der  Beschwerdeführerin  hypothetisch  angenommen,  auch  eine  selbst  ausführlich  dokumentierte  Qualitätssicherung  genüge  –  anerkennt  oder  für  nur  teilweise  dokumentierte  Qualitätssicherungsbemühungen  oder  einen  begonnenen  Zertifizierungsprozess  ebenfalls mit  Punkten  belohnt  (vgl.  dazu  das  Urteil  B­4717/2010  vom  1.  April  2011  E.  7).  In  der  mit  diesem Entscheid zu beurteilenden Beschaffung hatte die Vergabestelle  – wie  von  der  Beschwerdeführerin  im  vorliegenden  Fall  verlangt –  angenommen, das entsprechende Kriterium sei "teilweise erfüllt" (a.a.O.,  insb.  E.  7.2).  Entscheidend  ist  mit  Blick  auf  den  Grundsatz  der  Transparenz, dass die angewandte Taxonomie dem entspricht, was aus  den  Ausschreibungsunterlagen  als  Bewertungsschema  erkennbar  war.  Idealerweise  wird  die  Taxonomie,  wie  sie  die  Vergabestelle  vorliegend 

B­6762/2011 anwenden  will  ­  die  Thematik  der  gleichwertigen  Nachweise  einmal  ausgeklammert  ­  so  erläutert,  wie  dies  etwa  im  Rahmen  des  Zuschlagskriteriums 2  in Bezug auf das Zertifikat  ISO 14001 geschehen  ist: "Zertifikat vorhanden = 50 Punkte, ansonsten 0 Punkte". Eine solche  Erläuterung  liegt  zum  Zuschlagskriterium  3  so  nicht  vor.  Indessen  führt  die  Vergabestelle  zu  Recht  aus,  dass  sie  bei  den  einzelnen  Zuschlagskriterien  eine  unterschiedliche  Taxonomie  verwendet  habe,  wobei in Bezug auf diejenigen Kriterien oder Subkriterien, welche besser  oder  schlechter  erfüllt  werden  konnten,  angegeben  wurde,  wie  die  Wertung  erfolgen  würde.  So  wurde  zum  Beispiel  für  das  Zuschlagskriterium Z4 zur Bewertung Folgendes vermerkt:  "Angebot mit  dem kürzesten Termin = 80 Punkte;  jeder weitere Arbeitstag = 5 Punkte  Abzug." Obschon aus dem Umstand allein, dass beim Zuschlagskriterium  Z3  nichts  Entsprechendes  vermerkt  ist,  auf  die  offensichtliche  Unbegründetheit der Rüge der Beschwerdeführerin geschlossen werden  kann, wie die Vergabestelle ausführt, kann offen bleiben. Wenn nebst der  Vorgabe  "ISO­Zertifizierung  9001  (oder  gleichwertig)"  indessen  zudem  ausgeführt wird, es sei eine  "Kopie von aktuellem Zertifikat" beizulegen,  ist es  jedenfalls  rechtlich wohl nicht zu beanstanden, dass unter diesem  Kriterium nur 60 oder 0 Punkte vergeben werden. Selbst wenn zugunsten  der  Beschwerdeführer  anzunehmen  wäre,  dass  die  Vergabestelle  aufgrund  der  Art  der  in  den  Ausschreibungsunterlagen  enthaltenen  Erläuterungen  zur  Bewertung  auch  einen  angefangenen  Zertifizierungsvorgang  oder  gar  ein  hausinternes,  entsprechend  dokumentiertes  Qualitätssicherungssystem  (Qualitätshandbuch  etc.)  genügen  lassen müsste,  kann die Beschwerdeführerin  daraus nichts  zu  Ihren Gunsten ableiten.  Im vorliegenden Fall  sind die Ausführungen der  Beschwerdeführerin  zu  diesem  Punkt  nämlich  viel  zu  dürftig  und  nicht  hinreichend  dokumentiert.  Die  Beschwerdeführerin  hat  ein  dreiseitiges  Papier  zur  Qualitäts­  und  Arbeitssicherheit  eingereicht.  Sie  hält  darin  beispielsweise  zur  "laufenden  Produktion"  fest:  "A.  _____  AG  arbeitet  nach  einem  eigenen  Qualitätssicherungssystem",  ohne  dass  dieses  näher erläutert würde. Da hilft auch die Feststellung, es werde für  jeden  Auftrag  ein  Kontrollblatt  ausgefüllt,  nicht  weiter,  auch  wenn  dieses  beigelegt ist. Selbst für das teilweise Zuerkennen von Punkten, wie es die  Beschwerdeführerin  vorliegend  erstreiten  will,  muss  im  Rahmen  der  behaupteten  hausinternen  Qualitätssicherung  und  dann  auch  für  die  Offertstellung  ein  ganz  anderer  Dokumentationsaufwand  betrieben  werden.  Somit  erweist  sich  selbst  unter  der  Annahme,  dass  die  Vergabestelle  nicht  die  Fremdevaluierung  als  Standard  definieren  darf, 

B­6762/2011 auch  die  gegen  das  Zuschlagskriterium  3  erhobene  Rüge  als  offensichtlich unbegründet.

B­6762/2011 6.   Nach  dem  Gesagten  gestaltet  sich  der  Punktezusammenzug  der  Beschwerdeführerin  und  der  Zuschlagsempfängerin  ohne  Berücksichtigung des Zuschlagskriteriums Z4 (Termin) wie folgt: Zuschlagskriterien Zuschlagsempfängerin  Beschwerdeführerin  Z1 Preis 779 790 Z2 Nachhaltigkeit/ Ökologie  (inkl. ISO 14001)  150 80 Z3 Qualitäts­ und  Arbeitssicherheitsm anagement  ISO 9001 60 0 Z4 Termin  [nicht beurteilt] [nicht beurteilt] Z5 Aufbau/Form des  Angebotes 20 20 Total 1'009 890 Die Differenz zwischen den beiden Angeboten beträgt folglich auch ohne  Berücksichtigung  des  Zuschlagskriteriums  Z4  (Termin)  bereits  119  Punkte (vgl. mutatis mutandis den Zwischenentscheid B­3311/2009 vom  16.  Juli  2009  E.  8.5  und  E.  10).  Selbst  wenn  das  Bundesverwaltungsgericht  demnach  zum  Schluss  käme,  dass  dem  Angebot der Beschwerdeführerin hier die volle Punktzahl von 80 und dem  der  Zuschlagsempfängerin  0  Punkte  zu  verleihen  wären,  läge  das  Angebot  der  Zuschlagsempfängerin  mit  39  Punkten  noch  immer  vor  demjenigen  der  Beschwerdeführerin.  Eine  Prüfung  der  Bewertung  des  Zuschlagskriteriums Z4  (Termin) erübrigt sich daher. Demzufolge  ist auf  die  Ausführungen  der  Beschwerdeführerin,  wonach  aufgrund  der  Erfahrungen  mit  der  Zuschlagsempfängerin  nicht  von  einer  Einhaltung  der angebotenen Termine ausgegangen werden könne (Beschwerde, S.  7), nicht näher einzugehen.

B­6762/2011 7.  Zusammenfassend ergibt sich, dass sich die Beschwerde aufgrund einer  prima  facie­Würdigung  als  offensichtlich  unbegründet  erweist,  weshalb  das Ersuchen um Erteilung der aufschiebenden Wirkung abzuweisen ist,  ohne  dass  eine  Interessenabwägung  vorzunehmen  wäre  (vgl.  E.  2.2  hiervor). 8.  In  Bezug  auf  die  Akteneinsicht  ist  zunächst  festzuhalten,  dass  der  Beschwerdeführerin  mit  Verfügung  vom  12.  Januar  2012  die  Totaloffertsumme  der  Zuschlagsempfängerin  offen  gelegt  worden  ist.  Ausserdem verfügt sie bisher nebst Aktenverzeichnis und Ordnerregister  insbesondere  über  den  teilweise  abgedeckten  Evaluationsbericht  in  der  Version  gemäss  Verfügung  vom  23.  Januar  2012,  aus  welchem  sich  insbesondere  ergibt,  dass  nur  die  Beschwerdeführerin  und  die  Zuschlagsemfpängerin  eine Offerte  eingereicht  haben.  Schliesslich  sind  der  Beschwerdeführerin  das  teilweise  abgedeckte  "Verzeichnis  für  die  'Technische  Ausrüstung'  der  BBL­Lieferanten  als  Marktstudie",  der  amtsinterne  Vermerk  der  Vergabestelle  vom  16.  September  2011  betreffend den Ausschluss von Varianten und Bietergemeinschaften, die  Titelseite  des  Geschäftsberichts  der  Druckerei  Flawil  AG  für  das  Jahr  2010 zuzüglich der Seite 24 (Anhang zur Jahresrechnung enthaltend die  Beteiligungsquoten), die auf die  "dfmedia Druckerei Flawil AG"  lautende  SQS­Bescheinigung  betreffend  Managementsysteme  gemäss  den  Anforderungen  von  ISO  9001  und  14001  sowie  die  der  Offerte  beiliegende  Briefumschlagskopie  zugestellt  worden.  Da  das  Zuschlagskriterium Z4 "Termin"  im Rahmen der vorliegenden Verfügung  nicht erörtert worden  ist,  ist es mit der Garantie des  rechtlichen Gehörs  vereinbar,  ihr  insoweit  –  insbesondere  was  die  ausserhalb  der  eigentlichen  Vergabeakten  liegenden  Dokumente  betreffend  die  bisherigen  Lieferungen  der  Zuschlagsempfängerinnen  betrifft  –,  die  Akteneinsicht  zumindest  einstweilen  zu  verweigern  (Zwischenentscheid  B­2197/2011 vom 19. Mai 2011 E. 5). Die Beschwerdeführerin kann sich  aufgrund der  ihr zur Verfügung stehenden Unterlagen ohne weiteres ein  Bild  machen  von  der  Ausgangslage  namentlich  mit  Blick  auf  die  Anfechtung  des  vorliegenden  Entscheids  (Zwischenentscheid  des  Bundesverwaltungsgerichts B­1470/ 2010 vom 24. März 2010 E. 7). Die  weitergehende  Gewährung  der  Akteneinsicht  im  Hauptverfahren  bleibt  vorbehalten.

B­6762/2011 9.  Über  die  Feststellung  und  Verlegung  der  Kosten  des  vorliegenden  Zwischenentscheides  ist mit dem Endentscheid zu befinden. Die weitere  Instruktion des Hauptverfahrens erfolgt mit separater Verfügung.

B­6762/2011 Demnach verfügt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Das  Gesuch  der  Beschwerdeführerin  um  Erteilung  der  aufschiebenden  Wirkung wird abgewiesen. 2.  Die Akteneinsichtsanträge der Beschwerdeführerin werden, soweit diesen  nicht  bereits  im  Rahmen  der  Instruktion  entsprochen  worden  ist,  einstweilen abgewiesen. 3.  Die  Instruktion  des  Schriftenwechsels  im  Hauptverfahren  erfolgt  mit  separater Verfügung. 4.  Über  die  Kostenfolgen  des  vorliegenden  Zwischenentscheides  wird  mit  dem Endentscheid befunden. 5.  Dieser Entscheid geht an: – die Beschwerdeführerin (Rechtsvertreter; Gerichtsurkunde, vorab per  Fax) – die  Vergabestelle  (Ref­Nr.  SIMAP  Nr.  714825;  Gerichtsurkunde,  vorab per Fax) – die  Zuschlagsempfängerin  (Rechtsvertreter;  Einschreiben,  vorab  per  Fax) Für die Rechtsmittelbelehrung wird auf die nächste Seite verwiesen. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin Marc Steiner Laura Melusine Baudenbacher

B­6762/2011 Rechtsmittelbelehrung: Gegen diesen Zwischenentscheid  kann  innert  30 Tagen nach Eröffnung  beim  Bundesgericht,  1000  Lausanne  14,  Beschwerde  in  öffentlich­ rechtlichen  Angelegenheiten  geführt  werden  (Art. 82  ff.,  90  ff.  und  100  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR  173.110]),  soweit  er  einen  nicht  wieder  gutzumachenden  Nachteil  bewirken  kann  (Art.  93  Abs.  1  Bst.  a  BGG)  und  sich  eine  Rechtsfrage  von  grundsätzlicher  Bedeutung  stellt  (Art.  83  Bst.  f  Ziff.  2  BGG).  Die  Rechtsschrift  hat  die  Begehren,  deren  Begründung  mit  Angabe  der  Beweismittel  und  die  Unterschrift  zu  enthalten.  Der  angefochtene  Entscheid und die Beweismittel sind, soweit sie der Beschwerdeführer in  Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG). Versand: Faxversand: 26. Januar 2012 Postversand: 27. Januar 2012

B-6762/2011 — Bundesverwaltungsgericht 26.01.2012 B-6762/2011 — Swissrulings