Bundesve rw altu ng sgeri ch t Tribunal ad ministratif f éd éral Tribunale am m in istrati vo federale Tribunal ad ministrativ fe deral
Abteilung II B-141/2012
Urteil v o m 1 2 . Dezember 2022 Besetzung Richter Marc Steiner (Vorsitz), Richter Pascal Richard, Richter David Aschmann, Gerichtsschreiberin Fanny Paucker.
Parteien Estée Lauder GmbH, Hardturmstrasse 11, Postfach, 8031 Zürich, vertreten durch die Rechtsanwälte Dr. iur. Franz Schenker und/oder lic. iur. Philippe Reich, Baker McKenzie Zurich, Holbeinstrasse 30, Postfach, 8034 Zürich, Beschwerdeführerin,
gegen Wettbewerbskommission WEKO, Monbijoustrasse 43, 3003 Bern, Vorinstanz.
Gegenstand Verfügung der WEKO vom 31. Oktober 2011 im Untersuchungsverfahren 22-0377 betreffend ASCOPA wegen unzulässiger Wettbewerbsabreden gemäss Art. 5 Abs. 1 KG.
B-141/2012 Inhaltsverzeichnis
SACHVERHALT: ...................................................................................................................................................... 13 A. Konstituierung, Zweck und Aktivitäten des Branchenverbands ASCOPA ............................................................................ 13 B. Vorinstanzliches Verfahren ................................................................................................................................................. 15 B.a Geschehnisse vor der Eröffnung der Untersuchung durch das Sekretariat ....................................................................... 16 B.b Eröffnung der Untersuchung aufgrund einer Selbstanzeige .............................................................................................. 16 B.c Erster Verfügungsantrag ...................................................................................................................................................... 17 B.d Verfahren vor Bundesverwaltungsgericht betreffend Ausstandsbegehren gegen mit der Sache befasste Mitarbeiter des Sekretariats ......................................................................................................................................................................... 18 B.e Fortgang des Verfahrens nach dem ersten Verfügungsantrag .......................................................................................... 19 B.f Zweiter Verfügungsantrag vom 20. Mai 2011 ..................................................................................................................... 19 B.g Die angefochtene Verfügung der Vorinstanz ...................................................................................................................... 20 B.g.a Das Dispositiv der angefochtenen Verfügung ............................................................................................................. 20 B.g.b Die Begründung der angefochtenen Verfügung ......................................................................................................... 21 B.g.b.a Informationsaustausch (Austausch von Bruttopreisen, Umsätzen und Ausgaben für Werbung) ......................... 21 B.g.b.a.a Wettbewerbsabrede (Art. 4 Abs. 1 KG) ......................................................................................................... 21 B.g.b.a.b Marktabgrenzung .......................................................................................................................................... 22 B.g.b.a.c Erheblichkeitsprüfung (Art. 5 Abs. 1 KG)........................................................................................................ 22 B.g.b.a.c.a Ökonometrische Untersuchungen .......................................................................................................... 22 B.g.b.a.c.b Qualitative Kriterien der Erheblichkeit ................................................................................................... 23 B.g.b.a.c.c Quantitative Kriterien der Erheblichkeit ................................................................................................. 24 B.g.b.a.c.d Rechtfertigung durch Gründe der wirtschaftlichen Effizienz (Art. 5 Abs. 2 KG) ..................................... 25 B.g.b.b Empfehlungen zu allgemeinen Geschäftsbedingungen ........................................................................................ 25 C. Beschwerde der Beschwerdeführerin ................................................................................................................................. 25 C.a Beschwerdeanträge und prozessuale Begehren................................................................................................................. 25 C.b Rügen der Beschwerdeführerin .......................................................................................................................................... 26 C.b.a Formelle Rüge betreffend die Akteneinsicht ............................................................................................................... 26 C.b.b Materielle Rügen ......................................................................................................................................................... 27 C.b.b.a Rüge, dass die Vorinstanz zu Unrecht eine Wettbewerbsabrede gemäss Art. 4 Abs. 1 KG angenommen habe ... 27 C.b.b.b Rügen zur Marktabgrenzung ................................................................................................................................. 28 C.b.b.c Rügen zur Erheblichkeit (Art. 5 Abs. 1 KG) ............................................................................................................. 28 D. Weiteres Verfahren vor Bundesverwaltungsgericht ........................................................................................................... 29 D.a Die Vernehmlassung ........................................................................................................................................................... 29 D.b Akteneinsicht ...................................................................................................................................................................... 29 D.b.a Ausführungen der Parteien ......................................................................................................................................... 29 D.b.b Bei der Vorinstanz veranlasste Akteneinsicht ............................................................................................................ 29
B-141/2012 D.c Weitere Verfahrensschritte vor Bundesverwaltungsgericht ............................................................................................. 30 DAS BUNDESVERWALTUNGSGERICHT ZIEHT IN ERWÄGUNG: ............................................................. 34 1. Prozessvoraussetzungen ..................................................................................................................................................... 34 2. Anwendungsbereich des Kartellgesetzes............................................................................................................................. 36 2.2 Persönlicher Geltungsbereich ............................................................................................................................................. 37 2.3 Sachlicher Geltungsbereich ................................................................................................................................................. 38 2.4 Räumlicher Geltungsbereich ............................................................................................................................................... 40 2.5 Verhältnis zu anderen Rechtsvorschriften .......................................................................................................................... 40 2.6 Fazit zum Anwendungsbereich ........................................................................................................................................... 41 3. Prozessuale Begehren und verfahrensrechtliche Rügen ...................................................................................................... 42 3.1 Prozessuale Begehren .......................................................................................................................................................... 42 3.1.1 Antrag auf Durchführung einer öffentlichen Parteiverhandlung / Wahrung des Replikrechts ................................. 42 3.1.2 Prozessuales Begehren zur Nichtoffenlegung der Beschwerde .................................................................................. 43 3.1.3 Antrag auf Beizug der vorinstanzlichen Akten und Akteneinsichtsbegehren ............................................................ 44 3.2 Verfahrensrechtliche Rügen ................................................................................................................................................ 44 3.2.1 Verletzung der Unschuldsvermutung, des Untersuchungsgrundsatzes und mangelhafte Beweisführung ............... 44 3.2.1.1 Vorbringen der Beschwerdeführerin ...................................................................................................................... 44 3.2.1.2 Vorbringen der Vorinstanz ..................................................................................................................................... 46 3.2.1.3 Grundlagen betreffend die Unschuldsvermutung ................................................................................................. 46 3.2.1.4 Gerichtliche Würdigung betreffend die Unschuldsvermutung .............................................................................. 48 3.2.2 Untersuchungsgrundsatz und das relevante Beweismass im Verwaltungsprozess ................................................... 48 3.2.2.1 Grundlagen ............................................................................................................................................................ 48 3.2.2.2 Würdigung ............................................................................................................................................................. 51 3.2.3 Verletzung des rechtlichen Gehörs .............................................................................................................................. 57 3.2.3.1 Verletzung der Begründungspflicht durch zu pauschale Abhandlung der Rügen der ASCOPA-Mitglieder ............ 58 i. Vorbringen der Beschwerdeführerin .................................................................................................................... 58 ii. Vorbringen der Vorinstanz ................................................................................................................................... 58 iii. Würdigung ............................................................................................................................................................ 59 3.2.3.2 Verletzung der Begründungspflicht durch Ignorieren der Vorbringen, welche spezifisch die Beschwerdeführerin betroffen haben ................................................................................................................................................................. 59 i. Vorbringen der Beschwerdeführerin .................................................................................................................... 59 ii. Vorbringen der Vorinstanz ................................................................................................................................... 60 iii. Würdigung ............................................................................................................................................................ 60 3.2.4 Verletzung des Anspruchs auf Akteneinsicht / Heilung der Verletzung des rechtlichen Gehörs .............................. 62 3.2.4.1 Das Recht auf Akteneinsicht .................................................................................................................................. 62 3.2.4.2 Die Heilung von Verletzungen des rechtlichen Gehörs .......................................................................................... 62 3.2.4.3 Vorbringen der Beschwerdeführerin ...................................................................................................................... 63 3.2.4.4 Vorbringen der Vorinstanz ..................................................................................................................................... 63
B-141/2012 3.2.4.5 Schriftenwechsel im vorinstanzlichen Verfahren betreffend den Zugang zu den Korrelationsdaten .................... 64 3.2.4.6 Würdigung ............................................................................................................................................................. 65 3.2.5 Fazit ............................................................................................................................................................................... 67 3.2.6 Gespräch von ASCOPA-Vertretern mit einem leitenden Mitarbeitenden des Sekretariates der Vorinstanz ........... 67 3.2.6.1 Vorbringen der Beschwerdeführerin ...................................................................................................................... 67 3.2.6.2 Vorbringen der Vorinstanz ..................................................................................................................................... 68 3.2.6.3 Würdigung ............................................................................................................................................................. 69 3.3 Ausstandsrügen ................................................................................................................................................................... 72 3.4 Rüge, dass die Verbotsverfügung nicht ausreichend bestimmt sei ................................................................................... 73 3.5 Fazit ...................................................................................................................................................................................... 75 4. Art. 4 Abs. 1 KG (Informationsaustausch) ............................................................................................................................ 76 4.1 Aufbau der materiellen Prüfung ......................................................................................................................................... 76 4.2 Zu Art. 4 Abs. 1 KG im Allgemeinen .................................................................................................................................... 76 4.3 Relevanz des EU-Rechts und weiterer Grundlagen in Bezug auf den Informationsaustausch ......................................... 78 4.4 Informationsaustausch als Wettbewerbsabrede gemäss Art. 4 Abs. 1 KG........................................................................ 79 4.4.3 Handlungen des Informationsaustausches und Abredequalität ................................................................................ 80 4.4.3.1 Grundlagen ............................................................................................................................................................ 80 4.4.3.2 Bedeutung der Vereinsbeschlüsse und Statuten .................................................................................................... 82 4.4.3.3 Die Zurechenbarkeit der Handlungen von ASCOPA ............................................................................................... 83 4.4.3.4 Der Austausch von Bruttopreislisten ..................................................................................................................... 85 4.4.3.5 Der Austausch von Umsatzinformationen ............................................................................................................. 86 4.4.3.6 Der Austausch von Angaben zu den Werbeinvestitionen ...................................................................................... 88 4.4.3.7 Disziplinierung bzw. Sanktionen als Merkmal der Vereinbarungsqualität ............................................................ 89 i. Vorbringen der Beschwerdeführerin .................................................................................................................... 89 ii. Vorbringen der Vorinstanz ................................................................................................................................... 89 iii. Würdigung durch das Gericht............................................................................................................................... 89 4.4.3.8 Unternehmen auf gleicher Marktstufe und Funktion von ASCOPA ....................................................................... 91 4.4.3.9 Zwischenfazit ......................................................................................................................................................... 92 4.5 Wettbewerbsparameter und wettbewerbssensible Informationen (Art. 4 Abs. 1 KG) .................................................... 93 4.5.1 Vorbringen der Beschwerdeführerin ........................................................................................................................... 93 4.5.2 Vorbringen der Vorinstanz ........................................................................................................................................... 94 4.5.3 Grundlagen zu Wettbewerbsparametern und wettbewerbssensiblen Informationen auf der Stufe von Art. 4 Abs. 1 KG ................................................................................................................................................................................ 94 4.5.4 Prüfung der Wettbewerbsparameter bzw. wettbewerbssensibler Informationen (Art. 4 Abs. 1 KG) ...................... 96 4.5.4.1 Wettbewerbsparameter Preis (Austausch der Bruttopreislisten) .......................................................................... 96 4.5.4.2 Umsätze (Austausch der Bruttoumsatzzahlen) ..................................................................................................... 98 4.5.4.3 Wettbewerbsparameter Werbung (Austausch der Werbeinvestitionen) .............................................................. 99 i. Vorbringen der Beschwerdeführerin .................................................................................................................... 99 ii. Vorbringen der Vorinstanz ................................................................................................................................... 99 iii. Würdigung .......................................................................................................................................................... 100 4.5.5 Fazit ............................................................................................................................................................................. 101
B-141/2012 4.6 Bezweckte Wettbewerbsbeschränkung ........................................................................................................................... 101 4.6.3 Vorbringen der Parteien ............................................................................................................................................. 102 4.6.3.1 Vorbringen der Beschwerdeführerin .................................................................................................................... 102 4.6.3.2 Vorbringen der Vorinstanz ................................................................................................................................... 103 4.6.4 Grundlagen zum Bezwecken ...................................................................................................................................... 104 4.6.5 Würdigung .................................................................................................................................................................. 106 4.6.6 Zwischenfazit .............................................................................................................................................................. 108 4.7 Prüfung der prokompetitiven Natur des Informationsaustauschs und der Bedeutung Handlungsfreiheit bzw. der Einschränkung derselben im Rahmen von Art. 4 Abs. 1 KG ................................................................................................... 109 4.7.1 Vorbringen der Beschwerdeführerin ......................................................................................................................... 109 4.7.2 Vorbringen der Vorinstanz ......................................................................................................................................... 109 4.7.3 Meinungsstreit zur Frage, was unter Art. 4 KG und was unter Art. 5 KG zu prüfen ist ............................................ 110 4.7.4 Würdigung durch das Gericht .................................................................................................................................... 112 4.7.4.3 Die Bedeutung der Einschränkung der Handlungsfreiheit im Rahmen von Art. 4 Abs. 1 KG ............................... 112 4.8 Fazit zu Art. 4 Abs. 1 KG ..................................................................................................................................................... 113 5. Marktabgrenzung .............................................................................................................................................................. 114 5.1 Begriff ................................................................................................................................................................................. 114 5.2 Bezug zum europäischen Wettbewerbsrecht ................................................................................................................... 115 5.3 Sachliche Marktabgrenzung .............................................................................................................................................. 115 5.3.1 Marktabgrenzung aus Sicht der Marktgegenseite ................................................................................................... 115 5.3.1.1 Vorbringen der Beschwerdeführerin .................................................................................................................... 115 5.3.1.2 Vorbringen der Vorinstanz ................................................................................................................................... 115 5.3.1.3 Grundlagen .......................................................................................................................................................... 116 5.3.1.4 Würdigung ........................................................................................................................................................... 118 5.3.2 Abgrenzung des Luxus-/Prestigekosmetikmarktes vom Kosmetikmassenmarkt .................................................... 119 5.3.2.1 Zum Begriff der Kosmetika .................................................................................................................................. 120 5.3.2.2 Vorgehen ............................................................................................................................................................. 120 5.3.2.3 Rechtsprechung ................................................................................................................................................... 122 i. Schweizer Rechtsprechung zur Luxuskosmetik .................................................................................................. 122 ii. Das „Coty“-Urteil des EuGH und die Folgen ....................................................................................................... 123 iii. Fazit zur Rechtsprechung ................................................................................................................................... 124 5.3.2.4 Marke, Image und Luxuscharakter (Bedarfsmarktkonzept) ................................................................................ 125 i. Grundlagen zum Bedarfsmarktkonzept (Luxus- bzw. Prestigeaspekt) ............................................................... 125 ii. Würdigung zum Bedarfsmarktkonzept (Luxus- bzw. Prestigeaspekt) ................................................................ 128 iii. Der Luxus- bzw. Prestigecharakter bei Estée Lauder .......................................................................................... 129 iv. Zwischenfazit ...................................................................................................................................................... 130 5.3.2.5 Marktabgrenzungsfragen anhand der Thematik der Preisbildung ..................................................................... 130 i. Vorbringen der Beschwerdeführerin .................................................................................................................. 130 ii. Vorbringen der Vorinstanz ................................................................................................................................. 130 iii. Grundlagen zur Methode Kreuzpreiselastizität .................................................................................................. 131 iv. Würdigung des Gerichts unter Beizug der Resultate der ökonometrischen Untersuchungen der Vorinstanz .. 132
B-141/2012 5.3.2.6 Zwischenfazit ....................................................................................................................................................... 135 5.3.3 Distribution - Selektiver Vertrieb ............................................................................................................................... 135 5.3.3.1 Vorbringen der Beschwerdeführerin .................................................................................................................... 135 5.3.3.2 Vorbringen der Vorinstanz .................................................................................................................................. 136 5.3.3.3 Grundlagen .......................................................................................................................................................... 136 i. Rechtsprechung zum schweizerischen Recht ..................................................................................................... 136 ii. Rechtsprechung in der EU, namentlich Deutschland und Frankreich ................................................................ 137 5.3.3.4 Würdigung des Gerichts ...................................................................................................................................... 141 i. Selektivvertrieb bei den am Informationsaustausch beteiligten Marken .......................................................... 141 ii. Zwischenfazit hinsichtlich des Selektivvertriebes ............................................................................................... 143 5.3.3.5 Fazit zur Abgrenzung zwischen Luxuskosmetik- und Massenmarkt .................................................................... 143 5.3.4 Gliederung des sachlich relevanten Marktes in Untersegmente .............................................................................. 143 5.3.4.1 Vorbringen der Beschwerdeführerin .................................................................................................................... 143 5.3.4.2 Vorbringen der Vorinstanz ................................................................................................................................... 144 5.3.4.3 Grundlagen .......................................................................................................................................................... 144 5.3.4.4 Würdigung ........................................................................................................................................................... 145 5.3.5 Fazit ............................................................................................................................................................................ 146 5.4 Räumliche Marktabgrenzung ............................................................................................................................................ 146 6. Prüfung der Erheblichkeit des Informationsaustauschs (Art. 5 KG) ................................................................................... 148 6.1 Keine Anwendung von Art. 5 Abs. 3 KG ............................................................................................................................ 148 6.2 Klassifizierung des vorliegenden Informationsaustausches ............................................................................................. 150 6.2.1 Gegenstand des Informationsaustauschs .................................................................................................................. 150 6.2.2 Direkter oder indirekter Informationsaustausch ....................................................................................................... 151 6.2.3 Selbständiger oder unselbständiger Informationsaustausch ................................................................................... 151 6.3 Vor die Klammer gezogene Bemerkungen zur Prüfung einer erheblichen Beeinträchtigung des Wettbewerbs gemäss Art. 5 Abs. 1 KG ........................................................................................................................................................................ 154 6.3.1 Kein Vorliegen einer (qualifizierten) Bagatelle ......................................................................................................... 155 6.3.1.1 Vorbringen der Beschwerdeführerin .................................................................................................................... 155 6.3.1.2 Vorbringen der Vorinstanz ................................................................................................................................... 155 6.3.1.3 Grundlagen .......................................................................................................................................................... 155 6.3.1.4 Würdigung ........................................................................................................................................................... 156 6.3.2 Zusammenwirken der qualitativen und quantitativen Elemente der Erheblichkeit gemäss Art. 5 Abs. 1 KG ........ 158 6.3.3 Kein Nachweis von Auswirkungen erforderlich ......................................................................................................... 162 6.3.3.1 Vorbringen der Beschwerdeführerin .................................................................................................................... 162 6.3.3.2 Vorbringen der Vorinstanz ................................................................................................................................... 163 6.3.3.3 Grundlagen und Würdigung ................................................................................................................................ 164 i. Prüfung, ob dem Erheblichkeitskriterium das Erfordernis einer Auswirkungsprüfung zu entnehmen ist ......... 166 6.3.3.3.5 Auswirkungen als qualitatives Element der Erheblichkeit ....................................................................... 167 6.3.3.3.6 Auswirkungen als quantitatives Element der Erheblichkeit .................................................................... 168 ii. Prüfung, ob dem Kriterium der „Beeinträchtigung“ das Erfordernis einer Auswirkungsprüfung zu entnehmen ist 169
B-141/2012 6.3.3.4 Zwischenfazit ....................................................................................................................................................... 171 6.3.4 Der Informationsaustausch wurde gelebt bzw. umgesetzt ...................................................................................... 172 6.3.4.1 Vorbringen der Beschwerdeführerin .................................................................................................................... 172 6.3.4.2 Vorbringen der Vorinstanz ................................................................................................................................... 172 6.3.4.3 Grundlagen .......................................................................................................................................................... 172 6.3.4.4 Würdigung ........................................................................................................................................................... 174 6.3.5 Die Bedeutung des EU-Kartellrechts und insbesondere der Horizontalleitlinien im Rahmen der Erheblichkeitsprüfung ......................................................................................................................................................... 175 6.3.5.5 Qualitative Aspekte in den Horizontalleitlinien ................................................................................................... 177 6.3.5.6 Quantitative Aspekte in den Horizontalleitlinien ................................................................................................. 179 6.3.6 Zwischenfazit zu den Erwägungen 6.1 bis 6.3 ........................................................................................................... 179 6.4 Die qualitativen Elemente der Erheblichkeit .................................................................................................................... 181 6.4.1 Informationsaustauschspezifische Aspekte ............................................................................................................... 181 6.4.1.1 Die Häufigkeit des Austausches ........................................................................................................................... 182 i. Der Austausch von Bruttopreislisten .................................................................................................................. 183 ii. Der Austausch von Umsatzinformationen.......................................................................................................... 183 iii. Der Austausch von Angaben zu den Werbeinvestitionen .................................................................................. 185 iv. Fazit .................................................................................................................................................................... 185 6.4.1.2 Historizität der ausgetauschten Informationen................................................................................................... 186 i. Vorbringen der Beschwerdeführerin .................................................................................................................. 186 ii. Vorbringen der Vorinstanz ................................................................................................................................. 187 iii. Würdigung .......................................................................................................................................................... 187 6.4.1.3 Aggregierungsgrad der Informationen ................................................................................................................ 188 i. Vorbringen der Beschwerdeführerin .................................................................................................................. 189 ii. Vorbringen der Vorinstanz ................................................................................................................................. 190 iii. Würdigung .......................................................................................................................................................... 192 6.4.1.4 Öffentliche Informationen oder Geschäftsgeheimnisse ...................................................................................... 194 i. Vorbringen der Beschwerdeführerin .................................................................................................................. 194 ii. Vorbringen der Vorinstanz ................................................................................................................................. 195 iii. Grundlagen ......................................................................................................................................................... 195 iv. Würdigung .......................................................................................................................................................... 196 6.4.1.5 Informationsasymmetrien ................................................................................................................................... 196 6.4.1.6 Zwischenfazit ....................................................................................................................................................... 197 6.4.2 Wettbewerbsparameter gemäss Art. 5 Abs. 1 KG .................................................................................................... 198 6.4.2.1 Vorbringen der Beschwerdeführerin .................................................................................................................... 198 6.4.2.2 Vorbringen der Vorinstanz ................................................................................................................................... 198 6.4.2.3 Grundlagen .......................................................................................................................................................... 199 6.4.2.4 Der Austausch der Bruttopreislisten .................................................................................................................. 200 i. Vorbringen der Vorinstanz ................................................................................................................................. 200 ii. Vorbringen der Beschwerdeführerin .................................................................................................................. 201 iii. Eingabe der Vorinstanz vom 3. September 2018 ............................................................................................... 204 iv. Grundlagen ......................................................................................................................................................... 205
B-141/2012 v. Würdigung .......................................................................................................................................................... 208 vi. Zwischenfazit ...................................................................................................................................................... 216 6.4.2.5 Der Austausch der Bruttoumsätze ...................................................................................................................... 217 i. Vorbringen der Beschwerdeführerin .................................................................................................................. 217 ii. Vorbringen der Vorinstanz ................................................................................................................................. 217 iii. Grundlagen ......................................................................................................................................................... 219 iv. Würdigung .......................................................................................................................................................... 219 v. Zwischenfazit ...................................................................................................................................................... 222 6.4.2.6 Der Austausch von Werbeinvestitionen ............................................................................................................. 223 i. Sachverhalt ......................................................................................................................................................... 223 ii. Vorbringen der Beschwerdeführerin .................................................................................................................. 223 iii. Vorbringen der Vorinstanz ................................................................................................................................. 224 iv. Würdigung .......................................................................................................................................................... 224 v. Zwischenfazit ...................................................................................................................................................... 227 6.4.3 Fazit zu den qualitativen Elementen der Erheblichkeit ............................................................................................. 227 6.5 Quantitative Elemente der Erheblichkeit ......................................................................................................................... 228 6.5.1 Einleitende Bemerkungen zu den quantitativen Elementen der Erheblichkeit ........................................................ 228 6.5.2 Rügen zum Beweismass in Bezug auf die quantitativen Elemente der Erheblichkeit .............................................. 230 6.5.3 Die Marktmerkmale und die quantitativen Elemente der Erheblichkeit .................................................................. 232 6.5.3.1 Vorbringen der Beschwerdeführerin .................................................................................................................... 232 6.5.3.2 Vorbringen der Vorinstanz ................................................................................................................................... 232 6.5.3.3 Grundlagen .......................................................................................................................................................... 232 6.5.3.4 Würdigung ........................................................................................................................................................... 233 6.5.4 Aussenwettbewerb..................................................................................................................................................... 235 6.5.4.1 Aktueller Wettbewerb ......................................................................................................................................... 235 6.5.4.2 Mögliche Konkurrenten ausserhalb von ASCOPA ................................................................................................ 235 i. Vorbringen der Beschwerdeführerin .................................................................................................................. 235 ii. Vorbringen der Vorinstanz ................................................................................................................................. 236 iii. Würdigung .......................................................................................................................................................... 236 6.5.4.3 Parallelimporte, Tax-Free-Shops und Einkaufstourismus .................................................................................... 237 i. Vorbringen der Beschwerdeführerin .................................................................................................................. 237 ii. Vorbringen der Vorinstanz ................................................................................................................................. 237 iii. Würdigung .......................................................................................................................................................... 238 6.5.4.4 Nur leicht wachsender bis stagnierender Markt ................................................................................................. 240 i. Vorbringen der Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung ............................................................................ 240 ii. Vorbringen der Beschwerdeführerin .................................................................................................................. 241 iii. Vorbringen der Vorinstanz in der Vernehmlassung und Duplik ......................................................................... 241 iv. Vorbringen der Beschwerdeführerin in der Stellungnahme zur Duplik ............................................................. 244 v. Würdigung hinsichtlich des Marktes der vom Informationsaustausch umfassten Produkte ............................ 244 vi. Würdigung hinsichtlich der Teilmärkte von ASCOPA ......................................................................................... 248 vii. Bedeutung der Marktanteile der Beschwerdeführerin ...................................................................................... 251 viii. Fazit zum aktuellen Wettbewerb ....................................................................................................................... 253
B-141/2012 6.5.4.5 Potenzieller Wettbewerb ..................................................................................................................................... 253 i. Vorbringen der Beschwerdeführerin .................................................................................................................. 253 ii. Vorbringen der Vorinstanz ................................................................................................................................. 254 iii. Würdigung .......................................................................................................................................................... 254 iv. Fazit .................................................................................................................................................................... 255 6.5.4.6 Zwischenfazit zum Aussenwettbewerb ................................................................................................................ 256 6.5.5 Stellung der Marktgegenseite ................................................................................................................................... 256 6.5.5.1 Vorbringen der Beschwerdeführerin .................................................................................................................... 256 6.5.5.2 Vorbringen der Vorinstanz ................................................................................................................................... 256 6.5.5.3 Würdigung ........................................................................................................................................................... 257 6.5.5.4 Fazit ..................................................................................................................................................................... 258 6.5.6 Innenwettbewerb ....................................................................................................................................................... 258 6.5.6.1 Vorbringen der Beschwerdeführerin und der Vorinstanz .................................................................................... 258 6.5.6.2 Würdigung ........................................................................................................................................................... 261 6.5.6.3 Fazit zum Innenwettbewerb ................................................................................................................................ 264 6.5.7 Fazit zu den quantitativen Elementen der Erheblichkeit........................................................................................... 265 6.5.8 Fazit zur Erheblichkeit insgesamt .............................................................................................................................. 266 6.6 Rechtfertigungsgründe ...................................................................................................................................................... 266 6.6.1 Allgemeine Ausführungen zu den Rechtfertigungsgründen ..................................................................................... 266 6.6.1.2 Die Rechtfertigungsgründe gemäss Art. 5 Abs. 2 KG ........................................................................................... 267 6.6.2 Zu Beweismass und Beweislast hinsichtlich der Rechtfertigungsgründe ................................................................. 269 6.6.3 Die Rechtfertigungsgründe im Einzelnen .................................................................................................................. 271 6.6.3.1 Verbesserung von Produkten oder Produktionsverfahren ................................................................................... 271 i. Vorbringen der Beschwerdeführerin .................................................................................................................. 271 ii. Vorbringen der Vorinstanz ................................................................................................................................. 271 iii. Grundlagen ......................................................................................................................................................... 272 iv. Würdigung .......................................................................................................................................................... 272 6.6.3.2 Rationellere Nutzung von Ressourcen ................................................................................................................. 274 i. Vorbringen der Beschwerdeführerin .................................................................................................................. 274 ii. Vorbringen der Vorinstanz ................................................................................................................................. 275 iii. Grundlagen ......................................................................................................................................................... 275 iv. Würdigung .......................................................................................................................................................... 276 6.6.3.3 Senkung der Herstellungs- oder Vertriebskosten................................................................................................. 277 i. Vorbringen der Beschwerdeführerin .................................................................................................................. 277 ii. Vorbringen der Vorinstanz ................................................................................................................................. 277 iii. Grundlagen ......................................................................................................................................................... 277 iv. Würdigung .......................................................................................................................................................... 278 6.6.3.4 Förderung der Forschung und Verbreitung von technischem oder beruflichem Wissen ..................................... 279 i. Vorbringen der Beschwerdeführerin .................................................................................................................. 279 ii. Vorbringen der Vorinstanz ................................................................................................................................. 279 iii. Grundlagen ......................................................................................................................................................... 279 iv. Würdigung .......................................................................................................................................................... 280
B-141/2012 6.6.4 Kein gesamtwirtschaftliches Interesse ...................................................................................................................... 281 6.6.5 Fazit ............................................................................................................................................................................ 281 6.7 Fazit zu Art. 5 KG betreffend die ausgetauschten Bruttopreislisten, Umsätze und Werbeinvestitionen ...................... 282 7. AGB - Conditions générales de vente (Art. 4 Abs. 1 KG) ..................................................................................................... 284 7.1 Empfehlung ohne Abredequalität, Vereinbarung oder abgestimmte Verhaltensweise ................................................. 284 7.1.1 Vorbringen der Beschwerdeführerin ......................................................................................................................... 284 7.1.2 Vorbringen der Vorinstanz und Sachverhalt zu den AGB-Empfehlungen ................................................................. 285 7.1.3 Grundlagen ................................................................................................................................................................. 287 7.1.3.1 Der Begriff der Empfehlung ................................................................................................................................. 287 7.1.3.2 Horizontale Empfehlung mit vertikalen Aspekten ............................................................................................... 287 7.1.3.3 Echte Empfehlung ................................................................................................................................................ 288 7.1.3.4 Empfehlung in Vereinbarungsform ...................................................................................................................... 288 7.1.3.5 Befolgte Empfehlung ........................................................................................................................................... 290 7.1.4 Qualifikation der AGB-Empfehlungen / Würdigung ................................................................................................. 291 7.1.4.3 Abstimmung über die Änderungen der AGB-Empfehlungen an der Generalversammlung im Jahr 2001 ........... 292 7.1.4.4 Komitee-Sitzungen ............................................................................................................................................... 292 7.1.4.5 Unselbständiger Informationsaustausch in Bezug auf das Anfügen der AGB an die Bruttopreislisten und die Vergleichsliste der AGB der ASCOPA-Mitglieder im Jahr 2003 ........................................................................................ 294 7.1.4.6 Relevanz des Vorliegens von Druck oder Zwang im Rahmen der Prüfung der Abredequalität ........................... 295 7.1.4.7 Zwischenfazit ....................................................................................................................................................... 295 7.2 Betroffensein von Wettbewerbsparametern (Art. 4 Abs. 1 KG) ...................................................................................... 296 7.2.1 Vorbringen der Beschwerdeführerin ......................................................................................................................... 296 7.2.2 Vorbringen der Vorinstanz ......................................................................................................................................... 297 7.2.3 Grundlagen ................................................................................................................................................................. 297 7.2.4 Würdigung .................................................................................................................................................................. 297 7.3 Bezweckte Wettbewerbsbeschränkung gemäss Art. 4 Abs. 1 KG .................................................................................... 298 7.3.1 Vorbringen der Beschwerdeführerin ......................................................................................................................... 298 7.3.2 Vorbringen der Vorinstanz ......................................................................................................................................... 299 7.3.3 Grundlagen ................................................................................................................................................................. 299 7.3.4 Würdigung .................................................................................................................................................................. 300 7.4 Fazit zu Art. 4 Abs. 1 KG ..................................................................................................................................................... 302 8. Marktabgrenzung hinsichtlich der AGB Empfehlungen ..................................................................................................... 302 9. Die AGB / „Conditions générales de vente“ als Thema von Art. 5 KG ................................................................................ 302 9.1 Keine Erheblichkeitsprüfung in der angefochtenen Verfügung betreffend die AGB-Empfehlungen ............................. 302 9.2 Allgemeine Aussagen zur Erheblichkeitsprüfung der AGB-Empfehlungen (Art. 5 Abs. 1 KG) ......................................... 304 9.3 Befolgungsgrad .................................................................................................................................................................. 304 9.3.1 Vorbringen der Vorinstanz ......................................................................................................................................... 305 9.3.2 Vorbringen der Beschwerdeführerin ......................................................................................................................... 305 9.3.3 Ist der Befolgungsgrad Prüfungsvoraussetzung der Erheblichkeit? ......................................................................... 306
B-141/2012 9.3.3.2 Befolgungsgrad als Teil des Prüfprogramms betreffend die quantitativen Elemente der Erheblichkeit ............. 307 9.3.3.3 Befolgungsgrad als Teil des Prüfprogramms betreffend die qualitativen Elemente der Erheblichkeit ............... 308 9.3.3.4 Befolgungsgrad als separates Erfordernis zur Bejahung der Erheblichkeit? ....................................................... 310 9.4 Die qualitativen Elemente der Erheblichkeit .................................................................................................................... 313 9.4.1 Vorbringen der Beschwerdeführerin ......................................................................................................................... 314 9.4.2 Würdigung .................................................................................................................................................................. 314 9.4.2.3 Die Bedeutung der AGB-Empfehlungen in ihrem Gesamtkontext für die betroffenen Wettbewerbsparameter 314 9.4.2.4 Die Bedeutung der einzelnen Klauseln der AGB-Empfehlungen für die betroffenen Wettbewerbsparameter ... 316 i. Die Vorgaben zu den Minimalbestellungen in den AGB ..................................................................................... 316 ii. Die Vorgaben zu den Lieferkosten in den AGB ................................................................................................... 317 iii. Die Bedingungen zu den Rücksendungen in den AGB ........................................................................................ 317 iv. Die Vorgaben zu den Zahlungsbedingungen in den AGB ................................................................................... 318 v. Die AGB-Klauseln als Gesamtsystem .................................................................................................................. 319 9.4.3 Fazit zu den qualitativen Elementen der Erheblichkeit ............................................................................................. 320 9.5 Die quantitativen Elemente der Erheblichkeit ................................................................................................................. 321 9.5.1 Aussen- und Innenwettbewerb .................................................................................................................................. 321 9.5.2 Stellung der Marktgegenseite ................................................................................................................................... 322 9.5.3 Zwischenfazit .............................................................................................................................................................. 323 9.6 Zwischenfazit zur Erheblichkeit ......................................................................................................................................... 324 9.7 Rechtfertigungsgründe ...................................................................................................................................................... 324 9.7.2 Grundlagen ................................................................................................................................................................. 325 9.7.3 Würdigung .................................................................................................................................................................. 326 9.7.4 Prüfung der Rechtfertigungsgründe zu den AGB-Empfehlungen ............................................................................. 328 9.7.4.1 Verbesserung von Produkten oder Produktionsverfahren (vgl. E. 6.6.3.1.4 hiervor) ........................................... 328 9.7.4.2 Rationellere Nutzung von Ressourcen (vgl. E. 6.6.3.2.3 hiervor) ......................................................................... 328 9.7.4.3 Förderung der Forschung und Verbreitung von technischem oder beruflichem Wissen (vgl. E. 6.6.3.4.3 hiervor) ......................................................................................................................................................................................... 329 9.7.4.4 Senkung der Herstellungs- oder Vertriebskosten (vgl. E. 6.6.3.3.3 hiervor) ........................................................ 329 9.7.4.5 Kalkulationshilfen-Bekanntmachung ................................................................................................................... 330 9.7.4.6 Fazit zu den Rechtfertigungsgründen betreffend die AGB-Empfehlungen .......................................................... 332
B-141/2012 10. Gesamtfazit zur kartellrechtlichen Beurteilung ............................................................................................................... 332 11. Verfahrenskosten im vorinstanzlichen Verfahren ........................................................................................................... 334 11.1 Verfahrenskostenberechnung in der angefochtenen Verfügung ................................................................................... 334 11.2 Vorbringen der Beschwerdeführerin (Beschwerde) ....................................................................................................... 334 11.3 Vorbringen der Vorinstanz in der Vernehmlassung ....................................................................................................... 336 11.4 Vorbringen der Beschwerdeführerin in ihrer Replik ...................................................................................................... 336 11.5 Vorbringen der Vorinstanz (Duplik) ................................................................................................................................ 337 11.6 Grundlagen ...................................................................................................................................................................... 337 11.7 Würdigung ....................................................................................................................................................................... 338 11.8 Fazit .................................................................................................................................................................................. 340 12. Verfahrenskosten und Parteientschädigung vor Bundesverwaltungsgericht ................................................................... 340 12.1 Verfahrenskosten ............................................................................................................................................................ 340 12.1.1 Grundlagen zur Bemessung der Verfahrenskosten ................................................................................................. 340 12.1.2 Streitigkeit mit oder ohne Vermögensinteresse ...................................................................................................... 341 12.1.3 Kostenfestsetzung und -verlegung .......................................................................................................................... 342 12.2 Parteientschädigung und Kostennote ............................................................................................................................. 344 12.2.3 Im Rahmen der nachgeholten Akteneinsicht entstandener Aufwand .................................................................... 344 12.2.3.1 Vorbringen der Vorinstanz und der Beschwerdeführerin .................................................................................. 344 12.2.3.2 Grundlagen ........................................................................................................................................................ 345 12.2.3.3 Würdigung ......................................................................................................................................................... 346 12.2.3.4 Berechnungsweise und Vorgehen ...................................................................................................................... 347 12.2.3.5 Anwaltshonorare in Bezug auf die Akteneinsicht - Beizug externer Drittberater .............................................. 348 i. Vorbringen der Beschwerdeführerin (Kostennote) ............................................................................................ 348 ii. Erste Stellungnahme der Vorinstanz zur Kostennote ......................................................................................... 349 iii. Standpunkte der Beschwerdeführerin zur Kostennote ...................................................................................... 349 iv. Zweite Stellungnahme der Vorinstanz zur Kostennote ...................................................................................... 350 v. Würdigung .......................................................................................................................................................... 350 12.2.3.6 Ersatzforderungen für die Kosten der RBB-Gutachten (Parteigutachten) ......................................................... 351 12.2.3.7 Ersatzforderungen für Übersetzungskosten ...................................................................................................... 352 12.3 Fazit .................................................................................................................................................................................. 352 DEMNACH ERKENNT DAS BUNDESVERWALTUNGSGERICHT: ............................................................ 354
B-141/2012 Sachverhalt: A. Konstituierung, Zweck und Aktivitäten des Branchenverbands ASCOPA A.a Die Hersteller, Importeure und Lieferanten von Kosmetik- und Parfümerieprodukten organisierten sich in der Schweiz im Branchenverband AS- COPA, welcher 1951 gegründet wurde. ASCOPA (Association des fabricants, importateurs et fournisseurs de produits de cosmétique et de la parfumerie) war als Verein gemäss den Artikeln 60 ff. des Schweizerischen Zivilgesetzbuchs (ZGB) konstituiert (ASCOPA-Statuten, act. 43, Dokument 3, Art. 1). Die Mitglieder der ASCOPA waren Unternehmen, die nicht zwingend ausschliesslich, aber jedenfalls auch Produkte im Bereich der Luxuskosmetik vertreiben. Zwischen 2003 und 2008 setzte sich AS- COPA aus rund 30 Mitgliedern zusammen. Aufgrund der Eröffnung der Untersuchung durch das Sekretariat der Wettbewerbskommission (nachfolgend: Sekretariat) am 1. Dezember 2008 gegen ASCOPA und seine Mitglieder verliessen einige Mitglieder den Branchenverband. Estée Lauder GmbH (nachfolgend: Beschwerdeführerin) blieb bis im Februar 2010 Mitglied bei ASCOPA (vgl. Beschwerde Rz. 31). Zudem war die Beschwerdeführerin in den Jahren 1999-2008 im Komitee (Vereinsvorstand) von ASCOPA vertreten (angefochtene Verfügung Rz. 17 Abbildung 2). Dieses Komitee bestand aus mindestens fünf von der Generalversammlung gewählten Mitgliedern (Art. 15 ASCOPA-Statuten). Am 4. Dezember 2003 stellte der Präsident des Vereins fest, dass der damals aus neun Mitgliedern bestehende Vereinsvorstand 70 % des von allen Mitgliedern der ASCOPA erzielten Umsatzes repräsentierte. Die Zielsetzung müsse indessen darin bestehen, die Repräsentativität des Komitees noch zu stärken. In den Jahren 2004-2008 umfasste dieses acht bis elf Mitglieder. Durch die Aufnahme von neuen Mitgliedern wurde die Repräsentativität des Komitees erhöht. Nach den vorinstanzlichen Feststellungen waren im Vereinsvorstand dementsprechend in den Jahren 2004 bis 2008 durchschnittlich 74 % des Umsatzes der ASCOPA-Mitglieder vertreten (angefochtene Verfügung Rz. 13 ff., Abbildung 2). Für das Sekretariat der AS- COPA war die Fédération des Entreprises Romandes Genève (FER) verantwortlich, welche den Verbandmitgliedern unter anderem eine Intranetseite zur Verfügung stellte (angefochtene Verfügung Rz. 20).
B-141/2012 A.b Der Vereinszweck von ASCOPA bestand unter anderem in der Interessenswahrung der Mitglieder gegenüber Behörden, anderen Berufs- und Wirtschaftsverbänden und im Schutz des Wertes der eingetragenen Markenrechte von ASCOPA-Mitgliedern. Ausserdem sollte sich der Verein um das gute Einvernehmen („bonne entente“) unter den Mitgliedern bemühen (Art. 2 ASCOPA-Statuten). Sodann sahen die Mitglieder von ASCOPA auch das Thema der Discountpreise als relevant an. Anlässlich der Komitee-Sitzung vom 11. April 2002 wie auch der Generalversammlung vom 4. Juni 2002 wurde in Bezug auf die Zusammenarbeit mit den Handelsketten festgestellt, es sei zu vermeiden, dass die Marken zu Discountpreisen verkauft würden („d'éviter que les marques soient discountées‟; act. 2, Beilage A 20, S. 5, Protokoll Generalversammlung vom 4. Juni 2002; angefochtene Verfügung Rz. 59). Man befürchtete eine Abwärtsspirale der Preise bzw. „un engrenage à la baisse”, wie auch in einem späteren Protokoll festgehalten wurde (act. 234, S. 2, Protokoll der Komitee- Sitzung vom 11. Februar 2003; angefochtene Verfügung Rz. 62 f.). Einige Mitglieder von ASCOPA setzten sich zudem für eine kollektive Einflussnahme auf die Discounter ein (act. 2, Beilage A 20, S. 5 f., Protokoll Generalversammlung vom 4. Juni 2002), weshalb der Präsident von AS- COPA am 12. Dezember 2002 einen Serienbrief an die Parfümerie Discounter Marionnaud, Douglas und Import versandte. Darin erklärte der Präsident, ASCOPA sei über die Preisentwicklung der Discounter beunruhigt. Ausserdem wurde darin den Handelsketten nahegelegt, dieses negative Wettbewerbsverhalten unter der Führung von ASCOPA mit einem Ideen- und Marketingwettbewerb zu ersetzen (act. 2, Beilage A 24, angefochtene Verfügung Rz. 60). Daneben gab es nach der Darstellung der Wettbewerbskommission (nachfolgend: Vorinstanz oder WEKO) auch Gespräche innerhalb von ASCOPA und teilweise auch koordiniertes Vorgehen in Bezug auf zeitlich parallele Sonderaktionen in grossen Verkaufshäusern, über (aus der Sicht von ASCOPA zu missbilligende) Verkaufsförderungsaktionen von Discountern und über Parallelimporte (angefochtene Verfügung, Rz. 64-70). Solche Gespräche wurden anlässlich der mindestens einmal jährlich stattfindenden Generalversammlung von AS- COPA und der ungefähr vierteljährlich abgehaltenen Vorstands- bzw. Komitee-Sitzungen geführt. A.c Zwecks Verfolgung der gemeinsamen Interessen der Mitglieder übernahm ASCOPA unbestrittenermassen eine Koordinationsfunktion im
B-141/2012 Sinne des Austauschs von Informationen wahr. Dementsprechend war dieser mindestens zwischen 1997 und 2008 ein regelmässig wiederkehrendes Traktandum der Generalversammlung („point de la situation sur les différentes enquêtes“; angefochtene Verfügung Rz. 10). Dasselbe galt für das Komitee (angefochtene Verfügung Rz. 15). Gegenstand des Informationsaustauschs zwischen den Mitgliedern waren Angaben über Bruttopreise gegenüber dem Handel, Umsatzzahlen und Werbeausgaben (angefochtene Verfügung Rz. 25 ff.). Dabei bedienten sich die Unternehmen ab Mai 2005 einer hierzu auf der Intranetseite der ASCOPA eingerichteten Plattform. Dabei galt die Regel, dass nur diejenigen Unternehmen die Daten einsehen können, welche selbst Angaben geliefert haben. Zugleich wurden säumige Mitglieder gemahnt und diesen bei verspäteter Lieferung von Umsatzdaten seitens des ASCOPA-Sekretariats Fr. 200.– pro Marke in Rechnung gestellt (angefochtene Verfügung Rz. 22 f., 139 f.). Zusätzlich zum Informationsaustausch gab ASCOPA jedenfalls zwischen 2002 und 2007 Empfehlungen ab betreffend die allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) zu den Themen Minimalbestellwerte, Lieferkosten, Rücksendekonditionen und Zahlungsbedingungen (angefochtene Verfügung Rz. 26 i.V.m. Rz. 226 ff.). B. Vorinstanzliches Verfahren Für den Ablauf der Untersuchung waren verschiedene Zeitabschnitte relevant. Noch vor Eröffnung der Untersuchung wurde ein informelles Gespräch zwischen Vertretern von ASCOPA und einem (damals) leitenden Angestellten des Sekretariats der Wettbewerbskommission geführt, worauf eine Selbstanzeige eingereicht wurde (Bst. B.a hiernach). Aufgrund dieser Selbstanzeige wurde eine Untersuchung durch die Vorinstanz eröffnet (Bst. B.b hiernach). Gestützt auf das Ergebnis dieser Untersuchungshandlungen wurde ein erster Verfügungsantrag ausgearbeitet (Verfügungsantrag vom 27. Mai 2010, act. 293, nachfolgend: Verfügungsantrag I), der von einer Preisabrede und damit von einem harten Kartell gemäss Art. 5 Abs. 3 Bst. a und b KG ausging und Sanktionen von insgesamt über Fr. 100 Mio. vorsah (Bst. B.c hiernach). Am 16. Juli 2010 reichte die Beschwerdeführerin ein Ausstandsgesuch ein gegenüber zwei Mitarbeitern des Sekretariats der Wettbewerbskommission; dieses wurde durch den Präsidenten der WEKO am 15. September 2010 abgewiesen. Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte diesen Entscheid wiederum mit Urteil B-7483/2010 vom 9. Juni 2011 (Bst. B.d hiernach). Des Weiteren wurden nach Eingang der ersten Stellungnahmen der Parteien zum Verfügungsantrag I weitere Untersuchungshandlungen durch das Sekretariat vorgenommen (Bst. B.e hiernach). Diese wiederum mündeten in einen
B-141/2012 zweiten Verfügungsantrag (zweiter Verfügungsantrag vom 20. Mai 2011, act. 584, nachfolgend: Verfügungsantrag II), lautend auf die Feststellung der Rechtswidrigkeit im Sinne von Art. 5 Abs. 1 KG ohne direkte Sanktionen (Bst. B.f hiernach). Am 31. Oktober 2011 erging die angefochtene Verfügung durch die Vorinstanz, welche im Dispositiv dem Verfügungsantrag II entspricht (Bst. B.g hiernach). B.a Geschehnisse vor der Eröffnung der Untersuchung durch das Sekretariat Am 9. September 2008 fand ein nicht protokolliertes Gespräch zwischen Vertretern von ASCOPA, der Beschwerdeführerin und einem (damals) leitenden Mitarbeiter des Sekretariats statt, welches die Vorinstanz als „informell“ bezeichnet (angefochtene Verfügung Rz. 260 ff.; Rz. 325). Gegenstand dieses Gesprächs war gemäss der angefochtenen Verfügung (Rz. 262) der Informationsaustausch zwischen den ASCOPA-Mitgliedern in Bezug auf Bruttopreisleisten, Umsatzzahlen und Werbeausgaben. Den Angaben der Parteien zufolge habe sich der vormalig leitende Angestellte des Sekretariats dahingehend geäussert, dass nur Umsätze, die älter als drei Monate seien, ausgetauscht werden dürfen. Den Austausch von Werbeausgaben habe er als nicht sehr problematisch „angeschaut“. Schliesslich sollten – so der ehemals leitende Mitarbeiter weiter – keinerlei Preislisten mehr ausgetauscht werden, was aber im Zeitpunkt des Treffens ohnehin nicht mehr der Fall gewesen sei (angefochtene Verfügung Rz. 261). Nach dem Treffen stellte der leitende Mitarbeiter in einer E-Mail an die ASCOPA klar, dass diese informelle Einschätzung für die Vorinstanz nicht bindend sei (act. 435, Beilage 12, Mail vom 8. Oktober 2008). Der in Frage stehende Mitarbeiter gab per Oktober 2008 die Leitung seines Aufgabenbereichs ab (angefochtene Verfügung Rz. 263). B.b Eröffnung der Untersuchung aufgrund einer Selbstanzeige Am 17. Oktober 2008 ging beim Sekretariat – vorab per Fax – eine Selbstanzeige gemäss Art. 49a Abs. 2 des Kartellgesetzes (KG) ein (act. 1). Diese Selbstanzeige bezog sich auf den von ASCOPA organisierten Informationsaustausch. Aufgrund der Selbstanzeige eröffnete das Sekretariat gestützt auf Art. 27 Abs. 1 KG im Einvernehmen mit einem Mitglied des Präsidiums der Wettbewerbskommission am 1. Dezember 2008 eine Untersuchung gegen den Verband ASCOPA und dessen Mitglieder. Laut dem Sekretariat bestand der Verdacht, dass ASCOPA-Mitglieder regelmässig sensible
B-141/2012 Geschäftsinformationen ausgetauscht hätten. Mit der Untersuchung sollte geprüft werden, ob dieser Informationsaustausch als eine unzulässige Wettbewerbsbeschränkung gemäss Art. 5 bzw. Art. 7 KG zu qualifizieren sei (act. 3). Am 2. Dezember 2008 wurde eine Medienmitteilung zur Eröffnung der Untersuchung publiziert (https://www.weko.admin.ch/weko/ de/home/medien/medieninformationen/nsb-news.msg-id-23528.html, zuletzt besucht am 09.12.2022; act. 38). Am 16. Dezember 2008 erfolgte die amtliche Publikation der Untersuchungseröffnung im Bundesblatt (BBl 2008 9197) und im Schweizerischen Handelsamtsblatt (act. 37). Am 2. Dezember 2008 erhielt das Sekretariat zunächst das Passwort für den Zugriff auf die Intranetseite der ASCOPA. ASCOPA erklärte sich zur Zusammenarbeit bereit (act. 39 f.). In der Folge ging am 4. Dezember 2008 beim Sekretariat eine weitere Selbstanzeige ein (angefochtene Verfügung Rz. 267). Am selben Tag sicherte ASCOPA dem Sekretariat zu, dass dieses eine Kopie der Mailbox der ASCOPA erhalten werde (act. 47). Am 17. Februar 2009 sagte ASCOPA dem Sekretariat auf dessen Anfrage hin zu, dass dieselbe die Protokolle der Komitee-Sitzungen und der Generalversammlungen der Jahre 2003-2008 erhalten werde (act. 84). Die Beschwerdeführerin, welche nicht zu den Selbstanzeigerinnen gehört, bestätigte mit Schreiben vom 12. Dezember 2008, dass sie von der Eröffnung der Untersuchung Kenntnis genommen habe. Sie erklärte sich hinsichtlich des Fortganges der Untersuchung kooperativ (act. 64). Das Sekretariat führte in der Folge zuerst Gespräche mit Vertretern der beiden Selbstanzeigerinnen, mit ASCOPA sowie mit Manor und AC Nielsen als betroffenen Händlern durch. Gestützt auf diese Erkenntnisse wurden Fragebogen an ASCOPA, an deren ehemalige und an gegenwärtige Mitglieder, insbesondere die Selbstanzeiger, sowie an die Händler von Parfümerie- und Kosmetikprodukten versandt (angefochtene Verfügung Rz. 268). Am 29. Mai 2009 reichte die Beschwerdeführerin ihren ausgefüllten Fragebogen ein (act. 160). B.c Erster Verfügungsantrag Nach der Analyse der Gespräche mit den oben erwähnten Marktteilnehmern, der Auswertung der Fragebogen und Dokumente erarbeitete das Sekretariat den Verfügungsantrag I vom 27. Mai 2010 und stellte diesen den Verfahrensbeteiligten, so auch der Beschwerdeführerin, zur Stellungnahme zu. Gleichzeitig informierte das Sekretariat die betroffenen Unternehmen über die Möglichkeit, die Akten für eine erste Akteneinsicht ab
B-141/2012 dem 31. Mai 2010 in den Büroräumlichkeiten des Sekretariats einzusehen (Verfügungsantrag I Rz. 82). Im der WEKO vorgelegten Verfügungsantrag I wurde von einem harten Kartell gemäss Art. 5 Abs. 3 Bst. a und b KG ausgegangen, weshalb eine Sanktion von insgesamt über 100 Mio. Fr. zu Lasten der betroffenen Unternehmen vorgesehen war, wobei die Beschwerdeführerin mit 25 Mio. Franken gebüsst werden sollte. Am 28. Mai 2010 erschien eine Medienmitteilung der Wettbewerbskommission über den Verfügungsantrag I mit dem Titel „Sekretariat beantragt Bussen für Firmen der Parfümerie- und Kosmetikbranche“ (https://www.weko.admin.ch/weko/de/home/medien/medieninformationen/nsb-news.msg-id-33291.html), zuletzt besucht 09.12.2022). In der Folge wurde dazu am selben Tag ein kurzer Beitrag in der Tagesschau gesendet (Tagesschau vom 28. Mai 2010, 19:30 Uhr, Kosmetikbranche droht hohe Busse, http://www.srf.ch/play/tv/tagesschau/video/kosmetikbranche-droht-hohe-busse?id=f253c530-9bef-4328-81ff-ea23738c913c, zuletzt besucht am 09.12.2022). B.d Verfahren vor Bundesverwaltungsgericht betreffend Ausstandsbegehren gegen mit der Sache befasste Mitarbeiter des Sekretariats Am 16. Juli 2010 reichte die Beschwerdeführerin ein Ausstandsgesuch gegen zwei mit der Sache befasste Mitarbeiter des Sekretariats ein. Mit Zwischenverfügung vom 15. September 2010 wies der Präsident der Vorinstanz das Ausstandgesuch ab. Gegen diese Zwischenverfügung führte die Beschwerdeführerin am 18. Oktober 2010 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde, welche mit Urteil vom 9. Juni 2011 abgewiesen wurde. Dieses Urteil erwuchs unangefochten in Rechtskraft. Für das Bundesverwaltungsgericht bestanden im Ergebnis keine Zweifel daran, dass die objektive Prüfung durch eine unparteiische und unvoreingenommene Behörde gewährleistet sei (Urteil des BVGer B-7483/2010 vom 9. Juni 2011 „ASCOPA-Ausstandsfrage“ E. 6.1). Zur Begründung führte das Gericht namentlich aus, der Umstand, dass das Sekretariat die Aktennotiz über das unter Bst. B.a hiervor dargestellte informelle Gespräch vom 9. September 2008 (act. 82) falsch betitelt und zuerst in tatsachenwidriger Weise angegeben habe, es verfüge in Bezug auf diese Besprechung über keinerlei weitere Akten, sei nicht ausstandsbegründend. Es gehe zwar um „fraglos nicht leicht zu nehmende Verfahrensfehler“, welche aber korrigiert worden seien (Urteil des BVGer B-7483/2010 E. 5.5 f. „ASCOPA-Ausstandsfrage“). In Bezug auf die seitens der Beschwerdeführerin beanstandete Medienmitteilung vom 28. Mai 2010 stellte das Gericht ebenfalls fest, diese führe nicht zum Anschein der Befangenheit. Indessen sei das Sek-
B-141/2012 retariat bzw. die Vorinstanz aber gehalten, künftig vorsichtiger zu kommunizieren und dabei der korrekten Darstellung des Verfahrensstandes und des weiteren Verfahrensverlaufs die nötige Beachtung zu schenken (Urteil des BVGer B-7483/2010 E. 4.2.5 „ASCOPA-Ausstandsfrage“). B.e Fortgang des Verfahrens nach dem ersten Verfügungsantrag Während des Beschwerdeverfahrens zur Ausstandfrage vor dem Bundesverwaltungsgericht führte das Sekretariat die Untersuchung weiter. Im Anschluss an die Auswertung der eingegangenen Stellungnahmen der betroffenen Unternehmen führte das Sekretariat weitere Untersuchungshandlungen durch. Die Parteien erhielten am 11. Oktober 2010 die Information, dass die nächste Runde der Akteneinsicht in elektronischer Form durchgeführt werde (act. 451, angefochtene Verfügung Rz. 272). Am 4. November 2010 versandte das Sekretariat dementsprechend Datenträger mit Verfahrensakten an die involvierten Unternehmen (angefochtene Verfügung Rz. 273; act. 467). Zudem wurden die Parteien am 16. November 2010 aufgefordert, ihre Bruttopreisverkaufslisten der Jahre 2004-2010 in elektronischer Form als Excel-Tabellen einzureichen. Die Parteien kamen dieser Aufforderung ausnahmslos nach (angefochtene Verfügung Rz. 274). Zusammen mit diesen Angaben und den neu einverlangten Endkundenverkaufspreisen führte das Sekretariat der Vorinstanz Berechnungen durch, welche die Korrelation zwischen den ausgetauschten Bruttopreislisten und den Endkundenverkaufspreisen aufzeigen sollten (angefochtene Verfügung Rz. 271, 512 ff.). B.f Zweiter Verfügungsantrag vom 20. Mai 2011 Am 20. Mai 2011 stellte das Sekretariat den involvierten Unternehmen den zweiten Verfügungsantrag zur Stellungnahme zu (act. 584, nachfolgend: Verfügungsantrag II). Darin wurden einerseits die in den bereits eingegangenen Stellungnahmen enthaltenen Argumente gewürdigt sowie die Ergebnisse der weiteren Untersuchungsmassnahmen dargestellt. Im Gegensatz zum Verfügungsantrag I, mit welchem noch von einem harten Kartell gemäss Art. 5 Abs. 3 Bst. a und b KG ausgegangen worden war, sah der Verfügungsantrag II neu vor allem eine Feststellung der Rechtswidrigkeit des Informationsaustauschs im Sinne von Art. 5 Abs. 1 KG sowie ein Verbot desselben ohne direkte Sanktionen vor. Am 14. Juli 2022 ging die letzte Stellungnahme zum zweiten Verfügungsantrag vom 20. Mai 2011 beim Sekretariat ein.
B-141/2012 B.g Die angefochtene Verfügung der Vorinstanz Am 31. Oktober 2011 erliess die Vorinstanz in der Untersuchung betreffend ASCOPA wegen unzulässiger Wettbewerbsabrede die angefochtene Verfügung, welche dem Verfügungsantrag II entsprechend keine Sanktionen mehr beinhaltete. Diese wurde am 16. November 2011 an alle Parteien versandt. Die Parteien erhielten ausserdem Gelegenheit, Geschäftsgeheimnisse zu benennen bzw. entsprechende Schwärzungsanträge zu stellen (act. 742). In der Folge wurde die Verfügung auf der Internetseite der WEKO publiziert (https://www.weko.admin.ch/dam/ weko/de/dokumente/2012/01/ascopa_verfuegung.pdf.download.pdf/ascopa_verfuegung.pdf, zuletzt besucht am 09.12.2022) und in der RPW 2011/4 S. 529 ff. veröffentlicht. B.g.a Das Dispositiv der angefochtenen Verfügung „Aufgrund des Sachverhalts und der vorangehenden Erwägungen verfügt die Wettbewerbskommission: 1. Es wird festgestellt, dass die Abreden bezüglich Austausch von Bruttopreislisten, Umsatzangaben, Bruttowerbeausgaben und die Abrede über die Angleichung der allgemeinen Geschäftsbedingungen zwischen den Verfügungsadressatinnen – Beauté Prestige SA, Zürich; Bergerat SA, Genf; Bulgari Parfums SA, Neuchâtel; Chanel SA, Genf; Clarins SA, Plan-les-Ouates; Coty (Schweiz) AG, Hünenberg; Deurocos Cosmetic AG, Adliswil; Doyat Diffusion SA, Saint-Blaise; Elizabeth Arden, Zug; Estée Lauder GmbH, Zürich; Kanebo Cosmetics, Glattbrugg; La Prarie Group/Juvena, Volketswil; Laboratoires Biologiques Arval S.A., Conthey; L'Oréal Produits de Luxe SA, Renens; Parfums Christian Dior AG; Parfums de Luxe Ltd., Wallisellen; Parlux Diffusion, Rolle; PC Parfums Cosmétiques SA, Zürich; P&G Prestige Products AG, Schlieren; Puig (Suisse) SA, Baden; Richemont Suisse SA, Genf; Sisley SA, Bachenbülach; Star Cos Sàrl, Bienne; Tanner SA, Cham; Tschanz Distribution SA, Genf; Wodma 41 SA, Genf; YSL Beauté Suisse SA, Plan-les-Ouates – insgesamt unzulässige Wettbewerbsabreden nach Massgabe von Art. 5 Abs. 1 KG sind. Die Abreden bezüglich des Austausches von Bruttopreislisten, nicht aggregierten Umsatzangaben und Bruttowerbeausgaben und die Abrede über die Angleichung der allgemeinen Geschäftsbedingungen dürfen nicht mehr eingehalten werden. 2. Zuwiderhandlungen gegen diese Verfügung können mit Sanktionen gemäss Art. 50 bzw. 54 KG belegt werden. 3. Das Verfahren gegen die Dicopar SA, Münchenstein, die HJD Distribution, Genf sowie den Verband der Hersteller, Importeure und Lieferanten von Kosmetik- und Parfümerieprodukten (ASCOPA), Genf,
B-141/2012 wird unter einer Ausscheidung der Verfahrenskosten von Fr. 3'000.– zu Lasten der Schweizerischen Eidgenossenschaft eingestellt. 4. Das Verfahren gegen die D.P. Diffusion Parfums Limited, Chiasso und die Procosa SA, Vernier wird ebenfalls eingestellt. Die Verfahrenskosten der D.P. Diffusion Parfums Limited, Chiasso und der Procosa SA, Vernier, in der Höhe von Fr. 1'000.– gehen zu Lasten der Schweizerischen Eidgenossenschaft. 5. Die verbleibenden Verfahrenskosten von insgesamt Fr. 584'414.– werden den übrigen Verfügungsadressatinnen zu gleichen Teilen, das heisst je Fr. 21'645.– und unter solidarischer Haftung auferlegt: [Unternehmen gemäss Ziff. 1]; 6. [Eröffnung]"
B.g.b Die Begründung der angefochtenen Verfügung B.g.b.a Informationsaustausch (Austausch von Bruttopreisen, Umsätzen und Ausgaben für Werbung) B.g.b.a.a Wettbewerbsabrede (Art. 4 Abs. 1 KG) Zur Begründung führt die Vorinstanz aus, dass der Informationsaustausch unter den ASCOPA-Mitgliedern (Austausch von Brutto-Preislisten, Bruttoumsatzzahlen und Angaben zu den Werbeinvestitionen) und die Empfehlungen zu den allgemeinen Geschäftsbedingungen als eine Vereinbarung gemäss Art. 4 Abs. 1 KG zu werten seien, welche eine Wettbewerbsbeschränkung bezweckt und darüber hinaus auch bewirkt habe (angefochtene Verfügung Rz. 385-395). Die Vorinstanz geht davon aus, dass die ausgetauschten Informationen Geschäftsgeheimnisse beinhalten würden und zudem strategisch bedeutsam seien. Ausserdem seien die in Frage stehenden Informationen aktuell und nicht oder kaum aggregiert gewesen. Daher könne nicht ausgeschlossen werden, dass der Einblick in dieselben den Mitgliedern der ASCOPA ermöglicht habe, ihr Geschäftsgebaren in einer Weise einander anzupassen, welche dem freien Spiel der Wettbewerbskräfte zuwiderlaufe und somit zu einer Wettbewerbsbeschränkung führe (angefochtene Verfügung Rz. 392).
B-141/2012 B.g.b.a.b Marktabgrenzung In sachlicher Hinsicht grenzt die Vorinstanz den Markt einerseits in Anlehnung an die Praxis der EU nach Produktkategorien ab, indem sie Parfums, Make-up und Pflege unterscheidet; eine Subsegmentierung innerhalb dieser Marktsegmente dränge sich nicht auf. Zugleich müssen die drei beschriebenen Märkte nach dem Konzept der Vorinstanz in ein Luxus- und ein Massenmarkt-Segment unterteilt werden (angefochtene Verfügung Rz 439 ff.). B.g.b.a.c Erheblichkeitsprüfung (Art. 5 Abs. 1 KG) B.g.b.a.c.a Ökonometrische Untersuchungen Die Vorinstanz stellte der Prüfung der qualitativen und quantitativen „Kriterien“ der Erheblichkeit (Art. 5 KG) ökonometrische Untersuchungen bezüglich der Auswirkungen des Informationsaustausches auf die Preisentwicklungen voran (angefochtene Verfügung, Rz. 512 ff.). Diese sind im Folgenden kurz darzustellen: In den Stellungnahmen zum Verfügungsantrag I brachten die ASCOPA- Mitglieder verschiedentlich vor, dass die ausgetauschten Bruttopreise nicht eins zu eins, sondern unter Abzug von Rabatten gegenüber den Kunden benutzt worden seien. Daher seien die Bruttopreise nicht relevant. Deshalb stützt sich die angefochtene Verfügung auf vom Sekretariat durchgeführte ökonometrische Untersuchungen über den Einfluss von Bruttopreisen der ASCOPA-Mitglieder auf die Endverkaufspreise sowie über die Preisentwicklung auf den relevanten Märkten (angefochtene Verfügung Rz. 512 ff., Rz. 525 ff.). In einem ersten Schritt werden die Bruttopreise der ASCOPA-Mitglieder den Endverkaufspreisen gegenübergestellt, wobei die Untersuchung auf die Retailer Douglas, Import, Manor und Marionnaud beschränkt worden ist. Die Datenauswertungen haben gemäss der Vorinstanz ein relativ einheitliches Bild ergeben, was anhand der jeweiligen Korrelationskoeffizienten ersichtlich sei. Je nach Teilmärkten (Pflege, Parfum und Make-up) und je nach Händler würde der Korrelationskoeffizient zwischen 83 % und 98 % betragen (angefochtene Verfügung Rz. 522 Abbildung 19). Die Vorinstanz hält dazu fest, dass aus der Berechnung des Korrelationskoeffizienten für sich alleine zwar kein kausaler, wohl aber ein linearer Zusammenhang zwischen den beiden betrachteten Werten bestehe (angefochtene Verfügung Rz. 515 ff., 522 ff. mit Fn. 506 und Abbildung 19).
B-141/2012 Um die Auswirkungen des Informationsaustausches auf die Preisentwicklung zu untersuchen, berechnete das Sekretariat in einem weiteren Schritt eigene Preisindizes der für die ASCOPA-Mitglieder relevanten Märkte. Dazu wurden zunächst die umsatzstärksten ASCOPA-Mitglieder für jeden relevanten Markt identifiziert, um anschliessend Warenkörbe der zehn umsatzstärksten Produkte dieser ASCOPA-Mitglieder zu bilden. Die Preisentwicklung der in den Warenkörben enthaltenen Produkte wurde anschliessend für die Periode zwischen den Jahren 2004 und 2010 dargestellt und der Entwicklung des Landesindex für Konsumentenpreise (LIK), des spezifischen LIK für Pflegeprodukte und des spezifischen LIK für Toilettenartikel gegenübergestellt (angefochtene Verfügung Rz. 526). Aus dieser Gegenüberstellung ergibt sich nach der Darstellung der Vorinstanz, dass die Preise praktisch aller Warenkörbe mit Produkten der AS- COPA-Mitglieder in der untersuchten Zeitspanne nie gesunken und ausserdem schneller angewachsen sind als der LIK und dessen beide Unterkategorien (LIK-Körperpflege und LIK-Toilettenartikel; angefochtene Verfügung Rz. 536-538). Da ausserdem die Marktanteile in den Jahren 2004-2007 weitgehend stabil geblieben seien, wertet die Vorinstanz diesen stetigen Preisanstieg hinsichtlich der Produkte der ASCOPA-Mitglieder als ein starkes Indiz für das Vorliegen von Kollusion im ökonomischen Sinne auf den relevanten Märkten (angefochtene Verfügung Rz. 538 i.V.m. 548, 555, 557). Daraus schliesst die Vorinstanz, dass die Parteien Preiserhöhungen tätigen konnten, ohne dabei Marktanteilseinbussen in Kauf nehmen zu müssen. Alternative Erklärungsmodelle (Steigen der Rohstoffpreise oder der Nachfrage) überzeugen nach Ansicht der Vorinstanz nicht. Also bestehen – so die Wettbewerbskommission – keine vernünftigen Zweifel, dass sich der Informationsaustausch auf die Preisfestsetzung ausgewirkt hat (angefochtene Verfügung, Rz. 564, 568, 574 f. und 579). Nach diesen ökonometrischen Untersuchungen betreffend die Preisentwicklungen prüft die Vorinstanz die qualitativen und quantitativen Kriterien der Erheblichkeit, was im Folgenden näher darzustellen ist. B.g.b.a.c.b Qualitative Kriterien der Erheblichkeit Die Vorinstanz bejaht die „qualitativen Kriterien“ der Erheblichkeit. Denn es stehe ausser Frage, dass Informationen über Preise ausgetauscht worden seien. Es gelinge den Parteien nicht, die Bedeutung des Preises als Wettbewerbsfaktor in Frage zu stellen. Zudem habe der Einblick in die
B-141/2012 Umsatzzahlen und die Werbeausgaben Rückschlüsse auf die Unternehmensstrategie der Konkurrenten ermöglicht (angefochtene Verfügung, Rz. 640, 647 und 649). B.g.b.a.c.c Quantitative Kriterien der Erheblichkeit Unter dem Titel „Quantitative Kriterien der Erheblichkeit“ gemäss Art. 5 Abs. 1 KG hält die Vorinstanz fest, dass kein wirksamer aktueller Wettbewerb vorhanden sei (angefochtene Verfügung Rz. 651-728). Selbst für den Fall, dass davon auszugehen sein sollte, dass nicht sämtliche Hersteller und Distributoren des Luxus- und Prestige-Segments bei ASCOPA vertreten seien, stehe fest, dass allfällige Nichtmitglieder keinen spürbaren (im Sinne von den Wettbewerb begünstigenden Anreizen) disziplinierenden Einfluss auf die ASCOPA-Mitglieder gehabt hätten (angefochtene Verfügung Rz. 693). Zudem sei eine stagnierende Entwicklung der Marktanteile im für die ASCOPA-Mitglieder relevanten Markt sowie in Bezug auf die Teilmärkte desselben zu beobachten gewesen (angefochtene Verfügung Rz. 711 ff. mit Anhang VI; vgl. auch Abbildung 29). Der potenzielle Wettbewerb sei aufgrund hoher Eintrittsbarrieren in den Schweizer Markt ungenügend, da sämtliche der weltweit tätigen Unternehmen in der Luxuskosmetikbranche auf dem Schweizer Markt vertreten seien. Eine neu eintretende Marke müsse sich zuerst ein Image aufbauen, was Jahre in Anspruch nehmen würde (angefochtene Verfügung Rz. 730 f.). Ausserdem verfügen die Retailer als Marktgegenseite nach Auffassung der Vorinstanz nicht über eine derart ausgeprägte Stellung, dass durch deren Verhandlungsposition das von den Parteien herbeigeführte Kollusionsergebnis auf den relevanten Märkten hätte destabilisiert werden können (angefochtene Verfügung Rz. 754). Was den Innenwettbewerb betrifft, stehe zwar fest, dass im gesamten Parfum- und Kosmetikmarkt eine relativ grosse Anzahl von Produkten neu eingeführt worden sei. Solche Neueinführungen seien aber nicht mit Innovation gleichzusetzen. Denn Innovation gehe über die Verbesserung eines Produktes oder über eine neue Marketingmethode hinaus. Zudem sei der Wettbewerbsparameter der Werbung durch den Informationsaustausch eingeschränkt worden (angefochtene Verfügung Rz. 760-780). Aus den Marktanteilsverteilungen sei ersichtlich, dass die Neueinführungen keine Auswirkungen gehabt hätten, welche wirksamen Innenwettbewerb sicherstellen würden (angefochtene Verfügung, Rz. 781).
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