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Bundesverwaltungsgericht 21.11.2011 E-8649/2007

21. November 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·3,188 Wörter·~16 min·2

Zusammenfassung

Asyl und Wegweisung | Verfügung des BFM vom 20. November 2007 i.S. Asyl und Wegweisung

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung V E­8649/2007 Urteil   v om   2 1 .   No v embe r   2011 Besetzung Richterin Christa Luterbacher (Vorsitz), Richter Bruno Huber, Jenny de Coulon Scuntaro, Gerichtsschreiberin Gabriela Oeler. Parteien A._______, geboren am (…), Sri Lanka,   vertreten durch Evelyn Stokar, (…), Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 20.  November 2007 / N (…).

E­8649/2007 Sachverhalt: A.  Der Beschwerdeführer, ein Tamile aus B._______ (Nordprovinz),  reichte  erstmals am 23. Februar 1989 in Basel ein Asylgesuch ein. Dieses wurde  mit  Entscheid  des  damaligen  Bundesamtes  für  Flüchtlinge  (BFF)  vom  22. August 1995 mangels Asylrelevanz der Vorbringen abgewiesen. Am   27.  September  1995  unterzeichnete  der  Beschwerdeführer  eine  Beschwerdeverzichtserklärung.  Die  Verfügung  des  Bundesamtes  erwuchs  damit  in  Rechtskraft.  Am  17.  Januar  1996  kehrte  der  Beschwerdeführer kontrolliert auf dem Luftweg nach Colombo zurück. B.  Eigenen  Angaben  zufolge  verliess  der  Beschwerdeführer  Colombo  am  8. Oktober  2007 erneut  auf  dem Luftweg und gelangte  am 10. Oktober  2007  in  die  Schweiz.  Gleichentags  reichte  er  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  (EVZ)  Kreuzlingen  ein  zweites  Asylgesuch  ein.  Anlässlich  der  dortigen  Befragung  vom  30.  Oktober  2007  gab  er  zu  Protokoll,  er  sei  nach  seiner  Rückkehr  nach  Sri  Lanka  im  Jahre  1997  zuerst  zu  seiner  Mutter  nach  B._______  zurückgekehrt.  Später  sei  er  dann  nach  C._______  (Nordprovinz)  gezogen,  wo  er  bis  zur  Ausreise  wohnhaft  gewesen  sei  und  wo  weiterhin  seine  Ehefrau  und  die  fünf  Kinder wohnhaft  seien.  Zusammen mit  einem seiner Söhne habe er  ab  1998 mit  seinem eigenen Minibus Personen  transportiert, während  sein  Sohn  mit  zwei  dem  Beschwerdeführer  gehörenden  LKWs  Erde  und  Steine  transportiert  habe.  Nach  seinen  Ausreisegründen  gefragt,  führte  der Beschwerdeführer Folgendes aus: Weil er drei Fahrzeuge besessen  habe, habe ihn die Armee verdächtigt, Kontakte zu den LTTE (Liberation  Tigers  of  Tamil  Eelam)  zu  unterhalten.  Die  Armee  habe  deshalb  sein  Haus  durchsucht  und  seine  Identitätskarte  sowie  diejenigen  der  Söhne  kontrolliert.  Er  selbst  sei  erstmals  am  2.  Mai  2007  ins  Armee­Camp  mitgenommen  worden.  Dort  sei  er  nach  seinem  Beruf  und  allfälligen  Transporten  für  die  LTTE,  sonstigen  Kontakten  zu  dieser  Organisation  und  deren  Präsenz  im Ort  gefragt  worden.  Auch  hätten  sie  den Grund  seiner  kürzlich  erfolgten  Reise  nach  Colombo  wissen  wollen.  Er  habe  erklärt,  dass  er  eine  (…) Tochter  habe,  (…),  und  dass  er  zwecks  einer  medizinischen  Kontrolle  dieser  Tochter  dorthin  habe  reisen müssen.  Er  sei  daraufhin  freigelassen worden.  Am  nächsten  Abend  sei  er  von  den  LTTE gefragt worden, weshalb er von der Armee mitgenommen worden  sei. Er habe diesen gesagt, dass ihn die Armee über die Fahrzeuge und  deren Verwendung ausgefragt habe. Nach einer halben Stunde seien sie 

E­8649/2007 wieder  weggegangen.  Noch  in  derselben  Nacht  hätten  ihn  Armeeangehörige  abgeholt  und  ins  (...)­Camp gebracht. Dort  hätten  sie  ihm ein Foto seiner verstorbenen Schwester vorgelegt, welche der LTTE  zugehörig gewesen sei. Er habe ihnen erzählt, dass diese (…) im Kampf  für die LTTE ums Leben gekommen sei. Es sei ihm vorgeworfen worden,  dass er diesen Umstand nicht bereits am Vortag erwähnt habe. Mit einer  Zange hätten sie dann seine Zehe gequetscht, mit dem Ziel, dass er noch  mehr  erzähle.  Dann  hätten  sie  auf  die  blutende  Zehe  eine  Flüssigkeit  gegossen,  die  sehr  gebrannt  habe.  Er  sei  gewarnt  worden,  nichts  zu  erzählen,  und  dass  er  nötigenfalls  wieder  vorgeladen  würde.  Nach  der  Freilassung habe er sich zu einem Arzt begeben, wo seine Zehe genäht  worden sei. Einen Monat später, am 31. Mai 2007, sei er von der Armee  erneut  mitgenommen  worden.  Er  sei  gefragt  worden,  wo  sich  seine  Geschwister  aufhielten.  Er  habe  ihnen  erzählt,  dass  sich  diese  in  der  Schweiz  aufhielten  und  auch  er  sich  zuvor  in  der  Schweiz  aufgehalten  habe.  Auch  diesbezüglich  sei  ihm  vorgehalten  worden,  dass  er  diesen  Umstand  nicht  bereits  früher  erzählt  habe.  Er  sei  weiter  nach  in  der  Schweiz  getätigten  Spenden  für  die  LTTE  gefragt  worden,  was  er  verneint habe. Sie hätten ihm dann die Beine gefesselt und daraufhin an  der  linken  Hand  die  Fingernägel  ausgerissen.  Er  sei  ohnmächtig  geworden  und  habe  während  zwei  bis  drei  Stunden  nichts  mehr  wahrgenommen. Nachdem Wasser auf  ihn gegossen worden sei, sei er  wieder zu sich gekommen. Er habe die Schmerzen nicht mehr ertragen  können  und  gebeten,  dass man  ihn  erschiesse.  Sie  hätten  ihm  gesagt,  dass dies die LTTE erledigen werde.  Seine  Freilassung  hätten  sie mit  dem Umstand  begründet,  dass  er  ein   (…) Kind habe. Sie hätten ihm gesagt, er solle irgendwohin fliehen, aber  niemandem vom Vorgefallenen erzählen. Gegen vier Uhr morgens sei er  in die Nähe seines Hauses gebracht worden. Kein Arzt habe seine Finger  behandeln  wollen.  Sie  hätten  gesagt,  dass  sie  sonst  auch  Probleme  bekämen. Ein Freund habe ihn zu einem Arzt in der Ortschaft D._______  gebracht. Danach sei er zu seinen Cousins nach E._______ gegangen,  weil  er  sich  gefürchtet  habe,  die  Leute  zu  Hause  würden  bei  seiner  Rückkehr vom Vorfall erfahren. In dieser Zeit sei die Armee zweimal nach  Hause  gekommen.  Sie  habe  seine  Familie  aufgefordert,  dass  er  sich  melde, sobald er nach Hause komme. Seine Frau habe ihn besucht und  gesagt, es sei wohl besser, wenn er sich  ins Ausland begebe, da sonst  auch die Kinder Probleme bekommen könnten. Daraufhin sei er mit Hilfe  eines  Schleppers,  seinem  eigenen  und  einem  gefälschten  Pass  via  Malaysia  nach  Rom  ausgereist  und  von  dort  unter  Umgehung  der 

E­8649/2007 Grenzkontrolle  in die Schweiz gelangt. Zum Beweis seiner  Identität  gab  der Beschwerdeführer eine Identitätskarte sowie eine Geburtsurkunde zu  den Akten. C.  Am 9. November 2007 wurde der Beschwerdeführer vom BFM einlässlich  zu  seinen  Ausreisegründen  angehört.  Dabei  wiederholte  er  im  Wesentlichen  die  im  EVZ  gemachten  Angaben.  Soweit  für  die  nachfolgende  Urteilsbegründung  von  Bedeutung,  wird  auf  die  dortigen  Aussagen in den Erwägungen eingegangen. D.  Mit Entscheid vom 20. November 2007, eröffnet am 21. November 2007,  wies  das  BFM  das  Asylgesuch  ab  und  ordnete  die  Wegweisung  des  Beschwerdeführers  sowie  den  Vollzug  an.  Zur  Begründung  führte  das  BFM  aus,  die  Vorbringen  vermöchten  den  Anforderungen  an  die  Glaubhaftigkeit  gemäss  Art.  7  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG, SR 142.31) nicht zu genügen. Die detaillierte Begründung ist den  nachstehenden Erwägungen zu entnehmen.  E.  Mit Eingabe vom 20. Dezember 2007  liess der Beschwerdeführer durch  seine  Rechtsvertreterin  (Barbara  Frei­Keller)  beim  Bundesverwaltungsgericht  gegen  den  Entscheid  des  BFM  vom  20.  November 2007 Beschwerde erheben. Er beantragte die Aufhebung der  vorinstanzlichen Verfügung und die Gewährung von Asyl. Eventualiter sei  wegen Unzumutbarkeit  auf  den Wegweisungsvollzug  zu  verzichten  und  die  vorläufige  Aufnahme  anzuordnen.  In  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gemäss  Art.  65  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021)  und  Verzicht  auf  die  Erhebung eines Kostenvorschusses. Der Beschwerde lagen eine Position  der  Schweizerischen  Flüchtlingshilfe  (SFH)  vom  1.  Februar  2007,  eine  UNHCR­Stellungnahme  vom  Januar  2007  zur  Schutzbedürftigkeit  von  Asylsuchenden aus Sri Lanka, ein Arztzeugnis von (...), Altdorf, vom 17.  Dezember  2007  betreffend  die  Spuren  der  angegebenen  Folter,  ein  Schreiben  des  Europäischen Gerichtshofs  für Menschenrechte  (EGMR)  zuhanden der französischen Regierung vom 23. Oktober 2007 betreffend  Verzicht  auf  die  Wegweisung  von  abgewiesenen  tamilischen  Asylbewerbern nach Sri Lanka sowie eine Fürsorgebestätigung bei.

E­8649/2007 F.  Mit  Instruktionsverfügung  vom  21.  Dezember  2007  teilte  die  Instruktionsrichterin  dem  Beschwerdeführer  mit,  dass  er  den  Ausgang  des  Verfahrens  in  der  Schweiz  abwarten  könne.  Hinsichtlich  seiner  übrigen Rechtsbegehren wurde der Beschwerdeführer auf einen späteren  Zeitpunkt verwiesen.  G.  In  einer  weiteren  Instruktionsverfügung  vom  8.  Januar  2008  hiess  die  Instruktionsrichterin  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gut und verzichtete auf die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses.  Gleichzeitig  forderte  sie  das  BFM  auf, eine Vernehmlassung einzureichen. H.  In seiner Vernehmlassung vom 11. Januar 2008 beantragte das BFM die  Abweisung  der Beschwerde.  Im Ergebnis  führte  es  aus,  der Arztbericht  vermöge in keiner Weise zu überzeugen und sei daher nicht geeignet, die  Korrektheit der Erwägungen und Schlüsse des BFM zu erschüttern. Auf  den  detaillierten  Inhalt  der  Vernehmlassung  wird  in  den  Erwägungen  eingegangen. I.  Mit  Replik  vom  3.  März  2008  nahm  die  Rechtsvertreterin  des  Beschwerdeführers innert erstreckter Frist zur Vernehmlassung des BFM  Stellung.  Für  den  Inhalt  wird  ebenfalls  auf  die  nachstehenden  Erwägungen verwiesen.  J.  Am  6.  November  2008  reichte  die  Rechtsvertreterin  eine  Beschwerdeergänzung  und  diverse  Beweismittel  zu  den  Akten.  Sie  machte geltend, die Unterlagen seien  ihr vom Beschwerdeführer bereits  vor  längerer  Zeit  übergeben  worden,  hätten  den  Weg  zum  Bundesverwaltungsgericht  jedoch  leider  erst  jetzt  gefunden.  Auf  den  Inhalt  der  Eingabe  und  die  Beweismittel  wird  ebenfalls  nachstehend  eingegangen.  K.  Am  5.  Januar  2011  lud  die  Instruktionsrichterin  das  BFM  aufgrund  der  Beschwerdeergänzung  und  der  zahlreichen  Beweismittel  nochmals  zur  Vernehmlassung ein.

E­8649/2007 L.  In  seiner  Vernehmlassung  vom  19.  Januar  2011  beantragte  das  BFM  erneut  die  Abweisung  der  Beschwerde.  Der  Inhalt  dieser  Vernehmlassung  kann  den  nachstehenden  Erwägungen  entnommen  werden.  M.  Mit  Eingabe  vom  4.  Februar  2011  nahm  die  Rechtsvertreterin  (Evelyn  Stokar)  zur  zweiten  Vernehmlassung  des  BFM  Stellung  und  machte  folgende  Sachverhaltsergänzungen,  die  sich  aus  der  langen  Verfahrensdauer  ergeben  hätten:  Der  älteste  Sohn  des  Beschwerdeführers  sei  im  Sommer  2010  festgenommen  worden  und  gelte  seither  als  verschwunden. Die  Familie  sei  zudem wiederholt  nach  dem  Aufenthaltsort  des  Beschwerdeführers  gefragt  worden.  Sie  sei  jeweils aufgefordert worden, nach seiner Rückkehr umgehend die Armee  zu  benachrichtigen.  Schliesslich  wies  die  Beschwerdeführerin  unter  Hinweis auf diverse Internetberichte darauf hin, dass sich die Situation für  mutmassliche  LTTE­Sympathisanten  nicht  verbessert  habe.  Es  komme  zu  fortdauernden  Belästigungen  und  Drohungen  seitens  der  Armee  gegen  ehemalige  LTTE­Mitglieder,  die  freigelassen  und  rehabilitiert  worden  seien.  Auch  gebe  es  keine  fairen  Gerichtsverfahren  und  unabhängigen  Gerichte  in  Sri  Lanka.  Zurückkehrende  tamilische  Asylbewerber,  die  Sri  Lanka  zur  Kriegszeit  verlassen  hätten,  bildeten  sodann  eine  eigene  Risikogruppe  für  Verhaftungen.  Da  im  Falle  des  Beschwerdeführers davon auszugehen sei, dass er bei den Behörden als  LTTE­Unterstützer gelte, sei ihm nach wie vor eine begründete Furcht vor  Verfolgung zu attestieren.  N.  Am 4. November 2011 reichte der Beschwerdeführer eine Kostennote zu  den Akten. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des 

E­8649/2007 Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]). Eine solche Ausnahme ist vorliegend nicht gegeben. 1.2. Das Verfahren  richtet  sich  nach  dem VwVG,  soweit  das  VGG  und  das AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der  Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung;  er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 105  und  Art. 108  Abs. 1  AsylG,  i.V.m.  Art.  37  VGG  und  Art. 48  Abs. 1 sowie Art. 50 und 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  3.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat  oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen  Druck  bewirken.  Den  frauenspezifischen  Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere 

E­8649/2007 Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7  AsylG). 4.  4.1. Die Vorinstanz hat  das Asylgesuch des Beschwerdeführers mit  der  Begründung abgewiesen, dass dessen Aussagen den Anforderungen an  die  Glaubhaftigkeit  und  damit  des  erwähnten  Art.  7  AsylG  nicht  standhielten.  Die  vom  Beschwerdeführer  geschilderte  Staffelung  der  Verhöre  (2.  Mai,  2./3.  Mai  und  31.  Mai  2007)  wirke  realitätsfremd.  Es  dürfe  nämlich  mit  Recht  davon  ausgegangen  werden,  dass  die  Behörden  bereits  beim  ersten  Mal,  sicherlich  aber  beim  zweiten  Mal,  sämtliche  verwandtschaftlichen  Beziehungen  zu  durchleuchten  versucht  hätten.  Ebenfalls als  realitätsfremd wertete das BFM, dass die Soldaten bei der  ersten  Festnahme  die  Identitätskarten  der  erwachsenen  Söhne  zwar  kontrolliert,  diese  jedoch  zwecks  weiterer  Abklärungen  nicht  festgenommen  hätten,  zumal  einer  der  Söhne  als  Chauffeur  tätig  gewesen  sei.  Schliesslich  führte  das  BFM  zur  Begründung  seines  negativen Entscheides an, der Beschwerdeführer habe sich in den beiden  Befragungen  unterschiedlich  zu  den  Aussagen  der  Armeeangehörigen  anlässlich der Haftentlassung am 1. Juni 2007 geäussert. So habe er an  der  ersten  Befragung  angegeben,  die  Soldaten  hätten  ihm  gesagt,  er  solle  irgendwohin  fliehen;  bei  der  späteren  Anhörung  habe  er  dann  zu  Protokoll gegeben, es sei ihm gesagt worden, dass er sich zur Verfügung  halten  müsse.  Angesichts  der  realitätsfremden  Aussagen  und  der  aufgezeigten Widersprüche dränge sich der Schluss auf, dass es sich bei  den  Vorbringen  um  ein  Konstrukt  handle.  Mangels  Glaubhaftigkeit  der  Verfolgung  durch  die  Armee  sei  auch  die  geltend  gemachte  Anschlussverfolgung  durch  die  LTTE  unglaubhaft.  Die  vorgezeigten  Spuren von Gewalteinwirkungen müsse sich der Beschwerdeführer nach  dem  Gesagten  unter  anderen  als  den  geltend  gemachten  Umständen  zugezogen haben.  4.2.  Auf  Beschwerdeebene  hielt  die  Rechtsvertreterin  diesen  Erwägungen  Folgendes  entgegen:  Der  Argumentation  des  BFM,  wonach  die  Schilderungen  realitätsfremd  ausgefallen  seien,  könne  nicht  gefolgt  werden.  Es  liege  in  der  Natur  willkürlicher,  im  Rahmen  eines 

E­8649/2007 Bürgerkrieges  erfolgter  Akte  wie  Festnahmen,  Entführungen  und  Folterungen,  dass  diese  grundsätzlich  und  damit  auch  nach  rechtsstaatlichen  Überlegungen  weder  nachvollziehbar  noch  erklärbar  seien.  Willkürliche  Exzesse  liessen  sich  daher  nicht  durch  ein  besonderes,  ihrer  Typik  entsprechendes  Ablaufschema  erklären  und  analysieren. Es sei durchaus üblich, dass sich willkürliche Festnahmen im  bürgerkriegsversehrten Sri Lanka insbesondere zur Einschüchterung der  Bevölkerung  wiederholten.  Vor  diesem  Hintergrund  und  angesichts  der  beabsichtigten Einschüchterung habe die Armee gar kein Interesse daran  gehabt,  sogleich  im  Rahmen  einer  einzigen  Festnahme  die  gesamten  Familienverhältnisse  und  allfällige  Kontakte  zu  den  LTTE  zu  durchleuchten.  Weiter  sei  auch  die  Erwägung,  wonach  die  Armee  realistischerweise  auch  die  Söhne  des  Beschwerdeführers  festgenommen  hätte,  eine  blosse Mutmassung, welche  zurückzuweisen  sei.  Auch  hier  könne  nämlich  nicht  auf  eine  standardisierte  Vorgehensweise abgestützt werden. Hinsichtlich der Auflagen seitens der  Armeeangehörigen  entgegnete  die  Rechtsvertreterin,  der  Beschwerdeführer habe an beiden Befragungen sinngemäss dasselbe zu  Protokoll  gegeben,  nämlich,  dass  er  sich  zur  Verfügung  halten  müsse,  beziehungsweise,  dass  er wieder  vorgeladen werden  könnte. Das BFM  habe  ihm  hier  zu  Unrecht  einen  Widerspruch  vorgehalten.  Dass  er  daneben  im  EVZ  auch  noch  erwähnt  habe,  es  sei  ihm  gesagt  worden,  irgendwohin  zu  fliehen,  könne  nicht  als  Widerspruch  gewertet  werden.  Diese  Aussage  von  Soldaten  sei  als  individuelle  Anmerkung  seitens  einiger Peiniger zu werten und nicht als offizielle behördliche Anordnung.  Weiter  sei  anzumerken,  dass  diese  letzten  Anordnungen/Bemerkungen  seitens der Armee ohnehin nicht fluchtauslösend gewesen seien, sondern  die willkürlichen Mitnahmen, Drohungen und Folterungen insgesamt den  Ausschlag  gegeben  hätten.  Unter  diesen  Umständen  könne  der  vom  BFM  herangezogenen  Aussage  keine  derart  entscheidende  Bedeutung  abgerungen werden, wie  dies  vorliegend  erfolgt  sei.  Zusammenfassend  könnten  dem  Beschwerdeführer  somit  weder  realitätsfremde  Elemente  noch  Widersprüche  zur  Last  gelegt  werden.  Somit  falle  auch  die  Schlussfolgerung  des  BFM,  bei  den  Vorbringen  handle  es  sich  um  ein  Konstrukt,  in  sich  zusammen.  Zu  berücksichtigen  sei  schliesslich,  dass  der  Beschwerdeführer  seine  Folterverletzungen  betreffend  einen  ärztlichen Bericht nachgereicht habe. Somit hielten die Vorbringen sowohl  den Anforderungen von Art. 7 an die Glaubhaftigkeit als auch  jenen von  Art. 3 AsylG an die Asylrelevanz stand. 

E­8649/2007 4.3.  Auf  Vernehmlassungsstufe  nahm  das  BFM  zum  eingereichten  Arztbericht Stellung. Es führte dazu aus, dieser sei rudimentär, da es ihm  an  detaillierten  Angaben  zur  verwendeten  diagnostischen  Methode,  an  einer Stellungnahme zu allenfalls anders gelagerten Gewalteinwirkungen  und  an  Indizien  für  den  wahrscheinlichen  Zeitpunkt  der  Schädigung  ermangle. Der Bericht sei daher in keiner Weise geeignet, die Korrektheit  der Erwägungen und Schlüsse des BFM zu erschüttern. 4.4.  Mit  Replik  vom  3.  März  2008  nahm  die  Rechtsvertreterin  zur  Vernehmlassung  des  BFM  Stellung.  Sie  machte  geltend,  der  behandelnde Arzt  habe aufgrund der Kritik  des BFM an  seinem Bericht  erneut  ein  Gespräch  mit  dem  Beschwerdeführer  durchgeführt,  dessen  Extremitäten  examiniert  und  fotodokumentiert.  Diese  Unterlagen  lägen  zusammen  mit  einem  ergänzenden  Bericht  der  Eingabe  bei.  Der  behandelnde  Arzt  habe  sodann  Rücksprache  genommen  mit  anderen  Ärzten  betreffend  Sinn  und  Möglichkeit  weiterer  Abklärungen.  Diese  hätten  ihm  gesagt,  ausser  einer  gerichtsmedizinischen  Begutachtung  vermöchten  sonstige weitere Abklärungen  keine neuen Erkenntnisse  zu  bringen. Es sei eine Tatsache, dass nach gewisser Zeit die Fingernägel  nachwüchsen  und  der  Zeitpunkt  des  Geschehens  nicht  mehr  genau  eruierbar  sei.  Auch  Röntgen­  und  Laboruntersuchungen  brächten  in  dieser  Sache  nicht  mehr  Aufschluss.  Schliesslich  wies  die  Rechtsvertreterin  auf  die  sich  verschlimmernde  Lage  insbesondere  im  Norden und Osten Sri Lankas nach Wiederaufflammen des Bürgerkrieges  hin. 4.5.  Am  6.  November  2008  reichte  die  Rechtsvertreterin  folgende  weiteren  Beweismittel  zu  den  Akten:  zwei  ärztliche  Bestätigungen  vom  16. Mai 2007 und 20. Juni 2007, eine Todesurkunde der Schwester des  Beschwerdeführers  (samt  Foto  und  Übersetzung),  zwei  Zulassungskopien,  je  für einen Lastwagen und einen Minibus betreffend  die  Jahre  2003  und  2007,  Fotos  der  Fahrzeuge,  eine  Kopie  des  Fahrzeugausweises  des  Minibusses,  eine  Versicherungspolice  für  den  Lastwagen, eine Kopie des Führerscheins des zweitältesten Sohnes, eine  Kopie  der  Identitätskarte  des  zweitältesten  Sohnes  samt  Übersetzung.  Hinsichtlich  der  eingereichten  Fotos  machte  die  Rechtsvertreterin  geltend,  den  darauf  abgebildeten  Fahrzeugen  liessen  sich  schwach  die  Namen  des  Beschwerdeführers  (Minibus)  sowie  des  Sohnes  (LKW)  entnehmen.

E­8649/2007 4.6.  In seiner zweiten Vernehmlassung vom 19. Januar 2011  führte das  BFM  zu  den  nachträglich  eingereichten  Beweismittelns  folgendes  aus:  Der Beschwerdeführer habe geltend gemacht, es sei ihm der Zehennagel  2 rechts ausgerissen worden. Aus der CD­Rom gehe jedoch hervor, dass  die  ganze  Kuppe  an  der  betreffenden  Zehe  fehle,  was  eher  auf  eine  Amputation aus medizinischen Gründen hindeute. Die Fingernägel 1 – 4  seien  in  der  Tat  wellig  und  deformiert.  Ähnliche  Veränderungen  seien  jedoch  auch  auf  einigen  Zehennägeln  erkennbar,  zum  Beispiel  an  der  linken grossen Zehe. Hinsichtlich  der  zwei  ärztlichen Zeugnisse  aus Sri  Lanka hielt das BFM sodann  fest, diesen seien keine Angaben über die  Ursache der behandelten Verletzungen zu entnehmen. Zudem sei davon  auszugehen,  dass  derartige  Dokumente  in  Sri  Lanka  mit  geringem  Aufwand  erschlichen  oder  gefälscht  werden  könnten.  Schliesslich  hielt  das BFM zu den eingereichten Fahrzeugdokumenten fest, es habe keine  Zweifel am Umstand, dass der Beschwerdeführer in Sri Lanka Fahrzeuge  besessen und Transporte durchgeführt habe.  4.7. Zu dieser Vernehmlassung nahm die Rechtsvertreterin mit Eingabe  vom  4.  Februar  2011  wie  folgt  Stellung:  Sie  bestritt,  dass  die  eingereichten Fotografien der Zehen und Finger nicht geeignet seien, die  Foltervorbringen  zu  untermauern.  Sie  wies  dabei  nochmals  darauf  hin,  dass der Beschwerdeführer stets in gleicher Weise und genau den Ablauf  der  Folter  und  auch  seine  Gefühlsregungen  beschrieben  habe.  Die  Suggestion  des  BFM,  das  fehlende  Zehenglied  sei  wohl  amputiert  worden,  mute  bestenfalls  zynisch  an.  Mit  der  pauschalen  Behauptung,  ärztliche  Bestätigungen  aus  Sri  Lanka  seien  fälschungsanfällige  Dokumente,  denen  aufgrund  dieser  Eigenschaft  kein  Beweiswert  zugemessen  werden  könne,  nehme  die  Vorinstanz  dem  Beschwerdeführer  vorweg  jede  Möglichkeit,  seine  Aussagen  durch  schriftliche  Beweismittel  zu  stützen.  Die  Rechtsvertreterin  machte  schliesslich  folgende Sachverhaltsergänzungen, die sich aus der  langen  Verfahrensdauer  ergeben  hätten:  Der  älteste  Sohn  des  Beschwerdeführers  sei  im  Sommer  2010  festgenommen  worden  und  gelte  seither  als  verschwunden. Seine Familie  sei wiederholt  nach  dem  Aufenthaltsort  des  Beschwerdeführers  gefragt  worden.  Sie  sei  jeweils  aufgefordert  worden,  nach  seiner  Rückkehr  sofort  die  Armee  zu  benachrichtigen. Schliesslich wies die Beschwerdeführerin unter Hinweis  auf  diverse  Internetberichte  darauf  hin,  dass  sich  die  Situation  für  mutmassliche  LTTE­Sympathisanten  nicht  verbessert  habe,  dass  es  zu  fortdauernden  Belästigungen  und  Drohungen  seitens  der  Armee  gegen  ehemalige  LTTE­Mitglieder  komme,  die  freigelassen  und  rehabilitiert 

E­8649/2007 worden seien, dass es keine fairen Gerichtsverfahren und unabhängigen  Gerichte  in  Sri  Lanka  gebe  und  dass  zurückkehrende  tamilische  Asylbewerber, die Sri Lanka zur Kriegszeit verlassen hatten, eine eigene  Risikogruppe  für  Verhaftungen  bildeten.  Da  im  Falle  des  Beschwerdeführers davon auszugehen sei, dass er bei den Behörden als  LTTE­Unterstützer gelte, sei  ihm eine begründete Furcht vor Verfolgung  zu attestieren.  5.  5.1.  Das  Bundesverwaltungsgericht  kommt  nach  Abwägung  sämtlicher  Aussagen  und  unter  Berücksichtigung  des  jüngsten,  zur  Publikation  vorgesehenen  Länderurteils  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom  27.  Oktober  2011  (E­6220/2006),  welches  sich  einlässlich  mit  den  Risikogruppen  der  auch  nach  Beendigung  des  Bürgerkriegs  noch  gefährdeten  Personen  auseinandersetzt,  zum  Schluss,  dass  das  BFM  das Asylgesuch des Beschwerdeführers zu Unrecht abgewiesen hat. 5.2. Vorab  ist  zur  vom BFM bestrittenen Glaubhaftigkeit  der Vorbringen  Folgendes  festzuhalten:  Grundsätzlich  sind  die  Vorbringen  eines  Gesuchstellers dann glaubhaft, wenn sie genügend substanziiert,  in sich  schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in vagen Schilderungen  erschöpfen,  in wesentlichen Punkten nicht widersprüchlich sein oder der  inneren  Logik  entbehren  und  auch  nicht  den  Tatsachen  oder  der  allgemeinen  Erfahrung  widersprechen.  Darüber  hinaus  muss  der  Gesuchsteller  persönlich  glaubwürdig  erscheinen,  was  insbesondere  dann  nicht  der  Fall  ist,  wenn  er  seine  Vorbringen  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abstützt,  aber  auch  dann,  wenn  er  wichtige  Tatsachen  unterdrückt  oder  bewusst  falsch  darstellt,  im  Laufe  des  Verfahrens  Vorbringen  auswechselt,  steigert  oder  unbegründet  nachschiebt,  mangelndes  Interesse  am  Verfahren  zeigt  oder  die  nötige  Mitwirkung  verweigert.  Glaubhaftmachung  bedeutet  ferner  ­  im  Gegensatz zum strikten Beweis  ­ ein  reduziertes Beweismass und  lässt  durchaus  Raum  für  gewisse  Einwände  und  Zweifel  an  den  Vorbringen  des  Gesuchstellers.  Entscheidend  ist,  ob  die  Gründe,  die  für  die  Richtigkeit  der  Sachverhaltsdarstellung  des  Gesuchstellers  sprechen,  überwiegen  oder  nicht.  Dabei  ist  auf  eine  objektivierte  Sichtweise  abzustellen (vgl. Art. 7 AsylG; BVGE 2010/57 E.2.3; Entscheidungen und  Mitteilungen  der Schweizerischen Asylrekurskommission  [EMARK]  2004  Nr. 1 E. 5a, mit weiteren Hinweisen).

E­8649/2007 Eine  Durchsicht  der  Protokolle  ergibt,  dass  die  Schilderung  der  Ereignisse  den  dargestellten  Anforderungen  durchaus  zu  genügen  vermag. Der Beschwerdeführer hat in beiden Befragungen detailliert und  weitestgehend  identisch  seine  drei  Mitnahmen  durch  die  Armee  geschildert.  Sowohl  in  zeitlicher  Hinsicht  als  auch  hinsichtlich  der  Fragestellungen  und  Folterungen  sind  keine  Ungereimtheiten  zu  erkennen.  Mit  der  Rechtsvertreterin  ist  sodann  festzustellen,  dass  der  einzigen  unstimmigen  Angabe,  wonach  dem  Beschwerdeführer  bei  der  letzten Verhaftung gesagt worden sei, er müsse der Armee zur Verfügung  stehen, wenn  sie  ihn  bräuchten,  beziehungsweise,  er  solle  irgendwohin  fliehen,  keine  entscheidende  Bedeutung  zuzukommen  vermag,  zumal  angesichts  der  erlittenen  Folter  und  Schmerzen  eine  gewisse  Ungenauigkeit  in  der  Erinnerung  des  daraufhin  Gesagten  verständlich  wäre.  Obwohl  die  Vorinstanz  dem  Beschwerdeführer  nur  diese  eine  unbedeutende  Ungereimtheit  vorzuhalten  vermochte,  hat  sie  im  angefochtenen Entscheid davon gesprochen, dass die Vorbringen unter  anderem  aufgrund  der Widersprüche  (Mehrzahl)  nicht  geglaubt  werden  könnten.  Auch  die  weitere  Argumentation  des  BFM,  wonach  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  klarerweise der Realität widersprächen,  vermag das  Gericht  nicht  zu  teilen.  Die  vom  Beschwerdeführer  geschilderte  dreimalige Mitnahme  innerhalb  eines Monats  erscheint  dem Gericht  im  Kontext  des  damaligen  Wiederaufflammens  des  Bürgerkrieges  als  durchaus plausibel. Daran vermag auch der Umstand nichts  zu ändern,  dass jeweils die familiären Verbindungen zur LTTE ausgeleuchtet worden  seien.  Weiter  ist  festzustellen,  dass  auch  das  Argument  des  BFM,  die  damalige  Nicht­Mitnahme  der  Kinder  des  Beschwerdeführers  spreche  gegen  die  Glaubhaftigkeit  der  Aussagen,  rein  spekulativ  ist  und  die  stimmige Schilderung der Ereignisse nicht in Frage zu stellen vermag.  Hinzu  kommt,  dass  der  Beschwerdeführer  die  anlässlich  der  Inhaftierungen  erlittenen  Misshandlungen  mittels  ärztlicher  Zeugnisse,  Berichte und Fotografien zu untermauern vermochte. Die der CD­ROM zu  entnehmenden Fotografien  lassen  in der Tat  erkennen,  dass eine Zehe  des  Beschwerdeführers  verkürzt  ist  und  die  linke  Hand  deformierte,  wellige  Fingernägel  aufweist,  während  die  Fotografie  der  rechten  Hand  ein völlig unauffälliges Bild der Nägel enthält. Es  trifft zwar zu, dass der  eingereichte  Arztbericht  vom  17.  Dezember  2007  noch  keine  Erwägungen  zu  einer  anderen  möglichen  Ursache  enthielt.  Im  zweiten  Arztbericht  vom 19.  Februar  2008 hielt  derselbe Arzt  dann aber  explizit 

E­8649/2007 fest,  das  Verteilungsmuster  und  die  fehlenden  Hautveränderungen  sprächen  klar  gegen  die  theoretische  Möglichkeit  der  Schuppenflechte,  und  es  sei  kaum  eine  andere  Ursache  (als  die  geltend  gemachte)  denkbar,  die  eine  Zehe  und  Finger  einer  Hand  betreffe  (die  anderen  Gliedmassen  aber  nicht).  In  beiden  Arztberichten  wird  abschliessend  festgehalten,  der  objektive  Befund  sei  mit  den  vom  Beschwerdeführer  gemachten Aussagen vereinbar und plausibel. Mit  der Rechtsvertreterin  ist  angesichts  des  klar  fehlenden  Teils  der  abgetrennten  Zehe  2  rechts  schliesslich  davon  auszugehen,  dass  der  Arzt  im  erwähnten  Bericht  versehentlich  nur  von  einem  fehlenden  Nagel  gesprochen  hat.  Die  geltend  gemachten  Ursachen  der  Deformationen  werden  vom  Gericht  nach  dem  Gesagten  ­  nicht  zuletzt  auch  angesichts  der  stimmigen  Aussagen  über  den  Ablauf  der  Misshandlungen  ­  nicht  in  Zweifel  gezogen.  5.3.  Zusammenfassend  ist  somit  festzuhalten,  dass  der  Beschwerdeführer  nach  Auffassung  des  Bundesverwaltungsgerichts  als  überwiegend glaubhaft im Sinne von Art. 7 AsylG zu machen vermochte,  dass er  im Mai 2007 von der Armee wegen Verdachts von Handlungen  zugunsten der LTTE dreimal  festgenommen und dabei zweimal gefoltert  worden  ist,  indem  ihm einerseits die Nägel einer Hand ausgerissen und  ihm andererseits ein Teil einer Zehe abgeklemmt worden ist.  5.4. Es ist somit nachfolgend zu prüfen, ob der Beschwerdeführer heute     ­ nach Beendigung der Kriegshandlungen ­ noch ein Risikoprofil aufweist,  welches mit  Verfolgung  zu  rechnen  hat. Dazu  ist  das  neuste  Lageurteil  des Bundesverwaltungsgerichts heranzuziehen, welches sich ausführlich  mit  der  gegenwärtigen  Lage  und  den  Kategorien  aktuell  gefährdeter  Personenkreise auseinandersetzt.  5.4.1.  So  hielt  das  Gericht  im  erwähnten  Urteil  E­6220/2006  vom  27.  Oktober 2011 einleitend fest, dass die Regierung Sri Lankas am 19. Mai  2009 offiziell  den Sieg der Regierungstruppen über die LTTE verkündet  und Präsident Rajapakse den seit 26 Jahren dauernden Krieg für beendet  erklärt  habe.  Das  Führungskader  der  LTTE  sei  der  Medienberichterstattung  zufolge komplett  ausgelöscht worden. Hinweise  auf  aktive  LTTE­Kader  im  Norden  Sri  Lankas  gebe  es  keine.  Die  höchstrangigen  LTTE­Kader  seien  entweder  gefangen  genommen  oder  getötet worden (so auch der LTTE­Chef Velupillai Prabhakaran), oder sie  hätten das Land verlassen können. Es gebe keine Anzeichen, dass die  LTTE  heute  noch  in  der  Lage  wären,  Angriffe  auf  die  Sicherheitskräfte 

E­8649/2007 oder  sonstige  Attentate  auszuführen.  Es  sei  somit  davon  auszugehen,  dass im heutigen Zeitpunkt von den LTTE keine Verfolgungshandlungen  mehr  ausgingen  und  diese  Organisation  respektive  deren  Führungsverantwortliche  nicht  mehr  als  Verfolger  in  Erscheinung  treten  könnten  (vgl.  BVGE  E­6220/2006 E. 7.1).  5.4.2. Sodann  definiert  das  erwähnte Urteil  diverse Personenkreise,  die  heute  trotz  der  verbesserten  Sicherheitslage  seit  Beendigung  des  militärischen  Konfliktes  immer  noch  einer  erhöhten  Verfolgungsgefahr  ausgesetzt  sind.  Zum  erhöht  gefährdeten  Personenkreis  gehören  unter  anderem  Personen,  die  auch  nach  Beendigung  des  Bürgerkriegs  verdächtigt  werden,  mit  den  LTTE  in  Verbindung  zu  stehen  oder  gestanden  zu  haben,  ebenso  Anhänger  des  Ex­Generals  Sarath  Fonseka.  Weiter  gelten  als  gefährdet  Opfer  und  Zeugen  von  Menschenrechtsverletzungen  sowie Personen,  die  solche Übergriffe  bei  den Behörden anzeigen. Hinsichtlich der Gefährdung von abgewiesenen  Asylbewerbern  hält  das  Urteil  fest,  zwar  könne  nicht  generell  angenommen  werden,  dass  abgewiesene  tamilische  Asylsuchende  aus  der Schweiz bei der Rückkehr nach Sri Lanka alleine aus diesem Grund  in  einen  behördlichen  Verdacht  geraten,  während  ihres  Aufenthaltes  in  der Schweiz Kontakte mit führenden LTTE­Kadern unterhalten zu haben.  Weder das UNHCR noch andere Organisationen hätten bisher auf  eine  diesbezügliche,  generell  drohende  Gefahr  hingewiesen.  Dies  schliesse  indessen  nicht  aus,  dass  abgewiesenen  tamilischen  Asylsuchenden  im  Einzelfall nahe Kontakte zu LTTE­Kadern unterstellt werden könnten, was  eine  konkrete  Gefährdung  bedeuten  könne.  Die  Einschätzung  einer  diesbezüglich  gearteten  Gefahr  könne  nicht  generell  vorgenommen  werden,  sondern  hänge  von  den  individuellen  Gegebenheiten  im  Einzelfall  ab.  Je  näher  die  betreffende  Person  in  das  Umfeld  der  oben  beschriebenen  Risikogruppen  gerate,  desto  höher  müsse  die  entsprechende  Gefahr  eingeschätzt  werden,  seitens  der  sri­lankischen  Behörden  der  Entfaltung  missliebiger  politischer  Kontakte  respektive  Tätigkeiten  bezichtigt  und  in  der  Folge  in  asylbeachtlichem  Ausmass  verfolgt zu werden (vgl. BVGE E­6220/2006 E.8). 5.4.3. Mit der Gefährdungssituation,  jedoch  im Hinblick auf eine EMRK­ widrige Behandlung namentlich für Tamilen, die aus einem europäischen  Land  nach  Sri  Lanka  zurückkehren  müssen,  hat  sich  auch  der  Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) wiederholt befasst  (vgl. NA. v. United Kingdom, Application no. 25904/07, Entscheid vom 17. 

E­8649/2007 Juli 2008; P.K. v. Denmark, Application no. 54705/08, Entscheid vom 20.  Januar 2011; T.N. v. Denmark, Application no. 20594/08, Entscheid vom  20.  Januar  2011;  E.G.  v.  United  Kingdom,  Application  no.  41178/08,  Entscheid  vom  31. Mai  2011).  Auch  der  EGMR  hält  fest,  dass  nicht  in  genereller Weise davon auszugehen sei, zurückkehrenden Tamilen drohe  unmenschliche  Behandlung;  eine  entsprechende  Risikoeinschätzung  müsse  vielmehr  verschiedene  Faktoren  in  Betracht  ziehen,  aus  denen  sich  insgesamt  im  Einzelfall  schliessen  lasse,  dass  der  Betreffende  ernsthafte  Gründe  für  die  Befürchtung  habe,  die  Behörden  hätten  an  seiner  Festnahme  und  Befragung  ein  Interesse.  Als  derartige  risikobegründende  Faktoren  nennt  der  EGMR  namentlich  Aspekte  wie  eine  frühere  Registrierung  als  verdächtigtes  oder  tatsächliches  LTTE­ Mitglied,  das  Bestehen  einer  Vorstrafe  oder  eines  offenen  Haftbefehls,  die  Flucht  aus  der Haft  oder  aus Kautionsauflagen,  die Unterzeichnung  eines  Geständnisses  oder  ähnlicher  Dokumente,  die  Anwerbung  als  Informant  der  Sicherheitskräfte,  die  Existenz  von  Körpernarben,  die  Rückkehr  nach  Sri  Lanka  von  London  oder  von  einem  anderen  Ort,  welcher als LTTE­Finanzmittelbeschaffungszentrum gilt,  das Fehlen von  ID­Papieren  oder  anderen  Dokumenten,  die  Asylgesuchstellung  im  Ausland oder die Verwandtschaft mit einem LTTE­Mitglied (vgl. BVGE E­ 6620/2006 E. 10.4.2).  5.4.4. Als weitere, möglicherweise gefährdete Personengruppe nennt das  erwähnte Lageurteil  des Bundesverwaltungsgerichts Personen,  die über  beträchtliche finanzielle Mittel verfügten (vgl. BVGE E­6220/2006 E. 8.5).  Diese  seien  einer  erhöhten  Gefahr  von  Erpressungen,  Kidnapping  und  anderen  Verfolgungshandlungen  ausgesetzt.  Die  regierungstreuen,  paramilitärischen  Gruppierungen  der  Eelam  People’s  Democratic  Party  (EPDP), People's Liberation Organisation of Tamil Eelam (PLOTE), Tamil  Eelam  Liberation  Organization  (TELO)  und  der  Eelam  People's  Revolutionary  Liberation  Front  (EPRLF)  würden  für  die  Entführung  von  Geschäftsleuten  und  anderer  wohlhabenden  Personen  im  Norden  Sri  Lankas verantwortlich gemacht. Bereits während des Bürgerkriegs waren  sowohl  in  Gebieten  unter  Regierungskontrolle  als  auch  in  den  umkämpften LTTE­Gebieten vorwiegend weisse Minibusse ("white vans")  in Erscheinung getreten, welche in Verbindung zur gestiegenen Zahl von  verschwundenen  Personen  gebracht  werden  mussten,  wobei  nicht  in  jedem  Entführungsfall  das  politische  Profil  ausschlaggebend  war.  Eine  Vielzahl  wohlhabender  Geschäftsleute  wurde  namentlich  durch  die  damalige  Karuna­Gruppe  entführt.  Diese  Entführungs­  und  andere  Aktionen  wurden  seitens  der  Sicherheitskräfte  oft  passiv  gedeckt  oder 

E­8649/2007 geduldet;  zum  Teil  wurden  diese  sogar  selber  für  die  Entführungen  verantwortlich  gemacht.  Einen  polizeilichen  Schutz  davor  gab  es  nicht  und  die  entsprechenden  Taten  wurden  so  gut  wie  nie  aufgeklärt  (vgl.  BVGE  2008  Nr.  2  E.  7.2.4).  Entsprechende  Entführungen  sollen  auch  heute  noch  stattfinden,  jedoch  in  einem  reduzierten  Ausmass.  Dabei  werden  insbesondere  lokale  Geschäftsleute  ins  Visier  genommen.  Die  genaue Urheberschaft bleibt unklar.  5.4.5.  Der  Beschwerdeführer  nannte  als  Hintergrund  des  behördlichen  Interesses  an  seiner  Person  diverse Umstände.  So  sei  er  anfänglich  in  den  Verdacht  der  LTTE­Unterstützung  geraten,  weil  er  Besitzer  dreier  Transportfahrzeuge  gewesen  sei  und  damit  Personen­  und  Materialtransporte ausgeführt habe, und weil die Behörden Kenntnis über  eine  Reise  nach  Colombo  gehabt  hätten.  Auch  sei  er  im  Verdacht  gestanden,  weil  seine  Schwester  für  die  LTTE  gekämpft  habe  und  im  Kampf  gefallen  sei.  Im  Verlaufe  der  Anhörungen  seien  als  Verdachtsmomente  hinzugekommen,  dass  er  sich  über  Jahre  in  der  Schweiz  aufgehalten  habe  und  seine  Geschwister  in  der  Schweiz  wohnhaft seien. 5.4.6. Das Bundesverwaltungsgericht stellt  fest, dass mit der Flucht des  Beschwerdeführers  keines  dieser  früheren  Verdachtsmomente  weggefallen  und  mit  den  Folterspuren  und  der  jahrelangen  Landesabwesenheit  zusammen mit  einem Grossteil  seiner  Geschwister  gar  neue  Verdachtsmomente  hinzugekommen  sind.  Als  Inhaber  eines  Transportgeschäftes  dürfte  der  Beschwerdeführer  weiterhin  dem  Verdacht  unterliegen,  im  Dienste  oppositioneller  Kräfte  Transporte  durchzuführen und über beträchtliche  finanzielle Unterstützungsmittel  zu  verfügen.  Eine  drohende  behördliche  Verfolgung  aufgrund  der  Verdächtigung, der Beschwerdeführer sei angesichts seiner schon früher  unterstellten  LTTE­Kontakte  ein  politischer Opponent,  basiert mithin  auf  einem  flüchtlingsrechtlich  relevanten  Verfolgungsmotiv.  Zusätzlich  ist  er  als  Geschäftsmann,  zumal  aus  der  Schweiz  zurückkehrend,  aber  auch  den  oben  beschriebenen  Gefahren  von  Erpressung  und  Entführung  seitens paramilitärischer Kräfte ausgesetzt. Als  Indiz dazu  ist zu werten,  dass ein Sohn des Beschwerdeführers  letztes Jahr entführt worden und  nicht wieder aufgetaucht sei. Der Umstand, dass (...) seiner Geschwister  in  der  Schweiz  wohnhaft  sind,  erhöht  weiter  die  Gefahr  sowohl  des  behördlichen Verdachts der finanziellen Unterstützung der Opposition als  auch  diejenige  einer  Entführung  und  Erpressung.  Dabei  ist  zu  berücksichtigen,  dass  die  Schutzgewährung  gegenüber  Übergriffen 

E­8649/2007 seitens  paramilitärischer  Gruppen  durch  die  staatlichen  Behörden  gemäss  dem  erwähnten  Länderurteil  heute  sowohl  für  den  Norden  als  auch  für  den Osten  von  Sri  Lanka  als  limitiert  respektive  als  ineffizient  beschrieben wird und die Polizei­ und Militärbehörden bei Übergriffen ein  hohes Ausmass an Straflosigkeit geniessen.  5.4.7.  Zusammenfassend  kommt  das  Bundesverwaltungsgericht  unter  Berücksichtigung  sämtlicher  Risikofaktoren  zum  Schluss,  dass  der  Beschwerdeführer  einer  bei  einer  Rückkehr  gefährdeten  Personenkategorie  zugehörig  zu  erklären  ist  und  eine  zukünftige  Verfolgung  aufgrund  einer  relevanten  Verfolgungsmotivation  mit  erheblicher Wahrscheinlichkeit gewärtigen muss. Dem Beschwerdeführer  ist  –  nicht  zuletzt  auch  aufgrund  der  erlittenen  Vorverfolgung  –  auch  heute  noch  eine  begründete  Furcht  vor Verfolgung  im Sinne  von Art.  3  Asyl  zu  attestieren.  Die  Flüchtlingseigenschaft  ist  ihm  daher  zuzuerkennen und das Asyl zu gewähren. Gründe für eine Verweigerung  des  Asyls  beziehungsweise  einen  Ausschluss  aus  der  Flüchtlingseigenschaft liegen nicht vor (vgl. Art. 53 AsylG).  6.  Nach  dem  Gesagten  ist  in  Gutheissung  der  Beschwerde  die  angefochtene Verfügung aufzuheben. Die Vorinstanz ist anzuweisen, den  Beschwerdeführer  als  Flüchtling  anzuerkennen  und  ihm  in  der  Schweiz  Asyl zu gewähren. 7.  Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten aufzuerlegen (vgl.  Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). 8.  Sodann  ist  dem  vertretenen  Beschwerdeführer  angesichts  seines  Obsiegens  in  Anwendung  von  Art.  64  VwVG  und  Art.  7  Abs.  1  des  Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  (VGKE,  SR  173.320.2)  eine  Entschädigung  für  die  ihm notwendigerweise erwachsenen Parteikosten  zuzusprechen.  In  der  Kostennote  vom  4.  November  2011  weist  die  Rechtsvertreterin  einen  zeitlichen  Aufwand  von  20  Stunden  à  Fr.  150.­  sowie  Auslagen  (inklusive  Dolmetscherkosten)  von  insgesamt  Fr.  250.­  aus.  Der  in  Rechnung gestellte Aufwand erscheint nicht vollumfänglich angemessen; 

E­8649/2007 insbesondere  ist  der  ausgewiesene  zeitliche  Aufwand  von  insgesamt  15  Stunden  für  Aktenstudium  und  Ausarbeitung  der  Rechtsschriften  zu  kürzen,  zumal  es  sich  nicht  um  überdurchschnittlich  umfangreiche  oder  zahlreiche Eingaben an das Gericht gehandelt hat. Das Gericht erachtet  insgesamt  einen  zeitlichen  Aufwand  von  15  Stunden  für  das  Beschwerdeverfahren  –  auch  im  Vergleich  mit  anderen,  ähnlichen  Verfahren  –  als  angemessen.  Dem  Beschwerdeführer  ist  somit  unter  Berücksichtigung der Bemessungsgrundsätze nach Art. 7  ff. VGKE eine  Parteientschädigung zu Lasten des BFM in der Höhe von Fr. 2500.­ (inkl.  Auslagen, ohne Mehrwertsteuer) zuzusprechen.  (Dispositiv nächste Seite)

E­8649/2007 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird gutgeheissen. 2.  Die Verfügung vom 20. November 2007 wird aufgehoben. Das BFM wird  angewiesen, dem Beschwerdeführer Asyl zu erteilen. 3.  Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.  4.  Das  BFM  wird  angewiesen,  dem  Beschwerdeführer  eine  Parteientschädigung  in  der  Höhe  von  Fr.  2500.­  (inkl.  Auslagen,  ohne  Mehrwertsteuer) zu entrichten. 5.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Christa Luterbacher Gabriela Oeler Versand:

E-8649/2007 — Bundesverwaltungsgericht 21.11.2011 E-8649/2007 — Swissrulings