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Bundesverwaltungsgericht 04.11.2011 E-7662/2008

4. November 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,316 Wörter·~7 min·3

Zusammenfassung

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 31. Oktober 2008

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung V E­7662/2008 Urteil   v om   4 .   No v embe r   2011 Besetzung Richterin Gabriela Freihofer (Vorsitz), Richter Fulvio Haefeli, Richter Walter Stöckli,    Gerichtsschreiber Jan Feichtinger. Parteien A._______, geboren am (…), Afghanistan,  (…),   Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom  31. Oktober 2008 / N (…).

E­7662/2008 Sachverhalt: A.  A.a  Eigenen  Angaben  zufolge  verliess  der  Beschwerdeführer,  ein  afghanischer  Staatsangehöriger  mit  letztem  Wohnsitz  in  B._______  (Provinz C._______),  seinen Heimatstaat  ungefähr  im April  2008  illegal  und  zu  Fuss  über  die  Grenze  in  den  Iran  und  gelangte  mithilfe  verschiedener  Transportmittel  (Auto,  Pferd,  Ruderboot,  Schiff,  Zug,  Lastwagen)  über  die  Türkei,  Griechenland  sowie  ihm  unbekannte  Transitländer  am  21. Ju­li 2008  in  die  Schweiz,  wo  er  gleichentags  um  Asyl nachsuchte. Am 8. August 2008 fand  im (…) die Erstbefragung statt, am 24. Oktober  2008  erfolgte  die  Anhörung  zu  den  Asylgründen  durch  das  BFM.  Im  Wesentlichen machte der Beschwerdeführer dabei geltend, er habe etwa  zwei  bis  drei  Monate  nach  seiner  Rückkehr  von  D._______  nach  Afghanistan,  welche  im  Sommer  des  Jahres  1386  (abendländische  Zeitrechnung:  2007)  stattgefunden  habe,  ein  Mädchen  namens  E._______  kennengelernt, welchem er  in  der Folgezeit  im Verborgenen  näher  gekommen  sei.  Etwa  im März 2008  habe  er  E._______  zuhause  besucht und mit  ihr geschlafen, während  (…)  im Nebenzimmer gelegen  habe.  Als  er  gerade  dabei  gewesen  sei,  sich  wieder  zu  bekleiden,  sei  E._______'  (…) nach Hause gekommen, habe sich auf  ihn gestürzt und  ihn geschlagen. Er selbst habe sich nur verteidigen wollen, sei  in dieser  Notwehrsituation aber gezwungen gewesen, zurückzuschlagen. Dabei sei  (…) gestürzt, worauf der Beschwerdeführer das Haus und auch das Dorf  fluchtartig  verlassen  habe,  um  bei  seinem  (…)  in  F._______ Schutz  zu  suchen.  Wenige  Tage  später  habe  er  von  diesem  erfahren,  dass  (…)  seiner Geliebten kurz nach der Auseinandersetzung gestorben sei. Eine  ärztliche  Untersuchung  habe  jedoch  ergeben,  dass  (…)  seinen  Tod  verursacht  hätten.  Die  Söhne  des  Verstorbenen  hätten  dieses  Verdikt  jedoch  nicht  akzeptieren  wollen  und  begonnen,  nach  dem  Beschwerdeführer  zu  suchen.  Eines  Abends  sei  (…)  nach  Hause  gekommen  und  habe  dem  Beschwerdeführer  erzählt,  dass  dessen  Verfolger  in seinem (…) aufgetaucht seien,  ihn bedroht und aufgefordert  hätten, das Versteck des Beschwerdeführers preiszugeben. Auf Anraten  (...) habe sich dieser deshalb entschlossen, das Land zu verlassen.    B.  Mit  Verfügung  vom  31. Oktober 2008  stellte  das  BFM  fest,  der  Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte das 

E­7662/2008 Asylgesuch ab. Gleichzeitig verfügte es die Wegweisung aus der Schweiz  und deren Vollzug. C.  C.a  Mit  Eingabe  vom  1. Dezember 2008  erhob  der  Beschwerdeführer  Beschwerde  beim  Bundesverwaltungsgericht  und  beantragte  dabei  in  materieller Hinsicht, es sei die Verfügung des BFM vom 31. Oktober 2008  aufzuheben,  seine  Flüchtlingseigenschaft  festzustellen  und  ihm  Asyl  zu  gewähren. Eventualiter sei die Unzulässigkeit respektive Unzumutbarkeit  des Wegweisungsvollzugs festzustellen und ihm die vorläufige Aufnahme  zu  gewähren.  In  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  beantrage  der  Beschwerdeführer,  ihm  sei  unter  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses die unentgeltliche Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom  20.  Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) zu gewähren. C.b Mit Zwischenverfügung vom 8. Dezember 2008 wies die zuständige  Instruktionsrichterin  die  Gesuche  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  gemäss  Art.  65  Abs.  1  VwVG  sowie  um  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  ab  und  setzte  dem  Beschwerdeführer Frist zur Leistung eines solchen. C.c  Mit  Eingabe  vom  12. Dezember 2008  wiederholte  der  Beschwerdeführer  seine  bisherigen  Anträge  und  ersuchte  zudem  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtsverbeiständung  gemäss  Art.  65  Abs.  2  VwVG  und  um  Ansetzung  einer  Nachfrist  zur  Beschwerdeergänzung. C.d Mit  prozessleitender  Verfügung  vom  18. Dezember 2008  hiess  die  zuständige  Instruktionsrichterin  –  unter Hinweis  auf  die  zwischenzeitlich  veränderte  Sicherheitslage  in  der  Herkunftsregion  des  Beschwerdeführers  –  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  gemäss  Art.  65  Abs.  1  wiedererwägungsweise  gut  und  verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Das Gesuch um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtsverbeiständung  gemäss  Art.  65  Abs. 2 VwVG wurde hingegen abgewiesen.  C.e  Mit  Eingabe  vom  30. Dezember 2008  wurde  kommentarlos  ein  arabischsprachiges Dokument zu den Akten gereicht.

E­7662/2008 D.  D.a Mit Verfügung vom 26. August 2011 zog das BFM die angefochtene  Verfügung  vom  31.  Oktober  2008  im  Rahmen  von  Art.  58  VwVG   teilweise  in  Wiedererwägung  und  nahm  den  Beschwerdeführer  infolge  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  in  seinen  Heimatstaat  Afghanistan  im  Sinne  von  Art.  83  Abs.  4  des  Bundesgesetzes  vom  16. Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  (AuG,  SR  142.20) in der Schweiz vorläufig auf.  D.b Aufgrund dieser Sachlage  fragte die zuständige  Instruktionsrichterin  den Beschwerdeführer am 31. August 2011 an, ob er die Beschwerde –  soweit  nicht  gegenstandslos  geworden  –  zurückziehen wolle, wobei  bei  ungenutzter  Frist  davon  ausgegangen  werde,  dass  er  an  seinen  Rechtsbegehren  festhalte.  Der  Beschwerdeführer  liess  sich  dazu  nicht  vernehmen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  [AsylG,  SR  142.31]);  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der  Beschwerdeführer  ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung.  Der  Beschwerdeführer  ist  daher  zur 

E­7662/2008 Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 108 Abs. 1 AsylG sowie Art.  105  AsylG  i.V.m.  Art.  37  VGG  und  48  Abs.  1  und  52  VwVG).  Auf  die  Beschwerde ist einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  3.1.  Gemäss  Art.  2  Abs.  1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Als  Flüchtling  wird  eine  ausländische  Person  anerkannt,  wenn  sie  in  ihrem  Heimatstaat  oder  im  Land,  in  dem  sie  zuletzt  wohnte,  wegen  ihrer Rasse, Religion, Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen  ihrer  politischen  Anschauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete  Furcht  hat,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden.  Als  ernsthafte  Nachteile  gelten  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder  Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck  bewirken (Art. 3 AsylG). 3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art.  7  AsylG). 4.  4.1.  Das  BFM  lehnte  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  ab,  da  seine Vorbringen den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art.  7 AsylG nicht zu genügen vermöchten. So erwiesen sich seine Aussagen zu verschiedenen Kernvorbringen als  zu  stereotyp  und  oberflächlich,  als  dass  sie  den  Eindruck  des  Selbsterlebten  zu  erwecken  vermöchten.  Was  etwa  die  geltend  gemachten Handgreiflichkeiten mit   (...)  seiner Geliebten anbelange, sei  er  anlässlich  der  Anhörung  nicht  in  der  Lage  gewesen,  den  Vorfall  anschaulich  und  detailgetreu  wiederzugeben.  Auch  habe  er  seine 

E­7662/2008 Darstellung, wonach er E._______ etwa ein  Jahr nach seiner Rückkehr  aus  D._______  kennengelernt  habe,  auch  auf  Nachfrage  nicht  präzisieren können. Es hätte jedoch erwartet werden können, dass er den  Zeitpunkt  des  Kennenlernens  oder  des  Geschlechtsverkehrs  nach  Monaten oder zumindest Jahreszeiten einzugrenzen vermöchte. Im Weiteren widerspreche seine Darstellung in wesentlichen Punkten der  allgemeinen Erfahrung respektive der Logik des Handelns. Insbesondere  sei etwa nicht nachvollziehbar, weshalb der Beschwerdeführer das Risiko  auf  sich  genommen  haben  sollte,  mit  E._______  in  deren  Haus  zu  schlafen,  währenddem  sich  (...)  im  Nebenzimmer  aufgehalten  habe.  Weiter erscheine unlogisch, dass die Brüder der Ersteren (...)  in dessen  (...) in F._______ aufgespürt, dessen Wohnhaus hingegen nicht gefunden  hätten.  Schliesslich  würden  die  Zweifel  am  Wahrheitsgehalt  der  Verfolgungsvorbringen  durch  verschiedenen Widersprüche  verstärkt.  So  habe  der  Beschwerdeführer  einerseits  ausgeführt,  der  (...)  seiner  Geliebten  sei  auf  dem  Weg  zum  Arzt  verstorben  und  andererseits  angegeben, er wisse nicht, wann dessen Tod eingetreten sei.   4.2. Aus der Rechtsmitteleingabe ergibt sich als Rüge die Verletzung von  Bundesrecht,  indem  zu  Unrecht  auf  Unglaubhaftigkeit  der  Vorbringen  geschlossen worden sei. 4.3. Was die  vom BFM  festgestellten Ungereimtheiten  in Bezug auf  die  geltend  gemachten  Fluchtgründe  anbelangt,  kann  zur  Vermeidung  von  Wiederholungen vorab auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz  verwiesen werden, welchen im Wesentlichen beizupflichten ist. 4.3.1. Zunächst ist der vorinstanzlichen Feststellung, wonach wesentliche  Vorbringen des Beschwerdeführers nicht hinreichend begründet, mithin in  wesentlichen  Punkten  zu  wenig  konkret,  detailliert  und  differenziert  dargelegt worden seien, vollumfänglich beizupflichten. Namentlich die Darstellung des angeblich fluchtbegründenden Vorfalls ist  als  ausserordentlich  substanzarm  zu  bezeichnen.  So  berichtete  der  Beschwerdeführer  anlässlich  der  Erstbefragung  in  geradezu  schemenhafter Weise,  seine Freundin E._______  und  er  seien  von  (...)  beim  Geschlechtsverkehr  überrascht  worden.  Es  sei  zu  einem  Handgemenge gekommen, worauf er  zu  (…) geflüchtet  sei  (A1 S. 6  f.). 

E­7662/2008 Auch  auf  Aufforderung  zu  einer  detaillierten  Schilderung  anlässlich  der  direkten Anhörung wusste  er  den Vorfall  nicht  näher  zu  substanziieren,  sondern  führte  lediglich  aus,  der  Mann  habe  ihn  angegriffen  und  begonnen,  ihn  zusammenzuschlagen,  so  dass  er  sich  habe  verteidigen  müssen (A15 S. 6). Auch  blieb  der  Beschwerdeführer  vage  und  ausweichend,  was  die  zeitliche Einordnung seiner Kernvorbringen anbelangt. Weder vermochte  er zunächst anzugeben, wann er E._______ kennengelernt habe (A15 S.  7 A 39: "[…] An den Monat erinnere ich mich nicht mehr."), noch konnte  er  den  Beischlaf  und  das  nachfolgende  Handgemenge  mit   (...)  einem  ungefähren Zeitpunkt zuordnen (A15 S. 8 A 49: "Ich erinnere mich an den  Monat  und  an  die  Jahreszeit  nicht.  […]").  In  Anbetracht  des  immensen  Temperaturspektrums  in  Afghanistan  mit  saisonbedingten  Temperaturunterschieden  von  an  die  50  Grad  Celsius  ist  nicht  nachvollziehbar, weshalb der Beschwerdeführer die für seine Asylgesuch  massgeblichen Ereignisse keiner Jahreszeit zuzuordnen vermochte.  Angesichts  der  substanzarmen  Schilderungen  des  Beschwerdeführers  entstehen erhebliche Zweifel am Wahrheitsgehalt der geltend gemachten  Vorfälle. Dieses Bild wird durch den Umstand abgerundet, dass er auch  keinerlei  Angaben  über  das  weitere  Schicksal  seiner  Geliebten  zu  machen  vermochte  (A1  S.  7),  obschon  er  aussagegemäss  vor  seiner  Ausreise konkrete Heiratsabsichten hegte (A1 S. 6). Der im Rahmen der  Anhörung  getätigte  Erklärungsversuch,  wonach  er  sich  schäme,  seine  Eltern nach dem Befinden von E._______ zu fragen (A15 S. 11), vermag  vor diesem Hintergrund jedenfalls nicht zu überzeugen. 4.3.2.  Im Weiteren  ist  mit  dem  BFM  festzustellen,  dass  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  in  wesentlichen  Punkten  der  allgemeinen  Erfahrung respektive der Logik des Handelns widersprechen. Anhand  verschiedener  Aussagen  des  Beschwerdeführers  ("Daher  hatte  ich meiner Familie nicht erzählt, dass ich ein Mädchen kennengelernt und  sie lieb habe" [A15 S. 8]; "Dort, wo wir herkommen, gibt es Blutgeld nicht.  Entweder muss man fliehen oder man wird getötet" [A15 S. 10]) ist davon  auszugehen,  dass  ihm  jederzeit  bewusst  war,  dass  seine  verbotene  Beziehung  mit  E._______  im  afghanischen  Kulturkreis  erhebliche  Konsequenzen  nach  sich  ziehen  könnte.  Vor  diesem  Hintergrund  ist  seine Darstellung, wonach er am besagten Tag einfach an ihre Haustüre 

E­7662/2008 geklopft  und  erst  nachträglich  erfahren  habe,  dass   (...)  nicht  zuhause  seien (A15 S. 11), mit der allgemeinen Logik nicht vereinbar.   Umso weniger  ist nachvollziehbar, dass er anschliessend das Risiko auf  sich  genommen  haben  sollte,  mit  E._______  in  deren  Haus  Geschlechtsverkehr  zu  haben,  wo  er  jederzeit  damit  hätte  rechnen  müssen, dass (…) aufwachen oder ein männliches Familienmitglied nach  Hause kommen könnte. Der Einwand in der Rechtsmitteleingabe, wonach  sie sich nicht im Unrecht gefühlt hätten, da sie ja Heiratsabsichten gehabt  hätten,  ist  insoweit  zurückzuweisen,  als  ein  nachträgliches  offizielles  Bekenntnis  zu  einer  jungen  Frau  nach  afghanischem  Kulturverständnis  eine vorhergehende sexuelle Beziehung mit derselben kaum legitimieren  dürfte. Was die Zeit nach dem Wegzug des Beschwerdeführers aus B._______  anbelangt,  sticht  die  Aussage  des  Beschwerdeführers,  wonach  die  Brüder seiner Geliebten sich ausschliesslich  im (...)  in F._______ (A1 S.  7) nach ihm erkundigt hätten, ins Auge. Unter logischen Gesichtspunkten  ist nämlich nicht einsehbar, weshalb die Brüder zwar die Adresse des (...)  ausfindig  gemacht,  nicht  aber  auch  an  dessen  –  sich  in  derselben  Ortschaft befindlichen – Wohnadresse   nach ihm gesucht hätten (A15 S.  9). Der in diesem Zusammenhang vorgetragene Erklärungsversuch in der  Rechtsmitteleingabe,  wonach  man  den  des  (...)  auch  in  B._______  kenne,  jedoch  niemand  wisse,  wo  sein  (…)  wohne,  vermag  nicht  zu  überzeugen. 4.3.3.  Schliesslich  ist  dem  BFM  auch  insoweit  zu  folgen,  als  der  Beschwerdeführer anlässlich der Befragungen widersprüchliche Angaben  darüber gemacht hat, wann seines Wissens  (...) seiner Freundin der Tod  eingetreten  sei.  Während  er  im  Rahmen  der  Erstbefragung  ausgeführt  hat,   (...)  sei  erst  auf  dem Weg  zum Arzt  verstorben  (A1  S.  7),  gab  er  anlässlich  der Anhörung  zu Protokoll,  er wisse nicht,  ob  der Tod  schon  vor oder erst nach dem Arztbesuch eingetreten sei ( A15 S. 6). 4.3.4.  In  Ergänzung  der  vorinstanzlichen  Erwägungen  ist  schliesslich  festzustellen, dass die generelle Glaubwürdigkeit des Beschwerdeführers  durch dessen Aussageverhalten  in grundsätzlicher Weise erschüttert  ist.  Namentlich  fällt auf, dass er auf Frage nach Angehörigen  in der Heimat  zunächst  nur  die Mitglieder  seine  Kernfamilie  nannte  (A1  S.  4).  Später  gab er an, in Afghanistan über eine Vielzahl von Verwandten zu verfügen,  wobei  er  namentlich  "Cousins  vs  und ms"  nannte. Mit  diesen  sei  es  zu 

E­7662/2008 gegenseitigen Besuchen  gekommen. Auf Nachfrage,  ob  er  denn wisse,  wo diese Cousins wohnen würden, führte er aus, dass nur die Eltern der  Cousins seine Familie besucht hätten (A15 S. 10). Nicht nur steht diese  Aussage  im  direkten  Widerspruch  zur  vorhergehenden  Behauptung  gegenseitiger Besuche, auch wird hieraus deutlich, dass – entgegen aller  vorherigen  Sachverhaltsvarianten  –  auch  Onkel  und  Tanten  des  Beschwerdeführers in Afghanistan leben.   4.4.  Zusammenfassend  ist  mit  dem  BFM  festzustellen,  dass  der  Beschwerdeführer  nicht  glaubhaft  darzustellen  vermochte,  dass  er  sein  Heimatland infolge der von ihm vorgebrachten Nachteile verlassen habe.  Im  Übrigen  kann  vollumfänglich  auf  die  zutreffenden  Erwägungen  der  Vorinstanz in ihrer Verfügung verwiesen werden. 5.  5.1.    Nach  dem  Gesagten  hat  das  BFM  das  Asylgesuch  zu  Recht  abgelehnt  und  –  da  der  Beschwerdeführer  weder  über  eine  fremdenpolizeiliche  Aufenthaltsbewilligung  verfügt  noch  einen  Anspruch  auf  eine  solche  hat  (vgl. Art.  32  Bst.  a  der  Asylverordnung  1  über  Verfahrensfragen [AsylV 1; SR 142.311]) – gemäss Art. 44 Abs. 1 AsylG  auch zu Recht die Wegweisung angeordnet.  5.2.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  in  Bezug  auf  die  Frage  der  Anerkennung  als  Flüchtling,  die  Frage  der  Asylgewährung  und  der  Wegweisung  Bundesrecht  nicht  verletzt,  den  rechtserheblichen  Sachverhalt  richtig  und  vollständig  feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Beschwerde ist daher  – soweit nicht gegenstandslos geworden – abzuweisen. 6.   6.1. Infolge der wiedererwägungsweise gewährten vorläufigen Aufnahme  sind die Anordnungen des BFM betreffend Wegweisungsvollzug (Ziffern 4  und 5 des Dispositivs der Verfügung vom 31. Oktober 2008) unter diesen  Umständen  als  dahingefallen  zu  betrachten.  Die  Beschwerde  ist  somit,  soweit  den  Vollzug  der  Wegweisung  betreffend,  infolge  Wegfalls  des  Streitgegenstandes als gegenstandslos geworden abzuschreiben. 6.2.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  wären  die  Kosten  dem  Beschwerdeführer aufzuerlegen  (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG).  Indessen  wurde  das  mit  der  Beschwerde  gestellte  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  gemäss  Art.  65  Abs.  1  VwVG  mit 

E­7662/2008 prozessleitender  Verfügung  vom  18. Dezember 2008   gutgeheissen,  weshalb auf eine Kostenauflage zu verzichten ist. 6.3.  Aufgrund  der  Akten  ist  nicht  davon  auszugehen,  dem  nicht  vertretenen  Beschwerdeführer  seien  verhältnismässig  hohe  Kosten  entstanden, weshalb keine Parteientschädigung zuzusprechen  ist  (Art. 7  Abs.  4  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2]).

E­7662/2008 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die  Beschwerde  wird  abgewiesen,  soweit  sie  nicht  als  gegenstandslos  geworden abgeschrieben wird. 2.  Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3.  Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Gabriela Freihofer Jan Feichtinger Versand:

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