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Bundesverwaltungsgericht 29.12.2011 E-7635/2007

29. Dezember 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·4,033 Wörter·~20 min·1

Zusammenfassung

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 8. Oktober 2007 /

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung V E­7635/2007 Urteil   v om   2 9 .   D e z embe r   2011 Besetzung Richterin Christa Luterbacher (Vorsitz), Richter Walter Lang, Richterin Gabriela Freihofer, Gerichtsschreiberin Sarah Diack. Parteien A._______, geboren am (…) und [ihre Kinder] B._______, geboren am (…), C._______, geboren am (…), D._______, geboren am (…), Serbien,   alle vertreten durch lic. iur. Simon Rosenthaler, Advokat,  (…),  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz Gegenstand Asyl und Wegweisung;  Verfügung des BFM vom 8. Oktober 2007 / N (…).

E­7635/2007 Sachverhalt: A.  A.a A._______, ihr damaliger Ehemann, und [ihre Kinder] B._______ und  C. ._______ aus E._______ (Vojvodina), stellten am 26. November 1997  ein  erstes  Asylgesuch  in  der  Schweiz,  welches  mit  Verfügung  des  damaligen  Bundesamtes  für  Flüchtlinge  (BFF)  vom  8. April  1998  abgewiesen  wurde.  In  der  Folge  galten  sie  seit  dem  12. Juni  1998  als  verschwunden. A.b Am 22. Juli  1998 suchten  sie erneut  um Asyl  in der Schweiz nach.  Mit Verfügung vom 15. Juni 2000 lehnte das BFF auch dieses Gesuch ab  und  ordnete  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz  sowie  den  Vollzug  der  Wegweisung  an.  Sie  zogen  die  dagegen  erhobene  Beschwerde  am  30. Januar  2001  zurück  und  reisten  am  5. April  2001  freiwillig  nach  Belgrad  zurück.  Das  Beschwerdeverfahren  wurde  mit  Beschluss  vom  2. Februar 2001 abgeschrieben. A.c  Am 10. September 2003 reichte die Beschwerdeführerin, zusammen  mit ihren beiden [Kindern], erneut ein Asylgesuch in der Schweiz ein, mit  welchem  sie  geltend  machte,  dass  ihre  Familie  wiederholt  von  Mafiosi  bedroht  worden  sei  und  diese  von  ihnen  Geld  verlangt  hätten.  Ihr  Ehemann  sei  seit  dem  (…)  2003  ebenfalls  auf  der  Flucht.  Auf  dieses  Asylgesuch  trat  das  BFF mit  Verfügung  vom  23. September  2003  nicht  ein,  und  die  damals  zuständige  Schweizerische  Asylrekurskommission  (ARK)  wies  die  dagegen  erhobene  Beschwerde  mit  Urteil  vom  4. November  2003  ab, worauf  die Beschwerdeführerin  und  ihre  [Kinder]  nach Serbien zurückkehrten. A.d Am (…) wurde [das dritte Kind] der Beschwerdeführerin, D._______,  geboren. A.e  Die  Beschwerdeführerin,  ihr  damaliger  Ehemann  und  ihre  drei  [Kinder]  verliessen  ihre  Heimat  erneut  am  (…)  2006  und  reisten  über  unbekannte  Länder  in  die  Schweiz,  wo  sie  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum F._______ (EVZ) am 7. August 2006 ein drittes, resp.  viertes  Asylgesuch  einreichten.  Die  Anhörungen  fanden  am  15.  und  21. August 2006 im EVZ F._______ und am 31. August 2006 durch das  BFM statt.

E­7635/2007 Die Beschwerdeführerin brachte dabei vor, dass sie sich mit ihrer Familie  nach  ihrer Rückkehr  nach Serbien wieder  in E._______  niedergelassen  habe,  wo  sie  bereits  zuvor  gewohnt  hätten.  Im  März  2006  hätten  drei  Jugendliche  in  der  Stadt  von  ihrem  damaligen Ehemann Geld  verlangt.  Da  er  sich  geweigert  habe,  ihnen  Geld  zu  geben,  hätten  sie  ihn  beschimpft.  Am  selben  Abend  seien  Unbekannte  bei  ihnen  zu  Hause  erschienen und hätten Geld von ihm verlangt. Als er sich geweigert habe,  hätten diese ihn und sie geschlagen. Er habe ihnen daraufhin 1000 Euro  gegeben und danach die Polizei darüber  informiert,  aber niemand habe  etwas  unternommen.  Im  April  2006  seien  diese  Personen  erneut  zu  Hause  vorbeigekommen,  hätten  Geld  verlangt  und  den  ehemaligen  Ehemann sowie die Beschwerdeführerin geschlagen. Dies habe sich  im  Juni  wiederholt.  Er  habe  den  Leuten  mehrmals  Geld  gegeben  und  danach die Polizei  informiert, welche aber nichts unternommen habe. Im  Juli  2006  seien  die  Leute  in  ihr  Haus  eingedrungen,  als  sie  nicht  hineingelassen  worden  seien,  und  hätten  sie  beide  erneut  geschlagen,  wobei sie diesmal bewaffnet gewesen seien.  [Das eine Kind] sei dieses  Mal  auch  dazugekommen.  Aus  Angst,  dass  [diesem]  etwas  zustossen  würde,  habe  der  damalige  Ehemann  den  Leuten  3000  Euro  gegeben,  woraufhin  sie  gegangen  seien.  Einige  Tage  danach  sei  der  damalige  Ehemann nach Rumänien gereist, um nach einem Transport ins Ausland  für die Familie zu suchen.  In dieser Zeit – am (…) Juli 2006 – seien die  Leute erneut gekommen, hätten nach ihm verlangt, das Haus durchsucht,  die  Beschwerdeführerin  geschlagen  und  massiv  bedroht,  sie  zu  Boden  geworfen und ihr Kleid zerrissen. Da die [Kinder] daraufhin erwacht seien  und laut um Hilfe geschrien hätten, hätten die Männer von ihr abgelassen  und seien verschwunden. Die Nachbarin habe die Polizei gerufen, welche  aber  nicht  gekommen  sei.  Der  damalige  Ehemann,  welcher  zwischenzeitlich  die  Ausreise  organisiert  gehabt  habe,  sei  daraufhin  zurückgekommen. Zusammen habe die Familie am (…) 2006 ihre Heimat  verlassen. A.f Mit Verfügung vom 11. September 2006 – gleichentags eröffnet – trat  das BFM auf das Asylgesuch der Beschwerdeführerin,  ihres ehemaligen  Ehemannes und ihrer zwei [Kinder] gestützt auf Art. 32 Abs. 2 Bst. e des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  nicht  ein  und  ordnete  gleichzeitig  die  sofortige  Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  deren Vollzug an. A.g  Mit  Eingabe  vom  18. September  2006  fochten  die  Beschwerdeführenden diesen Entscheid bei der ARK an.

E­7635/2007 A.h Mit Verfügung vom 11. Oktober 2006 wurden die Beschwerdeführerin  und  ihre  [Kinder]  für  die  Dauer  des  Asylverfahrens  dem  Kanton  G._______ zugewiesen. A.i  Mit  Urteil  vom  3. September  2007  (E­4837/2006)  hiess  das  Bundesverwaltungsgericht die Beschwerde gut, hob den vorinstanzlichen  Entscheid auf und wies ihn zwecks Neubeurteilung an das BFM zurück. Im Urteil wurde – unter Nennung zahlreicher Quellen – eine einlässliche  Prüfung vorgenommen zur Frage, ob serbische Behörden gegen ethnisch  motivierte  Übergriffe  privater  Dritter  auf  Minderheitenangehörige,  insbesondere  auf  Roma,  schutzfähig  und  schutzwillig  seien.  Das  Bundesverwaltungsgericht  führte  diesbezüglich  aus,  die  Schutzwilligkeit  sei  zu  bejahen  (E. 3.5.4);  Serbien  habe  diverse  Aktionsprogramme  zur  Verbesserung der Lage der Minderheiten  in Gang gesetzt, und die Zahl  der Übergriffe auf Minderheiten sei zurückgegangen (E. 3.5.5).  Indessen  könne  eine  seriöse  Evaluation  der  Effektivität  der  Schutzgewährung – ebenso  wie  eine  Prüfung  des  Bestehens  einer  innerstaatlichen  Fluchtalternative – nicht vorfrageweise in einem Nichteintretensentscheid  erfolgen,  sondern  erfordere  eine  materielle  Prüfung  und  damit  das  Eintreten auf das Asylgesuch (E. 3.5.6). B.  Am (…) 2007 liess das Zivilstandsamt G._______ dem BFM per Telefax  das  serbische  Urteil,  datierend  vom  (…)  2007,  mit  dem  die  Beschwerdeführerin  von  ihrem  Ehemann  geschieden  wurde,  inklusive  Übersetzung  ins Deutsche zukommen. Aus der Übersetzung des Urteils  geht hervor, dass der Mutter für [das älteste Kind] B.________, geboren  am (…), und für [das jüngste Kind] D. _______, geboren am (…), jeweils  das  alleinige  Sorgerecht  übertragen  wurde.  Dem  Vater  wurde  das  alleinige Sorgerecht für C._______, geboren am (…), übertragen. Zudem  wurde  der  Kindsvater  verpflichtet,  15%  seines  Monatseinkommens  der  Mutter für den Unterhalt von B._______ und D._______ zu bezahlen. Der  Eingabe lag auch eine Trauungsmitteilung bei, aus der hervorgeht, dass  der  ehemalige  Ehemann  der  Beschwerdeführerin  am  (…)  2007  eine  in  der Schweiz niedergelassene Ausländerin geheiratet hat. Aus der BFM­ Aktennotiz  vom  8. Oktober  2007  geht  hervor,  dass  dieser  infolge  der  Eheschliessung  im  Kanton  G._______  eine  Aufenthaltsbewilligung  erhalten habe (vgl. D37/2).

E­7635/2007 C.  Mit  Verfügung  vom  8. Oktober  2007  –  eröffnet  am  10. Oktober  2007–  verneinte  das  BFM  die  Flüchtlingseigenschaft  der  Beschwerdeführerin  und  ihrer  drei  [Kinder],  lehnte  die  Asylgesuche  ab  und  ordnete  die  Wegweisung aus der Schweiz und den Wegweisungsvollzug an. Zur Begründung seines Entscheides hielt das BFM im Wesentlichen fest,  den Ausführungen der Beschwerdeführenden, wonach sie aufgrund ihrer  Zugehörigkeit  zu  den  Roma  unter  Drohungen  und  Misshandlungen  zu  Schutzzahlungen  aufgefordert  worden  seien  und  somit  erhebliche  Nachteile  erlitten  hätten  und  wonach  die  Behörden  auf  ihre  Anzeigen  nicht  reagiert  hätten,  sei  Folgendes  entgegenzuhalten:  Seitdem  am  25. Februar  2002  das  serbische  Bundesgesetz  zum  Schutz  und  zur  Freiheit  der  nationalen  Minoritäten  in  Kraft  getreten  sei,  habe  sich  die  Situation  der  ethnischen  Minderheiten  in  Serbien  entspannt.  Der  gesetzliche  Rahmen  schütze  auch  die  Roma  und  spreche  ihnen  im  Wesentlichen das Recht zu, ihre eigene Muttersprache betreffend Schule,  Amtssprache  und  Information  zu  gebrauchen.  Zwar  könnten  vereinzelte  Übergriffe  durch  Drittpersonen  auf  Roma  und  gewisse  behördliche  Schikanen sowie Diskriminierungen nicht restlos ausgeschlossen werden,  allerdings  würden  diese  in  der  Regel  nicht  asylrelevante  Intensität  erreichen. Der serbische Staat billige solche Benachteiligungen nicht und  die  im  Sachverhalt  dargelegten  Umstände  würden  auch  in  Serbien  strafrechtlich  zu  verfolgende  Straftatbestände  darstellen.  Es  sei  zwar  denkbar,  dass  Behörden  niederer  Chargen  trotz  wiederholten  Intervenierens  auf  Anzeigen  hin  nicht  die  nötigen  Untersuchungsmassnahmen  einleiten  würden,  gegen  fehlbare  Beamte  stehe  jedoch  der  Rechtsweg  an  höhere  Instanzen  offen.  Somit  sei  in  Serbien  von  einer  funktionierenden  und  effizienten  Schutzinfrastruktur  auszugehen. Diesbezüglich müssten sich die Beschwerdeführenden den  Vorwurf gefallen  lassen, sich nicht persönlich an die Behörden gewandt  zu haben, um ihr Schutzbedürfnis nachdrücklich geltend zu machen. Aus  den  Akten  gehe  nämlich  hervor,  dass  der  ehemalige  Ehemann  der  Beschwerdeführerin lediglich telefonisch und die Beschwerdeführerin gar  nie  Anzeige  bei  der  Polizei  erstattet  hätten.  Die  Inanspruchnahme  des  staatlichen  Schutzsystems  wäre  ihnen  jedoch  objektiv  zugänglich  und  individuell  zumutbar  gewesen.  Da  ein  adäquater  Schutz  durch  den  Heimatstaat  bestehe,  seien  die  geltend  gemachten  Übergriffe  nicht  asylrelevant.

E­7635/2007 Ausserdem erweise sich ein Wegweisungsvollzug als  zumutbar,  da den  Aussagen  der  Beschwerdeführerin  zufolge  Eltern,  Geschwister,  Onkel  und Tanten in E._______ leben würden und daher von einem tragfähigen  familiären  Beziehungsnetz  auszugehen  sei,  womit  die  Beschwerdeführenden  bei  einer  Rückkehr  nicht  in  eine  existenzbedrohenden Lage geraten würden. D.   Mit  Eingabe  vom  9.  November  2007  liess  die  Beschwerdeführerin –  handelnd  durch  ihren  Rechtsvertreter  –  die  vorinstanzliche  Verfügung  anfechten und beantragte, diese sei aufzuheben, die Asylgesuche seien  gutzuheissen,  eventualiter  sei  der  Entscheid  an  das  BFM  zwecks  Neubeurteilung  zurückzuweisen,  subeventualiter  sei  der  angefochtene  Entscheid  im  Wegweisungspunkt  aufzuheben  und  es  sei  ihnen  die  vorläufige  Aufnahme  zu  gewähren.  In  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  ersuchte  sie  um Gewährung  der  unentgeltlichen Rechtspflege  im Sinne  von Art. 65 Abs. 1 und 2 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968  über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021). Die  Beschwerdeführenden  machten  geltend,  die  vorinstanzliche  Verfügung  genüge  den  Anforderungen  an  die  Begründungspflicht  nicht,  insbesondere weiche die Begründung des BFM von den Erwägungen des  Bundesverwaltungsgerichts in seinem Kassationsurteil vom 3. September  2007  ab.  Dort  sei  festgehalten  worden,  dass  die  Schutzfähigkeit  der  serbischen  Behörden  gegenüber  den  Roma  aus  der  Vojvodina  und  im  übrigen Serbien nicht ohne weiteres bejaht werden könne und daher der  vorliegende  Fall  eine  seriöse  Evaluation  der  Schutzfähigkeit  des  serbischen  Staates  gegenüber  der  Roma­Minderheit  vor  Drittverfolgung  verlange;  diese  Evaluation  fehle  aber  im  BFM­Entscheid  immer  noch.  Den  Anhörungsprotokollen  sei  eine  glaubhafte  Darstellung  zu  entnehmen, dass die Beschwerdeführerin und ihre [Kinder] zwischen dem  (…)  März  2006  und  ihrer  Ausreise  aus  E._______  am  (…)  2006  mehrmals  von  einer  Gruppe  bewaffneter  und  ihnen  unbekannter  Leute  massivst bedroht und geschlagen worden seien. Ihnen seien zudem unter  Todesandrohung  mehrere  Tausend  Euro  sowie  Wertsachen  als  Schutzgeld  abgenommen  worden.  Sie  hätten  aufgrund  der  Ereignisse  Anzeige  bei  der  Polizei  erstattet,  aber  nur  abschätzige  Bemerkungen  betreffend  ihre  Volkszugehörigkeit  geerntet.  Die  Beamten  –  als  Mitarbeiter  einer  Roma­feindlichen  lokalen  Behörde,  die  jegliches  rechtsstaatliches  Vorgehen  vermissen  lasse  –  seien  aus  Desinteresse  untätig  geblieben.  Das  BFM  würdige  die  Lage  unzutreffend  und 

E­7635/2007 unterlasse  es  gänzlich,  offizielle  Berichte  zu  zitieren.  Zudem  sei  es  überspannt,  von  den  Beschwerdeführenden  zu  verlangen,  am  Herkunftsort  einen  Anwalt  zu  mandatieren  oder  eine  Rechtsberatungsstelle zu kontaktieren, und somit ohne Nachprüfung vom  jeweiligen  Vorhandensein  solcher  Institutionen  auszugehen.  Die  Diskriminierungen  gegenüber  Roma  würden  sich  in  Wirklichkeit  derart  summieren, dass von einer Kollektivverfolgung auszugehen sei. Eventualiter  sei  ein  Wegweisungsvollzug  unzumutbar,  da  die  Beschwerdeführerin  und  ihre  drei  [Kinder],  die  teilweise  mit  gesundheitlichen  Problemen  zu  kämpfen  hätten,  bei  einer  Rückkehr  Terror,  Nationalismus  und  Diskriminierung  schutzlos  ausgeliefert  wären  und zudem in eine existenzbedrohende Lage geraten würden. E.  Mit  Instruktionsverfügung  vom 16. November  2007 hiess  die  zuständige  Instruktionsrichterin  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im Sinne von Art.  65 Abs. 1 VwVG gut, wies das Gesuch  um Gewährung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung  im Sinne von  Art.  65  Abs.  2  VwVG  ab  und  verzichtete  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses. F.  In  ihrer Vernehmlassung vom 10. Dezember 2007  führte die Vorinstanz  aus, gemäss der Beschwerdeschrift leide [ein namentlich nicht erwähntes  Kind] an nicht näher angeführten psychologischen Problemen und sei auf  medikamentöse  Hilfe  angewiesen,  wobei  unerwähnt  bleibe,  welche  Medikamente  benötigt  würden.  Ungeachtet  dieser  äusserst  vagen  Angaben könne dennoch darauf hingewiesen werden, dass medizinische  Behandlungsmöglichkeiten  in  Serbien  gewährleistet  seien.  So  verfüge  beispielsweise  E._______,  der  Herkunftsort  der  Beschwerdeführenden,  über  ein  Regionalspital,  welches  die  meisten  allgemeinen  Untersuchungen  durchführen  könne.  Zudem  könnten  die medizinischen  Strukturen  in der von E._______ aus nur zirka  (…) Kilometer entfernten  Hauptstadt Belgrad problemlos erreicht werden.  Infolgedessen bleibe es  der  Beschwerdeführerin  unbenommen,  nach  ihrer  Rückkehr  eine  fachärztliche Behandlung in Anspruch nehmen zu können, sofern sie eine  solche tatsächlich benötigen sollte. G.  In  ihrer  Stellungnahme  vom  3.  März  2008  führten  die 

E­7635/2007 Beschwerdeführenden  aus,  bei  [dem  Kinde,  welches  Augenzeuge]  des  Überfalls  im  (…)  2006,  namentlich  der  Bedrohung  durch  Kriminelle,  gewesen  sei,  handle  es  sich  um  B._______,  geboren  am  (…).  [Die]  Mutter habe versucht, [das Kind] in psychiatrische Behandlung zu geben,  was jedoch aus Kostengründen von den zuständigen Stellen abgewiesen  worden  sei.  B._______   leide  zudem  unter  diversen  somatischen  Problemen,  wie  dem  Bericht  der  Neuropädiatrie  des  Kinderspitals  (…)  vom 17. Januar  2008  zu  entnehmen  sei.  Diesbezüglich  sei  ein weiterer  Termin  für  den  4. März  2008  vorgesehen.  B._______  leide  an  Kopfschmerzen, die auf eine psychische Belastung zurückzuführen seien,  was angesichts des Erlebten nicht erstaune. (…).B._______ besuche nun  die 3. Sekundarklasse und wolle [Beruf] werden. Bei einer Rückschaffung  in  [das]  Herkunftsland  hätte  B._______  keine  Chance,  mit  [den]  gesundheitlichen  Schwierigkeiten  fertig  zu  werden  und  eine  adäquate  Ausbildung zu absolvieren. Sollte der Beschwerdeführerin und ihren drei  Kindern  kein  Asyl  gewährt  werden,  sei  zumindest  die  vorläufige  Aufnahme zu gewähren, da hier das Kindeswohl  im Vordergrund stehe.  Bei  einem  Wegweisungsvollzug  würden  sie  in  eine  wirtschaftliche  und  soziale Notlage gebracht werden. Zudem werde auch bestritten, dass es  für  Roma  ohne  Weiteres  möglich  sei,  angemessene  medizinische  und  insbesondere  fachärztliche  Behandlung  zu  erhalten.  Dafür  sei  die  Vorinstanz den Beweis schuldig geblieben. H.  Mit  erneuter  Vernehmlassung  vom  28. April  2008  führte  die  Vorinstanz  aus,  insofern  der  Rechtsvertreter  der  Beschwerdeführerin  in  seiner  Beschwerdeschrift  rüge,  das  BFM  habe  nicht  –  wie  im  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom  3. September  2007  verlangt  –  eine  einlässliche  und  seriöse  Evaluation  der  Effektivität  des  Schutzes  der  Roma  vorgenommen,  sei  dem  entgegenzuhalten,  dass  der  Rechtsvertreter  offenbar  die  entsprechende  Urteilspassage  missverstanden habe. Dort werde nämlich  lediglich darauf  hingewiesen,  dass  eine  solche  Überprüfung  in  einem  formellen  Verfahren  nicht  vorfrageweise  vorgenommen  werden  könne.  Der  vom  Bundesverwaltungsgericht  beanstandete  Mangel  sei  vom  BFM  jedoch  geheilt  worden,  indem  es  mit  Verfügung  vom  8. Oktober  2007  auf  das  Asylgesuch  eingetreten  sei  und  eine  materielle  Prüfung  der  Asylvorbringen  durchgeführt  habe.  Daher  sei  –  wie  bereits  damals  erwähnt  – davon auszugehen,  dass die  serbischen Behörden  kriminelle  Übergriffe  Privater  nicht  dulden  würden  und  dass,  analog  der  Urteilserwägungen,  seitens  der  Behörden  Bemühungen  bestünden, 

E­7635/2007 gegen diskriminierendes Verhalten gegenüber Roma vorzugehen. Selbst  wenn  die  Schutzfähigkeit  der  serbischen  Behörden  in  Bezug  auf  Übergriffe Dritter nicht ohne Weiteres bejaht werden könne, sei dennoch  auf  die  Möglichkeit  hinzuweisen,  den  in  Serbien  bestehenden  rechtsstaatlichen  Instanzenzug  in  Anspruch  zu  nehmen.  Diesbezüglich  sei  auch  nicht  verständlich,  warum  die  Beschwerdeführerin  und  ihr  damaliger Ehemann nie persönlich bei der Polizei vorgesprochen hätten,  wie  es  erfahrungsgemäss  von  Gewaltopfern  erwartet  werden  könne.  Erkenntnissen einer vom BFM durchgeführten Dienstreise zufolge werde  das  Zusammenleben  der  verschiedenen  ethnischen Gruppen  im  Bezirk  E._______  als  unproblematisch  eingestuft.  Zudem  würden  Hinweise  fehlen auf eine derartige Behördenwillkür, und Roma aus dieser Gegend  seien  im serbischen Vergleich als  relativ wohlhabend,  ihre Lage als gut  und prosperierend, einzuschätzen. I.  Dem  hielten  die  Beschwerdeführenden  in  ihrer  Stellungnahme  vom  2. Juni 2008 entgegen, dass sie nach wie vor der Auffassung seien, die  Vorinstanz habe eine einlässliche und seriöse Evaluation der Effektivität  des  Schutzes  der  Roma  trotz  materieller  Prüfung  der  Asylgründe  vermissen  lassen. Wie  in  ihrer Beschwerde aufgeführt,  reiche ein neues  serbisches  Bundesgesetz  nicht  aus,  um  die  Sicherheit  der  Roma  zu  garantieren.  Diesbezüglich  sei  abzuklären,  ob  das  neue  Gesetz  in  der  Realität Wirkung  zeige.  Diesbezüglich  verweise  die  Vorinstanz  lediglich  auf  eine  fünftägige  Dienstreise,  welche  im  Oktober  2006  durchgeführt  worden sei. Es sei jedoch zweifelhaft, dass eine ausländische Delegation  in ein paar Tagen solche Probleme zuverlässig beurteilen könne, zumal  die  Reise  in  offizieller  Mission  erfolgt  sei,  somit  ungefilterte  Eindrücke  eher  unwahrscheinlich  seien.  Bezeichnenderweise  werde  auch  nicht  aufgeführt,  auf  welche  Quellen  beziehungsweise  Auskunftsperson  das  BFM seine Aussagen und Wahrnehmungen stütze. Wer ein paar Tage in  Sizilien verbringe, werde auch kaum mit der Mafia in Berührung kommen.  Wie  in  der  Beschwerdeschrift  schon  ausgeführt  worden  sei,  habe  der  Ehemann  der  Beschwerdeführerin  nach  jedem  Übergriff  telefonisch  die  Polizei  um  Hilfe  ersucht.  Ihnen  in  dieser  Bedrohungssituation  einen –  nicht  näher  spezifizierten  –  Instanzenzug  zuzumuten,  erscheine  überspitzt und weltfremd. Die  Tatsache,  dass  es  sich  bei  der  Beschwerdeführerin  um  eine  alleinstehende Frau mit  drei minderjährigen Kindern  handle,  sei  bei  der  Prüfung  der  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  besonders  zu 

E­7635/2007 gewichten. Zudem würden sich die Kinder auf Art. 8 der Konvention vom  4. November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR  0.101)  berufen,  da  es  ihnen  bei  einer  Rückkehr  nach  Serbien  verunmöglicht  würde,  ihre  Beziehung  zum  leiblichen  Vater  zu  leben,  der  voraussichtlich  in  der  Schweiz  bleiben  werde. Die serbischen Behörden würden Roma nicht ausreichend Schutz  vor Willkür und Übergriffen bieten,  ihre Geschichte zeige vielmehr, dass  kriminelle  Aktivitäten  aus  rassistischen  Motiven  noch  immer  toleriert  beziehungsweise  nicht  ausreichend  geahndet  würden.  Die  Vorinstanz  könne sodann zur Unterstützung  ihrer gegenteiligen Thesen auch keine  anerkannten  Quellen  anführen,  zumal  die  Dienstreise  diesbezüglich  ungeeignet  sei.  Eine  Wegweisung  aus  der  Schweiz  hätte  für  die  Beschwerdeführerin und ihre drei Kinder katastrophale Folgen. J.  Am 3. Mai 2011 kontrollierte die Kantonspolizei des Kantons G._______  die heute [volljährigen] C._______ und B._______ am Flughafen (…) bei  der  Einreise  aus  Belgrad  und  stellte  dabei  fest,  dass  beide  im  Besitz  eines am (…) 2011 in Serbien (…) ausgestellten serbischen Reisepasses  sind.  Der  Polizeibericht  inklusive  Kopien  der  Reisepässe  ging  beim  Bundesverwaltungsgericht  am  29. Juni  2011  ein.  Der  Bericht  stellte  zudem fest, dass die beiden von Ungarn zur Einreiseverweigerung in den  Schengenraum ausgeschrieben seien. K.  Mit  Verfügung  vom  5. Juli  2011  räumte  die  zuständige  Instruktionsrichterin den Beschwerdeführenden  im Sinne des  rechtlichen  Gehörs  die  Gelegenheit  ein,  zu  den  kürzlich  ausgestellten  serbischen  Reisepässen  Stellung  zu  nehmen,  und  forderte  sie  auf,  ärztliche  Zeugnisse  betreffend  B._______  einzureichen  und  die  behandelnden  Ärzte von der ärztlichen Schweigepflicht zu entbinden. L.  Mit Eingabe vom 12. September 2011 führten die Beschwerdeführenden  aus, die Beschwerdeführerin lebe mit ihren drei [Kindern] nach wie vor im  Asylheim und werde von der Sozialhilfe unterstützt. Nachdem B._______  und C._______ fünf Jahre Schule durchlaufen hätten, befänden sie sich  nun  in  einer  speziellen  Ausbildungsstätte  für  Menschen  mit  Behinderungen,  wobei  B._______  eine  zweijährige  Lehre  [zum  Beruf]  absolviere  und  C._______  sich  [zum  Beruf]  ausbilden  lasse.  Die  Ausbildungen  würden  voraussichtlich  am  (…)  2012  abgeschlossen.  Ein 

E­7635/2007 Arbeitszeugnis  attestiere  B._______  grosse  Motivation,  Ausdauer  und  Freude  an  der  Arbeit,  wobei  B._______  sich  [den]  Vorgesetzten  gegenüber stets korrekt verhalte. B._______ leide jedoch nach wie vor an  psychischen  Problemen  und  an  Schmerzen  (…),  wobei  eine  regelmässige  ärztliche  Behandlung  zur  Zeit  nicht  erforderlich  sei.  Aufgrund der  anhaltenden gesundheitlichen und psychischen Probleme,  der schweren Augenerkrankung, (…), werde die Ausbildung auch von der  IV unterstützt. Die Mutter habe die elterliche Sorge  für das  jüngste Kind  inne, während zum Vater nur sporadischer Kontakt bestehe. Ob der Vater  eine  Aufenthaltsbewilligung  für  das  Kind  beantragt  habe,  sei  nicht  bekannt, jedoch eher unwahrscheinlich. B._______ und C._______ seien  anlässlich des Todes  ihrer Grossmutter nach Belgrad gereist und hätten  sich  bei  dieser  Gelegenheit  Pässe  ausstellen  lassen.  Nach  wie  vor  würden  sie  sich  in  Serbien  unsicher  fühlen  und  sich  vor  behördlicher  Willkür  und Übergriffen  fürchten. Deshalb  seien  sie  zu  ihrer Mutter  und  D._______  zurückgekommen,  um  hier  ihre  Ausbildung  abzuschliessen.  Seit 2006, mithin seit rund fünf Jahren, befänden sie sich in der Schweiz.  (…) D._______ kenne [das] Heimatland nicht und habe dazu kaum eine  Beziehung;  D._______  besuche  hier  den  regulären  Kindergarten.  Im  Fluchtzeitpunkt  seien  B._______  und  C._______  13­  beziehungsweise  14­jährig  gewesen.  In  den  vergangenen  Jahren  hätten  sie  gut  Deutsch  gelernt  und  sich  rasch  in  der  Schweiz  integriert,  ihre  gesundheitliche  Situation  habe  sich  zwischenzeitlich  stabilisiert  und  sie  befänden  sich,  was  ihre  Ausbildung  betreffe,  auf  gutem  Weg.  Eine  Rückkehr  in  ihr  Heimatland  erscheine  jedoch  angesichts  der  bestehenden  immensen  Probleme  und  der  desolaten  Sicherheitssituation  für  Roma  undenkbar,  weshalb die Beschwerde gutzuheissen sei. Der  Stellungnahme  wurden  der  jeweilige  "Ausweis  für  Lernende"  in  Kopie, ein Arbeitszeugnis von B._______ vom 22. August 2011, eine von  B._______ unterzeichnete Entbindung von der Schweigepflicht betreffend  alle sie behandelnden Ärzte vom 22. Juli 2011 und eine Todesurkunde in  serbischer Sprache – allesamt in Kopie – beigelegt. M.  Am  28. September  2011  wurden  B._______  und  C._______  von  der  Kantonspolizei  G._______  bei  der  Ausreise  nach  Belgrad  erneut  kontrolliert.  Im  Polizeirapport  wird  festgehalten,  dass  beide  laut  ihren  Angaben  die  Schweiz  für  immer  verlassen  wollten.  Dem  Polizeibericht  liegt die Kopie beider Reisepässe bei.

E­7635/2007 E­7635/2007 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und  entscheidet  im  Asylbereich  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungs­ersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005  [BGG,  SR 173.110]). Ein solches Auslieferungsersuchen liegt nicht vor. 1.2. Das Verfahren  richtet  sich  nach  dem VwVG,  soweit  das  VGG  und  das AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Die  Beschwerdeführenden sind durch die angefochtene Verfügung besonders  berührt  und  haben  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung.  Die  Beschwerdeführenden  sind  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 105  AsylG,  Art. 48  Abs. 1,  Art. 50 und Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 1.4. Aus  den  Akten  wird  nicht  eindeutig  ersichtlich,  ob  C._______  und  B._______  sich  noch  in  der  Schweiz  befinden  oder  das  Land  bereits  definitiv  verlassen  haben  (vgl.  oben  Bst. M  und  Beschwerdeakten  Akte  30). Es rechtfertigt sich, die Beschwerde auch betreffend C._______ und  B._______ materiell zu behandeln. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  3.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat 

E­7635/2007 oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen  Druck  bewirken.  Den  frauenspezifischen  Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7  AsylG).  4.  4.1. Formelle Rügen sind vorab zu prüfen, da sie allenfalls eine Kassation  des angefochtenen Entscheids bewirken. 4.1.1. Die Beschwerdeführenden rügen, die Vorinstanz gehe – entgegen  zahlreicher  Quellen,  wie  sie  vom  Bundesverwaltungsgericht  in  seinem  Urteil  vom  3. September  2007  aufgeführt  worden  seien  –  ohne  ausreichende  Begründung  von  der  Schutzfähigkeit  und  Schutzwilligkeit  der serbischen Behörden aus. Namentlich sei die vom Gericht verlangte  einlässliche  und  seriöse  Evaluation  der  Effektivität  des  Schutzes  nicht  vorgenommen worden. Damit rügen sie sinngemäss eine Verletzung der  Begründungspflicht.  4.1.2. Das Gericht schliesst sich dieser Einschätzung nicht an. In seinem  Urteil  vom  3. September  2007  hatte  das  Bundesverwaltungsgericht –  unter  einlässlicher  Darstellung  der  beigezogenen  länderspezifischen  Quellen – die Situation von Minderheiten, speziell von Roma,  in Serbien  dargestellt und die Frage geprüft, ob die serbischen Behörden gegenüber  ethnisch  motivierten  Übergriffen  durch  Private  auf  Minderheitenangehörige,  namentlich Roma,  schutzfähig  und  schutzwillig  seien.  Dabei  bejahte  das  Gericht  die  Schutzfähigkeit  grundsätzlich  (E. 3.5.4)  und  führte  aus,  Serbien  habe  diverse  Aktionsprogramme  zur 

E­7635/2007 Verbesserung der Lage der Minderheiten  in Gang gesetzt, und die Zahl  der  Übergriffe  auf  Minderheitenangehörige  sei  zurückgegangen  (E. 3.5.5). Weiter hielt das Gericht  fest, eine seriöse Evaluation der Effektivität der  Schutzgewährung  –  ebenso  wie  eine  Prüfung  des  Bestehens  einer  innerstaatlichen  Fluchtalternative  –  könne  nicht  vorfrageweise  in  einem  Nichteintretensentscheid  des  BFM  erfolgen,  sondern  erfordere  eine  materielle Prüfung und somit ein Eintreten auf das Asylgesuch (E. 3.5.6).  Mit  diesen  Erwägungen  bezog  sich  das  Gericht  auf  eine  von  der  ARK  gepflegte  und  vom  Gericht  fortgesetzte  Praxis,  dass  komplexe  Erwägungen  im  Zusammenhang  mit  dem  Flüchtlingsbegriff  nicht  vorfrageweise bei der Prüfung, ob Hinweise auf eine Verfolgung dargetan  seien,  die  nicht  geradezu  haltlos  seien,  im  Nichteintretensverfahren  abgehandelt werden könnten, sondern dass diesbezüglich eine materielle  erstinstanzliche  Verfügung  getroffen  werden  müsse  (vgl.  das  im  Urteil  vom 3. September 2007 zitierte und in Entscheidungen und Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  publizierte  Urteil  EMARK 2005 Nr. 2 E. 4.5; vgl. auch EMARK 2004 Nr. 5, EMARK 1993  Nr.  17;  vgl.  sodann  die  Entscheide  des  Bundesverwaltungsgerichts  D­ 3065/2011  vom  3.  Juni  2011;  D­4954/2009 vom 13. August 2009 und D­4209/2007 vom 16. Juni 2008). Diesem Erfordernis  ist  im vorliegenden Verfahren –  indem das BFM auf  die Asylgesuche der Beschwerdeführenden nunmehr eingetreten  ist und  diese materiell  geprüft  hat  sowie  erneut  in  seiner Vernehmlassung  vom  28. April 2008 zu den Fragen der Schutzfähigkeit und Schutzwilligkeit der  serbischen  Behörden  ausführliche  Erwägungen  gemacht  hat,  wozu  die  Beschwerdeführenden Stellung nehmen konnten – entgegen den Rügen  in der Beschwerde Genüge getan.  4.2.  Im  Folgenden  ist  materiell  zu  prüfen,  ob  das  BFM  die  Flüchtlingseigenschaft [der Beschwerdeführenden] zu Recht verneint hat. 4.2.1.  Die  Beschwerdeführenden  vertreten  die  Auffassung,  die  Einschätzung  der  Vorinstanz  betreffend Schutzfähigkeit  und Schutzwille  der  serbischen  Behörden  sei  auch  inhaltlich  nicht  zutreffend;  vielmehr  müsse von einer Kollektivverfolgung der Roma  in Serbien ausgegangen  werden.

E­7635/2007 4.2.2. Das Gericht  teilt auch diese Einschätzung nicht. Die Situation hat  sich  seit  Ergehen  des  Urteils  vom  3. September  2007  eingehend  verändert.  Namentlich  hat  der  Bundesrat  Serbien  mit  Beschluss  vom  19. März 2009 ab dem 1. April 2009 als "Safe Country" definiert, womit er  insbesondere  dessen  Einhaltung  der  Menschenrechte  sowie  die  Anwendung  internationaler  Konventionen  im  Menschenrechtsbereich  bestätigte.  Weitere  Verbesserungen  der  menschenrechtlichen  Lage  folgten:  Am  26. März  2009  erfolgte  die  Verabschiedung  eines  Anti­ Diskriminierungsgesetzes, welches  am 1. Januar  2010  in Kraft  trat  (vgl.  European  Roma  Rights  Centre  [ERRC],  Parallel  submission  by  the  European Roma Rights Centre  to  the Committee On The Elimination Of  All Forms Of Racial Discrimination on Serbia  for  its consideration at  the  78th  Session  14 February  to  11 March  2011,  Januar 2011,  Rz.  3),  am  31. August 2009 erging das Gesetz über nationale Minderheiten, welches  deren Rechte in Sachen eigene Sprache, Bildung und Kultur verbesserte  (vgl. Human Rights Council, Forum on Minority Issues, Second Session,  Statement  by  the  Republic  of  Serbia,  Genf,  12­13. November  2009,  abrufbar  auf: www2.ohchr.org,  zuletzt  besucht  am 13. Dezember  2011).  Am 6. Juni 2010 wurden sodann die ersten Wahlen der "National Minority  Councils"  durchgeführt  (vgl.  European  Commission,  Serbia  2010  Progress  Report,  9. November 2010,  S. 16).  Vereinzelte,  gegen  Roma  gerichtete  Übergriffe  und  Schikanen  durch  Drittpersonen  können  zwar  weiterhin  nicht  ausgeschlossen  werden,  gemäss  der  Einschätzung  internationaler Beobachter duldet der serbische Staat diese  jedoch nicht  und zeigt  sich als  schutzwillig  und schutzfähig und solche Fälle werden  strafrechtlich verfolgt. Es kann zwar nicht ausgeschlossen werden, dass  einzelne  Behördenmitglieder  und  Polizisten  bei  einer  Anzeige  nicht  die  notwendigen  Handlungen  vornehmen.  In  diesen  Fällen  existiert  jedoch  der  Rechtsweg.  So  wurden  bereits  vereinzelte,  ethnisch  motivierte  Übergriffe  gerichtlich  verfolgt  (vgl.  die  Lageeinschätzung  des  Gerichts  beispielsweise  im  Entscheid  D­912/2011  vom  16. Juni  2011  E.  6). Diesbezüglich sind die vorinstanzlichen Erwägungen vollumfänglich zu  stützen, wonach der serbische Staat schutzwillig und schutzfähig sei. Das  Gericht geht denn auch nicht von einer Kollektivverfolgung der Roma  in  Serbien aus. Zudem  sind  auch  die  vorinstanzlichen  Erwägungen  zutreffend,  dass  es  den  Beschwerdeführenden  zuzumuten  gewesen  wäre,  die  ihnen  widerfahrenen Diskriminierungen bei  den Behörden geltend zu machen.  Gemäss  Angaben  der  Beschwerdeführerin  habe  ihr  Mann  lediglich  telefonisch  versucht,  die  Ereignisse  bei  der  Polizei  geltend  zu machen, 

E­7635/2007 ohne  dort  persönlich  zu  erscheinen.  Angesichts  der  bedrohenden  Situation  wäre  von  der  Beschwerdeführerin  und  ihrem  ehemaligen  Ehemann  ein  grösseres  Engagement  zu  erwarten  gewesen.  Diesbezüglich  argumentiert  die  Beschwerdeführerin,  es  sei  überspannt,  von  ihnen zu erwarten,  in einer solchen Situation am Herkunftsort einen  Anwalt zu mandatieren oder eine Rechtsberatungsstelle zu kontaktieren,  da  sinngemäss  ein  solches  Angebot  nicht  bestehe  und  die  Erfolgschancen gleich null wären. Sie  hätten  ihren Schutzbedarf  zudem  durch  die  Telefonate  genügend  zum  Ausdruck  gebracht.  Öffentlich  zugänglichen  Quellen  zufolge  gibt  es  aber  in  E._______  zahlreiche  Anwaltskanzleien  (vgl.  http://advokati.cu.rs/(...)/,  zuletzt  besucht  am  5.  Dezember  2011).  Zudem  hatte  sie  an  der  Anhörung  die  Existenz  von  Anwälten  in  keiner  Weise  bestritten  ("den  Anwalt  hätten  wir  für  nichts  bezahlt";  D11  S. 9).  Die  pauschale  Aussage,  ein  rechtliches  Vorgehen  hätte sowieso nichts gebracht, überzeugt nicht. 4.2.3. Somit  ist  das Vorbringen  der Beschwerdeführerin,  ihre Aussagen  seien glaubhaft und daher seien auch die Übergriffe glaubhaft, vorliegend  unbehelflich.  Die  Vorbringen  sind  nicht  asylrelevant,  da  der  serbische  Staat  –  wie  dargelegt  –  schutzfähig  und  schutzwillig  ist  und  somit  vor  Angriffen  Dritter  Schutz  gewährt.  Ausserdem  stellt  die  Tatsache,  dass  B._______  und  C._______  wiederholt  alleine  nach  Serbien  begeben  haben und sich dort serbische Pässe ausstellen  liessen, ein klares Indiz  dafür dar, dass die Beschwerdeführenden  in Serbien nicht verfolgt sind.  Es wäre  insbesondere auch nicht nachvollziehbar, dass eine Mutter  ihre  beiden [Kinder] von denen [eines] zum Zeitpunkt der ersten Reise sogar  noch minderjährig war, alleine hätte nach Serbien reisen lassen, wenn sie  ernsthaft  eine  Verfolgung  befürchten  würde.  Die  diesbezüglichen  Vorbringen, sie hätten sich anlässlich des Todes ihrer Grossmutter nach  Serbien  begeben  und  hätten  sich  bei  dieser  Gelegenheit  Pässe  ausstellen  lassen,  ist mit der gleichzeitigen Aussage, sie würden sich  in  Serbien aber immer noch immer vor behördlicher Willkür und Übergriffen  fürchten, nicht in Einklang zu bringen. Die Beschwerdeführenden machen  geltend, B._______ und C._______ seien nach dem Tod der Grossmutter  nach Serbien gereist  und bringen diesbezüglich eine Todesanzeige bei.  Diese Ausführungen ändern  indes nichts an der Einschätzung, dass die  Reise  nach  Serbien  und  die  Tatsache,  sich  serbische  Reisepässe  ausstellen  zu  lassen,  in  Widerspruch  stehen  zum  Vorbringen  der  angeblichen Furcht vor Übergriffen und behördlicher Willkür in Serbien. http://advokati.cu.rs/(...)/

E­7635/2007 4.3. Zusammenfassend  ist  festzuhalten, dass die Beschwerdeführenden  nicht  glaubhaft  gemacht  haben,  sie  müssten  in  Serbien  in  begründeter  Weise  ernsthafte  Nachteile  im  Sinne  von  Art.  3  AsylG  befürchten.  Die  Vorinstanz  hat  somit  die  Flüchtlingseigenschaft  der  Beschwerdeführenden zu Recht verneint und die Asylgesuche zu Recht  abgelehnt. 5.  5.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit  der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 5.2.  Die  Wegweisung  wurde  zu  Recht  angeordnet,  falls  die  Beschwerdeführenden  weder  über  eine  ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen verfügen (vgl. EMARK 2001 Nr. 21). Die  [Beschwerdeführenden]  besitzen  keine  Aufenthalts­  oder  Niederlassungsbewilligung in der Schweiz. Fraglich ist vorliegend jedoch,  ob B._______, C._______ und D._______ aufgrund des Vaters, der als  Gatte einer in der Schweiz niedergelassener Ausländerin einen Anspruch  auf Verlängerung seiner Aufenthaltsbewilligung hat, ein Anspruch aus Art.  8 EMRK zukommen könnte. Das Bundesgericht anerkennt in langjähriger  Praxis  bei  Ausländern,  die  nahe  Verwandte  (sog.  Kernfamilie)  mit  gefestigtem  Anwesenheitsrecht  (schweizerische  Staatsangehörigkeit,  Niederlassungs­ oder Aufenthaltsbewilligung, auf deren Verlängerung ein  Anspruch  besteht)  in  der  Schweiz  haben,  einen  völkerrechtlichen,  aus  Art.  8  EMRK  abgeleiteten  Rechtsanspruch  auf  Aufenthalt  (vgl.  unter  vielen BGE 135 I 143 E. 1.3.1 f. und E. 2.1 – 2.3 S. 146 ­148 mit weiteren  Hinweisen). Diese Praxis wurde von der ARK übernommen (vgl. EMARK  1995  Nr.  12).  Die  Strassburger  Organe  gehen  davon  aus,  dass  der  Anspruch  auch  auf  volljährige  Kinder  ausgeweitet  werden  kann,  dies  jedoch  nur, wenn  ein  besonderes Abhängigkeitsverhältnis  besteht. Dies  ist beispielsweise anzunehmen, wenn das Kind schwer behindert ist (vgl.  BGE  115  Ib  1  E.  2,  S. 4 ff.  und  E.  4,  S.  7  f.).  Eine  derartige  Abhängigkeitskonstellation  ist  vorliegend  nicht  gegeben.  Wie  aus  den  Akten  hervorgeht,  sind  B._______  und  C._______  zwar  lernbehindert,  doch zeigen sie allgemein ein grosses Mass an Selbstständigkeit, da sie  eine  Ausbildung  absolvieren  und  offensichtlich  auch  selbst  in  Europa  http://links.weblaw.ch/BGE-135-I-143 http://links.weblaw.ch/BGE-135-I-143 http://links.weblaw.ch/BGE-135-I-143 http://links.weblaw.ch/BGE-135-I-143 http://links.weblaw.ch/BGE-135-I-143

E­7635/2007 Reisen  vornehmen  können.  Da  sie  daher  nicht  (mehr)  zur  Kernfamilie  ihres in der Schweiz aufenthaltsberechtigten Vaters gehören und insofern  nicht  (mehr)  vom Schutzbereich  von Art.  8 EMRK erfasst werden,  stellt  sich die aufgeworfene Frage lediglich bei dem noch minderjährigen Kind.  Ein  Anspruch  aus  Art.  8  EMRK  setzt  jedoch  voraus,  dass  die  familiäre  Beziehung  tatsächlich  gelebt  wird  und  intakt  ist.  Während  des  Beschwerdeverfahrens gab die Beschwerdeführerin indes zum Ausdruck,  dass  sie  von  ihrem  ehemaligen  Ehemann  keine  Unterstützung  mehr  erhalte  (Beschwerdeschrift  Ziff.  11). Der Vater war aber mit  serbischem  Urteil  vom  (…)  2007  zur  Leistung  von  Unterhaltszahlungen  verpflichtet  worden. Es fällt weiter auf, dass C._______, für [den/die] das Sorgerecht  dem  Vater  gerichtlich  zugesprochen  worden  war,  bei  der  Mutter  lebt.  Anhand  dieser  Indizien  und  aufgrund  des  vollständigen  Fehlens  von  Angaben  über  den  Vater  –  ausser  der  Berufung  auf  Art.  8  EMRK –  ist  vorliegend nicht  vom Vorhandensein  einer  intakten Beziehung  im Sinne  der  EMRK  auszugehen.  Da  nicht  von  einer  bestehenden  Bindung  im  Sinne der EMRK ausgegangen werden kann, hat D._______ damit auch  keinen Anspruch aus Art. 8 EMRK auf Verbleib in der Schweiz. 5.3. Nach dem Gesagten hat die Vorinstanz gestützt  auf Art.  44 Abs. 1  AsylG  zu  Recht  die  Wegweisung  der  [Beschwerdeführenden]  aus  der  Schweiz verfügt. 6.  6.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder  nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG). Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt  gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  seiner  Vorgängerorganisation  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte  Beweis  möglich  ist,  und  andernfalls  wenigstens  glaubhaft  zu  machen  (vgl. WALTER STÖCKLI,  Asyl,  in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser  [Hrsg.],  Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148). 6.2.  6.2.1.  Der  Vollzug  ist  nicht  zulässig,  wenn  völkerrechtliche  Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des 

E­7635/2007 Ausländers  in  den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat  entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner  Form zur Ausreise  in  ein  Land gezwungen werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus  einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom  28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  [FK,  SR 0.142.30]).  Gemäss  Art. 25  Abs. 3  BV,  Art. 3  des  Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter  oder  unmenschlicher  oder  erniedrigender  Strafe  oder  Behandlung  unterworfen werden. 6.2.2. Die  Vorinstanz  wies  in  ihrer  angefochtenen  Verfügung  zutreffend  darauf  hin,  dass  der  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  nur  Personen  schützt,  die  die  Flüchtlingseigenschaft  erfüllen.  Da  es  den  Beschwer­ deführenden nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefährdung  nachzuweisen  oder  glaubhaft  zu  machen,  kann  das  in  Art. 5  AsylG  verankerte  Prinzip  des  flüchtlingsrechtlichen  Non­Refoulements  im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  finden.  Eine  Rückkehr  der  [Beschwerdeführenden] nach Serbien ist demnach unter dem Aspekt von  Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann  ergeben  sich  weder  aus  den  Aussagen  der  Beschwerdeführenden noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie  für  den  Fall  einer  Ausschaffung  nach  Serbien  dort  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  einer  nach Art. 3  EMRK  oder  Art. 1  FoK  verbotenen  Strafe  oder  Behandlung  ausgesetzt  wären.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen  Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des UN­Anti­Folterausschusses müssten die Beschwerdeführenden eine  konkrete  Gefahr  ("real  risk")  nachweisen  oder  glaubhaft  machen,  dass  ihnen  im  Fall  einer  Rückschiebung  Folter  oder  unmenschliche  Behandlung drohen würde  (vgl. EGMR,  [Grosse Kammer], Saadi gegen  Italien, Urteil  vom 28. Februar  2008, Beschwerde Nr. 37201/06,  §§ 124­ 127,  mit  weiteren  Hinweisen).  Auch  die  allgemeine  Menschenrechtssituation  in Serbien – Serbien gilt seit dem 1. April 2009  als  "Safe  Country"  –  lässt  den  Wegweisungsvollzug  zum  heutigen  Zeitpunkt  nicht  als  unzulässig  erscheinen.  Nach  dem  Gesagten  ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  sowohl  im  Sinne  der  asyl­  als  auch  der  völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.

E­7635/2007 6.3.  6.3.1. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen  und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind.  Wird  eine  konkrete Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter Vorbehalt  von  Art. 83  Abs. 7  AuG  –  die  vorläufige  Aufnahme  zu  gewähren  (vgl.  Botschaft  zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer  vom 8. März 2002, BBl 2002 3818). 6.3.2.  Die  Beschwerdeführerin  macht  auf  Beschwerdeebene  im  Wesentlichen  geltend,  ein  Wegweisungsvollzug  nach  Serbien  müsse  für  Roma  als  unzumutbar  gelten,  wie  dies  auch  die  Schweizerische  Flüchtlingshilfe  (SFH)  als  Position  vertrete.  Insbesondere  im  vorliegenden Fall einer Mutter mit drei minderjährigen Kindern bedeute  dies, dass sie bei einer Rückkehr dem Terror, Nationalismus und der  Diskriminierung  schutzlos  ausgeliefert  sei.  Sie  erhalte  auch  keine  Unterstützung  durch  ihren  ehemaligen  Ehemann  mehr,  da  sie  geschieden sei. B._______, [der/die] beim bewaffneten Überfall im (…)  2006  anwesend  gewesen  sei,  leide  seither  unter  psychischen  Problemen,  weshalb  [er/sie]  auf  Medikamente  angewiesen  sei;  bei  einer  Rückkehr  in  [das]  Herkunftsland  sei  mit  höchster  Wahrscheinlichkeit  eine  Retraumatisierung  zu  befürchten.  Die  Kombination  der  Faktoren  Alter,  Gesundheit,  fehlendes  Beziehungsnetz  und  die  düsteren  Aussichten  für  das  wirtschaftliche  Auskommen hätte eine existenzbedrohende Lage zur Konsequenz.  In  ihren  späteren  Eingaben  führte  die  Beschwerdeführerin  aus,  bei  B._______ wäre eine psychiatrische Behandlung angezeigt  gewesen;  dies  sei  jedoch  aus  Kostengründen  von  den  zuständigen  Stellen  abgewiesen worden.  Zudem  leide  B._______  an  Kopfschmerzen,  die  auf  [eine]  psychische Belastung zurückzuführen seien,  (…). Bei  einer  Rückschaffung  in  [das] Herkunftsland habe B._______ keine Chance,  mit  [den]  gesundheitlichen Schwierigkeiten  fertig  zu werden  und  eine  adäquate Ausbildung  zu  absolvieren.  Ein Wegweisungsvollzug würde  auch  dem  Kindeswohl  widersprechen,  weil  den  Kindern  dann  das  Leben  der  Beziehung  zum  sich  in  der  Schweiz  befindenden  Vater  verunmöglicht werde. Mit aktuellster Eingabe vom 12. September 2011  bringt sie zwar vor, die B._______  leide nach wie vor an psychischen  Problemen  und  an  Schmerzen  (…),  führt  aber  weiter  aus,  eine  regelmässige  ärztliche  Behandlung  sei  zur  Zeit  nicht  erforderlich  und 

E­7635/2007 die  gesundheitliche  Situation  [von]  B._______  und  C._______  habe  sich zwischenzeitlich stabilisiert. 6.3.3.  Im  Folgenden  ist  die  Zumutbarkeit  eines  Wegweisungsvollzugs  unter  dem  Aspekt  des  Kindswohls  (vgl.  nachstehende  E.  6.4)  und  den  allgemeinen Kriterien zu prüfen (E. 6.5).

E­7635/2007 6.4.  6.4.1. Falls  Kinder  vom Wegweisungsvollzug  betroffen  sind,  ist  gemäss  der  Rechtsprechung  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  seiner  Vorgängerin,  der  ehemaligen  ARK,  das  Kindeswohl  im  Rahmen  der  Zumutbarkeitsprüfung  vorrangig  zu  gewichten,  da  sich  dies  aus  einer  völkerrechtskonformen Auslegung von Art. 83 Abs. 4 AuG im Lichte von  Art.  3  Abs.  1  des  Übereinkommens  vom  20.  November  1989  über  die  Rechte des Kindes (KRK, SR 0.107) ergibt. 6.4.2.  Demzufolge  sind  unter  dem  Aspekt  des  Kindswohls  sämtliche  Umstände  einzubeziehen  und  zu  würdigen,  die  im  Hinblick  auf  eine  Wegweisung  wesentlich  erscheinen.  Namentlich  sind  in  Bezug  auf  das  Kindeswohl  im Rahmen  einer Gesamtwürdigung  Kriterien  wie  Alter  des  Kindes,  Reife,  Abhängigkeit,  Art  der  Beziehung  (Nähe,  Intensität,  Tragfähigkeit),  Eigenschaften  der  Bezugsperson  (insbesondere  Unterstützungsbereitschaft und ­fähigkeit), Stand und Prognose bezüglich  Entwicklung  und  Ausbildung  des  Kindes,  Grad  der  erfolgten  Integration  bei  einem  längeren  Aufenthalt  in  der  Schweiz  zu  beurteilen.  Gerade  letzterer  Aspekt,  die  Dauer  des  Aufenthaltes  in  der  Schweiz,  ist  im  Hinblick  auf  die  Prüfung  der  Chancen  und  Hindernisse  einer  Reintegration im Heimatland als gewichtiger Faktor zu werten, da Kinder  nicht  ohne  guten  Grund  aus  einem  vertrauten  Umfeld  herausgerissen  werden sollten. Damit ist aus entwicklungspsychologischer Sicht nicht nur  das  unmittelbare  persönliche  Umfeld  des  Kindes  (d.h.  dessen  Kernfamilie)  zu  berücksichtigen,  sondern  auch  dessen  übrige  soziale  Einbettung.  Die  Verwurzelung  in  der  Schweiz  kann  eine  reziproke  Wirkung  auf  die  Frage  der  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  haben,  indem  eine  starke  Assimilierung  in  der  Schweiz  eine  Entwurzelung  im  Heimatstaat  zur  Folge  haben  kann,  welche  unter  Umständen  die  Rückkehr  dorthin  als  unzumutbar  erscheinen  lässt  (vgl.  BVGE  2009/28  E.  9.3.2  S.267  f.  und  BVGE  2009/51  E.  5.6,  die  die  bisherige Praxis der ARK  in EMARK 2005 Nr. 6 E. 6. S. 55  ff., EMARK  1998 Nr. 31 E. 8c.ff.ccc S. 260 f., EMARK 1998 Nr. 13 S. 98 f. E. 5e.aa.  bestätigen). 6.4.3. In diesem Zusammenhang ist zu differenzieren, ob sich das Kind in  einem jungen, stark von der Familie geprägten Alter befindet oder es sich  bei der asylsuchenden Person bereits um einen  langjährig anwesenden  Jugendlichen handelt.  In ersterem Fall  ist davon auszugehen, dass dem  Kind  auch  nach  einem  langjährigen  Aufenthalt  in  der  Schweiz  eine  http://links.weblaw.ch/BVGE-2009/28 http://links.weblaw.ch/BVGE-2009/28 http://links.weblaw.ch/BVGE-2009/28 http://links.weblaw.ch/BVGE-2009/51 http://links.weblaw.ch/BVGE-2009/51 http://links.weblaw.ch/BVGE-2009/51 http://links.weblaw.ch/EMARK-2005/6%20S.6 http://links.weblaw.ch/EMARK-2005/6%20S.6 http://links.weblaw.ch/EMARK-2005/6%20S.6 http://links.weblaw.ch/EMARK-2005/6%20S.6 http://links.weblaw.ch/EMARK-2005/6%20S.6 http://links.weblaw.ch/EMARK-2005/6%20S.6 http://links.weblaw.ch/EMARK-2005/6%20S.6 http://links.weblaw.ch/EMARK-1998/31%20S.8 http://links.weblaw.ch/EMARK-1998/31%20S.8 http://links.weblaw.ch/EMARK-1998/31%20S.8 http://links.weblaw.ch/EMARK-1998/31%20S.8 http://links.weblaw.ch/EMARK-1998/31%20S.8 http://links.weblaw.ch/EMARK-1998/31%20S.8 http://links.weblaw.ch/EMARK-1998/31%20S.8 http://links.weblaw.ch/EMARK-1998/13%20S.98 http://links.weblaw.ch/EMARK-1998/13%20S.98 http://links.weblaw.ch/EMARK-1998/13%20S.98 http://links.weblaw.ch/EMARK-1998/13%20S.98 http://links.weblaw.ch/EMARK-1998/13%20S.98 http://links.weblaw.ch/EMARK-1998/13%20S.98 http://links.weblaw.ch/EMARK-1998/13%20S.98

E­7635/2007 Rückkehr  in sein Heimatland zugemutet werden kann, da sein Alltag  im  Wesentlichen  durch  die  primären  Bezugspersonen  (in  der  Regel  die  Eltern) geprägt ist. Im Unterschied dazu ist bei einem adoleszenten Kind  abzuwägen, wie intensiv und prägend die Bindungen sind, welche es im  Aufenthaltsstaat eingegangen ist, in dem es die massgebliche Erziehung  erhalten,  soziale Kontakte ausserhalb des Familienkreises geknüpft und  seine eigene Identität entwickelt hat (vgl. BVGE 2009/28 E. 9.3.2 S. 267 f.  mit weiteren Hinweisen). 6.4.4. D._______  ist  zum heutigen Zeitpunkt  knapp  (…) Jahre alt. Zwar  besucht D._______ den hiesigen Kindergarten, ist bei [dem] noch jungen  Alter  jedoch noch vorwiegend geprägt durch den Familienkern und nicht  durch soziale Bindungen ausserhalb der Familie. D._______ befindet sich  noch im anpassungsfähigen Alter und eine Rückkehr reisst [ihn/sie] nicht  aus  [der]  Lebensstruktur  heraus,  womit  [er/sie]  auch  nicht  der  Gefahr  einer Entwurzelung ausgesetzt  ist; daher  ist es D._______ grundsätzlich  zuzumuten, mit [der] Mutter in [das] Heimatland zurückzukehren. B._______  und  C._______  sind  bereits  volljährig.  Kindswohlüberlegungen im Sinne der Kinderrechtskonvention können bei  ihnen  daher  nicht mehr  greifen.  Die  Frage  der  Entwurzelung  kann  sich  aber bei volljährigen Beschwerdeführenden dennoch stellen, wenn sie im  Verlaufe des Beschwerdeverfahrens volljährig geworden sind  (vgl. Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  E­4409/2007  und  E­4410/2007  vom  1. September 2011 E. 8.7.3, mit weiteren Hinweisen). Die Vorbringen der  Beschwerdeführerin  –  B._______  und  C._______  wären  bei  einer  Rückkehr  Terror,  Nationalismus  und  der  Diskriminierung  schutzlos  ausgeliefert und würden sich zudem in einer existenzbedrohenden Lage  wiederfinden,  da  es  ihnen  am  erforderlichen  Beziehungsnetz  fehle,  sie  unter  medizinischen  Problemen  leiden  würden  und  düstere  Aussichten  hinsichtlich eines wirtschaftlichen Einkommens zu erwarten hätten – sind  nicht  geeignet,  für  B._______  und  C._______  im  Falle  einer  Rückkehr  eine  Entwurzelung  zu  begründen.  Ausserdem  macht  die  Beschwerdeführerin  geltend,  B._______  und  C._______  seien  zum  Zeitpunkt  der  Ausreise  aus  Serbien  13  beziehungsweise  14  Jahre  alt  gewesen,  hätten  in  den  vergangenen  Jahren  gut  Deutsch  gelernt  und  sich  in der Schweiz  rasch  integriert.  Ihre gesundheitliche Situation habe  sich  zwischenzeitlich  stabilisiert  und  [beide]  befänden  sich  ihre  Ausbildung  betreffend  auf  gutem  Weg.  Der  sich  bei  den  Akten  befindenden  Kopie  eines  "Ausweises  für  Lernende"  ist  zu  entnehmen,  dass  C._______  in  der  [Name  der  Institution],  eine  Ausbildung  [zum  http://links.weblaw.ch/BVGE-2009/28 http://links.weblaw.ch/BVGE-2009/28 http://links.weblaw.ch/BVGE-2009/28

E­7635/2007 Beruf], die vom (…) 2010 bis zum (…) 2012 dauert, absolviert. Betreffend  B._______ befindet sich eine Kopie eines entsprechenden Ausweises für  die  Ausbildung  als  [Beruf]  mit  derselben  Ausbildungsperiode  bei  den  Akten. Zwar  haben  beide  einige  wichtige  Jahre  ihres  Lebens  in  der  Schweiz  verbracht  und  ein  Integrationsverhalten  gezeigt,  indem  sie  Deutsch  lernten und nun eine Ausbildung absolvieren. Die Tatsache jedoch, dass  sie  ohne  die  Begleitung  ihrer  Mutter  nach  Serbien  zurückkehrten  und  beide  gemäss  Polizeibericht  sogar  kürzlich  erklärten,  für  immer  zurückzukehren,  sind  klare  Indizien  dafür,  dass  sich  B._______  und  C._______  noch  immer  in  einem  Masse  mit  ihrem  Herkunftsland  identifizieren,  dass  eine  Entwurzelung  beim  Verlassen  der  Schweiz  unwahrscheinlich erscheint. Ein Wegweisungsvollzug von B._______ und  C._______ zeigt sich daher auch unter diesem Aspekt als zumutbar. 6.5.  6.5.1. Die allgemeine Lage in Serbien ist weder von Bürgerkrieg noch von  allgemeiner  Gewalt  gekennzeichnet,  so  dass  der  Vollzug  der  Wegweisung dorthin grundsätzlich zumutbar scheint. 6.5.2. Betreffend  die  geltend  gemachten  psychischen  und  somatischen  Probleme  von  B._______,  reichte  die  Beschwerdeführerin  auf  Aufforderung hin einen Arztbericht  (datierend vom 17. Januar 2008) ein,  der  (…)  Probleme,  eine  (…)  und  (…)  sowie  Spannungskopfschmerzen  attestiert.  Gemäss  jüngster  Eingabe  leide  sie  zwar  an  (…)schmerzen,  eine  regelmässige  ärztliche  Kontrolle  sei  jedoch  nicht  mehr  notwendig  und  ihre  gesundheitliche  Situation  habe  sich  stabilisiert.  Eine  konkrete  Gefährdung wird hier nicht ersichtlich. Zudem existiert ein ausreichendes  Angebot an Medizinern und Fachärzten in Serbien. 6.5.3.  Es  ist  dem  Bundesverwaltungsgericht  zwar  bekannt,  dass  die  Roma  in  Serbien  noch  immer  mit  erschwerten  Lebensbedingungen  zu  kämpfen haben. Blosse soziale und wirtschaftliche Erschwernisse stellen  jedoch  für  sich  alleine  noch  keine  existenzbedrohende  Situation  dar,  welche  den  Wegweisungsvollzug  als  unzumutbar  erscheinen  liesse,  weshalb  –  entgegen  der  Auffassung  der  Beschwerdeführenden –  aufgrund der alleinigen Zugehörigkeit zu den Roma keine Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzuges  angenommen  wird.  Zwar  kann  sich  der  Zugang  zu Wohnraum  für  Roma  als  schwierig  erweisen.  Vorliegend  ist 

E­7635/2007 aber davon auszugehen, dass die [Beschwerdeführenden] ein tragfähiges  Beziehungsnetz  besitzen.  Ansonsten  wäre  es  nicht  nachvollziehbar,  wieso und wie B._______ und C._______ in  letzter Zeit wiederholt nach  Serbien  reisten.  Die  Beschwerdeführerin  hat  sodann  während  des  Asylverfahrens zu Protokoll  gegeben, dass  ihre Eltern,  zwei Brüder und  eine Schwester  in E._______ wohnhaft seien  (vgl. D2 S. 3). Es  ist nicht  davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin aufgrund der Tatsache,  dass sie alleinerziehende Mutter  ist, marginalisiert wird. Zudem hat sich  ihre Situation dahingehend verändert,  dass  zwei  der drei  [Kinder]  heute  erwachsen  und  nunmehr  in  der  Lage  sind,  einer  Arbeitstätigkeit  nachzugehen und für ihren Lebensunterhalt aufzukommen. So darf auch  davon  ausgegangen  werden,  dass  die  beiden  erwachsenen  B._______  und C._______ ihre Mutter und D._______ unterstützen können und die  Familie  daher  in  der  Lage  sein  wird,  sich  eine  Existenz  aufzubauen.  Hinsichtlich  ihrer  finanziellen  Situation  ist  auch  zu  erwähnen,  dass  die  Beschwerdeführerin im vorinstanzlichen Verfahren zu Protokoll gab, dass  sie  "eigenes Land" besessen hätten und Geld  zu Hause gehabt hätten,  weil sie gerade ihr Auto verkauft hätten (vgl. D11 S. 9). An anderer Stelle  hatte sie in einem früheren Verfahren zu Protokoll gegeben, sie hätten "in  guten  Verhältnissen"  gelebt  (vgl.  A8  S.  3).  Serbische  Staatsangehörige  erhalten – falls sie nicht in einem Arbeitsverhältnis stehen – grundsätzlich  kostenlosen  Zugang  zu  medizinischer  Versorgung;  gewisse  Leistungen  müssen  allerdings  selbst  beglichen  werden.  Die  Beschwerdeführerin  macht  zwar  geltend,  sie  sei  psychisch  sehr  angeschlagen,  reichte  aber  keinerlei  diesbezüglichen  ärztlichen  Dokumente  ein.  Ungeachtet  der  Glaubhaftigkeit dieses Vorbringens ist erneut darauf hinzuweisen, dass in  Serbien  adäquate  psychiatrische  Behandlungen  vorhanden  und  zugänglich  sind.  Da  klare  Indizien  dafür  bestehen,  dass  die  Beschwerdeführenden  über  ein  intaktes  und  auffangfähiges  Beziehungsnetz verfügen, neben ihrer Muttersprache Rom auch Serbisch  sprechen und die beiden volljährigen B._______ und C._______ sich nun  im arbeitsfähigen Alter befinden, kommt das Gericht  zum Schluss, dass  vorliegend  keine  individuellen  Gründe  einem  Wegweisungsvollzug  entgegenstehen. 6.5.4.  Nach  dem  Gesagten  erweist  sich  der  Vollzug  der  Wegweisung  der  Beschwerdeführenden nach Serbien  als  zumutbar  im Sinne  von Art.  83  Abs. 4 AuG. 6.6. 

E­7635/2007 6.6.1. Schliesslich  ist  der  Vollzug  der Wegweisung  nicht möglich, wenn  die  asylsuchende  Person  weder  in  den  Heimat­  oder  in  den  Herkunftsstaat  noch  in  einen  Drittstaat  ausreisen  oder  dorthin  gebracht  werden kann (Art. 83 Abs. 2 AuG). 6.6.2.  Es  obliegt  den  Beschwerdeführenden,  sich  bei  der  zuständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr  notwendigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  (Art.  8  Abs.  4  AsylG).  B._______  und  C._______  verfügen  bereits  über  serbische  Reisepässe,  die  bis  zum  Jahre  2021  gültig  sind.  Betreffend  die  Beschwerdeführerin  und  D._______  ist  auf  die  soeben  festgehaltende  Mitwirkungspflicht  zu  verweisen.  Somit  ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  für  die  [Beschwerdeführenden] auch als möglich zu bezeichnen (Art. 83 Abs. 1 –  4 AuG). 7.  Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht  als  zulässig,  zumutbar  und  möglich  erachtet.  Nach  dem  Gesagten  fällt  eine  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  ausser  Betracht  (Art. 83 Abs. 1 – 4 AuG). 8.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art.  106  AsylG).  Die  Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 9.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  wären  die  Kosten  der  Beschwerdeführerin  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  VwVG).  Nachdem  jedoch das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege  im  Sinne  von  Art. 65  Abs. 1  VwVG  mit  Verfügung  16.  November  2007  gutgeheissen wurde und aufgrund der Akten davon auszugehen ist, dass  die  [Beschwerdeführenden]  auch heute weiterhin bedürftig  sind, werden  keine Kosten auferlegt. (Dispositiv nächste Seite) 

E­7635/2007 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Christa Luterbacher Sarah Diack Versand:

E­7635/2007 Zustellung erfolgt an: – den Rechtsvertreter der Beschwerdeführenden (Einschreiben) – das BFM, Asyl und Rückkehr, Zentrale Verfahren und Rückkehr, mit  den Akten N (…) (per Kurier; in Kopie) – das Migrationsamt des Kantons G._______, ad: (…) (in Kopie)

E-7635/2007 — Bundesverwaltungsgericht 29.12.2011 E-7635/2007 — Swissrulings