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Bundesverwaltungsgericht 09.11.2011 E-7404/2008

9. November 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·607 Wörter·~3 min·3

Zusammenfassung

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 20. Oktober 2008 / N

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung V E­7404/2008 Urteil   v om   9 .   No v embe r   2011 Besetzung Einzelrichter Markus König, mit Zustimmung von Richter Maurice Brodard;  Gerichtsschreiberin Eveline Chastonay. Parteien A._______, Kamerun,   vertreten durch Dr. iur. René Bussien, Rechtsanwalt, , Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung;  Verfügung des BFM vom 20. Oktober 2008 / N (…).

E­7404/2008 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass der Beschwerdeführer am 27. September 2006  in der Schweiz um  Asyl nachsuchte, dass  das  BFM  das  Asylgesuch  mit  Verfügung  vom  20.  Oktober  2008  unter  Feststellung  der  Unglaubhaftigkeit  der  Asylvorbringen  des  Beschwerdeführers  abwies  und  die  Wegweisung  sowie  deren  Vollzug  anordnete, dass  der  Beschwerdeführer  diese  Verfügung  mit  Beschwerde  vom  20. November  2008  beim  Bundesverwaltungsgericht  anfechten  und  inhaltlich beantragen liess, die angefochtenen Verfügung sei aufzuheben  und  ihm sei  in  der Schweiz Asyl  zu gewähren,  eventuell  sei  von  seiner  Wegweisung abzusehen, dass  die  vormals  zuständige  Instruktionsrichterin  mit  Verfügung  vom  10. Dezember 2008 das Gesuch des Beschwerdeführers Gewährung der  unentgeltlichen  Prozessführung  gemäss  Art.  65  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021)  guthiess,  sei  Gesuch  um  Beiordnung  des  Rechtsvertreters  als  amtlicher  Anwalt  gemäss  Art.  65  Abs. 2 VwVG abwies und das BFM zur Vernehmlassung aufforderte, dass das BFM sich  in seiner Vernehmlassung vom 23. Dezember 2008    – dem  Beschwerdeführer  am  9.  Januar  2009  zur  Kenntnis  gebracht –  darauf beschränkte, die Abweisung der Beschwerde zu beantragen und  auf die Erwägungen in der angefochtenen Verfügung zu verweisen, dass  der  Beschwerdeführer  am  26.  Februar  2009  einen  Bericht  von  Amnesty  International  über  die  Situation  in  seinem  Heimatland  zu  den  Akten reichen liess, dass  der  Einzelrichter  das  vorliegende  Verfahren  im  Oktober  2011  zur  Behandlung zugeteilt erhalten hat, und zieht in Erwägung, dass  das  Bundesverwaltungsgericht  auf  dem  Gebiet  des  Asyls –  vorbehältlich des Vorliegens eines Auslieferungsersuchens des Staates,  vor welchem  die  beschwerdeführende Person Schutz  sucht  –  endgültig 

E­7404/2008 über  Beschwerden  gegen  Verfügungen  (Art.  5  VwVG)  des  BFM  entscheidet  (Art.  105  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  [AsylG,  SR  142.31]  i.V.m. Art. 31­33 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni  2005  [VGG,  SR  173.32];  Art.  83  Bst.  d  Ziff.  1  des  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),  dass  sich  das  Verfahren  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG  richtet, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art.  6 AsylG),  dass  die  Beschwerde  frist­  und  formgerecht  eingereicht  worden  ist  und  der  Beschwerdeführer  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist  (Art.  108 Abs.  1 AsylG  sowie Art.  105 AsylG  i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 und 52 VwVG), dass demzufolge auf die Beschwerde einzutreten ist, dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass  über  offensichtlich  begründete  Beschwerden  in  einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  entschieden  wird  (Art.  111  Bst.  e  AsylG)  und  es  sich  vorliegend,  wie  nachfolgend  aufgezeigt,  um  eine  solche  handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG),  dass die Schweiz Flüchtlingen grundsätzlich Asyl gewährt  (Art. 2 Abs. 1  AsylG),  wobei  als  Flüchtling  eine  ausländische  Person  anerkannt  wird,  wenn sie  in  ihrem Heimatstaat oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnte,  wegen  ihrer  Rasse,  Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete  Furcht  hat,  solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG), dass die Flüchtlingseigenschaft nachgewiesen oder zumindest glaubhaft  gemacht werden muss (Art. 7 AsylG), dass der Beschwerdeführer zur Begründung seines Asylgesuchs geltend  gemacht hat, er sei der Sohn des berühmten Regimekritikers B._______ 

E­7404/2008 und  deshalb  in  der  Heimat  einer  so  genannten  Anschluss­  oder  Reflexverfolgung ausgesetzt gewesen, dass  das  BFM  die  Asylvorbringen  als  unglaubhaft  qualifizierte  und  insbesondere  festhielt,  der  Beschwerdeführer  trage  nicht  den  Namen  seines  Vaters,  weshalb  die  geltend  gemachte  familiäre  Abstammung  nicht geglaubt werden könne, dass  bei  den  Akten  drei  originale  Identitätspapiere  des  Beschwerdeführers  liegen und in zwei dieser Dokumente (Identitätskarte  und  Geburtsurkunde)  der  Name  des  Vaters  vermerkt  ist  und  mit  den  Angaben des Beschwerdeführers übereinstimmt, dass  in der angefochtenen Verfügung mit Bezug auf die  "beigebrachten  Dokumente" einzig ausgeführt wird, die amtlichen Dokumente würden nur  in  Form  von  Fotokopien  vorliegen,  weshalb  ihr  Beweiswert  "als  sehr  gering einzustufen" sei, dass  das  BFM  die  im  Original  eingereichten  Identitätspapiere  offensichtlich  übersehen  und  diese  Beweismittel  inhaltlich  mit  keinem  Wort gewürdigt hat, dass  den  Akten  nicht  nur  keine  Hinweise  auf  eine  mangelnde  Authentizität  der  Dokumente  zu  entnehmen  sind,  sondern  der  Beschwerdeführer im Rahmen des Flughafenverfahrens mit der Aussage  konfrontiert worden war, eine Prüfung von Reisepass und Identitätskarte  habe  ergeben,  dass  es  sich  um  echte  Ausweise  handle  (vgl.  Befragungsprotokoll vom 26. September 2006 S. 13), dass  die  Vorinstanz  nach  dem  Gesagten  den  rechtserheblichen  Sachverhalt  falsch  festgestellt  und  vom  Beschwerdeführer  eingereichte  Beweismittel nicht gewürdigt hat, dass das BFM in der ersten Verfügung der Instruktionsrichterin auf die bei  den  Akten  liegenden  Identitätskarte  und  Geburtsurkunde  hingewiesen  und aufgefordert worden war, sich zu diesem Punkt zu äussern, dass  das BFM auch  in  seiner Vernehmlassung mit  keinem Wort Bezug  auf diese beiden Beweismittel nahm, dass eine Heilung der erwähnten Verfahrensmängel bei dieser Sachlage  von vornherein ausgeschlossen  ist, weshalb die Beschwerde, soweit die 

E­7404/2008 Aufhebung  der  angefochtenen  Verfügung  betreffend,  gutzuheissen  ist  und  die  Akten  dem  BFM  zur  Durchführung  des  erstinstanzlichen  Asylverfahrens  unter  korrekter Würdigung  der Aktenlage  zu  überweisen  sind, dass bei diesem Ausgang des Verfahrens keine Kosten zu erheben sind  (Art. 63 Abs. 2 VwVG), dass  der  obsiegenden  Partei  gemäss  Art.  64  Abs.  1  VwVG  eine  Entschädigung  für  die  ihr  erwachsenen  notwendigen  und  verhältnismässig hohen Kosten zugesprochen werden kann  (vgl.  für die  Grundsätze der Bemessung der Parteientschädigung ausserdem Art. 7 ff.  des  Reglements  vom  21.  Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2]),  dass  sich  keine  Kostennote  in  den  Akten  befindet,  weshalb  der  notwendige Vertretungsaufwand aufgrund der Akten festzusetzen ist (Art.  14 Abs. 2 VGKE),  dass  die  von  der  Vorinstanz  auszurichtende  Parteientschädigung  unter  Berücksichtigung  der  massgeblichen  Bemessungsfaktoren  (Art.  8  ff.  VGKE)  von  Amtes  wegen  auf  insgesamt  Fr.  1'500.–  (inklusive  aller  Kosten und Auslagen) festzusetzen ist.  (Dispositiv nächste Seite)

E­7404/2008 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die  Beschwerde  wird  gutgeheissen,  soweit  die  Aufhebung  der  angefochtenen Verfügung beantragt worden ist. 2.  Die  Verfügung  des  BFM  vom  20.  Oktober  2008  wird  aufgehoben.  Die  Akten werden zur Neubeurteilung an die Vorinstanz überwiesen. 3.  Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4.  Das  BFM  wird  angewiesen,  der  Beschwerdeführerin  für  das  Verfahren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  eine  Parteientschädigung  von  Fr.  1'500.– zu überweisen. 5.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführerin,  das  BFM  und  die  kantonale Ausländerbehörde. Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Markus König Eveline Chastonay Versand:

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