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Bundesverwaltungsgericht 08.02.2012 E-631/2012

8. Februar 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,406 Wörter·~7 min·1

Zusammenfassung

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren) | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 16. Januar 2012 / N

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung V E­631/2012 Urteil   v om   8 .   Februar   2012 Besetzung Einzelrichter Bruno Huber, mit Zustimmung von Richterin Christa Luterbacher; Gerichtsschreiber Peter Jaggi. Parteien A._______, geboren (…), Afghanistan, vertreten durch Hans­Martin Allemann, Rechtsanwalt, (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung Dublin­Verfahren; Verfügung des BFM vom 16. Januar 2012 / N (…),

E­631/2012 Das Bundesverwaltungsgericht, in Anwendung des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31), der  Asylverordnung  1  über  Verfahrensfragen  vom  11. August  1999  [AsylV1, SR 142.311]), des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsver­ fahren (VwVG, SR 172.021), des  Bundesgesetzes  vom  17.  Juni  2005  über  das  Bundesverwaltungsgericht (VGG, SR 173.32), des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht  (BGG,  SR 173.110), des Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2005 über  die Ausländerinnen  und Ausländer (AuG, SR 142.20), der  Konvention  vom  4.  November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (Europäische  Menschenrechtskonvention [EMRK, SR 0.101]), des  Abkommens  vom  28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge (Flüchtlingskonvention [FK, SR 0.142.30]), des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter oder andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK, SR 0.105), des  Abkommens  vom  26. Oktober  2004  zwischen  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  und  der  Europäischen Gemeinschaft  über  die  Krite­ rien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des  zuständigen  Staates  für  die  Prüfung  eines  in  einem  Mitgliedstaat  oder  in  der  Schweiz  gestellten  Asylantrags (Dublin­Assoziierungsabkommen [DAA, SR 0.142.392.68]), der Verordnung (EG) Nr. 343/2003 des Rates vom 18. Februar 2003 zur  Festlegung  der  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des  Mitglied­ staats,  der  für  die  Prüfung  eines  von  einem  Drittstaatsangehörigen  in  einem Mitgliedstaat gestellten Asylantrags zuständig ist (Dublin II­VO),

E­631/2012 der Verordnung (EG) Nr. 1560/2003 der Kommission vom 2. September  2003 mit Durchführungsbestimmungen zur Dublin II­VO (DVO Dublin), des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädi­ gungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2), stellt fest, dass  das  BFM  mit  Verfügung  vom  24.  Juni  2011  gestützt  auf  Art.  34  Abs. 2  Bst.  d  AsylG  auf  das  erste  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  vom 2. März 2011 nicht eintrat und ihn am (…) nach Italien überstellte, dass  es  am  23.  November  2011  in  Anwendung  derselben  Bestimmung  auch  auf  das  zweite  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  vom  2.  November  2011  nicht  eintrat  und  ihn  am  (…)  erneut  nach  Italien  überstellte, dass der Beschwerdeführer am 14. Dezember 2011 im B._______ (EVZ)  (…) ein drittes Mal um Asyl nachsuchte, dass ihm das BFM am 27. Dezember 2011 im EVZ das rechtliche Gehör  zur Zuständigkeit  Italiens  für die Durchführung des Asylverfahrens,  zum  beabsichtigten Nichteintretensentscheid gestützt auf Art. 34 Abs. 2 Bst. d  AsylG und zur Wegweisung in diesen Staat gewährte, dass  der  Beschwerdeführer  anführte,  die  italienische  Polizei  habe  ihm  nach  seiner  Rücküberstellung  am  (…)  im  Flughafen  von  (…)  eine  Ausweisungsverfügung ausgehändigt, für einen Anwalt habe er kein Geld  gehabt und er habe in Italien keine Unterstützung erhalten, dass  die  italienischen  Behörden  das  gestützt  auf  Art.  16  Abs.  1  Bst.  c  Dublin­II­VO übermittelte Ersuchen des BFM vom 19. Dezember 2011 um  Wiederaufnahme des Beschwerdeführers unbeantwortet liessen, dass das Bundesamt mit Verfügung vom 16. Januar 2012 – eröffnet am  26. Januar 2012 – in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG auf das  dritte  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  nicht  eintrat  und  die  Wegweisung nach Italien anordnete, dass es ihn gleichzeitig aufforderte, die Schweiz spätestens am Tag nach  Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen, den Kanton C._______ mit dem 

E­631/2012 Vollzug  der Wegweisungsverfügung  beauftragte,  die  Aushändigung  der  editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis verfügte und festhielt,  eine  allfällige  Beschwerde  gegen  diese  Verfügung  habe  keine  aufschiebende Wirkung, dass  für  die  Begründung  der  angefochtenen  Verfügung  auf  die  Akten  und,  soweit  für  den  Entscheid  relevant,  auf  die  nachfolgenden  Erwägungen verwiesen wird, dass  das D._______  am  26.  Januar  2012  anlässlich  der  Eröffnung  der  angefochtenen Verfügung die Ausschaffungshaft des Beschwerdeführers  bis am 25. Februar 2012 anordnete, und der Einzelrichter des E._______  diese Anordnung mit Entscheid vom 27. Januar 2012 bestätigte, dass  der  Beschwerdeführer  durch  seinen  Rechtsvertreter  mit  Rechtsmitteleingabe  vom  2.  Februar  2012  in  materieller  Hinsicht  unter  Aufhebung  der  angefochtenen  Verfügung  das  Eintreten  auf  das  Asylgesuch und die Gewährung von Asyl, eventualiter unter Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  zufolge  Unzulässigkeit  des  Wegweisungsvollzugs  die  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  beantragt, dass  er  in  prozessualer  Hinsicht  die  Erteilung  der  aufschiebenden  Wirkung  (der Beschwerde), die Edition aller Akten der griechischen und  italienischen  Behörden  über  den  Beschwerdeführer,  das  Einholen  einer  Stellungnahme  des  UNHCR  zur  Behandlung  von  aus  Griechenland  kommenden Flüchtlingen durch Italien im Rahmen des Dublin­Verfahrens  und das Einholen  eines psychiatrischen Gutachtens  der  (…),  zur Frage  der Zumutbarkeit einer Wegweisung des Beschwerdeführers nach Italien  unter  Berücksichtigung  der  dortigen  Lebensbedingungen  und  der  medizinischen Versorgung, beantragt, dass  er  unter  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  den  Erlass  der  Verfahrenskosten  sowie  die  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtsverbeiständung beantragt, dass  er  zur  Stützung  seiner  Vorbringen  diverse  Dokumente  (gemäss  Beilagenverzeichnis zur Beschwerde) zu den Akten reichen liess, dass  auf  die  Begründung  der  Rechtsbegehren  und  die  eingereichten  Dokumente,  soweit  für  den Entscheid wesentlich,  in  den nachfolgenden  Erwägungen eingegangen wird,

E­631/2012 dass der Rechtsvertreter das Gericht mit Eingabe vom 3. Februar 2012  dahingehend informierte, sein Mandant sei gleichentags in die (…) verlegt  worden,  welcher  Umstand  das  diesbezügliche  Vorbringen  in  der  Beschwerde  bestätige  und  eine  Ausweisung  auch  aus  medizinischen  Gründen als nicht zulässig erscheinen lasse, dass die vollständigen vorinstanzlichen Akten am 6. Februar 2012 beim  Bundesverwaltungsgericht eingingen (Art. 109 Abs. 2 AsylG), und erwägt, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig  über  Beschwerden  gegen  Verfügungen  (Art. 5  VwVG)  des  BFM  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105 AsylG i. V. m. Art. 31 – 33 VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG), dass  der  Beschwerdeführer  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an deren Aufhebung beziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist  (Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  einzutreten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52 VwVG), dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise  einer zweiten Richterin entschieden wird  (Art. 111 Bst. e AsylG), und es  sich  vorliegend,  wie  nachfolgend  aufgezeigt,  um  eine  solche  handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu  begründen  ist  (Art. 111a Abs. 2 AsylG), dass  gestützt  auf  Art. 111a  Abs. 1  AsylG  vorliegend  auf  einen  Schriftenwechsel verzichtet wurde, dass  bei  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide,  mit  denen  es  das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu 

E­631/2012 überprüfen  (Art. 32 ­ 35  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der  Beschwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die  Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist, dass  auf  Asylgesuche  in  der  Regel  nicht  eingetreten  wird,  wenn  Asylsuchende  in  einen  Drittstaat  ausreisen  können,  welcher  für  die  Durchfüh­  rung  des Asyl­  und Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zuständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG), dass das BFM in Anwendung von Art. 1 Ziff. 1 DAA die Zuständigkeit zur  Behandlung eines Asylgesuchs nach den Kriterien der Dublin II­VO prüft  (Art. 29a Abs. 1 AsylV 1), dass  es  einen  Nichteintretensentscheid  fällt,  wenn  die  Prüfung  ergibt,  dass ein anderer Staat für die Behandlung des Asylgesuchs zuständig ist,  und  dieser  der  Aufnahme  oder  Wiederaufnahme  der  asylsuchenden  Person zugestimmt hat (Art. 29a Abs. 2 AsylV 1), dass es aus humanitären Gründen das Asylgesuch auch dann behandeln  kann,  wenn  die  Prüfung  ergeben  hat,  dass  ein  anderer  Staat  dafür  zuständig ist (Art. 29a Abs. 3 AsylV 1), dass  der  Asylantrag  von  einem  einzigen Mitgliedstaat  geprüft  wird,  der  nach  den  Kriterien  des  Kapitels  III  als  zuständiger  Staat  bestimmt  wird  (Art. 3 Abs. 1 zweiter Satz Dublin II­VO), dass  indessen  gemäss  Art.  3  Abs.  2  erster  Satz  Dublin  II­VO  jeder  Mitgliedstaat  einen  von  einem  Drittstaatsangehörigen  eingereichten  Asylantrag  prüfen  kann,  auch  wenn  er  nach  den  in  dieser  Verordnung  festgelegten Kriterien für die Prüfung nicht zuständig ist, dass  gemäss  Rechtsprechung  des  Bundesverwaltungsgerichts  (vgl.  BVGE 2010/45 S. 630 ff.) auf eine Überstellung an den zuständigen Staat  zu  verzichten  ist,  wenn  sich  diese  nicht  mit  den  internationalen  Verpflichtungen  der  Schweiz  vereinbaren  lässt  oder  aus  humanitären  Gründen (Art. 29a Abs. 3 AsylV 1) nicht angezeigt erscheint, dass  vorliegend  gestützt  auf  einen  sich  aus  den  Akten  ergebenden  EURODAC­Treffer, wonach der Beschwerdeführer am  (…)  in  Italien um  Asyl  nachsuchte,  und  gestützt  auf  dessen  Vorbringen  dieser  Signatarstaat für die Behandlung des Asylgesuchs zuständig ist,

E­631/2012 dass das Bundesamt die italienischen Behörden am 19. Dezember 2011  um  Wiederaufnahme  des  Beschwerdeführers  gemäss  Art. 16  Abs. 1  Bst. c Dublin­II­VO ersuchte und Italien innert der festgelegten Frist keine  Stellung nahm (Art. 20 Abs. 1 Dublin­II­VO), dass der Beschwerdeführer somit – wie vom BFM in der angefochtenen  Verfügung zu Recht und mit zutreffender Begründung festgestellt – nach  Italien  ausreisen  kann,  welches  für  die  Prüfung  seines  Asylantrages  staatsvertraglich zuständig ist, dass  die  in  der  Beschwerde  vorgebrachte  Behauptung,  der  Beschwerdeführer sei – bevor er im (…) das erste Mal in der Schweiz ein  Asylgesuch  stellte  –  von  den  italienischen  Behörden  gestützt  auf  die  Dublin­Regelungen  nach  Griechenland  weggewiesen  worden,  was  ihm  nunmehr erneut drohe (Beschwerde S. 5 f., 11 f.), aktenwidrig ist,  dass aus den Akten vielmehr hervorgeht, dass der Beschwerdeführer  in  Griechenland  nie  erkennungsdienstlich  erfasst  worden  ist  und  kein  entsprechender Eurodac­Eintrag vorliegt, dass  demgegenüber  am  (…)  die  Anhaltung  des  Beschwerdeführers  in  (…)/Italien  in  Eurodac  erfasst  wurde,  und  dass  nach  dessen  erster  Überstellung aus der Schweiz nach Italien am (…) dort ein Asylverfahren  eingeleitet  und  die  Asylgesuchseinreichung  per  (…)  in  Eurodac  erfasst  wurde, dass der Beschwerdeführer in seiner Rechtsmitteleingabe geltend macht,  in  Italien  sei  die  Qualität  der  Asylverfahren  bedenklich  und  es  gebe  Hinweise auf eine menschenrechtswidrige Rückschiebungspraxis, dass die aktuellen Aufnahme­ und Lebensbedingungen  in  Italien  für  die  überwiegende Anzahl der Flüchtlinge einen Verstoss gegen Art. 3 EMRK  und gegen die EU­Aufnahmerichtlinien darstellen würden, dass  er  zur  Begründung  auf  zwei  Berichte  ("Asylverfahren  und  Aufnahmebedingungen  in  Italien,  Bericht  über  die  Situation  von  Asylsuchenden,  Flüchtlingen  und  subsidiär  oder  humanitär  aufgenommenen  Personen,  mit  speziellem  Fokus  auf  Dublin­ Rückkehrende,  Schweizerische  Flüchtlingshilfe  [SFH],  Juss­Buss,  Bern  und Oslo, Mai 2011", "Pro Asyl, Zur Situation von Flüchtlingen  in Italien,  28. Februar 2011, mit Hinweisen auf die Rechtsprechung in Deutschland  und  die  bisher  ergangenen  vorläufigen Massnahmen  des Europäischen 

E­631/2012 Gerichtshofes  für  Menschenrechte  [EGMR]")  und  auf  Beschlüsse  des  österreichischen  Asylgerichtshofs  vom  27. Oktober  2011  betreffend  den  Signatarstaat Ungarn, der Verwaltungsgerichte Freiburg vom 27. Oktober  2011  und  Frankfurt  am  Main  vom  28. September  2011  sowie  auf  ein  Urteil des Verwaltungsgerichts Magdeburg vom 26. Juli 2011 verweist, dass  Italien  unter  anderem Signatarstaat  der  Flüchtlingskonvention,  der  Europäischen Menschenrechtskonvention und der Folterkonvention ist, dass  anders  als  bei  Griechenland  (vgl.  Urteil  des  EGMR  M.S.S.  vs.  Belgium  and  Greece,  Nr.  30696/09,  21.  Januar  2011,  Urteil  R.U.  vs.  Greece,  Nr.  2237/08,  7.  Juni  2011)  hinsichtlich  Italien  aufgrund  der  wiederholten  und  übereinstimmenden  Stellungnahmen  des  Amtes  des  Hohen  Flüchtlingskommissars  der  Vereinten  Nationen  (UNHCR),  des  Kommissars  für  Menschenrechte  des  Europarates  und  von  internationalen  Nichtregierungsorganisationen  (NGOs)  weder  davon  ausgegangen werden kann, die italienische Gesetzgebung zum Asylrecht  werde  nicht  angewendet,  noch  sei  das  Asylverfahrensrecht  in  diesem  Land in einer Art und Weise von strukturellen Unzulänglichkeiten geprägt,  dass  asylsuchende  Personen  kaum  Chancen  auf  eine  seriöse  Prüfung  ihrer  Asylgesuche  und  ihrer  Beschwerden  durch  die  italienischen  Behörden  haben,  oder  dass  sie  dort  mangels  wirksamer  Beschwerdemöglichkeit keinen Schutz vor willkürlicher Rückschiebung in  ihr Heimatland geniessen, dass  somit  keine  ernsthaften  Zweifel  daran  bestehen,  dass  Italien  die  Richtlinie  Nr.  2005/85/EG  des  Rates  vom  1.  Dezember  2005  über  Mindestnormen  für  Verfahren  in  den  Mitgliedstaaten  zur  Zuerkennung  und  Aberkennung  der  Flüchtlingseigenschaft  (Amtsblatt  Nr.  L  326  vom  13/12/2005  S.  0013  –  0034)  grundsätzlich  respektiert,  und  an  dieser  Einschätzung  auch  die  vorstehend  erwähnten  Beschlüsse  respektive  Urteile  deutscher Gerichte  nichts  zu  ändern  vermögen,  zumal  diese  für  die Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts ohne Belang sind, dass  hinsichtlich  der  genannten  Berichte  zu  den  Aufnahme­  und  Lebensbedingungen  für  asylsuchende  respektive  bereits  als  Flüchtlinge  anerkannte  Personen  in  Italien  festzustellen  ist,  dass  die  italienischen  Behörden seit geraumer Zeit mit einer grossen Anzahl von Einwanderern  aus  nordafrikanischen  Staaten  konfrontiert  sind,  was  immer  wieder  zu  Kapazitätsengpässen bei den Aufnahmezentren führt,

E­631/2012 dass  indessen  das  Gericht  auch  in  Berücksichtigung  der  mit  den  Kapazitätsengpässen  im  Zusammenhang  stehenden  schwierigen  Aufenthalts­  und Lebensbedingungen nicht  zum Schluss  gelangt,  Italien  verletze nach­gewiesenermassen  in  systematischer Weise die Richtlinie  Nr. 2003/9/EG  des  Rates  vom  27.  Januar  2003  zur  Festlegung  von  Mindestnormen  für  die  Aufnahme  von  Asylbewerbern  in  den  Mitgliedstaaten (Amtsblatt Nr. L 031 vom 06/02/2003 S. 0018 – 0025), dass angesichts dieser Sachlage keine Veranlassung besteht, vorliegend  die  Regelvermutung  in  Frage  zu  stellen,  wonach  sich  Italien  an  die  massgebenden  völkerrechtlichen  Bestimmungen,  insbesondere  an  das  Rückschiebungsverbot  oder  die  einschlägigen  Normen  der  EMRK  und  der FoK, hält (vgl. BVGE 2010/45 E. 7.5. und 7.7.), dass  es  dem  Beschwerdeführer  demnach  nicht  gelungen  ist,  eine  einzelfallspezifische  besondere  Verletzlichkeit  nachzuweisen,  aufgrund  derer  geschlossen  werden  könnte,  ihm  drohe  in  Italien  eine  unmenschliche Behandlung im Sinne von Art. 3 EMRK, dass  für  den  Fall,  dass  der  Beschwerdeführer  aufgrund  der  Aufenthaltsbedingungen  tatsächlich  nicht  in  der  Lage  gewesen  sein  sollte, in Italien ein menschenwürdiges Leben zu führen respektive er sich  nach  seiner  zweiten  Überstellung  am  (…)  mit  einer  Ausweisungsverfügung der italienischen Behörden konfrontiert sah, es an  ihm liegen wird, seine Rechte bei den  italienischen Behörden respektive  beim Europäischen Gerichtshof oder beim Europäischen Gerichtshof  für  Menschenrechte geltend zu machen (vgl. BVGE 2010/45 E. 7.6.4), dass nach Kenntnis des Bundesverwaltungsgerichts Dublin­Rückkehren­ de  bevorzugt  behandelt  werden  und  sich  –  neben  den  staatlichen  Strukturen  –  auch  zahlreiche  private  Hilfsorganisationen  der  Betreuung  von Asylsuchenden und Flüchtlingen annehmen, dass  sich  angesichts  dieser  Sachlage  der  Vollzug  der Wegweisung  als  zulässig erweist (Art. 83 Abs. 3 AuG), dass des Weiteren der Beschwerdeführer darüber hinaus nichts vorbringt,  was  das  BFM  hätte  veranlassen  können,  aus  humanitären  Gründen  (Art. 29a Abs. 3 AsylV 1) auf sein Asylgesuch einzutreten, dass zum nicht weiter belegten Hinweis  in der Eingabe vom 3. Februar  2012,  der  Beschwerdeführer  sei  gleichentags  in  (…)  verlegt  worden, 

E­631/2012 festzuhalten  ist,  dass  (…)  Probleme  auch  in  Italien  behandelt  werden  können, dass das BFM angesichts dieses Hinweises nachdrücklich anzuhalten ist,  gegebenenfalls entsprechende Vorkehren zu treffen und die italienischen  Behörden  so  frühzeitig  zu  informieren,  dass  auch  diese  geeignete  Massnahmen treffen können, dass  im Rahmen einer Gesamtabwägung aller  relevanten Umstände  im  konkreten  Einzelfall  auch  sonst  keine  Gründe  ersichtlich  sind,  die  eine  Wegweisung  aus  humanitärer  Sicht  als  unangemessen  erscheinen  lassen (vgl. BVGE 2011/9), dass  das  vorliegende  Urteil  in  Übereinstimmung  mit  der  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts zum Wegweisungsvollzug nach Italien ergeht  (vgl. BVGE 2010/45, Urteile des Bundesverwaltungsgerichts D­375/2012  vom 27. Januar 2012, E­6669/2009 vom 8. Dezember und E­6448/2011  vom 7. Dezember 2011), dass angesichts dieser Sachlage die Beweisanträge (s. S. 4 vorstehend)  abzuweisen  sind  und  sich  eine  Auseinandersetzung  mit  den  weiteren  Ausführungen  in  der  Beschwerde  sowie  den  zusätzlich  eingereichten  Dokumenten  erübrigt,  weil  diese  nicht  geeignet  sind,  zu  einer  anderen  Beurteilung zu gelangen, dass  zusammenfassend  festzustellen  ist,  dass  einer  Überstellung  des  Beschwerdeführers  weder  völkerrechtliche  Verpflichtungen  der  Schweiz  noch  humanitäre  Gründe  entgegenstehen,  weshalb  die  Souveränitätsklausel  (Art.  3  Abs.  2  Dublin­II­VO)  nicht  zur  Anwendung  gelangt und folglich das BFM zu Recht in Anwendung von Art. 34 Abs. 2  Bst. d AsylG auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist, dass das Nichteintreten auf ein Asylgesuch in der Regel die Wegweisung  aus  der  Schweiz  zur  Folge  hat  (Art. 44  Abs. 1  AsylG),  vorliegend  der  Kanton keine Aufenthaltsbewilligung erteilt hat und zudem kein Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen  besteht  (vgl.  BVGE  2009/50  E.  9.  S.  733),  weshalb  die  verfügte  Wegweisung  nach  Italien  im  Einklang  mit  den  gesetzlichen  Bestimmungen  steht  und  demnach  vom  Bundesamt  zu  Recht angeordnet wurde, dass  in  Verfahren  nach  Art.  34  Abs.  2  Bst.  d  AsylG  die  Frage  der  Durchführbarkeit  des Wegweisungsvollzugs  bereits  Voraussetzung  (und 

E­631/2012 nicht  erst  Regelfolge)  des  Nichteintretensentscheides  ist  (vgl.  BVGE  2010/45 E. 10.2), dass  deshalb  allfällige  völkerrechtliche  und  humanitäre  Vollzugshindernisse vor der Prüfung des Nichteintretens im Rahmen der  Anwendung der sogenannten Souveränitätsklausel (Art. 3 Abs. 2 Dublin­ II­VO)  oder  gegebenenfalls  –  wenn  sich  Familienmitglieder  in  verschiedenen  Dublin­Mitgliedstaaten  befinden  und  zusammengeführt  werden  sollen  –  bei  der  Ausübung  der  Humanitären  Klausel  (Art. 15  Dublin­II­VO) zu prüfen sind, weshalb kein Raum für Ersatzmassnahmen  im Sinne von Art. 44 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 83 Abs. 1 ­ 4 AuG besteht, dass nach dem Gesagten der vom Bundesamt verfügte Vollzug der Weg­ weisung zu bestätigen ist, dass  es  dem  Beschwerdeführer  demnach  nicht  gelungen  ist  darzutun,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den  rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig  feststellt oder  unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen  ist, soweit darauf einzutreten ist, dass mit dem Entscheid  in der Hauptsache ohne vorgängige  Instruktion  die Anträge auf Erteilung der aufschiebenden Wirkung (der Beschwerde)  und auf Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses hinfällig wer­ den, dass  sich  die  Beschwerde  aufgrund  der  vorstehenden  Erwägungen  als  aussichtslos  erweist,  weshalb  die  Anträge  auf  Erlass  der  Verfahrenskosten  (Art.  65  Abs.  1  VwVG)  und  auf  Gewährung  der  unentgeltlichen Rechtsverbeiständung (Art. 65 Abs. 2 VwVG) unbesehen  der  allenfalls  bestehenden  prozessualen  Bedürftigkeit  abzuweisen  sind  und  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr.  600.­  (Art. 1 – 3  des Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 173.320.2]) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1  VwVG). (Dispositiv nächste Seite)

E­631/2012 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 2.  Das BFM wird angewiesen, dafür zu sorgen, dass die Vollzugsbehörden  in der Schweiz und die  italienischen Behörden auf die aktuelle Situation  des Beschwerdeführers aufmerksam gemacht werden. 3.  Die  Anträge  auf  Erlass  der  Verfahrenskosten  und  auf  Gewährung  der  unentgeltlichen Rechtsverbeiständung werden abgewiesen. 4.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.­  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 5.  Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und (…). Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Bruno Huber Peter Jaggi Versand:

E-631/2012 — Bundesverwaltungsgericht 08.02.2012 E-631/2012 — Swissrulings