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Bundesverwaltungsgericht 27.12.2011 E-6157/2011

27. Dezember 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,782 Wörter·~9 min·5

Zusammenfassung

Nichteintreten auf Asylgesuch (Papierlosigkeit) und Wegweisung | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 3. November 2011 / N

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung V E­6157/2011 Urteil   v om   2 7 .   D e z embe r   2011 Besetzung Einzelrichter Markus König, mit Zustimmung von Richter Bendicht Tellenbach;   Gerichtsschreiber Urs David. Parteien A._______, B._______, C._______, Armenien,   alle vertreten durch D._______, Asylhilfe Bern, (…),  Beschwerdeführende,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 3. November 2011 / N (…).

E­6157/2011 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass  die  Beschwerdeführenden  eigenen  Angaben  zufolge  am  25.  Mai  2011 ihren Heimatstaat verlassen hätten, am 30. Mai 2011 in die Schweiz  eingereist seien und gleichentags um Asyl nachsuchten, dass  sie  anlässlich  der  Kurzbefragungen  vom  14.  Juni  2011  im  Empfangs­ und Verfahrenszentrum Kreuzlingen und der Anhörungen zu  den  Asylgründen  vom  24. August  2011  im  Wesentlichen  Folgendes  geltend machten, dass  der  Beschwerdeführer  "Mitläufer"  der  "Nationalarmenischen  Bewegung" sei, beruflich  jedoch nebst seiner Anstellung  im (…) als  (…)  und (…) für E._______. – Stabschef von (…) – und dessen Familie tätig  gewesen sei, dass  der  Stabschef  des  (…)  und  gleichzeitig  (…)  der  "Nationalen  Sicherheit",  F._______,  im  August  2008  eine  gewaltsame  Auseinandersetzung  am  Flughafen  Jerewan  inszeniert  und  damit  die  Verhaftung von E._______ provoziert  habe, woraufhin  letzterer  zu einer  fünfjährigen Freiheitsstrafe verurteilt worden sei, dass er (Beschwerdeführer) sich fortan um die Familie seines inhaftierten  Chefs gekümmert und dadurch den Unmut der Yerkrapah – dabei handle  es  sich  um  eine  Behörde  beziehungsweise  eine  regierungsnahe  Institution beziehungsweise die "Nationale Sicherheit" – auf sich gezogen  habe,  deren  Anhänger  ihn  zusammengeschlagen  und  mit  dem  Tode  bedroht hätten, dass  er  aufgrund  dieser  Bedrohungssituation  im  Mai  2010  zu  seiner  Schwester  nach  Jerewan  umgezogen,  im  Dezember  2010  aber  erneut  mehrmals von Yerkrapah­Leuten zusammengeschlagen, bedroht und zur  Zahlung eines angeblich geschuldeten Geldbetrags  von 9000 US­Dollar  bis  zum  1.  April  2011  aufgefordert  worden  sei,  verbunden  mit  der  Androhung, dass im Unterlassungsfall seine Familie entführt würde, dass er rund zwei Monate vor Fristablauf die Bezirkspolizei eingeschaltet  habe,  welche  ihm  jedoch  ihre  Unfähigkeit  zur  Schutzgewährung  kundgetan habe,

E­6157/2011 dass  er  im  März  2011  anlässlich  einer  gegen  Präsident  Sarkisyan  gerichteten  Kundgebung  festgenommen  und  während  dreier  Tage  auf  dem Polizeiposten festgehalten worden sei, dass  die  Beschwerdeführerin  und  der  gemeinsame  Sohn  ebenfalls  Belästigungen  durch  Unbekannte  im  Zusammenhang  mit  den  Asylgründen  des Beschwerdeführers  erwähnten,  im Übrigen  aber  keine  eigenen Fluchtgründe geltend machten, dass  die  Beschwerdeführerin  auf  eine  psychische  Belastung  im  Heimatstaat  aufgrund der  dortigen Bedrohungslage der Familie  und der  Beschwerdeführer  auf  eine  durch  seine  Widersacher  lädierte  Schulter  und  einen  im  Frühling  2010  erlittenen  Herzinfarkt  beziehungsweise  Schlaganfall aufmerksam machte,  dass die ganze Familie Georgien am 25. Mai 2011 verlassen habe und  über  Russland  und  weitere  unbekannte  Länder  illegal  in  die  Schweiz  gelangt sei, dass  sie  hierzu  die  Dienste  eines  Schleppers  in  Anspruch  genommen  hätten,  welcher  ihnen  ihre  Reisepässe  nach  dem  Grenzübertritt  in  die  Schweiz abgenommen habe, dass der Beschwerdeführer im Übrigen auch der Familie von E._______  zur Flucht verholfen habe und sie gemeinsam gereist seien, dass  die  Beschwerdeführenden  als  Beweismittel  Geburtsscheine,  Schulzeugnisse  und  ein  Arbeitsbüchlein  betreffend  die  zweit­  und  dritt­ rubrizierten  Beschwerdeführenden  sowie  ein  Arztzeugnis  (offenbar  betreffend  den  vom  Beschwerdeführer  erlittenen  und  behandelten  Herzinfarkt) zu den Akten gaben, dass  sie  hingegen  keine  rechtsgenüglichen  Identitätsdokumente  beibrachten  und  einer  am  30.  Mai  2011  ergangenen  schriftlichen  Aufforderung zur Papierbeschaffung  innert 48 Stunden – mit Nachdruck  erneuert  anlässlich  der  Kurzbefragungen  und  der  Anhörungen  zu  den  Asylgründen – nicht nachgekommen sind, dass  sie  zur  Erklärung  geltend  machten,  zum  Beweis  ihrer  Identität  einstweilen  nur  noch  über  die  abgegebenen  Identitätsdokumente  zu  verfügen,  der Beschwerdeführer  jedoch  seinen bei  der  (…) befindlichen  Führerausweis beschaffen werde,

E­6157/2011 dass das Bundesamt mit Verfügung vom 3. November 2011 – eröffnet am  5.  November  2011  –  auf  die  Asylgesuche  der  Beschwerdeführenden  gestützt  auf  Art.  32 Abs.  2  Bst.  a  des Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG, SR 142.31) nicht eintrat und deren Wegweisung aus der Schweiz  sowie den Vollzug anordnete, dass  es  zur  Begründung  seines  Nichteintretensentscheides  im  Wesentlichen  anführte,  die  Beschwerdeführenden  hätten  den  Behörden  trotz  Aufforderung  innert  48  Stunden  keine  Identitätsdokumente  eingereicht  und  hierfür  keine  entschuldbaren  Gründe  glaubhaft  zu  machen vermocht, dass  es  sich  bei  den  abgegebenen  Dokumenten  nicht  um  rechtsgenügliche Reise­ oder Identitätspapiere  im Sinne von Art. 1 Bstn.  b  und  c  der  Asylverordnung 1  vom  11. August  1999  über  Verfahrensfragen (AsylV 1, SR 142.311) und der Gerichtspraxis handle, dass  die  Erklärungen  der  Beschwerdeführenden  zu  den  fehlenden  Identitätsdokumenten  (insb.  Abgabe  der Reisepässe  an  den Schlepper)  und die  in diesem Zusammenhang sowie betreffend die Reiseumstände  gemachten  Aussagen  stereotyp,  unsubstanziiert  und  undifferenziert  ausgefallen seien und die Beschwerdeführenden offensichtlich die  ihnen  obliegende Mitwirkungspflicht  verletzten,  zumal  sie  sich  in  keiner Weise  um den Erhalt von Identitätspapieren bemühen würden, dass die Verfolgungsvorbringen ferner den Anforderungen gemäss Art. 3  und  7  AsylG  an  das  Glaubhaftmachen  eines  flüchtlingsrechtlich  beachtlichen Sachverhalts offensichtlich nicht genügen würden, dass  die  Asylvorbringen  der  Beschwerdeführenden  eng  mit  der  Verfolgungsgeschichte von E._______ verknüpft sei,  dass der  in die Schweiz nachgereiste E._______ und dessen zuvor mit  den Beschwerdeführenden eingereiste Familie  (N  […])  ihre Asylgesuche  am  (…)  August  2011  zwecks  Rückkehr  nach  Armenien  zurückgezogen  hätten  und  am  (…)  August  kontrolliert  ausgereist  seien,  womit  eine  aktuelle  asylrelevante  Verfolgung  der  Beschwerdeführenden  auszuschliessen  sei,  sofern  eine  solche  überhaupt  jemals  bestanden  hätte, dass  daneben  die  Verfolgungsvorbringen  der  Beschwerdeführenden  angesichts  der  politischen  Verbundenheiten  und  Feindseligkeiten 

E­6157/2011 realitätsfremd  und  unwahrscheinlich  seien,  ferner  in  verschiedener  Hinsicht  unsubstanziiert  und  nicht  logisch  nachvollziehbar  erschienen  (chronologische  Einordnung;  Verhalten  der  Yerkrapah­Leute  und  des  Beschwerdeführers selber, insbesondere dessen langes Zuwarten mit der  Ausreise  und  die  Investition  von  9000 US­Dollar  für  die Reise  statt  zur  Begleichung  der  angeblichen  Schuld  und  mithin  Eliminierung  des  Verfolgungsgrundes), dass  ferner  Ungereimtheiten  zwischen  den  Aussagen  der  Beschwerdeführenden  (insb.  Zeitpunkt  der  ersten  Suche  der  Yerkrapah  nach  dem  Beschwerdeführer)  die  erkannten  Glaubhaftigkeitszweifel  erhärten würden, dass  das  eingereichte  Arztzeugnis,  welches  allenfalls  eine  ärztliche  Behandlung  des  Beschwerdeführers,  nicht  aber  eine  Gefährdungssituation belege, an diesen Einschätzungen nichts zu ändern  vermöge, dass  die  Beschwerdeführenden  daher  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht  erfüllen  würden  und  zusätzliche  Abklärungen  zur  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  oder  eines  Wegweisungsvollzugshindernisses  nicht erforderlich seien, dass  die  Wegweisung  die  Regelfolge  eines  Nichteintretensentscheides  darstelle  und  keine  Gründe  ersichtlich  seien,  die  auf  Unzulässigkeit,  Unzumutbarkeit  oder  Unmöglichkeit  eines  Wegweisungsvollzuges  schliessen  lassen  könnten,  zumal  mangels  Erfüllung  der  Flüchtlingseigenschaft der Grundsatz der Nichtrückschiebung nach Art. 5  Abs. 1 AsylG nicht  zur Anwendung gelange, den Beschwerdeführenden  im Heimatstaat keine durch Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR  0.101) verbotene Strafe oder Behandlung drohe und weder die politische  Situation  in  Armenien  noch  andere  Gründe  gegen  die  Zumutbarkeit  sprächen,  dass  den  Beschwerdeführenden  in  ihrer  Heimat  im Übrigen  hinsichtlich  allfälliger  gesundheitlicher  Probleme  Behandlungsmöglichkeiten  zur  Verfügung stünden, dass  die  Beschwerdeführenden  mit  Eingabe  vom  10.  November  2011  gegen  diesen  Entscheid  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  erhoben  und  dabei  die  Aufhebung  der  vorinstanzlichen  Verfügung,  die 

E­6157/2011 Rückweisung  der  Sache  an  das  BFM  zur materiellen  Prüfung  sowie  in  prozessualer  Hinsicht  die  unentgeltliche  Prozessführung  für  die  Verfahrenskosten  inklusive  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses beantragen, dass sie in der Begründung zunächst hinsichtlich der ihnen vorgehaltenen  Papierlosigkeit  in  bekräftigender Weise  auf  die  von  ihnen  abgegebenen  Dokumente  verweisen  und  ferner  erwähnen,  der  in  Aussicht  gestellte  Führerausweis  könne nicht  beschafft werden,  da der Ehemann der  (…)  des  Beschwerdeführers  unerwartet  und  aus  unerklärlichen  Gründen  gestorben sei und die (…) nun den Führerausweis nicht mehr finde, dass im Weiteren die Feststellung der Vorinstanz, wonach E._______ mit  seiner  Familie  nach  Armenien  zurückgekehrt  sei,  nicht  zutreffe,  denn  diese  hätten  mittels  Schmiergeldzahlungen  ein  "Laissez­Passer"  durch  die armenische Botschaft  in der Schweiz  für die Ausreise nach Moskau  erhältlich machen können, wo sie nun indessen ebenfalls gefährdet seien  und deshalb die erneute Flucht in die Schweiz beabsichtigen würden, dass ferner die Asylgründe des Beschwerdeführers nicht einzig auf seiner  Beziehung  zu  E._______  beruhen  würden  und  das  BFM  bei  seiner  Feststellung  der  angeblichen  Realitätsfremdheit  seiner  Angaben  die  in  Armenien  verbreitete  Korruption,  behördlichen  Machtmissbräuche  und  exzessive  Gewalt  verkenne,  in  welchem  Klima  die  vorliegenden  Schilderungen sehr wohl vorstellbar und realistisch seien, dass  die  Beschwerdeführenden  ihre  Gefährdung  in  Armenien  und  ihre  fehlende Aussicht auf staatliche Schutzgewährung bekräftigen, dass  somit  ausreichend  Hinweise  auf  Verfolgung  bestünden,  die  offensichtlich nicht haltlos seien, dass sie schliesslich auf den "sehr schlechten psychischen Zustand" ihres  Kindes  aufmerksam  machen,  zumal  es  schon  Selbstmorddrohungen  ausgesprochen  habe  und  eine  Zuweisung  in  eine  psychiatrische  Klinik  nicht auszuschliessen sei, dass  zudem  der  Beschwerdeführer  einen  Herzinfarkt  erlitten  habe  und  sich ebenfalls in medizinischer Behandlung befinde,

E­6157/2011 dass  somit  weiterer  Abklärungsbedarf  bestehe  und  im  Übrigen  der  Nichteintretensentscheid ohnehin viel  zu spät,  jedenfalls nicht  innert der  gesetzlichen 20­tägigen Behandlungsfrist ergangen sei, dass  die  vorinstanzlichen  Akten  am  15.  November  2011  beim  Bundesverwaltungsgericht eintrafen (Art. 109 Abs. 2 AsylG),  dass  der  Instruktionsrichter  mit  Zwischenverfügung  vom  21.  November  2011  den  legalen  Aufenthalt  der  Beschwerdeführenden  während  des  Beschwerdeverfahrens  feststellte,  die  Gesuche  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  und  um  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  unter  Hinweis  auf  die  Aussichtslosigkeit  der  Beschwerde  abwies  und  von  den  Beschwerdeführenden  einen  Kostenvorschuss  von  Fr. 600.­­,  zahlbar  bis  zum  1.  Dezember  2011,  einforderte, dass  der  Kostenvorschuss  am  30.  November  2011  vollumfänglich  geleistet wurde, und erwägt, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig  über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 des Bundesgesetzes vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR  172.021])  des  BFM  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  AsylG  i. V. m.  Art. 31­33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG nicht  vorliegt, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet, dass  die  Beschwerdeführenden  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen  haben,  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  sind,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung  haben  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde legitimiert sind (Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG),

E­6157/2011 dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  einzutreten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52 VwVG), dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass  bei  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide,  mit  denen  es  das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu  überprüfen  (Art. 32­35a  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der  Beschwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die  Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist, dass  sich  demnach  die  Beschwerdeinstanz  – sofern  sie  den  Nichteintretensentscheid  als  unrechtmässig  erachtet –  einer  selbstständigen materiellen Prüfung enthält, die angefochtene Verfügung  aufhebt  und  die  Sache  zu  neuer  Entscheidung  an  die  Vorinstanz  zurückweist  (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen  Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1. S. 240 f.), dass  indessen  im Falle  des Nichteintretens  auf  ein Asylgesuch gemäss  Art.  32  Abs.  2  Bst.  a  und  Abs.  3  AsylG  über  das  Nichtbestehen  der  Flüchtlingseigenschaft abschliessend materiell zu entscheiden ist, soweit  dies  im  Rahmen  einer  summarischen  Prüfung  möglich  ist  (vgl.  BVGE  2007/8 insb. E. 5.6.5 S. 90 f.), dass  dementsprechend  in  einem  diesbezüglichen  Beschwerdeverfahren  ungeachtet  der  vorzunehmenden  Überprüfung  eines  formellen  Nichteintretensentscheides  auch  die  Flüchtlingseigenschaft  Prozessgegenstand bildet (vgl. BVGE 2007/8 E. 2.1 S. 73), dass  die  Vorinstanz  die  Frage  der  Wegweisung  und  des  Vollzugs  materiell  prüft,  weshalb  dem  Bundesverwaltungsgericht  diesbezüglich  volle Kognition zukommt, dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise  einer  zweiten Richterin  entschieden wird  (Art. 111 Bst. e AsylG)  und  es  sich  vorliegend,  wie  nachfolgend  aufgezeigt,  um  eine  solche  handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu  begründen  ist  (Art. 111a Abs. 2 AsylG),

E­6157/2011 dass  gestützt  auf  Art. 111a  Abs. 1  AsylG  vorliegend  auf  einen  Schriftenwechsel verzichtet wurde, dass die erstinstanzliche Behandlungsfrist gemäss Art. 37 Abs. 1 AsylG  im  Falle  von  Nichteintretensentscheiden  zehn  Tage  (statt  wie  von  den  Beschwerdeführenden behauptet zwanzig Tage) beträgt, dass  die  Nichteinhaltung  dieser  Ordnungsfrist  aber  nicht  eine  Eintretenspflicht bewirkt und mithin keinen Kassationsgrund darstellt und  – mangels offensichtlicher Unverhältnismässigkeit – vorliegend auch nicht  Anlass  besteht,  die  Vorinstanz  zur  Ansetzung  einer  neuen Ausreisefrist  anzuweisen  (vgl.  zum  Ganzen  EMARK  2004  Nr.  27  E.  5  und  EMARK  2002 Nr. 15 E. 5.d, je mit weiteren Hinweisen), dass auf ein Asylgesuch nicht eingetreten wird, wenn Asylsuchende den  Behörden nicht innerhalb von 48 Stunden nach Einreichung des Gesuchs  Reise­ oder Identitätspapiere abgeben (Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG), dass  diese  Bestimmung  jedoch  keine  Anwendung  findet,  wenn  Asylsuchende  glaubhaft  machen  können,  sie  seien  dazu  aus  entschuldbaren Gründen nicht  in der Lage (Art. 32 Abs. 3 Bst. a AsylG),  auf  Grund  der  Anhörung  sowie  gestützt  auf  Art.  3  und  7  AsylG  die  Flüchtlingseigenschaft festgestellt wird (Art. 32 Abs. 3 Bst. b AsylG) oder  sich auf Grund der Anhörung erweist, dass zusätzliche Abklärungen zur  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  oder  eines  Wegweisungsvollzugshindernisses  nötig  sind  (Art.  32  Abs.  3  Bst.  c  AsylG),  dass, wie von der Vorinstanz zurecht erkannt, die Beschwerdeführenden  innert 48 Stunden – und im Übrigen bis heute – keine rechtsgenüglichen  Identitätsdokumente  eingereicht  haben,  offensichtlich  auch  keine  entsprechenden  Bemühungen  unternommen  haben  und  für  das  Nichteinreichen von Reise­ oder Identitätspapieren keine entschuldbaren  Gründe vorzulegen vermochten und vermögen,  dass  zwecks  Vermeidung  von  Wiederholungen  auf  vorstehende  zusammenfassende  Darlegung  dieser  Erwägungen  sowie  im  Detail  auf  die angefochtene Verfügung und  im Übrigen auf die Zwischenverfügung  vom 21. November 2011  (dort S. 3) verwiesen werden kann,  in welcher  der  Instruktionsrichter  erwogen  hatte,  dass  "die  nunmehr  als  Entschuldigung  für  die Papierlosigkeit  angeführte Behauptung,  dass der  Ehemann der (…) des Beschwerdeführers 'unerwartet gestorben' sei und 

E­6157/2011 deshalb  der  Führerausweis  nicht  beschafft  werden  könne,  unbesehen  ihres  Wahrheitsgehalts  jedenfalls  nichts  an  der  Feststellung  zu  ändern  vermögen scheint, dass die gesetzliche 48­Stunden­Frist abgelaufen und  das  fragliche Dokument als solches praxisgemäss nicht  rechtsgenüglich  ist", dass  diese  neuen  Erklärungsversuche  im  Gegenteil  die  vorinstanzliche  Erkenntnis  einer  wissentlichen  und  willentlichen  Missachtung  der  den  Beschwerdeführenden obliegenden Mitwirkungspflicht  (vgl. Art.  8 Abs. 1  insb. Bstn. a und b AsylG) stützen, dass  die  Beschwerdeführenden  somit  nicht  glaubhaft  darzulegen  vermögen, sie seien durch nicht selbst zu verantwortende Umstände an  der  unverzüglichen  Einreichung  von  Reise­  oder  Identitätspapieren  im  Sinne von Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG gehindert worden (Art. 32 Abs. 3  Bst. a AsylG), dass sich aus den weiteren Erwägungen in der angefochtenen Verfügung  – auf  welche  zwecks  Vermeidung  von  Wiederholungen  wiederum  verwiesen  werden  kann  –  ergibt,  dass  die  Beschwerdeführenden  die  Flüchtlingseigenschaft  infolge  Haltlosigkeit  der  Vorbringen  offensichtlich  nicht erfüllen, dass  die  in  der  Beschwerde  im  Zusammenhang  mit  der  Prüfung  der  Flüchtlingseigenschaft  und  deren  Glaubhaftmachung  angeführten  Gegenargumente  in der vorgelegten Form offensichtlich nicht  stichhaltig  sind,  sondern  –  zusammen  mit  der  gegenüber  den  Anhörungen  augenfällig  modifizierten  Sachverhaltswiedergabe  (vgl.  Ziffer  B  II/1  der  Beschwerde) – weitere Unstimmigkeiten zu Tage fördern, dass  im Übrigen  die  Angaben  betreffend  die Rückkehr  der  Familie  von  E._______,  wie  eine  Konsultation  der  betreffenden  Verfahrensakten  ergibt,  nicht  korrekt  zu  sein  scheinen,  zumal  aus  diesen  eine  in  jeder  Hinsicht  freiwillige,  eindeutig  auf  das  Zielland  Armenien  gerichtete  und  reisepapiertechnisch  vom  BFM  abgewickelte  Ausreise  besagter  Familie  hervorgeht, dass  sich  die  Beschwerde  im  Übrigen  mit  den  Glaubhaftigkeitserwägungen  der  Vorinstanz  nicht  substanziell  befasst,  sondern  sich  auf  die  blosse  und als  solche  nicht  verwertbare Erklärung  korrupter  und  von Machtmissbrauch  und Gewalt  geprägter  Verhältnisse  im Heimatland beschränkt,

E­6157/2011 dass  kein  Anlass  zur  Vornahme  zusätzlicher  Abklärungen  zur  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  oder  eines  Wegweisungsvollzugshindernisses noch gar zur direkten Feststellung der  Flüchtlingseigenschaft  besteht  (Art. 32 Abs. 3 Bst.  b und c AsylG sowie  BVGE 2007/8 E. 2.1), dass das BFM demnach  in Anwendung von Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG  zu  Recht  auf  die  Asylgesuche  der  Beschwerdeführenden  nicht  eingetreten ist,  dass  die  Ablehnung  eines  Asylgesuchs  oder  das Nichteintreten  auf  ein  Asylgesuch in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge hat  (Art. 44  Abs. 1  AsylG),  vorliegend  der  Kanton  keine  Aufenthaltsbewilligung erteilt hat und zudem kein Anspruch auf Erteilung  einer  solchen  besteht  (vgl.  EMARK 2001  Nr. 21),  weshalb  die  verfügte  Wegweisung  im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen steht und  demnach vom Bundesamt zu Recht angeordnet wurde, dass das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  regelt,  wenn  der  Vollzug  der Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar  oder  nicht  möglich  ist  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember  2005  über  die Ausländerinnen  und  Ausländer [AuG, SR 142.20]), dass  bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  seiner  Vorgängerorganisation  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft  gilt,  das  heisst,  sie  sind  zu  beweisen,  wenn  der  strikte  Beweis  möglich  ist  und  andernfalls  wenigstens  glaubhaft  zu  machen (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl,  in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser  [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148), dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zulässig  ist,  wenn  völkerrechtliche  Verpflichtungen  der  Schweiz  einer  Weiterreise  der  Ausländerin oder des Ausländers  in den Heimat­, Herkunfts­ oder einen  Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG), dass  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen werden darf, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus  einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden 

E­6157/2011 (Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom  28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]), dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  vorliegend  in  Beachtung  dieser  massgeblichen völker­ und landesrechtlichen Bestimmungen zulässig ist,  da  es  den  Beschwerdeführenden  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung  nachzuweisen  oder  glaubhaft  zu  machen,  weshalb das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen  Non­Refoulement  im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  findet  und keine Anhaltspunkte für eine menschenrechtswidrige Behandlung im  Sinne  von  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101),  von  Art. 3  des  Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK ersichtlich sind, die den  Beschwerdeführenden im Heimat­ oder Herkunftsland droht, dass sich der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer als unzumutbar  erweist,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer  Notlage konkret gefährdet sind (Art. 83 Abs. 4 AuG), dass weder  die  allgemeine  Lage  in  Armenien  noch  individuelle Gründe  auf eine konkrete Gefährdung im Falle einer Rückkehr schliessen lassen,  zumal  die  Beschwerdeführenden  über  Berufsausbildungen  und  –erfahrungen  sowie  ein  soziales,  insbesondere  auch  verwandtschaftliches Beziehungsnetz in Armenien verfügen, dass,  wie  bereits  das  BFM,  auch  das  Bundesverwaltungsgericht  keine  medizinisch  begründete  Notlage  erkennt,  da  die  gesundheitlichen  Probleme  der  Beschwerde  führenden  Elternteile  bereits  in  der  Heimat  bestanden  und  dort  –  soweit  die  beiden  überhaupt  ein  medizinisches  Behandlungsbedürfnis  zeigten – ärztlich behandelt wurden, womit  ihnen  die  Inanspruchnahme  der  durchaus  vorhandenen  medizinischen  Behandlungsmöglichkeiten und Infrastruktur im Bedarfsfall auch weiterhin  zuzumuten ist, dass sich der Herzinfarkt  des Beschwerdeführers  in dessen Heimatland  ereignet  hat,  dort  medizinisch  behandelt  werden  konnte  (vgl.  A13  F 109 ff.)  und  er  aus  diesem  Umstand  bis  zur  Beschwerdeeinreichung  keinerlei Vollzugshindernis abgeleitet hatte,

E­6157/2011 dass auch der angeblich sehr schlechte psychische Zustand des Sohnes  bis zum  jetzigen Zeitpunkt nicht  thematisiert worden  ist und ebenfalls  in  keiner Weise substanziiert oder durch Beweismittel belegt worden ist, dass  zudem  die  bloss  vage  Andeutung,  wonach  eine  dereinstige  Klinikeinweisung des Sohnes nicht auszuschliessen sei, auf keine akute  und  gravierende  Beeinträchtigung  des  Gesundheitszustandes  hindeutet  und eine entsprechende medizinische Behandlung im Bedarfsfall auch in  Armenien durchführbar wäre,  dass  die  durch  eine  spezialisierte  Juristin  vertretenen  Beschwerdeführenden  sich  bezeichnenderweise  auch  im  Beschwerdeverfahren  nicht  veranlasst  sahen,  die  angeblichen  gesundheitlichen  Vollzugshindernisse  zu  substanziieren  oder  zumindest  ansatzweise zu belegen (vgl. diesbezüglich auch BVGE 2009/50 E. 10), dass deshalb der Vollzug der Wegweisung vorliegend zumutbar ist, dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  den  Beschwerdeführenden  in  den  Heimatstaat  schliesslich  möglich  ist,  da  keine  Vollzugshindernisse  bestehen (Art. 83 Abs. 2 AuG), und es ihnen obliegt, bei der Beschaffung  gültiger  Reisepapiere  mitzuwirken  (vgl.  Art. 8  Abs. 4  AsylG  und  dazu  auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513­515), dass  nach  dem  Gesagten  der  vom  Bundesamt  verfügte  Vollzug  der  Wegweisung zu bestätigen ist, dass es den Beschwerdeführenden demnach nicht gelungen ist darzutun,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletze,  den  rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig feststelle oder  unangemessen  sei  (Art. 106  AsylG),  weshalb  die  Beschwerde  abzuweisen ist, dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr.  600.­­  (Art. 1­3  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2])  den  Beschwerdeführenden  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  VwVG) und mit dem am 30. November 2011 geleisteten Kostenvorschuss  in gleicher Höhe zu verrechnen sind.

E­6157/2011 (Dispositiv nächste Seite)

E­6157/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.   Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.­­  werden  den  Beschwerdeführenden  auferlegt.  Sie  sind  durch  den  am  30.  November  2011  geleisteten  Kostenvorschuss  in  gleicher  Höhe  gedeckt  und  werden  mit  diesem  verrechnet. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  das  BFM  und  die  kantonale Migrationsbehörde. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Markus König Urs David Versand:

E-6157/2011 — Bundesverwaltungsgericht 27.12.2011 E-6157/2011 — Swissrulings