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Bundesverwaltungsgericht 10.08.2011 E-6153/2007

10. August 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,167 Wörter·~11 min·3

Zusammenfassung

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung vom 14. August 2007

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung V E­6153/2007 Urteil   v om     1 0 .   Augus t   2011 Besetzung Richterin Muriel Beck Kadima (Vorsitz), Richterin Contessina Theis, Richter Jean­Pierre Monnet,    Gerichtsschreiberin Stella Boleki. Parteien A._______, geboren am (…), Serbien, B._______, geboren am (…), C._______, geboren am (…), D._______, geboren am (…), E._______, geboren am (…), F._______, geboren am (…), G._______, geboren am (…), H._______, geboren am (…), (alle) Polen, alle vertreten durch Gabriel Püntener, Rechtsanwalt, (…),  Beschwerdeführende,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung vom 14. August 2007 / N  (…).

E­6153/2007 Sachverhalt: A.  Am  14.  Februar  2007  ersuchten  die  Beschwerdeführenden  in  der  Schweiz um Asyl und machten im Wesentlichen anlässlich der Anhörung  geltend,  sie  seien  wegen  der  ethnischen  Volkszugehörigkeit  des  Beschwerdeführers  zu  den  Roma  an  ihrem Wohnsitz  in  I._______  von  der  serbischen  Bevölkerung  fortwährend  diskriminiert  worden.  Der  Beschwerdeführer  stamme  aus  J._______  (I._______),  die  Beschwerdeführerin sei polnische Staatsangehörige. Seit  ihrer Heirat  im  Jahr  1992  hätten  sie  in  J._______  gelebt,  da  die  Beschwerdeführerin  nach  der  Heirat  wegen  der  Ethnie  des  Beschwerdeführers  von  ihrer  Familie  verstossen  worden  sei.  Zu  den  Asylgründen  führte  der  Beschwerdeführer  insbesondere  aus,  er  sei  im  Juni  2006  auf  dem  Heimweg von vier Männern als Zigeuner beschimpft worden, zwei davon  seien mit Messern bewaffnet gewesen und hätten von ihm Geld verlangt.  Weil  er  aber  keines  gehabt  habe,  sei  er  zusammengeschlagen  und mit  Füssen  getreten  worden,  bis  er  ohnmächtig  geworden  sei.  Deswegen  habe er auch  ins Spital gebracht werden müssen. Den Vorfall wie auch  spätere  Morddrohungen  habe  er  bei  der  Polizei  gemeldet.  Zum  Vorfall  habe  ihn  die  Polizei  befragt,  bei  den  späteren  Meldungen  sei  er  von  dieser nur beruhigt worden, doch etwas dagegen unternommen habe sie  nicht,  da  er  nur  ein  Zigeuner  sei.  Einen Monat  vor  der  Ausreise  hätten  dieselben Personen von ihm 5000 Euro verlangt, worauf seine Frau und  er Angst bekommen und entschieden hätten, aus Serbien auszureisen.  Auf  Vorhalt  hin  bestätigten  die  Beschwerdeführenden,  von  Dezember  1995 bis im Jahre 2002 in Deutschland gewesen zu sein. Anlässlich  der Gewährung  des  rechtlichen Gehörs  zu  den  Abklärungen  mit Deutschland und zu einer  allfälligen Wegweisung nach Polen  führte  die Beschwerdeführerin aus, dass sie am 27. April 2002 mit ihren Kindern  aus  Deutschland  ausgereist  und  von  Polen  nach  Serbien  weitergereist  sei.  Ihr  Mann  benötige  für  die  Einreise  nach  Polen  ein  Visum  und  sie  wolle mit ihrem Mann zusammenbleiben.  Der  Beschwerdeführer  führte  dazu  aus,  er  habe  bis  im  Juni  2006  in  Deutschland  eine  Gefängnisstrafe  verbüsst,  daraufhin  sei  er  zu  seiner  Frau  und  seinen  Kindern  nach  Serbien  zurückgekehrt.  Er  habe  bei  der  polnischen  Botschaft  in  Belgrad  ein  Visum  beantragt,  welches  ihm  verweigert worden sei. 

E­6153/2007 Mit  Verfügung  vom  15.  März  2007  trat  das  BFM  auf  die  Asylgesuche  gestützt  auf  Art. 34  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  nicht  ein  mit  der  Begründung,  die  Beschwerdeführerin  und  die  Kinder  seien polnische Staatsangehörige und der Beschwerdeführer  als  deren  Ehemann  sei  berechtigt,  in  Polen  (einem  verfolgungssicheren  Staat) Wohnsitz zu nehmen. Eine dagegen erhobene Beschwerde hiess  das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil  vom 31.  Juli  2007 gut, hob die  vorinstanzliche  Verfügung  auf  und  wies  die  Vorinstanz  an,  die  geltend  gemachte Verfolgung in Serbien zu prüfen. B.  Das BFM nahm sodann das Verfahren wieder auf, stellte mit Verfügung  vom  14.  August  2007  –  eröffnet  am  16.  August  2007  –  fest,  dass  die  Beschwerdeführenden  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht  erfüllen  würden  und wies deren Asylgesuche ab. Gleichzeitig ordnete es die Wegweisung  aus der Schweiz sowie deren Vollzug an, wobei es diesen nach Serbien  als zumutbar erachtete. Auf  die  Begründung  wird,  soweit  für  den  Entscheid  wesentlich,  in  den  Erwägungen eingegangen. C.  Mit Eingabe vom 14. September 2007 erhoben die Beschwerdeführenden  beim Bundesverwaltungsgericht  dagegen Beschwerde  und  beantragten,  die Verfügung des BFM vom 14. August 2007 sei aufzuheben und es sei  ihnen  die  Flüchtlingseigenschaft  zuzuerkennen  und  Asyl  zu  gewähren.  Des  Weiteren  sei  unter  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  festzustellen,  dass  der  Vollzug  unzulässig,  unzumutbar  und  unmöglich  sei.  In  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  beantragten  sie  die  Gewährung  der  unentgeltlichen Rechtspflege sowie den Verzicht auf die Erhebung eines  Kostenvorschusses. Als Beweismittel reichten sie unter anderem eine D._______ betreffende  ärztliche  Bestätigung  des  K._______,  Kinderklinik  L._______,  vom  12.  September 2007 ein. D.  Der  damals  zuständige  Instruktionsrichter  des  Bundesverwaltungsgerichts  hiess  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen Rechtspflege mit Verfügung vom 26. September 2007 gut 

E­6153/2007 und verzichtete auf die Erhebung eines Verfahrenskostenvorschusses. Er  forderte  die Beschwerdeführenden  gleichzeitig  auf,  bis  zum 10. Oktober  2007 eine Fürsorgebestätigung  und  je  einen die Kinder D._______ und  E._______  betreffenden  aktuellen  und  detaillierten  Arztbericht  einzureichen,  samt  Erklärungen  über  die  Entbindung  der  ärztlichen  Schweigepflicht gegenüber den Asylbehörden.  E.  Fristgerecht  wurden  eine  Fürsorgebestätigung  des  M._______  vom  5.  Oktober 2007, einen D._______ betreffenden Arztbericht des K._______,  Kinderklinik  L._______  vom  3.  Oktober  2007  und  einen  den  Sohn  E._______  betreffenden  Arztbericht  des  N._______,  Pädiatrische  Endokrinologie, vom 2. August 2007 eingereicht. F.  Das  Bundesverwaltungsgericht  lud  die  Vorinstanz  mit  Verfügung  vom  18. Oktober  2007  zur  Vernehmlassung  ein.  Mit  fristgerechter  Eingabe  vom  25.  Oktober  2007  hielt  das  BFM  an  seinen  Erwägungen  fest  und  beantragte die Abweisung der Beschwerde.  G.  Der  zuständige  Instruktionsrichter  gewährte  den  Beschwerdeführenden  mit Verfügung vom 2. November 2007 das Recht auf Replik. H.  Mit  Eingabe  vom  7.  November  2007  reichte  das  K.______  einen  die  Tochter D._______ betreffenden Arztbericht vom 31. Oktober 2007 ein. I.  Mit  Schreiben  vom  15.  November  2007  ersuchten  die  Beschwerdeführenden  um  Fristerstreckung,  welche  ihnen  vom  zuständigen  Instruktionsrichter  mit  Verfügung  vom  20.  November  2007  bis zum 14. Dezember 2007 gewährt wurde.  J.  Am  12.  Dezember  2007  (Poststempel)  reichten  die  Beschwerdeführenden  kommentarlos  folgende  Beweismittel  im  Original  ein:  Eine  in  serbischer  Sprache  verfasste  Bestätigung  des  Gesundheitszentrums  O._______  vom  15.  November  2007  samt  Übersetzung,  gemäss welcher  der  Beschwerdeführer  in  Serbien  infolge  einer Schlägerei vom 28. Juli 2006 habe behandelt werden müssen, eine  die Beschwerdeführenden betreffende Bescheinigung ihrer Mitgliedschaft 

E­6153/2007 bei  der  Vereinigung  der  Roma  und  Angehörigen  anderer  nationaler  Minderheiten  „PEGAZ“,  O._______,  vom  30. November  2007  einschliesslich Übersetzung sowie drei den Sohn E._______ betreffende  Arztberichte  von  P._______,  Pädiatrische  Endokrinologie,  N._______,  vom 17. und 29. Oktober 2007. K.  Mit  Verfügung  vom  20.  Dezember  2007  lud  der  zuständige  Instruktionsrichter die Vorinstanz zu einem zweiten Schriftenwechsel ein,  worauf sie sich am 17. Januar 2008 vernehmen liess. Dabei hielt sie an  ihren  bisherigen  Erwägungen  fest  und  wies  hinsichtlich  der  geltend  gemachten  gesundheitlichen  Probleme  der  beiden  Kinder  auf  den  in  Polen  ähnlich  hohen  Standard  des  Gesundheitssystems  wie  in  der  Schweiz  hin,  weshalb  die  erforderliche  Behandlung  auch  dort  erfolgen  könne.  L.  Mit Verfügung  vom 13.  Februar  2008 wurde  den Beschwerdeführenden  das Recht  auf Replik  gewährt, worauf  der  neu  bestellte Rechtsvertreter  dem  Bundesverwaltungsgericht  sein  Mandat  unter  Einreichung  einer  Vollmacht  anzeigte  und  um  vollständige  Akteneinsicht  ersuchte.  Dieses  Gesuch  wurde  mit  Verfügung  vom  26.  Februar  2008  gutgeheissen.  M.  Mit  Eingabe  vom  29.  Februar  2008  replizierten  die  Beschwerdeführenden.  Dabei  wurde  die  Geburt  des  sechsten  Kindes,  H._______,  geboren  am  (…),  angezeigt.  Unter  anderem  machte  der  Rechtsvertreter geltend, die Beschwerdeführerin habe bei der polnischen  Botschaft in Bern um eine Aufenthaltsbewilligung für ihren Ehemann und  um staatliche Zusicherung von Unterstützungsleistungen ersucht. Eine  weitere  Eingabe  seitens  der  Beschwerdeführenden  erfolgte  am  22. April 2008 mit Verweis auf das beigelegte Arztzeugnis von P._______  vom 25. März 2008, welchem unter anderem zu entnehmen ist, dass seit  Dezember  2007  bei  E._______  eine  Wachstumshormonsubstitutionstherapie  durchgeführt  werde,  die  in  Serbien nicht garantiert werden könne.  N.  Der  Migrationsdienst  des  Kantons  Bern  reichte  beim 

E­6153/2007 Bundesverwaltungsgericht  zwischen  dem  30.  April  2010  und  30.  März  2011  unter  anderem  folgende  den  Beschwerdeführer  betreffende  Unterlagen ein: eine Strafverfügung der Staatsanwaltschaft des Kantons  Q._______  vom  (…)  2009  insbesondere  wegen  mehrfacher  Erwerbstätigkeit ohne Bewilligung (Art. 115 Abs. 1 c des Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [(AuG,  SR  142.20])  und  diverser  Widerhandlungen  gegen  das  Strassenverkehrsgesetz vom 19. Dezember 1958 (SVG, SR 741.01),  für  welche er  zu einer unbedingten Freiheitsstrafe  von 4 Monaten  verurteilt  wurde,  eine  Verfügung  des  Richteramts  Q._______  vom  (…)  2010  betreffend  eine  bevorstehende  Hauptverhandlung  wegen  Widerhandlungen  gegen  das  SVG,  AuG,  und  gegen  das  Umweltschutzgesetz vom 7. Oktober 1983 (USG, SR 814.01) etc. sowie  ein Widerrufsverfahren, eine amtliche Fernhalteverfügung vom (…) 2010  wegen  häuslicher  Gewalt  gegen  die  Ehefrau  und  einen  seiner  Söhne,  eine  gerichtlich  genehmigte Trennungsvereinbarung  des Bezirksgerichts  R._______  vom  (…)  2010,  ein  Rapport  vom  (…)  2011  und  Einvernahmeprotokolle  vom  (…)  März  2011  der  Kantonspolizei  S._______ betreffend Verdacht auf Diebstahl.  O.  Die  neu  zuständige  Instruktionsrichterin  forderte  die  Beschwerdeführenden  mit  Verfügung  vom  27.  April  2011  auf,  sich  bis  zum 17. Mai 2011 hinsichtlich der familiären Verhältnisse (Ausübung des  Besuchsrechts, Beziehung zwischen den Ehegatten, Entwicklung zu den  Kindern) zu äussern. P.  Mit Eingabe vom 17. Mai 2011 nahmen die Beschwerdeführenden dazu  Stellung.  Im  Wesentlichen  machten  sie  geltend,  dass  der  Beschwerdeführer  regelmässig  bei  der  Beratungsstelle  für  gewalttätige  Männer und Jungen in T._______ in Behandlung sei und die Parteien seit  ihrer Trennung wieder besseren Kontakt hätten. Das Ziel  sei es, wieder  einen gemeinsamen Haushalt zu  führen. Das beim Migrationsdienst des  Kantons Bern gestellte Gesuch um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung  für  Angehörige  aus  einem EU­/EFTA­Mitgliedstaat  vom  3.  August  2009  sei nie beantwortet worden.  Q.  Auf telefonische Anfrage vom 10. Juni 2011 hin, bestätigte der zuständige  Sachbearbeiter  [Kantonale  Migrationsbehörde],  dass  die 

E­6153/2007 Beschwerdeführenden ein sie betreffendes Verfahren in Sachen Erteilung  einer ausländerrechtlichen Aufenthaltsbewilligung dort anhängig gemacht  hätten.  Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM  gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  AsylG;  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG). 1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Die  Beschwerdeführenden  haben  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  und  haben  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung.  Sie  sind  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art.  37  VGG  und  Art. 48  Abs. 1, Art. 50 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

E­6153/2007 3.  3.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat  oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen  Druck  bewirken.  Den  frauenspezifischen  Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7  AsylG). 4.  4.1. Das BFM führte zur Begründung seines abweisenden Asylentscheids  im  Wesentlichen  aus,  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  seien  unglaubhaft.  Er  mache  geltend,  dass  er  in  Serbien  aufgrund  seiner  ethnischen Zugehörigkeit  als Rom  in den vergangenen  fünfzehn Jahren  Probleme gehabt habe;  letztmals  sei er  im Juni 2006 von Männern aus  seinem  Dorf  zusammengeschlagen  und  zur  Abgabe  von  Geld  aufgefordert  worden.  Abklärungen  mit  Deutschland  hätten  indessen  ergeben,  dass  sich  der  Beschwerdeführer  seit  1995  in  Deutschland  aufgehalten  habe  und  dort  in  der  Zeit  von  2002  bis  Juni  2006  im  Strafvollzug gewesen sei. Somit könne ausgeschlossen werden, dass der  Beschwerdeführer  in  seinem  Heimatland  die  geltend  gemachten  Probleme  seit  15  Jahren  habe.  Es  bleibe  jedoch  zu  prüfen,  ob  er  in  Serbien seit Juni 2006 verfolgt werde. Die Verfolgungsereignisse könnten  auch  für  sich  betrachtet  nicht  geglaubt  werden.  So  habe  der  Beschwerdeführer  geschildert,  die  Geldforderung  mit  dem  Hinweis,  er  lebe  schon  viele  Jahre  in  Serbien,  abgewiesen  zu  haben  (A9  S.  4),  obschon feststehe, dass er erst im Juni 2006 in Deutschland aus der Haft 

E­6153/2007 entlassen worden  sei.  Ferner  seien  die Vorbringen  in  den wesentlichen  Punkten zu wenig konkret, detailliert und differenziert dargelegt worden,  so  dass  der  Eindruck  entstehe,  er  habe  das  Geschilderte  nicht  selbst  erlebt.  Insbesondere habe er die Namen der Aggressoren nicht nennen  können, obwohl sie aus demselben Dorf stammten wie er, und das Dorf  nur zirka 1000 Einwohner zähle. Unter diesen Gegebenheiten sei davon  auszugehen, dass er die Namen in den darauffolgenden Monaten bis zur  Ausreise mit Sicherheit hätte in Erfahrung bringen können, zumal er doch  ein  grundlegendes  Interesse  daran  gehabt  habe  –  er  sei  sogar  bei  der  Polizei  gewesen.  Seine  Aussagen  seien  auch  sonst  unsubstanziiert  ausgefallen.  Betreffend  den  Ort  des  Vorfalls  habe  er  keine  genauen  Angaben machen  können.  So  habe  er  zuerst  den Herkunftsort,  sodann  auf  Nachfrage  einen  Park  genannt,  ohne  diesen  aber  näher  zu  bezeichnen  oder  dessen  Namen  zu  nennen  (A9,  S.4  und  5).  Auch  bezüglich  des  Zeitpunktes  habe  er  keine  genauen  Angaben  gemach,  sondern  lediglich  den  Juni  des  Jahres  2006  genannt.  Hätte  das  einschneidende  Ereignis,  das  sogar  einen  Spitalaufenthalt  notwendig  gemacht haben soll, tatsächlich stattgefunden, dann hätte er sich gewiss  an das Datum erinnern können. Ferner habe er angegeben, dass ihm die  Männer einen Monat vor der Ausreise gedroht hätten,  ihn umzubringen,  wenn er nicht innert einer zweimonatigen Frist die geforderten 5000 Euro  bezahlen  würde.  Dazu  habe  er  ausweichende  Antworten  gegeben  (A9  S.8). 4.2.  Die  Beschwerdeführenden  führten  in  ihrer  Beschwerde  demgegenüber aus, sie hätten aus Angst vor einer allfälligen Deportation  den  schweizerischen  Behörden  den  vorgängigen  Aufenthalt  in  Deutschland  verschwiegen.  Sie  hätten  ansonsten  aber  ehrlich  und  ausführlich  über  ihre  Situation  erzählt.  Seit  der  Beschwerdeführer  sich  erinnern  könne,  sei  er  wegen  seiner  ethnischen  Zugehörigkeit  als Rom  belästigt  und  diskriminiert  worden.  Deswegen  und  auch  wegen  des  Krieges hätten sie in Deutschland ein Asylgesuch gestellt. Die deutschen  Behörden hätten ihnen eine „Duldung“ gewährt. Infolge eines leichtsinnig  begangenen  Fehlers  sei  der  Beschwerdeführer  zu  einer  Freiheitsstrafe  verurteilt  worden  und  seine  Ehefrau  habe  danach  mit  den  Kindern  Deutschland verlassen müssen. Zuerst seien sie nach Polen gegangen,  dann  nach  Serbien,  weil  sie  in  Polen  nicht  hätten  bleiben  können.  In  J._______  hätten  sie  in  einem  kleinen  Haus  gewohnt.  Nach  der  Entlassung aus dem Gefängnis in Deutschland sei der Beschwerdeführer  umgehend  zu  seiner  Frau  nach  Serbien  gegangen,  wo  seine  früheren  Peiniger  ihn aufgesucht und erneut belästigt und erpresst hätten. Als er 

E­6153/2007 spitalreif  zusammengeschlagen  worden  sei,  habe  er  die  Polizei  aufgesucht. Diese habe auf seine Anzeige hin nichts unternommen. Weil  er  aufgrund  von  Morddrohungen  das  Schlimmste  habe  befürchten  müssen,  sei  er geflohen.  Im Weiteren hielten die Beschwerdeführenden  an  den  bei  der  Vorinstanz  geltend  gemachten  Vorbringen  fest  und  brachten  vor,  ihr  E._______  und  D._______  hätten  gesundheitliche  Probleme. Die Situation der kranken Kinder sei zu berücksichtigen. 4.3. Das  Bundesverwaltungsgericht  kommt  nach  Prüfung  der  Akten  im  Ergebnis  zum  Schluss,  dass  das  BFM  zu  Recht  die  Flüchtlingseigenschaft  der  Beschwerdeführenden  verneinte  und  ihnen  das Asyl verweigerte.  4.3.1. Zunächst ist der Vorinstanz beizupflichten, dass das Verschweigen  des Aufenthalts in Deutschland in der Zeit zwischen den Jahren 1995 bis  2002 bzw. 2006 bei der Überprüfung der Glaubhaftigkeit der Vorbringen  zu  Ungunsten  der  Beschwerdeführenden  ins  Gewicht  fällt.  Mit  diesem  Verhalten haben sie asylrelevante Tatsachen verschwiegen und damit die  ihnen  auferlegte  Mitwirkungspflicht  im  Sinne  von  Art.  8  AsylG  verletzt.  Demgegenüber  ist  aufgrund  der Haftentlassung  des Beschwerdeführers  im Juni 2006 aus objektiver Sicht durchaus möglich, dass er und allenfalls  auch  seine  Familie  sich  danach  tatsächlich  in  J._______  (I._______)  aufgehalten haben – zumindest liegen keine gegenteiligen Hinweise vor.  Gegen die Glaubhaftigkeit der damals angeblich vorgefallenen Ereignisse  spricht indessen – wie die Vorinstanz zu Recht ausgeführt hat – dass der  Beschwerdeführer weder detaillierte Angaben bezüglich des Ortes noch  des  Zeitpunktes  des  Vorfalles  gemacht  hat  (vgl.  (vgl.  A9  S.  4  ff).  Hingegen  weist  die  Schilderung  des  Ablaufs  der  Behelligungen  Realitätsmerkmale auf, beispielsweise hat der Beschwerdeführer bildlich  beschrieben, wie er an der Hand gepackt worden sei, dabei den kleinen  Finger gebrochen habe und mit Füssen getreten worden sei  (vgl. A9 S.  4).  Auch  hat  er  auf  Beschwerdeebene  eine  ärztliche  Bestätigung  im  Original  eingereicht,  woraus  hervorgeht,  dass  er  anlässlich  einer  Schlägerei vom 28. Juli 2006  im Spital habe behandelt werden müssen.  Indessen  vermag  diese  ärztliche  Bestätigung  nicht  zu  belegen,  dass  er  aus ethnisch motivierten Gründen zusammengeschlagen worden ist. Auf  eine  abschliessende  Glaubhaftigkeitsprüfung  kann  indessen  verzichtet  werden, weil aus den nachfolgenden Ausführungen hervorgeht, dass der  geschilderte  Vorfall  nicht  als  asylrelevant  im  Sinne  von  Art.  3  AsylG  gelten kann.  

E­6153/2007 4.3.2. Nebst dem Verfolgungsmotiv dürfte auch die erforderliche Intensität  im  Sinne  von  Art.  3  AsylG  nicht  bestehen.  Im  Weiteren  ist  davon  auszugehen,  dass  der  serbische Staat  fähig  und willens  ist,  ethnischen  Minderheiten einen adäquaten Schutz zu gewähren. 4.3.2.1 Hinsichtlich der ethnischen Minderheiten in Serbien ist Folgendes  festzuhalten: Am 25. Februar 2002 ist das Bundesgesetz zum Schutz und  zur Freiheit der nationalen Minderheiten, welches auch für die anerkannte  Minderheit der Roma Geltung beansprucht,  in Kraft getreten. Nach einer  Gewalteskalation  in  den  Jahren  2003  und  2004  intervenierten  verschiedene internationale Organisationen.  Im Jahr 2005 wurde ein 10­ Punkte­Plan zwischen den serbischen Behörden und den Behörden der  Vojvodina  verabschiedet,  welcher  die  Verbesserung  der  ethnischen  Beziehungen zum Ziel hat.  Im gleichen Jahr  ist die serbische Regierung  der  "Decade  of Roma  Inclusion"  beigetreten. Dabei  handelt  es  sich  um  eine  internationale  Initiative,  welche  sowohl  Regierungs­  und  Nichtregierungsorganisationen  als  auch  die  Roma­Zivilbevölkerung  zusammenbringt,  um  die  Entwicklung  im  Zusammenhang  mit  der  Verbesserung  des  Wohlergehens  der  Roma  zu  fördern  und  die  diesbezüglichen Fortschritte zu überwachen und transparent zu machen.  Diese  Initiative  konzentriert  sich  schwergewichtig  auf  die  Bereiche  Ausbildung, Arbeit, Gesundheit und Wohnen und verpflichtet die Staaten,  andere  Kernaspekte  der  Armut,  Diskriminierung  und  Geschlechtergleichstellung  zu  berücksichtigen.  Serbien  hat  in  diesem  Zusammenhang vier nationale Aktionsprogramme verabschiedet, welche  sich  auf  die  Bereiche  Wohnen,  Gesundheit,  Ausbildung  und  Arbeit  beziehen. Es bestehen Bemühungen, gegen diskriminierendes Verhalten  gegenüber  Roma  vorzugehen;  unter  anderem wurde  angestrebt,  Roma  als  Polizeiangestellte  anzustellen  und  den  Dialog  zwischen  Polizei  und  Romagemeinschaften  zu  fördern  (vgl.  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  D­7710/2006  vom  20. Februar  2009  und  E­ 2444/2007 vom 2. Juli 2010 mit weiteren Hinweisen). 4.3.2.2  In  jüngster  Zeit  konnten  weitere  Verbesserungen  im  Minderheitenschutz  verzeichnet  werden.  So  wurde  beispielsweise  am  26. März 2009  ein  Anti­Diskriminierungsgesetz  verabschiedet.  Am  31. August  2009  folgte  das  Gesetz  über  nationale  Minderheitsräte,  welches den Minderheiten grosse Autonomie  in den Bereichen Sprache,  Bildung  und  Kultur  gewährt,  und  am  6.  Juni 2010  wurden  die  ersten  Wahlen  für diese Räte durchgeführt. Die  inter­ethnische Situation  in der  Vojvodina,  woher  der  Beschwerdeführer  stammt,  hat  sich  weiter 

E­6153/2007 verbessert  und  es  konnte  ein  Rückgang  inter­ethnischer  Vorfälle  verzeichnet  werden.  Vereinzelte  Übergriffe  durch  Drittpersonen  gegen  Roma  können  aber  weiterhin  nicht  ausgeschlossen  werden.  Der  serbische  Staat  billigt  oder  unterstützt  solche  Übergriffe  jedoch  nicht,  sondern  erweist  sich  grundsätzlich  als  schutzwillig  und  schutzfähig  und  verfolgt  die  Vorfälle  strafrechtlich.  So  konnten  in  jüngster  Zeit  in  Bezug  auf  polizeiliche  Untersuchungen  bei  inter­ethnischen  Vorfällen  Verbesserungen verzeichnet werden. Trotz politischer Sensibilisierung in  diesem  Bereich  und  Massnahmen  zur  Stärkung  der  Effizienz  der  Polizeiarbeit,  kann  es  aber  vorkommen,  dass  polizeilich  untergeordnete  Behörden  bei  einer  Anzeige  die  notwendigen  Untersuchungsmassnahmen  nicht  einleiten.  In  solchen  Fällen  besteht  jedoch  die  Möglichkeit,  gegen  fehlbare  Beamte  auf  dem  Rechtsweg  vorzugehen.  Wenn  auch  eine  klare  Ahndung  von  ethnisch  motivierter  Gewalt  auf  gerichtlicher  Ebene  weiterhin  nur  zögerlich  voranzugehen  scheint,  wurden  vereinzelte  Übergriffe  gegen  Minderheiten  in  jüngster  Zeit  gerichtlich  verfolgt  (vgl.  EUROPEAN  ROMA  RIGHTS  CENTRE  [ERRC],  Parallel  submission  by  the  European  Roma  Rights  Centre  to  the  Committee On The Elimination Of All Forms Of Racial Discrimination on  Serbia for its consideration at the 78th Session 14 February To 11 March  2011,  Januar 2011;  EUROPEAN  COMMISSION,  Serbia  2010  Progress  Report,  9. November 2010;  HUMAN RIGHTS WATCH,  World  Report  2011,  Januar  2011;  US  DEPARTMENT  OF  STATE,  Country  Report  on  Human  Rights Practices 2009, 11. März 2010).  Zusammenfassend  steht  fest,  dass  der  serbische  Staat  grundsätzlich  schutzfähig und schutzwillig ist, ethnische Minderheiten – wie Roma – vor  Übergriffen  durch  Dritte  zu  schützen.  Die  Vorbringen  der  Beschwerdeführenden  enthalten  keine  konkreten  Hinweise  dafür,  dass  sie von den serbischen Behörden nicht adäquat hätten geschützt werden  können;  die  Polizei  hat  die  Anzeige  des  Beschwerdeführers  entgegengenommen  (vgl.  A9  S.  5)  und  es  wäre  ihm  bei  Bedarf  zuzumuten gewesen, sich an andere Behörden zu wenden oder allenfalls  die  gerichtlichen  Instanzen  anzurufen.  In  diesem  Sinne  vermögen  die  Vorbringen  der  Beschwerdeführenden  den  Anforderungen  an  die  Asylrelevanz  im  Sinne  von  Art.  3  AsylG  nicht  zu  genügen.  Die  Beschwerdeführerin hat keine eigenen Asylgründe geltend gemacht. Das  BFM  hat  in  seiner  Verfügung  vom  14.  August  2007  den  Beschwerdeführenden  somit  zu  Recht  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht  zuerkannt und deren Asylgesuche abgewiesen.

E­6153/2007 5.  5.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit  der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 5.2.  Eine  Ausnahme  von  dieser  Regel  liegt  unter  anderem  dann  vor,  wenn  die  beschwerdeführende  Person  oder  zumindest  eine  der  beschwerdeführenden  Personen  über  eine  ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  (Art.  32  Bst.  a  der  Asylverordnung 1  vom  11. August  1999  über  Verfahrensfragen  [AsylV 1,  SR  142.311])  oder  einen Anspruch auf Erteilung einer solchen verfügt und diesbezüglich ein  Gesuch  bei  der  zuständigen  kantonalen  Ausländerbehörde  bereits  pendent ist (vgl. dazu auch das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D­ 7983/2009  vom  13.  Januar  2010  E.  4.1  dritter  Absatz;  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  2001  Nr.  21  E.  9a).  In  diesem  Fall  fällt  die  konkrete  Beurteilung  des  geltend  gemachten  Anspruchs  und  damit  auch  der  Entscheid  über  die  Wegweisung  in  die  Zuständigkeit  der  "fremdenpolizeilichen  Behörden"  (vgl. EMARK 2001 Nr. 21 E. 8d; heute: kantonale Migrationsbehörden). 5.3. Die  Beschwerdeführerin  und  die  Kinder  der  Beschwerdeführenden  sind polnische Staatsangehörige und als solche gleichzeitig Unionsbürger  und Unionsbürgerinnen, welche gestützt auf das Abkommen vom 21. Juni  1999  zwischen  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  einerseits  und  der  Europäischen  Gemeinschaft  und  ihren  Mitgliedstaaten  andererseits  über  die  Freizügigkeit  (FZA,  SR  0.142.112.681)  in  der  Schweiz  über  einen  grundsätzlichen  Anspruch  auf  Erteilung  einer  Aufenthaltsbewilligung  verfügen.  Der  Ehemann  ist  serbischer  Staatsangehöriger und verfügt durch die Heirat mit einer Unionsbürgerin  grundsätzlich auch über ein daraus abgeleitetes Anwesenheitsrecht. Mit  Verfügung  vom  (…)  2010  wurde  durch  die  zivilrechtliche  Abteilung  des  Gerichtskreises  R._______  der  gemeinsame  Haushalt  der  Ehegatten  zwar per (…) 2010 auf unbestimmte Zeit aufgehoben und der Ehefrau die  Obhut über die Kinder erteilt; dem Beschwerdeführer wurde indessen für  die Zeit während der Trennung ein begleitetes Besuchsrecht gegenüber  den  Kindern  eingeräumt.  Gemäss  der  Stellungnahme  der  Beschwerdeführenden zur  familiären Situation  vom 17. Mai 2011 nimmt  er dieses wahr. Weiter bekundeten sie, es sei der gemeinsame Wille, den  gemeinsamen Haushalt in absehbarer Zeit wieder aufzunehmen. Bei der 

E­6153/2007 konkreten  Beurteilung  des  Anwesenheitsrechts  ist  angesichts  der  weiterhin  bestehenden  Ehe  –  trotz  der  aktuellen  Aufhebung  des  gemeinsamen  Haushalts  –  dem  Grundsatz  der  Einheit  der  Familie  Rechnung zu tragen.  5.4. Die Beschwerdeführenden haben am 3. August 2009 die kantonale  ausländerrechtliche Behörde des Kantons U.________ mit einem Gesuch  um  Erteilung  einer  Aufenthaltsbewilligung  befasst.  Die  konkrete  Beurteilung  dieses  Anspruchs  und  damit  auch  der  Entscheid  über  die  Wegweisung  fallen  demzufolge  in  die  Zuständigkeit  der  kantonalen  Behörden  (vgl. EMARK 2001 Nr.  21 E. 8d). Bei  dieser Sachlage  ist  die  vom  BFM  im  Rahmen  des  Asylverfahrens  angeordnete  Wegweisung  praxisgemäss aufzuheben (vgl. EMARK 2001 Nr. 21 E. 11a). 5.5.  Der  vom  BFM  verfügte  Wegweisungsvollzug  ist  folglich  gegenstandslos  geworden,  weshalb  sich  vorliegend  Ausführungen  zur  Zulässigkeit,  Zumutbarkeit  und  Möglichkeit  eines  Wegweisungsvollzugs  und die Prüfung der Frage, ob allfällige Wegweisungsvollzugshindernisse  (Kindeswohl;  gesundheitliche  Probleme)  vorliegen,  erübrigen.  Die  ausländerrechtliche  Behörde  wird  gegebenenfalls  das  Vorliegen  von  Wegweisungsvollzugshindernissen zu prüfen haben.  5.6. Aus den vorangehenden Erwägungen ergibt sich zusammenfassend,  dass  die  Beschwerde  hinsichtlich  der  Flüchtlingseigenschaft  und  der  Asylgewährung  (Ziffern  1  und  2  des  Dispositivs  der  angefochtenen  Verfügung)  abzuweisen  ist.  Hingegen  ist  sie  betreffend  die  Anordnung  der  Wegweisung  (Dispositivziffer  3),  welche  aufzuheben  ist,  gutzuheissen. Hinsichtlich des Vollzugs der Wegweisung (Dispositivziffer  4 und 5) ist sie ferner als gegenstandslos geworden abzuschreiben.  6.  6.1. Den Beschwerdeführenden wären somit reduzierte Verfahrenskosten  in  der Höhe  von Fr.  300.­­  aufzuerlegen  (Art.  63 Abs.  1 VwVG, Art.  16  Abs. 1 Bst. a VGG i.V.m. Art. 2 und 3 des Reglements vom 21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE, SR 173.320.2]. Da  ihnen  im Rahmen  des  Instruktionsverfahrens  jedoch  die  unentgeltliche  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  VwVG  gewährt  wurde  und  aufgrund  der  Aktenlage nach wie vor von ihrer prozessualen Bedürftigkeit auszugehen  ist, sind keine Kosten zu erheben.

E­6153/2007 6.2. Angesichts des  teilweisen Obsiegens  ist den Beschwerdeführenden  eine hälftige Parteientschädigung zuzusprechen. (Art. 64 Abs. 1 und Abs.  2  VwVG;  Art.  7  Abs.  1  und  2  VGKE).  Der  Rechtsvertreter  der  Beschwerdeführenden  hat  keine  Kostennote  eingereicht.  Auf  die  Nachforderung einer solchen wird indessen verzichtet (vgl. Art. 14 Abs. 2  VGKE),  weil  im  vorliegenden  Verfahren  der  Aufwand  des  Schriftenwechsels zuverlässig abgeschätzt werden kann. Gestützt auf die  in  Betracht  zu  ziehenden  Bemessungsfaktoren  (Art.  9­13  VGKE)  ­  und  um die Hälfte gekürzt  –  sind den Beschwerdeführenden Fr.  600.­­  (inkl.  Auslagen  und  Mehrwertsteuer)  als  Parteientschädigung  zuzusprechen.  Dieser Betrag ist ihnen durch das BFM zu entrichten. 

E­6153/2007 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die  Beschwerde  wird,  soweit  die  Flüchtlingseigenschaft  und  die  Asylgewährung betreffend, abgewiesen. 2.  Die Beschwerde wird bezüglich der Wegweisung gutgeheissen, und die  vom BFM angeordnete Wegweisung wird  aufgehoben. Die Beschwerde  wird hinsichtlich des Wegweisungsvollzugs als gegenstandslos geworden  abgeschrieben.  3.  Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4.  Den Beschwerdeführenden wird eine Parteientschädigung von Fr. 600.­­  zugesprochen, die ihnen durch das BFM zu entrichten ist.  5.  Dieses Urteil geht an den Rechtsvertreter der Beschwerdeführenden, das  BFM und die zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Muriel Beck Kadima Stella Boleki Versand:

E-6153/2007 — Bundesverwaltungsgericht 10.08.2011 E-6153/2007 — Swissrulings