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Bundesverwaltungsgericht 21.10.2011 E-5730/2011

21. Oktober 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,362 Wörter·~7 min·3

Zusammenfassung

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren) | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung nach Italien (Dublin-Verfahren); Verfügung des BFM vom 11. Oktober 2011 / N

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung V E­5730/2011 Urteil   v om   2 1 .   O k t ob e r   2011   Besetzung Einzelrichterin Christa Luterbacher, mit Zustimmung von Richter Bendicht Tellenbach;   Gerichtsschreiberin Sarah Diack. Parteien A._______, geboren am (…), Libyen,  (…),   Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung nach Italien  (Dublin­Verfahren);  Verfügung des BFM vom 11. Oktober 2011 / N (…).

E­5730/2011 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass der Beschwerdeführer, ein  libyscher Staatsangehöriger mit  letztem  Wohnsitz  in Tripolis, seinen Heimatstaat gemäss dem Eintrag  in seinem  Pass am (…) 2011 verliess und auf dem Luftweg mit einem italienischen  Visum nach Rom gelangte,  dass er in Italien blieb, bis er gemäss seinen Angaben am 5. Juli 2011 in  die  Schweiz  einreiste,  wo  er  gleichentags  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum (EVZ) Chiasso ein Asylgesuch stellte,  dass  das  BFM  am  13. Juli  2011  im  EVZ  Altstätten  anlässlich  der  Kurzbefragung  die  Personalien  des  Beschwerdeführers  erhob  und  ihn  summarisch  zum  Reiseweg  sowie  zu  den  Gründen  für  das  Verlassen  seines Heimatstaates befragte (A4/12), dass der Beschwerdeführer im Wesentlichen geltend machte, er vermute,  die  libysche  Regierung  habe  davon  Kenntnis,  dass  er  in  Rom  demonstriert  habe  und  dort  die  Verletzten,  welche  der  Opposition  angehören  würden,  fotografiert  habe  und  dabei  vom  Fernsehen  gefilmt  worden sei, dass  er  deshalb  Angst  habe,  die  libysche  Regierung  würde  ihn  umbringen, weil er an dieser Kundgebung teilgenommen habe, dass Personen (…) in Libyen keine Rechte hätten und von der Regierung  unter Druck gesetzt würden, dass er sich auch in Italien von Ghaddafi­Befürwortern bedroht fühle, weil  sie  ihn  zu  Pro­Ghaddafi­Kundgebungen  aufgefordert  und  ihm  gedroht  hätten,  dass man ihn – falls er nicht mitmache – bei seiner Einreise nach  Libyen verhaften werde, dass er im Besitze eines Aufenthaltsausweises von Italien ("Permesso di  Soggiorno")  sei,  der  am  (…)  2011  ablaufe,  und  dass  die  italienischen  Behörden  ihm  diesen  ausgestellt  hätten,  weil  er  aufgrund  des  Bürgerkrieges in Libyen nicht zurückkehren könne, dass  er  in  Italien  anlässlich  der  Ausweisausstellung  in  B._______  daktyloskopisch  erfasst  worden  sei,  er  jedoch  weder  in  Italien  noch  sonstwo jemals ein Asylgesuch gestellt habe,

E­5730/2011 dass dem Beschwerdeführer anlässlich der Befragung im EVZ am 13. Juli  2011 das rechtliche Gehör zu einer allfälligen Wegweisung nach Italien –  da  dieser  Staat  gestützt  auf  seine  Aussagen  vermutlich  für  die  Durchführung  seines  Asyl­  und  Wegweisungsverfahren  zuständig  sei –  gewährt wurde, dass  er  hierzu  geltend machte,  dass  er  nicht  nach  Italien  zurückkehren  wolle,  da  er  dort  Angst  um  sein  Leben  habe,  und  dass  es  dort  immer  noch viele Leute gäbe, die ihm etwas antun könnten, dass es mühsam sei, in Italien zu leben, und dass er aber nicht früher in  die  Schweiz  habe  kommen  können,  weil  er  dort  einen  Italienischkurs  besucht  habe  und  er  zudem  habe  warten  wollen,  bis  sein  Ausweis  erneuert werde (A4 S. 9),  dass  der  Beschwerdeführer  mit  Verfügung  vom  14.  Juli  2011  für  die  Dauer  des  Asylverfahrens  dem  Kanton  C._______  zugewiesen  wurde  (A6/7), dass das BFM am 5. August 2011 die italienischen Behörden gestützt auf  Art.  9  Abs.  1  oder  3  der  Verordnung  EG Nr.  343/2003  des Rates  vom  18.  Februar  2003  zur  Festlegung  von  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des  Mitgliedstaats,  der  für  die  Prüfung  eines  von  einem  Drittstaatsangehörigen  in  einem  Mitgliedstaat  gestellten  Asylantrages  zuständig  ist  (Dublin­II­VO)  um  Übernahme  ("take  charge")  des  Beschwerdeführers ersuchte (A8/6), dass  der  Eingang  des  E­Mails  von  den  italienischen  Behörden  gleichentags elektronisch bestätigt wurde (A9/2), dass  das BFM mit  E­Mail  vom 10. Oktober  2011 wieder  an  das Dublin  Office  Italiens  gelangte  und  dabei  ausführte,  dass  Italien  infolge  der  ausbleibenden  Antwort  gestützt  auf  Art.  18  Abs.  7  Dublin­II­VO  für  die  Prüfung des Asylgesuchs  zuständig  sei,  und dass das BFM gleichzeitig  darum bat,  innert  zwei Arbeitstagen die Vollzugsmodalitäten bekannt zu  geben (A12/2), dass  das  BFM  mit  Verfügung  vom  11.  Oktober  2011  –  eröffnet  am  12. Oktober 2011 – gestützt auf Art. 34 Abs. 2 Bst. d des Asylgesetzes  vom  26.  Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  –  auf  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  nicht  eintrat,  ihn  nach  Italien  wegwies,  ihn  aufforderte,  die  Schweiz  spätestens  am  Tag  nach  Ablauf  der 

E­5730/2011 Beschwerdefrist  zu  verlassen,  den  Kanton  C._______  mit  dem  Vollzug  der Wegweisung beauftragte und festhielt, eine Beschwerde gegen diese  Verfügung habe keine aufschiebende Wirkung,  dass  es  zur  Begründung  ausführte,  Italien  sei  gestützt  auf  die  einschlägigen  staatsvertraglichen  Bestimmungen  (Dublin­ Assoziierungsabkommen  vom  26.  Oktober  2004  zwischen  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  und  der  Europäischen  Gemeinschaft  über  die  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des  zuständigen Staates für die Prüfung eines in einem Mitgliedstaat oder  in  der  Schweiz  gestellten  Asylantrags  [SR  0.142.392.68,  DAA],  Dublin­II­ VO, Verordnung [EG] Nr. 1560/2003 der Kommission vom 2. September  2003  mit  Durchführungsbestimmungen  zur  Verordnung  [EG]  Nr.  343/2003 des Rates  [DVO­Dublin], Verordnung  [EG] Nr. 2725/2000 des  Rates  vom  11.  Dezember  2000  über  die  Einrichtung  von  "Eurodac"  für  den  Vergleich  von  Fingerabdrücken  zum  Zwecke  der  effektiven  Anwendung  des  Dubliner  Übereinkommens  [VO  Eurodac]  und  Verordnung  [EG]  Nr.  407/2002  des  Rates  vom  28.  Februar  2002  zur  Festlegung  von  Durchführungsbestimmungen  zur  VO  Eurodac  [DVO  Eurodac]),  zu  deren  Umsetzung  sich  die  Schweiz  verpflichtet  habe,  für  die  Durchführung  des  Asylverfahrens  und  Wegweisungsverfahrens  zuständig, dass  gestützt  auf  die  vorgelegte  Aufenthaltsbewilligung  Italiens  die  italienischen  Behörden  um  Übernahme  des  Beschwerdeführers  ersucht  worden seien, dass  die  italienischen  Behörden  innerhalb  der  festgelegten  Frist  zum  Übernahmeersuchen  des  BFM  keine  Stellung  genommen  hätten  und  somit unter Anwendung von Art. 18 Abs. 7 Dublin­II­VO die Zuständigkeit,  das  Asyl­  und  Wegweisungsverfahren  durchzuführen,  am  6.  Oktober  2011 an Italien übergegangen sei, dass die Rückführung – vorbehältlich einer allfälligen Unterbrechung oder  Verlängerung (Art. 19  f. Dublin­II­VO) – bis spätestens am 6. April 2012  zu erfolgen habe, dass auf das Asylgesuch somit nicht einzutreten sei, dass  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  die Regelfolge  des Nichteintre­ tens auf ein Asylgesuch sei (Art. 44 Abs. 1 AsylG),

E­5730/2011 dass  der  Beschwerdeführer  in  einen  Drittstaat  reisen  könne,  in  dem  er  Schutz vor Rückschiebung  im Sinne von Art. 5 Abs. 1 AsylG  finde, und  das Non­Refoulement­Gebot bezüglich des Heimatstaates nicht zu prüfen  sei, dass ferner keine Hinweise auf eine Verletzung von Art. 3 der Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR  0.101)  im  Falle  einer  Rückkehr  des  Beschwerdeführers nach Österreich bestehen würden, dass  zudem  weder  die  in  Italien  herrschende  Situation  noch  andere  Gründe gegen die Zumutbarkeit der Wegweisung sprechen würden, dass dem Beschwerdeführer bezüglich der Wegweisung nach Italien am  13. Juli 2011 das rechtliche Gehör gewährt worden sei,  dass  seinen  Vorbringen  –  wonach  er  bei  einer  Rückkehr  nach  Italien  befürchte, von libyschen Landsleuten angegriffen zu werden und dass die  italienischen  Behörden  nicht  schutzfähig  und  schutzwillig  seien –  entgegenzuhalten  sei,  dass  er  sich  diesbezüglich  an  die  zuständigen  Polizeibehörden  Italiens  wenden  könne,  dort  um  Schutz  ersuchen  und  nötigenfalls Anzeige erstatten könne, dass der Vollzug der Wegweisung nach Italien somit zumutbar sei, dass der Vollzug der Wegweisung sich zudem als technisch möglich und  praktisch durchführbar erweise,  dass  der  Beschwerdeführer  mit  Eingabe  vom  17.  Oktober  2011  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  gegen  den  vorinstanzlichen  Entscheid  vom  11.  Oktober  2011  erhob  und  beantragte,  die  vorinstanzliche  Verfügung  sei  aufzuheben  und  das  BFM  anzuweisen,  aufgrund des Vorliegens von humanitären Gründen im Sinne von Art. 29a  Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 über Verfahrensfragen  (AsylV 1, SR 142.311)  sein Recht  auf Selbsteintritt  auszuüben und sich  für das vorliegende Asylgesuch für zuständig zu erklären, dass  im  Sinne  einer  vorsorglichen  Massnahme  der  Beschwerde  die  aufschiebende Wirkung  zu  erteilen  sei  und  dass  die  Vollzugsbehörden  mittels  einer  superprovisorischen  Massnahme  anzuweisen  seien,  von  einer  Überstellung  nach  Italien  abzusehen,  bis  das  Bundesverwaltungsgericht über den Suspensiveffekt entschieden habe,

E­5730/2011 dass  er  in  prozessualer  Hinsicht  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021)  und um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses ersuchte, dass auf die Begründung der Rechtsbegehren, soweit  für den Entscheid  wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen wird, dass das Bundesverwaltungsgericht mit Verfügung vom 18. Oktober 2011  den  Vollzug  im  Sinne  einer  vorsorglichen  Massnahme  gemäss  Art.  56  VwVG bis zum Vorliegen der Akten und zum Entscheid über die allfällige  Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung aussetzte, dass  die  vorinstanzlichen  Akten  19.  Oktober  2011  beim  Bundesverwaltungsgericht eingingen, und zieht in Erwägung, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig  über  Beschwerden  gegen  Verfügungen  Art.  5  VwVG  des  BFM  entscheidet  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art.  105  AsylG  i.V.m.  Art.  31­33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17.  Juni  2005  [VGG,  SR  173.32);  Art.  83  Bst.  d  Ziff.  1  des  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass  der  Beschwerdeführer  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders berührt ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung  beziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde legitimiert ist (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48  Abs. 1 VwVG), dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  einzutreten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG sowie Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37  VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG), dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  einschliesslich  Missbrauch  und  Überschreitung  des  Ermessens,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  und  die  Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG),

E­5730/2011 dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise  einer zweiten Richterin entschieden wird  (Art. 111 Bst. e AsylG) und es  sich  vorliegend,  wie  nachfolgend  aufgezeigt,  um  eine  solche  handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu  begründen  ist  (Art. 111a Abs. 2 AsylG), dass  gestützt  auf  Art.  111a  Abs.  1  AsylG  vorliegend  auf  einen  Schriftenwechsel verzichtet wurde, dass  bei  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide,  mit  denen  es  das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu  überprüfen  (Art.  32  ­  35  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der  Beschwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die  Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist, dass  sich  die  Beschwerdeinstanz  –  sofern  sie  den  Nichteintretensentscheid  als  unrechtmässig  erachtet  –  einer  selbstständigen materiellen Prüfung enthält, die angefochtene Verfügung  aufhebt  und  die  Sache  zu  neuer  Entscheidung  an  die  Vorinstanz  zurückweist  (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen  Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1 S. 240 f.), dass die Vorinstanz die Frage der Wegweisung und des Vollzugs  indes  materiell  geprüft  hat,  weshalb  dem  Bundesverwaltungsgericht  diesbezüglich  grundsätzlich  volle  Kognition  zukommt,  wobei  sich  diese  Fragen  –  namentlich  diejenigen  hinsichtlich  des  Bestehens  von  Vollzugshindernissen  (Durchführbarkeit  der  Überstellung  an  den  zuständigen  Staat)  –  in  den  Dublin­Verfahren  bereits  vor  Erlass  des  Nichteintretensentscheids stellen,  dass  auf  Asylgesuche  in  der  Regel  nicht  eingetreten  wird,  wenn  Asylsuchende  in  einen  Drittstaat  ausreisen  können,  welcher  für  die  Durchführung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zuständig ist (vgl. Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG), dass  sich  die  vorinstanzlichen  Erwägungen  aufgrund  der  Akten  als  zutreffend erweisen, weshalb zur Vermeidung von Wiederholungen vorab  auf  die  nicht  zu  beanstandenden  Ausführungen  des  BFM  in  der  angefochtenen Verfügung verwiesen werden kann, 

E­5730/2011 dass  der  Beschwerdeführer  im  Besitze  einer  gültigen  italienischen  Aufenthaltsbewilligung ist, dass das BFM gestützt auf diese Tatsache am 5. August 2011 an Italien  ein Ersuchen um Übernahme des Beschwerdeführers gestellt hat, dass das Ersuchen bis zum Ablauf der  festgelegten Frist unbeantwortet  geblieben und demnach die Zuständigkeit  für das vorliegende Verfahren  von Italien infolge Verfristung stillschweigend anerkannt worden ist, dass  der  Beschwerdeführer  beantragt,  die  schweizerischen  Behörden  sollten ihr Recht auf Selbsteintritt im Sinne der Dublin­II­VO ausüben, auf  das  Asylgesuch  aus  humanitären  Gründen  gemäss  Art.  29a  Abs.  3  AsylV 1 eintreten und ein nationales Asylverfahren eröffnen, dass  der  Beschwerdeführer  zur  Begründung  vorbringt,  anhand  von  vorliegenden Berichten  von NGOs, wie  demjenigen  der  deutschen  "Pro  Asyl"  vom 28. Februar 2011  ("Zur Situation von Flüchtlingen  in  Italien"),  dem Bericht der Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH) und dem Bericht  der  norwegischen  "Juss­Buss",  vom Mai  2011  ("Asylum  procedure  and  reception  conditions  in  Italy"),  lasse  sich  der  Schluss  ziehen,  dass  asylsuchende Personen in Italien grösstenteils im absoluten Elend und in  Obdachlosigkeit  leben  würden,  auch  solche,  denen  Schutz  gewährt  worden sei, dass die meisten nach sechs Monaten aus den staatlichen Infrastrukturen  "ausgespien"  und  im  Nichts,  namentlich  in  menschenunwürdigen  Zuständen landen würden, dass  auch  Schutzbedürftige  infolge  Knappheit  der  Aufnahmeplätze  keinen  Anspruch  auf  Wohnraum  hätten,  dass  keine  Sicherung  des  Existenzminimums bestehe, und dass sie sich in einem Überlebenskampf  wiederfinden würden, dass  Pro  Asyl  die  deutschen  Behörden  auffordere,  von  Rückführungen  nach Italien abzusehen,  dass  das  Bundesverwaltungsgericht  aufgrund  der  Akten   –  wie  nachfolgend  aufgezeigt  –  keinen  Anlass  zur  Ausübung  des  Selbsteintrittsrechts der Schweiz (Art. 3 Abs. 2 Dublin­II­VO, Art. 29a Abs.  3 AsylV 1) sieht,

E­5730/2011 dass Italien als Signatarstaat des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  (FK,  SR  0.142.30),  der  EMRK  und  des  Übereinkommens  vom  10.  Dezember  1984  gegen  Folter  oder  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK, SR 0.105)  ist, und keine konkreten Anhaltspunkte dafür vorliegen,  wonach  Italien  sich  nicht  an  die  daraus  resultierenden  völkerrechtlichen  Verpflichtungen,  insbesondere  an  das  Rückschiebungsverbot,  halten  würde,  dass  dem  Bundesverwaltungsgericht  bekannt  ist,  dass  das  italienische  Asylverfahren gewisse Schwachstellen aufweist und dass Asylsuchende  in Italien bei der Unterkunft, der Arbeit und dem Zugang zu medizinischer  Infrastruktur durchaus gewissen Schwierigkeiten ausgesetzt sein können, dass  das  Gericht  jedoch  davon  ausgeht,  Dublin­Rückkehrende  würden  betreffend Unterbringung von den italienischen Behörden eher bevorzugt  behandelt, und es würden sich zudem neben den staatlichen Strukturen  auch  zahlreiche  private  Hilfsorganisationen  der  Betreuung  von  Asylsuchenden und Flüchtlingen annehmen, dass  weiter  auf  die  Tatsache  hinzuweisen  ist,  dass  Italien  gemäss  der  Aufnahmerichtlinie  gehalten  ist,  den  Asylsuchenden  materielle  Aufnahmebedingungen  zu  gewähren,  die  die  Sicherung  des  Lebensunterhalts und der Gesundheit gewährleisten (vgl. etwa Entscheid  E­3279/2011  vom  22.  Juni  2011,  D­7654/2010  vom  20.  April  2011,  E­ 1661/2010  vom  17. März 2011), dass insbesondere nicht ersichtlich ist, wieso der Beschwerdeführer sich  auf das Vorliegen von schwerwiegenden humanitären Gründen im Sinne  von Art. 29 AsylV 1 beruft, da er – soweit aktenkundig – jung und gesund  ist, dass hinsichtlich seines Vorbringens, er werde von seinen Landsleuten in  Italien  bedroht,  vollumfänglich  auf  die  vorinstanzlichen  Erwägungen  verwiesen  werden  kann,  wonach  er  diesbezüglich  bei  den  italienischen  Behörden um Schutz nachsuchen kann, dass  seine  Vorbringen  somit  keine  stichhaltigen  Einwendungen  gegen  seine Wegweisung nach Italien aufweisen,

E­5730/2011 dass  daher  für  das  Bundesverwaltungsgericht  keine  Gründe  ersichtlich  sind,  die  das  BFM  zur  Ausübung  des  Selbsteintrittsrecht  (Art. 3  Abs. 2  Dublin­II­VO) hätten veranlassen sollen,  dass das BFM demnach  in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG  auf  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  zu  Recht  nicht  eingetreten  ist,  dass  die  Anordnung  der  Wegweisung  nach  Italien  der  Systematik  des  Dublin­Verfahrens  –  bei  dem  es  sich  um  ein  Überstellungsverfahren  in  den  für  die  Prüfung  des  Asylgesuchs  zuständigen  Staat  handelt –  entspricht und im Einklang mit der Bestimmung von Art. 44 Abs. 1 AsylG  steht, wobei in Verfahren nach Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG die Frage nach  der Zulässigkeit  und Möglichkeit  des Wegweisungsvollzugs  regelmässig  bereits  Voraussetzung  (und  nicht  erst  Regelfolge)  des  Nichteintretensentscheids ist,  dass sich auch die Frage der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in  einem  Dublin­Verfahren  nicht  unter  dem  Aspekt  der  vorläufigen  Aufnahme  gemäss  Art. 83  Abs. 1  und  4  des  Bundesgesetzes  vom  16. Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  (AuG,  SR  142.20)  stellt,  sondern  eine  entsprechende  Prüfung,  soweit  notwendig,  vielmehr  bereits  im  Rahmen  der  Entscheidfindung  hinsichtlich  der  Ausübung  des  Selbsteintrittsrechts  stattfinden  muss  (vgl.  vorstehende  Erwägungen),  dass  vorliegend  –  wie  aufgezeigt  –  kein  Anlass  zur  Ausübung  des  Selbsteintrittsrechts (Art. 3 Abs. 2 Dublin­II­VO) besteht, weshalb der vom  BFM verfügte Vollzug der Wegweisung zu bestätigen ist,  dass  es  dem  Beschwerdeführer  demnach  nicht  gelungen  ist,  darzutun,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den  rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig  feststellt oder  unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen  ist, dass  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung  (Art. 65 Abs. 1 VwVG) abzuweisen  ist, da die Begehren – wie sich aus  den  vorstehenden Erwägungen  ergibt  –  als  aussichtslos  zu  bezeichnen  sind, weshalb  die  kumulativen Voraussetzungen  für  die Gewährung der  unentgeltlichen Rechtspflege nicht erfüllt sind,

E­5730/2011 dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr.  600.–(Art. 1 – 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 173.320.2]) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1  VwVG), dass mit vorliegendem Urteil das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung  eines  Kostenvorschusses  sowie  um  Einräumung  der  aufschiebenden  Wirkung gegenstandslos wird. (Disposition nächste Seite)

E­5730/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  gemäss  Art. 65 Abs. 1 VwVG wird abgewiesen. 3.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  600.­  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: Christa Luterbacher Sarah Diack Versand:

E-5730/2011 — Bundesverwaltungsgericht 21.10.2011 E-5730/2011 — Swissrulings