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Bundesverwaltungsgericht 13.12.2011 E-5600/2011

13. Dezember 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,335 Wörter·~7 min·3

Zusammenfassung

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 8. September 2011

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung V E­5600/2011 Urteil   v om   1 3 .   D e z embe r   2011 Besetzung Richterin Gabriela Freihofer (Vorsitz), Richter Jean­Pierre Monnet, Richter Kurt Gysi;   Gerichtsschreiberin Blanka Fankhauser. Parteien A._______, geboren am (…), B._______, geboren am (…), C._______, geboren am (…), D._______, geboren am (…), Bosnien und Herzegowina,   alle vertreten durch Dieter Roth, Advokatur Gysin + Roth,  (…),  Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), vormals Bundesamt für  Flüchtlinge (BFF), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 8.  September 2011 / N (…).

E­5600/2011 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass  die  Beschwerdeführerin  mit  ihrem  Mann  am  25.  Juli  1991  in  der  Schweiz ihr erstes Asylgesuch stellte,  dass das BFF am 2. August 1991 eine Wegweisung nach Italien verfügte,  dass die Beschwerdeführer indessen nach Deutschland gegangen seien,  wo sie bis Ende 2000 gelebt hätten und anschliessend nach Bosnien und  Herzegowina zurückgekehrt seien,  dass  die  Beschwerdeführerin  und  ihre  drei  Kinder  Bosnien  und  Herzegowina  eigenen  Angaben  zufolge  am  24. Oktober  2010  in  einem  Bus  nach  Zagreb  verliessen  und  von  dort  aus  in  einem  Minibus  über  ihnen  unbekannte  Länder  unter  Umgehung  der  Grenzkontrolle  am  25.  Oktober  2010  in  die  Schweiz  einreisten,  wo  sie  gleichentags  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  E._______  (EVZ)  um  Asyl  nachsuchten, dass  die  Beschwerdeführerin,  ethnische  Roma mit  letztem Wohnsitz  in  F._______,  bei  der  Befragung  vom  10. November  2010  und  der  Anhörung  zu  den  Asylgründen  durch  das  BFM  vom  11. Mai  2011  im  Wesentlichen  geltend  machte,  sie  habe  Angst  um  ihr  Leben  und  dasjenige  ihrer  Kinder  gehabt,  nachdem  ihr  Neffe  G._______  am  (…)  2009 von der Mafia erschossen und sein Vater (Bruder ihres Ehemannes)  verletzt worden sei,  dass bereits im Jahre 2002 ein Mitglied der Familie getötet worden sei,  dass der Neffe umgebracht worden sei, weil er das Geld, das die Mafia­ Leute von ihm verlangt hätten, nicht habe zahlen können,   dass die Mafia überall  in den Medien  (Zeitungen, Fernsehen) verkündet  habe, die ganze Familie H._______ umzubringen,  dass  die  Beschwerdeführerin  nach  dieser  Tat  mit  ihrer  Familie  in  das  Haus ihres Schwagers gezügelt sei,  dass  sie  wegen  dieser  Umstände  mit  ihrem  Mann  viel  gestritten  und  psychische  Probleme  bekommen  habe,  weshalb  sie  bis  heute  Antidepressiva nehme,  

E­5600/2011 dass  sie  drei  bis  vier  Monate  nach  der  Ermordung  ihres  Neffen  beziehungsweise  im  Jahre  (…),  als  sie  tagsüber  in  ihr  Haus  zurückgekehrt  sei,  um  dort   Kleider  für  die  Kinder  zu  holen,  von  unbekannten Männern vergewaltigt worden sei, dass sie dies niemandem gesagt habe, weil ansonsten  ihr Mann  ihr die  Kehle durchgeschnitten hätte,    dass sie im Mai 2010 von ihrem Mann, mit dem sie zusammen eine (…)  betrieben  habe,  verlassen worden  sei  und  bis  heute  nicht wisse, wo  er  sich aufhalte,  dass auch ihr ältester Sohn das Haus verlassen habe, dass sie daher den Entschluss gefasst habe, alles zu verlassen und in die  Schweiz zu kommen,  dass  die  zwei  älteren  Kinder  der  Beschwerdeführerin  (B._______  und  C._______)  im Wesentlichen  die  Asylgründe  ihrer Mutter  bezüglich  der  Tötung  ihres  Cousins  und  der  Angst,  auch  umgebracht  zu  werden,  bestätigten, dass sie seit der Tötung des Cousins aus Angst nicht mehr in die Schule  gegangen seien,  dass sich  ihre Eltern an die Polizei gewandt hätten, diese  jedoch nichts  zu  ihrem  Schutz  unternommen  habe,  weil  sie  die  Mafia  unterstützen  würde,  dass  die  Beschwerdeführerin  zur  Untermauerung  ihrer  Vorbringen  verschiedene Beweismittel beigebracht hat, dass  das  BFM  die  Asylgesuche  der  Beschwerdeführer  mit  Verfügung  vom 8. September 2011 – eröffnet am 9. September 2011 – ablehnte, die  Wegweisung aus der Schweiz verfügte und den Vollzug der Wegweisung  anordnete, dass  das  BFM  zur  Begründung  im  Wesentlichen  anführte,  die  Beschwerdeführerin habe sich zu der geltend gemachten Vergewaltigung  widersprüchlich geäussert, indem sie die Zahl der Täter einmal auf zwei,  ein anderes Mal auf drei beziffert habe, 

E­5600/2011 dass sie bei der summarischen Befragung angegeben habe, das Ereignis  habe  im  Jahre  2010  stattgefunden,  bei  der  Anhörung  habe  sie  andererseits  festgehalten,  es  habe  sich  drei  bis  vier  Monate  nach  der  Ermordung des Neffen, was sich auf (…) datieren liesse, ereignet,      dass demnach ihre Vorbringen nicht glaubhaft seien,  dass  zudem den eingereichten Zeitungsausschnitten  zu entnehmen sei,  dass die beiden Vorfälle, bei welchen ein Familienmitglied getötet worden  sei,  ohne  Zusammenhang  mit  einer  Angelegenheit  der  Mafia  oder  mit  ethnischer Diskriminierung stünden,  dass  es  sich  beim  ersten  Fall  um  einen  nachbarschaftlichen  Streit  gehandelt  habe,  bei  dem  Alkohol  eine  wesentliche  Rolle  gespielt  habe  und der Täter für seine Tat verurteilt worden sei,  dass  sich  beim  tragischen  Vorfall  des  Jahres  2009  die  Beteiligten  ebenfalls  gekannt  hätten,  da  die  Täter  aus  den  Familien  in  der  Nachbarschaft  stammen  würden  und  der  Auseinandersetzung  nicht  die  ethnische  Zugehörigkeit  zugrunde  gelegen  habe,  sondern  Geldstreitigkeiten  zwischen  dem  Neffen  des  Ehemannes  der  Beschwerdeführerin und dem Oberhaupt der Familie der anderen Partei, dass  die  Urheber  des  Mordes  am  Neffen  zu  unbedingten  Gefängnisstrafen verurteilt worden seien,      dass  die  Widersprüche  zwischen  den  Ausführungen  und  der  in  den  Beweismitteln  beschriebenen  Realität  dementsprechend  nicht  auf  die  Glaubhaftigkeit der Vorbringen schliessen lassen würden,  dass weiter die von den Beschwerdeführern geschilderten Übergriffe, die  von Drittpersonen ausgegangen seien, nur dann asylrelevant seien, wenn  der  Staat  seiner  Schutzpflicht  nicht  nachkomme  oder  nicht  in  der  Lage  sei, Schutz zu gewähren, dass die als Beweismittel eingereichten Zeitungsartikel den Schluss nahe  legen würden, dass die Beschwerdeführer in ihrem Herkunftsland Zugang  zur Justiz gehabt hätten,    dass es ferner keinem Staat gelingen könne, die absolute Sicherheit aller  Bürger jederzeit und überall zu garantieren,

E­5600/2011 dass  der  Vollzug  der Wegweisung  zulässig,  zumutbar  und möglich  sei,   zumal  sie  dort  über  ein  Beziehungsnetz  verfügen  würden  und  im  Familienbetrieb, für deren Auflösung kein Nachweis erbracht worden sei,  einer Erwerbstätigkeit nachgehen könnten,  dass die Beschwerdeführer mit Eingabe vom 10. Oktober 2011 (Eingabe  und  Poststempel)  durch  ihren  Rechtsvertreter  gegen  diesen  Entscheid  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  erheben  und  beantragen  liessen,  die  Verfügung  des  BFM  vom  8.  September  2011  sei  vollumfänglich  aufzuheben  und  die  Asylgesuche  der  Beschwerdeführer  seien  gutzuheissen,  eventualiter  sei  der  Entscheid  des  Bundesamtes  aufzuheben  und  die  Sache  zur  Neubeurteilung  an  die  Vorinstanz  zurückzuweisen,  subeventualiter  sei  die  Wegweisungsverfügung  aufzuheben  und  die  Beschwerdeführer  seien  in  der  Schweiz  vorläufig  aufzunehmen,  dass sie  in prozessualer Hinsicht um unentgeltliche Prozessführung und  unentgeltliche Verbeiständung ersuchten,  dass  die  Instruktionsrichterin  die  Gesuche  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  und  2  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) wegen Aussichtslosigkeit der  Beschwerdebegehren  mit  Zwischenverfügung  vom  18.  Oktober  2011  abwies und die Beschwerdeführer aufforderte, bis zum 2. November 2011  einen Kostenvorschuss von Fr. 600.– zu leisten, dass der Kostenvorschuss fristgereicht geleistet wurde, und zieht in Erwägung, dass  das  Bundesverwaltungsgericht  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  in  der  Regel  –  so  auch  vorliegend  –  endgültig  über  Beschwerden  gegen  Verfügungen  (Art. 5  VwVG)  des BFM entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR 142.31)  i. V. m.  Art. 31 – 33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG, SR 173.110]),

E­5600/2011 dass  die  Beschwerdeführer  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen  haben,  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  sind,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung  haben  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  sind  (Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art.  37  VGG  und  Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass  im Übrigen auf die  frist­ und  formgerecht eingereichte Beschwerde  (Art. 108  Abs. 1  AsylG;  Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art. 37  VGG  und  Art. 52  Abs. 1 VwVG) einzutreten ist,  dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass  im vorliegenden Verfahren gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG auf  die Einholung einer Vernehmlassung verzichtet wurde, dass die Schweiz Flüchtlingen grundsätzlich Asyl  gewährt  (Art. 2 Abs. 1  AsylG), wobei Flüchtlinge Personen sind, die  in  ihrem Heimatstaat oder  im  Land,  in  dem  sie  zuletzt  wohnten,  wegen  ihrer  Rasse,  Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden  (Art. 3 Abs. 1 AsylG) und den  frauenspezifischen Fluchtgründen  Rechnung zu tragen ist (Art. 3 AsylG), dass die Flüchtlingseigenschaft nachgewiesen oder zumindest glaubhaft  gemacht werden muss (Art. 7 AsylG), dass die Flüchtlingseigenschaft glaubhaft gemacht ist, wenn die Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält, dass  Vorbringen  insbesondere  dann  unglaubhaft  sind,  wenn  sie  in  wesentlichen  Punkten  zu  wenig  begründet  oder  in  sich  widersprüchlich  sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte  oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden, dass  das  BFM  in  seiner  Verfügung  zu  Recht  Zweifel  an  der  Glaubhaftigkeit  der  von  der  Beschwerdeführerin  geltend  gemachten 

E­5600/2011 Vergewaltigung, die sie widersprüchlich geschildert hat, hegte (vgl. S. 3f.  vorne),  dass selbst wenn die Vergewaltigung tatsächlich stattgefunden hätte, was  ohne  Zweifel  ein  schwer  zu  verarbeitendes  Erlebnis  darstellen  würde,  sich  im vorliegenden Falle keine Hinweise auf eine relevante Verfolgung  nach  Art.  3  AsylG  ergeben  hätten  und  die  Beschwerdeführerin  die  Tat  hätte anzeigen können,  dass  dieses  Ereignis  zudem  nicht  für  die  Ausreise  ausschlaggebend  gewesen wäre, zumal sie noch mehrere Monate danach  in  ihrer Heimat  verblieben sei,    dass  der  bosnische  Staat  sodann  sowohl  über  funktionierende  Polizeiorgane als auch über ein Rechts­ und Justizsystem verfügt, dass  dies  auch  daraus  ersichtlich  wird,  dass  die  Mörder  in  beiden  erwähnten Fällen zur Rechenschaft gezogen wurden,  dass an dieser Stelle nicht zu beurteilen ist, ob ihre Verurteilung zu mild  war  –  wie  dies  in  der  Beschwerde  gerügt  wird  –  zumal  die  Beschwerdeführerin  keine  diesbezüglichen  Gerichtsakte  beziehungsweise kein Urteil einreichte, womit die genauen Umstände des  Mordes und des darauffolgenden Strafverfahrens nicht klar sind,  dass  die  Schilderungen  der  Beschwerdeführer  anlässlich  der  Befragungen  und  in  der  Beschwerde,  der  Staat  arbeite  mit  der  Mafia  zusammen, angesichts einer anderen Realität übersteigert anmuten,  dass  im Übrigen weder  die Beschwerdeführerin  selbst  noch  ihre Kinder  jemals Probleme mit den Behörden oder allenfalls der Mafia hatten,  dass  ebenfalls  keine  Hinweise  auf  eine  Verfolgung  aus  ethnischen  Gründen vorliegen,   dass daher ihre angebliche Furcht, getötet zu werden, unbegründet ist,   dass  im  Übrigen Mitglieder  der  Familie  ihres  Schwagers,  die  durch  die  Tötung  ihres  Familienmitglieds  direkt  betroffen  wurden,  offensichtlich  weiterhin am gleichen Ort leben,

E­5600/2011 dass daher die Behauptung, die Mafia habe in allen Medien proklamiert,  die ganze Familie H._______ umzubringen, haltlos ist,   dass weiter  in  der  Beschwerde  im Wesentlichen  die  bereits  bekannten,  zur  Begründung  der  Asylgesuche  geltend  gemachten  Sachverhaltselemente  wiederholt  werden  und  an  der  Glaubhaftigkeit  beziehungsweise asylrechtlichen Relevanz derselben festgehalten wird, dass  jedoch  keine  neuen,  erheblichen  Argumente  vorgetragen  werden,  die  allenfalls  geeignet  wären,  zu  einer  von  derjenigen  des  BFM  abweichenden Beurteilung der Asylgesuche zu gelangen, dass die Beschwerdeführerin auch bei einer allfälligen Bedrohung durch  Dritte  bei  den  bosnischen  Behörden  Schutz  suchen  könnte,  zumal  Bosnien und Herzegowina durch den Bundesrat am 1. August 2003 als  so genanntes Safe­country bezeichnet wurde  (vgl. Art. 6 Abs. 2 AsylG),  weshalb  von  der  Schutzfähigkeit  und  vom  Schutzwillen  dieses  Staates  auszugehen ist, dass  es  den  Beschwerdeführern  somit  nicht  gelingt,  die  Flüchtlingseigenschaft  nachzuweisen  oder  zumindest  glaubhaft  zu  machen, weshalb das BFM die Asylgesuche zu Recht abgelehnt hat, dass die Ablehnung eines Asylgesuchs in der Regel die Wegweisung aus  der Schweiz zur Folge hat (Art. 44 Abs. 1 AsylG), vorliegend der Kanton  keine  Aufenthaltsbewilligung  erteilt  hat  und  zudem  kein  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen  besteht  (vgl.  BVGE  2009/50  E.  9  S. 733,  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  2001  Nr. 21),  weshalb  die  verfügte  Wegweisung  im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen steht und  demnach vom Bundesamt zu Recht angeordnet wurde, dass das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  regelt,  wenn  der  Vollzug  der Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar  oder  nicht  möglich  ist  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember  2005  über  die Ausländerinnen  und  Ausländer [AuG, SR 142.20]), dass  bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gemäss  ständiger  Praxis  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft  gilt,  das  heisst,  sie  sind  zu  beweisen,  wenn  der 

E­5600/2011 strikte  Beweis  möglich  ist,  und  andernfalls  wenigstens  glaubhaft  zu  machen (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl,  in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser  [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148), dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zulässig  ist,  wenn  völkerrechtliche  Verpflichtungen  der  Schweiz  einer  Weiterreise  der  Ausländerin oder des Ausländers  in den Heimat­, Herkunfts­ oder einen  Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG), dass  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen werden darf, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus  einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom  28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]), dass  es  den  Beschwerdeführern  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung  nachzuweisen  oder  glaubhaft  zu  machen,  weshalb das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen  Non­Refoulement  im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  findet,  und keine Anhaltspunkte für eine menschenrechtswidrige Behandlung im  Sinne  von  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101),  von  Art. 3  des  Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art. 3  der  Konvention  vom  4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten  (EMRK,  SR 0.101)  ersichtlich  sind,  die  ihnen  in  Bosnien  und  Herzegowina drohen, dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  vorliegend  in  Beachtung  der  massgeblichen völker­ und landesrechtlichen Bestimmungen zulässig ist,  dass sich der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer als unzumutbar  erweist,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer  Notlage konkret gefährdet sind (Art. 83 Abs. 4 AuG), dass  weder  die  allgemeine  Lage  in  Bosnien  und  Herzegowina  noch  individuelle Gründe auf eine konkrete Gefährdung der Beschwerdeführer  im Falle einer Rückkehr schliessen lassen, 

E­5600/2011 dass  sie  gemäss  ihren  Aussagen  über  ein  verwandtschaftliches  Beziehungsnetz  verfügen  (Schwager  und  seine  Familie)  und  in  F._______ ein Haus besitzen, dass  ferner  in  F._______  eine  bedeutende  Roma­Minderheit  lebt  und  daher davon ausgegangen werden kann, dass die Beschwerdeführer, die  Mitgliedschaftskarten  des  dortigen  Romavereins  einreichten  und  in  der  gleichen  Gemeinde  während  zehn  Jahren  wohnten,  über  einen  Bekanntenkreis verfügen,   dass  es  weiter  in  der  Gemeinde  F._______  Projekte  gibt,  um  den  Analphabetismus  zu  bekämpfen  und  insbesondere  Roma­Kindern  den  Zugang  zu  Bildung  und  somit  zur  aktiven  Teilnahme  an  der  Zivilgesellschaft zu ermöglichen, weshalb davon auszugehen ist, dass die  Kinder der Beschwerdeführerin  in  ihrer Heimat  in die Schule gehen und  eine Ausbildung in ihrer Muttersprache machen können,  dass sie von Seiten  ihrer  in (…)  lebenden weiteren Verwandten (Mutter,  drei  Brüder  und  zwei  Schwestern  der  Beschwerdeführerin)  eine  Unterstützung  erwarten  dürfen,  weshalb  die  Beschwerdeführerin,  die  zwar psychisch angeschlagen, grundsätzlich jedoch gesund ist, sich und  ihren Kindern in ihrer Heimat eine Zukunft aufbauen kann,     dass  sie  im  Übrigen  auch  durch  ihre  (…)  Tochter  dabei  unterstützt  werden kann, dass  die  Depressionen  der  Beschwerdeführerin  bereits  in  ihrer  Heimat,  wo  sie  sich  dagegen  ambulant  und  medikamentös  behandeln  liess,  bestanden  haben,  und  ihren  Ursprung  offenbar  vor  allem  darin  finden,  dass  der  älteste  Sohn  weggegangen  ist  und  sie  von  ihrem  Mann  verlassen wurde,  dass sie daher Zugang zu medizinischen Einrichtungen hatte und nichts  dagegen spricht, dass sie sich nicht weiterhin in ihrer Heimat medizinisch  behandeln lassen könnte, dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  in  Anbetracht  der  Aktenlage  nicht  unzumutbar ist, dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  der  Beschwerdeführer  in  den  Heimatstaat  schliesslich  möglich  ist,  da  keine  Vollzugshindernisse  bestehen (Art. 83 Abs. 2 AuG), und es ihnen obliegt, bei der Beschaffung 

E­5600/2011 gültiger  Reisepapiere  mitzuwirken  (die  Beschwerdeführerin  (…)  im  Besitze einer gültigen Licna Karta) (Art. 8 Abs. 4 AsylG), dass  es  den  Beschwerdeführern  demnach  nicht  gelungen  ist  darzutun,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den  rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig  feststellt oder  unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen  ist,  dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr. 600.–  (Art. 1 – 3  des Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 173.320.2]) den Beschwerdeführern aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1  VwVG), dass  die  Kosten  durch  den  in  derselben  Höhe  geleisteten  Kostenvorschuss gedeckt und mit diesem zu verrechnen sind. (Dispositiv nächste Seite)

E­5600/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.–  werden  den  Beschwerdeführern  auferlegt.  Sie  sind  durch  den  geleisteten Kostenvorschuss  gedeckt  und  werden mit diesem verrechnet. 3.  Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführer, das BFM und die zuständige  kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Gabriela Freihofer Blanka Fankhauser Versand:

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