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Bundesverwaltungsgericht 01.02.2012 E-5544/2011

1. Februar 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,231 Wörter·~11 min·1

Zusammenfassung

Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung | Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; Verfügung des BFM vom 10. August 2011

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung V E­5544/2011 Urteil   v om   1 .   Februar   2012   Besetzung Richterin Christa Luterbacher (Vorsitz), Richter Martin Zoller, Richterin Emilia Antonioni, Gerichtsschreiberin Sarah Diack. Parteien A._______, geboren am (…), B._______, geboren am (…)  und deren Kind C._______, Geburtsdatum aus den Akten nicht feststellbar, Kolumbien,     Beschwerdeführende,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung;  Verfügung des BFM vom 10. August 2011 / N (…).

E­5544/2011 Sachverhalt: A.  Die  Beschwerdeführenden,  Indigene  des  Volkes  D._______  und  Staatsangehörige Kolumbiens aus (...)  im Departement (...),  reichten am  19. Dezember 2008  (Datum  Eingang  bei  der  Botschaft)  auf  der  schweizerischen  Botschaft  in  Bogotá  ein  Asylgesuch  ein.  In  einem  Schreiben vom 15. Januar 2009 forderte die schweizerische Botschaft die  Beschwerde­führenden  auf,  weitere  Angaben  zu  ihrem  Asylgesuch  zu  machen, und stellte ihnen einen Fragebogen zu.  Mit Schreiben vom 12. Februar 2009  reichten die Beschwerdeführenden  die  Beantwortung  der  gestellten  Fragen  ein  und  liessen  der  Botschaft  gleichzeitig umfangreiche Dokumente (darunter zahlreiche Bestätigungen  verschiedenster  Organisationen  und  Behörden  bezüglich  des  Verfolgungsrisikos  und  der  Zugehörigkeit  der  Beschwerdeführenden  zu  den  D._______  sowie  Zeitungsartikel  über  Attentate  und  Übergriffe  der  "Fuerzas  Armadas  Revolucionarias  de  Colombia"  [FARC]  etc.)  als  Beweismittel  zukommen.  Die  Beschwerdeführenden  machten  im  Wesentlichen  geltend,  dass  sie  als Mitglieder – und der Beschwerdeführer insbesondere als Führer – der  indigenen Gruppe der D._______ von der FARC und in letzter Zeit auch  von den Paramilitärs landesweit verfolgt würden. B.  Mit Überweisungsschreiben vom 10. März 2009  (Eingang beim BFM am  18. März 2009) schickte die schweizerische Botschaft  in Kolumbien das  Asylgesuch der Beschwerdeführenden an das BFM  in der Schweiz und  hielt  darin  fest,  dass  aus  Kapazitätsgründen  eine  Anhörung  der  Beschwerdeführenden  nicht möglich  gewesen  sei,  diese  von  der  FARC  verfolgt würden, jedoch keine national bekannten Persönlichkeiten seien,  keine Beziehung zur Schweiz hätten und keine der Landessprachen (der  Schweiz) sprächen. C.  Mit  Schreiben  vom  30. Oktober 2009  (Eingang  bei  der  Botschaft:  6. November  2009)  gelangten  die  Beschwerdeführenden  mit  weiteren  Ausführungen  und Dokumenten  (darunter  namentlich  ein Schreiben  der  FRENTE21­FARC­EP  vom  September  2009,  den  Beschwerdeführer  betreffend, eine Bestätigung der kolumbianischen Behörden  "Defenseria  del Pueblo" vom 21. Oktober 2009 darüber, dass der Beschwerdeführer 

E­5544/2011 Leader  der  D._______  sei,  sowie  weitere  Schreiben  der  Behörden  bezüglich  der  Zugehörigkeit  der  Beschwerdeführenden  zu  den  D._______  und  deren  Unterstützung  resp.  Gefährdung)  an  die  schweizerische Botschaft. Diese Eingabe wurde am 13. November 2009  an das BFM weitergeleitet. D.  Die  Beschwerdeführenden  wandten  sich  in  einem  Schreiben  vom  7. Mai 2010  (Eingang bei  der Botschaft  am 31. Mai 2010)  erneut  an die  schweizerische  Vertretung  in  Bogotá  und  reichten  weitere  Dokumente  (darunter  eine  Bestätigung  der  "Organizacion  Nacional  Indigena  de  Columbia", ONIC, vom 10. Mai 2010) zu den Akten. E.  Mit  Verfügung  vom  10. Mai 2010  führte  die  Vorinstanz  aus,  dass  sie  aufgrund der schriftlichen Begründung des Asylgesuchs und der diesem  beigelegten ausführlichen Dokumentation den Sachverhalt als erstellt und  eine  Anhörung  auf  der  Botschaft  als  nicht  nötig  erachte.  Weiter  beabsichtige  sie,  das  Asylgesuch  abzulehnen  und  die  Einreise  der  Beschwerdeführenden  in  die  Schweiz  zu  verweigern.  Dazu  wurde  den  Beschwerdeführenden mit Fristansetzung (innert 30 Tagen ab Erhalt) das  rechtliche Gehör erteilt. Den Eingang der entsprechenden Stellungnahme  wartete das BFM nicht ab, sondern nahm  fälschlicherweise die Eingabe  vom  7.  Mai  2010  als  Stellungnahme  der  Beschwerdeführenden  im  Rahmen des rechtlichen Gehörs entgegen. F.  Mit  Verfügung  vom  24.  Juni  2010  (von  der  schweizerischen  Botschaft  versandt  am  8.  Juli  2010)  lehnte  die  Vorinstanz  das  Asylgesuch  der  Beschwerdeführenden ab und verweigerte  ihnen die Einreisebewilligung  in die Schweiz. Zur Begründung hielt sie fest, die Beschwerdeführenden  seien  nicht  schutzbedürftig  im  Sinne  des  Art. 3 des  Asylgesetzes  vom  26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31).  G.  Die  Stellungnahme  im  Rahmen  des  rechtlichen  Gehörs  erfolgte  mit  Eingabe der Beschwerdeführenden vom 28. Juni 2010 (Eingang bei der  schweizerischen  Botschaft  am   7.  Juli  2010),  mit  der  weitere  Ausführungen gemacht und Dokumente – allesamt in spanischer Sprache  – eingereicht wurden.

E­5544/2011 H.  Mit  Urteil  vom  24.  Januar  2011  (E­5752/2010)  hiess  das  Bundesverwaltungsgericht  die  gegen  die  Verfügung  vom  24.  Juni  2010  erhobene Beschwerde – datiert vom 21. Juli 2010  (gleichentags bei der  Botschaft eingegangen) – gut, hob die Verfügung des BFM vom 24. Juni  2010 auf und wies die Vorinstanz an, den rechtserheblichen Sachverhalt  vollständig  festzustellen  und  in  der  Sache  neu  zu  entscheiden.  Dabei  wurde festgestellt, dass die vorinstanzliche Aktenführung als offenkundig  mangelhaft bezeichnet werden müsse, da die Akten weder paginiert noch  in  einem  Aktenverzeichnis  aufgeführt  worden  seien.  Zudem  habe  die  Vorinstanz das rechtliche Gehör der Beschwerdeführenden verletzt, weil  sie  ihre Verfügung während  laufender  Frist  zur Stellungnahme erlassen  und die Eingabe der Beschwerdeführenden  im Rahmen des  rechtlichen  Gehörs  nicht  abgewartet  habe.  Zudem  seien  sämtliche  Eingaben  und  Dokumente  der  Beschwerdeführenden  in  spanischer  Sprache  verfasst;  weder  seien  aber  die  Beschwerdeführenden  aufgefordert  worden,  im  Rahmen  ihrer  Mitwirkungspflicht  Übersetzungen  in  eine  Amtssprache  einzureichen,  noch  sei  für  die  Übersetzung  –  wenigstens  der  wesentlichen  Passagen  –  der  Dokumente  gesorgt  worden;  dadurch  sei  die  Pflicht  zur  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  verletzt  worden. I.  Es  befinden  sich  weitere,  als  "Zusatzinformation"  im  Aktenverzeichnis  betitelte,  Dokumente  bei  den  Akten,  bei  denen  unklar  ist,  mit  welcher  Eingabe sie erfolgt sind; so das Aktenstück A21/26,  in welchem diverse  spanischsprachige  Beweisunterlagen  mit  einer  Bostitch­Klammer  zusammengeheftet sind. Etliche Aktenstücke sind sodann nicht paginiert  (diverse  Schreiben  des  kolumbianischen  Innen­  und  Justizministeriums,  teils  datiert,  teils  undatiert,  teils  mit  Übersetzungen;  ein  spanischsprachiges  Schreiben  des  Beschwerdeführers,  adressiert  an  (...),  Fiscalìa  General  de  la  Nación,  datiert  vom  20.  April  2011,  ohne  Übersetzung).  J.  Mit Schreiben vom 3. Mai 2011 ersuchte das BFM den schweizerischen  Botschafter  in  Bogotá,  mit  den  Beschwerdeführenden  eine  mündliche  Anhörung gemäss dem aufgeführten Fragenkatalog durchzuführen sowie  diese zur Einreichung zweier Dokumente samt Übersetzung aufzufordern (vgl. A20/4). 

E­5544/2011 K.  Am  19.  Mai  2011  wurden  die  Beschwerdeführenden  angehört  (A22/4).  Die  schweizerische  Botschaft  in  Bogotá  leitete  das  spanische  Anhörungsprotokoll am 26. Mai 2011 an das BFM in der Schweiz weiter  unter  Beifügung  einer  "Beurteilung"  durch  die  zuständige  Sachbearbeiterin. Auf den Inhalt des Schreibens wird in den Erwägungen  eingegangen.   L.  Am 15. Juni 2011  (Eingang bei der schweizerischen Botschaft: 16. Juni  2011)  reichten  die  Beschwerdeführenden  mit  spanischsprachiger  Eingabe die verlangten Übersetzungen der Dokumente (Dokumente des  Innen­  und  Justizministeriums,  teils  undatiert,  teils  datiert  vom  11.  Juni  2010, betreffend die Aufnahme ins Schutzprogramm) bei der Botschaft in  Bogotá  ein.  Diese  Eingabe  wurde  dem  BFM  am  20.  Juni  2011  weiter  geleitet.  M.  Am 10. August  2011  (gemäss Empfangsbestätigung  "Acuso de Recibo"  am  28.  August  2011  eröffnet)  verfügte  das  BFM,  den  Beschwerdeführenden werde  die  Einreise  in  die  Schweiz  nicht  bewilligt  und ihre Asylgesuche würden abgelehnt.  N.  Mit  vom  21.  September  2011  datierter  deutschsprachiger  Eingabe  (Eingang  bei  der  Schweizerischen  Botschaft  am  28.  September  2011)  fochten die Beschwerdeführenden diesen Entscheid an und beantragten  sinngemäss, die vorinstanzliche Verfügung sei aufzuheben, ihnen sei die  Einreise in die Schweiz zu bewilligen und es sei ihnen Asyl zu gewähren. O.  Auf  die Begründung der  angefochtenen  vorinstanzlichen Verfügung und  der  Beschwerdeschrift  wird,  soweit  entscheidwesentlich,  in  den  Erwägungen eingegangen.  Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 

E­5544/2011 1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember 1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021). Das BFM gehört  zu den Behörden nach Art. 33 VGG und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG  liegt nicht  vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist somit zuständig für die Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  im  Bereich  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  AsylG,  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2. Das Verfahren  richtet  sich  nach  dem VwVG,  soweit  das  VGG  und  das AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3.  Die  angefochtene  Verfügung  vom  10.  August  2011  wurde  den  Beschwerdeführenden  gemäss  dem  sich  in  den  Akten  befindenden  "Empfangsschein" (Acuso de Recibo) am 28. August 2011 zugestellt; die  Beschwerdeschrift ging bei der Botschaft am 28. September 2011 – und  damit  fristgerecht  –  ein.  Im  Übrigen  ist  die  Beschwerde  formgerecht  verfasst,  die  Beschwerdeführenden  haben  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen,  sind  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  haben  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung;  sie  sind  daher  zur  Einreichung  der Beschwerde auch  legitimiert  (Art. 37 VGG  i.V.m. Art. 48,  50 und 52  VwVG). Auf die Beschwerde ist mithin einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  Gestützt  auf  Art.  111a  Abs.  1  AsylG  wurde  vorliegend  auf  die  Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4.  4.1. Gemäss Art. 19 Abs. 1 AsylG kann ein Asylgesuch  im Ausland bei  einer  schweizerischen  Vertretung  gestellt  werden,  welche  es mit  einem 

E­5544/2011 Bericht  an  das  Bundesamt  überweist  (Art.  20  Abs.  1  AsylG).  Die  schweizerische  Vertretung  führt  mit  der  asylsuchenden  Person  in  der  Regel  eine  Befragung  durch  (Art.  10  Abs.  1  der  Asylverordnung 1  vom  11. August 1999 über Verfahrensfragen  [AsylV 1, SR 142.311]).  Ist  dies  nicht  möglich,  so  wird  die  asylsuchende  Person  von  der  Vertretung  aufgefordert, ihre Asylgründe schriftlich festzuhalten (Art. 10 Abs. 2 AsylV  1).  Die  schweizerische  Vertretung  überweist  dem  Bundesamt  das  Befragungsprotokoll  oder  das  schriftliche  Asylgesuch  sowie  weitere  zweckdienliche  Unterlagen  und  einen  ergänzenden  Bericht,  der  ihre  Beurteilung des Asylgesuchs enthält (Art. 10 Abs. 3 AsylV 1). 4.2.  Das  Bundesamt  kann  ein  im  Ausland  gestelltes  Asylgesuch  ablehnen,  wenn  die  asylsuchende  Person  keine  Verfolgung  glaubhaft  machen  kann  oder  ihr  die  Aufnahme  in  einem  Drittstaat  zugemutet  werden kann (vgl. Art. 3, Art. 7 und Art. 52 Abs. 2 AsylG). Gemäss Art. 20  Abs.  2 AsylG  bewilligt  das Bundesamt  einer  asylsuchenden Person  die  Einreise  zur  Abklärung  des  Sachverhaltes,  wenn  ihr  nicht  zugemutet  werden kann,  im Wohnsitz­ oder Aufenthaltsstaat zu bleiben oder  in ein  anderes Land auszureisen. Gestützt auf Art.  20 Abs. 3 AsylG kann das  Eidgenössische  Justiz­  und  Polizeidepartement  (EJPD)  schweizerische  Vertretungen  ermächtigen,  einer  asylsuchenden  Person  die  Einreise  zu  bewilligen,  die  glaubhaft macht,  dass  eine  unmittelbare Gefahr  für  Leib  und  Leben  oder  für  die  Freiheit  aus  einem  Grund  nach  Art.  3  Abs.  1  AsylG bestehe. 5.  5.1.  Die  Behörde  ist  aufgrund  der  geltenden  Untersuchungsmaxime  verpflichtet, von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung  des  rechtserheblichen  Sachverhaltes  zu  sorgen  (Art.  12  VwVG).  Es  obliegt  ihr  im  Rahmen  des  rechtlichen  Gehörs  (Art.  29  Abs.  2  der  Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April  1999  [BV, SR 101], Art. 29 und 32 Abs. 1 VwVG), die Vorbringen eines  Gesuchstellers  entgegen  zu  nehmen,  diese  auch  wirklich  zu  hören,  sorgfältig  zu  prüfen  und  in  der  Entscheidfindung  zu  berücksichtigen  (BVGE  2008/47  mit  weiteren  Hinweisen).  Der  Entscheid  ist  sodann  zu  begründen; die Begründung soll es der betroffenen Person ermöglichen,  den Entscheid gegebenenfalls sachgerecht anzufechten, was nur möglich  ist,  wenn  sich  sowohl  diese  als  auch  die  Rechtsmittelinstanz  über  die  Tragweite des Entscheides ein Bild machen können (vgl. BGE 129 I 232  E. 3.2; EMARK 2006 Nr. 24 E. 5.1. S. 256). Dies wiederum ist nur dann  möglich, wenn alle wesentlichen Aktenstücke – zumindest  in übersetzter 

E­5544/2011 Form  –  in  einer  Amtssprache  vorliegen.  Die  verfügende  Behörde muss  sich indes nicht explizit mit jedem Vorbringen und jeder rechtlichen Rüge  auseinandersetzen;  vielmehr  darf  sie  sich  auf  die  wesentlichen  Gesichtspunkte beschränken (BGE 126 I 97 E. 2b).  5.2. Gemäss  gefestigter Rechtspraxis  obliegt  der  Verwaltung  auch  eine  Aktenführungspflicht,  da  diese  das  Gegenstück  zum  ─  Bestandteil  des  rechtlichen  Gehörs  nach  Art.  29  Abs.  2  BV  bildenden  ─  Akteneinsichtsrecht der betroffenen Person darstellt  (BGE 130  II 473 E.  4.1  S.  477).  Die  Akten  sind  somit  grundsätzlich  von  Anfang  an  in  chronologischer  Reihenfolge  abzulegen  und  beim  Eingang  eines  Akteneinsichtsgesuchs beziehungsweise spätestens bei Entscheidfällung  durchgehend  zu  paginieren,  wobei  in  der  Regel  auch  ein  Aktenverzeichnis  zu  erstellen  ist,  welches  sämtliche  Eingaben  des  Verfahrens  chronologisch  auflistet  (Urteil  des  Bundesgerichts  vom  19.  Mai 2011 [2C_327/2010] mit weiteren Hinweisen). 6.  Mit  Urteil  vom  24.  Januar  2011  (vgl.  Bst.  H)  hat  das  Bundesverwaltungsgericht festgestellt, die Vorinstanz habe das rechtliche  Gehör  der  Beschwerdeführenden  verletzt,  weil  sie  keine  mündliche  Anhörung  durchgeführt  hatte  und  die  Akten  in  unpaginierter  Form  belassen  habe.  Weiter  wurde  festgehalten,  dass  aufgrund  der  Mitwirkungspflicht  der  Parteien  von  Asylsuchenden  verlangt  werden  könne, für die Übersetzung ihrer fremdsprachigen Dokumente besorgt zu  sein  (Art. 8 Abs. 2 AsylG). Falls das BFM auf diesen Hinweis verzichte,  obliege  es  ihm,  im  Rahmen  einer  gehörigen  Dossierführung  jedenfalls  jene Schriftstücke, die für die Beurteilung der Sach­ und Rechtslage von  Bedeutung  seien  –  zumindest  in  summarischer  Weise  –  von  Amtes  wegen  zu  übersetzen.  Die  Vorinstanz  habe  die  Beschwerdeführenden  aber  weder  unter  Hinweis  auf  ihre  Mitwirkungspflicht  aufgefordert,  sich  um  Übersetzungen  der  Dokumente  und  Eingaben  zu  bemühen,  noch  habe  sie  selbst  für  die  Übersetzungen  –  wenigstens  der  wesentlichen  Passagen – gesorgt (vgl. Urteil vom 24. Januar 2011, E­5752/2010, E. 4). 7.  7.1.  Im  Folgenden  ist  zu  prüfen,  ob  die  Vorinstanz  seither  den  ihr  obliegenden  Verfahrenspflichten  nachgekommen  ist,  da  diesbezügliche  Verletzungen  allenfalls  geeignet  wären,  eine  Kassation  der  vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken.  http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=8C_319%2F2010&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F130-II-473%3Ade&number_of_ranks=0#page473 http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=8C_319%2F2010&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F130-II-473%3Ade&number_of_ranks=0#page473 http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=8C_319%2F2010&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F130-II-473%3Ade&number_of_ranks=0#page473 http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=8C_319%2F2010&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F130-II-473%3Ade&number_of_ranks=0#page473 http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=8C_319%2F2010&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F130-II-473%3Ade&number_of_ranks=0#page473 http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=8C_319%2F2010&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F130-II-473%3Ade&number_of_ranks=0#page473 http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=8C_319%2F2010&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F130-II-473%3Ade&number_of_ranks=0#page473

E­5544/2011 7.2.  7.2.1. Vorab ist darauf hinzuweisen, dass die Vorinstanz im vorliegenden  Verfahren  ihre  Akten  zwar  paginiert  hat;  dies  jedoch  nur  teilweise  und  nicht  immer  in  chronologisch  nachvollziehbarer  Weise.  So  finden  sich  beispielsweise  im  Aktenverzeichnis  als  "Zusatzinformation"  betitelte  Dokumente,  bei  denen  nicht  klar  ist,  mit  welcher  Eingabe  sie  erfolgten  (A21/26).  Gewisse  Dokumente  bleiben  sodann  unpaginiert  (vgl.  oben  Bst.  I),  womit  erstellt  ist,  dass  die  Vorinstanz  ihrer  Paginierungspflicht  noch  immer  nicht  mit  der  erforderlichen  Sorgfalt  nachgekommen ist.  7.2.2.  Das  BFM  hat  die  Beschwerdeführenden  durch  die  Schweizer  Botschaft  nunmehr  persönlich  anhören  lassen,  womit  es  dieser  grundsätzlichen  Pflicht,  die  der  Sachverhaltserstellung  dient,  nachgekommen  ist.  Dabei  fällt  aber  auf,  dass  das  Anhörungsprotokoll  ausschliesslich  in  spanischer  Sprache  vorliegt  (A22/4)  und  auch  keine  Zusammenfassung  in  einer  Amtssprache  vorliegt.  Gemäss  dem  Schreiben des BFM an die Schweizer Botschaft vom 3. Mai 2011 (A20/4;  vgl.  oben  Bst.  J)  sollten  diverse  Fragen  betreffend   die  Wohnorte  der  Beschwerdeführenden  in  den  letzten  Jahren,  betreffend  die  Verfolgung  durch  paramilitärische  Gruppierungen  sowie  betreffend  das  Schutzprogramm,  in  welches  die  Beschwerdeführenden  aufgenommen  sind,  gestellt  werden.  Die  entsprechenden  Antworten  der  Beschwerdeführenden  sind  auf  insgesamt  drei  engbeschriebenen  Textseiten  protokolliert;  zusätzlich  liegt  eine  einseitige  handschriftliche  Ergänzung zum Protokoll vor. Alle Texte liegen nur in spanischer Sprache  vor  (vgl.  A22/4);  eine  des Spanischen  nicht mächtige Person  kann  sich  über  die  Vorbringen  kein  seriöses  Bild  machen.  Dem  Gericht  ist  somit  auch  eine  seriöse  Überprüfung  der  vorinstanzlichen  Verfügung  nicht  möglich. Anstelle  einer  Übersetzung  der  Aussagen  der  Beschwerdeführenden  befindet sich bei den Akten lediglich eine von der zuständigen Person bei  der  schweizerischen  Botschaft  verfasste  Einschätzung  vom  Umfang  weniger  Zeilen  (A23/1),  welche  persönliche  Einschätzungen  nicht  der  Vorbringen, sondern der Person des Beschwerdeführers beinhaltet, die in  einer gänzlich subjektiven, teils verletzend­abschätzigen Art ausfallen und  offenkundig  fehl  am Platz  sind. Weiter  wird  die  Einschätzung  vertreten,  wenn  der  Beschwerdeführer  seine  politischen  Aktivitäten  einstellen  würde, wäre er nicht gefährdet ("Il me donne l'impression que s'il cessait  ses  activités,  il  ne  serait  plus  persécuté.").  Auch  diese  Anmerkung – 

E­5544/2011 beziehungsweise  die  Überlegung,  wonach  eine  Person,  die  Verfolgung  aufgrund ihres politischen Engagements geltend macht, der Verfolgung ja  jedenfalls durch Aufgabe der politischen Aktivitäten entgehen könne – ist  in  einem  flüchtlingsrechtlichen  Kontext  ganz  offenkundig  verfehlt  (vgl.  statt vieler WALTER KÄLIN, Grundriss des Asylverfahrens, Basel/Frankfurt  a. M. 1990, S. 88 f.). 7.2.3.  Hinsichtlich  der  Pflicht,  die  Akten  in  eine  Amtssprache  zu  übersetzen  oder  übersetzen  zu  lassen,  ist  sodann  festzustellen,  dass  lediglich  einzelne  der  zahlreichen  eingereichten  Dokumente  in  eine  Amtssprache übersetzt vorliegen. Aus den übersetzten Dokumenten geht  hervor, dass die Beschwerdeführenden als Angehörige der D._______ in  das Schutzprogramm der Regierung aufgenommen worden sind; es wird  sodann Bezug genommen auf eine Risikoanalyse  ("Estudio de Nivel  de  Riesgo")  für  im  Schutzprogramm  stehende  Personen,  und  für  die  Beschwerdeführenden  wird  diesbezüglich  das  Resultat  "spéciale"  bzw.  "extraordinaire"  festgestellt  (vgl.  Dokument  des  kolumbianischen  Innen­  und  Justizministeriums  vom  11.  Juni  2010).  Alle  anderen  eingereichten  Beweismittel  liegen  allesamt  jedoch  ausschliesslich  in  spanischer  Sprache  bei  den  Akten,  obwohl  dieser  Umstand  im  selben  Verfahren  bereits  mit  Urteil  vom  24.  Januar  2011  gerügt  worden  ist.  Daher  ist  nochmals  festzuhalten, dass es sich nicht nachvollziehen  lässt, wie und  aufgrund  welcher  Überlegungen  das  BFM  sich  in  diesem  fast  ausschliesslich  spanischsprachigen  Dossier  seine  Meinung  hat  bilden  können.  Auch  eine  Würdigung  der  vorliegenden  Beweisunterlagen  im  Hinblick  darauf,  ob  sie  als  wesentlich  zu  erachten  seien  (vgl.  Art.  32  VwVG),  bedingt  vorab,  dass  zumindest  summarisch  festgestellt  werden  kann,  worauf  sich  ein  Beweismittel  bezieht  und  um  was  es  sich  dabei  handelt.  Aus  den  Eingaben  in  den  Vorakten,  die  nicht  in  eine  Amtssprache  übersetzt  vorliegen,  lassen  sich  für  eine  Person,  die  des  Spanischen nicht mächtig ist, die entscheidrelevanten Informationen nicht  entnehmen,  womit  für  das  Gericht  eine  sachgerechte  Beurteilung  des  Sachverhaltes  und  der  angefochtenen  Verfügung  nicht  möglich  ist.  Es  kann offenkundig nicht Aufgabe der Rechtsmittelinstanz sein, sich vorab  um  die  Übersetzung  vorinstanzlicher  Akten  zu  kümmern.  Ausserdem  hätte  das  BFM  die  eingereichten  Beweismittel  in  Bezug  auf  ihre  Erheblichkeit  für  das  vorliegende  Verfahren  zumindest  summarisch  würdigen  müssen.  In  der  angefochtenen  Verfügung  wird  dazu  aber  lediglich  ausgeführt wird,  die  eingereichten Beweismittel  vermöchten  an  den Erwägungen  nichts  zu  ändern,  ohne  dass  überhaupt  erwähnt wird,  um was für Dokumente es sich dabei handelt. 

E­5544/2011 7.2.4.  Zur  materiellen  Begründung  des  ablehnenden  Entscheides  stellt  sich  die  Vorinstanz  im  Wesentlichen  auf  den  Standpunkt,  die  Beschwerdeführenden  würden  zwar  darlegen,  dass  sie  von  der  FARC  verfolgt  würden.  Da  es  sich  bei  ihnen  jedoch  nicht  um  landesweit  bekannte  Persönlichkeiten  handle,  sei  ihnen  zuzumuten,  sich  in  einem  anderen  Landesteil  Kolumbiens  niederzulassen,  zumal  sie  sich  seit  mehreren  Jahren  ununterbrochen  in  Bogotá  aufhalten  würden;  daher  bestehe  eine  innerstaatliche  Fluchtalternative.  Im  Übrigen  sei  es  ihnen  zuzumuten,  in  einem  anderen  Land  um  Asylgewährung  nachzusuchen,  wie beispielsweise in einem der Nachbarstaaten Kolumbiens. Die meisten  Staaten  Südamerikas  hätten  die  Flüchtlingskonvention  ratifiziert  und  würden sich gemäss Erkenntnissen des BFM an die damit verbundenen  Verpflichtungen  halten.  Im  Übrigen  würden  die  Beschwerdeführenden  keine besonderen Beziehungen zur Schweiz geltend machen. An diesen  Erwägungen würden auch die weiteren eingereichten Beweismittel nichts  ändern. Das  Bundesverwaltungsgericht  teilt  namentlich  die  Einschätzung,  eine  innerstaatliche  Fluchtalternative  sei  vorhanden,  nicht.  Diesbezüglich  ist  namentlich  nicht  nachvollziehbar,  wieso  die  Vorinstanz  begründungslos  davon  ausgeht,  es  handle  sich  bei  den Beschwerdeführenden  nicht  um  national  bekannte  Persönlichkeiten.  Diesbezüglich  hätte  sich  vorliegend  zumindest  eine Würdigung  des  oben  erwähnten  Beweismittels  vom  11.  Juni  2010  (betreffend  Risikoanalyse  und  Feststellung  eines  ausserordentlichen Risikos bei den Beschwerdeführenden) aufgedrängt.  7.3. Damit hat die Vorinstanz die ihr obliegende Pflicht, die wesentlichen  Sachverhaltselemente festzustellen und zu würdigen, mit ihrer Verfügung  vom  24.  Juni  2010  verletzt,  indem  sie  es  unterliess,  die  Beschwerdeführenden  aufzufordern,  ihre  Eingaben  zu  übersetzen,  oder  selber  für  eine  Übersetzung  zumindest  der  zentralen  Passagen  zu  sorgen,  indem  sie  ihrer  Paginierungspflicht  noch  immer  nicht  in  der  erforderlichen  Sorgfalt  nachgekommen  ist  und  indem  sie  die   Beweismittel nicht einmal summarisch würdigte. 8.  Es  stellt  sich  nun  die  Frage,  ob  die  festgestellten  Verletzungen  geheilt  werden können oder zur Kassation der angefochtenen Verfügung führen  müssen. Das Bundesverwaltungsgericht geht – wie dies schon ständige  Praxis  der  ARK  war  –  davon  aus,  dass  Verletzungen  des  rechtlichen  Gehörs  dank  der  umfassenden  Kognition  der  Beschwerdeinstanz  (vgl. 

E­5544/2011 Art.  106  AsylG)  in  bestimmten  Schranken  geheilt  werden  können;  dies  insbesondere  unter  den  Voraussetzungen,  dass  die  unterbliebene  Handlung nachgeholt wird und die beschwerdeführende Person sich dazu  hat äussern können, wobei nicht von Belang ist, ob die Missachtung von  Verfahrensvorschriften  durch  die  Vorinstanz  auch  Einfluss  auf  das  Ergebnis  hatte. Eine  sachgerechte  Lösung  im Sinne einer Heilung oder  Kassation wird  sich  entscheidend  an  der  Schwere  der  Verletzung  einer  Verfahrensvorschrift,  aber  auch  daran  zu  orientieren  haben,  ob  die  Verletzung auf einem Versehen beruht oder das Resultat einer gehäuften  unsorgfältigen Verfahrensführung ist (zur Heilung von Verfahrensmängeln  vgl. BVGE 2009/54 E. 2.5, 2008/47 E. 3.3.4, je mit weiteren Hinweisen). In  Anbetracht  der  Tatsache,  dass  das  Bundesverwaltungsgericht  aufgrund vorgängiger Verfahrensverletzungen veranlasst war, den bereits  in dieser Sache ergangenen Asylentscheid des BFM vom 24. Juni 2010  mit  Urteil  vom  24.  Januar  2011  zu  kassieren,  beruhen  die  vorliegend  erneut  festgestellten  Verfahrensverletzungen  nicht  auf  einem Versehen,  sondern stellen eine gehäufte unsorgfältige Verfahrensführung dar. Dies  wiegt  schwer,  da  es  hier  um  die  zentrale  Frage  der  Prüfung  des  Vorliegens einreiserelevanter Verfolgung geht. Die bisher  unterlassenen  Vorkehren sind auch nicht nachgeholt worden; der Sachverhalt ist derzeit  nicht hinlänglich erstellt,  und es  ist nicht Sache der Beschwerdeinstanz,  den  rechtserheblichen  Sachverhalt  festzustellen,  wenn  dies  die  Vorinstanz  versäumte;  nicht  zuletzt  entginge  den Beschwerdeführenden  dadurch  eine  Rechtsmittelinstanz.  Aufgrund  des  Gesagten  kommt  vorliegend eine Heilung nicht in Betracht. 9.  Zusammenfassend  ist  festzuhalten,  dass  das  BFM  den  Anspruch  der  Beschwerdeführenden  auf  das  rechtliche  Gehör  verletzt  hat.  Da  eine  Heilung  dieses  Verfahrensmangels  im  Rahmen  des  Beschwerdeverfahrens  nicht  angezeigt  ist,  ist  die  angefochtenen  Verfügung zu kassieren. 10.  10.1. Die obigen Ausführungen und Schlussfolgerungen führen indessen  nicht automatisch dazu, dass den Beschwerdeführenden die Einreise  in  die Schweiz  bereits  zu  bewilligen wäre. Diesbezüglich  ist  zu  prüfen,  ob  die  Beschwerdeführenden  in  ihrem  Heimatland  einer  aktuellen  Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt sind.

E­5544/2011 10.2.  In  der  deutschsprachigen  Beschwerdeschrift  macht  der  Beschwerdeführer  geltend,  dass  er  und  seine  Frau  zwar  in  das  Schutzprogramm  der  Regierung,  namentlich  des  staatlichen  Büros  für  Menschenrechte aufgenommen worden seien, dass die entsprechenden  Massnahmen  jedoch  nur  sehr  dürftig  und  auf  das  Minimum  reduziert  seien.  So  habe  das  Innenministerium  ihnen  eine  kugelsichere  Weste,  eine  finanzielle Unterstützung und ein monatliches Mobiltelefonguthaben  zur  Verfügung  gestellt.  Dieses  Schutzprogramm  biete  jedoch  keine  ausreichenden Garantien,  ihre  körperliche  Integrität  zu  schützen,  es  sei  vielmehr  eine  Verspottung  für  die  vom  Tod  bedrohten  Menschen.  Die  Verfolgung  gehe  durch  illegal  bewaffnete  Gruppen  weiter.  Das  Dekret,  auf  welchem  das  Schutzprogramm  basiere,  diene  lediglich  dazu,  auf  internationaler  Ebene  glaubhaft  zu  machen,  dass  der  kolumbianische  Staat  bedrohte  Menschen  schütze.  Die  Morddrohungen  habe  der  Beschwerdeführer  aufgrund  seiner  politischen  Position  als  Führer  der  D._______  erhalten,  wodurch  er  gezwungen  worden  sei,  das  Departement  (...)  zu  verlassen  und  nach Bogotá  zu  flüchten.  Auch  dort  sei die Sicherheitslage prekär. Sie seien gezwungen gewesen, mehrmals  umzuziehen.  Er  könne  aber  nicht  sein  ganzes  Leben  damit  verbringen,  sich andauernd zu verstecken und zusammen mit seiner Frau und [dem  Kind]  immer  wieder  flüchten  zu  müssen,  nur  deshalb,  weil  seine  Denkweise  nicht  akzeptiert  werde. Obwohl  sein Gefährdungsprofil  nicht  so hoch sei, würde sich ihre Sicherheitslage durch einen Wohnortwechsel  nicht  verbessern,  da  die  D._______  auf  nationalem  Gebiet  zum  militärischen Ziel erklärt worden seien. Die bewaffneten Gruppen würden  die  Informationen und Listen mit allen Einheiten und urbanen Zellen der  FARC  so  handhaben,  dass  niemand  entwische;  er  und  seine  Familie  würde  sich  daher  der  Gefahr  aussetzen,  eliminiert  zu  werden.  Ihr  Sicherheitsproblem  sei  sehr  heikel,  da  sie  nicht  nur  von  den  FARC,  sondern auch von den Paramilitärs verfolgt würden. Auf diese Verfolgung  seitens der Paramilitärs habe er bereits mit Schreiben vom 30. Oktober  2009  und  7.  Mai  2010  hingewiesen.  Die  Flucht  in  ein  lateinamerikanisches  Land  sei  auch  keine  Lösung,  weil  der  Konflikt  die  Grenzen  überschritten  habe,  sie  weiterhin  in  der  ganzen  Region  schutzlos ausgeliefert wären und nicht in Frieden leben könnten. 11.  Die Stichhaltigkeit dieser Vorbringen – wonach der kolumbianische Staat  die Beschwerdeführenden nur unzulänglich  schützen wolle und könne –  lässt  sich  bei  der  derzeitigen  unvollständigen  sachverhaltsmässigen  Aktenlage  nicht  seriös  überprüfen.  Immerhin  darf  festgehalten  werden,  dass die Beschwerdeführenden in einem Schutzprogramm aufgenommen 

E­5544/2011 sind. Es wird der Vorinstanz obliegen, die Fragen der Schutzfähigkeit der  kolumbianischen  Behörden  ebenso  wie  die  Vorbringen  der  Beschwerdeführenden  betreffend  eine  angeblich  grenzüberschreitende  Gefährdung  auch  in  den  Nachbarstaaten  Kolumbiens  nach  korrekter  Erstellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  und  Würdigung  aller  entscheidrelevanten Beweisunterlagen zu beantworten.  12.  Nach  dem  Gesagten  ist  die  Beschwerde  im  Sinne  der  Erwägungen  gutzuheissen.  Die  vorinstanzliche  Verfügung  vom  10.  August  2011  ist  aufzuheben  und  die  Vorinstanz  anzuweisen,  den  rechtserheblichen  Sachverhalt  vollständig  festzustellen,  das  Anhörungsprotokoll  und  die  sachverhaltsrelevanten  Dokumente  zu  übersetzen  oder  übersetzen  zu  lassen,  von  den  vorliegenden  Beweisunterlagen  zumindest  einen  summarischen  Überblick,  um  was  es  sich  handelt,  zu  erstellen,  damit  deren  Erheblichkeit  beurteilt  werden  kann,  und  in  der  Sache  neu  zu  entscheiden.  13.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  keine  Verfahrenskosten  zu  erheben  (Art.  63  Abs.  1  VwVG).  Eine  Parteientschädigung  ist  den  Beschwerdeführenden  –  trotz  Obsiegens  –  mangels  rechtlicher  Vertretung  nicht  zuzusprechen  (Art.  7  und  8  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2]  und  Art.  64  Abs.  1  VwVG).  (Dispositiv nächste Seite).

E­5544/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird gutgeheissen. 2.  Die Verfügung des BFM vom 10. August 2011 wird aufgehoben und das  BFM  angewiesen,  im  Sinne  der  Erwägungen  den  rechtserheblichen  Sachverhalt korrekt und vollständig festzustellen und in der Sache neu zu  entscheiden. 3.  Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4.  Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. 5.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  das  BFM  und  die  Schweizerische Botschaft in Bogotá. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Christa Luterbacher Sarah Diack Versand:

E-5544/2011 — Bundesverwaltungsgericht 01.02.2012 E-5544/2011 — Swissrulings