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Bundesverwaltungsgericht 22.11.2011 E-5509/2011

22. November 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,255 Wörter·~6 min·1

Zusammenfassung

Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung | Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; Verfügung des BFM vom 8. August 2011 /

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung V E­5509/2011 Urteil   v om   2 2 .   No v embe r   2011 Besetzung Einzelrichter Kurt Gysi, mit Zustimmung von Richter Robert Galliker;    Gerichtsschreiberin Barbara Balmelli. Parteien A._______,  Sri Lanka,  Beschwerdeführerin,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Einreisebewilligung und Asylgesuch aus dem Ausland; Verfügung des BFM vom 8. August 2011 / N (…).

E­5509/2011 Sachverhalt: A.  Mit englischsprachiger Eingabe vom 3. Juni 2008 an die Schweizerische  Botschaft  in  Colombo  suchte  die  Beschwerdeführerin  um  Asyl  in  der  Schweiz  nach.  Zur  Begründung  führte  sie  aus,  sie  stamme  aus  B._______  und  sei  alleinerziehende  Mutter  von  fünf  Kindern  im  Alter  zwischen  neun  und  18  Jahren.  Am  16.  März  2008  sei  ihr  Sohn  C._______  zusammen  mit  ihrem  Bruder  von  der  B._______  Police  verhaftet  und  während  eines  Monats  auf  dem  Posten  festgehalten  worden.  In  dieser  Zeit  seien  sie  und  ihre  Kinder  von  Unbekannten  mit  dem  Tod  bedroht  worden.  Ebenfalls  in  diesem  Zeitraum  sei  ihre  Schwester, welche  ihr als alleinerziehende Mutter beigestanden sei, von  Unbekannten  erschossen  worden.  Am  17.  Mai  2008  sei  ihr  Sohn  C._______ von Unbekannten erschossen worden.  B.  Mit  Schreiben  vom  16.  Juni  2008  forderte  die  Botschaft  die  Beschwerdeführerin  –  sofern  sie  am  Gesuch  festhalte  –  auf,  verschiedene  Fragen  zu  beantworten  und  allfällige  Beweismittel  einzureichen beziehungsweise zu bezeichnen. C.  Innert  der  angesetzten  Frist  antwortete  die  Beschwerdeführerin  mit  Schreiben  vom  14.  Juli  2008.  Ergänzend  zu  ihren  bisherigen  Angaben  führte  sie  aus,  sie  habe  von  Unbekannten  ein  Drohschreiben  sowie  Drohanrufe  erhalten.  Am  14.  Juni  2008  hätten  Unbekannte  an  ihre  Haustüre  geklopft.  Sie  sei  in  grosser  Sorge,  dass  ihren  Kindern  das  gleiche  Schicksal  widerfahre  wie  ihrem  Sohn  C._______.  Aus  Angst  verbringe sie die Nächte ausserhalb ihres Hauses. Sie habe niemanden,  der  ihr  helfen  könne. Sie  habe  sich  bei  der Human Rights Commission  (HRC),  dem  International  Red  Cross  (IRC)  und  dem  Sri  Lanka  Red  Cross(SLRC) beschwert. Im Rahmen des Verfahrens  reichte  die Beschwerdeführerin  –  jeweils  in  Kopie – ihre Identitätskarte, vier Auszüge aus dem Geburtsregister, einen  Auszug  aus  dem  Todesregister,  ein  handschriftliches  Schreiben  vom  2. Juli 2008, ein Schreiben der Criminal Division B._______ vom 31. Mai  2008,  ein  Schreiben  des  Officer  in  Charge  der  Criminal  Division  B._______  vom  17.  Mai  2008,  einen  Zeitungsausschnitt,  zwei  Todesanzeigen,  ein  Schreiben  des HRC  vom  7.  Juli  2008,  zwei  Karten 

E­5509/2011 des HRC, eine Karte des SLRC und eine Information Notice des UNHCR  zu den Akten. D.  Am  11.  August  2008  überwies  die  Botschaft  das  Dossier  der  Beschwerdeführerin  dem  BFM  zur  weiteren  Bearbeitung  und  zum  Entscheid.  Im  Begleitschreiben  führte  sie  aus,  infolge  knapper  Personalressourcen  sei  es  der  Botschaft  nicht  möglich,  jeden  Asylsuchenden  zu  befragen.  Aufgrund  der  vorliegenden  Unterlagen  werde  auf  eine  Anhörung  verzichtet,  da  die  Beschwerdeführerin  Erpressungen  beziehungsweise  strafrechtliche  Tatbestände  geltend  mache. E.  Mit Schreiben vom 28. April 2010 teilte das BFM der Beschwerdeführerin  mit,  aufgrund  der  Aktenlage  erachte  es  den  Sachverhalt  als  erstellt,  mithin  bedürfe  es  keiner  Befragung.  Sodann  setzte  es  der  Beschwerdeführerin Frist zur Einreichung einer Stellungnahme bezüglich  ihrer  aktuellen  Situation  sowie  dem  sich  abzeichnenden  negativen  Entscheid. Innert der angesetzten Frist liess sich die Beschwerdeführerin  nicht vernehmen. F.  Mit  Verfügung  vom  8.  August  2011  verweigerte  das  BFM  der  Beschwerdeführerin  die  Einreise  in  die  Schweiz  und  lehnte  das  Asylgesuch ab. Mit Schreiben vom 16. August 2011 leitete die Botschaft  die Verfügung an die Beschwerdeführerin weiter.  G.  Mit  englischsprachiger  Eingabe  vom  12.  September  2011  an  die  Schweizerische  Botschaft  in  Colombo  (Eingang:  26.  September  2011)  zuhanden  des  Bundesverwaltungsgerichts  beantragt  die  Beschwerdeführerin  sinngemäss  die  Aufhebung  der  vorinstanzlichen  Verfügung. Die Beschwerde ging am 6. Oktober 2011 beim Gericht ein. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 

E­5509/2011 1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM  gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]). 1.2.  Der  Zeitpunkt  der  Eröffnung  der  angefochtenen  Verfügung  steht  mangels  Vorliegens  einer  Empfangsbestätigung  nicht  fest.  Da  die  Beweislast  für  die  Zustellung  an  die  Partei  der  eröffnenden  Behörde  obliegt  (vgl.  FRITZ  GYGI,  Bundesverwaltungsrechtspflege,  2.  Aufl.,  Bern  1983, S. 61),  ist zugunsten der Beschwerdeführerin davon auszugehen,  dass die am 26. September 2011 bei der schweizerischen Vertretung  in  Colombo eingegangene Beschwerde rechtzeitig erfolgt ist. 1.3. Die Amtssprachen des Bundes sind das Deutsche, Französische und  Italienische  (vgl.  Art.  70  Abs.  1  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen Eidgenossenschaft  vom 18.  April  1999  [BV, SR  101]).  Aus  prozessökonomischen  Gründen  wird  vorliegend  auf  eine  Rückweisung  der  englischsprachigen  Beschwerde  zur  Übersetzung  in  eine  Amtssprache  verzichtet,  da  die  gestellten  und  hinreichend  begründeten Rechtsbegehren verständlich sind. 1.4.  Die  Beschwerdeführerin  hat  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt, hat ein  schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung und ist  daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert. Auf die frist­ und formgerecht  eingereichte Beschwerde  ist  somit  einzutreten  (Art.  108 AsylG  sowie Art.  105  AsylG i.V.m. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 VwVG). 2.  Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige der 

E­5509/2011 unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  und  die  Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  3.1. Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird  in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise  einer  zweiten  Richterin  entschieden  (Art.  111  Bst.  e  AsylG).  Wie  nachstehend  aufgezeigt,  handelt  es  sich  vorliegend  um  eine  solche,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu  begründen  ist  (Art.  111a  Abs.  2  AsylG). 3.2. Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchführung  eines Schriftenwechsels verzichtet. 4.  4.1.  Gemäss  Art.  2  Abs.  1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Als  Flüchtling  wird  eine  ausländische  Person  anerkannt,  wenn  sie  in  ihrem  Heimatstaat  oder  im  Land,  in  dem  sie  zuletzt  wohnte,  wegen  ihrer Rasse, Religion, Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen  ihrer  politischen  Anschauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete  Furcht  hat,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden.  Als  ernsthafte  Nachteile  gelten  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder  Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck  bewirken (Art. 3 AsylG). 4.2. Das BFM kann ein im Ausland gestelltes Asylgesuch ablehnen, wenn  die asylsuchenden Personen keine Verfolgung glaubhaft machen können  oder  ihnen  die  Aufnahme  in  einem  Drittstaat  zugemutet  werden  kann.  Vorbringen sind glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein  mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gegeben hält. Unglaubhaft sind  insbesondere  Vorbringen,  die  in  wesentlichen  Punkten  zu  wenig  begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht. 4.3. Gemäss Art. 20 Abs. 2 AsylG bewilligt das BFM Asylsuchenden die  Einreise  zur Abklärung  des Sachverhaltes, wenn  ihnen  nicht  zugemutet  werden kann,  im Wohnsitz­ oder Aufenthaltsstaat zu bleiben oder  in ein  anderes Land auszureisen. Gestützt auf Art.  20 Abs. 3 AsylG kann das  Eidgenössische  Justiz­  und  Polizeidepartement  (EJPD)  schweizerische  Vertretungen ermächtigen, Asylsuchenden die Einreise zu bewilligen, die 

E­5509/2011 glaubhaft  machen,  dass  eine  unmittelbare  Gefahr  für  Leib  und  Leben  oder für die Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG bestehe. 4.4.  Bei  diesem  Entscheid  gelten  restriktive  Voraussetzungen  für  die  Erteilung  einer  Einreisebewilligung,  wobei  den  Behörden  ein  weiter  Ermessensspielraum zukommt. Neben der erforderlichen Gefährdung im  Sinne von Art. 3 AsylG sind namentlich die Beziehungsnähe zur Schweiz,  die  Möglichkeit  der  Schutzgewährung  durch  einen  anderen  Staat,  die  Beziehungsnähe  zu  anderen  Staaten,  die  praktische  Möglichkeit  und  objektive  Zumutbarkeit  zur  anderweitigen  Schutzsuche  sowie  die  voraussichtlichen  Eingliederungs­  und  Assimilationsmöglichkeiten  in  Betracht  zu  ziehen  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1997 Nr. 15 E. 2.e.­ g.  S.  131  ff.;  die  dort  akzentuierte  Praxis  hat  nach  bloss  redaktionellen  Änderungen bei der  letzten Totalrevision des Asylgesetzes nach wie vor  Gültigkeit). 5.  5.1.  In  der  angefochtenen  Verfügung  führt  das  BFM  zunächst  aus,  auf  eine  Anhörung  könne  verzichtet  werden,  wenn  der  Sachverhalt  bereits  aufgrund  der  schriftlichen  Eingaben  erstellt  sei.  Diesfalls  sei  dem  Betroffenen indes das rechtliche Gehör zu gewähren. Vorliegend sei der  Beschwerdeführerin  mit  Schreiben  vom  28.  April  2010  das  rechtliche  Gehör  gewährt  worden.  Indes  habe  sie  nicht  geantwortet,  weshalb  der  Sachverhalt als rechtsgenüglich erstellt gelte. Zur  Begründung  der  Verweigerung  der  Einreisebewilligung  und  zur  Ablehnung  des  Asylgesuchs  führte  die  Vorinstanz  aus,  obschon  die  einmonatige Festnahme des Sohnes unrechtmässig gewesen sei, diene  das  schweizerische  Asylrecht  nicht  dem  Ausgleich  erlittenen  Unrechts.  Insofern  vermöge  diese  Inhaftierung  zum  heutigen  Zeitpunkt  keine  Asylgewährung beziehungsweise Einreisebewilligung  zu  begründen. Sie  liege  zudem  inzwischen  bereits  mehr  als  drei  Jahre  zurück.  Seither  mache  die  Beschwerdeführerin  keine  konkreten  Probleme  mit  den  srilankischen Behörden mehr geltend. Ihre Vorbringen seien vielmehr vor  dem  Hintergrund  der  allgemein  angespannten  Situation  zu  betrachten,  welche  während  des  damaligen  Bürgerkrieges  geherrscht  habe.  Heute  stelle  sich  die  Situation  anders  dar.  Die  Sicherheits­  und  Menschenrechtslage  sei  noch  nicht  in  allen  Teilen  des  Landes  zufriedenstellend,  doch  seien  die  Anzahl  der  Gewaltereignisse  markant  zurückgegangen.  Hinzu  komme,  dass  die  Beschwerdeführerin  auf  das 

E­5509/2011 Schreiben des BFM vom 28. April 2010 nicht geantwortet und damit die  Gelegenheit,  sich  zu  ihrer  aktuellen  Situation  zu  äussern,  nicht  genutzt  habe.  Dies  sei  als  Indiz  dafür  zu  werten,  dass  sie  und  ihre  Kinder  im  heutigen Zeitpunkt nicht gefährdet seien. 5.2.  In  der  Rechtsmitteleingabe  führt  die  Beschwerdeführerin  aus,  das  Schreiben  vom 28. April  2010  sei  ihr  gestohlen worden. Sodann  sei  ihr  zweiter  Sohn  am  14.  Juli  2009  von  Unbekannten  entführt  und  anschliessend  erschossen  worden.  Eine  ihrer  Töchter  sei  bei  einem  Verkehrsunfall  verletzt  worden.  Sie  werde  nach  wie  vor  telefonisch  bedroht. Aus diesen Gründen würden sie und ihre Kinder in Angst leben.  Die Nächte würden sie bei Freunden oder Nachbarn verbringen. Sie habe  niemanden, der ihr helfen könne.  5.3.  5.3.1. Vorweg ist festzustellen, dass das BFM in casu den Sachverhalt in  Beachtung  der  Rechtsprechung  des  Bundesverwaltungsgerichts  (vgl.  BVGE  2007/30)  festgestellt  hat.  Soweit  die  Beschwerdeführerin  in  der  Rechtsmitteleingabe geltend macht,  ihr sei das Schreiben vom 28. April  2010  gestohlen  worden,  weshalb  sie  die  Korrespondenz  nicht  habe  weiterführen können, so vermag sie aus diesem Erklärungsversuch nichts  zu ihren Gunsten abzuleiten. Hätte sie ein ernsthaftes Interesse an einer  Einreisebewilligung  in  die  Schweiz  gehabt,  hätte  sie  sich  wohl  ohne  weiteres  –  wie  bereits  in  der  Vergangenheit  –  an  die  Schweizerische  Botschaft  in  Colombo  gewendet,  den  Verlust  gemeldet  und  um  nochmalige Zustellung des Schreibens ersucht.  5.3.2.  Das  Bundesverwaltungsgericht  wie  auch  das  BFM  anerkennen,  dass  die  allgemeine Situation  für  die  Tamilen,  insbesondere  im Norden  und  Osten  Sri  Lankas,  während  des  langjährigen  Bürgerkriegs  sehr  schwierig war. Namentlich  gab  es  eine Vielzahl  von Gewaltereignissen,  Entführungen  und  „Killings“.  Insoweit  bedauert  das  Gericht,  dass  die  Beschwerdeführerin  in  der  Vergangenheit  mehrere  Verwandte,  insbesondere  ihre  beiden  Söhne,  verloren  hat.  Allerdings  stehen  diese  tragischen  Vorkommnisse  in  Zusammenhang  mit  der  damaligen  Bürgerkriegssituation  in  Sri  Lanka,  weshalb  die  Beschwerdeführerin  daraus  im Hinblick  auf  eine  Bewilligung  für  die  Einreise  in  die  Schweiz  nichts zur ihren Gunsten abzuleiten vermag. Was sodann die über Jahre  hinweg geltend gemachten Drohungen anbelangt,  ist  festzustellen, dass  der  Beschwerdeführerin  daraus  offensichtlich  nichts  Nachteiliges  widerfahren  ist.  Hinzu  kommt,  dass  solchen  Belästigungen  bereits 

E­5509/2011 aufgrund mangelnder  Intensität  kein Verfolgungscharakter  im Sinne von  Art.  3  AsylG  zuzusprechen  ist.  Schliesslich  steht  es  der  Beschwerdeführerin offen und ist  ihr auch zumutbar, sich diesen lokalen  Belästigungen  durch  unbekannte  Dritte  durch  einen  innerstaatlichen  Wohnortwechsel zu entziehen.   Im Weiteren ist festzuhalten, dass sich die allgemeine Sicherheitslage in  Sri Lanka seit Mitte 2009 sukzessive verbessert hat. Die Tamilen können  sich  im  Land  freier  bewegen,  es  wurden  wichtige  Verbindungswege  wieder dem Verkehr übergeben und das restriktive Passsystem für Aus­  und  Einreisen  nach  Jaffna  wurde  abgeschafft.  Vor  diesem  Hintergrund  und  insbesondere aufgrund der Tatsache, dass der Beschwerdeführerin  bisher nichts Nachteiliges  im Sinne von Art.  3 AsylG widerfahren  ist,  ist  davon auszugehen,  dass  sie  in  ihrer Heimatregion  keine asylrelevanten  Verfolgungsmassnahmen  zu  befürchten  hat.  Sodann  genügt  allein  die  Angst  vor  einer  allfällig  künftig möglichen Bedrohung  nicht,  um  auf  das  Vorliegen  einer  begründeten  Furcht  vor  künftiger  Verfolgung  zu  schliessen.  Und  schliesslich  ist  auch  eine  sozial  sowie  wirtschaftlich  schwierige  Lebenssituation,  wie  sie  die  Beschwerdeführerin  geltend  macht, unter dem Blickwinkel des Asylrechts nicht relevant. 5.4. Der  Beschwerdeführerin  ist  es  somit  nicht  gelungen,  eine  aktuelle  und unmittelbare Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG beziehungsweise  konkrete Hinweise  auf  eine  künftige,  asylrelevante  Verfolgung  und  eine  damit  einhergehende,  begründete  Verfolgungsfurcht  darzutun.  Ein  weiterer Verbleib  im Heimatland  ist  ihr deshalb zumutbar. Das BFM hat  demnach  der Beschwerdeführerin  zu Recht  die Einreise  in  die Schweiz  nicht bewilligt und das Asylgesuch abgelehnt. 6.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die  Beschwerde ist daher abzuweisen. 7.  Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich der  Beschwerdeführerin  aufzuerlegen  (Art.  63  Abs. 1  VwVG).  Aus  verwaltungsökonomischen  Gründen  sowie  in  Anwendung  von  Art. 63  Abs. 1  in  fine  VwVG  und  Art.  2  und  6  Bst. b  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem 

E­5509/2011 Bundesverwaltungsgericht  (VGKE,  SR  173.320.2)  ist  vorliegend  jedoch  auf die Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten. (Dispositiv nächste Seite)

E­5509/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführerin,  das  BFM  und  die  Schweizerische Botschaft in Colombo. Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Kurt Gysi Barbara Balmelli Versand:

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