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Bundesverwaltungsgericht 29.08.2011 E-4665/2011

29. August 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·750 Wörter·~4 min·1

Zusammenfassung

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren) | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren); Verfügung des BFM vom 16. August 2011

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung V E­4665/2011 Urteil   v om   2 9 .   Augus t   2011   Besetzung Einzelrichter Bruno Huber, mit Zustimmung von Richterin Gabriela Freihofer;  Gerichtsschreiber Jonas Tschan. Parteien A._______, geboren (…), Marokko,  Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung  (Dublin­Verfahren);  Verfügung des BFM vom 16. August 2011 / N (…).

E­4665/2011 Das Bundesverwaltungsgericht, in Anwendung des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31), der  Asylverordnung 1  vom  11. August  1999  über  Verfahrensfragen  [AsylV 1, SR 142.311]), des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsver­ fahren (VwVG, SR 172.021), des  Bundesgesetzes  vom  17.  Juni  2005  über  das  Bundesverwaltungsgericht (VGG, SR 173.32), des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht  (BGG,  SR 173.110), des Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2005 über  die Ausländerinnen  und Ausländer (AuG, SR 142.20), der  Konvention  vom  4.  November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (Europäische  Menschenrechtskonvention [EMRK, SR 0.101]), des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter oder andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK, SR 0.105), des  Abkommens  vom  28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge (Flüchtlingskonvention [FK, SR 0.142.30]), des  Abkommens  vom  26. Oktober  2004  zwischen  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  und  der  Europäischen  Gemeinschaft  über  die  Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Staates für die  Prüfung  eines  in  einem  Mitgliedstaat  oder  in  der  Schweiz  gestellten  Asylantrags (Dublin­Assoziierungsabkommen [DAA, SR 0.142.392.68]), der Verordnung (EG) Nr. 343/2003 des Rates vom 18. Februar 2003 zur  Festlegung  der  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des  Mitglied­ staats,  der  für  die  Prüfung  eines  von  einem  Drittstaatsangehörigen  in  einem Mitgliedstaat gestellten Asylantrags zuständig ist (Dublin­II­VO),

E­4665/2011 der Verordnung (EG) Nr. 1560/2003 der Kommission vom 2. September  2003 mit Durchführungsbestimmungen zur Dublin­II­VO (DVO Dublin), des  Reglements  vom  21.  Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschä­ digungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2), stellt fest, dass  der  Beschwerdeführer  eigenen  Angaben  zufolge  nach  dem  Verlassen  des  Heimatlandes  rund  zwei  Monate  in  Spanien  verbrachte  und danach nach Italien gelangte, wo er sich vom 18. November 2002 bis  zum 13. April 2011 aufhielt,  dass er am (…) in die Schweiz einreiste und gleichentags im Empfangs­  und Verfahrenszentrum (EVZ) B._______ um Asyl nachsuchte, dass  der  Beschwerdeführer  am  (…)  ins  C._______  überstellt  und  dort  ihm  im  Rahmen  der  Anhörung  vom  (…)  das  rechtliche  Gehör  zur  mutmasslichen  Zuständigkeit  Italiens  für  die  Durchführung  seines  Asyl­  und Wegweisungsverfahrens gewährt wurde, dass er dabei zu Protokoll gab, er könne nicht nach Italien zurückkehren,  weil  er  Probleme  mit  den  Brüdern  und  dem  Ehemann  seiner  Freundin  gehabt habe, dass  das  BFM  mit  Verfügung  vom  16.  August  2011  (eröffnet  am  22.  August  2011)  in  Anwendung  von  Art.  34  Abs.  2  Bst.  d  AsylG  auf  das  Asylgesuch nicht eintrat und den Beschwerdeführer nach Italien wegwies, dass  es  zur  Begründung  seiner  Verfügung  ausführte,  gestützt  auf  die      (S.  2  vorstehend  aufgeführten)  einschlägigen  staatsvertraglichen  Bestimmungen  sei  Italien  für  die  Durchführung  des  Asylverfahrens  zuständig, dass  die  italienischen  Behörden  das  Ersuchen  des  Bundesamtes  um  Übernahme des Beschwerdeführers gestützt auf Art. 10 Abs. 2 Dublin­II­ VO gutgeheissen hätten, dass  die  Rückführung  nach  Italien  –  vorbehältlich  einer  allfälligen  Unterbrechung oder Verlängerung – bis spätestens am 4. Februar 2012  zu erfolgen habe,

E­4665/2011 dass  die  Aussagen  des  Beschwerdeführers  anlässlich  der  Gewährung  des rechtlichen Gehörs vom (…) offensichtlich keine Hindernisse für den  Vollzug der Wegweisung nach Italien darstellten, dass  der  Vollzug  der Wegweisung  nach  Italien  zulässig,  zumutbar  und  möglich sei, dass  der  Beschwerdeführer  mit  Eingabe  vom  24.  August  2011  gegen  diese  Verfügung  Beschwerde  erhob  und  in  materieller  Hinsicht  die  Aufhebung  der  angefochtenen  Verfügung  und  die  Rückweisung  der  Sache  zur  Prüfung  des  Asylgesuches  (Eintreten)  an  die  Vorinstanz  beantragt, dass er  in prozessualer Hinsicht um die Gewährung der unentgeltlichen  Prozessführung  und  um  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses ersucht,  dass  die  vollständigen  vorinstanzlichen  Akten  dem  Bundesverwaltungsgericht mit Datum vom 26. August 2011 vorlagen, und erwägt, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig  über  Beschwerden  gegen  Verfügungen  (Art. 5  VwVG)  des  BFM  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31 – 33 VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG), dass  der  Beschwerdeführer  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilge­ nommen  hat,  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist  (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  einzutreten  ist  (Art. 108  Abs. 2  AsylG  und  Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art. 37  VGG und Art. 52 VwVG), dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG),

E­4665/2011 dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise  einer zweiten Richterin entschieden wird  (Art. 111 Bst. e AsylG), und es  sich  vorliegend,  wie  nachfolgend  aufgezeigt,  um  eine  solche  handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu  begründen  ist  (Art. 111a Abs. 2 AsylG), dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG vorliegend auf einen Schriften­ wechsel verzichtet wurde, dass  bei  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide,  mit  denen  es  das BFM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu über­ prüfen  (Art. 32­35  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der  Beschwerde­ instanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt  ist, ob die Vorinstanz zu  Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist, dass  auf  Asylgesuche  in  der  Regel  nicht  eingetreten  wird,  wenn  Asylsuchende  in  einen  Drittstaat  ausreisen  können,  welcher  für  die  Durchfüh­  rung  des Asyl­  und Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zuständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG), dass  sich  die  Schweiz  mit  der  Umsetzung  des  Dublin­Assoziierungs­ abkommens verpflichtet hat, die Dublin­II­VO anzuwenden, dass sich der Beschwerdeführer eigenen Angaben zufolge mehr als acht  Jahre  in  Italien  aufgehalten  hat,  und  demzufolge  Italien  für  die  Behandlung des Asylgesuchs des Beschwerdeführers zuständig ist, dass  das  Bundesamt  die  italienischen  Behörden  gestützt  auf  diese  Sachlage  am  25.  Mai  2011  um  Übernahme  des  Beschwerdeführers  gemäss  Art. 10  Abs. 2  Dublin­II­VO  ersuchte  und  Italien  diesem  Antrag  mit Schreiben vom 4. August 2011 zustimmte, dass der Beschwerdeführer somit – wie vom BFM in der angefochtenen  Verfügung  zu  Recht  und  mit  zutreffender  Begründung  festgestellt  –  in  einen  Drittstaat  (vorliegend  Italien)  ausreisen  kann,  welcher  für  die  Prüfung seines Asylantrages staatsvertraglich zuständig ist, dass  für  das  Bundesverwaltungsgericht  insgesamt  auch  keine  Gründe  ersichtlich  sind,  welche  das  Bundesamt  zur  Ausübung  des  Selbsteintrittsrechts  der  Schweiz  (Art. 3  Abs. 2  Dublin­II­VO)  hätten  veranlassen sollen,

E­4665/2011 dass Italien unter anderem Signatarstaat der FK, der EMRK und der FOK  ist, und keine Hinweise dafür bestehen, dieses Land würde sich nicht an  die  massgebenden  völkerrechtlichen  Bestimmungen,  insbesondere  an  das  Rückschiebungsverbot  oder  die  einschlägigen  Normen  der  EMRK,  halten, dass zwar das italienische Fürsorgesystem für Asylsuchende in der Kritik  steht,  in  den  Aufenthalts­  und  Verfahrensbedingungen  für  Personen,  welche  sich  im  Rahmen  eines  Asylverfahrens  in  Italien  aufhalten,  indessen insgesamt kein Vollzugshindernis zu erkennen ist, dass nach Kenntnis des Bundesverwaltungsgerichts Dublin­Rückkehren­ de  und  verletzliche  Personen  bezüglich  Unterbringung  von  den  italienischen  Behörden  bevorzugt  behandelt  werden  und  sich  –  neben  den staatlichen Strukturen – auch zahlreiche private Hilfsorganisationen  der Betreuung von Asylsuchenden und Flüchtlingen annehmen, dass das BFM nach dem Gesagten zu Recht  in Anwendung von Art. 34  Abs. 2  Bst. d  AsylG  auf  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  nicht  eingetreten ist, dass das Nichteintreten auf ein Asylgesuch in der Regel die Wegweisung  aus der Schweiz zur Folge hat (Art. 44 Abs. 1 AsylG), wobei in Verfahren  nach  Art. 34  Abs. 2  Bst. d  AsylG  die  Frage  nach  der  Zulässigkeit  und  Möglichkeit  des  Wegweisungsvollzugs  regelmässig  bereits  Voraussetzung  (und  nicht  erst  Regelfolge)  des  Nichteintretensentscheides und deshalb vorliegend nicht zu prüfen ist, dass sich die Frage nach der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in  Verfahren nach Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG nicht  unter  dem Aspekt  von  Art. 83  Abs. 1  und  4  AuG  stellt,  sondern  allenfalls  vor  der  Prüfung  des  Nichteintretens im Rahmen der Ausübung des Selbsteintrittsrechts (Art. 3  Abs. 2  Dublin­II­VO  i.V.m.  Art. 29a  Abs. 3  AsylV oder  gegebenenfalls         – falls  sich  Familienmitglieder  in  verschiedenen  Dublin­Mitgliedstaaten  befinden  und  allenfalls  zusammengeführt  werden  sollen  –  bei  der  Ausübung der sogenannten Humanitären Klausel (Art. 15 Dublin­II­VO), dass  nach  dem  Gesagten  der  vom  Bundesamt  verfügte  Vollzug  der  Wegweisung zu bestätigen ist, dass  es  dem  Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  darzutun,  inwiefern  die angefochtene Verfügung Bundesrecht verletzt, den rechtserheblichen 

E­4665/2011 Sachverhalt unrichtig oder unvollständig feststellt oder unangemessen ist  (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen ist,  dass mit dem Entscheid  in der Hauptsache ohne vorgängige  Instruktion  der  Antrag,  es  sei  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  zu  verzichten, gegenstandslos wird, dass  sich  die  gestellten  Rechtsbegehren  aufgrund  vorstehender  Erwägungen als aussichtslos erweisen, weshalb unbesehen der allenfalls  bestehenden Bedürftigkeit der Antrag auf Gewährung der unentgeltlichen  Prozessführung  im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG abzuweisen und bei  diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten von Fr. 600.– (Art. 16 Abs. 1  Bst. a  VGG  i.V.m.  Art. 2  und  3  VGKE)  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG). (Dispositiv nächste Seite)

E­4665/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung  wird  abgewiesen. 3.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  600.–  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  an  das  BFM  und  an  das  Migrationsamt des Kantons D._______. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Bruno Huber Jonas Tschan Versand:

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