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Bundesverwaltungsgericht 20.12.2011 E-4103/2009

20. Dezember 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,218 Wörter·~11 min·1

Zusammenfassung

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 25. Mai 2009

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung V E­4103/2009 Urteil   v om   2 0 .   D e z embe r   2011 Besetzung Richterin Gabriela Freihofer (Vorsitz), Richter Bruno Huber, Richterin Christa Luterbacher,    Gerichtsschreiber Simon Thurnheer. Parteien A._______, geboren am (…), Irak,   vertreten durch Fredy Fässler, Rechtsanwalt,  (…) Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz  Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 25. Mai  2009 / N (…).

E­4103/2009 Sachverhalt: A.  Der  Beschwerdeführer,  ein  sunnitischer  Kurde  aus  B._______,  Sulaymaniya,  verliess eigenen Angaben zufolge  seinen Heimatstaat  am  2. November 2007 und gelangte am 22. November 2007 in die Schweiz,  wo er gleichentags ein Gesuch um Asylgewährung stellte. Zur  Begründung  machte  er  anlässlich  der  Befragung  zur  Person  im  Empfangs­ und Verfahrenszentrum (EVZ) C._______ vom 26. November  2007 und der Anhörung vom 18. bzw. 19. Dezember 2007 (siehe A6/16  S. 1 und Anhang 5) im Wesentlichen Folgendes geltend: Er stamme aus  einer  politisch  engagierten,  kommunistischen  Familie,  und  er  sei  von  Haus  aus  Sympathisant  der  Worker  Communist  Party  of  Irak  (WCPI)  gewesen  und  sei  am  1.  Mai  2007  anlässlich  einer  Erstmaifeierlichkeit  Mitglied  der WCPI  geworden. Die Partei  habe  ihn  aufgefordert,  sich  an  einer Kampagne der WCPI und weiterer Parteien gegen Artikel 7  (Islam  als  Quelle  des  Gesetzes)  der  Verfassung  der  Kurdischen  Autonomieregion  (Kurdish  Regional  Government,  KRG)  zu  beteiligen,  Unterschriften zu sammeln und Flugblätter zu verteilen. Am  (…) August  2007 habe er im Zentrum von D._______ an einem Stand Unterschriften  gesammelt  und  Flugblätter  verteilt.  Gleichzeitig  sei  in  der  Moschee  bei  der Predigt über ihn und seine Kampagne schlecht geredet. Darauf habe  sich ein Mann dem Stand genähert,  die Flugblätter  an sich genommen,  sie  an  Ort  und  Stelle  verbrannt  und  dabei  gedroht,  wenn  er  (der  Beschwerdeführer)  und  die  andern  Aktivisten  ihre  Kampagne  weiterführten,  würden  sie  ebenso  verbrannt.  Im  weiteren  Verlauf  der  Auseinandersetzung habe der Mann  ihren Tisch zerstört. Diese Vorfälle  hätten  sie  der  örtlichen  Polizei  gemeldet.  Ein  Offizier  im  Rang  eines  "Milazim" habe ihnen mitgeteilt, dass sie solche Vorfälle in Kauf nehmen  müssten,  wenn  sie  gegen  die  Religion  seien  und  Religion  und  Staat  voneinander  trennen  möchten.  Gegen  diese  religiösen  Leute  könne  er  nichts unternehmen.  Die  Partei  (WCPI)  habe  sie  aufgefordert,  die  Unterschriftenaktion  fortzusetzen  und  dort  aufzutreten,  wo  sich  die  Intellektuellen  aufhielten.  Danach  hätten  sie  vor  der  Schule  Unterschriften  gesammelt  und  die  Mitschüler angesprochen. Schliesslich habe er mit einem Lehrer, welcher   ihm  bereits  vorher  wegen  seiner  politischen  Ansichten  Schwierigkeiten  gemacht  habe,  Probleme  bekommen.  Am  (…)  September  2007  nach  Mitternacht sei sein Familienhaus von Anhängern von Bizutnawai  Islami 

E­4103/2009 (Islamische  Bewegung)  angegriffen  worden.  Diese  hätten  ihn,  ohne  zu  wissen, mit wem sie es zu tun gehabt hätten, geschlagen und auf seinen  Vater  geschossen.  Bei  Ankunft  der  Polizei  hätten  sich  die  Islamisten  zurückgezogen.  Die  Polizei  habe  ihn  und  seinen  Vater  ins  Spital  gebracht,  wo  sie  verarztet  worden  seien.  Die  Polizei  habe  sie  aufgefordert,  das  Spital  baldmöglichst  wieder  zu  verlassen,  da  sie  die  Islamisten  anziehen  und  damit  eine  Gefahr  für  das  Spital  darstellen  würden. Aus Angst  vor weiteren Übergriffen  habe er  sich  entschlossen,  den Irak zu verlassen. B.  Mit Verfügung vom 25. Mai 2009 – eröffnet am 26. Mai 2009 – stellte das  BFM  fest,  der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft  nicht,  lehnte das Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz  sowie den Vollzug der Wegweisung an. C.  Mit  Eingabe  seines  Rechtsvertreters  vom  25.  Juni  2009  erhob  der  Beschwerdeführer  beim  Bundesverwaltungsgericht  gegen  die  vorinstanzliche  Verfügung  Beschwerde  mit  den  Begehren,  die  angefochtene Verfügung sei aufzuheben und dem Beschwerdeführer sei  Asyl zu gewähren, eventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an die  Vorinstanz  zurückzuweisen,  subeventualiter  sei  der  Vollzug  wegen  Unzumutbarkeit  aufzuschieben  und  eine  vorläufige  Aufnahme  auszusprechen.  Gleichzeitig  reichte  er  zahlreiche  Dokumente  zu  den  Akten. D.  Mit  Zwischenverfügung  vom  3.  Juli  2009  erhob  das  Bundesverwaltungsgericht  einen  Kostenvorschuss,  welcher  am  8.  Juli  2009 fristgerecht geleistet wurde. E.  Mit  Eingabe  seines  Rechtsvertreters  vom  19.  August  2009  reichte  der  Beschwerdeführer  weitere  Dokumente  zu  den  Akten  (Zeitung  Rega  Nr.  10  vom  April  2009  mit  Übersetzung,  Original  der  Aufenthaltsnachforschung der Regionalregierung Kurdistans vom 2. März  2008, Hawlati­Zeitung Nr. 535 vom 21. Juni 2009 mit Übersetzung).

E­4103/2009 F.  Am  25.  August  2009  liess  der  Beschwerdeführer  beim  BFM  um  Aushändigung seines irakischen Führerscheins ersuchen. G.  Mit  Eingabe  seines  Rechtsvertreters  vom  26.  Januar  2010  reichte  der  Beschwerdeführer  weitere  Dokumente  zu  den  Akten,  darunter  verschiedene  Zeitungsmeldungen,  einen  Artikel  einer  Internetzeitung,  einen "offenen" Brief und eine Fotografie. H.  Am 17. Februar 2010  liess der Beschwerdeführer ein ärztliches Zeugnis  vom 25. Januar 2010 zu den Akten reichen. I.  Mit  Eingabe  seines  Rechtsvertreters  vom  26.  Mai  2010  reichte  der  Beschwerdeführer  weitere  Dokumente  zu  den  Akten,  darunter  verschiedene  Medienberichte,  die  unter  anderem  die  Ermordung  eines  Journalisten in Kurdistan zum Gegenstand haben. J.  Am 1. März 2011 liess der Beschwerdeführer verschiedene Berichte von  NGOs über die Lage im Nordirak zu den Akten reichen. K.  Mit  Eingabe  seines  Rechtsvertreters  vom  28.  Juni  2011  ergänzte  der  Beschwerdeführer seine Beschwerde um weitere Vorbringen. So habe er  am  (…)  2011  in  Bern  an  einer  Demonstration  gegen  die  Zustände  im  Nordirak  teilgenommen.  Auf  YouTube  sei  eine  Filmsequenz  dieser  Demonstration veröffentlicht worden, der Beschwerdeführer sei dabei zu  erkennen. In der Folge sei er telefonisch von anonymen Anrufern bedroht  worden.  Dagegen  habe  er  bei  der  Kriminalpolizei  St.  Gallen  Anzeige  erstattet.  Zusätzlich  reichte  der  Beschwerdeführer  verschiedene  Lageberichte  über  Kurdistan  und  Fotografien  von  seiner  Demonstrationsteilnahme zu den Akten. L.  Das  BFM  hielt  in  seiner  Vernehmlassung  vom  11.  November  2011  an  seiner Verfügung  vollumfänglich  fest  und beantragte die Abweisung der  Beschwerde.  Dabei  führte  es  aus,  dem  Bruder  des  Beschwerdeführers  sei  zwar  vor  mehr  als  zehn  Jahren  Asyl  gewährt  worden,  aber  die 

E­4103/2009 damaligen  Verhältnisse  liessen  sich  nicht  auf  das  aktuelle  Jahr  projizieren. M.  Die  Vernehmlassung  wurde  dem  Beschwerdeführer  mit  Schreiben  vom  16. November 2011 zur Kenntnis gebracht. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021).  Das  BFM  gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art.  32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art.  105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31], Art. 83 Bst.  d  Ziff.  1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17.  Juni  2005  [BGG,  SR  173.110]). 1.2.  Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG). 1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der  Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung;  er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art.  105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf  die Beschwerde ist einzutreten. 2. Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 

E­4103/2009 oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1.  Gemäss  Art.  2  Abs.  1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat  oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG).  Nach  Lehre  und  Rechtsprechung  erfüllt  eine  asylsuchende  Person  die  Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, wenn sie Nachteile von  bestimmter  Intensität  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  und  in  absehbarer  Zukunft  begründeterweise  befürchten  muss,  welche  ihr  gezielt und aufgrund der oben erwähnten Verfolgungsmotive zugefügt zu  werden  drohen  und  vor  denen  sie  keinen  ausreichenden  staatlichen  Schutz erwarten kann (vgl. BVGE 2007/31 E. 5.2 f. und BVGE 2008/4 E.  5 sowie die vom Bundesverwaltungsgericht  fortgeführte Rechtsprechung  der  vormaligen  Schweizerischen  Asylrekurskommission  (ARK)  in  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK] 1995 Nr. 2 E. 3a, EMARK 2006 Nr. 18  E. 7­10 und EMARK Nr. 32 E. 8.7).  Verfolgung  ist  demnach  asylbeachtlich,  wenn  sie  vom  Staat  ausgeht;  nichtstaatliche Verfolgung ist dagegen nur dann asylbeachtlich, wenn der  Staat zur Verfolgung anregt oder sich in anderer Weise zurechnen lassen  muss  oder  er  weder  gewillt  noch  in  der  Lage  ist,  vor  Verfolgung  ausreichend Schutz zu bieten.  3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art.  7  AsylG)..

E­4103/2009 4. Das BFM lehnte das Asylgesuch mit der Begründung ab, die Vorbringen  des  Beschwerdeführers  hielten  den  Anforderungen  an  die  Flüchtlingseigenschaft  gemäss  Art.  3  AsylG  nicht  stand,  da  die  geltend  gemachten Übergriffe von Privaten ausgegangen seien. Übergriffe von Privaten bzw. die Befürchtung, künftig solchen Übergriffen  ausgesetzt  zu  sein,  seien  lediglich  dann  asylrelevant,  wenn  der  Staat  seiner Schutzpflicht nicht nachkomme oder nicht  in der Lage sei, Schutz  zu  gewähren.  Schutz  sei  generell  gewährleistet,  wenn  der  Staat  geeignete  Massnahmen  treffe,  um  die  Verfolgung  zu  verhindern,  beispielsweise durch wirksame Polizei­ und Justizorgane zur Ermittlung,  Strafverfolgung  und  Ahndung  von  Verfolgungshandlungen,  und  wenn  Antragsteller faktisch Zugang zu diesem Schutz hätten.  Der  Beschwerdeführer  mache  Verfolgung  durch  die  private  Islamische  Bewegung  geltend.  Verfolgung  durch  staatliche  oder  regionale  Organe  bringe  er  dagegen  nicht  vor.  Gemäss  der  Rechtsprechung  des  Bundesverwaltungsgerichts  seien  die  kurdischen  Regionalbehörden  im  Nordirak dazu fähig, verfolgte Personen zu schützen. Grundsätzlich seien  sie dazu auch willens. Auch im vorliegenden Fall sei davon auszugehen,  dass die kurdischen Behörden den Beschwerdeführer vor den Übergriffen  der  Islamisten  effektiv  geschützt  hätten.  So  sei  nach  dem Übergriff  am  (…)  September  2007  die  Polizei  am  Tatort  erschienen,  habe  die  Verletzten ins Spital gebracht, von den Verletzungen Fotos gemacht und  die  Familie  beraten,  wie  sie  sich  verhalten  solle.  Dies  entspreche  dem  Verhalten einer schutzwilligen Behörde.  5. Dem Bundesverwaltungsgericht  ist bekannt, dass die Schutzbereitschaft  der an der Regierung massgeblich beteiligten Patriotic Union of Kurdistan  (PUK)  bei  Verfolgung  durch  Islamisten  mit  Rücksicht  auf  den  Iran  besonders  vor  dem  Fall  des  Baath­Regimes  gering  gewesen  ist.  Ausserdem sind  kritische  Journalisten und Oppositionelle,  insbesondere  exponierte  Angehörige  der WCPI,  Opfer  von  Verfolgung  durch  die  von  der  PUK  kontrollierten  Sicherheitskräfte  geworden.  Mittlerweile  scheint  sich das Verhältnis zwischen der WCPI und der PUK jedoch normalisiert  zu  haben  (vgl.  zur  Lagebeurteilung  des  Gerichts  den  Entscheid  E­ 1176/2008  vom  19.  August  2008  mit  weiteren  Hinweisen).  Ausserdem  weist  der  Beschwerdeführer  ein  eher  niedriges  politisches  Profil  aus.  Beim  erwähnten  kurdischen  Verfassungsartikel  handelt  es  sich  nach 

E­4103/2009 Erkenntnis  des  Bundesverwaltungsgerichts  zudem  ­  entgegen  der  Aussage  des Beschwerdeführers  und wie  das BFM  zu Recht  ausführt ­  nicht  um  einen  Artikel  einer  in  Kraft  getretenen  Verfassung,  sondern  lediglich  eines  Entwurfs,  der  eine  breite  und  kontroverse  öffentliche  Diskussion  erfahren  hat,  zu  welcher  der  Beschwerdeführer  mit  seinen  Aktionen  (Unterschriftensammeln  und  Flugblattverteilen)  einen  Beitrag  geleistet  hatte.  In  der  aktuellen  Fassung  des  Entwurfs  enthält  Artikel  6  einen vergleichbaren Inhalt, der zudem beinahe identisch ist mit Artikel 2  der  Verfassung  der  Republik  Irak.  Er  enthält  auch  einen  Vorbehalt  zugunsten  der  religiösen  Rechte  der  religiösen  Minderheiten,  der  Grundsätze  der  Demokratie  und  der  Grundrechte.  Es  ist  nicht  anzunehmen,  dass aus den  zahlreichen und  kontroversen Stimmen der  Debatte  zum  Verfassungsentwurf  ausgerechnet  der  doch  eher  niedrig  profilierte Beitrag des Beschwerdeführers den Unmut der PUK hätte auf  sich ziehen sollen. Von einer von der PUK und deren Sicherheitskräften  geduldeten  Verfolgung  durch  Islamisten  kann  somit  nicht  ausgegangen  werden.  Vielmehr  ist  der  Vorinstanz  darin  zuzustimmen,  dass  die  Aussagen  des  Beschwerdeführers  selber  das  Verhalten  schutzwilliger  Behörden beschreiben. Daran ändert auch nichts, dass vereinzelte, wenn  auch höhere Offiziere der Polizei ihr Missfallen an der politischen Haltung  und Betätigung des Beschwerdeführers bekundet und ausgesagt haben  sollen, solche Übergriffe seien in Kauf zu nehmen, gegen diese religiösen  Leute  könne  nichts  unternommen  werden.  Mit  Bezug  auf  die  Frage,  welche Art und welcher Grad von Schutz vor nichtstaatlicher Verfolgung  im  Heimatstaat  bzw.  in  einem  Quasi­Staat  als  adäquat  zu  erachten  ist  und  damit  –  aufgrund  der  Subsidiarität  des  flüchtlingsrechtlichen  Schutzes  –  eine Anerkennung  als  Flüchtling  ausschliesst,  ist  nach  dem  Grundsatzurteil  EMARK  2006  Nr.  18  der  ARK  nicht  eine  faktische  Garantie  für  langfristigen  individuellen  Schutz  der  von  nichtstaatlicher  Verfolgung  bedrohten  Person  zu  verlangen,  weil  es  keinem  Staat  gelingen  kann,  die  absolute  Sicherheit  aller  seiner  Bürger  und  Bürgerinnen jederzeit und überall zu garantieren. Erforderlich ist lediglich,  dass  eine  funktionierende  und  effiziente  Schutzinfrastruktur  zur  Verfügung  steht,  wobei  in  erster  Linie  an  polizeiliche  Aufgaben  wahrnehmende  Organe  sowie  an  das  Rechts­  und  Justizsystem  zu  denken  ist,  das  eine  effektive  Strafverfolgung  ermöglicht.  Im  Weiteren  muss  die  Inanspruchnahme  eines  solchen  Schutzsystems  der  betroffenen Person objektiv zugänglich und individuell zumutbar sein. Zusammenfassend  ist  festzuhalten,  dass  die  vorgebrachten  Vorfluchtgründe  nicht  asylrelevant  sind,  da  die  geltend  gemachte 

E­4103/2009 Verfolgung von privater Seite ausgeht und dem Staat nicht zugerechnet  werden kann und zudem auch dessen grundsätzliche Schutzbereitschaft  und  Schutzfähigkeit  feststeht.  Daran  vermögen  auch  die  Ausführungen  auf  Beschwerdeebene  und  die  eingereichten  Beweismittel  nichts  zu  ändern. 6. Wer sich darauf beruft, dass durch sein Verhalten nach der Ausreise aus  dem  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  –  so  auch  durch  politische  Exilaktivitäten  –  eine  Gefährdungssituation  erst  geschaffen  worden  sei,  macht  subjektive  Nachfluchtgründe  gemäss  Art.  54  AsylG  geltend.  Massgeblich  für  die  Beurteilung  der  Flüchtlingseigenschaft  nach  Art.  3  AsylG  ist  nicht  die  Situation  im  Zeitpunkt  der  Ausreise,  sondern  die  Situation  im  Zeitpunkt  des  Asylentscheids.  So  ist  eine  asylsuchende  Person  auch  als  Flüchtling  anzuerkennen,  die  aufgrund  subjektiver  Nachfluchtgründe  nach  Art.  54  AsylG,  das  heisst  erst  durch  die  unerlaubte  Ausreise  aus  dem  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  oder  wegen  ihres Verhaltens nach der Ausreise, eine Verfolgung im Sinne von Art. 3  AsylG  befürchten  muss.  Die  subjektiven  Nachfluchtgründe  begründen  zwar die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, führen jedoch  nach Art. 54 AsylG zum Ausschluss vom Asyl. Als  subjektive  Nachfluchtgründe  im  Sinne  von  Art.  54  AsylG  gelten  insbesondere  unerwünschte  exilpolitische  Betätigungen,  illegales  Verlassen  des Heimatlandes  (sog.  Republikflucht)  oder  die  Einreichung  eines  Asylgesuchs  im  Ausland,  wenn  sie  die  Gefahr  einer  zukünftigen  Verfolgung begründen (BVGE 2009/29 E. 5.1 S. 376 f., BVGE 2009/28 E.  7.1  S.  352;  EMARK  2006 Nr.  1  E.  6.1  S.  10;  UNHCR, Handbuch  über  Verfahren und Kriterien zur Feststellung der Flüchtlingseigenschaft, Genf  1993, Rz. 96).  Die  vom  Gesetzgeber  bezweckte  Bestimmung  subjektiver  Nachfluchtgründe als Asylausschlussgrund verbietet ein Addieren solcher  Gründe  mit  Fluchtgründen  vor  der  Ausreise  aus  dem  Heimat­  oder  Herkunftsstaat,  die  für  sich  allein  nicht  zur  Bejahung  der  Flüchtlingseigenschaft  und  zur  Asylgewährung  ausreichen  (vgl.  EMARK  2006 Nr. 1 E. 6.1 S. 10 und EMARK 1995 Nr. 7 E. 7b und 8 S. 67 und 70,  mit weiteren Hinweisen).  Eine  Person,  welche  sich  auf  subjektive  Nachfluchtgründe  beruft,  hat  dann  objektiv  begründeten  Anlass  zur  Furcht  vor  künftiger  Verfolgung, 

E­4103/2009 wenn  beispielsweise  der  Verfolgerstaat  mit  erheblicher  Wahrscheinlichkeit  von den Aktivitäten  im Ausland erfahren hat  und die  Person  deshalb  bei  einer  Rückkehr  in  asylrechtlich  relevanter  Weise  verfolgen  würde  (vgl.  EMARK  1995  Nr.  9  E.  8c  S.  91,  mit  weiteren  Hinweisen). Auf  Beschwerdeebene  macht  der  Beschwerdeführer  subjektive  Nachfluchtgründe geltend; insbesondere bringt er vor, dass er sich in der  Schweiz exilpolitisch betätige und an einer Demonstration teilgenommen  habe,  die  sich  gegen  die  im  Nordirak  regierenden  Parteien  gerichtet  habe.  Diese  Demonstration  sei  auf  YouTube  publik  gemacht  worden,  wobei der Beschwerdeführer in einer Filmsequenz erkennbar sei.  Auf  Grund  der  eingereichten  Unterlagen  besteht  kein  Anlass  zur  Annahme,  dass  die  PUK  oder  die  Sicherheitsbehörden  in  Sulaymaniya  vom  Engagement  des  Beschwerdeführers  in  der  Schweiz  Kenntnis  genommen haben  sollten. Ebenso wenig  liegen  konkrete Anhaltspunkte  dafür  vor,  dass  gegen  den  Beschwerdeführer  im  Irak  behördliche  Massnahmen eingeleitet worden wären.  Wohl ist anzunehmen, dass die Behörden der PUK beziehungsweise der  KDP  im Nordirak  im  Ausland  irakische Oppositionsparteien  beobachten  und  dabei  auch  Informationen  über  Aktivitäten  der  WCPI  im  Ausland  sammeln.  Der  Umfang  und  die  Intensität  der  Überwachung  von  Exilkurden durch die nordirakischen Sicherheitskräfte kann  indessen nur  schwer  abgeschätzt  werden.  Der  Beschwerdeführer  hat  mit  seinen  exilpolitischen  Tätigkeiten  (Teilnahme  an  einer  Demonstration)  nach  Meinung  des  Gerichts  keinen  Bekanntheitsgrad  erreicht,  der  geeignet  wäre,  die  nordirakischen  Behörden  auf  ihn  aufmerksam  machen  zu  lassen  und  ihn  als  konkrete  Gefährdung  zu  qualifizieren.  Eine  Filmsequenz  auf  YouTube,  in  welcher  der  Beschwerdeführer  unter  anderen  Demonstrationsteilnehmern  zu  erkennen  ist,  ist  mit  grosser  Wahrscheinlichkeit  auch  nicht  geeignet,  die  Aufmerksamkeit  der  nordirakischen  Behörden  zu  wecken.  Dem  Gericht  liegen  keinerlei  Hinweise  vor,  dass  der  Beschwerdeführer  innerhalb  der  Schweizer  Organisation der WCPI eine exponierte Stellung innehätte und hierdurch  die  Aufmerksamkeit  der  nordirakischen  Behörden  auf  sich  gezogen  haben  könnte.  Ebenso  wenig  liegen  Hinweise  vor,  dass  der  Beschwerdeführer  tatsächlich  ins  Blickfeld  der  heimatlichen  Behörden  gelangt  wäre.  Die  zu  den  Akten  gereichte  Kopie  einer  Aufenthaltsnachforschung  ist  nicht  geeignet,  eine  Gefährdung  des 

E­4103/2009 Beschwerdeführers  im Nordirak zu beweisen. Dies umso weniger, als er  nicht geltend macht, bereits in seiner Heimat Schwierigkeiten mit der PUK  gehabt zu haben. Selbst  wenn  der  Beschwerdeführer  aber  die  Aufmerksamkeit  der  nordirakischen  Behörden  geweckt  haben  sollte,  hat  er  in  der  Schweiz  nicht ein derart herausragendes politisches Profil entwickelt, das  ihn bei  einer Rückkehr  in den Nordirak einer konkreten Gefährdung seitens der  Behörden  aussetzen  würde,  zumal  er  in  der  Schweiz  als  blosser  Teilnehmer  einer  Demonstration  auftritt  und  innerhalb  der  WCPI  keine  Führungsaufgabe wahrnimmt.  Es  mag  zwar  zutreffen,  dass  in  der  Provinz  Sulaymaniya  vereinzelt  besonders  aktive  oder  einflussreiche Mitglieder  der WCPI  von  der PUK  nahestehenden  Personen  oder  Behörden  festgenommen  oder  anderweitig  behelligt  worden  sind;  daraus  kann  aber  nicht  auf  eine  generelle Verfolgungssituation  für  alle Mitglieder der WCPI geschlossen  werden  (vgl.  dazu  die  Einschätzung  des  Gerichts  im  Entscheid  E­ 1176/2008 vom 19. August 2008).  Aus den zahlreichen eingereichten Berichten über die Situation kritischer  Journalisten  und  anderer  Medienschaffender  im  Nordirak  kann  der  Beschwerdeführer  ebenfalls  nichts  zu  seinen  Gunsten  ableiten,  da,  abgesehen von einer beiläufigen Bemerkung in der Eingabe vom 26. Mai  2010  und  von  ohne  weitere  Ausführungen  eingereichten  Beweismitteln  (vgl. Beschwerdebeilagen 7 und 8), keine Hinweise dafür vorliegen, dass  er Journalist wäre oder sich in anderer Weise als Berichterstatter betätigt  hätte.  Zusammenfassend  ist  festzuhalten,  dass  der  Beschwerdeführer  kein  Profil  aufweist,  welches  seine  subjektive  Furcht,  bei  einer  Rückkehr  in  den Nordirak  einer  flüchtlingsrechtlich  relevanten Verfolgung  ausgesetzt  zu werden, als objektiv begründet erscheinen lässt.  7. Dem  Beschwerdeführer  ist  es  somit  nicht  gelungen,  die  Flüchtlingseigenschaft  nachzuweisen  oder  zumindest  glaubhaft  zu  machen. Das BFM hat das Asylgesuch daher zu Recht abgelehnt. 8. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein,  verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz (Art. 44 Abs. 1 

E­4103/2009 AsylG).  Die  Wegweisung  wird  nicht  verfügt,  wenn  die  asylsuchende  Person  im  Besitz  einer  gültigen  Aufenthalts­  oder  Niederlassunsgbewilligung ist oder Anspruch darauf hat. Da  der  Beschwerdeführer  weder  im  Besitz  einer  aufenthaltsrechtlichen  Bewilligung  ist noch einen Anspruch darauf hat, wurde die Wegweisung  vom BFM zu Recht verfügt. 9. 9.1.  Das  Bundesamt  regelt  das  Anwesenheitsverhältnis  nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern, wenn  der  Vollzug  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar  oder  nicht  möglich ist (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom  16.  Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  [AuG,  SR  142.20]). Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Vollzugshindernissen  gilt  gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  der  gleiche  Standard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft,  das  heisst,  sie  sind  zu  beweisen,  wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls zumindest glaubhaft  zu  machen  (vgl.  WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Auflage, Basel 2009, Rz. 11.148). 9.2. Der Vollzug der Wegweisung ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche  Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des  Ausländers  in  den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat  entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). Keine  Person  darf  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen werden darf, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus  einem  Grund  nach  Art.  3  Abs.  1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art.  5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli  1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). 9.3.  Da  es  dem  Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  die  Flüchtlingseigenschaft  gemäss  Art.  3  AsylG  bzw.  Art.  1  A  Ziff.  2  des  Abkommens  vom  28.  Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  (FK, SR 0.142.30) nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, findet das in  Art.  5  AsylG  und  Art.  33  Abs.  1  FK  verankerte  Prinzip  des  flüchtlingsrechtlichen  Refoulementverbots  im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung.  Eine  Ausschaffung  des  Beschwerdeführers  in  den 

E­4103/2009 Nordirak ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG und Art. 33 Abs.  1 FK rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers  noch  aus  den  Akten  Anhaltspunkte  dafür,  dass  er  für  den  Fall  einer  Ausschaffung  in  den  Nordirak  dort  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  einer  nach Art.  3  der Konvention  vom 4. November  1950  zum Schutze  der Menschenrechte und Grundfreiheiten  (EMRK, SR 0.101) oder Art. 1  des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR  0.105)  verbotenen  Strafe  oder  Behandlung  ausgesetzt  wäre.  Auch  die  allgemeine  Menschenrechtssituation  im  Nordirak  lässt  den  Wegweisungsvollzug  zum  heutigen  Zeitpunkt  nicht  als  unzulässig  erscheinen.  Damit  erweist  sich  der  Vollzug  der  Wegweisung  sowohl  im  Sinne  der  asyl­ als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen als zulässig. 9.4.  Der  Vollzug  der Wegweisung  erweist  sich  für  Ausländerinnen  oder  Ausländer als unzumutbar, wenn sie  im Heimat­ oder Herkunftsstaat auf  Grund  von Situationen wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner Gewalt  oder  medizinischer  Notlage  allgemein  gefährdet  sind  (Art.  83  Abs.  4  AuG).  Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von  Art. 83  Abs.  7  AuG  –  die  vorläufige  Aufnahme  zu  gewähren  (vgl.  Botschaft  zum  Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom 8. März 2002, BBl 2002 3818). Das Bundesverwaltungsgericht hat sich in den Urteilen BVGE 2008/4 und  BVGE  2008/5  ausführlich  mit  der  Sicherheitslage  im  Nordirak  auseinandergesetzt. Im letzteren Urteil befasste es sich insbesondere mit  der  Frage  der  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  in  die  drei  kurdischen Provinzen des Nordiraks (Dohuk, Erbil, Sulaymaniya). Es kam  zum  Schluss,  dass  in  den  kurdischen  Nordprovinzen  keine  Situation  allgemeiner  Gewalt  herrsche  und  die  dortige  politische  Situation  nicht  dermassen  angespannt  sei,  als  dass  eine  Rückführung  dorthin  als  generell  unzumutbar  betrachtet  werden  müsste.  Die  Anordnung  des  Wegweisungsvollzugs setze  jedoch voraus, dass die betreffende Person  ursprünglich aus der Region  stamme oder  eine  längere Zeit  dort  gelebt  habe  und  über  ein  soziales  Netz  (Familie,  Verwandtschaft  oder  Bekanntenkreis)  oder  über  Beziehungen  zu  den  herrschenden  Parteien  verfüge. Andernfalls dürfte eine soziale und wirtschaftliche  Integration  in 

E­4103/2009 die kurdische Gesellschaft nicht gelingen, da der Erhalt einer Arbeitsstelle  oder  von Wohnraum  weitgehend  von  gesellschaftlichen  und  politischen  Beziehungen  abhänge.  Zusammenfassend  sei  die  Anordnung  des  Wegweisungsvollzugs  für  alleinstehende,  gesunde  und  junge  kurdische  Männer, die ursprünglich aus der Region stammten und dort nach wie vor  über  ein  soziales  Netz  oder  Parteibeziehungen  verfügten,  in  der  Regel  zumutbar. Für alleinstehende Frauen und für Familien mit Kindern, sowie  für  Kranke  und  Betagte  sei  bei  der  Feststellung  der  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  grosse  Zurückhaltung  angebracht  (vgl.  BVGE  2008/5 E. 7.5.8 S. 72). Beim  Beschwerdeführer  handelt  es  sich  um  einen  alleinstehenden,  jungen  und  (bis  auf  die  (…)verletzung)  offenbar  gesunden  kurdischen  Mann,  der  bis  zu  seiner  Ausreise  im  Nordirak  gelebt  hat  und  dort  mit  nahen Angehörigen über ein intaktes Beziehungsnetz verfügt. Damit sind  gemäss  dem  erwähnten Grundsatzurteil  die  Voraussetzungen  für  einen  zumutbaren Wegweisungsvollzug  in den Nordirak erfüllt. Aus den Akten  sind  zudem  keine  individuellen  Vollzugshindernisse  ersichtlich.  Insbesondere  lässt  sich  aus  seinen  gesundheitlichen  Problemen  auf  Grund der (…)verletzung kein Vollzugshindernis ableiten. Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als  zumutbar. 9.5.  Schliesslich  obliegt  es  dem  Beschwerdeführer,  sich  bei  der  zuständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr  notwendigen Reisedokumente  zu  beschaffen  (vgl. Art.  8 Abs.  4 AsylG),  weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist  (Art. 83 Abs. 2 AuG). 9.6.  Zusammenfassend  hat  die  Vorinstanz  den Wegweisungsvollzug  zu  Recht  als  zulässig,  zumutbar  und möglich  erachtet. Die Anordnung des  Wegweisungsvollzugs ist zu bestätigen. 10. Dem  Beschwerdeführer  ist  es  somit  nicht  gelungen  darzutun,  inwiefern  die angefochtene Verfügung Bundesrecht verletzt, den rechtserheblichen  Sachverhalt unrichtig oder unvollständig feststellt oder unangemessen ist  (Art. 106 AsylG). Die Beschwerde ist deshalb abzuweisen. 11. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 600.­ (Art. 1 

E­4103/2009 bis  3  des  Reglements  vom  21.  Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2]) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG).  Dieser Betrag  ist mit dem  in gleicher Höhe geleisteten Kostenvorschuss  zu verrechnen.

E­4103/2009 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Die  Kosten  des  Verfahrens  von  Fr.  600.­  sind  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen.  Dieser  Betrag  wird  mit  dem  in  gleicher  Höhe  geleisteten  Kostenvorschuss verrechnet. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Gabriela Freihofer Simon Thurnheer

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